"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Samstag, 20. Juni 2015

Mai 1930 – Wie das Abströmen von Bauern der Landvolk-Bewegung in Schleswig-Holstein zur Ludendorff-Bewegung verhindert wurde

Erich Ludendorff vermutete "absichtliches schädigendes Verhalten" durch ein Skaldenordens-Mitglied

Anfang des Jahres 1928 begann ein Aufruhr von 10.000en von Bauern in Schleswig-Holstein, genannt die „Landvolkbewegung“1. Anlaß waren die vielen Zwangsversteigerungen von Bauernhöfen, die damals in Deutschland stattfanden, und die auch zu einem Anstieg des Antisemitismus führten, da die Bauern oft „die Juden“ und das „Judensystem“ für die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich machten. Die Landvolk-Bewegung wurde sehr bald von okkultgläubigen Terroristen unterwandert und radikalisiert, deren Methoden von den „Neuen Nationalisten“ und von den „Kommenden“ um Ernst Jünger und Friedrich Hielscher befürwortet wurden. Dies waren die damaligen „Neuen Rechten“. Anfang 1929 wurden Sprengstoffanschläge auf verschiedene Landratsämter in Norddeutschland verübt.

Abb. 1: Der "Ludendorff-Stein" in Ascheffel (Foto aus dem Jahr 2012)

Der „Bombenleger-Volck“ Herbert Volck (1894-1944), der Adjutant des Bauernführers Claus Heim, war seit 1918 ein Geheimdienstmann und blieb dies auch nach 1933. Er wurde für die Sprengstoffanschläge im Herbst 1929 zu sieben Jahren Haft verurteilt, kam aber offenbar - eine typische staatsnahe Terrorismus-, bzw. Geheimdienstkarriere - schon wenige Monate später wieder frei. Seinen Gefängnisaufenthalt verbrachte er zusammen mit Ernst von Salomon Zelle an Zelle.

In seinem Gerichtsverfahren im Herbst 1929 kam auch zur Sprache daß er sich von dem nachmaligen Hofastrologen Heinrich Himmlers Wilhelm Wulff astrologisch beraten ließ. Darüber berichtete auch die Tagespresse2. Der okkultgläubige Terrorist und Geheimdienstmann Herbert Volck war bezeichnenderweise der Sohn von Adalbert Volck, eines Hitler-treuen, innerparteilichen Gegners von Erich Ludendorff im Jahr 19243.

Offensichtlich waren viele Bauern der Landvolk-Bewegung im Frühjahr 1930 von ihren - okkulten und terroristischen - Führern enttäuscht und suchten nach einer Neuorientierung. Und offensichtlich versuchten sie, sich aus diesem Anlaß dem damaligen Tannenbergbund von Erich Ludendorff anzunähern. Erich Ludendorff vermutet jedenfalls in seinen Lebenserinnerungen, daß diese Annäherung in jener Zeit von Hintergrundkräften verhindert und sabotiert wurde. Er kommt darauf zu sprechen in Zusammenhang mit einer Vortragsveranstaltung am 31. Mai und 1. Juni 1930 in dem Dorf Ascheffel in Schleswig-Holstein, zwölf Kilometer westlich von Eckernförde - etwa auf halbem Weg zwischen Kiel und Schleswig (s. G-Maps).

Abb. 2: Hans Georg von Waldow, der "Landesführer Nord" des Tannenbergbundes, links zusammen mit Mathilde Ludendorff, einem Ordner und Erich Ludendorff ganz rechts auf der Tagung des Tannenbergbundes auf dem Aschberg in Schleswig-Holstein, 31.5./1.6.1930 (aus: 6, S. 45)

Hier hielten Erich und Mathilde Ludendorff vor mehr als tausend Bauern Vorträge. Der Tag wurde mit einer Sonnenwendfeier beendet. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde an der Stelle der Sonnenwendfeier ein „Ludendorff-Stein“ niedergelegt. Kurzzeitig geriet dieser Stein 2012 in die regionale Presseberichterstattung (siehe unten). Dieser Umstand sei als Anlaß gewählt, einmal in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs nachzulesen, was er über die damaligen Vorgänge zu sagen hatte. Er kommt im Zusammenhang mit dieser Tagung zu sprechen eben auf eine Sabotage des Abströmens von Bauern der Landvolk-Bewegung zur damaligen Ludendorff-Bewegung. Die Inschrift des Steines lautet - soweit entzifferbar:

Erste Deutschvolk
Sonnwendfeier
am 31. Wonnemonds 1930
(?) ... übt Zeit
Ludendorff
Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen davon, daß er sich ab dem Jahr 1930 verstärkt nicht nur im Kampf gegen die Freimaurerei und den Jesuitenorden befand, sondern sich zugleich für die Verbreitung der Philosophie seiner Frau Mathilde Ludendorff, genannt die „Deutsche Gotterkenntnis“ einsetzte. Zu Ostern 1930 war das fünfte der philosophischen Bücher Mathilde Ludendorffs erschienen. Sein Titel: „Des Kindes Seele und der Eltern Amt - Eine Philosophie der Erziehung“. Durch dieses war die Aufmerksamkeit der Anhängerschaft, die bis dahin zahlenmäßig ständig angewachsen war, auf Fragen der weltanschaulichen Erziehung in Elternhaus und Schule gerichtet worden. Erich Ludendorff schreibt4:
Die Zahl war so gewachsen, daß meine Frau und ich daran denken konnten, diese nun zu sammeln, (...) um die einzelnen in einem großen Verein zusammenzufassen, um den Mitgliedern allmählich im Sinne des Artikels 137 der Reichsverfassung die Anerkennung als „Religionsgesellschaft“ zu erwerben und dadurch die Erziehung der Kinder im Sinne des Artikels 149 der genannten Verfassung leichter durchsetzen zu können. (...) Ende März entschlossen meine Frau und ich uns nunmehr, die sich zum Deutschen Gotterkennen bekennenden Deutschen (...) zusammenzufassen. Wir nannten den Verein „Deutschvolk“.

Gründungsmitglieder des Vereines waren neben Erich und Mathilde Ludendorff die Schwester Mathilde Ludendorffs Lina Richter (1875-1969) und ihr Ehemann Dr. med. Heinrich Richter (gest. 1935)5. Ein frühes Mitglied dieses Vereines wurde auch der damalige Gemeindevorsteher des Dorfes Ascheffel in Schleswig-Holstein, ein Bauer Rathje. Auf seiner damaligen Koppel fand die Sonnenwendfeier statt. Und dort wurde auch der genannte „Ludendorff-Stein“ niedergelegt.

Erich Ludendorff berichtet nun über Vortragsreisen Mathilde Ludendorffs im Frühjahr dieses Jahres nach Südwestdeutschland und gemeinsam mit ihm selbst nach Pommern und Berlin, wobei sie fast immer von den Anhängern vor Ort im Auto gefahren wurden, verköstigt wurden und auch bei diesen übernachteten. Unter diesen befanden sich viele Bauern, deren wirtschaftliche und sonstige Nöte sich Erich Ludendorff anhörte. Er berichtet von dem ihm wertvollen persönlichen Kennenlernen dieser Anhänger. Er berichtet von der Bundesführertagung des Tannenbergbundes im Landwehrkasino in Berlin, auf der er auf der organisatorischen Trennung des politischen Tannenbergbundes und der weltanschaulichen Vereinigung „Deutschvolk e.V.“ bestand. Und dann schreibt er weiter (S. 292; Hervorhebung nicht im Original):

Nach der Bundesführertagung setzten wir unsere Vortragsreise nach Holstein und dem Hannöverschen fort. Der nächste Vortrag war in Ascheffel, einem kleinen abgelegenen Ort bei Eckernförde, von dem Landesführer Nord, Herrn v. Waldow, angesetzt. Dieser Ort war eigenartig gewählt. Zwar lag dort der Aschberg, von dem aus wir eine wundervolle Sicht in das schöne Holsteinische Land hatten, das ich schon in meiner Plöner Kadettenzeit lieb gewonnen hatte, aber die Verbindungen dorthin waren so ungünstig, daß er nur schwer und unter viel Umständen zu erreichen war. Das schon war eigenartig. Der Vortrag selbst fand in einem Zelt statt, dessen Zugänge von allen Seiten offen waren, so daß eine Einlaßkartenkontrolle überhaupt nur schwer durchzuführen war. Die Kosten, die die Werbung gemacht hatte, waren bedeutend. Brachte sonst der Vortrag von meiner Frau und mir den betreffenden Verbänden des Tannenbergbundes Gewinn und damit die Möglichkeit neuer Werbung für unsere Weltanschauung, so befürchteten wir hier sofort das Gegenteil. Unsere Sorgen rechtfertigten sich auch. Es war der einzige Fall während unserer recht zahlreichen Vorträge, in dem statt Einnahmen Schulden durch unsere Vorträge entstanden. Das war nur dadurch erklärlich, daß es sich hier um ein absichtliches schädigendes Wirken oder um Unüberlegtheiten handelte, welch letztere dem Manne, dem Major v. Waldow das Einrichten der ganzen Veranstaltung übergeben hatte, schwer zuzutrauen waren. Leider ist es mir nicht gelungen, den Landesführer Nord von dem Wirken dieses Deutschen zu überzeugen, der früher auch dem Skaldenorden angehört hatte. Im Gegenteil so oft ich Major v. Waldow auf diese Persönlichkeit hinwies, so oft nahm er sie auch in Schutz und wollte klüger sein als ich. Hierin lag eine der ersten Ursachen meiner tiefen Entfremdung von dem Landesführer Nord. Ich sah Treuversicherungen nicht in Worten, sondern im Eingehen auf meine recht reichen Lebenserfahrungen. Es war auch so, daß tatsächlich der schöne Auftrieb, den die Tannenbergbundbewegung eine Zeitlang in Holstein hatte, nicht nur nicht stehenblieb, sondern auch wiederum verebbte. Häßlicher Ortsgruppenstreit lähmte Kraft.
Noch etwas anderes war in Ascheffel eingetreten. Die Holsteinischen Bauern, die sich eine Zeitlang von dem Bauern Claus Heim beeindrucken ließen, hatten erkannt, daß dieser Wege einschlug, die schließlich nicht den Belangen der Bauernschaft entsprachen. Durch Okkulte hatten sich Bauern zu Handlungen hinreißen lassen, die sie mit den Staatsgesetzen in schwersten Widerstreit brachten. Diese Bauern hätten sich gern und offen meiner Person angeschlossen. Ich hatte nun Darstellungen erhalten, die mir ein richtiges Bild nicht gaben. Erst Jahre später gewann ich Einblick. Auch hier war Sabotage verübt worden.
Aber ich entsinne mich gern Deutscher Bauern, so des Herrn Plambeck, des Herrn Wulf, Eisendorf, Frau Hönck aus Dithmarschen, die besonders schwer zu ringen hatten, da sie sich der Deutschen Gotterkenntnis anschlossen, und auch unserer Gastgeber in Ascheffel, Herrn und Frau Rathje. Auch der Bauer Rathje wurde überzeugungstreuer Kämpfer Deutscher Weltanschauung. Er erzählte damals, wie die protestantischen Priester gegen das „Haus Ludendorff“ wirkten, wie dem Lehrer, der zugleich Küster war, verboten worden war, den Gesangverein Ascheffels vor uns Lieder vortragen zu lassen. Wir schlugen nun vor, der Gesangverein sollte sich einen anderen Dirigenten wählen. So geschah es denn auch, und der Gesangverein konnte seine Lieder vortragen. Unsere Vorträge waren wie immer eine eindrucksvolle Kundgebung. Nach dem Vortrag wurde eine Eiche gepflanzt, ein Sonnwendfeuer abgebrannt, und ich gab die ersten Karten an Deutsche aus, die sich zur Deutschen Gotterkenntnis bekannten. Die Eiche ging später ein. Eine neue wurde gepflanzt. Allen Feinden des Deutschvolkes und Deutscher Gotterkenntnis nutzten Sabotageakte nichts, sie geht weiter ins Volk. Es war das letzte mal, daß ich Holstein selbst unter Deutschen Bauern weilte und von ihnen auch ihre wirtschaftlichen Sorgen und Nöte hörte; später besuchten mich hin und wieder einige Deutsche Bauern in Tutzing und ich freute mich darüber; ich freute mich auch, als ich den Nachweis erhielt, daß ich über einen meiner Ahnen fernliegender Generation, König Gustaf Wasa von Schweden, und dessen Vorfahren, mit heute noch lebenden Holsteinischen Bauerngeschlechtern versippt bin.
Von Ascheffel ging es nach Uelzen. Der Kraftwagen in Ascheffel war so lässig bestellt, daß wir den Zug in Rendsburg nicht erreichten; nur schwer bekamen wir in Rendsburg einen Kraftwagen, da dort irgendeine Stahlhelmfeier war; es gelang indes, und nach langer Fahrt erreichten wir noch rechtzeitig zum Vortrage Uelzen.

Dies ist der sehr differenzierte Bericht Erich Ludendorffs. Er enthält aus seiner Sicht viele positive und manche sehr negativen Eindrücke über das Geschehen von Ascheffel.

Abschließend sei noch zitiert, was am 9. und am 14. Januar 2012 in der „Schleswig-Holsteinischen Zeitung“ über das jüngste Schicksal des „Ludendorff-Steines in Ascheffel“ berichtet wurde (SHZ, 9.2.12):

Landpächter entfernt „Ludendorff-Gedenkstein“ von Koppel in Ascheffel / 1000 Besucher waren 1930 bei Sonnenwendfeier im Dorf dabei
Ascheffel. General Erich Ludendorff (1865-1937) galt als einer der einflußreichsten deutschen Männer im Ersten Weltkrieg und zählt zu den umstrittensten Figuren der deutschen Geschichte. Er wurde als „moderner Alexander“ gefeiert, als „Held von Stahl“. Zusammen mit Hindenburg errang Erich Ludendorff zu Beginn des Ersten Weltkriegs den Sieg von Tannenberg. Zusammen mit Adolf Hitler wollte sich Ludendorff 1923 von München aus an die Macht putschen.
Seit mehr als 80 Jahren erinnerte ein gut ein Meter großer Stein auf einer Koppel im Ascheffeler Förstereiweg an die so genannte „Ludendorff-Feier“ des Tannenbergbundes in der Gemeinde am 31. Mai und 1. Juni 1930. Ein Leser hatte kürzlich festgestellt, daß dieser Stein entfernt worden war. Auch die Gemeinde war mittlerweile darüber informiert. „Bei Vermessungsarbeiten haben wir gesehen, daß der Stein nicht mehr dort stand“, sagte Bürgermeister Günther Petersen, der vermutet, daß der Stein für die Arbeit auf dem Feld weichen musste. „Das Ordnungsamt ist informiert“, so Petersen.
Besitzer der Fläche sind Silvia und Frank Gellhorn, die diese an den Landwirt Manfred Möller-Boldt verpachtet haben. Nach Aussage von Silvia Gellhorn ist der Stein aber bereits seit über einem Jahr nicht mehr an seinem Platz. Dieser habe im Vorgarten von Möller-Boldt gelegen. Er hätte aber zugesichert, daß der Stein wieder an seinen langjährigen Standort zurückkehren werde. Eine Frist hätte man ihm aber nicht gesetzt ,,schließlich hätte der Stein nicht unter Denkmalschutz gestanden“, so Silvia Gellhorn. Landwirt Möller-Boldt wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern.
Petersens Stellvertreterin, Telse Stoy, zugleich auch Archivarin im Amt und Vorsitzende der Heimatgemeinschaft, hat über die Geschichte des Ludendorff-Steins recherchiert. Der 1925 von Erich Ludendorff als deutsch-germanische Religionsgemeinschaft gegründete Tannenbergbund kämpfte gegen alle „überstaatlichen Weltverschwörungen von Juden, Freimaurern und Jesuiten“. Die christliche Lehre ablehnend, forderte Ludendorff seine Anhänger auf, aus der Kirche auszutreten. In Ascheffel und Hütten seien 15 „Ludendorffer“ dieser Aufforderung gefolgt.
Die Feier fand 1930 auf einer hochgelegenen Koppel des damaligen Gemeindevorstehers und begeisterten Tannenbergers Rathje in Ascheffel statt. „Geplant war“, so berichtet Stoy, daß die Feier eigentlich auf dem Aschberg ausgerichtet werden sollte, die Aschberg-Gesellschaft habe aber nicht ihre Zustimmung erteilt. Etwa 1000 Menschen sollen schließlich dabei gewesen sein, viele aber nur als Zuschauer, um General Ludendorff zu sehen. Die Tannenberger brannten nach Sonnenuntergang auf dem höchsten Punkt der Koppel ein Sonnenwendfeuer ab.
Was das Entfernen des Gedenksteines betrifft, sagt Telse Stoy: „Die Frage ist vielschichtig, ob dieser Stein als geschichtliches Denkmal und angesichts der politischen und ethischen Inhalte des Tannenbergbundes überhaupt erhalten werden sollte.“ Aber, so betonte sie auch, darüber sollte nicht ein einzelner, in diesem Fall der Landpächter, entscheiden.

Drei Tage später hatte der Pächter den Stein zurückgebracht (SHZ, 14.1.12):

Ascheffel. Der „Ludendorff-Stein“ ist wieder zurück in Ascheffel. Der Stein, der an die Sonnenwendfeier 1930 mit dem umstrittenen General Erich Ludendorff (1865-1937) in Ascheffel erinnert, war von Landpächter Manfred Möller-Boldt für die Feldarbeit entfernt worden. Jetzt hat er ihn wieder am Rande des Feldes im Förstereiweg abgelegt.
Wie Bürgermeister Günther Petersen mitteilte, hatte Möller-Boldt sowohl die Amtsverwaltung als auch die Gemeinde und den Landeigentümer vor wenigen Tagen schriftlich darüber informiert, daß er den Stein zurückgeben werde. Wenn es gewünscht sei, würde er den Stein auch wieder an seinen ursprünglichen Standort aufstellen, hieße es in dem Schreiben.
Die Reaktionen auf das Verschwinden des Steines waren vielfältig, berichtete Petersen. Viele Bürger seien erbost gewesen, daß der Stein eigenmächtig entfernt wurde. Andere hätten dagegen hinterfragt, woran dieser die Gemeinde eigentlich erinnern soll. „Auch im Ausschuß haben wir durchaus kontrovers darüber diskutiert“, verriet der Bürgermeister. Für ihn sei der Stein aber ein Teil der Dorfgeschichte.
Ob dieser nun wieder auf der Koppel platziert wird, entscheide aber nicht die Gemeinde. Wie Günter Draheim vom Ordnungsamt mitteilte, sei der gut ein Meter große Stein kein Denkmal. Er gehöre den Landeigentümern, der Familie Gellhorn. Diese entscheidet damit über die Zukunft und den Verbleib des Steines. „Zur Zeit ist es noch zu naß auf dem Feld, um ihn dort wieder aufzustellen“, sagte Silvia Gellhorn auf Nachfrage. Entschieden sei noch nichts. Um wieder für Harmonie im Dorf zu sorgen, werde der Stein aber wohl wieder zurückkommen, versicherte sie.

Sollten also Orts- und Landeschronisten über das Schicksal dieses Steines forschen, sollte der Zusammenhang mit der damaligen Landvolk-Bewegung und ihrer geheimdienstlichen Unterwanderung durch staatsnahe, okkultgläubige Terroristen nicht unerwähnt bleiben. Bestimmte Erscheinungen haben eine lange Tradition in Deutschland ….

Nachtrag (18.6.2022): Anhand der Durchsicht der Berichterstattung der "Eckernförder Zeitung" ab 1930 ist eine "Unkommentierte Materialsammlung zusammengestellt durch die Heimatgemeinschaft Eckernförde" entstanden, in der Erich Ludendorff zwei mal Erwähnung findet (pdf):

30. Mai 1930 - Ludendorff kommt! Er und seine Frau sprechen am 31. Mai, nachmittags 4 Uhr in Ascheffel (...)

6. Januar 1931 - Rund um Hitler - Ehrhardt, Ludendorff, Kaas und Hörsing im Angriff (...) Mit außergewöhnlicher Schärfe wendet sich General Ludendorff gegen die Außenpolitik der Nationalsozialisten, auch des Stahlhelms, die „den Weltkrieg erst ermöglicht und uns der Vernichtung ausetzt.“

_________________________

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Landvolkbewegung_%28Schleswig-Holstein%29; Der Spiegel, 14.8.1963, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46171487.html
  2. Bading, Ingo: Die Schicksalsgläubigkeit des Adolf Hitler (Teil 4: 1941-1945). Auf: Gesellschaftl. Aufbruch – jetzt!, 1. Juli 2012, http://studgenpol.blogspot.de/2012/07/die-schicksalsglaubigkeit-des-adolf_01.html
  3. Bading, Ingo: Adalbert Volck gegen Erich Ludendorff (1924) - Spaltungstendenzen in der Deutschvölkischen Freiheitspartei 1924. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 6. August 2014, http://studiengruppe.blogspot.de/2014/08/adalbert-volck-gegen-erich-ludendorff.html
  4. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band: Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951, S. 287
  5. Bading, Ingo: Die Grafikerin und Malerin Lina Richter (1875-1969) - Eine Schwester Mathilde Ludendorffs. 24. Juli 2014, auf: http://studiengruppe.blogspot.de/2014/07/die-grafikerin-und-malerin-lina-richter.html
  6. Duda, Gunther: Ein Kampf für Freiheit und Frieden. Ludendorffs Tannenbergbund 1925 – 1933. Verlag Hohe Warte GmbH, Pähl 1997

Sonntag, 2. November 2014

Geheimdienste freuen sich über zwischenmenschliche Zerwürfnisse

Der Weggang von Werner Preisinger aus Tutzing im Jahr 1958
- Eine Folge der Zersetzungsarbeit von Geheimdiensten?

Das zentrale Ereignis in der inneren Geschichte der Ludendorff-Bewegung nach 1945 ist der Weggang von Dr. Werner Preisinger (1905-1986) aus Tutzing im Jahr 1958 gewesen, das Zerwürfnis zwischen ihm und Mathilde Ludendorff. Mathilde Ludendorff hatte große Erwartungen auf seine Mitarbeit gesetzt. Sie sah ihn, den Geschichtslehrer, als den Begabtesten seiner Generation an, darin, angemessen über ihre Philosophie sprechen und schreiben zu können. Und sie hatte gehofft, dass er die Ludendorff-Bewegung nach ihrem Tod weiterführen würde. Denn ihren Schwiegersohn Franz von Bebenburg hatte sie dafür als nicht geeignet angesehen.

Abb.1: Mathilde Ludendorff 1953

Und da diese Weiterführung der Ludendorff-Bewegung von beiden Seiten als etwas höchst Wesentliches und Wichtiges angesehen wurde, die moralischen Maßstäbe also sehr hoch angesetzt worden waren, stand seit diesem Zerwürfnis von beiden Seiten aus der Vorwurf menschlichen Versagens im Raum.

Seither "schieden" sich an der Person Werner Preisingers "die Geister". Und fast jeder damalige Zeitgenosse, der etwas von diesen Auseinandersetzungen mitbekommen hat, und den man Jahrzehnte später dazu noch befragen konnte, hatte eine eigene Sichtweise auf sie. Da waren jene, die Werner Preisinger schwere Vorwürfe machten, dass er sich gegenüber Mathilde Ludendorff unangemessen verhalten hätte, dass er einer so hochbetagten Frau so vieles so schwer gemacht hätte. Und da waren jene, die meinten, dass Mathilde Ludendorff Werner Preisinger nicht richtig behandelt hätte.

Und es gab noch Dritte, vielleicht die Mehrheit derjenigen, die von diesem Geschehen etwas mitbekamen. Sie ergriffen keine Partei. Und sprachen höchstens mit bedauernder Miene von einem "tragischen" Geschehen.

Was meinte Mathilde Ludendorff darüber?

Werner Preisinger hat sich - soweit bekannt - zu all dem niemals mehr schriftlich geäußert. Auch von Mathilde Ludendorff sind wenig konkrete Äußerungen bekannt. Aber klar hat sie noch im Frühjahr 1958 (in ihrem Aufsatz "Was ist zu beklagen?") ihre Meinung zum Ausdruck gebracht, dass dieses Zerwürfnis von interessierter Seite auf geschickte Weise hochgeschaukelt worden ist. Um es im Klartext zu sagen: Ihrer Meinung nach beruhte das Zerwürfnis auf der geschickt eingefädelten Zersetzungsarbeit von Geheimdiensten.

Abb. 2: Werner Preisinger (bei Murnau)

Viele werden damals - und noch heute - über eine solche Einschätzung den Kopf geschüttelt haben oder schütteln.

Dafür gibt es aber weitaus weniger Grund, seit bekannt ist, dass jene unmittelbar nachfolgenden weltweiten Hakenkreuzschmierereien der Jahre 1959 und 1960, die die Steilvorlage boten zum Verbot des "Bundes für Gotterkenntnis" im Jahr 1961, eine zwischen westlichen und östlichen Geheimdiensten abgesprochene Aktion gewesen ist, die in Camp David, USA, beim Besuch von Nikita Chruschtschow zwischen den Geheimdiensten abgesprochen worden ist. (So unter anderem dargestellt von Armin Mohler in seiner Schrift "Vergangenheitsbewältigung". Dass es sich bei den Hakenkreuzschmiereien um eine östliche Geheimdienstaktion gehandelt hat, haben zwischenzeitlich auch viele andere Autoren - etwa der Historiker Michael Wolfsohn - auf der Grundlage von Überläufer-Berichten und ähnlichem gesagt.)

Da ist es nahe liegend, dass die von Mathilde Ludendorff angenommene, vorausgegangene innere "Zersetzungsarbeit", für die ja die Stasi und östliche Geheimdienste auch sonst so gut bekannt sind, tatsächlich stattgefunden hat und sich auswirken konnte.

Ich selbst habe allerhand Menschen zu dem Weggang von Werner Preisinger aus Tutzing befragt. In dem näheren Umfeld der Familie und der Nachkommen von Werner Preisinger will man sich wohl am wenigsten mit diesen Dingen beschäftigen. Man will sie auf sich "beruhen" lassen. Man will Wunden verheilen lassen statt sie aufzureißen, auch noch nach so vielen Jahrzehnten. Franz von Bebenburg hat bei einer Gelegenheit von seinen "Bemühungen" geschrieben, Werner Preisinger trotz aller Schwierigkeiten in Tutzing zu halten, welche aber schließlich an der Weigerung von Werner Preisinger gescheitert seien.

In einem Beitrag (St.gr.2012) wurde der Briefwechsel zwischen Ilse Behrens und Eberhard Beißwenger zu diesem Geschehen ausgewertet, in dem sich schon einiges von den damaligen zwischenmenschlichen "Gelagertheiten" wiederspiegelt. Bevor es zum Zerwürfnis zwischen Werner Preisinger und Mathilde Ludendorff gekommen war, war es schon zum Zerwürfnis zwischen ihm und Ilse Behrens gekommen. Ilse Behrens stand als Schriftstellerin und Kulturvermittlerin in ihrer Begabung wohl Werner Preisinger kaum nach, hat aber nur wenig über Philosophie selbst geschrieben. Durch Werner Preisinger vor allem war sie selbst erst zur Ludendorff-Bewegung gekommen und an ihrem Zerwürfnis mit ihm wird schon erkennbar, dass es damals zu zwischenmenschlichen Spannungen auch sonst sehr leicht kommen konnte.

Abb. 3: Als Geschäftsführer des "Bundes für Gotterkenntnis" unterschrieb Werner Preisinger 1956 und 1957 in Tutzing Quittungen für Spenden, die vor allem auch dazu bestimmt waren, seinen Lebensunterhalt sicherzustellen (Herkunft: Ebay, Januar 2015)

Doch in diesem Briefwechsel spiegelt sich auch wieder, über wie viele Monate Mathilde Ludendorff dennoch hoffte, all die mit solchen Zerwürfnissen verbundenen Schwierigkeiten meistern zu können. Es schimmert in ihm auch ihre Erschütterung und Angegriffenheit durch, nachdem klar geworden war, dass die Schwierigkeiten nicht hatten gemeistert werden können.

Und diese Eindrücke decken sich mit den wenigen Worten, die Annemarie Kruse (gest. März 2016), die langjährige Haushälterin Mathilde Ludendorffs, im Frühjahr 2001 anlässlich einer persönlichen Nachfrage äußerte. Ihre Worte scheinen den eigentlichen Zusammenhängen am nächsten zu kommen. Sie sagte, dass sie es nie habe verstehen können, wie es so weit habe kommen können. Mathilde Ludendorff und Werner Preisinger wären über Monate und Jahre hinweg sozusagen "ein Herz und eine Seele" gewesen, hätten Stunden lang miteinander gesprochen, immer wieder wäre Werner Preisinger "herüber" gekommen (von Feldafing). Das Verhältnis wäre außerordentlich herzlich gewesen.

Es war ihr noch im hohen Alter ein Rätsel, wie ein so herzliches Verhältnis in einem so schwerwiegenden Zerwürfnis enden konnte. Und sie zeigte sich noch so viele Jahrzehnte danach traurig und erschüttert darüber. Ich denke, dass das im Wesentlichen auch die Sichtweise von Mathilde Ludendorff selbst gewesen ist.

Geheimdienste lauern auf zwischenmenschliche Zerwürfnisse

Über zwischenmenschliche Zerwürfnisse freuen sich Geheimdienste am meisten. Sie lauern richtig gehend auf sie. Oftmals lassen sie ihre Sendlinge Jahre und Jahrzehnte lang auf Lauerstellung liegen. Um im rechten Moment das Entscheidende zu tun. Denn diese zwischenmenschlichen Zerwürfnisse lähmen den Widerstand gegen ihre Arbeit am nachhaltigsten, tragen am meisten zur Erreichung ihrer Ziele bei. Nichts ist ihnen wichtiger, als das herzliche Vertrauensverhältnis zwischen den beteiligten Personen zu zerstören, als "Spaltungen" zwischen ihnen zu bewirken.

Das ist überall und immer wieder zu erkennen, wohin man blickt in der Geschichte der letzten hundert Jahre. Insbesondere bezüglich vieler gut aufgearbeiteter Fälle von Zersetzungsarbeit der DDR-Staatssicherheit (die ja sogar, wie wir heute wissen, vor der Zerstörung von Ehen nicht zurückschreckte). Aber deshalb freuen sie sich auch darüber, wenn sich im Nachgang über solche Zerwürfnisse "Sprachlosigkeiten" ausbreiten, sie geradezu zu einem Tabubereich werden.

Und sie freuen sich darüber, wenn niemand Mathilde Ludendorff wirklich ernst nimmt, wenn sie geschickte Zersetzungsarbeit von Geheimdiensten als letzte Ursache für das hier behandelte Geschehen angenommen hat.

Ich neige inzwischen auch zu der Einschätzung, dass das "eifersüchtige" Verschlossenhalten des Ludendorff-Archivs in Tutzing noch heute vor allem aus der Sorge heraus geschieht, dass niemand allzu unliebsame Fragen stellt. Dass die Aufarbeitung der Geschichte der Ludendorff-Bewegung der 1950er Jahre weiterhin in der Hand weniger bleibt, die dann reichlich krude "offizielle" Darstellungen darüber geben können (Hans Kopp, Franz von Bebenburg).

Und dass man sich freut, wenn man über den Tatbestand des Verschlossenhaltens erneut zwischenmenschliche Zerwürfnisse aller Art hochschaukeln kann und das dann erneut als ein "tragisches" Geschehen "bedauern" kann, bzw. wenn man ausstreuen kann, es würde unnötigerweise abträgliche Streitereien in die kleine Zahl der Anhängerschaft hinein getragen. Das fällt alles nicht schwer und die Freude innerhalb interessierter Kreise daran ist groß.

Es müssten einmal systematischer Äußerungen Erich und Mathilde Ludendorffs zusammen getragen werden über ihre Beobachtungen und Erfahrungen, die sie bezüglich der Unterwanderung und Zersetzungarbeit von gegnerischer Seite machten. So hatte Mathilde Ludendorff etwa schon in ihrem Aufsatz "Die feste Untermauerung" ("Der Quell", 9. Mai 1956) über die Geschichte der Ludendorff-Bewegung geschrieben:

Immer wieder wurden entsprechende Menschen mit solchen Aufträgen aus Geheimorden wie den Guoten, den Skalden, den Druiden usw. in unsere Reihen gesandt. Es drängten sich in unsere Bewegung viele durch Geheimorden an ihre vorgeschriebenen Ziele gebundenen Menschen. 

So viel man sieht, fällt selbst den überzeugtesten heutigen Ludendorff-Anhängern schwer zu glauben, dass solches in breiterem Umfang vor oder nach dem Tod von Mathilde Ludendorff geschehen sein könnte. Nach dem Tod von Mathilde Ludendorff natürlich noch mit viel größerer Wahrscheinlichkeit. Denn wer hätte nach ihr die Autorität gehabt, etwas allgemeiner verbindliches darüber zu sagen? Etwas ähnlich für die Anhängerschaft allgemein Verbindliches, was Mathilde Ludendorff noch 1958 in ihrem Aufsatz "Was ist zu bedauern?" ("Der Quell", 9. Juni 1958) über den erfolgreichen Verlauf der Feiern zu ihrem 80. Geburtstag im Oktober 1957 gesagt hatte, woran sie dann die folgenden Gedanken knüpfte (Hervorh. nicht im Orig.):

Diese überstaatlichen Mächte, die nur bei restloser Ausrottung all unserer Werke und unseres Wirkens ihre eigene Arbeit in der Zukunft voll gerettet sehen würden, erschrecken natürlich jedes Mal über den Auftrieb, den die Geburtstagsfeiern für die Mitkämpfer bedeuten. So sind denn die jeweils sich anschließenden Versuche der Verleumdung, vor allem auch die Bemühungen, Zank und Misstrauen in der kleinen Kampfschar zur Aufblüte zu bringen, natürlich eine stete Begleitmusik der Geburtstagsfeiern. Da sie nun ebenso klug sind wie listig, so ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sie im Höchstmaße zu erreichen suchen, worauf ich in meinen Worten am 4. 10. hingewiesen habe. Die Einzigen, so erinnerte ich, die die reine Idee, die nur dem Schöpfungsziel dient, hemmen können, sind die, die die Ziele des Hauses Ludendorff öffentlich vertreten, aber durch unvollkommenes Handeln den Sieg hinauszögern können.
Die verschiedenen die Welt beherrschenden Priesterreiche haben die an sich sinnvolle Unvollkommenheit der Menschen stets ungeheuer geschickt ausgenützt, und so ist es ihnen gelungen, das Höchstmaß solcher Auswirkung der Unvollkommenheit in den Völkern zu erreichen. Die günstigsten Vorbedingungen haben sie dadurch geschaffen, dass sie sie durch Fremdreligionen (...) entwurzelt haben. In solcher Entwurzelung wurde die Mehrheit unserer kleinen Mitkämpferschar noch in ihrer Kindheit auferzogen, und so ist es denn natürlich sehr begreiflich, dass sogar unter denen, die selbst fest überzeugt sind, auf dem Boden der Kampfziele Erich Ludendorffs und meiner Werke der Gotterkenntnis zu stehen, dem eifrigen Ausnützen ihrer Unvollkommenheit von seiten der Gegner zu geringen Widerstand entgegensetzen.
Diese aber bemühen sich immerwährend und meist in sehr geschickter Anpassung an die Eigenart der einzelnen, sie zum Misstrauen untereinander zu veranlassen, denn das gegenseitige Vertrauen der kleinen Schar von Mitkämpfern wäre ja eine prachtvolle Stütze im Wirken für unsere Ziele, und das ist natürlich den Gegnern höchst unwillkommen. So beklagenswert für uns nun auch diese gesteigerten Bemühungen im Anschluss an die Geburtstagsfeiern sind, so darf es uns jedenfalls nicht wundern. Die Verleumdungsfeldzüge und das Wecken von Zwietracht, Eifersucht und Misstrauen sind nur das Zeugnis dessen, wie klar die Gegner die Gefahr für sich erkennen.

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