"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Freitag, 8. März 2024

Gelsenkirchen-Buer - Außenstelle des Dürer-Verlages in Buenos Aires?

Gelsenkirchen-Buer ist eine Stadt am Nordrand des Ruhrgebietes. In ihr haben die Menschen im Frühjahr 1923 in Zusammenhang mit der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen viele der damals die ganze Nation empörenden Ereignisse unmittelbar vor ihrer Haustür erlebt. Es wird darüber zum Beispiel das folgende berichtet (Gelsenkirchen-Wiki):
Im Januar 1923 besetzen französische Truppen Gelsenkirchen, Buer und Horst. (...)
21.2.1923: (...) Fast täglich kommt es zu Auseinandersetzungen zwischen der deutschen Bevölkerung und den Besatzungstruppen. In Buer erschlägt ein Hufschmied mit dem Hammer einen französischen Offizier, nachdem ihn dieser mit einer Reitpeitsche mißhandelt hatte.
11.3.1923: In Buer werden zwei französische Offiziere erschossen. Die französischen Behörden verhängen sofort den Ausnahmezustand. Der Bürgermeister wird verhaftet und die Bevölkerung ist den Mißhandlungen der Franzosen ausgesetzt. Am 12. März stellt sich heraus, daß französische Soldaten die Offiziere getötet haben.
2.4.1923: Um die auf Halde lagernde Kohle abzutransportieren, besetzen die Franzosen mit großem militärischem Aufgebot zwei staatliche Zechen in Buer und eine private Zeche in Recklinghausen. Bis zum 11. April werden insgesamt 22 Zechen besetzt.
26.6.1923: In Marl und Buer werden im Zusammenhang mit dem verschärften Belagerungszustand drei Deutsche erschossen. Vorausgegangen war die Erschießung zweier belgischer Wachtposten durch einen Deutschen in der Nähe von Marl.  

Vielleicht war es ein solches Geschehen, das mit dazu beigetragen hat, daß in Gelsenkirchen-Buer auch noch in der Zeit danach Menschen lebten, die sich Gedanken über die Weltenläufe machten, die nicht immer auf der Linie des vorherrschenden Mainstreams lagen.

Von Bagdad nach Gelsenkirchen-Buer

Die seltenen Fotografien eines deutschen Funkoffiziers aus dem Ersten Weltkrieg wurden von Archivaren als geschichtliche Quelle gesichert. Dabei stellen sie auch fest: 
- 1937 ist dieser Anhänger der Philosophie von Mathilde Ludendorff geworden

So lebte der vormalige deutschen Funkoffizier des Ersten Weltkrieges, der Diplomingenieur Ernst Liesching (1882-1965) (BSB) viele Jahre in Gelsenkirchen-Buer. Von ihm sind seltene Fotoaufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg überliefert, insbesondere aus Bagdad von der Mesopotamien-Front und von seiner dortigen Zusammenarbeit mit Soldaten der türkischen Armee. Auf seinen Fotografien wird unter anderem auch die bittere Armut deutlich, die damals im Osmanischen Reich herrschte. Und durch solche seltenen und ungewöhnlichen Fotografien entstand ein Interesse auch an seiner sonstigen Biographie (1). 

Für diesen Blog ist Liesching deshalb interessant, weil er 1937 - mit 55 Jahren - aus der protestantischen Kirche ausgetreten ist und Anhänger der Philosophie von Mathilde Ludendorff geworden ist. Er erinnert ein wenig an den vormaligen Funker Wilhelm Knake (1900-1979) (Stgr2015), der sich nach 1945 als rühriger naturwissenschaftsnaher Autor der Ludendorff-Bewegung bemerkbar gemacht hat. Auf einer von ihm aus dem Ersten Weltkrieg erhaltenen Fotografie wirkt Ernst Liesching weich gestimmt und nachdenklich (Abb. 1). Aber vor welchem sonstigen biographischen Hintergrund geschah nun wohl seine Hinwendung zur Philosophie von Mathilde Ludendorff? - Recherchen ergaben, daß Ernst Liesching in Stuttgart geboren worden ist (1):

Sein Vater war ein Enkel des Verlegers, Buch- und Kunsthändlers Samuel Gottlieb Liesching (1786-1864), der in Stuttgart einen Verlag gegründet hatte und sich in der liberalen Bewegung des 19. Jahrhunderts engagierte. Ernst Lieschings Onkel wiederum war der Rechtsanwalt und Politiker Theodor Gottfried Liesching (1865-1922), der von 1901 bis 1918 dem württembergischen Landrat und von 1912 bis 1918 dem Reichstag angehörte. Im November 1918 war er für drei Tage der letzte königlich württembergische Ministerpräsident. Ende 1918 beteiligte sich Theodor G. Liesching an der Gründung der DDP, und von November 1918 bis Februar 1922 bekleidete er das Amt des württembergischen Finanzministers.

Ernst Liesching hat 1901 bis 1905 Maschinenbau an der Technischen Universität Stuttgart, sowie 1906 an der Technischen Hochschule Danzig studiert. Ein solches Studium war damals etwa so fortschrittlich wie heute ein Studium in Informatik. 

1913 wurde sein Sohn in Essen geboren. 

Abb. 1: Dipl.-Ing. Ernst Liesching - Als deutscher Funkoffizier in Bagdad 1916 bis 1918

Am Ersten Weltkrieg hat er dann mit 32 Jahren als Funkoffizier teilgenommen und dabei sind zwei historisch interessante Fotoalben entstanden (1):

Von Herbst 1916 bis Sommer 1918 diente er an der Mesopotamienfront, einem Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs, wo deutsche Truppen an der Seite des Osmanischen Reiches gegen Großbritannien kämpften. (...) Der Großteil der Einzelaufnahmen - knapp 190 Fotos - stammt von Lieschings eigentlicher Station, aus dem Irak, wo er fast zwei Jahre stationiert war. In Bagdad leitete er die ‚Schwere Funkenstation 4 der Kaiserlich deutschen Funkerabteilung 151‘, die der 6. Türkischen Armee zugeteilt war. Die Station befand sich am Standort des Oberkommandos der 6. Armee und verkehrte zum einen mit den in der Armeefront eingesetzten Funkstationen und zum anderen mit einer Großstation in Konstantinopel. Lieschings Bilder stammen aus Bagdad, Tikrit, Kirkuk, Mossul sowie vom Tigris (El-Humr).

Liesching lebte von 1919 bis 1961 in Gelsenkirchen, bzw. in Gelsenkirchen-Buer. Seiner dortigen Entnazifizierungsakte von 1946 sind die weiteren biographischen Hintergründe zu entnehmen (1):

Er bekleidete von Juli 1919 bis Juni 1931 den Posten des Direktors der Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerke Gelsenkirchen. (...) Der vergleichsweise junge Pensionär engagierte sich in der Folge für viele Jahre als ehrenamtlicher Geschäftsführer der Vereinsbezirke Rheinland und Westfalen des Deutschen Vereins von Gas- und Wasserfachmännern.
Von Lieschings privaten Interessen zeugen u. a. die im Fragebogen der Entnazifizierungsakte genannten Mitgliedschaften beim Kegelklub Buer, beim Sauerländischen Gebirgsverein sowie beim Verein für Bodenreform. Außerdem war er ‚Alter Herr‘ der beiden Burschenschaften, denen er als Student in Stuttgart und Danzig angehört hatte. Seit 1907 war er außerdem Mitglied im Verein Deutscher Ingenieure (VDI).
Auch sein Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg findet sich in Lieschings Fragebogen von 1946 wieder. Er war laut eigenen Angaben Mitglied im ‚Bund der Asienkämpfer - Vereinigung der Asienkämpfer, Balkankämpfer und Orientfreunde e. V.‘, einem Veteranenbund des Asien-Korps. Daneben gehörte er der ‚Kameradschaftlichen Vereinigung ehemaliger Angehöriger der Nachrichtentruppen Rheinland und Westfalen‘ an. Laut Lieschings Angaben im Fragebogen erhielt er für seine Einsätze im Ersten Weltkrieg mehrere Auszeichnungen.
Politisch stand Liesching vor 1933 im nationalliberalen Lager: Bei den Reichstagswahlen vom November 1932 und vom März 1933 gibt er im Fragebogen an, die Deutsche Volkspartei (DVP) gewählt zu haben. In der Zeit des Nationalsozialismus tat sich Liesching politisch nicht groß hervor. Zwar trat er 1937 aus der evangelischen Kirche aus, schloß sich der nationalreligiös-völkischen Bewegung von Mathilde Ludendorff (Frau des Generals Erich Ludendorff) an und trat noch 1942 der NSDAP bei. Vom zuständigen Entnazifizierungsausschuß wurde Ernst Liesching 1946 aber als "politisches Kind" bezeichnet und entlastet.

1937 war Ernst Liesching schon 55 Jahre alt. Es wäre sicherlich nicht uninteressant zu erfahren, aufgrund welcher persönlicher Umstände er dazu gekommen ist, aus der evangelischen Kirche auszutreten und sich zur Philosophie von Mathilde Ludendorff zu bekennen. Als Frühpensionierter könnte er Gelegenheit gehabt haben, sich gründlicher mit religiösen und weltanschaulichen Fragen zu beschäftigen, insbesondere solchen Fragen, die sich aus der Nähe zur Naturwissenschaft ergeben. 

Das Bekenntnis könnte auch damit in Zusammenhang stehen, daß es auch in diesen Jahren philosophische Vortragsveranstaltungen der Ludendorff-Bewegung im Rheinland gegeben hat. Wie er sich zur Philosophie von Mathilde Ludendorff nach 1945 gestellt hat, wäre ebenfalls von Interesse.

Hat es Verbindungen zwischen diesem Ernst Liesching und der im folgenden zu erörternden Person gegeben? Darüber wissen wir nichts, wir wollen es auch gar nicht nahelegen. Der gemeinsame Wohnort war nur ein ganz äußerer Beweggrund, beide Personen in einem einzigen Blogartikel zu behandeln.

Von Buenos Aires nach Gelsenkirchen-Buer

Der Verleger Friedrich Adlerhorst

In Gelsenkirchen-Buer lebte nun auch der Verleger Friedrich Adlerhorst (evtl. 1897-1982) (FindGrave). Von Seiten des "Spiegel" ist er im Jahr 1953 als der Ludendorff-Bewegung nahestehend charakterisiert worden. Eine durchaus noch heute lesenswerte, ja, wertvolle Schrift ist 1951 von ihm heraus gegeben worden (2). Diese war dem Bloginhaber schon im Jahr 2011 von Seiten eines älteren Bloglesers zugesandt worden (s. GAj2011). Und diese Schrift hatte dann auf unserem Parallelblog viele Folge-Recherchen ausgelöst, nämlich zu freimaurernahen Autoren wie Ernst Jünger, Hermann Hesse, Friedrich Hielscher und vielen anderen mehr. 

Nachdem wir erst vor wenigen Tagen einmal wieder von einer anderen Blogleserin angeschrieben worden sind genau wegen dieser sehr selten zu findenden Schrift (2), haben wir uns zum ersten mal für den Namen des angegebenen Verlegers interessiert und diesen gegoogelt. Und da finden wir diese Schrift zunächst auch in einer Ernst Jünger-Bibliographie von Karl Otto Paetel von 1953 angeführt (GB). Sie konnte also durchaus auch schon damals von interessierten Menschen wahrgenommen werden. Und wir finden nun außerdem, daß über diesen Verleger im "Spiegel" 1953 unter anderem das folgende berichtet worden ist (Spiegel,2.6.1953), a):

Im April 1952 waren von dem Verleger Friedrich Adlerhorst in Gelsenkirchen-Buer mehrere hundert Drucksachen unter Streifband und in Taschen den Hauptpostämtern in Gelsenkirchen und Buer zur Beförderung übergeben worden. Friedrich Adlerhorst ist alter Ludendorffer, und nach 1945 hat er allerlei rechtsorientierte politische Traktätchen verlegt. Etwa: "Wir Frontsoldaten zur Wiederaufrüstung"; "Dolchstoß oder Legende"; "Offener Brief an den Europäischen Oberbefehlshaber" und einmal auch eine Broschüre "Konrad Adenauer in Vergangenheit und Gegenwart", die im März 1952 nach allerlei eigenartigem Hin und Her "wegen Beleidigung des Herrn Bundeskanzlers" beschlagnahmt worden war (SPIEGEL 18/52), ohne daß der Verfasser der Broschüre bis heute angeklagt worden wäre.

Bei weiterer Recherche läßt sich dieser Verleger nun dem Umfeld des Dürer-Verlages in Buenos Aires zuordnen - was dem "Spiegel" damals gar nicht scheint, wichtig gewesen zu sein. Im Umfeld dieses Verlages sind damals durchaus bedenkenswerte Schriften erschienen, etwa über die bis heute strittigen Hintergründe des Reichstagsbrandes von 1933 (s. GAj2013).

Zwei der im eben gebrachten Zitat genannten Titel stammen von Seiten des Verfassers Hans-Ulrich Rudel (1916-1982) (Wiki) (3, 4), dem vormaligen "Stuka-As" des Zweiten Weltkrieges, und waren ebenfalls ursprünglich im deutschsprachigen Dürer-Verlag in Buenos Aires erschienen. Und so auch die dritte hier genannte Schrift von Seiten des niederländischen Journalisten Willem Sassen (1918-2001) (Wiki) (5), der als "Ghostwriter" von Rudel auch der Verfasser der beiden anderen Schriften gewesen sein könnte.

Merkwürdig daß der "Spiegel" damals auf dieses Umfeld nicht konkreter scheint aufmerksam gemacht zu haben. Vielleicht hatte der genannte Friedrich Adlerhorst die von ihm gebrachten Schriften ohne die eigentlichen Verfassernamen vertrieben (?). Wie auch immer. Adlerhorst scheint in einem Leserbrief auf den auszugsweise zitierten Spiegel-Artikel folgendermaßen geantwortet zu haben (Spiegel, 1953, GB):

Ob der Spiegel-Bericht wahrheitsgemäß ist? "Friedrich Adlerhorst ist alter Ludendorffer" ist allerdings eine hämische Bemerkung. Muß man "Ludendorffer" sein, wenn man die Schriften des Generals gelesen hat? "Mit "rechtsorientierten" Kreisen habe ich nichts zu tun, desgleichen auch nicht mit linksorientierten. Ob "Konrad Adenauer in Vergangenheit und Gegenwart ... 

Die weiteren Passagen dieser Ausschnitte wären noch einmal heraus zu suchen. Insbesondere wäre es einmal interessant zu erfahren, wer sich eigentlich hinter dem Pseudonym des aufmerksam beobachtenden Autors "Michel Dietrich" (2) verbirgt. 

Daß es keinesfalls ein dezidierter Ludendorff-Anhänger war, glaubt man seiner Schrift entnehmen zu können. Immerhin werden aber in der Schrift Wahrnehmungen thematisiert, die recht gut zu den Wahrnehmungen passen, die auch Menschen innerhalb der Ludendorff-Bewegung wichtig waren. 

__________

  1. Kraus, Eva: Ernst Liesching und seine Fotografien aus dem Ersten Weltkrieg. Bibliotheksmagazin der Bayr. Staatsbibliothek 2/2022, S. 72ff (pdf)
  2. Dietrich, Michel: Verschwörung gegen Deutschland und Europa. Ein Blick hinter die Kulissen des Welt-"Zaubertheaters" der "Glasperlenspieler". 1. Auflage 1951. Zu beziehen durch F. Adlerhorst, Gelsenkirchen-Buer (100 S.) (Scribd)
  3. Rudel, Hans-Ulrich: Wir Frontsoldaten zur Wiederaufrüstung, Dürer-Verlag, Buenos Aires 1951
  4. Rudel, Hans-Ulrich: Dolchstoß oder Legende? Schriftenreihe zur Gegenwart, Nr. 4, Dürer-Verlag, Buenos Aires 1951
  5. Sluyse, Dr. Dr. Willem: Offener Brief an den Europäischen Oberbefehlshaber, o.J. [1951] (16 S.)
  6. Wulf, Gunnar W.: Konrad Adenauer in Vergangenheit und Gegenwart. Adlerhorst, Gelsenkirchen-Buer 1952 (19 S.) [Schriftenreihe "Der Warner"; 1]

Dienstag, 11. Juli 2017

"Wir verlebten schöne Stunden in diesem Hause"

Das Ehepaar Ludendorff in Wildberg im Schwarzwald im Jahr 1929

Das Ehepaar Ludendorff hat vor allem bis 1933 viele Vortragsreisen durch ganz Deutschland unternommen. 

Abb. 1: Erich Ludendorff 1928 in Walsrode (WZ2019)

Davon ist schon in einem Artikel im letzten Jahr hier auf dem Blog die Rede gewesen (1).

Abb. 2: Parade der Frontkämpfer beim Vorbeizug an General Erich Ludendorff in Walsrode, 1928 (WZ2019) (Ob die Zuordnung wirklich stimmt, steht infrage, da Ludendorff 1928 nicht mehr Paraden abgenommen hat, schon gar nicht in Uniform)

Mathilde Ludendorff setzte diese Vortragsreisen übrigens noch bis 1942 oder 1943 fort. Der folgende Artikel soll einiges wenige über eine solche Vortragsreise aus dem Januar 1929 berichten, und zwar insbesondere angeregt durch die freundliche Zusendung eines Bloglesers (siehe Abbildung 2).

Abb. 1: Wildberg im Schwarzwald (Historische Postkarte)

Über die Vortragsreisen im Januar und Februar des Jahres 1929, die vom damaligen Tannenbergbund organisiert worden waren, schreibt Mathilde Ludendorff in ihren Lebenserinnerungen (6. Band, S. 17f):

Ernste Sorge stieg auf, als ich sah, wie Herr Ahlemann diese Vortragsreise zusammengestellt und angesetzt hatte. Sie mußte zu Überanstrengung führen, die - verbunden mit den Reisestrapazen des Winters - weder meinem Mann noch mir hätte zugemutet werden dürfen. Da die meisten Säle überdies zu klein waren, um die Menschen zu fassen, sollten Nachversammlungen und Führerbesprechungen folgen. Harmlos scheint also, im Vergleich zu den tatsächlichen Anstrengungen, die Ankündigung dieser Reisen in der Zeitung.

Sie schreibt, daß sie ihren Mann von dieser Vortragsreise auch angesichts der "sibirischen Kälte" dieser Wochen mit eindringlichem Zureden abhalten wollte, daß ihr das aber nicht gelang. Erich Ludendorff schreibt nun in seinen Lebenserinnerungen zunächst über eine vorangegangene Vortragsreise Ende November, Anfang Dezember 1928 (Bd. II, S. 203):

Ich sprach über "Kriegshetze und Völkermorden" und meine Frau über den "Kampf um die deutsche Seele". In meinem Vortrag ging ich auf die von mir bereits vorstehend skizzierten neuen Pläne der Jesuiten und Freimaurer gegen Sowjetrußland ein, wies aber auch auf die Bedeutung arteigener Glaubensgestaltung im Rahmen meiner Kampfziele hin. Meine Frau zeigte weiter deren Notwendigkeit.

Er setzt dann fort (II, S. 207):

Kaum war das Fest vorbei, als wir die Vortragsreise fortsetzten. Wir sprachen über die gleichen Themen wir vor dem Feste. (...) Die Reise war bei sehr starker Kälte (...) eine gewaltige Anstrengung. (...) Von Tübingen aus besuchten wir zwischen dem Vortrage daselbst und in Heilbronn Forstmeister Vögele in Wildberg im Schwarzwald. Bauern hatten von meiner Anwesenheit gehört und kamen nun in ihrer Not zu mir. Nun, ich sprach mit ihnen; Jungbauern waren auch in Heilbronn aus der weiten Umgebung zusammengekommen.

Die Vortragsdaten und -orte sind in der Verbandszeitung des Tannenbergbundes "Deutsche Wochenschau" angekündigt worden. 

Diese Daten werden richtiger sein als jene, die in den Lebenserinnerungen beider Ludendorffs stehen (Dt. Wochenschau, 6. und 13.1.1929):

Unser Schirmherr und seine Gemahlin werden im Hartung 1929 in Württemberg folgende Vorträge halten: Am 13. Hartung in Tübingen, Museumssaal. Am 15. Hartung in Heilbronn, Harmoniesaal. Am 16. Hartung in Ulm a. Donau, Saalbau, je abends 8 Uhr. 

In der "Deutschen Wochenschau" erschien in der Ausgabe vom 3. Februar 1929 ein Bericht - "Ludendorff und Frau Ludendorff in Heilbronn und Ulm" - aus dem man einen gewissen Eindruck von dieser Reise erhält. In ihm heißt es zunächst über die Vorträge in Heilbronn (2):

Lange vor Beginn der Versammlung war der Gartensaal der Harmonie in Heilbronn gedrückt voll. (...) Die Versammlungsteilnehmer kamen aus allen politischen Parteien und Verbänden und ganz besonders fiel die große Anzahl der Jungbauern auf. Es mögen 400 gewesen sein. (...) Die Versammlung verlief ruhig und würdig. Nach dem Vortrag konnten dem Schirmherrn und seiner Gemahlin die Führer der Jungbauern vorgestellt werden. (...) Die Vortragsreise in Württemberg endete am 16. 1. in Ulm. (...) Die Polizei verhinderte "aus Sicherheitsgründen" die Ausgabe von mehr als 1500 Karten (Fassungsvermögen 2000). (...) Jeder fühlte, da oben steht der Mann, in dessen Kopf die gewaltigen Schlachtenpläne des Weltkrieges reiften. (...) Der anschließende Vortrag seiner Gemahlin (...) begeisterte Männer und Frauen in gleichem Maße und man bedauerte, daß man ihren Worten nicht noch länger lauschen durfte.

Es ist dann noch von einer Nachversammlung im Hotel die Rede, zu der Mitglieder des Tannenbergbundes aus ganz Südwestdeutschland gekommen waren (2):

Nach Mitternacht fuhren die Exzellenzen mit ihren liebenswürdigen Wirten (Th. Maier) nach Geislingen zurück.
In der "Chronik der Stadt Heilbronn" von 1986 heißt es (12, S. 375):
15. Januar - Auf Veranlassung des Tannenbergbundes und des Württembergischen Offiziersbundes spricht General Erich Ludendorff im vollbesetzten Harmoniesaalbau. Er macht starke Ausfälle gegen Juden, Jesuiten und Freimaurer. Mathilde Ludendorff äußert sich über den Kampf um die deutsche Seele.

Wir erhalten nun von einem Enkelsohn des oben in den Erinnerungen von Erich Ludendorff genannten Forstmeisters Voegele (von Dieter T. Schall aus Kempten) freundlicherweise den Gästebucheintrag Erich und Mathilde Ludendorffs. 

Bei Forstmeister Voegele in Wildberg im Schwarzwald

Dieser ist aus dem Anlaß ihres Besuches bei ihm entstanden (siehe Abb. 2). Tatsächlich paßt das Datum des Gästebucheintrages auch zu den Daten der Vortragsankündigung in der Wochenzeitung (nicht aber zu den Daten, die beide Ludendorffs in ihren Lebenserinnerungen angeben). In Tübingen fand der Vortrag am 13. Januar statt. Von dort fuhr das Ehepaar Ludendorff weiter nach Wildberg im Schwarzwald, von dort am 15. nach Heilbronn und von dort am 16. nach Geislingen an der Steige, bzw. nach Ulm.

Abb. 2: Gästebucheintrag für Familie Voegele vom 14. und 15. Januar 1929

Der Enkelsohn berichtet, daß sein Großvater, der Forstmeister Guido Voegele (1896-1974) und seine Frau Agnes, damals mit einer achtjährigen Tochter und einem Sohn in Wildberg im Schwarzwald wohnten. Der Großvater wurde aus gesundheitlichen Gründen früh "außer Dienst" gestellt ("a.D.") und zog dann mit der Familie in jene Dautenmühle bei Biberach an der Riß (sie ist heute Kulturdenkmal [Wiki]), in der auch noch der Enkelsohn aufgewachsen ist. (Agnes Voegele stammte ursprünglich von Schloß Bontenbroich in Jüchen - zwischen Aachen und Düsseldorf, PLZ 41163.) Die Gästebucheinträge lauten jedenfalls:

Das Ringen gilt Arterhaltung, Freiheit und Wohlfahrt!
Wir verlebten schöne Stunden in diesem Hause und wissen, daß in ihm Kampfgenossen leben.
14. u. 15.1.29. Ludendorff
"Von der Achsel Dir schiebe
Was übel Dir scheint
Und richte Dich selbst
Nach Dir selber."
                                 Edda
Mathilde Ludendorff

Der Enkelsohn berichtet nun weiterhin (Emails vom 9., 10., 12.7.17, Telefonat vom 11.7.17) über die Dautenmühle, daß

die Ludendorffs mit meinen Großeltern befreundet waren und in der Vergangenheit mein elterlicher Hof auch Material des Ehepaares Ludendorff beherbergt hatte. (...) Erich Ludendorff hatte auch viele seiner "Wissensdokumente" im Zeitraum der "Beschattung von Adolf" auf unserem Hof deponiert - leider entsorgten wir das Meiste. (...) Mein Großvater Guido war politisch sehr kundig.

Außer dem Gästebucheintrag schickt uns der Enkelsohn auch Abbildungen von fünf Bildern mit Hinterglasmalerei. Er schreibt dazu:

Die nachfolgend gezeigten, hochwertigen Hinterglasmalerei-Bilder zeigen verschiedene Motive aus dem Alten Testament. Es handelt sich laut der Staatsgalerie um eine wertvolle, zusammenhängende Serie. Nach dem weitergegebenen Wissen stehen sie in Verbindung mit der Zarenfamilie. Herr Ludendorff hatte diese Bilder mit einem Jagdsäbel aus der Verbindung zu dem Zaren Nikolaus II.. Meine Großeltern waren eng mit dem Ehepaar Mathilde und Erich Ludendorff befreundet. Als General Ludendorff zunehmend von Adolf Hitler „kontrolliert“ wurde, vermachte Herr Ludendorff die Bilder meinen Großeltern. (...) Ein Kunsthistoriker hat mich gebeten, die Bilder unbedingt geschützt in einem Museum aufzubewahren. 

Die fünf gerahmten Hinterglas-Gemälde - wohl am ehesten einem etwas süßlichen Stil des Biedermeier zuzuordnen - behandeln Themen aus dem Alten Testament (1. Samson hat die Philister mit einem Eselskinnbacken erschlagen, 2. Die Rückkehr mit der großen Traube aus Kanaan, 3. David und Bathseba, 4. Prophet und König, 5. Sodom und Gomorrha).

Wie Erich Ludendorff in den Besitz dieser Hinterglasmalereien gelangt sein könnte, ist vorderhand gar nicht zu sagen, eben so wenig, warum er diese Gemälde gerade dem Forstmeister Voegele vermachte und was das mit der Gegnerschaft des Ehepaares Ludendorff gegen die Naziherrschaft und den (hier auf dem Blog schon erörterten) Mordplänen Adolf Hitlers gegen das Ehepaar Ludendorff im Sommer 1937 zu tun gehabt haben könnte, bzw. mit den Nazi-Plänen zum "Überschlucken" der Ludendorff-Bewegung seit 1933. Daß Erich und Mathilde Ludendorff in jener Zeit Material an verschiedenen Orten hinterlegten für den Fall, daß gegen sie selbst oder die Ludendorff-Bewegung allgemein vorgegangen würde, ist auch sonst mehrfach bezeugt. Es bestand damals eine enge Zusammenarbeit und ein enger Zusammenhalt mit vielen "Mitkämpfern" im ganzen damaligen Deutschen Reich.

Vielleicht hatte Erich Ludendorff diese Bilder auf irgendwelchen Wegen als Geschenk erhalten. Vielleicht stammen sie aus herrenlos gewordenem Kulturgut irgendwo in Russisch-Polen, in den baltischen Ländern oder 1918 in der Ukraine, also aus jenen Gegenden, die von den deutschen Truppen unter dem Befehl Erich Ludendorffs zwischen 1914 und 1918 im Osten erobert worden sind. Im Jahr 1918 und danach sind ja insbesondere durch die russischen Revolutionäre solche Kulturgüter umfangreich geraubt und an das Ausland verkauft worden. Es würde sich hier aber - unseres Wissens - um den ersten Fall handeln, daß sich im persönlichen Besitz von Erich Ludendorff irgend etwas befunden hat, das in irgendeiner Weise als "Kriegsbeute" bezeichnet werden könnte. Also hier muß das meiste einstweilen völlig offen bleiben.

Ein Sohn  des Ehepaares Voegele ist im Zweiten Weltkrieg als Soldat gefallen. Vielleicht kann dieser Blogartikel gegebenenfalls noch ergänzt werden, wenn uns weitere Materialien, etwa Fotografien aus Familienalben oder anderes zur Verfügung gestellt wird.

Lebenszeugnisse zu Rechtsanwalt Erich Siegel, Geislingen (1931-1937)

In Geislingen an der Steige lebte auch noch ein weiterer "Mitkämpfer" Erich und Mathilde Ludendorffs, der zwar namentlich für das Jahr 1929 bislang keine Erwähnung fand, aber auch schon damals eine Rolle gespielt haben könnte: Der Rechtsanwalt Erich Siegel. Er war 1931 Landesführer für Württemberg im Ludendorff'schen Tannenbergbund (Stgr Nat). Am 21. Oktober 1932 hielt dieser Rechtsanwalt "Erich Siegel, Geislingen" gemeinsam mit dem Rechtsanwalt Herbert Schreiber in Stuttgart im Saalbau Wulle, der 1000 Plätze hatte, organisiert vom Tannenbergbund eine "Öffentlichen Versammlung" ab, auf der er als zweiter den Vortrag hielt "Herrenklub Papen-Hitler - Was sagt Ludendorff dazu?" (Leo-BW) Über das Jahr 1933 (und zwar über die Zeit vor dem 14. Juni) wird in der "Chronik der Stadt Stuttgart 1933-1945" (3, S. 129) berichtet (GB, bzw. GB):

Rechtsanwalt Erich Siegel (Geislingen) spricht im Bürgermuseum, ausgehend von den Anschauungen Frau Dr. Mathilde Ludendorffs, zum Thema "Das Rasse-Erwachen und die deutsche Frau".
Im Jahr 1934 erschienen in der damaligen Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung mehrere Aufsätze aus seiner Feder (4-10). Und für die Stadt Bremen im Jahr 1935 wird berichtet (11, S. 72, 86) (GB):
1. Februar 1935: Vortrag des Rechtsanwalts Erich Siegel über „Rasseerwachen und Deutsche Gotterkenntnis“, veranstaltet von der Ludendorff-Buchhandlung, in der „Union“.
13. September 1935: Vortrag des Rechtsanwalts Siegel (Geißlingen) im Casino über das Thema: "Was setzt Ludendorff an die Stelle des artfremden Christentums?".

Am 25. September 1937 hielt Rechtsanwalt Erich Siegel im Sternensaal in Freudenstadt im Schwarzwald den Vortrag "Lebensgestaltung des Volkes nach Deutscher Gotterkenntnis" als "Einführungsabend in die Deutsche Gotterkenntnis" (Stgr Nat). Erich Siegel war also - nach dem Vorbild des Ehepaares Ludendorff - ebenfalls über ganz Deutschland hinweg als Redner tätig und verfaßte Aufsätze.

/ um den Siegel-Abschnitt 
ergänzt: 5.1.2018 /

______________________________________________________
  1. Bading, Ingo: "Sie war eine glänzende Rednerin" Erich und Mathilde Ludendorff auf Vortragsreisen (1930 bis 1933). Auf: Studiengruppe Naturalismus, 24. April 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/04/erich-und-mathilde-ludendorff-auf.html
  2. o.N.: Ludendorff und Frau Ludendorff in Heilbronn und Ulm. In: Deutsche Wochenschau, 3.2.1929 
  3. Chronik der Stadt Stuttgart 1933-1945. (GB, bzw. GB)
  4. Siegel, Erich: Die Deutsche Frau in Volk und Staat. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 1934, S. 1ff (GB)
  5. Siegel, Erich: Wesen und Art des Seelenmißbrauchs. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 1934 (GB)
  6. Siegel, Erich: Sichert das geltende Staatsrecht die Volkserhaltung. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 1934 (GB)
  7. Siegel, Erich: Samson und Dalila - Ein Beitrag zur Frage Rasse und Kunst. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 1934 (GB) 
  8. Siegel, Erich: Schutz des Volkes vor seelischer Entwurzelung. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 20.7.1934, S. 291ff
  9. Siegel, Erich: Die Deutsche Frau im Rasseerwachen. Ihre Stellung im Recht und ihre Aufgaben im Staat. Ludendorffs Verlag, München 1934 (Schriftenreihe 1, Heft 1) (Archive)
  10. Siegel, Erich: Die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes und seiner Eltern. Ludendorffs Verlag, München [ca 1935] (Schriftenreihe 2, Heft 7 und 8)
  11. Peters, Fritz: Bremen zwischen 1933 und 1945 - Eine Chronik. Dogma, Bremen 2013 (GB) 
  12. Friedrich Dürr: Chronik der Stadt Heilbronn, Band 3 Stadtarchiv, 1986 (GB)

Samstag, 7. Mai 2016

Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937

Zu dem Tag des 3. Oktober 1937, an dem Erich Ludendorff seine letzte öffentliche Ansprache hielt, sind hier auf dem Blog schon zwei Beiträge erschienen, beide mit zahlreichen Fotografien von diesem Anlaß (1, 2). Sie sollen hier mit weiteren Fotografien ergänzt werden.

Abb. 1: Erich Ludendorff, April 1937


Zu seinem 72. Geburtstag am 9. April 1937 hatte Erich Ludendorff persönliche Gedenkblätter ausstellen lassen und diese unterschrieben. Solche Gedenkblätter rahmten sich Ludendorff-Verehrer ein und hängten sie sich an die Wand (Abb. 2). Andere Versionen dieser Fotografie werden noch heute verkauft (Abb. 1) (Amazon / 2019).

Abb. 2: Gedenkblatt anlässlich des 9. Aprils 1937

Auf einer Buchmesse (welcher?) war der Ludendorffs Verlag im Jahr 1937 ebenfalls vertreten.

Abb. 3: Ludendorffs Verlag auf einer Buch-Ausstellung, 1937

Im "Sommer 1937" ist eine Fotografie entstanden, die vom "Scherl Bilddienst" verbreitet wurde.

Abb. 4: Erich Ludendorff vor seinem Haus in Tutzing, Sommer 1937 (Herkunft: Ebay, Mai 2016)

Rückseitig ist sie beschrieben:
General Erich Ludendorff. Neueste Aufnahme des Generals, aufgenommen im Sommer 1937 vor seinem Heim in Tutzing am Starnberger See.
Vermutlich ebenfalls im Jahr 1937 entstand die folgende Fotografie.

Abb. 5: Eine 24-köpfige Besuchergruppe bei dem Ehepaar Ludendorff in Tutzing, vielleicht 1937
Sie wurde uns im Juni 2016 von Seiten eines Bloglesers zugesandt, der die Fotografie eingelegt fand in einem alten Buch, zu dem sie aber gar nicht gehörte. ("Der Fotoabzug ist sehr tonig, dunkel. Mit der Reproduktion habe ich es ansehnlicher machen können und auch um 30% vergrößert.") Für Hinweise, wer hier als Besucher in Tutzing abgebildet ist und aus welchem Anlaß sie das Ehepaar Ludendorff besuchten, wären wir - wie immer - dankbar. In der 24-köpfigen Besuchergruppe finden sich vier Frauen.

Zu den nachfolgenden Fotografien hieß es in der Zeitschrift "Am Heiligen Quell Deutscher Kraft" vom 20. Januar 1938 - wenige Tage nach dem Tod Erich Ludendorffs und nach dem Staatsakt für ihn (1):
So sahen die Freunde am 3. 10. zum letzten Male den Feldherrn. Trotz seiner schweren Krankheit, die zu jenen Tagen bereits ihre dunklen Schatten voraus warf, sahen sie den Feldherrn, so wie sie ihn kannten - straff und lebendig, ernst und doch auch manchmal lächelnd und sich freuend, wenn ihm Erfolgreiches vom Kampf erzählt wurde. So sahen ihn auch die wenigen, die sein Krankenlager besuchen konnten. Immer wieder galten seine Fragen dem Kampf und dem Verlag. - Gütig und jedem stets für den kleinsten Dienst dankend, war er bis zu seiner Todesstunde nicht der Kranke, sondern der Feldherr, der klar und gefasst seine letzten Entscheidungen traf.
Abb. 6: Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing
Und weiter:
An der zu Ehren Frau Dr. M. Ludendorff am Nachmittag des 3. 10. 1937 veranstalteten Feierstunde im Vier-Jahreszeiten-Saale München konnte der Feldherr nicht teilnehmen.

Abb. 7: Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing
Und:
Noch  in seiner letzten Ansprache musste er sich, wie so oft in seinem Leben, gegen Verleumdung und Schmähung seiner Person wenden. Dieses letzte mal gegen den "Osservatore Romano", die Zeitung des Papstes, die von einem angeblichen Nachdruck von Büchern und Schriften des Ludendorff-Verlages in Moskau zu berichten wusste.

Abb. 8: Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing


Abb. 9: Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing


Abb. 10: "Ich stelle fest - der 'Osservatore Romano', das Blatt des Papstes,lügt!" - Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing


Abb. 11: "Ich stelle fest - der 'Osservatore Romano', das Blatt des Papstes, lügt!" - Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937 in Tutzing

Dass so viele unterschiedliche Bildbeiträge allein zum Jahr 1937 hier auf dem Blog erscheinen, ist unter anderem auch dem Umstand geschuldet, dass das Wirken beider Ludendorffs auch noch im Jahr 1937 außerordentlich vielschichtig war. Einerseits stand Erich Ludendorff im spannungsvollsten Verhältnis zu Adolf Hitler und zur Führungsschicht des Dritten Reiches, was mit Morddrohungen aus dieser Führungsschicht heraus verbunden war, während sie zugleich ihre weltanschaulichen Bemühungen unglaublich dicht vorantrieben, indem sie im Sommer 1937 gleich zwei mit zahlreichen Vorträgen voll gefüllte Tagungen abhielten.

Abb. 12: Mathilde Ludendorff (1937)
Und zum dritten gab es eher "familiäre" Ereignisse wie den 60. Geburtstag Mathilde Ludendorffs, bei dessen Anlaß sie schon jene Ansprache hielt, die dann auch zu ihrer Beerdigung verlesen werden sollte. Und zur gleichen Zeit hatte schon die tödliche Krankheit Erich Ludendorffs begonnen.  

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  1. Bading, Ingo: "Ein Jahrhundert nach meinem Tode ..." Das "Vermächtnis" Mathilde Ludendorffs (1937 / 1966).  Studiengruppe Naturalismus, 9. Dezember 2012, http://studiengruppe.blogspot.de/2012/12/ein-jahrhundert-nach-meinem-tode.html
  2. Bading, Ingo: Eine Sammlung von Fotografien Erich und Mathilde Ludendorffs unbekannter, vielleicht Hamburger (?) Herkunft. Studiengruppe Naturalismus, 7. Mai 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/05/eine-sammlung-von-fotografien-erich-und.html
  3. Der Abschied. Die letzte Ansprache des Feldherrn. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, Folge 20, 20.1.1938; Lichtbildseiten nach S. 796
  4. Bading, Ingo: Neue Dokumente zur Landesverrats-Affäre von 1937 Fühlungnahme zwischen NS-Parteikreisen und Erich Ludendorff nach dem März 1937. Studiengruppe Naturalismus, 25.9.2011
  5. Die Feier des sechzigsten Geburttages Mathilde Ludendorffs. In: Quell, Folge 14, 20.10.1937, S. 542 - 551
  6. Der 60. Geburtstag Frau Dr. Mathilde Ludendorffs. Fotoseite. In: Quell, Folge 14, 20.10.1937, hinter Seite 552

Eine Sammlung von Fotografien Erich und Mathilde Ludendorffs unbekannter, vielleicht Hamburger (?) Herkunft

Fotografien der frühen 1920er Jahre bis 1937

In einem Beitrag vom Januar 2012 sind hier auf dem Blog schon wenig bekannte Photographien Erich Ludendorffs aus der Zeit zwischen 1917 und 1925 zusammengestellt worden. Im selben Jahr 2012 wurden von Seiten eines Hamburger Antiquariats etwa 30 zum Teil bekannte Postkarten und Photographien, zum Teil aber auch seltene und unbekannte, offenbar private Photographien von Erich und Mathilde Ludendorff zum Verkauf angeboten. Die Herkunft derselben wurde nicht angegeben. Es erscheint nicht ausgeschlossen, dass es sich sich um die recht umfangreiche Lichtbild-Sammlung eines vormaligen Ludendorff-Anhängers, bzw. Ludendorff-Verehrers gehandelt hat.

Da es sich vielleicht um eine recht vollständige Sammlung handelt, die aufgrund der Zusammenstellung auch etwaige Rückschlüsse auf den Sammler und damit auf die Entstehungsumstände mancher Fotografien erlauben könnte, soll dieses Konvolut hier im folgenden chronologisch für sich dokumentiert werden, ohne zunächst mit Fotografien anderer Herkunft vermischt zu werden.

Da sich darunter auch viele seltene Fotografien offenbar von der Erzieher- und Rednertagung in Tutzing Ende Juli, Anfang August 1937 finden, sollen zu diesen beiden Tagungen auch zugleich noch weitere Mitteilungen aus den Quellen gegeben werden. - Die Schwerpunkt-Jahre des folgenden Beitrages sind - entsprechend der Fotografien des Konvoluts - die Jahre 1924, 1933, 1935 und 1937.

Es waren 2012 vom Anbieter mehrere Fotografien auf einem Link eingestellt worden, diese nicht mehr vorhandenen Internetseiten werden im folgenden mit römischen Zahlen gekennzeichnet. - - - Es findet sich in dem Konvolut zunächst die Postkarte eines schon in einem früheren Beitrag eingestellten bekannten Gemäldes Erich Ludendorffs aus dem Ersten Weltkrieg (über Karten gebeugt) (VII). Sodann eine wohl eher seltene Photographie Erich Ludendorffs sitzend in Uniform mit Generalstabsstreifen (VII). 

1924 (?) - Erich Ludendorff in Schleswig-Holstein (?)

Abb. 2: Erich Ludendorff , eventuell zusammen mit Ernst von Reventlow (?) in Schleswig-Holstein (?), etwa 1924 (?)
Sodann findet sich eine sicher seltene Photographie  (VIII, hier Abb. 2) von Erich Ludendorff in Zivil in Mantel und mit Hut neben einem Mann mit Melone. Handelt es sich bei dem letzteren um den Reichstagsabgeordneten Ernst von Reventlow (1869-1943), der vermutlich auch in den Abbildungen 28 und 29 eines anderen Blog- Beitrages abgebildet ist? Die Aufnahme ist in freier, offener, flacher, etwas welliger Landschaft entstanden. Es mag nicht ausgeschlossen sein, dass es sich um einen Ort in Ostholstein handelt. Ernst von Reventlow war ja in Schleswig-Holstein beheimatet. Beide arbeiteten von 1923 bis 1925 zusammen. Ludendorff steht mit dem Mann in Melone vor einer merkwürdigen Art von Denkmal, einem viereckigen, eingetieften Monument oder Brunnen auf einer Anhöhe in der Landschaft. Ganz hinten könnte auch eine Personengruppe locker in Formation und in Unifrom "angetreten" sein.

Auf den folgenden fünf Photographien (Abb. 3 - 7) sind die Menschen "sommerlicher" gekleidet. Sie entstanden womöglich alle auf derselben Veranstaltung, von der aber einstweilen ebenfalls weder Zeit noch Ort bekannt sind. Auf allen fünf scheint Ludendorff gleich bekleidet zu sein.

Abb. 3: Ludendorff spricht mit angetretenen Angehörigen eines Kampfbundes (0) 
Ludendorff in Zivil und Hut begrüßt angetretene junge Männer in Zivil und Kampfbund-Uniformen (0) (Abb. 3).

Abb. 4: Ludendorff spricht mit einem Herren am Rande einer Veranstaltung (4) 
Ludendorff mit Spazierstock und Hut spricht mit einem Mann am Rande einer Veranstaltung (IV) (hier Abb. 4).

Abb. 5: Erich Ludendorff spricht, wohl frühe 1920er Jahre (in Ostpreußen?)
Ludendorff in Zivil spricht auf einem Podest, im Hintergrund Birken (II, III), hier Abb. 5 - 7).

Abb. 6: Erich Ludendorff spricht, wohl frühe 1920er Jahre


Abb. 7: Erich Ludendorff spricht, wohl frühe 1920er Jahre
Es finden sich dann darunter die bekannten Photographien "Ludendorff verlässt nach dem Urteil das Verhandlungsgebäude 1. IV. 24" (2 Fotos, Postkarten) (V), die hier nicht eingestellt werden brauchen.

Abb. 8: Erich Ludendorff im Mantel mit Hut vor einer Efeuwand
Eine Porträt-Photographie Ludendorffs findet sich darunter in Zivil in Mantel mit Hut, vielleicht zu ähnlicher Gelegenheit entstanden wie Abbildung 2 (VI, hier Abb. 8).

Ab 1933 - Das Haus in Tutzing

Es finden sich dann mehrere Postkarten oder Photographien von dem Wohnhaus Erich und Mathilde Ludendorffs in Tutzing, das sie seit Anfang 1933 bewohnt haben, und wo in den 1930er Jahren auch Tagungen und Versammlungen stattgefunden haben.

Abb. 9: Blick vom Haus Ludendorff in Tutzing auf den Starnberger See und die Alpen (2)
So ein Photo, das den "Blick vom Haus Ludendorff" auf den Starnberger See zeigt (II, Abb. 9).
Abb. 10: Gartenseite des Hauses Ludendorff in Tutzing mit antiker Statue im Vordergrund (2)
So eine Photografie, das im Vordergrund eine griechische Statue zeigt.

Abb. 11: Eingangsbereich des Hauses Ludendorff in Tutzing mit Brunnen ("Im Garten Ludendorff") (5)
Und eine, die den Eingangsbereich des Hauses zeigt mit dem dortigen Brunnen.

9. April 1935 - Der 70. Geburtstag Erich Ludendorffs

Mehrere Photographien, entstanden auf der Feier des 70. Geburtstages von Erich Ludendorff, sind schon in einem früheren Beitrag verwendet worden (dort die Abbildungen 13, 14 und 16, das sind: von Blomberg und Ludendorff vor aufgestelltem Rundfunkmikrofon [X], von Blomberg, von Fritsch und Ludendorff vor aufgestelltem Rundfunkmikrofon [X], Mathilde und Erich Ludendorff, sowie im Vordergrund aufgestelltes Rundfunkmikrofon [X], Erich Ludendorff in Uniform und Mathilde Ludendorff auf der Gartenterrasse [VI]). Hier sei nur eine weitere Photographie, offenbar von diesem Tag eingestellt (Abb. 12).

Abb. 12: Erich Ludendorff in Uniform mit Papier in der Hand spricht mit einem Mann auf seiner Gartenterrasse in Tutzing (wohl 9.4.1935) (VI)
Erich Ludendorff in Uniform mit Papier in der Hand spricht mit einem Mann auf seiner Gartenterrasse (VI).

Abb. 21: Erich und Mathilde Ludendorff steigen in einen Wagen ein, außerdem Asko oder Hanno von Kemnitz (III)

28. bis 30. Juli Erzieher-Tagung in Tutzing

Über die Tagung in Tutzing vom 2. bis 5. August schreibt Erich Ludendorff im Tagungsbericht, anknüpfend an seine Aussprache mit Adolf Hitler vom 30. März 1937 (2, S. 383):
Gleich nach der Besprechung am 30. 3. beschloss die Schöpferin Deutscher Gotterkenntnis, Frau Dr. Mathilde Ludendorff, am 28., 29., und 30. 7. für Erzieher, am 2., 3., 4. und 5. 8. für Deutsche, die andere Volksgeschwister in geschlossenen Zusammenkünften in kleineren oder größeren Kreisen zu den Werken über Deutsche Gotterkenntnis hinführen wollen, Tagungen abzuhalten, damit für Deutsche Gotterkenntnis so gewirkt werden kann, wie es dieser voll entspricht. Freudig pflichtete ich bei.
In der Folge vom 20. Mai 1937 findet sich die "Bekanntmachung" von Erich Ludendorff, dass die "Deutsche Gotterkenntnis (Haus Ludendorff)" nach einem Erlass des Reichs- und des Preußischen Ministers des Innern an die nachgeordneten Behörden, Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechtes vom 8. Mai 1937 "zu den in Abs. 3a des RdErl. v. 26. 11. 1936 (...) erwähnten Weltanschauungsgemeinschaften" gehört, "deren Eintragung in amtliche Listen, Register usw. in gleicher Weise wie bei den Religionsgesellschaften auf die Erklärung des Beteiligten hin erfolgen muss." Und darunter setzt Mathilde Ludendorff die "Bekanntmachung" (S. 153):
1. Vom 28. bis 30. 7. 1937 werde ich in Übereinstimmung mit dem Feldherrn an mich herangetragenen Bitten entsprechen und für Lehrer und Erzieher, die, auf dem Boden der Deutschen Gotterkenntnis meiner Werke stehend, Unterricht in Deutscher Lebenskunde nach dem im Jahre 1931 erschienenen Lehrplan erteilen möchten, eine dreitätige Zusammenkunft in Tutzing abhalten. (...) Kenntnis des Buches "Des Kindes Seele und der Eltern Amt" wird bei meinen Vorträgen und der Aussprache vorausgesetzt.

2. Nach einer Pause von 2 Tagen wird dann vom 2. bis 5. 8. eine viertätige Zusammenkunft mit Rednern stattfinden, die Vorträge zur Einführung in die Gotterkenntnis meiner Werke halten wollen. Es ist natürlich Voraussetzung, dass sich die anmeldenden Redner bereits als zur Gotterkenntnis zugehörig angemeldet haben, dem Verlage bzw. seinen Generalvertretern und der Zweigstelle bekannt sind und die Notwendigkeit einsehen, dass der Inhalt ihrer Vorträge der Genehmigung bedarf. Die Auswahl der Redner behält sich der Feldherr vor.
Abb. 22: Erich Ludendorff steigt in einen Wagen ein, daneben Asko oder Hanno von Kemnitz
In seinen Lebenserinnerungen berichtet Erich Ludendorff ausführlich um die Vorgänge rund um die Morddrohungen gegen ihn und seine Frau im Zusammenhang mit der Landesverrats-Affäre des Sommers 1937 aus den Kreisen der NSDAP heraus, initiiert von Adolf Hitler selbst und von Joseph Goebbels (siehe auch die entsprechenden Beiträge hier auf dem Blog). Dann schreibt er über die beiden Tagungen (III, S. 183):
Mitten in diesem Ringen konnte meine Frau in Tutzing die von ihr beabsichtigten Tagungen für Erzieher und Redner der "Deutschen Gotterkenntnis (Ludendorff)" abhalten. 
Die Vorträge Mathilde Ludendorffs auf dieser Erziehertagung wurden wenig später in der Schrift "Unsere Kinder in Gefahr" veröffentlicht. Die Vorträge Mathilde Ludendorffs auf der Rednertagung sind für viele Jahrzehnte nur als Manuskript von Redner zu Redner weiter gereicht worden. Eine allgemeine Veröffentlichung war nicht erwünscht. (Wohl weil die Zuhörerschaft sonst die Redner zu leicht an den Maßstäben dieses Manuskriptes hätte messen können.)

Abb. 23: Mathilde Ludendorff steigt aus einem Wagen aus (IV)
Aus Anlass dieser beiden Tagungen sind wohl die folgenden Lichtbilder entstanden (Abb. 21 - 24): Erich und Mathilde Ludendorff steigen in einen Wagen ein, im Hintergrund Sohn Asko oder Hanno von Kemnitz (III, hier Abb. 21). Erich Ludendorff steigt in einen Wagen ein, im Hintergrund Stiefsohn Asko oder Hanno von Kemnitz (VII, Abb. 22). Auf Abbildung 23 steigt Mathilde Ludendorff aus einem Wagen aus, ein Herr hält ihr die Tür auf (IV). Diese Fotografien sind zum Teil auch enthalten in der Zeitschrift "Quell" vom 20. August 1937. Dort heißt es als Erläuterung zu diesen Lichtbildern:
Die Schöpferin der Deutschen Gotterkenntnis Frau Dr. Ludendorff hielt in Tutzing, dem idyllischen Ort am Starnberger See, vom 28. - 30. 7. und vom 2. - 5. 8. 37 Tagungen ab.

Abb. 24: Erich Ludendorff begrüßt von einem Herren (Franz August Stötzer?), dahinter Mathilde Ludendorff und ein Wagen (VII)
Womöglich handelt es sich bei dem Herren rechts auf Abb. 24 auch um einen engeren Mitarbeiter im Verlag (Franz August Stötzer?). In dem Tagungsbericht, der kurz danach in der Zeitschrift erschien, schreibt Erich Ludendorff, nachdem er über den Inhalt der Vorträge Mathilde Ludendorffs auf der Erziehertagung berichtet hatte (s. "Unsere Kinder in Gefahr") unter anderem (S. 385):
Fragen, die die Anwesenden stellten und die Philosophin beantwortete, zeigten die rege Anteilnahme und das Verständnis, mit denen die Zuhörer den Ausführungen (...) gefolgt waren. Der dritte Tag war der Aussprache der Erzieher über den "Lehrplan für Lebenskunde" gewidmet. (...) Eine besondere Aufmerksamkeit wurde den Lehr- und Lesestoffen für diese Kinder geschenkt. 30 Lehrer erklärten sich bereit, an dem Sammeln geeigneter Lehr- und Lesestoffe mitzuwirken.
Der hierfür gesammelte Unterrichtsstoff wurde später veröffentlicht.

2. bis 5. August 1937 - Redner-Tagung in Tutzing

Über die Rednertagung berichtet Erich Ludendorff unter anderem:
Die zweite Tagung galt denen, die im Rahmen des Verlages andere Deutsche in Deutsche Gotterkenntnis einführen wollen. 
Von sechs Vorträgen berichtet Erich Ludendorff berichtet,
die den Deutschen zugehen werden, die im Rahmen des Verlages wirken wollen.
Abb. 13: Mathilde Ludendorff und Erich Ludendorff mit Blumenstrauß vor der Wohnungstür ihres Hauses
Es war also nicht geplant, diese Vorträge der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Es handelte sich um die bis heute nur als 100-seitiges Manuskript gedruckten "Richtlinien für die Redner". Über die darin enthaltenen Vorträge schreibt Erich Ludendorff:
In atemloser Stille lauschten die Zuhörer den einzelnen Vorträgen und Weisungen. Sie herrschte auch, wenn die vortragende Deutsche Frau ihre Ausführungen schloss. Nichts machte eindringlicher als diese Stille und die tiefe Ergriffenheit, die empfindbar war, das Unwesen des Beifalls bei Vorträgen fühlbar. (...)
Der letzte Tag der Tagung, der 5. 8., war eine besondere Feierstunde. Frau Dr. Mathilde Ludendorff (...) sprach dann zu den Zuhörern, wie sie zu Deutschen sprechen würde, die durch sie zu den Werken Deutscher Gotterkenntnis hingeführt werden sollten. Sie hatte Einzelgebiete aus ihrem Werke "Das Gottlied der Völker. Eine Philosophie der Kulturen" gewählt.(...) Sie sprach in ihrer vollendeten Weise in zwei Vorträgen, die auch gedruckt werden, über: "Die Menschenseele als Hort der Kultur" und "Der Sturz der Religionen und der Sieg der Erkenntnis".
Hierbei handelt es sich um die Vorträge, die in der Schrift "Höhenwege und Abgründe" veröffentlicht wurden.

Abb. 14: Mathilde und Erich Ludendorff vor der Wohnungstür ihres Hauses
In seinen Lebenserinnerungen schreibt Erich Ludendorff über die Rednertagung höchstens wenige Wochen danach (Bd. III, S. 183):
Ich habe ganz besonders nur Vorträge in mäßigem Umfange gewünscht. Einmal, weil der Redner dann eindringlicher sprechen kann, und dann, um nicht in nationalsozialistischen Kreisen und auch bei dem Führer und Reichskanzler Eifersucht zu erregen. Mir liegt an äußerem Zulauf nichts, sondern nur an innerer Festigkeit der sich zur Deutschen Gotterkenntnis Bekennenden.
Auch sagte er in einer Ansprache (2, S. 283):
Nicht weil ich "im Banne meiner Frau stehe", sondern um nach meinem ernsten Ringen nach Klarheit über die Ursachen des Zusammenbruchs am Ausgang des Weltkrieges und über die Notwendigkeit, solches Unheil durch eine unantastbare Grundlage für die Lebensgestaltung des Einzelnen und des Deutschen Volkes für die Zukunft auszuschließen, trete ich für die rettende Tatsächlichkeit Deutscher Gotterkenntnis ein. (...) Die Philosophie ist durch Mathilde Ludendorff keine Teilwissenschaft geblieben, sie wurde durch sie zur Vollendung geführt und erhielt dadurch die weltanschauliche und lebensgestaltende Kraft für die, die die große Gabe nehmen, so wie sie ist.
Ein Zeugnis für einen bald nach dieser Tagung abgehaltenen Vortrag in Freudenstadt findet sich in Form einer Eintrittskarte, die Anfang 2017 auf Ebay zum Verkauf angeboten wurde (Abb. 14a).

Abb. 14a: Vortrag in Freudenstadt am 25. September 1937 von Rechtsanwalt Erich Siegel - "Lebensgestaltung des Volkes nach Deutscher Gotterkenntnis"
Der darin erwähnte Vortragende, Rechtsanwalt Erich Siegel aus Geißlingen, hatte schon am 1. Februar 1935 einen Vortrag mit dem Titel "Rasseerwachen und Deutsche Gotterkenntnis" in Bremen "in der Union" gehalten. Er war veranstaltet worden von der Ludendorff-Buchhandlung in Bremen. Am 13. September 1935 hatte er dort "im Casino" einen Vortrag zum Thema gehalten "Was setzt Ludendorff an die Stelle des artfremden Christentums?" (s. Fritz Peters "Bremen 1933 bis 1945 - Eine Chronik. Dogma 2012, S. 72, 86, s. Google Bücher). Siegel war spätestens seit 1934 ein Autor des Ludendorff-Verlages. Der in der Eintrittskarte (Abb. 14a) angegebene "Sternensaal" in Freudenstadt hatte 300 Plätze (KinoWiki).

Ob nun die beiden Abbildungen 13 und 14 - Mathilde Ludendorff und Erich Ludendorff - mit Blumenstrauß in der Hand -  vor ihrer Wohnungstür in Tutzing (I, Abb. 13, sowie VIII, Abb. 14) Ende Juli, Anfang August 1937 oder am 3. Oktober 1937 entstanden sind, muss einstweilen offen bleiben. (Mathilde Ludendorf bezeichnete sich am 3. Oktober 1937 als übernächtigt, da die todbringende Krankheit Erich Ludendorffs schon zwei Tage zuvor sich angekündigt hatte, vielleicht findet sich das auf Abbildung 14 wieder.)

3. Oktober 1937 - Die Feier des 60. Geburtstages Mathilde Ludendorffs

Die Fotografien Erich Ludendorffs auf der Gartenterrasse des Hauses in Tutzing werden entstanden sein am 3. Oktober 1937, als der 60. Geburtstag Mathilde Ludendorffs daselbst gefeiert wurde und als Erich Ludendorff dazu eine Ansprache hielt. Zu diesem Tag ist hier auf dem Blog schon ein Beitrag erschienen (8) und wird zeitgleich noch ein weiterer erscheinen (9). Es fällt auf, dass im Konvolut aus diesem Anlass keine Fotografie von Mathilde Ludendorff enthalten ist, obwohl doch sie die Gefeierte war.

Abb. 15: Erich Ludendorff mit Stiefsohn (Hanno oder Asko von Kemnitz) und einem älteren Herren
Auf Abbildung 15 ist Erich Ludendorff zu sehen mit einem der Söhne Mathilde Ludendorffs (wohl Hanno von Kemnitz) und einem älteren Herren, der ihn womöglich zu sprechen wünschte (III).

Abb. 16: Erich Ludendorff, offenbar im Gespräch mit einem seiner beiden Stiefsöhne
Erich Ludendorff im Gespräch mit einem Mann auf der Gartenterrasse seines Hauses, wohl ebenfalls Hanno von Kemnitz (I, Abb. 16). Dann folgen vier Photographien von einer Ansprache Erich Ludendorffs. Es ist nahe liegend, dass sie alle vier bei gleicher Gelegenheit entstanden sind (Abb. 17 - 20) (I, VIII).

Abb. 17: Erich Ludendorff spricht (auf der Gartenterrasse seines Hauses in Tutzing)

Abb. 18: Erich Ludendorff spricht (auf der Gartenterrasse seines Hauses in Tutzing) 


Abb. 19: Erich Ludendorff spricht (auf der Gartenterrasse seines Hauses in Tutzing)


Abb. 20: Erich Ludendorff spricht (auf der Gartenterrasse seines Hauses in Tutzing) 
Eine bekanntere Photographie, die - so die Angabe - entstanden ist, als Ludendorff in seiner Ansprache die Worte sagte "Ich stelle fest, der 'Osservatore Romano', das Blatt des Papstes, lügt!" befindet sich auch in der Sammlung (III, IV), braucht aber hier nicht eingestellt zu werden.

Abb. 25: Erich Ludendorff, wohl zusammen mit seiner Tochter Ingeborg und mit Mathilde Ludendorff
Es findet sich dann noch eine Photographie, die aus weiterer Entfernung gemacht worden ist und offenbar Erich Ludendorff bei einem Spaziergang zeigt, begleitet links und rechts von je einer Dame, wahrscheinlich seine Stieftochter Ingeborg und ihre Mutter Mathilde Ludendorff (5, Abb. 25). Außerdem findet sich noch eine weitere Porträtaufnahme Erich Ludendorff in der Sammlung (VI), sowie ein schon bekanntes von Erich und Mathilde Ludendorff in München, das wohl eines der letzten Lebendfotos von Erich Ludendorff war (IV). Außerdem findet sich eine Photographie von der Aufbahrung des Sarges Ludendorffs im Dezember 1937 (0).

Es wäre gut, wenn sich Leser melden würden, die etwas über den Entstehungsort und die Entstehungszeit vieler hier eingestellter Fotografien sagen können. - Abschließend seien noch Abbildungen der Hefte eingestellt, in denen die Vorträge dieser Tagungen veröffentlicht wurden.

Veröffentlichung der Tagungsbeiträge von 1937

Abb. 26: Mathilde Ludendorff - "Unsere Kinder in Gefahr" - Vorträge der Erziehertagung, Ende Juli 1937
Es wäre interessant zu erfahren, in welcher Stückzahl die "Richtlinien" (für Redner) erschienen sind.

Abb. 28: Mathilde Ludendorff - "Richtlinien - gegeben auf der Tagung in Tutzing 1937" (für Redner)
Sie sind offensichtlich nicht für den allgemeinen Buchhandel erschienen und tauchen deshalb auch nur ganz vereinzelt einmal im Antiquariatsbuchhandel auf. In deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken sind sie gar nicht vorhanden. Sie wurden bis heute unter den Rednern selbst weitergegeben, hatten also bis heute fast den Status einer "Geheimschrift".

Abb. 27: "Höhenwege und Abgründe" - Zwei Vorträge Mathilde Ludendorffs (1937)

Nur die letzten beiden - beispielhaften, einführenden - Vorträge der Redner-Tagung erschienen noch im gleichen Jahr in einer Schrift, betitelt "Höhenwege und Abgründe".
___________________________________
  1. auf Weitze.net; die damaligen URL's: 0, I, II, III, IV, V, VI, VII, VIII, IX, X
  2. Ludendorff, Erich: Tutzinger Tagungen für Deutsche Gotterkenntnis. In: Quell - Ludendorffs Halbmonatsschrift, Folge 10, 20.8.1937, S. 383-389 
  3. Hoyer, Richard: Frau Dr. Mathilde Ludendorff als Rednerin. In: Quell - Ludendorffs Halbmonatsschrift, Folge 13, 5.10.1937, S. 505 - 508
  4. Ludendorff, Mathilde: Unsere Kinder in Gefahr. 6 Vorträge, gehalten auf der Erziehertagung in Tutzing, 28. bis 30. Heuerts 1937. Ludendorffs Verlag, München 1937 (Scribd); 1938 (13. - 17. Tsd.)
  5. Ludendorff, Mathilde: Richtlinien gegeben auf der Tagung in Tutzing vom 2. bis 10. Ernting 1937. ohne Verlag, 1937. Einband: Leinen. Beschreibung: Maschineschrift, Großf..; auch unter dem Titel "Richtlinien für die Redner" in gelben Papierumschlag [als Schreibmaschinen-Manuskript in Antiqua] (100 S.)
  6. Ludendorff, Mathilde: Höhenwege und Abgründe. Zwei Einführungsvorträge in Deutsche Gotterkenntnis, gehalten auf der Tagung in Tutzing vom 2. - 5. Erntings 1937. Ludendorffs Verlag, München 1937; 1938 (11. - 15. Tsd.) 
  7. Ludendorff, Mathilde: Vorträge zur Hochschulwoche 1955 für Gotterkenntnis (L). Verlag Hohe Warte, Pähl 1955 (123 S.)
  8. Bading, Ingo: "Ein Jahrhundert nach meinem Tode ..." Das "Vermächtnis" Mathilde Ludendorffs (1937 / 1966). Studiengruppe Naturalismus, 9. Dezember 2012, http://studiengruppe.blogspot.de/2012/12/ein-jahrhundert-nach-meinem-tode.html
  9. Bading, Ingo: Die letzte Ansprache Erich Ludendorffs am 3. Oktober 1937. Studiengruppe "Naturwissenschaftsnahes Philosophieren seit 1900", 7. Mai 2016, http://studiengruppe.blogspot.de/2016/05/die-letzte-ansprache-erich-ludendorffs.html
  10. Siegel, Erich (Rechtsanwalt): Die deutsche Frau im Rasseerwachen.  Ihre Stellung im Recht und ihre Aufgabe im Staat. Ludendorffs-Verlag, München 1934 [Heft 1 der 1.Schriftenreihe]
  11. Siegel, Erich (Rechtsanwalt): Die rechtliche Stellung des unehelichen Kindes und seiner Eltern. Ludendorffs-Verlag, München 1935 [7. und 8. Heft der 2. Schriftenreihe]
  12. Siegel, Erich: Zehn Jahre Ringen - Zum Geburttag des Feldherrn.

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