"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Mittwoch, 27. November 2019

Ehrenvorsitzender der Angestellten-Gewerkschaft - Erich Ludendorff?

Zwei neu bekannt gewordene Briefe
- und viele offene Fragen

Im Wiener Autographen-Handel sind im November 2019 zwei handschriftliche Briefe Erich Ludendorffs zum Verkauf angeboten worden (Doroth., Nov. 2019). Der dortige Bearbeiter, Andreas Löbbecke, meint, die beiden Briefe hätten den gleichen Empfänger.*)

Abb. 1: Zwei Briefe Erich Ludendorffs, verfaßt in München (Dorotheum, November 2019)
Der erste Brief (Abb. 1, links) stammt aus dem Zeitraum 1920 bis 1933, der Zeitraum, in dem Erich Ludendorff unter dem genannten Absender "München, Heilmannstraße" wohnhaft war. Unser Vorschlag der Lesart des in Teilen nicht gerade leicht zu enträtselnden Wortlauts soll bis auf weiteres der folgende sein (Verbesserungsvorschläge, Korrekturen willkommen!) (die uns zweifelhaftesten Lesarten sind unterstrichen): 
                                           München, Heilmannstr. 13/4
Sehr verehrter Herr Hauptmann!
Vorkommnisse an meinem Geburtstage haben
mich darauf hingewiesen, daß die Ortsgruppe
München des D. n. H. nicht mehr so ist, wie ich
es für angemessen halte. Eine Besprechung,
die ich heute mit dem jugendlichen Vorsitzenden
hatte, hat mich darin bestärkt. Ich bin Ehren-
mitglied der Gruppe München und Ehrenvorsitzender
des Vereins und erwarte, daß die Grundsätze 
befolgt werden, die von Berlin für den 
Bund ausgegeben werden. Andernfalls würde
ich meine Ehrenmitgliedschaft zurück geben (sic?).
Da ich festgestellt habe, daß Sie noch 1. Vorsitzender sind,
so teile ich Ihnen vorstehendes mit.
Der Brief ist vier Tage nach dem 9. April, also nach dem Geburtstag Erich Ludendorffs geschrieben worden. Er könnte gut in das Jahr 1925, passen, in dem sich Erich Ludendorff nach und nach von immer mehr nationalen und völkischen Verbänden und Vereinigungen trennte, mit denen er zuvor in einem engeren Einvernehmen gestanden hatte und die ihn mit Ehrenmitgliedschaften, Ehrenvorsitz und dergleichen überhäuft hatten. Eventuell käme auch das Jahr 1926 infrage.

Insbesondere in der - im Jahr 1924 verbotenen - Münchner NSDAP hat sich schon ab Sommer 1924 - noch während der Festungshaft von Adolf Hitler - eine große Respektlosigkeit gegenüber Erich Ludendorff breit gemacht, verkörpert unter anderem in dem damals jungen Hermann Esser (1900-1981) (Wiki) (1, 2). Daß diese schon im April 1924 zum Ausdruck gekommen sein könnte, also kurz nach dem Ende des Prozesses gegen Hitler und Ludendorff, dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Deshalb ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß dieser Brief in das Jahr 1925, eventuell in ein späteres Jahr fällt (3, 4).

Denkbarer Adressat: Hans Bechly

Am naheliegendsten dürfte sein, daß es sich bei "D. n. H." um den - der DNVP und völkischen Kreisen nahestehenden - "Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband" (DHV) (Wiki) (11) handelte, um jene Gewerkschaft, die nach 1945 als "Deutsche Angestellten-Gewerkschaft" neu gegründet worden ist. Über Verbindungen zwischen Erich Ludendorff und diesem Verband ist in der Literatur (Google Bücher) zunächst nicht so leicht etwas in Erfahrung zu bringen.

Verbandsvorsteher des DHV war von 1911 bis 1933 Hans G. W. Bechly (1871-1954) (Wiki, engl). Dieser gehörte nicht zum deutschvölkischen Flügel des Verbandes, sondern zum sozialpolitischen Flügel desselben. Bechly war auch zweiter Vorsitzender des damaligen nicht-sozialistischen Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) (Wiki) und anderer Gewerkschaften (5). Auf Verbandstagen der 1920er Jahre hat sich Bechly in Vorträgen immer wieder mit dem "nationalen Gedanken" beschäftigt (7-9). Bechly war offenbar Mitglied der liberaleren Deutschen Volkspartei (DVP) (10). Aber ab 1930 begann sich der DHV mit dem Nationalsozialismus zu arrangieren. Nach 1945 hat Bechly erneut die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) mit aufgebaut (6).

Es ist denkbar, daß Erich Ludendorff schon 1917 oder 1918 zum Ehrenvorsitzenden des DHV gewählt worden sein kann. Er kann dazu aber auch in den Jahren zwischen 1920 und 1923 gewählt worden sein.

Um wen es sich bei dem "jugendlichen Vorsitzenden" der Ortsgruppe München des DHV gehandelt haben kann, muß einstweilen ebenso offen bleiben. Sicher ist, daß ein nicht geringer Teil der Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes schon früh der NSDAP nahe gestanden hat (11). Es kann sich also womöglich um einen Mann vom Schlage des späteren Gauleiters von Danzig und Westpreußen gehandelt haben, also um jemanden wie Albert Forster (1902-1952) (Wiki), jedenfalls ein Mann der Generation von Albert Forster. Forster war ebenfalls Mitglied im DHV und hielt sich ebenfalls im Jahr 1923 auch in München aufgehalten (5):
Der Bankkaufmann Albert Forster war seit 1923 Mitglied der NSDAP (...) und hatte sich schon am mißglückten Putsch in München beteiligt. Früh Mitglied im DHV, hatte man ihn 1932 allerdings wegen allzu extremistischer Neigungen ausgeschlossen.
Es hat also auch im Jahr 1932 noch kein bruchloses "Arrangieren" des DHV mit dem Nationalsozialismus gegeben. 1928 war Forster zeitweise Mitarbeiter des DHV in Fürth gewesen (Wiki).

Was sich aus diesem hier behandelten Brief nun für konkretere Folgen ergeben haben können, muß einstweilen ganz offen bleiben.

/Text stark erweitert:
18.3.2020/
_______________
  1. Bading, Ingo: Adalbert Volck gegen Erich Ludendorff (1924) Spaltungstendenzen in der Deutschvölkischen Freiheitspartei 1924, August 2014, https://studiengruppe.blogspot.com/2014/08/adalbert-volck-gegen-erich-ludendorff.html
  2. Bading, Ingo: "Ich bin der größte Revolutionär, den Deutschland heute hat." - Erich Ludendorff 1928 - Neue Briefe aus den Jahren 1924, 1928 und 1946, November 2010, https://studiengruppe.blogspot.com/2010/11/ich-bin-der-grote-revolutionar-den.html  
  3. Robert Probst, Völkischer Block in Bayern (VBl), 1924/25, publiziert am 02.08.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Völkischer_Block_in_Bayern_(VBl),_1924/25> (27.11.2019) 
  4. Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925-1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Walter de Gruyter 2014 (GB)
  5. Lange, Gunter: Die braune Gewerkschaft - Die machtvolle Angestelltengewerkschaft DHV. Die Zeit, 23. Mai 2013, Nr. 22/2013, https://www.zeit.de/2013/22/gewerkschaft-nationalsozialismus-dhv/komplettansicht.
  6. Erbschaft mit Saugnäpfchen. Der Spiegel, 23.04.1949, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44436110.html.
  7. Bechly, Hans und Prof. Dr. August Messer: Volkstum und Weltbürgertum. Eine Aussprache in zwei Aufsätzen und vier Briefen. Alldeutscher Verband, Hamburg, um 1918
  8. Bechly, Hans: Der nationale Gedanke nach der Revolution. Vortrag gehalten am vierzehnten Deutschen Handlungsgehilfentag in Leipzig, vom 18. bis 20. Oktober 1919. Hamburg, Deutschnationale Verlagsanstalt, 1919
  9. Bechly, Hans: Die Führerfrage im neuen Deutschland. Vortrag, gehalten auf dem 18. Deutschen Kaufmannsgehilfentag am 10. Juni 1928 in Dresden. Hamburg, Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband 1928
  10. Edmund, Rolf: Right-wing critics of Weimar. PowerPoint PPT Presentation, Slide 29, https://www.slideserve.com/rolf/right-wing-critics-of-weimar
  11. Pomplun, Jan-Philipp: Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband. In: Handbuch des Antisemitismus, Bd. 5, hrsg. v. Wolfgang Benz u.a., München 2012 (GB)

1921 - "Lieber Obermayr!"


Als Name im zweiten Brief (Abb. 1, rechts) ist ein "Obermayr" angesprochen. Die Jahreszahl des Briefes ist nicht leicht zu bestimmen. 1911 - wie vom Bearbeiter vermutet*) - ist mit Sicherheit auszuschließen. Denn da war Erich Ludendorff noch völlig unbekannt und er lebte in Berlin, nicht in München. Am ehesten käme wohl 1921 in Frage. Seit März 1920 - seit dem mißlungenen Kapp-Putsch - hat Erich Ludendorff mehr in Bayern als in München gelebt, zunächst dort an verschiedenen Orten. So lebte er mehrere Wochen auf Schloß Neubeuern, 34 Kilometer östlich von Schliersee. Im August 1920 ist er dann - mit seiner Frau Margarethe - endgültig nach München in die Heilmannstraße gezogen (1). Der Brieftext lautet jedenfalls soweit bislang entzifferbar:
München, 20. 2. 21 [?]

Lieber Obermayr!
Ich war lange verreist, daher die späte Antwort. Meine Frau und ich werden kommen und danken für die Einladung. Wir werden vorher gewiß noch daran erinnert, sonst kann sich alles mögliche ereignen.
Anliegend das Gewünschte [?].
Mit bestem Gruß
Ihr sehr ergebener
Ludendorff.
Abb. 2: Pfarrer A. Obermayr, Schliersee
Eine Möglichkeit ist, daß hier der katholische Pfarrer Adalbert Obermayr (1875-1949) (Schliersee) von Schliersee angeschrieben worden ist. Dieser war 1945 zum Ehrenbürger von Schliersee ernannt worden (Mag. Schliersee). Vermutlich hat er die kirchlichen Handlungen durchgeführt bei der Enthüllung des Oberland-Denkmals in Schliersee am 30. September 1923, an der Erich Ludendorff teilnahm (4). Obermayr stand offenbar bis zum Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 in Verbindung mit der völkischen Bewegung in Bayern (2, S. 141, 237):
Obermayr (...) distanzierte sich von der NS-Bewegung nach dem Putsch, ist aber nicht unter den durch die Nazis verfolgten Priestern aufgeführt.
Original: Obermayr was born in 1875, was ordained in Munich in 1900, and began as a parish priest in Schliersee in 1916. (...) Obermayr also distanced himself from the Nazi movement after the putsch, but he is not listed among the priests persecuted by the Nazis.
Die von Pfarrer Obermayr 1938 - in Zusammenarbeit mit dem Münchner Kardinal Faulhaber - errichtete und eingerichtete Bergkirche am Spitzingsee atmet noch heute in der Inneneinrichtung einen dem völkischen Zeitgeist sehr nahestehenden Geist (Mag. Schliersee). Obermayr schrieb 1946 Berichte über die Kämpfe um Schliersee am Ende des Zweiten Weltkrieges an die Leitung seines Bistums München-Freising (3) (Merkur 2015).

Aber aufgrund welcher Umstände hätte nun dieser Adalbert Obermayr schon im Februar 1921 in einer solchen persönlichen Verbindung mit General Ludendorff stehen sollen wie diese aus dem Wortlaut des Briefes heraus klingt? Insgesamt entsteht doch der Eindruck, daß Ludendorff im Jahr 1921 einen katholischen Pfarrer im Brief förmlicher und vornehmer im Tonfall angesprochen haben sollte als das hier der Fall ist ("Lieber Obermayr"). Auch war Ludendorff im Februar 1921 noch keineswegs so völkisch eingestellt wie im September 1923. Der Brief wirkt schnell hingeschrieben. Fürs erste möchten wir es deshalb nicht für plausibel halten, daß dieser Brief an den genannten Adalbert Obermayr gerichtet gewesen ist. An wen er aber dann gerichtet gewesen ist, muß vorerst offen bleiben.

Vorerst würde eine Datierung auf das Jahr 1921 jedenfalls mit bekannten Daten nicht in Widerspruch stehen: Erich Ludendorff hatte am 18. Januar 1921 an Reichsgründungsfeiern in München teilgenommen und am 7. Februar 1921 einen Vortrag in Hamburg gehalten (1). Das gibt zunächst Anlaß zu der Vermutung, daß er am 20. Februar 1921 durchaus Grund gehabt haben konnte zu schreiben, daß er "lange verreist" war.

Somit kann bislang nur der erste der beiden hier behandelten Briefe etwas konkreter in historische und biographische Zusammenhänge eingeordnet werden, nämlich in den Weg Ludendorffs vom "Nationalen" (bis 1922) zum Völkischen (bis 1925) und schließlich zu seinem Stehen "allein auf weiter Flur" (ab 1926). 
__________________________
*) Erläuterung des Angebotes von Dorotheum: >>Zwei e. B. m. U., München 20. 11. 1911 bzw. o. D. (13. 4.), 1 und 1 1/4 S., gelocht, ein Schreiben mit Ausriß in der Lochung, das andere mit repariertem horizontalen Riß in der Faltung, 8vo. An Herrn Obermayer mit Dank für eine Einladung: "... Ich war lange verreist, daher die späte Antwort. Meine Frau und ich werden kommen und danken für die Einladung ..." (20. 2. 1911). Im zweiten Brief an einen Hauptmann (wohl ebenso Obermayer) weist Ludendorff darauf hin, daß die Ortsgruppe München der d. u. h. (?) nicht mehr im angemessenen Zustand befindlich sei.  Experte: Mag. Andreas Löbbecke<< (Dorotheum, November 2019)
_____________________________
  1. Bading, Ingo: Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1921 - Eine Chronologie in Bildern, 17. Januar 2016, https://studiengruppe.blogspot.com/2016/01/erich-ludendorff-im-jahr-1921.html
  2. Hastings, Derek: Catholicism and the Roots of Nazism: Religious Identity and National Socialism, Oxford University Press, 2011 (GB) 
  3. Reinhold Friedrich: Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland. 2013 (GB)
  4. Bading, Ingo: Das Oberlanddenkmal in Schliersee - Seine Einweihung am 30. September 1923 eine politische Demonstration Die völkischen Wehrverbände Bayerns stehen zur Regierungsbeteiligung in Bayern und zum "Marsch auf Berlin" bereit , 20. Januar 2012, https://studiengruppe.blogspot.com/2012/01/das-oberlanddenkmal-in-schliersee-und.html
  5. Bading, Ingo: Erich Ludendorff auf Schloss Neubeuern in Oberbayern - Ein Aufenthalt von "ungeheurer Bedeutung" - "Nach schweren Tagen fand ich hier Frieden", April 1920, Januar 2016, https://studiengruppe.blogspot.com/2016/01/erich-ludendorff-auf-schloss-neubeuern.html

Mittwoch, 15. Mai 2019

Erich Ludendorff wendet sich dem Rassegedanken zu (1920)

Anregungen dazu gaben zunächst Karl Ludwig Schemann und der Graf Gobineau (1920)

In seinen Lebenserinnerungen von 1940 beschreibt Erich Ludendorff (1865-1937) vergleichsweise genau, mit welchen Menschen, Büchern und Gedanken er sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg beschäftigt hat und wie er sich dabei von einem Politiker mit zunächst überkommener "nationaler" Ausrichtung zu einem solchen bewußt völkischer Ausrichtung wandelte. Es war damals noch ungewöhnlich, daß ein führender deutscher Militär sich dezidiert völkischen Gedanken zuwandte. Ludendorff erwähnt im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen auch den den Freiburger Professor und völkischen Schriftsteller Karl Ludwig Schemann (1852-1938) (Wiki) (1). Dessen Werk habe gleich anfangs Einfluß genommen auf seine eigene geistige Entwicklung. 

Inzwischen kann diese Einflußnahme anhand des Briefnachlasses von Schemann genauer nachgezeichnet werden. Er liegt in der Universitätsbibliothek Freiburg vor (1).

Erstmals hat sich Ludwig Schemann brieflich am 30. September 1919 an Erich Ludendorff gewendet (2, S. 236). Er schrieb Ludendorff, um diesen auf seine Gedankenwelt und auf die Rassefrage aufmerksam zu machen. Ludendorff reagierte schnell positiv. Auch ließ er sich von Schemann anregen, den Grafen Gobineau über die Rassefrage zu lesen. 

Schemann und Ludendorff beziehen sich dann beide aufeinander in ihren Büchern zwischen den Jahren 1920 und 1925. Dazu werden in dem vorliegenden Beitrag erste Recherche-Ergebnisse gebracht. Sie sind künftig nach und nach noch auszubauen, insbesondere um das geistige Umfeld von Ludwig Schemann auszuloten (der Kreis um Richard Wagner), und um die Bedeutung des Austausches mit Ludwig Schemann für das weitere Denken Erich Ludendorffs nachzuvollziehen.

Abb. 1: Karl Ludwig Schemann

Als langjähriger Vorsitzender der Gobineau-Vereinigung hat sich Karl Ludwig Schemann die Aufgabe gestellt, seine Zeitgenossen auf das Lebenswerk des Grafen Gobineau aufmerksam zu machen und dessen Bekanntheit zu fördern. Wir lesen dazu (Handbuch des Antisemitismus, 2012, S. 288, GB):

Die Gobineau-Vereinigung wurde im Februar 1894 mit dem Ziel gegründet, die Werke des französischen Rassentheoretikers Arthur de Gobineau neu aufzulegen und ins Deutsche zu übersetzen. Dies war schon länger ein Wunsch Cosima Wagners, deren Mann mit Gobineau befreundet gewesen war und in seinen späten Schriften Gedanken des Franzosen rezipiert hatte. Vorsitzender der Vereinigung wurde Ludwig Schemann, der seine ungeliebte Anstellung als Bibliothekar in Göttingen aufgeben wollte und in der Vereinigung die Möglichkeit zu einem beruflichen Neuanfang als Privatgelehrter und Publizist sah. Wagner vermittelte ihm den Kontakt zu Gobineaus Nachlaßverwalterin Mathilde de La Tour. (...) Schemann emanzipierte sich in der Folge von Bayreuth und richtete sein Wirken auf den Alldeutschen Verband, den er als seine politische Heimat begriff, und andere völkische Gruppen aus. 

Der Nachlaß von Karl Ludwig Schemann steht der Forschung in der Universitätsbibliothek Freiburg zur Verfügung (1). Der Inhalt des Schemann-Nachlasses in Bezug auf Erich Ludendorff ist in der Literatur auch schon ausgewertet worden, nämlich von Bernhard Wien (2).

1920 - Erich Ludendorff gibt 25.000 Mark für die Druckkosten

Anhand seiner Ausführungen sei das folgende in einem ersten Durchgang rekapituliert. Am 2. Februar 1920 schickte Ludwig Schemann Erich Ludendorff das Manuskript seiner Schrift "Von deutscher Zukunft" (3) (Abb. 2) und schrieb dazu, daß er diese Schrift gerne Erich Ludendorff widmen wolle (2, S. 236). Erich Ludendorff hinwiederum zeigte sich vom Inhalt dieser Schrift sehr angetan, er sollte sich in seiner eigenen Buchveröffentlichung des Jahres 1921 sehr positiv auf sie beziehen.

Ende Februar, Anfang März 1920 besuchte Erich Ludendorff von Berlin aus Paul von Hindenburg in Hannover. Es geschah dies nur zwei Wochen vor dem Kapp-Putsch in Berlin. Damit in Zusammenhang stellt Bernhard Wien, daß Ludwig Schemann am 3. März 1920 sein Manuskript auch an Hindenburg schickte. Es ist also denkbar, daß Erich Ludendorff in persönlichem Gespräch Hindenburg auf den Autor Schemann hingewiesen hat. Hindenburg bedankte sich auch für die Zusendung schon am 10. März herzlich (2, S. 236f).

Erich Ludendorff hinwiederum antwortete auf die Zusendung der Schemann-Schrift am 23. Mai 1920 (2, S. 236).

In einem Brief vom 6. November (vermutlich 1920) sandte Erich Ludendorff Schemann dann sogar 25.000 Mark für die Druckkosten der Schrift "Von deutscher Zukunft" (2, S. 236). Ob Ludendorff über diese Summe aus privaten Mitteln verfügte und verfügen konnte (wie von B. Wien gemutmaßt) oder doch umfangreichere Gelder verwaltete, die ihm von Ludendorff-Verehrern zur Verfügung gestellt wurden, wird wohl noch zu klären sein. Wir erfahren (4, S. 49):

Seine Haltung zur Weimarer Republik hatte Schemann schon 1920 in seiner Schrift "Von deutscher Zukunft" dargelegt. "Was haben wir mit dem fluchbeladenen Geschlecht des 9. November gemein (...)?", so lautet die Fragestellung (S. 27). (...) Das ganze Werk ist "Seiner Exzellenz Herrn General der Infanterie Ludendorff in tiefer Verehrung gewidmet".

1921 - Erich Ludendorff in "Kriegführung und Politik"

Erich Ludendorff seinerseits berichtet in seinen Lebenserinnerungen über die Zeit nach seinem Umzug nach München im Sommer 1920 (1940, S. 182f):

In meinem Suchen nach Klarheit über die Rassen las ich auch, angeregt von Professor Ludwig Schemann, Freiburg i. Br., die Werke von Gobineau und beschäftigte mich mit den Mendelschen Gesetzen der Aufspaltung. Ich war um so mehr zur Rassenforschung angeregt, denn ich sah in Bayern einen Menschenschlag, den ich in Norddeutschland noch nicht angetroffen hatte. (...) Im Herbst 1921 beendete ich mein drittes Werk "Kriegführung und Politik".

Er schreibt (1940, S. 185):

Ich gebe nun noch ungekürzt meine Schlußbetrachtungen wieder, weil sie für mein Denken maßgebend sind und Zeugnis ablegen für die Anschauungen, die ich mir auf verschiedenen Gebieten herausgebildet hatte.

In diesen Schlußbetrachtungen zu "Kriegführung und Politik" hatte er unter anderem geschrieben (1940, S. 188):

Das Undeutsche in uns und um uns, von dem Ludwig Schemann spricht, liegt vornehmlich in dem Mangel an Rassegefühl, in der ungenügenden Berücksichtigung Deutscher Art in Schule und Recht, in der Überhebung der Geistesbildung über die Handfertigkeit, in der sich bei uns breit machenden, selbstsüchtigen Geisteshaltung, in der Bewertung des äußeren Wohllebens, im internationalen pazifistischen und defaitistischen Denken und schließlich in dem starken Hervortreten des jüdischen Volkes innerhalb unserer Grenzen begründet.

Auch an anderer Stelle seines Buches "Kriegführung und Politik" bezieht sich Erich Ludendorff auf Ludwig Schemann (6, S. 336) (dies und das folgende nur nach Google Bücher zitiert, deshalb unvollständig):

In unserer Einheitsfront haben wir, nach Ludwig Schemanns schönem Wort, "den Heldensinn, den Ordnungsgeist, die Disziplin und das Pflichtgefühl," - und ich setze hinzu: die stolze, selbstbewußte Einfachheit und Sparsamkeit, die ...

1925 - Schemanns "überschwengliche Verehrung" für Ludendorff

Im Jahr 1925 wird berichtet (Abwehrblätter - Verein zur Abwehr des Antisemitismus, 1925, GB):

Aus dem kürzlich erschienenen Buche des bekannten Antisemiten und Gobineau-Forschers Ludwig Schemann "Lebensfahrten eines Deutschen" druckt das "Dt. Tgb" einen Passus ab, in dem Ludendoff in überschwenglicher Weise verherrlicht wird. Schemann nennt Ludendorff ...

In dieser Schrift "Lebensfahrten eines Deutschen" schrieb Schemann über Erich Ludendorff (S. 365ff):

... Und Ludendorff? Er hat mir durch die Annahme der Widmung meiner vaterländischen Schrift "Von deutscher Zukunft. Gedanken eines, der auszog, das Hoffen zu lernen" eine hohe Gunst erwiesen, indem er es mir damit ermöglichte, meine tiefgehende Übereinstimmung in der Auffassung der deutschen Lebensfragen mit diesem größten unserer Führer öffentlich zu bekunden. Immer inniger habe ich mich ihm in der Folge verbunden gefühlt, immer in der stillen Hoffnung, daß, wenn doch noch einmal den guten Geistern unseres Volkes ihre Stunde schlagen sollte, er mit an erster Stelle berufen sein werde, in die Lenkung unseres Reichssteuers einzugreifen.

Vermutlich verlor sich aber in der Folgezeit diese engere Verbundenheit Schemann's mit Ludendorff. (Denn sonst müßte darüber ja doch noch etwas bekannt sein.) Ludendorff begann ab 1925, eigene Wege zu gehen. Schemann hingegen (Wiki)

wurde 1928 öffentlicher Förderer der Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur. 1933 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Freiburg ernannt. 1937 wurde er Ehrenmitglied des nationalsozialistischen Reichsinstituts für Geschichte des Neuen Deutschlands und von Adolf Hitler mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Ob es von Seiten Schemanns auch kritische Sichtweisen auf den Nationalsozialismus gab (wie spätestens ab 1925 bei Ludendorff), muß einstweilen dahin gestellt bleiben. - Den hier insgesamt aufscheinenden Zusammenhängen kann also noch nach vielen Richtungen hin genauer nachgegangen werden. So könnte etwa die Auseinandersetzung Ludendorffs mit Rassefragen noch einmal im größeren Zusammenhang erörtert werden. Auch könnte der Verbindung Ludwig Schemanns zum Kreis um Richard Wagner genauer nachgegangen werden. An den Austausch Erich Ludendorffs mit Ludwig Schemann schließt sich übrigens auch sein Austausch mit vielerlei anderen, unter anderem naturwissenschaftlich oder anthropologisch orientierten Denkern, Forschern und Autoren seiner Zeit an (8).

1933 - Mathilde Ludendorff bezieht sich auf Ludwig Schemann

Nachtrag 14.3.23: 1930 erschien der zweite Band von Ludwig Schemann's Buch "Die Rasse in den Geisteswissenchaften - Studien zur Geschichte des Rassegedankens" (10). Auf dieses Buch bezog sich Mathilde Ludendorff in ihrem Buch "Die Volksseele und ihre Machtgestalter - Eine Philosophie der Geschichte" aus dem Jahr 1933 (9). Im letzten Teil desselben Buches behandelt sie unter anderem die antik-griechische Philosophen-Schule Stoa als eine Art Vorläufer-Lehre des Christentums (9). Dabei stützt sie sich oft wörtlich auf Ausführungen von Ludwig Schemann.

Nachtrag 29.8.23: Inzwischen haben wir uns mit dem Einfluß Karl Ludwig Schemann's auf das Werk Mathilde Ludendorffs "Die Volksseele und ihre Machtgestalter" aus dem Jahr 1933 ausführlicher beschäftigt (Stgen2023). Man wird annehmen können, daß Schemann alle seine Neuerscheinungen an Erich Ludendorff gesandt hat, und daß so seine Bücher auch in die Hände von Mathilde Ludendorff gekommen sind. 

___________
  1. Universitätsbibliothek Freiburg, Nachlaß Ludwig Schemann, 10 Briefe, 5 Briefabschriften, http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/ead?ead.id=DE-611-HS-616943
  2. Wien, Bernhard: Weichensteller und Totengräber. Ludendorff, von Hindenburg und Hitler 1914-1937. Books on Demand, Norderstedt 2014 (GB)
  3. Schemann, Ludwig: Von deutscher Zukunft. Gedanken eines, der auszog, das Hoffen zu lernen. Theodor Weicher, Leipzig 1920
  4. Nemitz, Kurt: Die Schatten der Vergangenheit. Beiträge zur Lage der intellektuellen deutschen Juden in den 20er und 30er Jahren. Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 2000 (156 S.) (GB)
  5. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär. 1940 (GB)
  6. Ludendorff, Erich: Kriegführung und Politik. Mittler und Sohn, Berlin 1921
  7. Schemann, Ludwig: Lebensfahrten eines Deutschen. 1925 
  8. Bading, Ingo: Erich Ludendorff im Austausch mit Naturwissenschaftlern seiner Zeit Sowie mit völkischen und kirchenfreien Zeitgenossen seiner Generation. Studiengruppe Naturalismus, 20. August 2014, https://studiengruppe.blogspot.com/2014/08/erich-ludendorff-im-austausch-mit.html
  9. Ludendorff, Mathilde: Die Volksseele und ihre Machtgestalter. Eine Philosophie der Geschichte. Erstauflage 1933; Verlag Hohe Warte, Pähl 1955 (Archive)
  10. Schemann, Ludwig: Die Rasse in den Geisteswissenchaften. Studien zur Geschichte des Rassegedankens. Band 2, J. F. Lehmann's Verlag, München 1930 (GB) 

Dienstag, 21. März 2017

"Das nationale Wollen in dieser schwer bedrohten Provinz bedurfte besonderer Pflege"

Erich Ludendorffs Ostpreußen-Besuche in den 1920er Jahren und die dortigen Tannenberg-Gedenkfeiern

Von dem Urenkel eines Amtsgerichtsdirektors Curt Martens in Königsberg, der in Königsberg im Sommer 1945 verstorben ist, erhielten wir drei Fotografien, auf denen Erich Ludendorff zusammen mit Curt Martens während zweier Besuche Ludendorffs in Königsberg abgebildet ist (Abb. 1, 10, 11). Im Familienalbum waren alle drei Fotografien bislang mit "Königsberg 1921" gekennzeichnet gewesen. Aus dem Zusammenhang der im folgenden zu bringenden parallel entstandenen ähnlichen Fotografien und sonstigen Zeitzeugnisse ergibt sich aber, dass diese drei Fotos während zwei unterschiedlicher Königsberg-Besuche Erich Ludendorffs, nämlich einmal im August 1921 und einmal im August 1926 entstanden sein werden.

Wir nehmen die Zusendung dieser drei Fotografien zum Anlass, damit zu beginnen, in einem eigenen Blogbeitrag Bild- und Text-Zeugnisse zu allen Tannenberg-Gedenkfeiern und den zumeist damit zusammenhängenden Ostpreußen- und Königsberg-Besuchen Erich Ludendorffs (und auch Paul von Hindenburgs) in den 1920er Jahren zusammen zu tragen. Oft gibt es nämlich Fotografien, die bezüglich dieser Anlässe nicht mehr gar so leicht zeitlich und örtlich genau zugeordnet werden können (wie das auch an dem genannte Familienalbum erkennbar wird). 

Erich Ludendorff weilte - laut seiner Lebenserinnerungen - in den Sommern 1921, 1924, im April 1925, sowie in den Sommern 1926 und 1927 jeweils einige Tage in Ostpreußen. Fast jedes mal ging es um Gedenkfeiern an die siegreiche Schlacht von Tannenberg Ende August 1914. 1924 ging es um die Grundsteinlegung zum Tannenberg-Denkmal, 1927 um die Einweihung des inzwischen errichteten Denkmals. Erich Ludendorff gibt selbst die Gründe für seine Besuche im ersten hier zu bringenden Auszug aus seinen Lebenserinnerungen sehr genau an.

Bekanntlich wurde Paul von Hindenburg 1934 in dem 1927 eingeweihten Tannenberg-Denkmal sogar beigesetzt. Und Adolf Hitler wollte, dass auch Erich Ludendorff nach 1937 dort beigesetzt würde. Die Witwe Erich Ludendorffs - Mathilde Ludendorff - widersetzte sich allerdings, unterstützt vom Testament Erich Ludendorffs, erfolgreich den Wünschen des Diktators, der sonst fast überall seinen Willen durchsetzte. Der Sarkophag Hindenburgs wurde 1945 nach Marburg transportiert, das Tannenberg-Denkmal gesprengt. Auch dieses nachherige Geschehen zeigt, von welcher großer symbolischer Bedeutung der Zusammenhang zwischen Hindenburg, Ludendorff und Ostpreußen empfunden worden ist von Seiten der Zeitgenossen.

Erich Ludendorff als Ehrengast der Tannenbergfeier in Königsberg im August 1921


Abb. 1: "1921 Walter-Simons-Platz, Rosen für Ludendorff"
(aus dem Nachlass von Amtsgerichtsdirektor Curt Martens, Königsberg) 
Erich Ludendorff fuhr im August 1921 (Stud. Nat. 2016) nach Ostpreußen und Königsberg. Er kam am 13. August an und wurde am 14. August 1921 auf dem Walter-Simons-Platz von Amtsgerichtsdirektor Curt Martens und seinen Kindern mit Rosen begrüßt. Das Foto aus Abbildung 1 erhielten wir soeben von einem Urenkel dieses (darauf abgebildeten) Amtsgerichtsdirektors (dieser steht vorne rechts mit dem Rücken zum Betrachter) zugesandt.

Abb. 2: "Bei der Tannenbergfeier am 14. August 1921" - Ansprache Erich Ludendorffs
(aus: 1, S. 128)
(ähnliche Aufnahme siehe: Getty Images)
Eingeladen worden war Erich Ludendorff von seinem früheren Mitarbeiter Wilhelm von Gayl (1879-1945) (Wiki), der 1920 Leiter der Abstimmungskommission in Allenstein war und 1932 deutscher Innenminister in der Regierung von Papen werden sollte. Er ist auf einem parallelen Foto zu Abbildung 2 (in Zivil) als Redner zu sehen, wobei Erich Ludendorff rechts vom Rednerpodest steht und ihm zuhört (Getty Images):
Wilhelm Freiherr von Gayl (04.02.1879-) Ceremony in memory of the Battle of Tannenberg (1914) in Koenigsberg / East Prussia, Wilhelm Freiherr von Gayl speaking, the former German commissioner responsible for the plebiscite in Allenstein. On the right of the platform General Erich Ludendorff - August 1921
Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen über seinen damaligen Ostpreußen-Besuch (1, S. 162-167):
In dieser Zeit des Niederganges beteiligte ich mich an vaterländischen Kundgebungen in Norddeutschland. Ich hielt es für meine Pflicht gegenüber dem sich gerade hier breitmachenden marxistischen Internationalismus, der jedes völkische Wollen und jede klare Überlieferung aus der Vergangenheit ersticken wollte und alles, was früher Großes war, mit seinem Hohne traf. Wie schmerzlich mir diese Feiern durch das Erinnern an unsere stolze Vergangenheit wurden, erlebte ich bald.
Ich hatte aus Königsberg von Freiherrn v. Gayl, der in der Verwaltung Ober-Ost unter mir gearbeitet hatte und jetzt in einem Siedlungunternehmen Ostpreußens tätig war, für den 13. und 14.8. eine Einladung nach Königsberg erhalten. Ich folgte ihr. Das nationale Wollen in dieser von Polen und Litauen so schwer bedrohten Provinz bedurfte besonderer Pflege. Ich folgte der Einladung auch gern. Mein Herz gehörte der Provinz. Die Schlachten von Tannenberg und an den masurischen Seen und lange Feldzüge waren ja um die Erhaltung Ostpreußens geführt worden. Mein bestes Können hatte ich für sie eingesetzt. Ich hatte auch die Not des Russeneinfalls in die Provinz miterlebt!
Ich fuhr über Swinemünde nach Pillau mit dem Dampfer, der, nach Errichtung des Korridors, ermöglichte, ohne polnisches Gebiet zu befahren, nach Ostpreußen zu gelangen. Wie oft war ich vor dem Weltkriege und im Weltkriege mit der Bahn von Berlin nach Ostpreußen gefahren. Wie anders war das jetzt alles geworden. Weit schweiften meine Gedanken während der Fahrt zurück; als mich der Kapitän des Schiffes aufmerksam machte, wo die polnische Grenze die Ostsee berührte, wurde meine Stimmung noch ernster. Wo war die Zeit geblieben, als ich als Seebataillons-Offizier Danzig, die Hauptstadt Westpreußens, auf einem Deutschen Kriegsschiff besuchte.
Erich Ludendorff gibt hier Gefühle wieder, die die deutschen Vertriebenen noch viele Jahrzehnte nach 1945 empfunden haben, nun aber noch in Bezug auf ein viel größeres Unheil. Viele Deutsche tun das bis heute. Erich Ludendorff hatte vor den Gefahren, die für Ostdeutschland in einem neuen, weiteren Krieg drohten, in seinem Buch "Weltkrieg droht auf Deutschem Boden" schon im Jahr 1930 deutlich genug gewarnt. Darin hatte er bestechend genau die späteren Entwicklungen bis 1945 vorausgesagt, die drohten infolge einer, wie er es in diesem Buch nannte "hirnverbrannten nationalsozialistischen Außenpolitik" und angesichts der allen sehenden Menschen schon aus dem Ersten Weltkrieg und aus dem Versailler Vertrag zur genüge bekannt gewordenen Tatsache, dass die von Ludendorff erkannten überstaatlichen Kräfte die großen Völker der Welt in grausamem Vernichtungswillen gegen das deutsche Volk aufgehetzten. - In seinen Lebenserinnerungen schrieb er weiter:
In Pillau wurde ich von Festveranstaltern begrüßt. Auch die Besatzung eines Torpedo-Bootes beteiligte sich daran, wohl zum Schreck der marxistischen Regierung in Berlin und des marxistischen Polizeipräsidenten Lübrinck in Königsberg, dem alles Nationale so besonders verhasst war. Ich übernachtete zunächst auf dem Lande und nahm dann in Königsberg Wohnung bei dem Präsidenten des dortigen Finanzamtes, Herrn Tiesler, der, als ich in Kowno das Gebiet des Oberbefehlshabers Ober-Ost verwaltete, einer meiner bewährtesten Gehilfen war. Er hatte als Dienstwohnung die Dienstwohnung eines Divisionskommandeurs erhalten. - Ja, die Verhältnisse hatten sich geändert. Im übrigen freute ich mich, diesen vortrefflichen Beamten wieder zu sehen. Da ich später noch mehr "politisch" belastet erschien, mied ich ihn bei meinen späteren Besuchen in Königsberg. Er hat mich auch nicht aufgesucht.
Am 13. abends war eine Vorfeier in der Stadthalle mit Fackelzug und Festkommers. Die Begrüßung, die mir zuteil wurde, war eine ungemein warme. Als ich in meiner Ansprache ausführte: "Es mögen andere geschickter gewesen sein als ich, aber mit der Liebe zum Vaterlande nehme ich es mit allen auf", umtoste mich donnernder Beifall, begeistert erklang das Preußen-Lied.
Am 14. war eine weitere öffentliche Feier auf dem Walter-Simon-Platz. Hier waren Kriegervereine, neugebildete Verbände und Deutsche außerhalb der Verbände versammelt. Feierlich empfangen
- unter anderem von der Familie Curt Martens -
schritt ich die Fronten ab. Gewiss waren auch hier alte Soldaten vertreten, aber es war doch keine Truppe, die ich begrüßen konnte; es waren waffenlose Deutsche, die ich durch meine Worte aufzurichten hatte. Ich konnte auch alte Bekannte begrüßen und Kameraden mit Kriegsauszeichnungen und Verwundete, die ich durch eine kurze Unterhaltung erfreute. Die üblichen Gottesdienste wurden abgehalten, Herr v. Gayl und ich sprachen. Darauf fand ein Vorbeimarsch vor mir an dem Denkmal des Generals v. Yorck statt. Immer wieder richteten sich dabei meine Gedanken auf das alte Heer. Aber für die Teilnehmer an der Veranstaltung war sie doch eine Quelle neuer Kraft. Wie lange würde sie vorhalten?
Am Nachmittag besuchte ich noch eine Volksveranstaltung im Tiergarten. Das Stück von Wilhelm Raabe "Tannenberg" wurde gegeben, und große sportliche Leistungen gezeigt. Zahlreiche Kriegervereine, Jugendverbände, Offiziere und Mannschaften der Reichswehr und der Marine waren zugegen. Auch hier war viel Begeisterung und viel Wärme. Hierbei hatte ich Gelegenheit, auch über die Abstimmung in Ostpreußen zu sprechen und konnte zu meiner Genugtuung feststellen, dass sich bei Leitung derselben auch römischgläubige Deutsche ganz im Deutschen Sinne betätigt hatten. Ihr Deutsches Rasseerbgut hatte sie verhindert, mit ihrem Oberhaupt in Rom zu "fühlen".
Und doch schien mir in den Veranstaltungen eine gewisse Unstimmigkeit zu liegen, die ich später auf die tiefe Zerrissenheit der ostpreußischen Kreise durch Freimaurerei und andere Geheimorden zurückführen konnte. Am Vormittage war mir die Ehrendoktor-Urkunde der medizinischen Fakultät durch Dekan Professor Dr. Kirschner überreicht worden. Es war wohl mein vierter Ehrendoktor. Ich war bereits Ehrendoktor von Fakultäten der Universitäten Breslau, Freiburg i. Br. und Königsberg. Die Urkunden, die mir überreicht wurden, tragen schöne Worte. Ich will hier nur die Worte der letzten Urkunde wiedergeben.
Abb. 2a: Ehrendoktor
Diese Urkunde wird hier als Fotografie eingestellt (Abb. 2a) und muss deshalb nicht im Zitat gebracht werden. Weiter schreibt Ludendorff: 
Ich bin auf diese Veranstaltung in Königsberg näher eingegangen und habe auch vorstehende Worte erwähnt, um zu zeigen, dass es auch Deutsche gab, die nicht in die allgemeine Hetze einstimmten, die offen aus marxistischen und kommunistischen Kreisen, etwas verhaltener aus römischen Kreisen und namentlich von Seiten der "Intelligenz" gegen mich im Gange war. Das Deutsche Volk soll in alle Zukunft wissen, dass es auch Deutsche gab, die mich ehren wollten und sich damit ehrten. Allerdings muss es auch erfahren, dass mit zunehmender Feindschaft der überstaatlichen Mächte, namentlich der Freimaurerei und der römischen Priester, bald aller Priester und der von ihnen abhängigen Geheimorden, die Schar der Deutschen immer kleiner wurde; bis sie wieder wuchs, nachdem meine Aufklärung die Augen vieler Deutschen geöffnet hatte. (...) Damals in Königsberg galt naturgemäß die Feier dem Feldherrn und dessen nationalem Wollen. Schon bei meinem nächsten Aufenthalt in Königsberg im Jahre 1924 zeigten sich mir andere Bilder und wieder andere bei meinen späteren Besuchen in den Jahren 1926/27.
Nach den Feiern in Königsberg führte mich Herr v. Gayl in einer Autofahrt quer durch die Provinz nach dem Besitz des Herrn v. Oldenburg-Januschau, der in deren westlichem Teile lag.  Ich kam dabei durch das völlig römischgläubige Ermland. Ich traf hier eine ganz andere Kultur als in den protestantischen Teilen der Provinz. Selbst der Pferdeschlag war ein anderer; es war ein schwererer Schlag, nicht die wunderbar edle Züchtung des ostpreußischen Pferdes. (...) In Herrn v. Oldenburg sah ich einen alten Bekannten aus Kriegszeiten wieder (...). Rückblickend klagte er über die Unentschlossenheit der Obersten Heeresleitung in Kolberg, die auch von ihm zu einem tatkräftigen Handeln gegen Polen im Sommer 1919 aufgefordert worden sei. Er sprach mit größter Zurückhaltung von General v. Hindenburg und dessen Rat an den Kaiser, nach Holland zu fahren. Er sprach auch über den Kaiser selbst und bedauerte seine Schwäche seinen Ratgebern gegenüber; auch er meinte, der Kaiser habe die Lage oft richtiger beurteilt als diese. Gemeinsame Erinnerungen ließen die Tage schnell verstreichen. Leider musste ich mich später gegen Herrn v. Oldenburg wenden.
Gleich darauf hatte ich eine Feier in Frankfurt a. O. ... 
Von diesem Ostpreußen-Besuch finden sich in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs drei Fotografien (1, S. 128f, 160) (hier Abb. 2 bis 4).

Abb. 3: "Am 14. August 1921 bei der Tannenbergfeier in Königsberg"
(aus: 1, S. 160)
Auf den Fotografien könnte Ludendorff vormittags die Pickelhaube und nachmittags eine Schirmmütze getragen haben. Auf ihnen ist zumeist feuchtes, regnerisches Wetter zu erkennen (Regenschirme, feuchter Boden).

Abb. 4: "Bei der Tannenbergfeier in Königsberg am 14. August 1921"
(aus 1, S. 129)
(links wohl General Emil Hell, ganz rechts womöglich Curt Martens)
Solches Wetter ist auf den weiteren eingesandten Fotografien aus dem Nachlass von Curt Martens nicht zu erkennen, einer von mehreren Gründen, sie auf das Jahr 1926 zu datieren (siehe gleich). Auf Abbildung 4 steht ganz links General Emil Hell (1864-1931) (Wiki), Teilnehmer der Schlacht von Tannenberg 1914 und nachmaliger Stabschef der Heeresgruppen von Eichhorn, von Linsingen und dann des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Erich Ludendorff schrieb in seinen Kriegserinnerungen über sein Eintreffen in Ostpreußen am 24. August 1914 (8, S. 38):
Am 24. waren wir bereits bei General v. Scholtz. wir trafen mit ihm in Tannenberg zusammen. Er und sein Chef, Oberst Hell, sollten im Laufe des Krieges ihre Namen hoch zu Ehren bringen und in der Geschichte verewigen.
Und später über den General von Eichhorn (8, S. 123):
Er und sein Chef, Oberst Hell, waren Männer von hoher Verantwortungsfreudigkeit und Kühnheit.
General Hell hatte sich nach seiner Verabschiedung im Jahr 1919 auf dem Schlachtfeld von Tannenberg angesiedelt wie es auf Wikipedia heißt (Wiki):
Nach seiner Verabschiedung bewirtschaftete Hell den auf dem Schlachtfeld von Tannenberg gelegenen Familienbesitz Groß-Grieben.
Er ist auch zusammen mit Ludendorff und Mackensen auf Fotografien von der Tannenbergfeier von 1927 zu erkennen. 

Tannenbergfeierlichkeiten in Ostpreußen (zusammen mit Hindenburg) - August 1924

Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen über seinen Ostpreußen-Besuch im Jahr 1924 (1, S. 353):
In Ostpreußen waren zur Erinnerung des zehnjährigen Gedenktages der Schlacht von Tannenberg und der Befreiung Ostpreußens vom ersten Russeneinfall feierliche Veranstaltungen und die Grunsteinlegung des Tannenbergdenkmales auf dem Schlachtfelde von Tannenberg vorgesehen. Am Sonntag, den 24. sollte in Königsberg und am Sonntag, den 31. auf dem Schlachtfelde die Feier stattfinden. Ich selbst hatte, bevor ich zu der Veranstaltung in Königsberg eingeladen war, die Teilnahme an einer Feier in Tilsit zugesagt. Mich zog es besonders in diese Stadt, weil sie Grenzstadt geworden war; nördlich des Njemen lag ja das Memelland, das nicht nur in litauischer Verwaltung stand, sondern von Litauen in steigendem Maße bedrängt wurde.
Ich fuhr zunächst nach Insterburg und besuchte hier das Hotel, in dem das Oberkommando der 8. Armee nach der Schlacht an den Masurischen Seen im September 1914 und dann im Januar und Februar 1915 zur Winterschlacht in Masuren sein Hauptquartier hatte. Es waren erhebende Erinnerungen, die ich hier durchlebte. Dann ging es im Kraftwagen durch die litauische Landschaft nach Tilsit. (...) An der Chaussee nach Tilsit hatten sich in den Ortschaften Kriegervereine aufgestellt und die Bevölkerung sich versammelt. Sie dankten mir die Befreiung von dem Russeneinfal. (...) Der warme Empfang in den Ortschaften hatte mich aufgehalten. (...) Auch die Veranstaltungen in Tilsit waren vom gleichen Geist getragen. Sie waren vom "Frontring", so hieß der "Frontbann" in Ostpreußen, aber auch von anderen Teilen der Bevölkerung unternommen.
Abb. 5: "Ostpreußentag in Tilsit 24./25. August 1924 - Die Freiheit ist unser Ziel - Ludendorff" (Postkarte)
Als weiteres Zeugnis vom Besuch Ludendorffs in Tilsit kann bis auf weiteres auf die nebenstehende Postkarte hingewiesen werden (Abb. 5). Es handelt sich um eine Porträt-Fotografie Erich Ludendorffs am Schreibtisch, die in Tilsit während des "Ostpreußentages " zur Erinnerung verteilt oder verkauft worden sein wird. Auf ihr sind die handschriftlichen Widmungsworte Erich Ludendorffs aufgedruckt worden:
Ostpreußentag in Tilsit 24./25. August 1924.
Die Freiheit ist unser Ziel
                                         Ludendorff
Erich Ludendorff schreibt in seinen Lebenserinnerungen weiter (1, S. 355):
Am 26. ging es dann weiter durch das Samland nach Königsberg. (...) In Königsberg wohnte ich bei der Familie Döring. Herr und Frau Döring standen an der Spitze der Deutschvölkischen Freiheitspartei in Königsberg und nahmen mich gastlich auf. In der Veranstaltung in der Stadthalle sprachen außer mir der Forstmeister Gieseler aus Taberbrück nördlich Osterode, der die Deutschvölkische Freiheitspartei der Provinz leitete, und Hauptmann Röhm, der sich in meiner Begleitung befand. Auch diese Feier war von hohem Schwunge getragen. Im Schützenhaus versicherten mich der Führer des "Wehrwolf", Korvettenkapitän Wiersbitzki, und der Führer des "Frontring", Herr v. Auer, der üblichen Treue. Wieviel Treue ist mir gelobt worden! Am 27. abends verließ ich Königsberg und traf am 28. früh in Berlin ein, um an den Abstimmungen an dem Dawes-Gutachten teilzunehmen.
Ludendorff spielt im letzten Satz auf seine Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter der Deutschvölkischen Freiheitspartei an. In seinen Erinnerungen erwähnt Ludendorff überhaupt nicht die Tannenbergfeierlichkeiten des Jahres 1924 in Königsberg, die er zusammen mit Paul von Hindenburg absolvierte. Sie fanden an ähnlichen Orten statt wie sie im Bericht Ludendorffs schon im Jahr 1921 erwähnt worden sind. Im "Deutsche Wochenschau Filmarchiv" gibt es einen Dokumentarfilm mit dem Titel "Die Tannenbergfeierlichkeiten in Ostpreußen", durch den man einen guten Ein- und Überblick gewinnt. Über diese historischen Filmaufnahmen heißt es (2):
Dokumentarfilm über die Feierlichkeiten anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Schlacht bei Tannenberg. Teilnehmer der Feierlichkeiten sind u.a. Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg und die an der Schlacht beteiligten Heerführer und Soldaten.
In den meisten Filmsequenzen steht der Generalfeldmarschall Hindenburg im Mittelpunkt. Im folgenden die vollständige Beschreibung derselben (Hervorhebung nicht im Original):
Da es sich um einen Stummfilm handelt, wird der Film von zahlreichen Zwischentiteln unterbrochen. 10:00:00 – 10:01:50 Pillau: Schiff „Odin“ läuft in Hafen ein. Empfang. Generalfeldmarschall von Hindenburg schreitet Ehrenkompanie der Reichswehr ab (verschiedene Einstellungen). Männerchor singt zur Begrüßung. Hindenburg begrüßt Kriegsveteranen, teilweise in alter Uniform mit Pickelhaube.
10:01:45 – 10:02:55 Menge winkt Hindenburg mit Taschentüchern zu. Sitzende Zuschauer (Totale). Hindenburg auf Ehrentribüne. Massensportformationen von Jugendlichen auf dem „Walter-Simon-Platz“ (Totale). 10:02:50 – 10:03:10 Sportplatz der Palästra Albertina, Hindenburg zwischen Generälen (nah). 10:03:05 – 10:04:00 General Erich Ludendorff, Hindenburg u.a. zu Besuch in der Schwimmanstalt Prussia. Kinder und Jugendliche an der Badestelle der Schwimmanstalt Prussia (Totale). Hindenburg im Gespräch mit Ludendorff (Ludendorff von hinten). Hindenburg im Gespräch mit Dame. Steg der Badeanstalt, Badende (Totale).
10:03:55 – 10:04:50 Hindenburg wird mit offener Limousine auf Wiese gefahren, Sportler winken zur Begrüßung. Veteranen am Barren. Turner am Reck, Hindenburg im Auto als Zuschauer. Hindenburg im offenen Automobil (nah). Veteranen machen Turnübungen auf Wiese. 10:04:45 – 10:05:30 Empfang im Tiergarten: Kinder in weißen  Sportanzügen stehen für Hindenburg und Militärs Spalier. 10:05:25 – 10:08:50 Flughafen Königsberg: Flughafengebäude, Veteranen stehen auf Aussichtsterrasse. Veteranen steigen in Flugzeug Aufschrift „Junkers“. Pilot steht auf Tragefläche, posiert vor Kamera. Start Flugzeug „Junkers“. Flughafen Königsberg (Totale). Junkers klein am Himmel. Landebahn (Wiese) mit Zuschauern. Gelandete Junkers rollt heran. Passagiere, auch eine Frau, steigen aus Flugzeug (nah). Uniformierter schüttelt Pilot die Hand. Gäste auf Flughafengelände. Hindenburg und andere Veteranen auf Terrasse des Flughafengebäudes. Zwei Kriegsveteranen mit Orden behängt (nah). Abfahrt Hindenburg und andere Militärs mit Mercedes- / Daimler- Coupés.
10:08:45 – 10:09:35 Königsberger Hafen: Veteranen, u.a. mit Pickelhaube, steigen auf Ausflugsschiff. Paddelboote. Abfahrt Ausflugsdampfer „Kneiphof Königsberg“ mit Veteranen und Frauen.
10:09:30 – 10:11:30 Die Schlacht bei Tannenberg (26. – 31.8.1914): Graphik / Trick: Schlachtpläne / Karten mit militärischen Strategien. 10:11:25 – 10:15:50 Junge Frauen in  weißen Kleidern begrüßen ankommende Veteranen. Veteranen in Uniform mit Pickelhaube, Hindenburg begrüßt Veteran. Veteranen gehen durch Gasse von Schaulustigen. Menschenmenge (verschiedene Einstellungen). Militärkapelle. Hindenburg und Anhang schreiten Soldatengarde mit aufgepflanzten Bajonetten ab. Hindenburg, General-Feldmarsschall August von Mackensen (mit Husarenmütze) und andere schreiten an salutierenden Soldaten vorbei. Handschlag Hindenburg mit Veteran in Zivil. Abgang in Pferdekutschen. Abgang von Generälen und Offizieren zu Fuß. Verhülltes Ehrenmal, Menschenmenge teilweise mit Fahnen (Schwenk). Denkmal wird enthüllt. Hindenburg legt Kranz an Ehrenmal nieder.
10:15:45 – 10:18:53 Militärkapelle marschiert über Straße, bleibt am Rand stehen. Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten, Soldaten, Militärkapelle, Veteranen marschieren, Schaulustige am Straßenrand (verschiedene Einstellungen). Hindenburg auf Ehrentribüne salutiert, daneben Mackensen Gedenkstein, Aufschrift „Herr mach uns frei“ (nah).
Es handelte sich also ebenfalls um eine typische nationale Gedenkfeier im Stil der damaligen Zeit.

Abb. 6: Am Bahnsteig in Osterrode, 30. August 1924
(aus: E.L. - Sein Wesen und Schaffen [1938], S. 400)
Auf einer zeitgenössischen Postkarte ist zu sehen: "Exzellenz v. (sic!) Ludendorff - Ankunft in Hohenstein am 30. August 1924 zur Tannenbergfeier". Ludendorff wird von den Pfarrern Hohensteins begrüßt.

Abb. 7: "Exzellenz v. Ludendorff - Ankunft in Hohenstein am 30. August 1924 zur Tannenbergfeier"
Eine andere zeitgenössische Postkarte bringt eine Fotografie vom Feldgottesdienst bei Hohenstein (dem Ort des künftigen Tannenberg-Denkmales) (Abb. 8).

Abb. 8: Tannenbergfeier am 31. August 1924 in Hohenstein (Postkarte)
Mackensen, Ludendorff, Hindenburg, Seekt

April 1925 - Besuch Ludendorff auf Hindenburgs Gut Neudeck in Ostpreußen


Fotografien sind ebenso erhalten aus dem Jahr 1925, als Ludendorff zusammen mit Hindenburg in Ostpreußen weilte (s. Fotoarchiv Süddt. Ztg.):
Hindenburg und Ludendorff bei Oldenburg-Januschau, 1925 Bildtext: Der ehemalige Generalquartiermeister Erich Ludendorff (r.) und der Generalfeldmarschall a.D. Paul von Hindenburg (mitte), beide Kandidaten für die Reichspräsidentenwahl 1925, als Gäste auf dem Gut des konservativen Reichstagsabgeordneten Elard von Oldenburg-Januschau (2.v.r.). Datum: 23.04.1925

August 1926 - Tannenbergfeier in Königsberg


Abb. 9: Königsberg, 28. 8. 1926 - Abschreiten der Ehrenkompagnie am Bahnhof
(aus: E.L. - Sein Wesen und Schaffen [1938], S. 369)
Vom 29. August bis 1. September 1926 weilte Erich Ludendorff in Königsberg und an der Samlandküste (s.a. Stud. Nat. 2016). Er schreibt in seinen Lebenserinnerungen (1, S. 46):
Dann führte mich mein Weg nach Königsberg. Hier nahm ich am 29.8.26 an Veranstaltungen vaterländischer Verbände zur Erinnerung an die Schlacht von Tannenberg auf dem Walter-Simons-Platz teil. (...) An der Veranstaltung nahmen der Frontring, der Stahlhelm, der Wehrwolf, der Jungdeutsche Orden, Krieger- und Marinevereine und studentische Verbindungen teil Nach Abschreiten der Fronten nahm ich den Vorbeimarsch ab. Am Nachmittag wohnte ich den Wehrwettkämpfen des Frontrings und des Wehrwolfs bei. (...) Einen Vormittag benutzte ich auch, um die so schöne Küste des Samlandes bei Rauschen und Cranz zu besuchen. Wo ich nur konnte, genoss ich die Schönheiten Deutschen Landes. Am 1. 9. war eine besondere Sedanfeier, bei der General v. Bronsart sprach und sich durch seine Worte eine Anklage der Staatsanwaltschaft auf Grund des Republikschutzgesetzes zuzog, die indes mit Freispruch endete. Wenn mir auch in Königsberg viel entgegengebracht wurde, so zeigte doch die Versammlung am 1. 9. abends, dass recht viele fehlten, die 1924 und erst recht 1921 zur Stelle gewesen waren. Am 29. 8. war der "Feldherr" geehrt worden, von dem Führer im völkischen Kampfe wollten auch die einzelnen Verbände, die am 29. 8. vor mir in Paradeaufstellung gestanden hatten, nichts wissen.
Auf den Sedan- und Tannenbergfeiern in Königsberg hielt er mehrere Reden, bzw. Ansprachen (Wiedergaben in "Deutsche Wochenschau" vom 5. und 12.9.1926).

Abb. 10: Erich Ludendorff gibt Amtsgerichtsdirektor Curt Martens, Königsberg, die Hand
vierter von links General Bronsart von Schellendorf
(Herkunft: Nachlass von Curt Martens, Königsberg)
In den Berichten heißt es unter anderem auch:
Der Dienstag war einem Ausflug an die so schöne und leider noch viel zu wenig bekannte Samlandküste gewidmet, wo völkische Freunde in Rauschen es sich nehmen ließen, dem General einen freudigen Empfang zu bereiten. 
Abb. 11: "Die Front des Wehrwolfs wird abgeschritten"
Offenbar auf dem Walter-Simon-Platz (siehe spitzer Turm im Hintergrund)
(Herkunft: Nachlass von Amtsgerichtsdirektor Curt Martens, Königsberg, hier der vierte von links)
In seiner Abschiedsrede am 1. September sagte Ludendorff unter anderem:
Die Eindrücke, die ich von hier mitnehme, sind starke, ich werde sie meinen Freunden im Reich und im besonderen in Bayern mitteilen und ihnen erzählen, dass ich in Ostpreußens Hauptstadt Deutschen Lebens- und Kampfwillen gefunden habe und dass hier Sedan und Tannenberg im richtigen Geist gefeiert wurden, nicht der Vergangenheit zuliebe, sondern zur Stärkung dieses Willens. (...) Der Tannenberg-Bund sieht nicht nur den äußeren staatlichen Feind (...). Der Tannenberg-Bund sieht noch den Feind im Innern, die überstaatlichen Mächte (...). Die inneren Feinde haben sich zudem tief bei uns eingenistet und beeinflussen uns mehr, als wir es selbst wissen. Darum ist es so unendlich schwer, diese inneren Feinde klar zu erkennen und sie dem Deutschen zu zeigen. Aber zum Kampf ist nun einmal ein klares Erkennen des Feindes nötig, sonst erhält man den Dolchstoß. (...)
Gewiss gibt es auch noch nicht darüber eine einheitliche Auffassung, was zum Leben des Volkes gehört und wohin sein Lebenswille trotz der über das Volk verhängten Not des Leibes und der Seele drängt. Ich meine aber doch, wenn man hinhorcht, dann nimmt der Lauscher immer klarer und deutlicher den Schrei der deutschen Seele wahr: Heraus aus unserem Blutswirrwarr, heraus aus religiöser Unduldsamkeit und religiösem Unbefriedigtsein, aus dem Missklang der Religion für politisches Machtstreben auf Kosten der völkischen Art und des Staates.
Abb. 12: "Bismarckjugend ist angetreten" - Königsberg, Ende August 1926
Links neben Erich Ludendorff geht Amtsgerichtsdirektor Curt Martens, Königsberg
(aus: E.L. - Sein Wesen und Schaffen [1938], S. 369)
In einer Kurzmitteilung steht in der Rubrik "Briefkasten" auch:
C. Ch. - Stettin. Es ist richtig, dass L. der N.S.D.A.P. die Beteiligung an der Tannenberg- und Sedanfeier in Königsberg i. Pr. untersagt hat. Richtig ist auch, dass der nat.-soz. Abg. Dr. Frick, der reden sollte, nicht erschienen ist.
An seiner Stelle sprach - laut dem Zeitungsbericht - der Reichstagsabgeordnete Jürgen von Ramin als Vorredner vor Ludendorff. Originalwortlaut:
Nun betrat der uns Ostpreußen so unentbehrlich gewordene, gewaltige Prediger innerer Erneuerung aufrechten Mannestums und arischer Art, unser Reichstagsabgeordneter Jürgen v. Ramin, das Rednerpult. (...) Nun erhob sich General Ludendorff. Stehend hörte die ganze Versammlung ihm zu.

Abb. 13: "Meldung des Grafen zu Dohna-Seepothen"
Rechts neben Ludendorff Amtsgerichtsdirektor Curt Martens
(aus: E.L. - Sein Wesen und Schaffen [1938], S. 369)
Dieser Besuch ist gekennzeichnet einerseits durch allgemeines "nationales", patriotisches Gedenken wie es vielfach damals üblich war in der Weimarer Republik. Erich Ludendorff wurde in diesem Zusammenhang von der alten Militärelite Ostpreußens begrüßt. Andererseits ist er gekennzeichnet durch eine schon speziell auf Erich Ludendorff ausgerichtete Ludendorff-Verehrung, die in Erich Ludendorff auch den völkischen Reichstagsabgeordneten und völkischen "Vorkämpfer", den Begründer des 1925 gegründeten Tannenbergbundes ehrte.

Übrigens befinden sich nach Auskunft des Besitzers auf der Rückseite des Fotos von Abbildung 10 N.S.O.G-Marken mit Hakenkreuz, was zu der Annahme führt, dass diese Fotografie auch erst Ende der 1920er Jahre nachträglich erworben worden sein könnte. Die N.S.O.G., die "N.S. Opfergemeinschaft", scheint 1927 als eine Art Parteispendensammel-Organisation für die NSDAP gegründet worden zu sein, die sich an Nichtparteimitglieder wandte (s. Landesarchiv BW, sowie DHM).

1927 - Einweihung des Tannenberg-Denkmales


Die im weiteren hier schon eingestellten Fotografien müssen künftig noch zeitlich und örtlich genauer eingeordnet werden.

Abb. 14: Hindenburg und Ludendorff - "Dank für zündende Begrüßung an General K., Ostpreußischer Kriegerverband"

...

Abb. 15: Die Generäle Mackensen, Ludendorff, Hindenburg und Seeckt
- Tannenberg-Denkmal 1920er Jahre (wohl Grundsteinlegung)
...

Abb. 16: Ort und Zeit unbekannt, womöglich 1927 zur Einweihung des Tannenberg-Denkmales (?) (2)

Fotografien, die aus Anlass der Grundsteinlegung des Tannenberg-Denkmales im Jahr 1924 entstanden, müssen dabei noch unterschieden werden von solchen, die aus Anlass der Einweihung des Tannenberg-Denkmales entstanden sind.

Zu dem Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen sind auch auf unserem Parallelblog schon mehrere Beiträge erschienen. Der Umstand, dass das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig als tief von Freimaurer-Symbolik durchtränkt enthüllt worden ist in den letzten Jahren, hat auch neues Licht geworfen auf das 1945 zerstörte Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen. Erich Ludendorff behauptete schon 1927, dass es voller freimaurerischer, okkulter Symbolik stecke. Vor dem Hintergrund der Enthüllungen um das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig haben seine Vermutungen deutliche Bestätigung und Bekräftigung erfahren.
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  1. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1941 (12.-16. Tsd.; Erstausgabe: 1940)
  2. Die Tannenbergfeierlichkeiten in Ostpreußen (1924). Stummfilm. Deutsche-Wochenschau.de (19 Min.)
  3. Ludendorff, Mathilde u. Mitarbeiter: Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938
  4. gar-h: NE0076) Photo Erich Ludendorff (?) viele Orden Großkreuz Eisernes Kreuz. Ebay-Angebot vom 30.6.2012 ("Postkartengroßes Photo, Rückseite nicht beschriftet [nur ein Stempel "Photo Goertz"]")
  5. Bading, Ingo: Schreckensmale okkulter Priesterdiktatur - Die Schlachtendenkmäler von Leipzig und Tannenberg. Freimaurerziele 1813, 1913 und 1927 - Sturz von Kaiser und Reich, Zwingherrschaft über die Völker Europas durch Aufhetzung zu Krieg und Völkermord. Auf: GA-j!, 27. November 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/11/schreckensmale-okkulter.html
  6. Bading, Ingo: Kriegerdenkmäler als Freimaurerdenkmäler - das Beispiel Tannenberg (1927) "Mit den besten Empfehlungen" - der "Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland". Auf: GA-j!, 9. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/kriegerdenkmaler-als.html
  7. Bading, Ingo: Oktogonale Kriegerdenkmäler in Deutschland und England - mit geheimem Hintersinn? Auf: GA-j!, 22. Dezember 2011, http://studgenpol.blogspot.de/2011/12/oktogonale-kriegerdenkmaler-in.html
  8. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen. Mittler & Sohn, Berlin 1919

Sonntag, 17. Januar 2016

Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1921

Eine Chronologie in Bildern

Im Internet stößt man immer häufiger auf vergleichsweise seltene oder selten anmutende Photographien von Erich Ludendorff. Unter anderem auf Wiki Commons (WikiCom) aber ebenso unter diversen Postkarten-Angeboten, auf dem Bildarchiv der Süddeutschen Zeitung (SZPhoto) und an ähnlichen Orten. So werden wir veranlaßt, diese einmal in einem Überblick chronologisch zusammenzustellen.

Der folgenden Artikel dient dazu, zumeist seltenere historische Fotografien von Erich Ludendorff aus den frühen 1920er Jahren historisch einzuordnen, zunächst nach Zeit, Ort und Anlaß, sodann nach den dargestellten Personen und der Bedeutung, die diese im damaligen Leben Erich Ludendorffs, bzw. des damaligen politischen Lebens, hier vor allem des damaligen Bayerns hatten. Der Artikel wird in einem ersten Entwurf veröffentlicht. Und soll nach und nach überall ergänzt und vervollständigt werden. Der Artikel versteht sich - wie viele hier auf dem Blog - als Vorarbeiten zu einer wissenschaftlichen Biographie Erich Ludendorffs. Und möchte auch so gelesen werden. Es geht zunächst mehr um Tatsachen-Feststellungen, weniger um die Bewertung dieser Tatsachen.

Abb. 1: Hindenburg, Ludendorff und Tirpitz am Neuen Palais in Potsdam-Sanssouci bei der Beerdigung der Kaiserin Auguste Viktoria, 19.4.1921

Nach dem mißlungenen Kahr-Putsch im März 1920 weilte Erich Ludendorff nur noch zeitweise in Berlin. Hierbei stellte er "im Mai" sein Buch "Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916-1918" fertig, ebenso eine Volksausgabe seiner "Kriegserinnerungen" (1, S. 127). Am 20. August 1920 zog er um nach München-Ludwigshöhe (1, S. 126).  Hier und anderwärts sollte er in den Folgejahren zahlreiche öffentliche Veranstaltungen besuchen, von denen auch - zum Teil seltene - Fotografien erhalten sind, deren historische Einordnung nicht immer ganz einfach ist. Erich Ludendorff sagt zunächst ganz allgemein über diese Veranstaltungen (1, S. 155):

Der Besuch zahlreicher Veranstaltungen in München war mir dadurch erleichtert, dass mir von dem Kommandeur der Sicherheitspolizei, bald hieß sie Schutzpolizei, Oberst v. Seisser, einem früheren Generalstabsoffizier, ein Kraftwagen der Polizei für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wurde. Mich begleitete zu ihnen “als mein Adjutant” Oberleutnant v. Grolmann, der ja in Berlin an der Verbrennung früher erbeuteter Fahnen am Denkmal Friedrichs des Großen beteiligt gewesen war. Er hatte den Abschied aus der Schutzpolizei Berlin infolge seiner Haltung in den Kapptagen erhalten und war nun auf meine Befürwortung hin bei der Schutzpolizei in München angestellt. Es war mir angenehm, bei den Veranstaltungen einen Gehilfen an meiner Seite zu haben, der auf manches Bedacht nahm, was mir gegenüber von den Veranstaltern zu berücksichtigen war.
Hier handelt es sich um Wilhelm von Grolman (1894-1985) (Wiki). Während des Zweiten Weltkrieges war von Grolman Polizeipräsident von Leipzig.

Die Max-Josef-Ordens-Ritter in der Michael-Hofkirche in München (Anfang Oktober 1920)

Erich Ludendorff schreibt (1, S. 147):

Die erste Gelegenheit, die sich mir bot, mit einem weiteren Kreise der bayerischen Offiziere zusammen zu kommen, war eine kameradschaftliche Vereinigung der Max-Josef-Ordens-Ritter Anfang Oktober 1920.

Dieser Orden ist mit dem Tod seines letzten Trägers 1985 erloschen. Von seinen Zusammenkünften scheinen im Internet zunächst keine Fotografien überliefert zu sein. Es wäre zu überprüfen, ob sich solche in Veröffentlichungen zur Geschichte dieses Ordens finden (Wiki). Träger des Max-Josef-Ordens finden sich aber auch sonst auf vielen Fotografien aus jenen Jahren, wie wir noch sehen werden. Zu ihnen gehörten auch der bayerische Kronprinz Rupprecht und zahlreiche hochdekorierte bayerische Offiziere jener Zeit.

Der Totensonntag 1920 in München (9. Oktober 1920)

In seinen Lebenserinnerungen berichtet Erich Ludendorff, dass die Stimmung im bayerischen Offizierskorps ihm gegenüber als "Preußen" eine sehr gemischte gewesen sei. Im Gegensatz dazu sei das Verhalten der Mannschaften (und damit gemeint wohl auch des Unteroffizierskorps) gewesen (1, S. 147f):

Ganz eindeutig Deutsch war das Verhalten der Mannschaften. Sie kannten keinen Gegensatz zwischen Bayern und Deutschland, eins war ihnen gleichbedeutend mit dem anderen. Das Kriegserlebnis hatte verbindend gewirkt. (...) Sie sahen in mir den Führer des Deutschen Heeres im Weltkriege neben dem General v. Hindenburg. Meine Taten waren ihre Taten. Sie blickten in Verehrung auf mich und waren stolz, wenn ich an ihren Veranstaltungen teilnahm. (...) Die erste solcher Veranstaltungen war am Totensonntag des Jahres 1920. Der Krieger-Verein Münchens ehrte in einer großen Feier die 8000 Söhne der Stadt, die im Weltkriege gefallen waren. Diese Feier war in den Tagen des Niedergangs ein Ereignis. Die Einstellung der Soldaten zu mir kam bei ihr deutlich zum Ausbruch. Sie waren wirklich nicht pazifistisch angekränkelt, auch wenn sie "Marxisten" gewesen sein mögen.
Die Rede, die gehalten wurde, hatte indes weniger meinen Beifall. (...) Die Toten wurden als Helden gefeiert. (...) Dagegen wurde der Lebenden, die eben soviel geleistet hatten wie die Toten, in keiner Weise gedacht.

Von dieser Veranstaltung aus dem Oktober 1920 sind zunächst keine Fotografien verfügbar, wohl aber von der gleichen Veranstaltung ein Jahr später (siehe unten).

Treffen mit Kronprinz Rupprecht (Anfang Januar 1921)

Der bayerische Kronprinz Rupprecht war der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht während des Ersten Weltkrieges an der Westfront, nahm also innerhalb der militärischen Hierarchie eine der höchsten Positionen ein - auf der gleichen Hierarchieebene wie auch der Deutsche Kronprinz Wilhelm. In seinen "Kriegserinnerungen" behandelte Erich Ludendorff natürlich alle maßgebenden Persönlichkeiten. Über den bayerischen Kronprinz Rupprecht, den er im Herbst 1916 an der Westfront genauer kennen lernte, hatte er dort geschrieben (4, S. 216):

Er war aus Pflichtgefühl Soldat. Seine Neigungen waren keine soldatischen. Er ging an seine hohe militärische Stellung und ihre Aufgaben mit großem Ernste heran und hat, gestützt auf seine vortrefflichen Generalstabschefs - zu Beginn des Krieges der bayerische General Krafft v. Dellmensingen und jetzt General v. Kuhl - den großen Anforderungen entsprochen, die an einen Oberbefehlshaber zu stellen sind. Ebenso wie der deutsche Kronprinz war der bayerische einer Beendigung des Krieges ohne jeden Gewinn zugetan, aber ob die Entente darauf eingehen würde, das wusste auch er nicht. Mein Verhältnis zum Kronprinzen von Bayern ist stets gut gewesen.

In seinen - 1940 veröffentlichten - Lebenserinnerungen schrieb Erich Ludendorff über Kronprinz Rupprecht (1, S. 141f):

Er war eine gute, fürstliche Erscheinung. (...) Der Kronprinz selbst war kein Feldherr von Geburt. Ich hatte immer die Empfindung, als ob die Führung der Heeresgruppe ihm eine schwer zu tragende Last sei. Gewiss sah auch ich die Lage ernst an. Es galt nur nicht in Pessimismus zu verfallen, wozu der Kronprinz neigte, sondern mit allen Kräften die Lage zu meistern. So bestanden zwischen dem Kronprinz und mir tiefe Gegensätze. (...) Ich selbst konnte in "Meine Kriegserinnerungen" die militärischen Fähigkeiten des Kronprinzen nur wahrheitsgemäß beurteilen.

Und weiter berichtet er dann über eine Aussprache mit den Kronprinzen Rupprecht Anfang Januar 1921 (1, S. 143f):

Die Begrüßung war formell und kühl.

Man sprach noch einmal über verschiedene Operationen während des Ersten Weltkrieges, wobei, so Ludendorff,

gegensätzliche Auffassungen zum Ausdruck kamen, die natürlich einen Ausgleich irgendwelcher Art nicht ergaben. Politische Verhältnisse wurden im allgemeinen nicht berührt. (...) Aus einer Bemerkung konnte ich entnehmen, dass der Kronprinz es lieber gesehen hätte, ich wäre nicht nach München gezogen.

Da Kronprinz Rupprecht in damaligen bayerisch-monarchischen Kreisen als künftiger König von Bayern, wenn nicht gar als Deutscher Kaiser angesehen wurde, spielte er in den 1920er Jahren eine wesentliche Rolle innerhalb der bayerischen Politik.

Reichsgründungsfeiern studentischer Verbindungen am 18. Januar 1921 in München

Wie schon vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch danach jedes Jahr der 18. Januar, der Tag der "Kaiserproklamation von Versailles", als "Reichsgründungsfeier" begangen. Dies geschieht wohl zum Teil bis heute in konservativen Burschenschaften. Erich Ludendorff schreibt über das Jahr 1921 (1, S. 151):

Besonders zahlreich waren die studentischen Veranstaltungen zur Reichsgründungsfeier im Januar 1921. (...) Die Studenten, unter denen damals noch viele Kriegsteilnehmer waren, waren von ehrlichem, nationalem Wollen erfüllt. Hatten ja z.B. Studenten der Marburger Universität eigene Formationen aufgestellt, die sich in Thüringen bei der Niederwerfung kommunistischer Aufstände betätigt hatten. Andere studentische Formationen hatten in den Ruhrkämpfen Anfang April 1920 erfolgreich gekämpft. 

Auch von diesen Reichsgründungsfeiern sind zunächst keine Fotografien zugänglich. Von späteren studentischen Anlässen, zu denen Hindenburg und Ludendorff eingeladen wurde, gibt es aber solche (siehe unten).

Ein Vortrag Ludendorffs vor dem Nationalklub in Hamburg (7. Februar 1921)

Am 7. Februar 1921 hielt Erich Ludendorff vor dem "Nationalklub" in Hamburg, einem 1919 gegründeten nationalen "Herrenklub", einen Vortrag. Diesen Vortrag erwähnt er - soweit übersehbar - in seinen Lebenserinnerungen nicht. Solchen "Herrenklubs" stand Ludendorff ab Ende der 1920er Jahre außerordentlich kritisch gegenüber. Über den Hamburger Nationalklub heißt es (Wiki):

In regelmäßigen Abständen lud der Klub führende Persönlichkeiten als Redner ein. Unter ihnen befanden sich beispielsweise Alfred von Tirpitz, Heinrich Claß, Erich Ludendorff, der Reichskanzler Hans Luther, Reichsaußenminister Gustav Stresemann, Hjalmar Schacht und Hans von Seeckt. Themen waren zum Beispiel: „Völkische Abwehr und Aufbaupolitik“ (Wulle, 1922), „Deutsche Volksgemeinschaft“ (v. Gayl, 1924), „Wir und der Osten“ (Volck, 1922), „Was können wir tun, um die Lösung der österreichischen Frage vorzubereiten?“ (Ebert, 1922).

Adolf Hitler hat mehrmals einen Vortrag gehalten, offenbar schon 1919. Ebenso der spätere völkische Ludendorff-Gegner Adalbert Volck (s. Ursula Büttner 1982), ebenso der mehrjährige völkische Parteifreund Ludendorffs Reinhold Wulle. Über Ludendorffs Vortrag gibt es im Nachlaß von Alfred von Tirpitz (DtDigtBibl) (im Bundesarchiv) eine ...

Aufzeichnung zu dem Besuch Ludendorffs im Nationalklub Hamburg 1919 u.a. betr. Flottenpolitik, 8. Feb. 1921.

Nach dem Historiker Bernhard Wien stammt diese Aufzeichnung von dem Sohn von Alfred von Tirpitz. Die Rede Ludendorffs kennzeichnete dieser offenbar damit, dass er schrieb von abgehackten Sätzen "wie das Prasseln von Hagelkörnern". Der Vortrag Ludendorffs sei ohne Gesten ausgekommen (Wien 2014, S. 93, 256). Ludendorff habe dort auch davon gesprochen, dass er dem Kaiser nach dem Rücktritt von Bethmann-Hollweg Alfred von Tirpitz zur Ernennung zum Reichskanzler vorgeschlagen hatte.

Soweit übersehbar, erwähnt Erich Ludendorff diesen seinen Vortrag vor dem Nationalklub in Hamburg weder in seinen Lebenserinnerungen noch auch sonst.

Als die letzte deutsche Kaiserin im April 1921 starb, wurde die Bedeutung dieses Geschehens etwa so ähnlich empfunden wie die Öffentlichkeit auf den Tod der Prinzessin Diana reagierte. Noch dazu ereignete sich der Tod in politisch bewegten Zeiten.

Die Beisetzung der Kaiserin Auguste Viktoria (19. April 1921)

Erich Ludendorff berichtet über die Kämpfe um Oberschlesien im April und Mai 1921 und schreibt dann weiter (1, S. 159):

Während der wirtschaftlichen, völkischen und seelischen Not, unter der Millionen Deutsche litten, erfolgte das Ableben der Kaiserin Auguste Viktoria am 11. 4. in Doorn. Eine tiefe Verehrung und die glühende Liebe zum Vaterlande verband mich mit der hohen, würdevollen Frau. (...) Die Kaiserin wurde am 19. 4. im Antiken-Tempel unweit des neuen Palais bei Potsdam beigesetzt. Ich beschloß, an der Beisetzung teilzunehmen. In Berlin stieg ich wie immer bei Frau Emma Heckmann ab, die mir ihr Haus für einen Berliner Aufenthalt gern zur Verfügung gestellt hatte. Von hier aus fuhr ich nach Potsdam und an Sansouci vorbei nach dem neuen Palais und seiner Eisenbahnstation Wildpark bei Potsdam. 

Die Familie Heckmann war damals eine bedeutende Berliner Unternehmerfamilie. Schon seit der Großelterngeneration betrieb sie in Berlin und später in Duisburg Kupfergießwerke. Die weiblichen Angehörigen der Familie waren in Berliner Wohltätigkeitsvereinigungen tätig.

Abb. 2: Hindenburg, Ludendorff und Tirpitz in Potsdam-Sanssouci bei Beerdigung Kaiserin Auguste Viktoria, 19.4.1921

Ludendorff war schon am 13. April 1921 nach Berlin gefahren. Einen Tag zuvor, am 12. April 1921, hatte er sich nämlich noch brieflich bei einem "Herrn Oberstleutnant von Wolff" in "Hannover Bödeckerstr. 7" für Geburtstagsglückwünschte bedankt (zit. n. Stgr2013):

München, 12.4.1921
Lieber Wolff!
Ihr Glückwunsch war mir eine Freude. Ihnen und Ihrer Gattin herzlichen Dank. Mit Bedauern (?) hörte ich das Schicksal der .... Die Revolution bemüht den Offizier nur so lange, als es ihr nützt, dann kommt der Fußtritt. N. mag klug sein, dafür ist er um so schuldiger.

Mit N. wird Noske gemeint gewesen sein. Weiter schrieb er:  

Wir leben hier in Zurückgezogenheit still und zufrieden, so weit das möglich ist u. sehen zu unserer Freude doch so manche alte Bekannte bei uns, auch diese Zahl wird kleiner. Das liegt ... nun mal in den Verhältnissen. Ich zog hierher, weil meine Schwester hier wohnt u. ich billig hier wohne, billiger als  in Preußen. Im übrigen bleibe ich Preuße auch hier.
Morgen fahre ich nach Berlin, es wird dort eine schwere Stunde geben, die Beisetzung Ihrer Majestät, da wird man wieder den Unterschied fühlen einst - jetzt.
Doch nun herzlichen Gruß
Ihr Ludendorff.
Über die Station Potsdam-Wildpark schrieb Ludendorff in seinen Erinnerungen (1, S. 159):
Hier traf mit einem Zuge aus Doorn der Sarg ein, der die sterblichen Überreste der Kaiserin barg. Die Fahrt durch Deutschland hatte Anlaß zu schönen Sympathiekundgebungen für sie und das Hohenzollernhaus gegeben, das so lange die Geschicke Preußens und dann Deutschlands geleitet hatte. Auf der Wildparkstation waren die Prinzen des königlichen Hauses - der Kronprinz weilte noch in Wieringen -, zahlreiche Generale und Admirale des alten Heeres, die Würdenträger des früheren kaiserlichen Hofes versammelt. Viele Tausende harrten außerhalb des Bahnhofes und längs des Weges, den der schier endlose Trauerzug eingeschlagen hatte.

Von diesem Ereignis haben sich viele historische Fotografien erhalten.

Abb. 3: "Hindenburg, Ludendorff, Tirpitz, Kluck und Mackensen im Trauerzuge" (Quelle)

Ludendorff weiter (1, S. 159):

In tiefer Stille fuhr der mit Kränzen überhäufte Sarg an der ergriffenen Menge vorüber. Wir schritten schweigend, General v. Hindenburg und ich mit Admiral v. Tirpitz, den Prinzen an der Spitze des Trauerzuges folgend, daher und begleiteten den Sarg bis in den Tempel, wo eine kurze und würdige Feier stattfand. Dann begab ich mich wieder zu meinem Kraftwagen. Es war, als ob eine Spannung der Menge sich löste. Sie gab mir gegenüber einer Begeisterung Ausdruck, die ich nach dem eben Durchlebten - ich möchte sagen nach dieser Feier - beinahe störend empfand, wenn nicht in ihr auch Zorn gegen das Deutsche Geschick und Erwartung auf eine Besserung gelegen hätte.

Im folgenden noch weitere Fotografien.

Abb. 4: Admiral von Tirpitz, von Hindenburg und Erich Ludendorff bei der Beisetzung der Kaiserin am 19. April 1921 in Potsdam

Auf der nächsten Fotografie ist das Neue Palais zu sehen.

Abb. 5: "Der Kaiserliche Leichenwagen vor dem Neuen Palais" (Quelle)

Und davor der Kaiserliche Leichenwagen.

Die Deutschen Fliegergedenktage in München (Mai 1921)

In den 1920er Jahren wurden in Deutschland "Fliegergedenktage" häufig gefeiert:

Bald nach Beendigung des Ersten Weltkrieges (...) waren verschiedene "kameradschaftliche Vereinigungen" ehemaliger Frontfliegerverbände entstanden. (...) Jährliche Großveranstaltung war seit 1920 die Oswald-Boelke-Gedenkfeier am 28. Oktober, dem Todestag des berühmten Jagdfliegers (40 Luftsiege, gefallen 1916).

Auch die Teilnahme an diesen Gedenkfeiern und Fliegertagen erwähnt Erich Ludendorff, soweit übersehbar, in seinen Lebenserinnerungen nicht.

Abb. 6: Fliegerhauptmann Franz Hailer, Gustav von Kahr, Erich Ludendorff und der Polizeipräsident Münchens Ernst Pöhner - Auf den Bayerischen Flieger-Gedenktagen, 19.-22. Mai 1921 (Wiki, Ebay), NSDoku)

Ein 18-seitiges Heft des "Bayerischen Fliegerclubs" München berichtet über die Deutschen Fliegergedenktage, die vom 19. bis 22. Mai 1921 auf dem Flugplatz Schleißheim nördlich von München begangen wurden.

An ihnen nahm auch Erich Ludendorff teil - den Kopf ungewohnter Weise mit einem abgerundeten Hut, einer Melone, bedeckt - und zudem auch noch herzlich lachend - ein sehr seltener Anblick, was Photographien von seiner Person betreffen (Wiki). Und das noch dazu im Gegenüber eines Mannes, den er später als einen "verschlagenen" kennzeichnen sollte, nämlich im Gegenüber von Gustav von Kahr. Im Mai 1921 hielt er von Kahr aber noch für einen guten Politiker und erwartete sich Gutes von ihm, da er ja auch eine gegenüber der Berliner Regierung oppositionelle Politik betrieb. In seinen Lebenserinnerungen schreibt Ludendorff über die zweite Jahreshälfte des Jahres 1920, über die Zeit, nachdem er von Berlin nach München gezogen war (1, S. 138):

Abb. 7: von Kahr (Quelle) 
Durch Oberst Bauer lernte ich auch bald die Herren v. Kahr und Pöhner kennen. Herr v. Kahr klein, untersetzt und leicht aufgeschwemmt, sowie alles andere als nordisch, war Protestant, aber Mitglied der Bayerischen Volkspartei. (...) In den Blicken des Herrn v. Kahr lag eine gewisse Verschlagenheit. Wie abhängig er von dem Willen des tatsächlichen Führers der Bayerischen Volkspartei, dem Bauerndoktor Geheimrat Heim, und damit von Nuntius Pacelli und Kardinal Faulhaber tatsächlich war, war mir damals noch unbekannt. Polizeipräsident Pöhner war eine ganz andere Erscheinung als Ministerpräsident v. Kahr. Er war groß und hager, sein Gesicht trug energische Züge. Er hatte die Polizei Münchens von allen zweifelhaften Elementen gesäubert; hier herrschte tatsächlich Ordnung. Irgendwelche bolschewistischen Unruhen waren in München unmöglich geworden. (...) Welche Gedanken die beiden Herren im einzelnen hatten, offenbarte sich nicht. Herr v. Kahr wusste gewiss selbst nicht, wohin er geführt werden würde, und Herr Pöhner dachte wohl nur in seinem Innersten an die Errichtung einer großen wittelsbachischen Monarchie.

Auf dem Bild (Abb. 6) steht rechts Polizeipräsident Pöhner. Links neben Gustav von Kahr scheint Hauptmann Franz Hailer zu stehen, der sich auch auf einem weiteren Foto von diesem Tag mit Ludendorff im Gespräch befindet (Abb. 8).

Abb. 8: "General Ludendorff nach Verlassen des Sportplatzes auf dem Oberwiesenfeld im Gespräch mit bekannten Deutschen Militärfliegern; von links nach rechts: Hauptmann Graim (wohl richtig: Greim), Hauptmann Hailer, Major Christen" (2, S. 289)

In Abbildung 8 ist laut Erläuterung aus dem Jahr 1938 (2, S. 289) zu sehen Robert Greim (jedenfalls finden sich zu einem "Hauptmann Graim" keine Angaben im Internet). Dieser Pour le Merite-Träger ist 1918 zusätzlich mit dem bayerischen Max-Josef-Orden ausgezeichnet worden, was die Erhebung in den Adelsstand als Robert Ritter von Greim (1892-1945) (Wiki) mit sich brachte. Mit diesem Namen sollte er im April 1945 noch von Adolf Hitler zum Nachfolger Görings als letzter Oberbefehlshaber der Luftwaffe eingesetzt werden. (Greim flog dazu am 23. April 1945 mit dem damaligen Fliegeridol Hanna Reitsch ins umkämpfte Berlin und einige Tage später wieder hinaus. Hanna Reitsch spricht in ihren Büchern mit großer Achtung von Greim. Er nahm sich zwei Wochen nach der Kapitulation das Leben.)

Hauptmann Franz Hailer (1886-1967) (Wiki) war seit Januar 1920 Angehöriger der Polizeifliegerstaffel. Ihm sollte ein Jahr später, 1922, eine spektakuläre Landung auf der Zugspitze gelingen (Flieger-Album).

Besuch bei Ludwig Thoma (27. Juli 1921)

Am 27. Juli 1921 besuchte Erich Ludendorff den Leitartikler des "Miesbacher Anzeigers" Ludwig Thoma (1867-1921) (Wiki). Einen Monat später schon sollte Ludwig Thoma mit 54 Jahren sehr plötzlich nach einer Operation sterben. Seine Worte zum Besuch Ludendorffs sind die letzten, die sich in seinem Tagebuch finden ("Letzte Aufzeichnungen"). Sie stammen vom 28. Juli 1921:

Gestern war General Ludendorff bei mir. Wir sprachen unter anderem über die unglückliche Idee, Polen für selbständig zu erklären. Er sagte mir, die Unwahrhaftigkeit Bethmanns sei ihm in vielen Dinge begegnet, nie wunderlicher als in dieser polnischen Affäre. (...) "Und hintendrein stellte es dieser Mann so dar, als hätte er unserem Drucke nachgegeben - obwohl er 14 Tage vor unserer Berufung schon mit Burian abgeschlossen hatte ..."
Tannenbergfeier in Königsberg (13. und 14. August 1921)

Über den Sommer 1921 schreibt Erich Ludendorff (1, S. 162-167):

In dieser Zeit des Niederganges beteiligte ich mich an vaterländischen Kundgebungen in Norddeutschland. Ich hielt es für meine Pflicht gegenüber dem sich gerade hier breitmachenden marxistischen Internationalismus, der jedes völkische Wollen und jede klare Überlieferung aus der Vergangenheit ersticken wollte und alles, was früher Großes war, mit seinem Hohne traf. Wie schmerzlich mir diese Feiern durch das Erinnern an unsere stolze Vergangenheit wurden, erlebte ich bald.
Ich hatte aus Königsberg von Freiherrn v. Gayl, der in der Verwaltung Ober-Ost unter mir gearbeitet hatte und jetzt in einem Siedlungunternehmen Ostpreußens tätig war, für den 13. und 14.8. eine Einladung nach Königsberg erhalten. Ich folgte ihr. (...) Ich fuhr über Swinemünde nach Pillau mit dem Dampfer. (...) In Pillau wurde ich von Festveranstaltern begrüßt. (...) Am 13. abends war eine Vorfeier in der Stadthalle mit Fackelzug und Festkommers. Die Begrüßung, die mir zuteil wurde, war eine ungemein warme. (...)
Am Nachmittag besuchte ich noch eine Volksveranstaltung im Tiergarten. Das Stück von Wilhelm Raabe "Tannenberg" wurde gegeben, und große sportliche Leistungen gezeigt. (...) Auch hier war viel Begeisterung und viel Wärme. (...) Am Vormittage war mir die Ehrendoktor-Urkunde der medizinischen Fakultät (...) überreicht worden. (...)
Nach den Feiern in Königsberg führte mich Herr v. Gayl in einer Autofahrt quer durch die Provinz nach dem Besitz des Herrn v. Oldenburg-Januschau, der in deren westlichem Teile lag.  (...) Gemeinsame Erinnerungen ließen die Tage schnell verstreichen. Leider musste ich mich später gegen Herrn v. Oldenburg wenden.

Von diesen Anlässen finden sich in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs drei Fotografien (1, S. 128f, 160). (Fotografien sind ebenso erhalten aus dem Jahr 1925, als Ludendorff zusammen mit Hindenburg dort weilte, s. Fotoarchiv Süddt. Ztg.. Ebenso von Ostpreußen-Besuchen Ludendorffs und Hindenburgs in späteren Jahren, u.a. 1927.)

Regimentsfeier des Leib-Grenadier-Regiments in Frankfurt an der Oder (August 1921)

Erich Ludendorff schreibt weiter (1, S. 167):

Gleich darauf hatte ich eine Feier in Frankfurt a.O. Die Angehörigen des Leib-Grenadier-Regiments, dem ich einst von 1890 bis 1895 angehört hatte, hatten sich versammelt.

Auch hierüber ist zunächst keine historische Fotografie verfügbar. Ebenso wenig von dem Treffen mit Paul von Hindenburg in Pommern im August 1921, von dem Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen berichtet (1, S. 168).

Der Frontkämpfer-Tag in Berlin (25. August 1921)

Von Pommern aus fuhr Ludendorff weiter nach Berlin. An der Stelle, an der sich heute das 1934 bis 1936 errichtete Olympiastadion befindet, befand sich von 1913 bis 1934 das "Deutsche Stadion" (Wiki). Dem Frontkämpfer-Tag, der dort am 25. August 1921 stattfand, wird von manchen Berichterstattern fast eine ähnlich große politische Bedeutung zugesprochen wie dem Kapp-Putsch ein gutes Jahr zuvor. Denn es war eine Großveranstaltung der konservativ-monarchischen Kräfte in Deutschland. So heißt es darüber (GB):

In der Zwischenzeit traten Ungeduld, Vorurteile und Ängste der Rechten immer mehr zutage und erreichten im Sommer ihren einstweiligen Höhepunkt in einer rein politischen, antirepublikanischen Demonstration in Berlin, dem sogenannten "Frontkämpfertag". Am 24. August 1921 begleitete Ludendorff den Demonstrationszug von 2.000 Kriegsveteranen, der von dem 39 Jahre alten Prinzen Eitel Friedrich von Preußen, dem zweiten Sohn des ehemaligen Kaisers Wilhelm II., angeführt wurde. Im Stechschritt marschierten sie durch den Eingang des Berliner Stadions, auf dem in großen Lettern prangte: "Im Felde unbesiegt" und paradierten an der kaiserlichen Loge vorbei. (...) Anschließend hielt der Militärkaplan vor den 2.000 Zuhörern eine Rede, in der er behauptete, Deutschland könne seine Größe nur durch Militärmacht, Monarchie und die Rückkehr der Dynastie der Hohenzollern wiedergewinnen. Die drei anwesenden Generäle Ludendorff, Georg Graf von Waldersee und Rüdiger von der Goltz hielten ähnliche Ansprachen. Von der Goltz, der das baltische Freikorps kommandiert hatte, (...) verlas Glückwunschtelegramme nicht nur von Admiral Scheer und Großadmiral von Tirpitz, sondern auch von Hindenburg und dem ehemaligen Kaiser selbst. Letzteres löste einen rauschenden Jubel und anhaltenden Beifall für die Dynastie der Hohenzollern aus. Das Berliner Stadion, in dem sich die Veteranen versammelt hatten, wurde von zwei- bis dreitausend Jungen und Mädchen gefüllt, deren präziser Drill und militärische Bewegungen einem Augenzeugen zufolge "höchst beeindruckend" waren.

Die hier gefeierte Personengruppe der erfolgreichen deutschen Befehlshaber des Ersten Weltkrieges ist noch bis etwa 1924 immer einmal wieder in wechselnden Zusammensetzungen öffentlich aufgetreten, etwa auf dem Deutschen Tag in Halle 1924. Erich Ludendorff berichtet über diesen Berliner Frontkämpfertag eine Spur verhaltener als es damals in seinen Kreisen üblich war (1, S. 168f):

Viele Tausende von alten Frontkämpfern waren gekommen. Noch größer war die Masse der Zuschauer. General v. d. Goltz und ich hielten Ansprachen. Dann erfolgte ein Vorbeimarsch vor mir und den Ehrengästen, darunter auch Prinzen des königlichen Haues der Hohenzollern. Das rote Berlin hatte wiederum Uniformen des alten Heeres gesehen und sich überzeugen können, dass seine Überlieferung in weiten Kreisen der Bevölkerung noch recht lebendig wach war. Allerdings konnte ich mich nicht darüber täuschen, dass die Massen, aber auch die alten Kameraden, recht wenig über die wahren Zusammenhänge nachgedacht hatten. Wie vor dem Weltkriege herrschte ein gewisser Hurra-Patriotismus vor, der durch äußerliches, zuweilen lautes Auftreten Unklarheiten und Mangel an Gehalt verdeckte. Ich sah auch im Geiste die Millionen, die nicht anwesend waren, wenn andere sich über die Anwesenheit von Tausenden freuten.

Abschließend schreibt er:

Ich hatte schöne Tage in Norddeutschland verlebt und das Sehnen von Millionen nach Freiheit empfinden können. Nun kehrte ich wieder nach München zurück, wo die politischen Verhältnisse sich inzwischen weiter entwickelt hatten.

Im Bildarchiv der Süddeutschen Zeitung finden sich Fotografien von diesem Anlaß:

  • "Erich Ludendorff, Prinz Eitel Friedrich und Admiral von Schröder am Frontkämpfertag, 1921"
  • "Marschierende Offiziere am Frontkämpfertag, 1921"
  • "Im Rahmen des Frontkämpfertages marschiert das Freiwilligen-Corps Brüssow mit seiner Korps-Fahne vor Zuschauern in der Hauptstadt auf."

Im "Herbst 1921" schloss Erich Ludendorff dann die Arbeit an seinem Buch "Kriegführung und Politik" ab. Die zentralen Gedankengänge desselben bezeichnet er in seinen Lebenserinnerungen schon als "völkisch" (1, S. 183-190). Im Oktober 1921 nahm er erneut an einem Treffen der Max-Josef-Ordens-Ritter teil (1, S. 147), von dem er berichtet (1, S. 175), dass sich der Kronprinz Rupprecht auf diesem "entgegenkommender gegen mich als bisher" verhalten habe. Das sollte offenbar auch auf dem Trauergedenktag so sein, was zwar auf einer Fotografie gut zu sehen ist, in den Lebenserinnerungen Ludendorffs jedoch nicht erwähnt wird.

Der Trauergedenktag in München (9. Oktober 1921)

Schon während des Ersten Weltkrieges hat es "Opfertage" gegeben, an denen der Gefallenen und der Kriegsversehrten gedacht und für sie gesammelt wurde. Daraus entwickelte sich nach dem Ersten Weltkrieg nach und nach der Volkstrauertag, der anfangs in verschiedenen Städten noch mit verschiedenen Namen benannt worden ist (Trauer- oder Opfertag, Trauergedenktag). Die Historikerin Alexandra Kaiser beschreibt diese Entwicklung und berichtet über das Jahr 1921 in München:

Am 9. Oktober (...) war München erneut Schauplatz eines - wie er nun angekündigt wurde - Opfer- und Gedenktags, der gemeinsam vom Bayerischen Kriegerbund und vom Hilfsbund der Münchener Einwohnerschaft veranstaltet wurde. (...) Die eigentliche Gedenkfeier, bei welcher der Kriegerbund als Dachorganisation der Kriegervereine wie im Jahr zuvor die Regie führte, fand diesmal auf dem Königsplatz statt. (...) Wie im Vorjahr begann der Gedenktag 1921 mit einem Aufmarsch der zahlreichen Krieger- und Militärvereine sowie der studentischen Korporationen, die auf dem Königsplatz Aufstellung nahmen. Der Platz war festlich dekoriert; Feuerschalen brannten; vor dem Säulengang des Kunstausstellungsgebäudes stand ein Feueraltar.

Auf historischen Fotografien ist zu sehen, dass auch Erich Ludendorff an dieser Veranstaltung vom 9. Oktober 1921 teilgenommen hat. Ebenso ist auf diesen zu sehen, dass er dabei - wohl vor Beginn der Feier - auch von dem Kronprinzen Rupprecht angesprochen worden ist. 

Abb. 9: Erich Ludendorff auf dem Trauer-Gedenktag auf dem Königsplatz in München, 9. Oktober 1921

Auf zeitgenössischen Fotografien ist Erich Ludendorff aus diesem Anlass zu sehen umringt von hohen bayerischen Generälen und Offizieren, sowie auch von Zivilpersonen. 


Abb. 10: Erich Ludendorff zweiter von rechts

Im Juli 1921, so berichtet Ludendorff (1, S. 171), war ein Brief des Kronprinzen Rupprecht veröffentlicht worden, in dem er sich als ausgesprochener Partikularist der deutschen und insbesondere bayerischen Öffentlichkeit vorgestellt hat und in dem er sich der konservativen Rechten zugleich als Monarchist und Thronfolger als bayerischer König, wenn nicht sogar als (besserer) Deutscher Kaiser empfahl. Ludendorff (1, S. 173):

Mit Recht bezeichnet der Historiker Professor Fester, mit dem ich auch über Geschichteforschung gesprochen habe, in seinem Buche über den letzten österreichischen Kaiser Karl diesen Brief als ersten Axthieb an die Wurzeln des Bismarckreiches.

Ludendorff vermutete, dass die Jesuiten hinter der Veröffentlichung dieses Briefes steckten. Auf dem Trauergedenk-Tag in München traf Ludendorff Kronprinz Rupprecht wieder und sprach mit ihm, umgeben von einflussreichen, monarchisch und konservativ gesonnenen bayerischen Offizieren. Dieses sicherlich nur kurze Zusammentreffen erwähnt Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen nicht.

Abb. 11: Kronprinz Rupprecht, Siry, Gen. Hemmer, Ludendorff, Oberst Seisser - "Trauer-Gedenktag" auf dem Königsplatz München am 9. Oktober 1921 - Der Kronprinz Rupprecht ist Ludendorff gegenüber "entgegenkommender als bisher"

Für den, der die vorhergegangen und nachherigen Ereignisse kennt, erzählt diese Fotografie aber womöglich sehr viel. Das Foto zeigt den Kronprinzen Rupprecht im Gespräch mit Erich Ludendorff. Zwischen ihnen hört diesem Gespräch zu jener Major a.D. Alexander Siry (geb. 1879), der in der Nacht vom 8. auf 9. November 1923 zwischen Ludendorff und Hitler einerseits und General von Lossow andererseits zu vermitteln suchte als - erfolgloser - Botschafter Ludendorffs bei dem General von Lossow. Lossow sollte sich in jener Nacht fünfmal und Kahr dreimal weigern, den Major Siry zu dem seit 23 Uhr dringend auf Nachrichten wartenden ehemaligen Generalquartiermeister zurück zu senden. Vielmehr drohte er Siry Schutzhaft an.

Abb. 12: Kronprinz Rupprecht, Ludendorff, Oberst Seisser - "Trauer-Gedenktag auf dem Königsplatz in München am 9. Oktober 1921"

Rechts neben Major Siry hört dem Gespräch zu Hans (von) Hemmer (1869-1931) (Wiki). Bei ihm handelt es sich um einen hoch dekorierten bayerischen Offizier des Ersten Weltkrieges. 1915 war er als Oberstleutnant Chef des Generalstabes der Südarmee unter General Felix Graf von Bothmer gewesen (an der Ostfront). 1917 war er zum Oberst befördert worden, 1918 Chef des Generalstabes der 19. Armee in Lothringen, also an der Westfront. In diesen Stellungen hatte er sich viele Verdienste erworben. Beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst im Jahr 1920 war er zum Generalmajor befördert worden.

Abb. 13: Trauer-Gedenktag München

Rechts neben, bzw. hinter Ludendorff steht schließlich - mit geradezu abschätziger Miene - Oberst Hans (von) Seißer (1874-1973) (Wiki). Bei ihm handelte es sich um den damaligen Chef der bayerischen Landespolizei. Er hatte einerseits Ludendorff, nachdem er nach Bayern gekommen war, einen Adjutanten gestellt (siehe oben). In der Nacht vom 8. auf 9. November 1923 sollte er sich jedoch - zusammen mit von Kahr und von Lossow - ebenfalls der zuvor mit Ludendorff und Hitler vereinbarten Zusammenarbeit entziehen.

Abb. 14: "Trauer-Gedenktag" auf dem Königsplatz in München am 9. Oktober 1921

Abbildung 11 zeigt nur einen Ausschnitt, Abbildung 12 die Gesamtszene, wobei deutlich wird, daß am selben Ort noch zahlreiche weitere Offiziere versammelt sind. Abbildung 13 und 14 zeigen weitere Fotografien von diesem Anlass, wobei auf letzterem in vorderster Reihe die Angehörigen des bayerischen Königshauses zu sehen sind, vielleicht steht daneben Erich Ludendorff.

Kadettentag in München (16. Oktober 1921)

Auch einen Kadettentag in München vom 16. Oktober 1921 erwähnt Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen nicht. Es sind aber von diesem Anlass Fotografien erhalten, die ihn zeigen.

Abb. 15: Erich Ludendorff mit einem Herrn in Zylinder

Vielleicht handelt es sich bei der Person, die links etwas im Abstand von Ludendorff auf Abbildung 15 steht, um seinen schon erwähnten damaligen "Adjutanten" Wilhelm von Grolman. Diese Person ist auch auf weiteren Fotografien (Abb. 16, 17, 19, 20) meist schräg versetzt hinter Ludendorff zu sehen.

Abb. 16: "Exzellenz v. Ludendorff schreitet die Front der in der Reichswehr befindlichen jungen Cadetten Offiziere ab"

Erich Ludendorff zählt in seinen Lebenserinnerungen seine Freunde im bayerischen Offizierskorps auf und seine bayerisch-partikularistischen Gegner innerhalb desselben, geführt vom Kronprinzen Rupprecht. Hierbei schreibt er über den Prinzen Leopold von Bayern, den bärtigen alten Mann auf vielen Fotografien des Ersten Weltkrieges und danach (1, S. 144):

Die Prinzen des wittelsbachischen Hauses schlossen sich indes, soweit ich mit ihnen in Berührung kam, wenigstens äußerlich betrachtet, nicht Kronprinz Rupprecht in ihrem Verhalten gegen mich an. Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern war stets von ausgesuchter Liebenswürdigkeit gegen mich. Er war Soldat. Ich habe sein soldatisches Fühlen schätzen gelernt, da er sich im Sommer 1915 als älterer Generalfeldmarschall dem Oberkommando des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg unterstellte. (...) Als ich im August 1916 in die Oberste Heeresleitung berufen wurde, schwankte ich keinen Augenblick, dem Kaiser zu raten, dem Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, dem Oberst Hoffmann als Chef beigegeben wurde, die Führung der Ostfront anzuvertrauen. Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern hat dieses Vertrauen voll gerechtfertigt. Nicht anders wie das Verhalten dieses Prinzen war das der Prinzen Arnulf und Ludwig Ferdinand.
Abb. 17: "S.K.H. Prinz Leopold v. Bayern (im Mantel), Exzellenz v. Ludendorff links, Exzellenz Krafft v. Delmensingen rechts Exzell. Generalleutnant Hübner (letzter Commandeur d. Cadetten Corps 1914)"

Über die Gruppe seiner Gegner im bayerischen Offizierskorps sagt er unter anderem (1, S. 145f):

Endlich trat als mein scharfer Gegner General Krafft v. Delmensingen hervor. Er war Chef des Generalstabes der Armee des Kronprinzen Rupprecht in Lothringen - der 6. - gewesen. Er hatte dann das Alpenkorps erhalten.

Krafft von Delmensingen ist ebenfalls in Abbildung 17, sowie 25 (ganz rechts) zu sehen. Als Befehlshaber des Alpenkorps konnte er den bekannten großen Sieg über die Italiener erringen (Isonzoschlacht). Erich Ludendorff schreibt weiter:

Nach gelungenem Angriff setzte ich das gleiche Armeeoberkommando an der Westfront ein. Seine Führung in der großen Schlacht von Frankreich war nicht gerade glücklich; aber diese Ansicht hatte ich für mich behalten. Woher eigentlich die Feindschaft des Generals v. Krafft kam, weiß ich nicht. Sie entsprang wohl im wesentlichen der Abneigung des Kronprinzen Rupprecht gegen meine Person.

Es existiert ein Gemälde, das Krafft von Delmensingen als Generalstabschef des Kronprinzen Rupprecht zeigt (von dem Maler Fritz Reusing, siehe GB).

Abb. 18: "S.K.H. Prinz Alfons v. Bayern links, Exzellenz Ludendorff mitte, Exzellenz v. Hartz rechts"

Von dem Kadettentag haben sich noch zahlreiche weitere Fotografien erhalten (s. Historische Bilddokumente).

Am 28. Oktober 1921 schrieb Wilhelm Breucker, "Zurzeit München", einen Brief an Ludendorff, den Ludendorff noch am gleichen Tag an die Presse weitergab zur Richtigstellung einer Behauptung des "Vorwärts" über Ludendorffs Reise nach Schweden, daß nämlich der Gedanke, unter falschem Namen mit einem ausländischen Paß nach Kopenhagen zu reisen, von Seiten der Regierung Ebert ausgegangen war (Deutsche Allgem. Ztg. 26.10.1921).

Die Beisetzung König Ludwigs III. in München (5. November 1921)

Erich Ludendorff nahm auch an den Beisetzungsfeierlichkeiten für das bayerische Königspaar am 5. November 1921 in München teil (1, S. 174f).

Abb. 19: Ludendorff am 5.11.1921 umringt von höheren bayerischen Offizieren 

Auch hier zeigen ihn zeitgenössische Fotografien umringt von höheren bayerischen Offizieren. Ludendorff berichtet (1, S. 174):

Die Feier gestaltete sich zu einer großen monarchischen Kundgebung. Es wurde von vielen erwartet, dass Kronprinz Rupprecht sich an diesem Tage als König von Bayern erklären würde. Ich habe diesen Schritt nicht von ihm erwartet, dazu fehlte ihm die Entschlossenheit, auch war die Lage wirklich nicht danach angetan. (...) Der endlose Trauerzug bewegte sich von der Ludwigskirche durch die Straßen Münchens nach der Frauenkirche. Ich schritt in ihm inmitten der bayerischen Generalität.

Der Augenblick, in dem der Kronprinz die Kirche verließ, sollte jener sein, in dem er sich zum König hätte ausrufen lassen. Die Fahnen senkten sich zwar vor ihm, er grüßte sie aber nur schweigend mit dem Marschallstab, so Ludendorff:

Korps Oberland hatte sich umsonst bereit gestellt, um einem etwaigen "Königsputsch" entgegenzutreten.

Abb. 20: Beisetzungsfeierlichkeiten für das bayrische Königspaar, 5. November 1921

Ludendorff schreibt weiter (1, S. 175):

Einige Tage später sprach ich dem Kronprinzen mein Beileid zum Heimgang seines Vaters aus.Er war, wie schon bei der Anfang Oktober stattgehabten Feier der Max-Josef-Ordens-Ritter entgegenkommender gegen mich als bisher. Glaubte er vielleicht, mich für seine Pläne zu gewinnen, nachdem er gehört hatte, mich welchem Jubel ich in Königsberg und Frankfurt a.d.O. begrüßt worden war?

Für den Winter 1921/22 berichtet Ludendorff über seine Forschungen (1, S. 175):

Ich forschte und forschte über unsere Vergangenheit, über die wahren Zusammenhänge unseres politischen Lebens und für die Gewinnung von Grundlagen einer wirklichen Deutschen Volksschöpfung, die allen Stürmen der Zeit Stand halten würde und sich nicht so brüchig erwies wie im Weltkriege.

In Coburg? (9. November 1921)

Abb. 21: Postkarte
(Herkunft: Ebay, z.B. Juli 2018)

Wiederholt wird auf Ebay eine Postkarte mit einer Handzeichnung der "Veste Koburg" und mit textlichen Bezügen zum Aufenthalt Martin Luthers daselbst angeboten, die Erich Ludendorff für "Herr Kandidat Hellwig" unter "9. November 1921" signierte (s. Abb.).

Weder in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs, noch im Internet, noch auf Google Bücher finden sich derzeit Hinweise für einen Aufenthalt Erich Ludendorffs in Coburg am 9. November 1921.

Ausgeschlossen muß er deshalb aber noch nicht sein. In Coburg fanden am 13. November 1921 Stadtratswahlen statt, in denen die SPD einen herben Verlust hinnehmen mußte und die national-völkischen Parteien einen deutlichen Zuwachs verzeichneten (Stadtgesch. Coburg). Da könnte es natürlich sein, daß Erich Ludendorff - auch im Zusammenhang des vorhergehenden Wahlkampfes - nach Coburg eingeladen worden war.

In Coburg war in jener Zeit der Weltkriegsteilnehmer, Lehrer und völkische Aktivist Hans Dietrich (1898-1945) (Wiki) tätig. Ein Jahr später sollte er Adolf Hitler zu einem "Deutschen Tag" nach Coburg einladen (Stadtgesch. Coburg). Und nach der Reichstagswahl vom Mai 1924 sollte dieser Hans Dietrich derselben völkischen Reichstags-Fraktion angehören, die Erich Ludendorff zusammen mit Gregor Strasser und Albrecht von Graefe leitete. Somit könnten Bezüge aufgezeigt werden, in denen sich bewegend Erich Ludendorff zum 9. November 1921 nach Coburg eingeladen worden sein könnte. Aber einstweilen kann dazu nichts Sicheres gesagt werden.


Abb. 22: Postkarte
(Herkunft: Ebay, Juli 2018)

Hugo Stinnes benennt eines seiner Dampfschiffe "Ludendorff"

Im Jahr 1921 lief das Dampfschiff "Ludendorff" vom Stapel (Wiki). Es ist darüber zu erfahren (Wiki):

Die Stinnes-Reederei eröffnete ihren Ostasiendienst am 14. Oktober 1922 mit dem Frachter "Hindenburg", dem dann die "Emil Kirdorf" auf ihrer Jungfernreise folgte. Die neuen Schiffe unterhielten zusammen mit den großen, 12.000 tdw tragenden Frachtschiffen mit kleiner Passagiereinrichtung "Havenstein", "Ludendorff", "Tirpitz" und der unter Danziger Flagge laufende "Oliva" eine Linie mit monatlichen Abfahrten von Hamburg nach Ostasien.

Die Benennung der Dampfer ging auf den Hamburger Reeder Hugo Stinnes zurück, der zu jener Zeit ein großer Verehrer von Ludendorff war (10):

Hugo Stinnes (...) wurde von Demonstranten in Vegesack erwartet, als seine Schiffe "Ludendorff" und "Hindenburg" vom Stapel liefen. Vor allem die Sozialdemokraten erkannten in der Namensnennung der beiden Dampfer eine Betonung der politischen Gesinnung des Großindustriellen.

Abb 23: Dampfer Ludendorff, Postkarte

Für den Dampfer erwarb Stinnes auch ein Ludendorff-Portrait des Malers Wilhelm Petersen (9). Der Dampfer wurde - laut Wikipedia - noch im Jahr 1927 umbenannt in "Mecklenburg". Offenbar hatte sich Ludendorff auch bei Hugo Stinnes mit seinem Buch gegen die Freimaurerei "unmöglich" gemacht.

Abb. 24: Dampfer "Ludendorff" - Stapellauf 1921, umbenannt 1927

Wenn als Jahr für die Umbenennung auf Wikipedia 1927 angegeben wird, so wird dies durch einen "Heuerschein" infrage gestellt, nach dem das Schiff noch am 12. April 1928 mit dem Namen "Ludendorff" bezeichnet wurde.

Abb. 25: Heuerschein der Hamburg-Amerika-Linie
für das Schiff "Ludendorff" vom 12. April 1928 (Ebay 2016) 

Das Schiff endete 1939 durch Selbstversenkung nahe Sable Island.

/ Letzte Ergänzung: 26.8.2021 /
_______________________________________________
  1. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1941 (12.-16. Tsd.; Erstausgabe: 1940)
  2. Ludendorff, Mathilde (Hg.): Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938
  3. Kaiser, Alexandra: Von Helden und Opfern. Eine Geschichte des Volkstrauertags. Campus-Verlag, Frankfurt/M. 2010 (GB)
  4. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen. Mittler & Sohn, Berlin 1919
  5. Asmus, Burkhard: Republik ohne Chance? Akzeptanz und Legitimation der Weimarer Republik in der deutschen Tagespresse zwischen 1918 und 1923. Walter de Gruyter, Berlin 1994 (GB)
  6. Ludendorff, Erich: Urkunden der Obersten Heeresleitung über ihre Tätigkeit 1916-1918. Mittler & Sohn, Berlin 1920, https://archive.org/details/urkundenderobers00lude
  7. Ludendorff, Erich: Kriegführung und Politik. Mittler & Sohn, Berlin 1921, 2. durchgesehene Auflage 1922, https://archive.org/details/kriegfhrungundp00ludegoog
  8. Jenrich, Joachim: Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe. Der größte Tag der Wasserkuppe. Ein spannender Bericht. In: ders.: Die Wasserkuppe - Wissenswertes über einen interessanten Berg in der Rhön. Auf Rhoenline.de, 2004, http://www.rhoenline.de/fliegerdenkmal.html
  9. Ludendorff, Margarethe: Als ich Ludendorffs Frau war. Drei Masken Verlag, 1929, S. 20
  10. Kiesel, Wolfgang: Bremer Vulkan - Aufstieg und Fall. 200 Jahre Schiffbaugeschichte. 1997 (Google Bücher)

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