Mittwoch, 4. Januar 2012

Einiges zu dem Buch "Der Siegeszug der Physik" von Mathilde Ludendorff (1942)

Der Beginn der vertieften Auseinandersetzung mit der modernen Naturwissenschaft innerhalb der Ludendorff-Bewegung

Wer "Siegeszug der Physik" (1), ein Buch von Mathilde Ludendorff, liest, der kann sich möglicherweise trotz Andeutungen noch keine rechte Vorstellung machen, wie er sich die Geschichte des Erscheinens dieses Buches - und damit die Geschichte der Verbreitung desselben - vorstellen soll. Daß es nach Vorarbeiten vor allem im Frühjahr 1941 geschrieben worden ist, vor allem wohl erst nach Vortragsreisen Mathilde Ludendorffs nach Bremen, Leipzig und Berlin in den Monaten Januar bis März, und daß das Manuskript abgeschlossen worden ist am 26. Juni 1941, dem Todestag des Astrophysikers Hans Ludendorff, des Bruders von Erich Ludendorff, diese Umstände gehen aus verschiedenen Lebensdaten und dann auch aus der Widmung und dem Inhalt des Buches selbst hervor.


Abb. 1: Arnold Sommerfeld (um 1940)
"Adressen von Physikern oder Astronomen sammeln" (Oktober 1941)

Bis heute ist es bei nur einer Auflage dieses Buches geblieben. Und diese datiert bibliographisch, wo immer man derzeit schaut, auf das Jahr 1941. Im Oktober 1941 schrieb Mathilde Ludendorff an einen tatkräftigen Mitarbeiter in ihrer Anhängerschaft, an den Amtsgerichtsrat Dr. Rudolf Sand in Bad Godesberg, den sie am 15. September 1941 erst auf ihre Berghütte nach Klais eingeladen hatte, der also wohl ganz gut wusste, wovon die Rede war:
Langsam schreitet der Druck meines Werkes fort. Wichtig ist, geeignete Adressen von Physikern oder Astronomen zu sammeln, denen dieses Werk, wenn es erst gebunden sein wird, gesandt werden kann. Herzl. Grüße! Mathilde Ludendorff
Vier Monate später, am 7. Februar 1942, schreibt Frieda Stahl dann als Antwort auf einen Brief ihrer Schwester Mathilde Ludendorff an letztere:
Wie schön, dass doch wenigstens 10.000 von Deinem neuen Buch gedruckt werden können, das ist mal etwas Erfreuliches, Du fürchtetest doch schon, dass es überhaupt nicht ginge.
10.000 Exemplare "gedruckt aber das Binden wird noch lange dauern" (April 1942)

Unter dem Tutzinger Poststempel vom 18. April 1942 schreibt Mathilde Ludendorff an Dr. Sand:
Mein Werk ist gedruckt aber das Binden wird noch lange dauern.
Das Buch kommt endlich zur Auslieferung (26. Juni 1942)

Die fertigen Druckexemplare konnten dann im Juni 1942 versandt werden. In den Einleitungsworten des ersten Bandes ihres nachfolgend verfassten Buches "Wunder der Biologie" schreibt Mathilde Ludendorff im Juni 1942:
Heute ist es ein Jahr her seit ich am 26. 6. 1941 das letzte Wort am Manuskript meines jüngsten Werkes "Der Siegeszug der Physik - ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke" schrieb und nun ich wieder zur Feder greife, hat jenes Werk alle schwersten Hemmnisse des Weltkrieges nach und nach sieghaft überwunden und geht im Druck an die Mitlebenden.
Und eine Seite später:
Heute, da mein jüngstes Werk für die Mitwelt in Erscheinung tritt ...
Und noch eine Seite später:
... wenn ich gerade den Tag zum Beginn des neuen Werkes wähle, an dem dem "Der Siegeszug der Physik - ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke" seinen Weg in die Öffentlichkeit geht.
Das heißt, eigentlich müsste für das Buch das Erscheinungsjahr 1942 angegeben werden, um Missverständnisse zu vermeiden.

Ein Physik-Interessierter besucht Mathilde Ludendorff (November 1942)

Ein Günter Jänisch hat im Jahr 1952 am Institut für Psychologie der Universität Göttingen promoviert (8). Womöglich ist es dieser Günter Jänisch, der zwei Jahre zuvor eine eidesstattliche Erklärung abgegeben hat über einen Besuch bei Mathilde Ludendorff im November 1942, in der er unter anderem sagte:
Im November habe ich Frau Dr. Mathilde Ludendorff in Tutzing aufgesucht. Da ich mich als Naturwissenschaftler für eine damals erschienene Veröffentlichung Frau Dr. Ludendorffs über physikalische Fragen interessierte, nahm ich gelegentlich der Teilnahme an einem Lehrgang in der Nähe Tutzings Sonntagsurlaub, um die Autorin des Buches kennenzulernen. Obwohl ich damals ein Frau Dr. Ludendorff völlig unbekannter, einfacher Flaksoldat war, hat sie mir mit bewundernswerter und mutiger Offenheit ihre politischen Ansichten dargelegt ...
In der eidesstattlichen Erklärung geht dann im weiteren leider nur noch um die politischen Äußerungen Mathilde Ludendorffs in diesem Gespräch und einem weiteren, nicht mehr um den naturwissenschaftlichen Anlaß dieses Besuches. Die eidesstattliche Erklärung scheint auch von der irrtümlichen Annahme auszugehen, dass das Buch schon 1941 erschienen wäre, wodurch sich gewisse innere Widersprüche derselben ergeben. Auf jeden Fall zeigt auch dieser Besuch, dass das Buch ab Juni 1942 dann schnell scheint Verbreitung gefunden zu haben.
Sicher ist also, daß Exemplare ab Juni 1942 zur Auslieferung und zum Versand gekommen sind, denn sonst hätten sie nicht in die Hände jener Physiker kommen können, die sich dann von sich aus an Mathilde Ludendorff gewandt haben, wozu sie in dem Buch aufgefordert hatte. Diese Physiker erwähnt Mathilde Ludendorff dann nämlich in jenem Anhang, der an jene Druckexemplare der ersten Auflage von 1941/42 angehängt wurde, die seit 1955 zur erneuten Auslieferung gekommen sind. Dieser Anhang wurde also mit eingebunden in all jene Exemplare der ersten Auflage von 1941/42, die 1955 entweder noch nicht eingebunden waren oder neu gebunden worden sind.
Abb. 2: Eine Karte Sommerfelds (als Beispiel) (1948)
Bei diesen Physikern handelt es sich als einen der ersten um den deutschen Atomphysiker Arnold Sommerfeld (kein Jahr genannt, wohl irgendwann ab Juni 1942). Und - "lange Jahre nach der Mitteilung" von Arnold Sommerfeld - um den Schweizer Physiker, bzw. Physiko-Chemiker Rolf H. Weisser (etwa 1954/55), und den damaligen Physikstudenten Gerold Adam (1955). Den 31-seitigen Anhang von 1955 leitete Mathilde Ludendorff mit den Worten ein:
Dieses Buch wurde im zweiten Weltkrieg gedruckt. Kriegsbedingte Schwierigkeiten - die Einberufung fast aller Mitarbeiter und die überstürzte Eile, mit der das Buch heimlich gedruckt werden mußte (die erforderliche Genehmigung lag nicht vor, zudem war das Buch nicht kriegswichtig) - haben die gründliche Durchführung von Korrekturarbeiten verhindert. ...
Erst eine im April 2008 zum Verkauf angebotene Erstausgabe dieses Buches (Ebay), die noch andere bibliographische Angaben enthalten hat, als die derzeit etwa 93 bei Justbooks und 10 im Karlsruher Virtuellen Katalog bibliographierten Exemplare, gibt einem eine Vorstellung, in welcher Form ein zumindest kleinerer Teil der ersten Auflage schon 1942 und in den Folgejahren zur Auslieferung gekommen sein konnte (- obwohl offenbar die dafür erforderliche Genehmigung nicht vorgelegen hat). In diesem Angebot wurden nämlich zusätzlich zu den  sonst bezüglich dieses Buches üblichen bibliographische Angaben (siehe: 1) noch mitgeteilt:
"7. und 8. Heft der 2. Schriftenreihe"
Dieser Zusatz erscheint bedeutsam. Denn in den übrigen 100 derzeit im Netz bibliographierten Exemplaren kommt dieser Zusatz nicht vor. Dazu war ein Foto des angebotenen Exemplars mit eingestellt worden. Soweit übersehbar - das muß noch genauer geklärt werden - waren die anderen Hefte der "2. Schriftenreihe" schon im Jahr 1935 erschienen. 1942 waren schon längst Schriften im Rahmen des "Laufenden Schriftbezuges 13" zur Auslieferung gekommen. Vielleicht diente diese Angabe also sozusagen auch nur der "Tarnung".

Das Foto zeigt eine (wohl kriegsbedingte) Paperback-Ausgabe, obwohl das Buch ansonsten (seit 1955?) in der Regel in Leinen gebunden ausgeliefert worden ist. Ein Hinweis womöglich darauf, dass auch alle großen deutschen Bibliotheken dieses Buch erst nach 1955 erworben haben und nicht als Ausgabe der "Schriftenreihe".

Es mögen also vor 1955 tatsächlich nicht ausgesprochen viele Exemplare zur Auslieferung und zum Verkauf gekommen sein, womöglich insbesondere als Ansichtsexemplare an Physiker und Astronomen versandt worden sein.
Der Ludendorffs Verlag hat schon etwa seit 1935 viele seiner Schriften in Schriftenreihen herausgegeben. Als 1939 gleich nach Kriegsausbruch seine Halbmonatsschrift "Quell" aufgrund von Papierentzug durch das Propagandaministerium von Goebbels hatte eingestellt werden müssen, versuchte der Verlag den Kontakt mit der Leserschaft über diese Schriftenreihen aufrecht zu erhalten. Diese Schriftenreihen sahen vor, daß die Abonennten derselben dem Verlag pro Jahr eine bestimmte Anzahl von Einzelschriften abnahmen. Ihnen wurden auch in unregelmäßigen Abständen Rundbriefe von Mathilde Ludendorff beigelegt. Der letzte beigelegte Brief Mathilde Ludendorffs stammt aber schon - soweit bekannt - vom 9. April 1941 (6).

Der Atomphysiker Arnold Sommerfeld schreibt Mathilde Ludendorff (1942)

Obwohl nach der genannten bibliographischen Angabe auch das Buch "Siegeszug der Physik" erstmals im Rahmen einer solchen Schriftenreihe erschienen ist und das im Juni 1942 , ist es offenbar nirgendwo in damaligen Verlagsverzeichnissen und Werbeprospekten, Werbeseiten aus der Kriegszeit im Rahmen solcher "Schriftenreihen" aufgeführt worden. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass keine Druckgenehmigung vorgelegen hatte.

Der Anbieter des oben genannten seltenen Angebotes hat 2008 (neben zahlreichen Briefmarken-Sammlungen etc.) auch noch zwei weitere Hefte dieser Schriftenreihe angeboten, sowie eine in dieser Zeit erstmals erschienene Einzelschrift von Mathilde Ludendorff, nämlich die Schrift "Das Gottlied des Lebens erklingt auch in Dir" (2) (Ebay abc).

Der berühmte Münchner Atomphysiker Arnold Sommerfeld (1868-1951) starb am 26. April 1951 mit 83 Jahren. Ein Jahr später wird in „Der Quell – Zeitschrift für Geistesfreiheit“ vom 9. Juni 1952, der damaligen Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung, der Auszug aus einem Brief von Mathilde Ludendorff veröffentlicht, in dem sie über das Buch „Siegeszug der Physik“ und sein Erscheinen im Juni 1942 das folgende berichtete (S. 512f; Hervorhebung nicht im Original):
Als ich bald nach dem Erscheinen dieses Werkes ein Exemplar dem bekannten Atomphysiker Professor Sommerfeld an der Universität München (er starb vor wenigen Jahren) schickte, dessen Worte über die harmonische Schönheit der Spektrallinien ich auf Seite 207 angeführt hatte, und nach wenigen Wochen einen ausführlichen Brief von ihm erhielt, öffnete ich ihn mit der Vermutung, dass er mir eine Liste nötiger Korrekturen senden werde, und war sehr überrascht, als er seine Freude und sein Erstaunen über meine so gründlichen Kenntnisse auf dem Gebiet der Atomphysik und die Einfachheit der Übermittlung derselben an den Laien rühmte und mir sagte, dass es ihm eine Ehre sei, in dem so wichtigen Werke von mir zitiert zu sein. Aber überrascht wäre ich selbst doch keineswegs, wenn ihm die eine oder andere Berichtigung, die hier notwendig wäre, entgangen sei! -
Als ich ihn nach dem Zusammenbruch 1945 wiedersah, erzählte er mir, wie man es ihm verübelt hätte, dass er 4 Exemplare des Buches angeschafft hatte, um es unter Physikern zu verleihen, und sagte: „Sie haben sich so sehr gegen das Christentum geäußert und haben die jüdisch-orthodoxen Lehren als so unheilvoll erachtet und öffentlich genannt, die Mauern zwischen Ihren Werken und den Naturwissenschaftlern werden nicht fallen, sondern wo sie eine Bresche erfahren, sofort wieder neu vermauert.“
Mathilde Ludendorff setzt nach diesen Sommerfeld-Worten fort:
Wie wahr er sprach, darüber habe ich reichste Erfahrung!
Nach diesen Ausführungen wird es jedenfalls besser einzuordnen sein, was Mathilde Ludendorff im Anhang vom Dezember 1955 geschrieben hat (1, Anhang, S. 7):
... Es war also eine große Überraschung für mich, als die erste Äußerung der Fachwissenschaft, ein Brief des berühmten Atomphysikers Prof. Sommerfeld an der Universität in München, bei mir eintraf. Er schrieb mir nämlich in diesem Briefe, es sei ihm eine Ehre, in meinem Werk genannt worden zu sein. Er staune über die Einfachheit und Klarheit, in der ich dieses schwierige Gebiet der Atomphysik dem Laien übermittelt hätte, soweit dies für meine philosophischen Deutungen wesentlich gewesen sei. Irrtümer seien ihm nicht aufgefallen. Es mag allerdings sein, daß er nicht genügend Zeit hatte, sich sehr lange und gründlich mit meinem Buche zu befassen. 
Ob der hier angesprochene Brief noch irgendwo erhalten geblieben ist, ist scheinbar schwer zu klären. In dem "Sommerfeld-Projekt" der Deutschen Forschungsgemeinschaft, das in den Jahren 1995 bis 2000 6.100 Briefe des wissenschaftlichen Briefwechsels von Arnold Sommerfeld dokumentiert hat - und das auch im Internet zugänglich gemacht ist - wird zwar in drei Briefen Sommerfelds aus den Jahren 1918 und 1922 der Name Erich Ludendorff erwähnt und ebenso in jener Zeit in zwei Briefen an Arnold Sommerfeld. Der Name Mathilde Ludendorff taucht aber bislang nirgendwo auf (ebensowenig der Name von Kemnitz). Vielleicht hat ja irgendwann diesbezüglich noch einmal der dort eingestellte Suchaufruf Erfolg: 
Sicher befinden sich noch viele Sommerfeldbriefe in Archiven von Universitätsinstituten und privaten Nachlässen. Wir bitten um Hinweise bei der Suche nach solchen, bislang unbekannten Briefbeständen. Auch Hinweise auf einzelne Briefe Sommerfelds, Vorlesungsmitschriften oder anderes einschlägige Quellenmaterial werden dankbar entgegengenommen. Mitteilung bitte per Email: Sommerfeld@lrz.uni-muenchen.de
"Ihr Interesse freut mich!" - Ein Brief Mathilde Ludendorffs (1949)

Dieses Buch "Siegeszug der Physik" spielt auch eine Rolle in einer von Mathilde Ludendorff am 22. September 1949 auf ihrer Berghütte in Klais bei Garmisch-Partenkirchen geschriebenen Antwort auf an sie gestellte Fragen eines Herrn Emil Zimmermann aus Regensburg. Fragen zu ihrer Philosophie und ihrer Beziehung zu naturwissenschaftlichen Erkenntnissen (3). Dieser Brief ist am 31.12.2011 zum Verkauf gelangt. Es geht um Fragen zu ihrem philosophischen Buch "Schöpfungsgeschichte", das erstmals im Jahr 1923 erschienen war.

Der Poststempel auf dem zugehörigen Briefumschlag lautet auf Tutzing, den 15. Oktober 1949. Außerdem liegt dem Brief die Durchschrift einer Abschrift des Briefes auf Schreibmaschine bei. Möglicherweise hat Mathilde Ludendorff den Brief also vor dem Abschicken in Tutzing noch einmal auf Schreibmaschine abgetippt oder abtippen lassen und den Durchschlag zusammen mit dem handschriftlichen Brief geschickt. Allerdings haben sich bei  der Abschrift gegenüber dem Original einige Flüchtigkeitsfehler eingeschlichen, die auf eine Sekretärin hinweisen könnten, die schnell gearbeitet und weniger auf den Inhalt geachtet hat. Solche Schreibmaschinen-Durchschläge sind übrigens typisch für viele von Mathilde Ludendorff erhaltenen Briefe. Möglich ist allerdings auch, daß die Schreibmaschinen-Abschrift vom Empfänger angefertigt worden ist.

Daß der Brief vom Empfänger im - zum Konvolut zugehörigen - Buch "Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen" aufgehoben worden ist, ist auch denkbar. Jedenfalls wurde er vom Verkäufer beim Versand in dieses Buch eingelegt. Der Brief, der die Fragen des Empfängers enthält, ist nicht im zum Verkauf gelangten Konvolut enthalten. Natürlich könnte er sich auch noch im in Tutzing vorliegenden, erhaltenen Brief-Nachlass von Mathilde Ludendorff befinden.
Abb. 3: Mathilde Ludendorff an E. Zimmermann, Regensburg (1949)
(Aktualisierung, 23.6.14) Immerhin ist im Juni 2014 vom selben Verkäufer der Begleitbrief zu diesen Fragen zum Verkauf angeboten worden. Er lautet:
Emil Zimmermann
techn. Reichsbahn Oberinspektor
Regensburg
Margaretenau 33
Regensburg, den 20.9.1949
Sehr verehrte Frau Dr. Ludendorff!
Ermutigt durch die Beantwortung einer Frage "Ein innerer ... spruch" in den Mitteilungen aus dem religiösen Leben gestatte ich mir, Ihnen, sehr verehrte Frau Dr. Ludendorff eine Frage zu unterbreiten, die mich schon seit einiger Zeit bewegt. Ich lege die Frage als Anlage bei. Vielleicht entspringt sie einer falschen Vorstellung meinerseits.
Ich wäre sehr dankbar, wenn Sie, sehr verehrte Frau Dr. Ludendorff, zu dieser Frage Stellung nehmen würden.
In tiefer Verehrung
Abb. 3a: Emil Zimmermann an Mathilde Ludendorff, 20.9.1949
Die "Mitteilungen zum religiösen Leben" waren die Vorgängerzeitschrift des wenig später erschienenen "Der Quell - Zeitschrift für Geistesfreiheit". (Ende der Aktualisierung) Die Antwort von Mathilde Ludendorff lautet:
Klais, den 22. 9. 49
Sehr geehrter Herr Zimmermann!
In Vorarbeit zum Spruchkammerverfahren beantworte ich Ihnen kurz Ihren Brief.
1.) Die Schöpfunggeschichte gibt das intuitiv Erlebte, sie ist keine naturwissenschaftliche Kosmogonie!
2.) Sie spricht nur bei dem 2. Teile des Schwindens des Weltalls von Zeiten der einzelnen Phasen, weil dies zu dem intuitiven Erleben dieses Teiles gehörte. Wie kurz oder wie lange diese bei dem Werden der Schöpfung währten, wurde gar nicht erlebt, war also offenbar völlig unwesentlich! - Wenn z. b. der Wille zur Wahlverbindung unmittelbar nach dem Werden der ersten Elemente, welche in der äußersten Elypse nicht die Vollzahl der Elektronen besaßen (s. mein Buch "Siegeszug der Physik"), erwachte, so kann dies sehr wohl auch nach naturwissenschaftlicher Erkenntnis geschehen sein. Wenn Sie dies entsprechend auch bei anderen Phasen beachten, werden sich Ihnen viele Scheinwidersprüche lösen.
3.) Es widerspricht der Schöpfungsgeschichte keineswegs, wenn der Wille zur Vielheit sich nicht nur makrokosmisch sondern auch mikrokosmisch im Werden der Neutronen kund tat, es ward nicht als wesentlich intiutiv erlebt und wurde daher auch nicht nachträglich hinzugefügt.
4.) Ein Werden der Arten wurde das Werden der Elemente genannt, nur das ist das Tertium Komparationis zum Werden der Lebewesen.
5.) Die Astronomie erlebt heute noch, wie aus den Wasserstofflammen "Supernova" genannt allmählich Sterne aus verschiedenen Elementen werden. Hier ist also kein Widerspruch zur naturrwissenschaftlichen Erkenntnis!
6.) Der philosophischen Erkenntnis ist eine allumfassende Einheit der Erscheinung ebenso wenig unmöglich wie eine Wirkung des Kausalgesetzes in ihr. Nur sind dies dem Naturwissenschaftler ungewohnte Tatsachen!
Ihr Interesse freut mich!
Mit bestem Gruß
Dr. M. Ludendorff
Abb. 4: ML an E. Zimmermann, 1949
Mit "Tertium comparationis" (Wiki) wird die Gemeinsamkeit zweier verschiedener, miteinander zu vergleichender Gegenstände oder Sachverhalte bezeichnet. Ein Beispiel: „Ein Kind wie ein Wirbelwind.“ Das tertium comparationis ist „Ungestümheit“. "Kosmogonie" bezeichnet Erklärungsmodelle zur Weltentstehung. Sie können mythisch oder rational sein.

Für denjenigen, der die Inhalte der Bücher "Schöpfunggeschichte" und "Siegeszug der Physik" ein wenig kennt, sind die Inhalte dieses Briefes gedanklich grundsätzlich nachvollziehbar, auch wenn man die Fragen, auf die Mathilde Ludendorff hier antwortet, noch nicht bekannt sind.

Dieser Brief reiht sich in die naturwissenschaftlichen Eröterungen ein, die dann vor allem in den 1950er Jahren in der Ludendorff-Bewegung immer größeren Umfang angenommen haben, und die an anderer Stelle noch einmal in einem größeren Zusammenhang darzustellen sind.

Dieser Beitrag kann zunächst nur in einer "einleitenden" Form auf diese weithin unbearbeitete Thematik hinweisen.*)

Dezember 1955 - Der Anhang zu „Siegeszug der Physik“ erscheint

Abb. 5: Maschinen-Abschrift des Briefes
Von den 1942 gedruckten 10.000 Exemplaren scheinen bis zum Jahr 1955 9.000 Exemplare zum Verkauf gekommen zu sein. In der Quell-Folge vom 9. Dezember 1955 bringt Mathilde Ludendorff nämlich einen Zeitungsbericht über die Entdeckung des Antiprotons. Und daran anschließend schreibt sie über ihr Buch „Siegeszug der Physik“ (7):
Die Zeilen, die ich hier für unsere Leser veröffentlicht habe, werde ich noch dem neuen Anhang an dieses Werk einfügen. Er wird dem zehnten Tausend der Auflage des Werkes, das noch in Druckbogen fertig vorliegt, nach Weihnachten angefügt. Er enthält eine Reihe Erweiterungen, ferner die Korrektur sinnstörender Druckfehler und endlich die Ergänzungen und Richtigstellungen eines ausländischen Wissenschaftlers, der sie mir dankenswerter Weise zur Veröffentlichung in meinem Werk zur Verfügung gestellt hat.
Da bei der zweiten Hochschultagung in der Osterwoche 1956 das Studium des Werkes „Der Siegeszug der Physik“ und der beiden Bände „Wunder der Biologie“ Voraussetzung ist, um der Hochschultagung folgen zu können, wird es gut sein, von dieser Erweiterung des Werkes schon jetzt Kenntnis zu haben.
Hier ist noch nicht von den Korrekturen von Gerold Adam die Rede, die schließlich auch noch im Anhang veröffentlicht wurden und zu denen Mathilde Ludendorff schreibt:
Während der Korrektur dieser Fahnen gingen mir auch noch einige Stellungnahmen des Atomphysikers G. Adam zu. Ich sandte sie Herrn Dr. Weisser nach der Schweiz zur Überprüfung und lasse aus ihnen das noch hier folgen, was durch seine Abhandlung noch nicht gesagt ist. Auch diese Ergänzung des Anhangs beweist dem Leser, wie schwierig das ganze Gebiet für den Laien ist und wie die philosophische Sinndeutung, vom Wesen der Erscheinung aus erschaut, vor Fehlschlüssen bewahrt bliebt. Auch diesem Atomphysiker danke ich für die Ergänzungen.
Übrigens mag die Tatsache, dass Mathilde Ludendorff den damaligen Physikstudenten Gerold Adam einen "Atomphysiker" nennt, darauf hinweisen, dass ihr zu diesem Zeitpunkt nur wenig zu seiner Person bekannt gewesen sein mag. 
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Abb.6
Abb.7
*) Ergänzung: Daß sich manche Freunde der Philosophie und Psychologie von Mathilde Ludendorff sehr gründlich mit ihren Werken auseinandergesetzt haben, kann den Exzerpten entnommen werden, die vom gleichen Verkäufer zum Verkauf angeboten werden, der schon den oben behandelten Brief angeboten hatte (4; Abb. 6 - 8).

Ob es sich bei dem Verfasser dieser etwa 20 Seiten Exzerpte ebenfalls um jenen Reichsbahn-Oberinspekteur Emil Zimmermann aus Regensburg handelte, den Empfänger des behandelten Briefes von Mathilde Ludendorff, kann der Verkäufer, der zugleich viele weitere Bücher aus dem Ludendorffs-Verlag zum Verkauf anbietet, die auf seinem Dachboden lagen, nicht sagen. Evtl. stammt aber alles aus demselben Nachlaß.

In den Exzerpten ist der Aufbau der Seele als Wille behandelt, wie ihn Mathilde Ludendorff in dem Buch "Des Menschen Seele" darstellt (Abb. 6, 7). Und es wird auch die "Schöpfung des sterbefähigen Einzelwesens" behandelt, wie es wohl in ihrem Buch "Schöpfungsgeschichte" dargestellt ist. Im Zusammenhang mit dem letzteren Thema steht da zum Beispiel der Satz (Abb. 8):
"Jede bisherige Willensoffenbarung erfüllte die unermeßlichen Räume des Weltalls. Nun versklavt sich das Wesen aller Erscheinung dem Raum, es bescheidet sich, eine Willensenthüllung nur in einem Einzelwesen, einem kleinsten Bruchteil des Weltalls, gültig sein zu lassen."
Abb.8
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  1. Ludendorff, Mathilde (Dr. med. v. Kemnitz): Der Siegeszug der Physik. Ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke. Ludendorffs Verlag GmbH, München 1941 (263 Seiten) (Google Bücher) (mit einem Anhang aus dem Jahr 1955, 31 Seiten) 
  2. Ludendorff, Mathilde: Das Gottlied des Lebens erklingt auch Dir. Ludendorffs Verlag, München 1940 (31 S.) (Laufender Schriftbezug 11, Heft 2); 2. neugestaltete u. ergänzte Auflage. Verlag Hohe Warte, Pähl 1953 (31 S.)
  3. sacu24"Konvolut General Ludendorff, orginaler Brief der Frau, Hindenburg + Ehrenbuch". Auf: Ebay, zum 31.12.2011 
  4. sacu24: "Konvolut General Ludendorff, Skizzen handgeschrieben, Versailles, Bücher selten". Auf Ebay, zum 10.02.2012
  5. Ludendorff, Mathilde: Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke. 1. Band, Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1950
  6. Bading, Ingo: Kriegsbriefe Mathilde Ludendorffs. Seit Jahrzehten ungetane Arbeiten des Ludendorff-Archives. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 29. Januar 2013 
  7. Ludendorff, Mathilde: Ein weiterer Schritt zum Siegeszug der Physik. In: Der Quell, Folge 23, 9.12.1955, S. 1081f
  8. Jänisch, Günter: Die Stellung von sthenisch und asthenisch in den verschiedenen Typologien. Institut für Psychologie, Universität Göttingen 1952

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