Sonntag, 15. Januar 2012

Major von Treuenfeld - Adjutant Ludendorffs bis 1937, General der Waffen-SS bis 1945

Zu einer Geschichte der Ludendorff-Bewegung während des Zweiten Weltkrieges gehört sicherlich zu nicht geringen Teilen auch die vergleichsweise prominente Biographie des vormaligen Majors Karl von Treuenfeld (1885 - 1946), des langjährigen Adjutanten Erich Ludendorffs. Treuenfeld hat im Hauptquartier im Osten und im Großen Generalstab unter Ludendorff gearbeitet und hat dort unter anderem Ausbildungsvorschriften zusammengestellt (1). Ludendorff wohnte in den Jahren 1919 und 1920 in der Wohnung der Schwiegermutter von Treuenfelds in der Viktoriastraße in Berlin-Tiergarten.

Abb. 1: Ludendorff im Gespräch mit Blomberg und Fritsch - links im Hintergrund Karl von Treuenfeld, 9.4.1935
Mit seiner aufsehenerregenden Uniform der Totenkopfhusaren hat Treuenfeld bis zum Lebensende Erich Ludendorff Adjutantendienste geleistet. So an dessen siebzigsten Geburtstag anläßlich des Besuches von Blomberg und Fritsch am 9. April 1935 in Tutzing (Abb. 1). Und so auch in ernsteren Auseinandersetzungen Ludendorffs mit Hitler, Goebbels, Göring und der Wehrmacht-Spitze. Ein Dienst also, den man bestimmt nicht immer als ungefährlich betrachten konnte. War es doch auch von Treuenfeld, der persönlich an Goebbels eine Forderung auf Pistolen von Seiten Ludendorffs überbrachte (2). (Die Details zu all dem sind noch nach und nach nachzutragen.)

Weitere Adjutanten Ludendorffs

Ludendorff hatte in den 1920er Jahren verschiedene Personen, die für ihn "Adjutantendienste" leisteten. Er schreibt in seinen Lebenserinnerungen über die ersten Jahre seiner Münchener Zeit (1920 bis 1923) (14, S. 155):
Der Besuch der zahlreichen Veranstaltungen in München war mir dadurch erleichtert, daß mir von dem Kommandeur der Sicherheitpolizei, bald hieß sie Schutzpolizei, Oberst von Seisser, einemfrüheren Generalstabsoffizier, ein Kraftwagen der Polizei für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. Mich begleitet zu ihnen "als mein Adjutant" Oberleutnant v. Grolmann. (...) Er hatte den Abschied aus der Schutzpolizei Berlin infolge seiner Haltung in den Kapptagen erhalten und war nun auf meine Befürwortung hin bei der Schutzpolizei in München angestellt. Es war mir angenehm, bei den Veranstaltungen einen Gehilfen an meiner Seite zu haben, der auf manches Bedacht nahm, was mir gegenüber von den Veranstaltern zu berücksichtigen war.
Ob es sich bei diesem von Grolman um den späteren ersten Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages gehandelt hat oder um einen etwa gleichaltrigen Verwandten, muß einstweilen offen bleiben. Zu den Personen, die in jener Zeit Adjutantendienste bei Ludendorff leisteten gehörte auch der schon in einem anderen Beitrag erwähnte Freiherr Karl von Eberstein (1894 - 1979) der Polizeipräsident von München des Jahres 1938.

Göring, der "völkische Kämpfer" von 1923

Am 15. April 1937 hatten die Generale von Blomberg, von Fritsch und Raeder zusammen mit von Reichenau General Ludendorff die Glückwünsche zum 55. Gedenktag seines Eintritts in das Heer überbracht. Göring hatte sich durch Kaupisch vertreten lassen. Offenbar in Anknüpfung an diesen Besuch richtete Erich Ludendorff am 3. Mai 1937 an Göring ein Schreiben, in dem er auch von Treuenfeld erwähnte. - Es war das nicht das erste mal, daß Ludendorff einen Brief an Göring schrieb. Beide kannten sich auch persönlich, wie auf Fotos aus den frühen 1920er Jahren zu sehen ist. Im April 2010 ist bei Hermann-Historica versteigert worden (laut Auktionskatalog) ein
handgeschriebener Brief an Hermann Göring  mit der Bitte um Weitergabe eines streng vertraulichen Briefes an Kapp vom 16.04.20. Durch den sog. Kapp-Putsch am 13.03.20 übernahmen rechte Truppen unter Führung von Wolfgang Kapp, Walther von Lüttwitz und Erich Ludendorff die Regierungsgewalt in Berlin und brachten so Deutschland an den Rande eines Bürgerkrieges. Nach fünf Tagen brach der Putsch zusammen und Kapp floh nach Schweden. Ludendorff versuchte wohl über den sich ebenfalls in Schweden befindenden Göring die Verbindung aufrecht zu erhalten.
Hier der kurze Wortlaut des Briefes:
Berlin, 16.4.20
Sehr geehrter Herr Göring!
Darf ich Sie bitten, den anliegenden Brief an Herrn Kapp weiterzugeben.
Mit vorzüglicher Hochachtung und mit der Bitte, die Sache streng vertraulich zu behandeln
Ihr
sehr ergebener
Ludendorff.
Der "Fliegerhauptmann a.D." Hermann Göring war es unter anderem auch, der jene SA-Einheiten befehligte, deren Front Ludendorff aus Anlaß der Einweihung des Oberlanddenkmales in Schliersee am 30. September 1923, wennige Wochen vor dem Hitler-Ludendorff-Putsch in München, abging, und deren Vorbeimarsch er dann abhnahm (s. nächster Beitrag).

Mai und Juni 1937 - von Treuenfeld soll Göring über die "Gotterkenntnis (Ludendorff)" Auskunft geben

Ludendorff schrieb also nun Anfang Mai 1937 an Göring (3, S. 57f):


Tutzing, den 3. 5. 1937
Sehr geehrter Herr Generaloberst!

Da ich nicht weiß, wann Sie bei Ihrem ungemein großen Wirkungsbereich Zeit finden, Ihre Absicht, nach Tutzing zu kommen, auszuführen, und ich vier Wochen mit meiner Frau auf unserer Berghütte bei Klais bei Mittenwald fahre, so möchte ich Ihnen doch auch das mitteilen, was ich am 15. 4. dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generalfeldmarschall v. Blomberg, und den Oberbefehlshabern des Heeres und der Marine als Bitte aussprach, daß sich die Offiziere nicht befehlsmäßig von meinem Geistesgut fernhalten sollen. Es ist nun einmal so, daß auch die Offiziere mich zerteilen in den Feldherrn und Schriftsteller, und das ist mir tief schmerzlich. Ich bitte Sie, Herrn Major v. Treuenfeld – Berlin-Dahlem, Königin-Luisen-Str. 13 -, einen von mir aus dem Weltkriege bekannten vortrefflichen Generalstabsoffizier und mir sehr nahestehenden völkischen Kämpfer zu kurzem Vortrage zu empfangen. Er genießt mein volles Vertrauen und kann mit wenigen Worten die nötige Aufklärung geben, die es auch Ihnen, Herr Generaloberst, erleichtern wird, mein Ringen zu verstehen.

Nun möchte ich mich noch an den alten völkischen Kämpfer vom 9. 11. 1923 wenden und ihm Ausdruck geben, wie sehr es mich beunruhigt, die Artikel 230 und 231 noch im neuen Entwurf es Strafgesetzbuches zu wissen. Diese Beunruhigung ist nach der unerhörten Enzyklika des Papstes vom 14. 3. noch größer geworden. Der Gott, auf den heute die Soldaten vereidigt werden, ist nach römischen, d. h. päpstlichen Begriffen Gotteslästerung. Ich glaube nicht an einen Zufall, mich hat es tief betroffen, daß einer dieser Paragraphen dem ‚Wiedergutmachungsparagraphen’ des Versailler Schandpaktes durch die Ziffer 231 entspricht. Der Staat hat nicht Rom gegenüber ‚wieder gutzumachen’, aber diese Absicht verbindet Rom mit dem Paragraphen. Die unleidliche Herrschaft machtlüsterner Priesterkasten wird durch die Paragraphen verewigt. Sind sie angenommen, dann kann die Hetze gegen den totalen völkischen Staat erst recht beginnen.

Ich führe Vorstehendes auch in Verantwortung der Deutschen aus, die sich zur Deutschen Gotterkenntnis (Ludendorff) bekennen, der der Führer und Reichskanzler am 30. 3. volle Gleichberechtigung zugesprochen hat. Über diese Gotterkenntnis kann Herr v. Treuenfeld Ihnen Auskunft  geben. Gehen die Ketzerparagraphen durch, dann ist von Gleichberechtigung in Praxis nach dem Willen Roms nicht mehr die Rede. In dieser ernsten Sorge habe ich geschrieben.

Herzlich würde ich mich freuen, wenn Sie Ihre Absicht, mich doch einmal aufzusuchen, ausführen würden.

Bis dahin grüße ich den Kameraden des Weltkrieges und den alten völkischen Kämpfer vom 9. 11. 23.

Ihr sehr ergebener
Ludendorff

Auf dem Brief findet sich die handschriftliche Notiz Görings: „Sofort zum Diktat vorlegen. Gg. Entwurf Strafgesetzbuch mir vorlegen. Gg.“

Göring antwortete darauf mit folgendem Schreiben (3, S. 59 – 61):

Berlin, den 2. Juni 1937
Sehr geehrter Herr General!

Ich bitte um Verzeihung, wenn ich erst heute dazu komme, Ihren Brief vom 3. Mai zu beantworten. Ich war unterdessen zweimal im Ausland und auch sonst viel auf Reisen und Besichtigungen. Jedoch werde ich Ihrem Wunsch gern nachkommen und den Major von Treuenfeld in den nächsten Tagen empfangen.

Was nun Ihre Wünsche anbelangt, so möchte ich zunächst darauf hinweisen, daß ich innerhalb der Luftwaffe keinem Offizier befohlen habe, sich von dem Geistesgut Euerer Exzellenz fernzuhalten; im Gegenteil kann ich darauf hinweisen, daß einer meiner jungen Ordonnanzoffiziere stets Ihre Schriften gelesen hat und ein eifriger Anhänger Ihrer Geistesrichtung ist. Es ist mir niemals eingefallen, davon Abstand zu nehmen.

Was nun die Artikel 230/231 des Strafgesetzbuches anbetrifft, so glaube ich, Euere Exzellenz vollkommen beruhigen zu können. Dies sind zunächst nur Vorschläge des Justizministers und werden erst noch im Kabinett durchgearbeitet. Vertraulich kann ich Ihnen mitteilen, daß die bisherigen Paragraphen fast völlig im Kabinett umgekrempelt wurden, was ja auch selbstverständlich ist, wenn man bedenkt, daß erst im Kabinett die nationalsozialistische Auffassung von dem Gesetzeswerk zur Geltung und zum Durchbruch kommt. Ich selbst jedenfalls passe bei jedem Paragraphen höllisch auf, daß er keine Fassung bekommt, die unserer Auffassung nicht vollkommen entspricht. Gegen die Fassung des § 230 vermag ich allerdings nichts einzuwenden. Denn ich glaube mich mit Ihnen einig, daß, wer Gott lästert oder das religiöse Empfinden des Volkes böswillig verletzt, bestraft werden muß. Das bedeutet nun keineswegs, daß das religiöse Empfinden des deutschen Volkes verletzt ist, wenn bestehende Konfessionen oder deren Lehre aufs schärfste angegriffen und abgetan werden, sondern das religiöse Empfinden soll sich ausschließlich beziehen auf das Gottesbewusstsein und überhaupt für das Vorhandensein einer religiösen Einstellung, gänzlich frei von Konfessionen und Kirchen. Wenn man jedoch Gottesempfinden und Gottesglauben zerstört, so würde dies nach meiner festen Überzeugung zu einer völligen Zerstörung aller moralischen Grundlagen des Volkes führen.

Sehr viel bedenklicher ist der § 231, der auch meiner Überzeugung nach in dieser Fassung nicht bestehen bleiben kann. Im Gegenteil, ich glaube, daß dieser Paragraph vollständig zu verschwinden hat. Denn in einer weiteren Auffassung könnte sogar nach diesen Paragraphen nicht einmal die verwerfliche Geistesgrundlage  des Judentums angegriffen werden.

Ich hoffe, damit die Bedenken Euerer Exzellenz einigermaßen ausgeräumt zu haben. Im übrigen wird es nach wie vor mein Bestreben sein, baldigst mit Euerer Exzellenz persönlich zusammenzutreffen.
Mit aufrichtigen Wünschen und Heil Hitler bin ich

Euerer Exzellenz sehr ergebener
Göring

Ob Göring von Treuenfeld dann tatsächlich empfangen hat und ob sich weitere Folgen aus diesem Briefwechsel ergeben haben, muß einstweilen offen bleiben.

1937 - Zwischen Ludendorff und Hitler

Der damalige regierende Bürgermeister von Hamburg, Carl Vincent Krogmann, schrieb am 28. Februar 1938 in sein Tagebuch (15, zit. n. 16):
Gefrühstückt im Hotel Vier Jahrezeiten mit Herrn von Treuenfeld aus Berlin. Er erzählte mir u. a., daß er auf dem Wege über Blomberg die Aussprache des Führers mit Ludendorff vermittelt habe. Dieses wäre außerordentlich schwierig gewesen, da man es mit allen Mitteln habe verhindern wollen. Es wäre schließlich nur dadurch gelungen, daß außer Blomberg, dem Führer, Ludendorff und ihm, von Treuenfeld, keiner Kenntnis von der Absicht gehabt habe, auch die nähere Umgebung des Führers nicht.

Er könne mir über die Einzelheiten dieses Gesprächs nichts sagen, nur so viel, daß eine zweistündige Aussprache unter vier Augen stattgefunden habe und eine vollständige Klärung aller Fragen erfolgt sei. Die Aussprache habe im Generalkommando in München stattgefunden, auch dieses wäre bisher nicht bekannt geworden, die Aussprache wäre außerordentlich freundschaftlich verlaufen. Anschließend an die Aussprache unter vier augen wären dann Blomberg und er noch hinzugezogen worden.

Nach der Aussprache wäre dann ein erneuter Versuch gemacht worden, Ludendorff und den Führer auseinander zu bringen, und zwar wäre ein gefälschter Brief, den Ludendorff angeblich nach Österreich geschrieben habe und in dem vor einem Bündnis zwischen Italien und Deutschland gewarnt würde, in die Hände von Mussolini gespielt worden. Die Italiener hätten sich geweigert, das Original herauszugeben, und hätten nur eine Photokopie gesandt, aus welcher die Fälschung klar hervorgeagngen wäre (...). Der Führer habe daraufhin die Abberufung des italienischen Botschafters in Wien verlangt, dieses ist dann auch sofort erfolgt. Der Führer sei sich klar darüber, daß der nicht der Hauptschuldige gewesen ist, aber die Hintergründe wären wohl kaum aufzudecken. bis zu dieser Klärung wäre natürlich wieder eine Spannung entstanden, die aber Gott sei Dank noch vor dem Tode von Ludendorff hätte wieder beseitigt werden können.

Für ihn, Treuenfeld, wäre dieses Gefühl, den Ausgleich herbeigeführt zu haben, eine sehr schöne Genugtuung. Er habe dreimal im letzten Jahre mit dem Führer in diesen Fragen unmittelbar verhandelt.

Über Blomberg war er sehr traurig und sagte, er müsse wohl mit seinen Nerven vollständig fertig gewesen sein. Dieses hätte ihm ein Herr im Kriegsministerium bestätigt, der dem Generalfeldmarschall unmittelbar Vortrag gehalten habe.

Über den Generaloberst von Fritsch sagte er mit der Bitte um äußerste Verschwiegenheit, daß der wahre Grund § 175 sei und daß das ganze Material über Blomberg und Fritsch dem Führer vom Reichsführer SS vorgelegt sei.

Über von Brauchitsch äußerte er sich anerkennend, die Personalabteilung hätte der Bruder von Keitel bekommen, der Generalstabschef Beck wäre geblieben, das Gerücht, daß er fort wäre, sei falsch. Von Treuenfeld gehört zu den vier ehemaligen Generalstabsoffizieren der alten Armee, die an den großen Generalstabsreisen als Gäste teilnehmen.
Franz von Bebenburg schreibt dazu (16, S. 312):
Daß v. Fischer-Treuenfeld sich ein Jahr später noch befriedigt zeigte, an der Vermittlung der Aussprache mitgewirkt zu haben, erklärt sich u.a. auch aus seiner persönlichen Lage. Er hatte sich als Offizier reaktivieren lassen, aber seine Verehrung Ludendorffs stand zwischen ihm und seinen Vorgesetzten und Kameraden; das führte (z.T. schon wegen der christlichen Einstellung der Offiziere) zu Spannungen. Treuenfeld durfte deshalb hoffen, daß sich die Aussprache Hitler-Ludendorff auf seine berufliche Sphäre günstig auswirken werde, wenn Ludendorff nun nicht mehr als Staatsfeind bezeichnet werden konnte.
von Treuenfeld als General der Waffen-SS

Auf Wikipedia kann man aber nun zusätzlich über von Treuenfeld lernen, daß seine Adjutantendienste für Ludendorff bis Ende 1937 seiner Karriere danach nicht scheinen geschadet zu haben. Schließlich wurde er nach dem Tod Ludendorffs nichts geringeres als SS-General, Befehlshaber der Waffen-SS in "Böhmen und Mähren", in der Ukraine und in Italien, sowie - nach Schwierigkeiten mit der Gestapo - bis zu einer schweren Verwundung bei der Verteidigung von Tarnopol am 22. April 1944 eingesetzt als Divisionskommandeur der 10. SS-Panzerdivision "Frundsberg" (siehe Abb. 2), jener Division, der auch der Schriftsteller Günther Grass angehörte. 

Abb. 2: SS-General von Treuenfeld
Damit stand er auffallenderweise im Brennpunkt zahlreicher zeitgeschichtlich bedeutsamer Ereignisse des Zweiten Weltkrieges. Und da Ludendorff in seinem Brief an Göring 1937 schrieb, Göring solle sich durch von Treuenfeld seinen Geisteskampf erläutern lassen, wäre zu fragen, wie sich ein Kenner dieses Geisteskampfes und Adjutant Ludendorffs gegenüber der Staatsspitze bis 1937 im Rahmen dieser zeitgeschichtlichen Brennpunkte bewegte. Was erlebte er und wie schöpfte er - etwaig gegebene - Handlungsspielräume aus?

1946 soll er in amerikanischer Kriegsgefangenschaft Selbstmord begangen haben.

Seine Witwe hat 1957 den Kaufmann Hans-Karl von Borries (1898 - 1988) geheiratet. Sie ist heute wohl ebenfalls schon gestorben. Allerdings könnte eine Tochter von ihm noch leben (4). In seinem Nachlaß, so er erhalten ist (vielleicht auch in amerikanischen Archiven?), müßte es ja noch viele zeitgeschichtlich bedeutsame Dokumente geben. Der Wikipedia-Artikel über ihn lautet mit den von uns eingetragenen Ergänzungen bezüglich seiner Kontakte zu Ludendorff (die Nachweise zu den eckigen Klammern beziehen sich auf den zitierten Wikipedia-Artikel selbst, nicht auf die Nachweise dieses Beitrages):
Fischer-Treuenfeld war Generalstabsoffizier unter General Erich Ludendorff im Hauptquartier im Osten und im Großen Hauptquartier. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Ludendorff über ihn: "Er ist einer der wenigen aus jenen Tagen, die in unwandelbarer Anhänglichkeit mir zur Seite standen.".[1]

Fischer-Treuenfeld heiratete am 5. Juni 1919 in Hittfeld Lenore Newman (* 7. Februar 1901 in Hamburg; † ....), die Tochter des Kaufmanns Henry P. Newman und der Maria-Louisa von Düring. Das Ehepaar hatte eine Tochter und einen Sohn, der bereits 1943 im Zweiten Weltkrieg bei Czarków fiel. Ehefrau Lenore heiratete 1957 in zweiter Ehe den Kaufmann Hans von Borries.

1920 stellte Treuenfeld General Ludendorff die Wohnung seiner Schwiegermutter Newman in der Viktoriastrasse in Berlin-Tiergarten zur Verfügung.[2]

1922 stellte ihn General Erich Ludendorff dem Politiker Adolf Hitler vor. Fischer-Treuenfeld sollte nach den gemeinsamen Planungen als Leiter der „Völkischen Verbände“ von Hamburg und Umgebung 1923 bei einem Münchener Erfolg des Hitlerputsches auf Berlin marschieren.[3]

Treuenfeld wohnte in Berlin-Dahlem und fungierte bis zum Lebensende Ludendorffs am 20. Dezember 1937 als Adjutant in dessen Unterhandlungen mit den Führern des Dritten Reiches und der Wehrmacht.[4][5]

Im Jahr 1929 fallierte Fischer-Treuenfeld mit seiner Importfirma und äußerte hierzu in antisemitischer Projektion 1939 in einem Lebenslauf, „der Hass jüdischer und freimaurerischer Wirtschaftskreise“ habe sein Scheitern verursacht.[6]

Auf seinen Antrag wurde durch Beschluss des preußischen Innenministeriums vom 27. September 1933 in Berlin sein Name in „von Treuenfeld“ geändert.

Nach 1933 trat Treuenfeld der Reiter-SS bei, nicht jedoch der NSDAP. Innerhalb der SS-Hierarchie stieg er zum SS-Brigadeführer und Generalmajor auf. 1941 war er Brigadekommandeur der 1. SS-Brigade. Er wurde 1941 zunächst Befehlshaber der Waffen-SS Nordost. Anschließend war er Befehlshaber der Waffen-SS Nordwest. Ende 1941 wurde er Generalmajor der Polizei und Befehlshaber der Waffen-SS im Protektorat Böhmen und Mähren unter dem stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich.

Nach dem Attentat auf Heydrich am 27. Mai 1942 wurde durch Verrat bekannt, dass sich die Attentäter Gabčík und Kubiš mit fünf weiteren Beteiligten in der Krypta der Kirche St. Cyrill und Method in Prag verborgen hielten. Treuenfeld ließ die Kirche am 18. Juni 1942 stürmen. Die Gesuchten kamen nach stundenlangem Abwehrkampf durch Suizid ihrer Ergreifung zuvor.

Differenzen zwischen Treuenfeld und der Gestapo führten Ende 1942 zu seiner Ablösung und Versetzung.
Dahinter könnten sich durchaus bemerkenswerte Vorgänge verbergen. Einstweilen muß offen bleiben welche. Weiter heißt es: 
Er wurde Befehlshaber der Waffen-SS Russland-Süd und Ukraine von Februar bis November 1943. Von November 1943 bis April 1944 agierte er, zum SS-Gruppenführer und Generalleutnant befördert, als Kommandeur der 10. SS-Panzer-Division „Frundsberg“. Dieses Kommando gab er ab nach schwerer Verwundung bei der Verteidigung von Tarnopol am 22. April 1944. Mitte 1944 wechselte er zur SS-Führung in das SS-Hauptamt der Inspektion. Im selben Jahr wurde Treuenfeld Befehlshaber der Waffen-SS in Italien.

Er geriet in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft und beging am 6. Juni 1946 Suizid.
Auch zu den Umständen seines Selbstmordes muß einstweilen alles offen bleiben. Warum erfolgte er erst ein Jahr nach Gefangennahme? Welche Gründe gab es für ihn?

Fanatischer, unbändiger Haß soll im Krieg zu "höchsten Taten" befähigen (1943)

Aus welchem Geist heraus von Treufenfeld während des Zweiten Weltkrieges gehandelt hat, geht hervor aus einem Zitat, das in mehreren Büchern zitiert wird, und in dem er am 25. November 1943 im Rahmen des weltanschaulichen Unterrichts „fanatischen Haß" als Antwort auf die Bombardierung deutscher Städte fordert. Wörtlich (12, S. 192):
"Durch die Vorträge über unsere Gegner soll jeder Mann zu einem fanatischen Hasser erzogen werden. (...) Es ist ganz gleich, an welcher Front unsere Division zum Einsatz kommen wird: der unbändige Haß gegen jeden Gegner, sei er Engländer, Amerikaner, Jude oder Bolschewist, muß jeden unserer Männer zu höchsten Taten befähigen."
von Treuenfeld kehrte hier also die Zielrichtung des fanatischen Hasses, der sich in Form der anglo-amerikanischen Bombardierungen und der Erwartung und Förderung der "Sowjetisierung Ostdeutschlands" durch die russische Armee unterschiedslos gegen die deutsche Zivilbevölkerung, auch gegen Frauen, Kinder und alte Menschen richtete, also etwa den Deutschenhaß des britischen Foreign Office eines Lord Vansittart und fast aller seiner Kollegen (13), ins Gegenteil um und forderte, daß auch die Handlungen der deutschen Soldaten durch einen ähnlichen fanatischen Haß beseelt sein müßten.

Daß die "höchsten Taten", zu denen dieser Haß befähigen sollte - so wie die genannten Taten der gegnerischen Politiker und Streitkräfte - Kriegsverbrechen beinhalten sollten, ist in diesen Worten selbst allerdings nicht enthalten.

Abb. 3: Reinhard Heydrich, Rudolf Toussaint, Karl von Treuenfeld (eingekreist), Karl Hermann Frank am 20. April 1942

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von Treuenfeld wird - laut z.B. Google Bücher ab - in vielen Veröffentlichungen erwähnt (1 - 12):

  1. The Spectator, Band 148, 1932. Rezension von "Ludendorff - The Tragedy of a Specialist" by Karl Tschuppik. Translated by WH Johnston. (Google Bücher)
  2. Goebbels, Joseph: Die Tagebücher. Teil 1. Aufzeichnungen 1923 - 1941. März - November 1937. Bearb. von Elke Fröhlich, Band 4 (Google Bücher)   
  3. Emessen, T. R. (Bearb.): Aus Görings Schreibtisch. Ein Dokumentenfund. Dietz Verlag, Berlin 1990
  4. Starke, C.A.: Genealogisches Handbuch des Adels, Band 146. Verlag Ostsee, 2009 (Google Bücher)
  5. Himmler, Heinrich: Sammlung. Zusammengestellt von Helmut Heiber. Deutsche Verlags-Anstalt, 1968 (318 S.) (Google Bücher)
  6. Witte, Peter (Hg.): Der Dienstkalender Heinrich Himmlers 1941/42. Band 3 von Hamburger Beiträge zur Sozial- und Zeitgeschichte: Quellen. Verlag Christians, 1999 (789 S.) (Google Bücher)
  7. Findbücher zu Beständen des Bundesarchivs, Josef Henke: Bestand NS 19, Band 57, Teil 1. Persönlicher Stab Reichsführer-SS. 1997 (1083 S.) (Google Bücher)
  8. Preradovich, Nikolaus: Die Generale der Waffen-SS. Vowinckel-Verlag, 1985 (285 S.) (Google Bücher)
  9. Theisinger, Hugo: Die Sudetendeutschen. Verlag Obermayer, 1987 (608 S.) (Google Bücher)
  10. Michaelis, Rolf: Die 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg". Michaelis-Verlag, 2004 (166 S.) (Google Bücher)
  11. Cüppers, Martin: Wegbereiter der Shoah. Die Waffen-SS, der Kommandostab Reichsführer-SS und die Judenvernichtung 1939-1945. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004 (464 S.) (Google Bücher)
  12. Wegner, Bernd: Hitlers politische Soldaten. Die Waffen-SS 1933-1945, S. 192
  13. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941. Magisterarbeit, Main 1993 (Academia.edu, Lulu)
  14. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volkschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1941
  15. Krogmann, Carl Vincent: Es ging um Deutschlands Zukunft. Erlebtes täglich diktiert von dem früheren Regierenden Bürgermeister von Hamburg. Druffel-Verlag, Leoni am Starnberger See 1976, 1977, 1982 (372 S.) (Google Bücher)
  16. von Bebenburg, Franz: Über Märchenerzähler und andere. Zum 30.3.1937. In: Mensch & Maß, Folge 7, 9.4.1977, S. 297 - 314 [zu den Erinnerungen von C. V. Krogmann]

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