Mittwoch, 6. April 2011

"Ludendorff-Buchhandlungen" - Ein Blick in die Anhängerschaft der Ludendorff-Bewegung

In den 1930er und 1940er Jahren befand sich in der Mitte Berlins, auf einer der bekanntesten Straßen, nämlich in der Friedrichstraße, Ecke Jägerstraße, eine "Ludendorff-Buchhandlung" (Abb. 1). Durch das Ebay-Angebot einer Feldpostkarte aus dem Jahr 1943 (vom Mai 2012) (Abb. 1), sowie durch ein ebensolches Angebot von Quittungen des "Ludendorff's-Verlags, Zweigstelle Berlin, Friedrichstraße 75, Ecke Jägerstraße" aus den Jahren 1938 und 1943 wird man immer einmal wieder auf diesen Umstand gestoßen.

Obwohl sowohl die Friedrich- wie die Jägerstraße zu den wichtigsten Straßen in der Kulturgeschichte Berlins gehören und als solche auch schon monographische Behandlung erfahren haben, ist die Existenz einer solchen Ludendorff-Buchhandlung in ihnen offenbar noch nicht erwähnt oder behandelt worden (1).*) In München ist man damit offenbar schon weiter. In einer Veröffentlichung des Jahres 2006 wird der Karlsstraße 6 gedacht, des Verlagssitzes des Ludendorff-Verlages (9, S. 32):
1929 gründeten Ludendorff und seine Frau Mathilde (...) in der Karlsstraße Ludendorffs Volkswarte-Verlag, der nach 1933 als Ludendorffs-Verlag in der Romanstraße 7 firmierte. (...) Der Verlag existierte nach 1945 ohne Unterbrechung weiter und ging 1953 im Verlag Hohe Warte in Pähl bei Weilheim auf, der bis 2003 von Mathilde Ludendorffs Schwiegersohn Franz Freiherr Karg von Bebenburg geleitet wurde.
Abb. 1: Ludendorff-Buchhandlung in Berlin (Feldpostkarte aus dem August 1943) **)
Ludendorff-Buchhandlungen als Außenstellen des Ludendorff-Verlages in München hat es in den 1930er und 1940er Jahren in vielen Städten Deutschlands gegeben (vgl. auch Abbildungen 1 - 6). Eine zusammenhängende Darstellung ihrer Geschichte ist noch nicht vorgelegt worden. Unter anderem von Angelika Dörfler-Dierken (7) angeregte Untersuchungen zur Soziologie und zum sonstigen "Innenleben" der Ludendorff-Bewegung würden durch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Ludendorff-Buchhandlungen sicherlich eine nicht unbedeutende Ergänzung erfahren.

Im folgenden Beitrag werden nach und nach bruchstückhafte Details zusammengetragen, die zu dieser Geschichte gehören. Auch zu dem Verlag insgesamt, von dem diese Buchhandlungen betrieben worden sind, bzw. von dem sie ihre Bücher bezogen. Nämlich dem "Ludendorff's Verlag G.m.b.H." in München.

Abb. 2: Photographie aus einem Privatnachlaß; ohne weiteren Angaben, offenbar Stand auf einer Buchmesse, etwa 1937
(Auf Abbildung 2 ist offenbar ein Stand auf einer Buchmesse fotografiert worden. Als jüngste Veröffentlichungen sind auf der Photographie zu erkennen die Schriften "Seelenmißbrauch in Klöstern" und "Abgeblitzt - Antwort auf Theologengestammel", "Modernisteneid und katholische Wissenschaft", alle drei aus dem Jahr 1937.)

Am 12. Mai 1931 fand eine "Bundesführertagung" des Tannenbergbundes in Mittweida statt (8, S. 102f):
Das bleibende Ergebnis dieser Tagung war die Einrichtung einer Ludendorff-Buchhandlung in Berlin, der ersten Ludendorff-Buchhandlung.
Von dieser gibt es eine Fotografie (Getty Images). Sie hatte als Ladenschild: "Ludendorffs-Volkswarte-Verlag, Zweigstelle Berlin". In der Auslage erkennt man Ludendorffs Kriegserinnerungen und eine Portrait-Fotografie Erich Ludendorffs. Ein ausgehängtes Plakat handelt offenbar von "Die politischen Verbrechen der Freimaurerei".

Nicht zuletzt in den Jahren von 1931 bis 1933 standen die Ludendorff-Buchhandlungen im Zentrum der politischen und weltanschaulichen Auseinandersetzungen mit dem Nationalsozialismus und dem Christentum.  So wurde zum Beispiel eine solche in Isenhagen-Hankensbüttel im Jahr 1931 mit Naziparolen und Hakenkreuzen beschmiert (siehe Abbildung 5: "Nieder mit Ludendorff -  Deutschland erwache - Heil Hitler"). So wurden 1933 in der Ludendorff-Buchhandlung in Frankfurt am Main unter der Anleitung örtlicher Kirchenbeamter Bücher durch die Polizei beschlagnahmt. Darüber empörte sich Ludendorff wiederholt in seiner Wochenzeitung "Ludendorffs Volkswarte" und legte auch Beschwerden bei staatlichen Stellen ein. Die folgende Meldung findet sich in der vorletzten Ausgabe der Wochenzeitung "Ludendorffs Volkswarte" vor ihrem Verbot. In der Ausgabe vom 16.7.1933:
Zertrümmerung der Ludendorff-Buchhandlung Ülzen
Aus Ülzen erhalten wir über das neueste Ergebnis wahnsinniger Zerstörungswut einen vorläufigen Bericht, dem wir nachstehendes entnehmen:
"Am 28.6.33, abends 10 Uhr, erfuhr ich in meiner Wohnung, daß unser Laden vollständig demoliert sei, und daß sich ein großer Menschenauflauf dort angesammelt habe. Ich ging sofort zur Tatstelle und fand diese Auskunft voll und ganz bestätigt. Der Laden sah furchtbar aus. Die Eingangstür war gewaltsam aufgebrochen, die großen Schaufensterscheiben von innen vollkommen zerschlagen und verbogen, die Holzteile waren in die vorbeifließende Ilmenau geworfen, sämtliche Schriften der Schaufensterauslage, der Regale, Zeitungen, Flugblätter usw. waren wirr durcheinandergeworfen, zum Teil zerrissen, Fensterscheiben und Glasschrankscheiben zerschlagen. Das Ganze ein Bild wahnsinnigster Zerstörungwut.
Seit Tagen ging dsa uns bekannt gewordene Gerücht um, daß noch in dieser Woche die Buchhandlung ausgehoben werden solle. Sicherheithalber hatten wir sämtliche wertvollen Schriften aus dem Laden entfernt, so daß unser Schriftenverlust nicht erheblich ist ..."

Hertha Dittmer, Inhaberin der "Ludendorff-Buchhandlung" in Lübeck


Auch in der Holstenstraße in Lübeck gab es eine Ludendorff-Buchhandlung. 2011 sind einprägsame Erinnerungen von Hertha Dittmer, der langjährigen Inhaberin dieser seinerzeit zweitgrößten Buchhandlung Lübecks, erschienen (2).

Es waren auch schon 1982 Briefe von Mathilde Ludendorff an Hertha Dittmer veröffentlicht worden (4). Allerdings - wie sehr häufig in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung ("Mensch & Maß") - wieder einmal auffallend lieblos. Ohne alle Erläuterung und ohne umfassendere Einordnung in die biographischen oder zeitgeschichtlichen Zusammenhänge. Die ja Lesern auch schon 1982 gar nicht mehr vor Augen stehen konnten. Zumal solchen Lesern, die man ja etwaig neu hätte hinzugewinnen wollen. Die merkwürdige, oft an Lieblosigkeit erinnernde Art, wie in dieser Zeitschrift und in dem Verlag Hohe Warte, der sie betreibt, jeweils zuvor unveröffentlichte Dokumente zur eigenen Geschichte veröffentlicht werden, ist immer wieder auffallend. Auch die Seltenheit solcher Veröffentlichungen über Jahrzehnte hinweg, ist auffallend.

Auch wird auffälliger Weise gar nicht mitgeteilt, in wessen Besitz sich die Originale dieser Briefauszüge befinden, an welchem Ort sie aufbewahrt wurden und wer überhaupt die Zusammenstellung der Briefauszüge vorgenommen hat. Von einem Archiv oder "Ludendorff-Archiv" ist jedenfalls in der Veröffentlichung ebenfalls an keiner Stelle die Rede. Auch wird nicht gesagt, ob die Originalbriefe sich etwa im Besitz von Gunther Duda befanden, der damals als langjähriger Vorsitzender des "Bundes für Gotterkenntnis" sehr viele Originalunterlagen gesammelt hat.

All das erweckt den Eindruck, als wolle man eine umfassendere, anteilnehmende Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte anhand noch unveröffentlichter Dokumente und Erinnerungen keinesfalls noch zusätzlich fördern. Als wolle man auf vorhandene Archive nicht noch zusätzlich aufmerksam machen. Stattdessen werden lieber immer wieder "formelhafte" Gedenk- und Erinnerungsartikel veröffentlicht, die Altbekanntes - zumeist aus den Lebenserinnerungen beider Ludendorffs und aus ihren Periodika - zum x-ten male wiederholen. Selten wird in ihnen dann - fast so, als solle es keiner bemerken - in einer Anmerkung auf bis dahin unveröffentlichte Dokumente verwiesen oder diese sogar zitiert.

Wollte man sich so dem Aufruf Erich Ludendorffs nachkommen: "Deutsche, wühlt in der Geschichte!" - ? - Oder wollte man genau das nicht noch zusätzlich fördern? Wo doch jeder weiß, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte ihre Lebendigkeit bezieht aus der Auseinandersetzung mit jeweils noch unveröffentlichten, unbekannten Dokumenten.

Abb.: H. Dittmer - "Das Geisteswerk Mathilde Ludendorffs", 1931

 1931 - "Der innere Reichtum seines Erlebens war Ewigkeit"


Wie aus den Erinnerungen von Hertha Dittmer hervorgeht, wurde ihr früh verstorbener Ehemann - Lehrer wie sie selbst - vom Ehepaar Ludendorff sehr geschätzt. Er hatte die erste oder eine der ersten Einführungen in die Philosophie von Mathilde Ludendorff verfasst, zuerst veröffentlicht in "Ludendorffs Volkswarte", dann auch in gesonderter Schrift (5, 6) (s. Abb.). Die Hochschätzung geht auch hervor aus dem Brief von Mathilde Ludendorff an Hertha Dittmer vom 1. März 1931 aus Anlass des Todes ihres Ehemannes (4):
Meine liebe Frau Dittmer,

Sie haben so schweres Schicksal zu tragen, dass die Ehrfurcht vor dem Schmerz die Menschen, die Ihren Mann als Mitkämpfer in dem gewaltigen Geisteskampfe besonders hochschätzten und Ihr Leid mitempfinden, am liebsten schweigen möchte! -

Ihr Mann hat den Sinn des Menschenlebens voll erfüllt, und wenn auch sein Leben der Zeitrechnung nach um Jahrzehnte kürzer gewesen ist als manches andere Menschenleben, so war der innere Reichtum seines Erlebens Ewigkeit, und das werden Sie am besten wissen, die Sie in der Ehe erlebten, wie er bis zum letzten Tage über das lange und so schwere körperliche Leiden, das andere zu wehklagenden Egoisten werden lässt, mit Geisteskraft siegte und den Geisteskampf mit uns führte!

Nun ist es etwa ein Jahr her, seit Sie mich in Hetendorf fragten, ob wir die Mitarbeit Ihres Mannes annehmen wollten. Ein Jahr reicher Zusammenarbeit liegt nun hinter uns und heute danke ich Ihnen, liebe Frau Dittmer, dass Sie uns den prächtigen Mitkämpfer und verstehenden Freund zuführten, wenngleich wir hierdurch nun doppelt mit Ihnen den Frühtod beklagen!

Der Reichtum der Freundschaft, den Sie mit Ihrem Gatten erlebten, wird Ihrer wehwunden Liebe die Kraft geben, Ihr Leid zu tragen!
Im Jahr 1930 hatte in Hetendorf in der Lüneburger Heide auf dem Gutshof der Familie Bothmer die erste von Mathilde Ludendorff abgehaltene Erziehertagung stattgefunden. Darauf beziehen sich sicherlich die Worte Mathilde Ludendorffs. Mathilde Ludendorff hatte zusammen mit den dortigen Erziehern einen "Lehrplan der Lebenskunde für Deutsch-Gottgläubige Jugend" aufgestellt. Und es wurden nun Hefte mit "Lehrstoff zum Lehrplan der Lebenskunde für Deutsch-Gottgläubige Jugend" zusammengestellt. Hertha Dittmer gehörte zu den Mitarbeitern:
Heft 1: 1. und 2. Schuljahr. Zusammengestellt von Hertha Dittmer. Ludendorffs Verlag, München o.J.; 11. u. 12. Tsd. 1936
Heft 2: 3. und 4. Schuljahr. Ludendorffs Verlag, München 1933; neue erweiterte Auflage 1937
Heft 3: 5. Schuljahr. Zusammengestellt von Dr. Sohrt. Ludendorffs Verlag, München 1933, 6.-8. Tsd. o.J. (1935)
Heft 4: 7. und 8. Schuljahr. Ludendorffs Verlag, München 1937
Im "Tannenberg-Jahrweiser" des Jahres 1934 veröffentlichte Hertha Dittmer den Aufsatz "Unterricht für Deutsch-Gottgläubige Jugend". Darin spricht sie von den Gefahren des christlichen Religionsunterrichtes für die kindliche Seele und erörtert im Anschluss den Lehrplan für Lebenskunde von Mathilde Ludendorff.

Die Erinnerungen von Hertha Dittmer, sicherlich bald nach ihrer Pensionierung im Jahr 1971 verfasst, sind sehr lebendig geschrieben. Während der Tannenbergbund und seine Zeitung "Ludendorffs Volkswarte" im Sommer 1933 verboten wurden, bestand der Verlag als Wirtschaftsunternehmen - und mit ihm auch seine Ludendorff-Buchhandlungen - fort. In der Halbmonatsschrift "Der Quell" erschien am 20.2.1934 etwa folgende Anzeige:
Deutsche Volksgeschwister, die bereit sind, für ihren Wohnort die Handelsvertretung für den Vertrieb unserer Verlagserzeugnisse zu übernehmen, um sich damit eine Verdienstmöglichkeit zu schaffen, wollen sich unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufes umgehend melden.Ludendorffs Verlag GmbH. München 2 NW. Karlstraße 10
Abb. 3: Ludendorff-Buchhandlung in Lübeck, Holstenstraße 42, Postkarte, gestempelt 29.11.1939 (3)

1936/37 - Ludendorff-Buchhandlung in Lübeck, die Anfänge

Für eine solche Tätigkeit entschied sich schließlich auch Hertha Dittmer, offenbar auf Anraten Erich Ludendorffs. Zuerst war sie in der Ludendorff-Buchhandlung in Hamburg tätig. Auch in dieser Zeit wechselte sie Briefe mit Erich und Mathilde Ludendorff. Am 3. Februar 1936 schrieb Erich Ludendorff etwa an sie (10, S. 1119):
Rechnen Sie damit, daß die christliche Reaktion unser gesamtes Werk zerschlagen will, wenn nicht alle freien Deutschen dauernd an den Reichsjustizminister schreiben, gelingt ihr das Werk.
Und knapp drei Wochen später, am 21. Februar 1936 (10, S. 1119):
Die Geheime Staatspolizei haßt nichts so wie das Haus Ludendorff und deutsche Gotterkenntnis. Es ist traurig, aber es ist nun einmal so. 
Und am 17. April 1936 schrieb er an Hertha Dittmer (10, S. 1119):
Ich danke für Ihre Wünsche und ich begrüße es, daß Sie freien Deutschen die letzten Worte sprechen. Die Deutschen sind noch nicht so weit, daß sie aus sich heraus dies tun können. Es muß ihnen noch geholfen werden. Fassen Sie so Ihr Handeln auf.
Hertha Dittmer wurde also auch tätig als Rednerin bei Beerdigungen. Schließlich gründete Hertha Dittmer im Juli 1937 als Inhaberin eine Ludendorff-Buchhandlung in Lübeck in der Holstenstraße 42, also ganz in der Nähe des berühmten Holstentores von Lübeck. Über ihre Anfangszeit als früh verwitwete, alleinerziehende Mutter schreibt Hertha Dittmer (2):
Zuerst war es sehr schwer: keine Käufer - ganz anders als ich Hamburg. Ich war verzweifelt. Frau Dr. Ludendorff tröstete mich und sagte: "Es wird schon werden!" Aus meiner Weltanschauung heraus arbeitete ich weiter. Dann mußte ich für 6 Wochen nach Leipzig auf die Buchhändlerschule. Ich war froh, daß ich einen Beruf hatte, der meinen Interessen und meinem Wesen entsprach. Wie dankbar war ich, daß ich durch den Feldherrn in diesen Beruf kam. Ich würde immer wieder Buchhändlerin werden, trotz allem.
Mit "trotz allem" ist wohl vornehmlich der unentwegte, nervenaufreibende Kampf mit den Behörden gemeint, den sie schildert. Und weiter schreibt sie - um auch einen Eindruck von den Stimmungsgehalten zu geben, die damals unter den Inhabern von Ludendorff-Buchhandlungen handlungsleitend sein konnten (2):
Im August 1937 war ich in Tutzing bei einer Tagung. Der Feldherr und Frau Dr. Ludendorff begrüßten jeden Teilnehmer. Der Feldherr sagte zu mir: "Na, Frau Dittmer, können Sie denn nun Ihr Kind bei sich haben?" Ich war tief erschüttert über diese innigen Worte, über die Güte, die aus den Augen des Feldherrn sprach.
Ein Mann wie der Feldherr, der größere Sorgen hatte und größere Verantwortung trug, dachte an das Schicksal einer einfachen Frau aus dem Volke. Mir selbst kamen Tränen der Dankbarkeit, der innigen Freude über diese erlebte Stunde. Vorher musste ich oft mein Kind einer Nachbarin überlassen, da ich viel für Ludendorffs Verlag unterwegs war. (...)
Mit der Zeit hatte ich mehr Kunden, da ich neben den Ludendorff-Büchern auch andere wissenschaftliche Bücher führte.
Am 20. Oktober 1937 schrieb Mathilde Ludendorff an Hertha Dittmer (4):
Herzlichen Dank für Ihre guten Wünsche. Es freut mich, dass Sie mir auch von den guten Erfolgen der Buchhandlung in Lübeck berichten können. Immer wieder stellt es sich heraus, wie viel von der Art und Weise des einzelnen Kämpfers zu arbeiten abhängt. Ein anderer würde wahrscheinlich dauernd über den "zu schweren Boden" in Lübeck geklagt haben.
Persönliche Worte, die geschrieben wurden, als auch Mathilde Ludendorff den Tod ihres Ehemannes (am 20. Dezember 1937) zu beklagen hatte, sind nicht abgedruckt, aber sicher geschrieben worden.

1938 - "Lassen Sie sich durch keinerlei Enttäuschungen in der Freudigkeit, Ihr Bestes zu tun, dämpfen."

Am 26. Februar 1938 schreibt Mathilde Ludendorff jedenfalls (4):
Herzlichen Dank für Ihren Bericht über die Gedenkfeier. Lassen Sie sich durch keinerlei Enttäuschungen in der Freudigkeit, Ihr Bestes zu tun, dämpfen. Enttäuschungen sind unvermeidlich und auch nicht an einen Ort gebunden. Sie haben schönen Aufstieg in Ihrer Buchhandlung und das ist schon sehr viel wert. Wichtig wäre es, wenn es Ihnen gelänge, einen Lehrer für den Lebenskundeunterricht zu finden. Ich lege Ihnen für die Besprechung die kurze Begründung der Notwendigkeit dieses Unterrichtes bei, die ich auch in das Ministerium gehen ließ. 
Hier ist offenbar eine Gedenkfeier zum Tod Erich Ludendorffs angesprochen. Auf einen noch weitergehenden Vorschlag von Hertha Dittmer, wohl zusammen mit anteilnehmenden Worten zum Geburtstag Erich Ludendorffs, antwortete Mathilde Ludendorff am 19. April 1938 (4):
Herzlichen Dank für Ihre warmen Worte des Anteils.

Ihr  Gedanke, den abgehenden Schülern ein solches Schreiben zuzusenden, ist recht glücklich. Vergessen Sie aber auch die jungen Mädchen nicht und versuchen Sie einmal in Erfahrung zu bringen, ob dieses Schreiben irgendwie einen Erfolg gezeitigt hat. Wir wollen alle mit höchstem Eifer weiterkämpfen. Es ist das einzige, was den Schmerz des großen Verlustes etwas erleichtert.
Und als handschriftlicher Zusatz zu dem mit Schreibmaschine geschriebenen Brief:
Durch Führererlass ist es verboten, in Zeitschriften Polemik gegen die Kirchen und das Christentum zu führen. - Nun wird der Schriftenreihebezug um so wichtiger.
Denn offensichtlich war dieser Führererlass nur auf die Zeitschriften beschränkt und musste man sich in Schriften und Büchern daran nicht halten. Am 22. Dezember 1938 heißt es in einem wohl vervielfältigten allgemeiner gehaltenen Brieftelegramm (4):
Für Ihr treues Gedenken an die Wiederkehr des Todestages des Feldherrn sage ich Ihnen meinen herzlichen Dank.

Möge sich das Gedenken als Kraft auswirken in Ihnen, unserer Idee zu dienen und das Vermächtnis des Feldherrn zu erfüllen.

In diesem Jahre gilt es nun, unsere Bewegung wieder dem stillen und steten Wachstum zuzuführen, das sie in all den Jahren, da der Feldherr sie führte, gezeigt hat.
Mit diesen Worten reagiert Mathilde Ludendorff auf die Tatsache, dass nach dem Tod Erich Ludendorffs die Zahl der Bezieher der Zeitschrift wieder stark zurückging. Diese war ja erst ab dem Jahr 1935, in dem der 70. Geburtstag Erich Ludendorffs vom Dritten Reich gefeiert wurde, überraschend stark angewachsen.

1939 - "Ihre tapfere Arbeit freut mich!"

Wie einer damaligen Postkarte zu entnehmen ist, standen im Schaufenster die Porträtbüsten von Mathilde und Erich Ludendorff (siehe Abb. 2). Am 4. März 1939 schreibt Mathilde Ludendorff über schlechte Erfahrungen mit Mitgliedern der NSDAP als "Ordner" (also Veranstalter) von Vorträgen (4):
Einliegend Ihre Beilagen mit herzlichem Dank zurück. Die Beanstandungen sind allseitig und wir tragen ihnen dadurch Rechnung, dass wir den Generalvertretern 
gemeint: des Ludendorff-Verlages
mitteilen, Parteimitglieder niemals zu bitten, als Ordner für Vorträge tätig zu sein, damit sie den Anordnungen ihrer Vorgesetzten nachkommen können.

Ihre tapfere Arbeit freut mich!
Es wäre noch der Frage nachzugehen, um welche Anordnungen von Vorgesetzten es sich dabei handelt. Am 11. März 1940 schreibt Frieda Stahl, die Schwester Mathilde Ludendorffs, aus Hamburg, wo sie ein Klavierkonzert gegeben hatte, an letztere:
Frau Dittmer aus Lübeck war auch da, ihr Laden geht ganz gut, sie hat auch noch Bestellungen auf das neue Werk von Erich.
Dabei handelte es sich um den gerade erst erschienenen ersten Band der Lebenserinnerungen von Erich Ludendorff (für die Jahre 1919 bis 1925), für den nun genug Käufer gefunden werden mussten, damit der Ludendorffs Verlag sich auch in der Zeit des Krieges halten konnte.

- Neben anderem ist in den Erinnerungen von Hertha Dittmer auch viel von dem Kampf mit den Behörden die Rede, mit der Polizei, mit der Gestapo, mit dem Kreisleiter der NSDAP, mit dem Arbeitsamt, mit der Handelskammer. Während des Krieges ist die Inhaberin sogar einmal persönlich nach Berlin gefahren, um dort im Propagandaministerium vorzusprechen. Bei der Bombardierung Lübecks wurde die Buchhandlung beschädigt. (Wie parallel auch die Berliner, von der heute kein Stein mehr steht.)

1945 - 1971 - Schiller-Buchhandlung in Lübeck

Ihre Lübecker Buchhandlung ist nach 1945 - in Absprache mit Mathilde Ludendorff - als "Schiller-Buchhandlung" weitergeführt worden. Bis 1971. Im Buchhandels-Adressbuch von 1952 heißt es unter Spez. (wohl "Spezialgebiete") über die Schiller-Buchhandlung von Hertha Dittmer in der Holstenstraße 42 in Lübeck (13):
Philosophie, Technik, Wissenschaften
Hertha Dittmer organisierte auch die Vorträge der Ludendorff-Bewegung in Lübeck. So ist sie in Vortragsankündigen der 1950er Jahre angegeben (bsp. "Quell", 9.3.1957, 2. Umschlagseite). In der Zeitschrift "Mensch & Maß" erschien in der Folge vom 23. April 1973 ein Leserbrief von Hertha Dittmer:
Wie schön, dass unter "Leserbriefe" das herrliche Gedicht "Du sollst an Deutschlands Zukunft glauben ..." in Erinnerung gebracht wurde. Mich hat es stark berührt, da ich zur Zeit über viele geschichtliche Ereignisse und Persönlichkeiten lese. Möge doch in unserer deutschen Jugend das Erwachen kommen, damit wir wieder ein deutsches Volk werden.
Hertha Dittmer starb mit 87 Jahren im Januar 1979. Der "Bund für Gotterkenntnis" und Franz von Bebenburg schrieben in der Todesanzeige (12):
An die fünfzig Jahre hat sie unermüdlich für die Verbreitung der Gedankenwelt des Hauses Ludendorff gewirkt, zuerst in der Zweigstelle des Ludendorff-Verlages in Hamburg, dann als Leiterin der Ludendorff-Buchhandlung in Lübeck. Nach den Zerstörungen des Krieges gründete sie die "Schiller-Buchhandlung" in der Lübecker Holstenstraße, in der sie bis vor kurzem tätig war. Ihr warmherziges Mitgefühl, ihr sonniger Humor und ihre strahlende Lebensbejahung trotz aller schweren Zeiten schufen ihr einen weiten Freundeskreis. Voll Dankbarkeit gedenken wir dieser liebenswerten, aufrechten Frau und wertvollen Mitstreiterin.
Abb. 4: Die Ludendorff-Buchhandlung in Magdeburg (aus "Ludendorffs Volkswarte", 1931)
In der Unterhaltungsbeilage von "Ludendorffs Halbmonatsschrift", genannt "Scheinwerfer - leuchten" erscheint am 5. September 1938 auf der Titelseite eine große Anzeige:
Parteitagsbesucher 
kommt in die 
Ludendorff-Buchhandlung
Nürnberg, Pfannenschmiedsgasse 12.
Unser Stand während des Reichsparteitags befindet sich Ludendorff-, Ecke Hainstraße am Wodanplatz. Kostenloses Schriftenmaterial steht zur Verfügung.

Edith Stahl, Mitarbeiterin der Ludendorff-Buchhandlung in Köln (um 1940)


Um 1940 hat auch eine Nichte Mathilde Ludendorffs, eine Tochter ihrer Schwester, der Pianistin Frieda Stahl, Edith Stahl, in Ludendorff-Buchhandlungen gearbeitet, unter anderem in der in Köln. Sie hat über ihre Arbeit ihren Verwandten in Briefen und Gesprächen berichtet.

In der letzten erschienenen Folge von "Ludendorffs Halbmonatszeitschrift" ("Am Heiligen Quell Deutscher Kraft"), die auch nach 1933 weiterbestehen durfte und Jahr für Jahr wieder mehr Bezieher hatte, in der Folge vom 8. 9.1939, bevor der Zeitschrift vom Staat das Papier entzogen wurde, findet sich im Anzeigenteil von Verlagsseite aus die folgende Liste offizieller Ludendorff-Buchhandlungen:
Ludendorff-Buchhandlungen

Berlin W 8, Friedrichstraße 75, Ecke Jägerstraße, Ruf 12 36 57
Berlin-Charlottenburg 4, Wilmersdorfer Straße 41, Ruf 31 17 21
Berlin N 54, Schönhauser Allee 177 (Senefelderplatz), Ruf 44 42 14, auch Leihbücherei
Bielefeld, Obernstraße 6
Bremen, Schüsselkorb 17, Ruf 2 58 84
Breslau, Am Rathaus 20/21
Chemnitz, Marktgäßchen 12
Dortmund, Betenstraße 7
Dresden, König-Johann-Straße 17, Ruf 1 04 86
Düsseldorf, Straße der SA. 73
Essen, Hindenburgstraße 14
Frankfurt a. M., Kaiserstraße 18 - 20
Hamburg, Rathausstraße 9 - 11, Ruf 33 38 04
Hannover, Schillerstr. (Eckhaus Ernst-August-Platz 4)
Kassel, Hohenzollernstr. 38
Kiel, Holstenstr. 90, Ecke Schevenbrücke
Köln, Hohestraße 66, Fernspr. 22 66 82
Leipzig, Katharinenstraße 5, Tel. 2 32 38
Lübeck, Holstenstraße 42, Ruf 2 95 33
Magdeburg, Himmelreichstr. 19, Tel. 3 46 66
München, Karlsplatz 8
Nürnberg, Pfannenschmiedsgasse 12
Osnabrück, Johannisstr. 49, Tel. 52 48
Stuttgart, Zeppelinbau, Tel. 2 27 31
Buenos Aires, Theodoro Messerer, Cangallo Nr. 338, Tel. 34-05 94
Im Anzeigenteil wird auch sonst vielfach auf diese Ludendorff- und andere Buchhandlungen Bezug genommen, da die viele Anzeigen-Auftraggeber Kontakt anbieten nicht nur allgemein "über den Verlag" oder über ihre eigene Adresse, sondern oft auch über die angegebenen, jeweiligen örtlichen Ludendorff-Buchhandlungen. Um ein Beispiel zu bringen:
Ältere Hausgehilfin
konfessionell nicht gebunden, zuverlässig u. kinderlieb von Privathaushalt nach Köln gesucht, Angeb. mit Bild u. Gehaltsanspr. an
Ludendorff-Buchhandlung, Köln, Hohe Straße 66
In diesen Anzeigen wird neben den genannten noch auf andere Buchhandlungen Bezug genommen etwa (nach der Folge vom 25.8.1939):
- Buchhandlung Hans Pfeiffer, Landsberg (Warthe), Wollstr. 55
Abb.5: Schaufenster der Ludendorff-Buchhandlung in Magdeburg (aus: "Ludendorffs Volkswarte", 1931)
Die Berliner Ludendorff-Buchhandlung konnte sich also in der Friedrichstraße, Ecke Jägerstraße noch bis zum Jahr 1943 halten. Gelegen zwischen der Wilhelmsstraße - dem damaligen Regierungsviertel -, dem Gendarmenmarkt, wo sich das Schiller-Denkmal des Bildhauers Begas vor dem Schauspielhaus findet, und dem 1933 neu von den Nationalsozialisten erbauten Gebäude der Reichsbank unter Hjalmar Schacht am anderen, östlichen Ende dieser Straße (heute Auswärtiges Amt), lag sie den Regierenden des Reiches damals wahrhaftig "vor der Haustür".

Der Haß des Joseph Goebbels

Wenn man nun berücksichtigt, wieviel Haß etwa ein Joseph Goebbels in seinen Tagebüchern über die Ludendorff-Bewegung und explizit auch über ihre Buchhandlungen ausschüttet, so könnte derselbe auch davon mitbestimmt gewesen sein, daß Goebbels nicht allzu selten selbst an dieser Ludendorff-Buchhandlung in der Mitte Berlins vorbei gekommen ist.

Auf dem genannten Ebay-Angebot heißt es zu den beiden Quittungen noch:
Sehr interessant die Rückseite: "Sie finden in unserer Buchhandlung das gesamte Schrifttum des Hauses Ludendorff sowie eine große Auswahl an Büchern der Gebiete: Vorgeschichte, Rassenkunde, Naturkunde sowie des militärischen, des schöngeistigen und des Jugendschrifttums und der völkischen Aufklärungsschriften über: Rom, Juda und Freimaurerei. Auch alle sonstigen Bücher können Sie durch uns beziehen."
Abb. 6: Ludendorff-Schaufenster in Isenhagen-Hankensbüttel mit Hakenkreuz-Schmierereien (aus "Ludendorffs Volkswarte", 1931)
In "Ludendorffs Halbmonatsschrift" findet sich im Anzeigenteil noch eine ergänzende Liste von Verlagsseite geschaltet (zitiert nach der Folge vom 25.8.1939). Hier handelt es sich offenbar nicht um explizite Ludendorff-Buchhandlungen, aber um solche, die in regelmäßigem geschäftlichen bis freundschaftlichen Kontakt mit der Verlagszentrale in München standen:
Das Schrifttum des Ludendorff Verlages führen bzw. vermitteln:
Augsburg, Spitalgasse A 208/I, Friedrich Adolf
Ballenstedt/H., Buchh. Straßburger, Hindenburgallee
Bellinchen/Oder, Hellmuth Röthke
Bütow, Lauenburger Str. 18, Gg. Wengerowski
Dessau, Adolf-Hitler-Platz 15, Auguste Nöpking
Dresden-A. 20, Krusestr. 5, Helene von Busse
Einswarden/Old., Heiligenwiehmstr. 25, Wilhelm Lauw
Frankfurt/M. 1, Grüneburgweg 94/I, P.  Futterknecht
Görlitz, Demianplatz 26, Kurt Scheuner
Großenhain/Sa., Albertstr. 6, Walter Harras
Halberstadt, Roonstraße 66, Luise Becker
Hirschberg/Rsg., Adolf-Hitler-Str. 42, Adolf Mätz
Innsbruck, Maximilianstr. 33, Bernhard Sander
Konrwestheim, Emil Bäßler
Kriescht, Nm., Kurt Löffler
Nordmark/Schleswig, Hunnenstraße 8, D. Asmussen
Oldenburg i. O., Achternstr. 51, Herbert Wilkens
St. Pölten, Adolf-Hitler-Platz 5, Franz Umlauf
Rathenow, Straße der SA 30, Karl Grüneberg
Regensburg, Wahlenstr. 8, Betti Weber
Rositz/Thür., Altenburger Str. 7, Felix Schirmer
Rostock, Wismarsche Str. 49, Hartwig Bahl
Schwerin i. Meckl., Hindenburgplatz 9, A. Wilcke
Soest, Osthofenstr. 68, Otto Loos
Stettin, Neue Straße 10, Erna Rüchel
Südholstein/Lauenburg, Wilhelm Bohlken, Rellingen
Tübingen-Lustnau, Weiherstr. 2, Irmgart Löschmann
Wernigerrode/H., Kaiserstr. 64, Gustav Härtel
Wilhelmshaven, Halligenweg 64, Ernst Böhl
Würzburg, Karmelitenstr. 24, Hermann Blank
Sonderburg/Dänemark, Lökken 16, C. Lundberg
Im Nachlaß des früheren Tannenbergbund-Landesleiters Herbert Frank (im Institut für Zeitgeschichte, München) finden sich laut Findbuch ebenfalls Fotografien von Ludendorff-Buchhandlungen.

Hermann Hiller, Inhaber der Ludendorff-Buchhandlung in der Berliner Friedrichstraße (bis 1939)

Schlaglichtartig wird das Geschehen um diese Ludendorff-Buchhandlungen auch erläutert durch die erste Gefallenenanzeige, die in der allerletzten Folge von "Ludendorffs Halbmonatsschrift" vom 25. 9. 1939 enthalten ist:
Am 16. 9. 1939 erreichte uns die Mitteilung, daß der Leiter unserer Zweigstelle Berlin, Friedrichstraße 75
Hermann Hiller
als Soldat gefallen ist.
Wir verlieren in ihm nicht nur einen unserer befähigtsten Mitarbeiter im Außendienst, sondern einen Kameraden, der die Bedeutung des großen Kulturkampfes des Hauses Ludendorff voll erfaßte und es als seine Lebensaufgabe ansah, sich dafür mit ganzer Kraft einzusetzen.
Der Verlag verdankt ihm viele wertvolle Anregungen, deren letzte noch die zur Schaffung der schönen Gedenkausgabe des Tannenbergbuches war.
Seine Persönlichkeit ist unserer Erinnerung tief eingegraben.
Ludendorffs Verlag
Hermann Hiller hatte auch gelegentlich Kurzrezensionen für die Zeitschrift verfaßt (etwa über die 1939 erschienene SS-nahe, Satanismus-nahe Schrift "Luzifers Hofgesind", die er allerdings gar nicht als dem Satanismus nahestehend erkannte).

Buchhändler Schreckenbach, Inhaber der Ludendorff-Buchhandlung in der Berliner Friedrichstraße (1939 - 1945)

Während des Zweiten Weltkrieges war Inhaber der Buchhandlung in der Berliner Friedrichstraße ein Herr Schreckenbach. Dieser hat noch bis in die 1980er oder 1990er Jahre in Berlin gelebt, wo ihn, so weit man hört, noch viele Menschen gekannt haben. Er soll ein hochgewachsener Mann gewesen sein. Herr Schreckenbach saß für sechs Jahre, etwa von 1945 bis 1951, im Konzentrationslager Bautzen ein. Er war von irgendjemanden denunziert worden. Dort hat er Hunger und Isolationshaft kennengelernt. Noch in den 1980er Jahren soll er darüber in Vorträgen berichtet haben.

Ob ein Nachlaß von Herrn Schreckenbach sichergestellt ist und auswertbar ist entzieht sich ebenso unserer Kenntnis, als auch, ob es sichergestellte Nachlässe oder Erinnerungen anderer Inhaber von Ludendorff-Buchhandlungen gibt.

Eine ausführlichere Darstellung der Geschichte der Ludendorff-Buchhandlungen hätte sicherlich herauszuarbeiten, wie stark sie von 1931 bis 1933 im Zentrum des Kampfes gegen den Nationalsozialismus standen, welchen Repressalien sie nach 1933 Stand zu halten hatten, wie sie aber auch zeitweise ihre Kundschaft auf Mitglieder der NSDAP erweitern konnten und welche Schicksale ihrer nach 1945 harrten.

(Veröffentlicht: 6.4.2011; letzte Ergänzung um [4 - 6]:  18.7.2013; um [9]: 13.8.2013; 31.3.2015)


_________________________________


*) In der "Jägerstraße", die den "schönsten Platz Berlins", den Gendarmenmarkt quert, befand sich unter anderem der berühmte Salon der Rahel Varnhagen von Ense (Jägerstraße 54). Gäste waren dort unter anderem Heinrich von Kleist, die Brüder Humboldt, Leopold von Ranke, G.F.W. Hegel und viele andere. In dieser Straße befand sich für mehrere Jahre auch die Wohnung Leopold von Rankes (Jägerstraße 10), das Geburtshaus Alexanders von Humboldt und die Dienstwohnung Friedrich Schleiermachers. Über die Familie Mendelssohn heißt es:
In der Jägerstraße, einer Keimzelle des Berliner Bankenviertels, besaß die Familie Mendelssohn sechs Häuser. Hier expandierte ihre Firma zur größten Privatbank Berlins. Hier trafen sich die Nachkommen des Philosophen Moses Mendelssohn, eine großbürgerliche Dynastie von Bankiers, Künstlern und Gelehrten, zu Gesellschaften mit Freunden und Geschäftspartnern.
In der heutigen Jägerstraße 51, der Mendelsohn-Remise, befindet sich derzeit eine Dauerausstellung zur Geschichte dieser Straße (s.a.: abcdefg).

**) Die Karte ist am 18.8.43 an eine "Familie Joh. Moll, Bensheim-Auerbach/Bergstr., Ludwigstr. 22" gerichtet und hatte den Wortlaut: "Gefr. Frey (?) 28379 - Liebe Familie Moll. Seit 2 Tagen habe ich meinen Front ... (?) übernommen. Die Refrist (?) erreichte mich ganz plötzlich und unerwartet. Jetzt lebe ich also wieder in der Welt der Bücher. Mit herzlichen Grüßen, Ihr Wolfgang 


________________
  1. Kreher, Wolfgang; Vedder, Ulrike (Redaktion): Von der Jägerstraße zum Gendarmenmarkt. Eine Kulturgeschichte aus der Berliner Friedrichstadt. Verlag Dietrich Reimer / Verlag Gebrüder Mann, 2006
  2. Dittmer, Hertha: Erinnerungen an vergangene Jahrzehnte. In: Mensch & Maß. Folge 16, 23.8.2011, S. 734 - 745
  3. sunnyafternoon-2009 (Verkäufer): Alte s/w Foto AK Ludendorff Buchhandlung Lübeck Fliegerhorstkompanie Schleswig. In der Hansestadt Lübeck-Holstenstrasse. Die Karte ist am 29.11.1939 gelaufen. Poststempel und Kompaniestempel. Diese Karte war ursprünglich wohl auf Karton geklebt und weist rückseitig Klebespuren auf (siehe Foto 2). Ebay-Angebot zum 26. Juli 2012
  4. Ein deutscher Philosoph in unserer Zeit. Aus Briefen Mathilde Ludendorffs. In: Mensch & Maß, Folge 24, 23.12.1982, S. 1128 - 1135 
  5. Dittmer, H.: Das Geisteswerk Mathilde Ludendorffs. Zusammengestellt aus Besprechungen und ergänzt von H. Dittmer. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1931 (53 S., mit einer s/w Portraitabbildung Ludendorffs als Frontispiz)
  6. Dittmer, H.: Was weißt Du von Mathilde Ludendorff ? Zusammengestellt aus Besprechungen. Ludendorffs Verlag, München 1934 (64 S.)
  7. Bading, Ingo:  Studiengruppe "Naturalismus, völkische Subkulturen, Ethik und Politik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung". Das Studium einer völkischen Subkultur. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 8. Juni 2010  
  8. Kopp, Hans: Geschichte der Ludendorff-Bewegung. Erster Band: 1925 - 1939. Verlag Hohe Warte, Pähl 1975  
  9. Pustet, Anton: Ort und Erinnerung. Nationalsozialismus in München. Technische Universität München, Architekturmuseum 2006 (225 S.) (Google Bücher
  10. Wächter, Dieter (d.i. Gunther Duda): Ludendorffiana 1917 - 1937. Im Gedenken an den 20.12.1937. In: Mensch & Maß, Folge 23 und 24, 9. und 23.12.1987, S. 1063 - 1070 und 1111 - 1120
  11. Dittmer, H.: Weltanschauung, die Grundlage des Lebens. Von Lehrer H. Dittmer, unserem verstorbenen Mitkämpfer für Geistesfreiheit. In. Ludendorffs Volkswarte, Folge 10, 13. 3. 1932  
  12. Todesanzeige für Hertha Dittmer (1892 - 1979). In: Mensch & Maß, Folge 4, 23.2.1979, S. 192
  13. Buchhandels Adressbuch. Verzeichnis der Mitglieder der Landes- und Fachverbände in der Bundesrepublik Deutschland und in West-Berlin. Buchhändler-Vereinigung. 1952 (Google Bücher)
  14. Dittmer, Hertha: Unterricht für Deutsch-Gottgläubige Jugend. In: Tannenberg-Jahrweiser 1934. Ludendorffs Verlag, München 1934, S. 60-67

Beliebte Posts