Sonntag, 8. Januar 2012

Erich Ludendorff in wenig bekannten Photographien der Jahre 1922 bis 1925

Erich Ludendorff als nationaler Heros - Ansprachen vor Hunderttausenden auf Fliegergedenktagen und zu anderen Anlässen

Im Internet stößt man immer häufiger auf vergleichsweise seltene oder selten anmutende Photographien von Erich Ludendorff. Unter anderem auf Wiki Commons aber ebenso auch unter diversen Postkarten-Angeboten und ähnlichem, so daß man veranlaßt ist, diese einmal in einer Zusammenschau zusammenzustellen.

In Erfurt (Ostern 1922)

Der Historiker Walter Frank erinnerte sich an eine persönliche Begegnung mit Erich Ludendorff zu Ostern 1922 auf einer nationalen Veranstaltung in Erfurt (siehe anderer Beitrag hier auf dem Blog). Vielleicht steht damit in Zusammenhang auch der Besuch Erich Ludendorffs in Eisenach, der in folgender Fotografie (Abb. 1 und 2) dokumentiert ist.

Auf einem Reit- und Fahrturnier in Eisenach im Mai 1922

Abb. 1: Auf einem Reit- und Fahrturnier in Eisenach, 6./7. Mai 1922, Postkarte (Ausschnitt von Abb. 2) (1)
Auch "der Pferdesport boomt Mitte der 20er Jahre wie nie zuvor und wird immer beliebter bei der Bevölkerung." (6) Am 6. Mai 1922 besuchte Erich Ludendorff das Reit- und Fahrturnier in Eisenach, wie einer Postkarte entnommen werden kann, die im Internet angeboten ist, was aber in seinen Lebenserinnerungen - wie so vieles - gar nicht erwähnt ist. Auf der Rückseite dieser Postkarte stehen handschriftlich die Namen:
Ilse, Frau Lindemann, Ludendorff, Frau Bartel, Münck, Frau Sottsch, Frau Köstein.
Was diese Gruppe von Menschen, von denen offenbar keiner in Ludendorffs Lebenserinnerungen erwähnt wird, miteinander verband, muss zunächst offen bleiben. 1913 hatte in Eisenach der erste der "Deutschen Tage" stattgefunden. Vielleicht wurde auch dieses Reit- und Fahrturnier des Jahres 1922 - wie auch die Fliegergedenktage jener Zeit - von der Öffentlichkeit als bedeutendes nationales Ereignis empfunden, zu denen die Menschen zu Tausenden und Zehntausenden strömten und zu denen Leute wie Ludendorff als Ehrengäste geladen wurden. Derzeit finden sich zur Geschichte des Reitsports in Deutschland, geschweige denn auf regionaler Ebene, außerordentlich wenige Angaben im Internet. Dass auch der Reitsport - ebenso wie der Flugsport - in den frühen 1920er Jahren als ein Sport mit "nationaler Bedeutung" empfunden wurde, wird unter anderem deutlich anhand der Biographie des  Olympiameisters von 1928 Carl-Friedrich von Langen (1887-1934) (6), über den 1936 der Bestseller "... reitet für Deutschland" von Clemes Laar veröffentlicht wurde. Dieser wurde schließlich 1941 prominent verfilmt.
Abb. 2: Auf dem Reit- und Fahrturnier in Eisenach, 6./7. Mai 1922, Postkarte (1)
Auch der viel gelesene Roman "Meines Vaters Pferde" von Clemens Laar, der 1950 veröffentlicht wurde, und den der Autor dieser Zeilen noch in seiner Jugend (von seiner typischen märkischen "Kartoffeln mit Stippe"-Oma, einer bis an ihr Lebensende Pferde-begeisterten Bäuerin [1910-1983]), geschenkt bekommen hatte, sollte seiner Intention nach eine Ermutigung der Leser nach den schweren Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges darstellen. Sein Inhalt: Durch die Erinnerungen seines lebensfrohen Vaters, eines kaiserlichen Offiziers und leidenschaftlichen Reiters, wird ein in den Endtagen des Zweiten Weltkrieges lebensbedrohlich kriegsverletzter junger Panzersoldat, der zugleich mit seiner Verletzung allen Lebenswillen verloren hat, nach und nach wieder gesund.

Auf einer Regimentsfeier in Goslar (Juni 1922)

Mitte Juni 1922 weilte Erich Ludendorff in Goslar.

Abb. 3: Erich Ludendorff auf der Regimentsfeier des Vereins "Ehemalige 165er" in Goslar, 17./18. Juni 1922
Schon im Jahr 1919 hatten die Ehemaligen des Infanterie-Regiments 165 in Goslar aus Anlass ihrer Regimentsfeier eine Anfrage an Erich Ludendorff gerichtet (siehe anderer Beitrag hier auf dem Blog). Am 17. und 18. Juni 1922 kam Erich Ludendorff nun nach Goslar aus dem Anlass einer solchen Feier. Über Goslar wird berichtet:
Der nun jährlich stattfindende Jägertag wurde in den Folgejahren zweimal verboten und konnte dreimal aus wirtschaftlichen Gründen nicht stattfinden.
Abb. 4: Erich Ludendorff auf der Regimentsfeier des Vereins "Ehemalige 165er" in Goslar, 17./18. Juni 1922
Von dieser Feier sind hier drei historische Fotografien eingestellt (Abb. 3-5). Die Abbildungen 3 und 4 sind auch im ersten Band der Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs (für die Jahre 1919-1925) enthalten (3, S. 161, 176).

Abb. 5: "Regimentstag Ehemaliger des 5. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 165 in Goslar 1922"
Das schon 1919 geplante Denkmal für die gefallenen Goslarer Jäger am Thomaswall in Goslar wurde erst am 19. September 1926 eingeweiht.

450-Jahr Feier der Universität München (24. Juni 1922)

Am 24. Juni fand die 450-Jahr-Feier der Universität München statt, an der auch Erich Ludendorff teilnahm. Es war der Tag der Ermordung Walter Rathenaus und dies ist deshalb eine der wenigen Veranstaltungen des Jahres 1922, deren Teilnahme er in seinen Lebenserinnerungen erwähnt (3, S. 208f). Über die Sitzordnung wird berichtet (8, S. 482):
Die weitere Anordnung zeigte deutlich die Betonung der alten Eliten, da gleichberechtigt zum bayerischen Ministerpräsidenten, Graf Lerchenfeld, der links vom Rektor ging, auf der rechten Seite Kronprinz Rupprecht seinen Platz hatte. Eine Selbstverständlichkeit war es zudem, dass die Generäle Ludendorff, Möhl und Bothmer neben dem Regierungspräsidenten Ritter v. Kahr nicht fehlen durften. Ein weiteres Indiz für die konservativ-reaktionär ausgerichtete Veranstaltung lässt sich in der Ausschmückung der Universität im Lichthof mit den Fahnen des „alten Reiches“ greifen, während sich die Universitätsleitung beim Außengebäude „diplomatisch“ für weiß-blau entschieden hatte. Die Fahne der Weimarer Republik fand auf einer solchen Veranstaltung hingegen keinen Platz. Auch die Festrede, die der damalige Rektor Erich von Drygalski (1865-1949) hielt, spiegelte diese politische Ausrichtung der Veranstaltung.
Weiter heißt es (ebd., S. 486):
Bezeichnenderweise wurde der Festkommers auch nicht abgebrochen, als nach der Rede des Rektors die Ermordung von Reichsaußenminister Walther Rathenau bekannt wurde. Allein der bayerische Kultusminister Franz Matt bezeichnete die Tat als „frevelhaftes Verbrechen“, verurteilte den „Meuchelmord“ als zulässige Waffe im politischen Kampf und ermahnte dann die Studenten, bei der „Betätigung ihrer so schätzenswerten vaterländischen Gesinnung“ Besonnenheit zu bewahren. Trotzdem sei, wie ein Artikel in einer Brüssler Zeitung überspitzt formulierte, die „fête pangermaniste“ fröhlich weitergegangen. Auch wurde darin die Teilnahme des Kronprinzen, des Generals Erich Ludendorff und des Ritters von Kahr als „provocations pangermanistes“ angeprangert.
Erich Ludendorff gibt hierüber folgenden, recht bemerkenswerten Bericht (3, S. 208):
Am 24.6. wurde in München die Feier des 450jährigen Bestehens der Universität begangen. Eine große Zahl von Ehrengästen war geladen. Der Rektor magnificus, der Geograph Professor Dr. v. Drygalski, hielt die Festrede. Während der Feier erhielt der Kronprinz Rupprecht ein Telegramm. Es enthielt die Nachricht von der Ermordung Walter Rathenaus. Der Kronprinz beugte sich zu mir herüber, gleichsam, als wollte er damit andeuten, ich wisse davon. Nun, ich wusste nichts davon.
Erich Ludendorff deutet diese Szene psychologisch dann weiter nicht aus (politisch allerdings schon). Aber was würde sie denn bedeuten, wenn sie wahr wäre? Sie würde nicht nicht weniger bedeuten, als dass der Kronprinz Rupprecht die Ermordung gut geheißen hat. Dass er ein solches Gut-Heißen auch bei Erich Ludendorff vorausgesetzt hat, mag hier nicht entscheidend sein. Wäre Kronprinz Rupprecht aber über die Ermordung empört gewesen, hätte er ja - offenbar - in ganz anderer Weise reagieren müssen. Erich Ludendorff meint in weiteren Ausführungen dann, dass die Ermordung Rathenau's im katholischen Interesse gelegen hätte.

Es klang schon eine Sympathie des Erich von Drygalski (1865-1949) mit Erich Ludendorff an. er war gleichen Jahrgangs wie Ludendorff und 1901 bis 1903 der Leiter der ersten deutschen Antarktis-Expedition gewesen. In der Wissenschaftsgeschichte ist man sich bewusst, dass man damals als Historiker das Selbstverständnis hatte, unmittelbar auf das politische Leben der Nation Einfluss nehmen zu wollen und als Beispiel dafür wird angeführt (Winifried Schulze, 2010, S. 40, GB):
So lud die Münchner Universität 1922, zum 450. Jahrestag ihrer Gründung, General Ludendorff als Ehrengast ein, und Rektor Erich von Drygalski weigerte sich, das Universitätsgebäude mit dem Schwarz-Rot-Gold der Republik schmücken zu lassen.
Die 450-Jahr-Feier scheint aber nicht der einzige Anlass gewesen zu sein, der von Drygalski mit Erich Ludendorff zusammen brachte. Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen über die völkischen Verbände in Bayern in den Jahren 1922 und 1923 (3, S. 201):
Es würde jedoch zu weit führen, wenn ich der Einzelheiten und der verschiedenen Veranstaltungen und Sonnwendfeiern gedenken würde, die ich von München aus mitmachte. Ich möchte für 1923 nur der Zusammenkunft des Bundes "Oberland" auf der alten Burg Hoheneck des Herrn Verlagsbesitzers Lehmann in Franken, unweit Nürnberg, gedenken, wo "Oberland" eine Schulungstagung abhielt. Damals führte mich auch Herr Hauptmann Heiß auf einer Autofahrt durch die schöne fränkische Landschaft, um verschiedene Teile seiner "Reichsflagge" zu begrüßen.
Von der Schulungstagung auf Burg Hoheneck gibt es nun auch den folgenden Bericht in den Erinnerungen des einflussreichen, okkultgläubigen, nationalsozialistischen Politikberaters Karl Haushofer, der von politisch einflußreichen Okkultgesellschaften in Japan 1937 öffentlich im deutschen Rundfunk sprach (siehe Beiträge über Haushofer auf "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!"). Dieser Haushofer nun berichtet (Hans Adolf Jacobsen, 1979, S. 212, GB):
Mein inneres Verhältnis zu Ludendorff, den ich gut gekannt und viel gesehen habe, litt darunter, dass ich ihn nie für den großen Mann halten konnte, als der er sich selber vorkam, und vor allem seine zweite Frau nicht ernst zu nehmen vermochte. Zum wirklich großen Mann fehlten mir die Herzenswerte, die nach meinen kriegsgeschichtlichen Erfahrungen wesentlich für wirkliche Menschengröße, auch bei den großen "Raubtieren" der Weltgeschichte, waren, und der Herzenstakt, der vielleicht auch schwer aus seinem typisch ostelbischen Wesen Ausdruck fand. Vieles schien mir mehr Gusseisen als Stahl ... Zwei kennzeichnende persönliche Beobachtungen gaben mir ein gemeinsamer Aufenthalt auf Schloss Hoheneck im Aischgrund, wo wir als Ehrengäste des Bundes Oberland bei Weber und seinem Schwiegervater waren, und wo man sehr aufeinander angewiesen war und ein Abend in München mit österreichischen Kameraden zusammen, der gerade auf den Friedrichstag fiel.
Der Tierarzt Friedrich Weber (1892-1955) war der Leiter des Bundes Oberland und Schwiegersohn des damals bedeutenden völkischen Verlegers Julius Friedrich Lehmann (1864-1935). Lehmann hatte die Burg Hoheneck 1921 erworben und sie "nationalen Schulungen" zur Verfügung gestellt. Karl Haushofer weiter (Hans Adolf Jacobsen, 1979, S. 212f, GB):
In Hoheneck mussten wir zunächst einmal eine schwere Schelte des Schlossherrn mit über uns ergehen lassen, die einen Rudel junger Oberlandler traf.
Am Anreiseabend hätten diese, so Haushofer, zu viel Alkohol getrunken und im Suff das Schloss verunreinigt, ...
.... was der grimmige alte Antialkoholiker Lehmann mit Missfallen gehört hatte, und am Morgen zu einer scharfen, wie es schien, wohlverdienten Gardinenpredigt ausnützte. Diese Kapuzinerpredigt prasselte nun auch auf Ludendorff, seinen Begleiter, Drygalski, und mich herunter, und ich höre noch im Ohr die halblaut, aber weithin verständlich gemurmelte Beschwerde Ludendorffs in meinen Ohren: "Weshalb schilt er mich denn; ich habe ihm jarnischt jetan." Die Beschwerde wurde zuletzt so laut, dass es Lehmann jählings zum ... (...). Ebenso ging es am Friedrichstag. Da war eine Abordnung des tapferen alten Salzburger Rainer-Regiments gekommen, die einen Fahnenspruch vom ....
(zitiert hier bisher nur nach Google-Bücher-Ausschnitten). Dieser Bericht Haushofers, der als okkultgläubiger Hetzer zu jenem Zweiten Weltkrieg, vor dem Erich Ludendorff immer wieder gewarnt hatte, Ludendorff in tiefster innerer Gegnerschaft gegenüber stehen musste, wirkt im Tenor sehr unglaubwürdig. Hat Erich Ludendorff zum Beispiel jemals "berlinert"? Und kann man sich vorstellen, dass Ludendorff so reagiert hat? Ludendorff berichtet ja vielmehr selbst in seinen 1940 veröffentlichten Erinnerungen, dass er schon in dieser Zeit aufgrund eines Besuches von Emil Kraepelin ebenfalls zu einem Gegner des Alkohols geworden war (3, S. 180f). An anderer Stelle wird berichtet (1986, S. 76, GB):
Und der rechtsradikale Hochschulring schloss sich, als Drygalski, der Professorengeneral Haushofer und Ludendorff alle drei zusammen als Ehrengäste und Festredner beim bayerischen Wehrverband Oberland auf Schloss Hoheneck ...
(Mehr dazu vielleicht auch in: Thomas Greif: Frankens braune Wallfahrt. Der Hesselberg im Dritten Reich. Selbstverlag des Historischen Vereins für Mittelfranken, 2007, 630 S., GB, wo es S. 65 heißt: "... benachbarten Staatswald schritt der inzwischen eingetroffene General Erich Ludendorff die etwa 250 angereisten Männer im Burghof ab. Beim sonntäglichen Feldgottesdienst im Burghof predigte der Ipsheimer Pfarrer Oskar Döderlein über das Thema 'Vaterlandsliebe' und weihte anschließend die Fahnen. Nach einer Ansprache Ludendorffs wurde das Heilige Abendmahl gereicht. Ein Foto - aufgenommen wahrscheinlich bei gleicher Gelegenheit ...")

"Tage Deutscher Begeisterung" - Hindenburg-Tag in München (21./22. August 1922)

Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen über seine Sorgen im Jahr 1922 bezüglich einer Abtrennung Bayerns vom übrigen Deutschen Reich (3, S. 212):
Ich begrüßte es deshalb, dass sich die Kreise um Herrn v. Kahr entschlossen hatten, den General v. Hindenburg zu einem Besuch nach Bayern einzuladen. Er sollte in München feierlich empfangen werden und dann einige Wochen in Dietramszell bei einer Familie v. Schilcher Aufenthalt nehmen. Das Ziel, das Herr v. Kahr mit der Einladung verfolgte, war die Stärkung des wittelsbachisch-monarchischen Gedankens in Bayern, ja, in ganz Deutschland. Das steht heute in mir fest, damals glaubte ich, es gälte noch der Stärkung des Deutschen Gedankens gegenüber separatistischen Umtrieben. Darum begrüßte ich das Kommen des Generals v. Hindenburg. In der Tat waren die Tage des Aufenthaltes des Generals v. Hindenburg in München - der 21. und 22. 8. wirklich Tage Deutscher Begeisterung, mich „traf sogar ein Teil der Begeisterung“, recht zum Leidwesen meiner sogenannten Freunde in der bayerischen Generalität, die sich bemühten, General v. Hindenburg allein der Bevölkerung zu „präsentieren“. 
Abb. 6: Hindenburg bei der Ansprache an die Reichswehr vor der Akademie der Künste, hinter ihm Ludendorff, 21.8.1922, 11 Uhr
Prinz Albert Hindenburg, Ludendorff und Krafft von Delmensingen sind auf einer Fotografie (Abb. 7) zu erkennen.

Abb. 7: Hindenburg, Ludendorff, 21. August 1922 in München
Diese Fotografie ist auch im Bildarchiv der Süddt. Ztg. enthalten. Offenbar wurden Kaiser Wilhelm II. in den Niederlanden Fotografien von diesen Feierlichkeiten in München zugesandt, die er sich aufgehoben hat. In seiner erhaltenen Fotosammlung (Haus Doorn) finden sich jedenfalls mehrere Fotografien von diesem Hindenburg-Tag (Ludendorff mit Fahnen im Künstlerhaus; auf der Treppe, sowie: "Exz. Ludendorff und Exz. v. Kahr bei der Abfahrt" nach dem Besuch der Feierlichkeiten im Künstlerhaus in München). Außerdem entstand an diesem Tag auch eine Portraitfotografie von Erich Ludendorff in Zivil bei dem Münchner Fotografen M. Obergassner, die sich in der Fotosammlung des Haus Doorn findet.

Abb. 7a: Erich Ludendorff am Hindenburg-Tag, den 21. August 1922 in München
(Diese Fotografie gibt es auch koloriert [s. Klimbim].)

Im Oktober 1922 nahm Erich Ludendorff wieder an dem Treffen der Max-Josef-Ordens-Ritter teil (3, S. 147).

19. November 1922 - Ein Assistent des US-Militärattaché's in Berlin besucht Ludendorff in München


Der US-amerikanische Militärattaché in Berlin sandte seinen Assistenten Truman Smith (Wiki) nach München zur Beobachtung der dortigen völkischen Bewegung. Am 19. November 1922 besuchte dieser Erich Ludendorff. Er fasste das Gespräch mit Ludendorff danach folgendermaßen zusammen (zit. . Berlin Alert - The Memoirs and Reports of Truman Smith. Hoover Press 1984, S. 57 - siehe Google Bücher):
I called Ludendorff at his home in the Heydeman Strasse. He gave me his political views. There are as follows:
1. Germany is sick from Marxism.
2. The war with Russia continues in a propagandistic form.
3. The Soviet propaganda feeds Marxism in Germany and prevents the German people from regaining their political health in a national sense.
4. Ludendorff had formerly believed that bolshevism had first to be stamped out in Russia, before it could be crushed in Germany. He has now changed his mind and thinks that bolshevism must first be crushed in Germany.
5. If Marxist bolshevism continues ist victorious way, England, France, and America will successively fall victim to it.
6. All Allied countries have an interest in taking up the fight against bolshevism. Germany will be the battleground of these struggling forces in the coming years.
7. The Allies must support a strong German government capable of combating Marxism.
8. There is no possibility that a strong government will develop out of the existing chaotic parliamentary conditions in Germany.
9. A strong national government in Germany can only be formed by patriotic men.
10. Such a strong national government must have adequate armed forces behind it.
11. The officers of the Reichswehr have done wonders, but the imposed twelve-year term in service is a great hindrance (Both noncommissioned officers and men are required by the Versailles treaty to serve twelve years.)
12. The twelve-year term of service must be reduced and the left (western) bank of the Rhine evacuated by the Allies, if a national government is to have a real chance of establishing itself in Germany.
13. It is quite proper that Germany should rebuild northern France, devastated during the war.
Ob Ludendorff das tatsächlich so gesagt verkürzt hat? Weiter:
14. Europe will go to ground unless France and Germany can come to some understanding. This is difficult for both, as there is still so much war feeling in each country. Ludendorff will throw (into the scales) the whole weight of his personality, prestige, and influence in German nationalistic circles in order to bring about an understanding with France.
Rund um den Hitler-Ludendorff-Putsch ein Jahr später in München und auch noch später rund um das Jahr 1933 gab es viele Gerüchte über eine Zusammenarbeit von deutschen Nationalsozialisten und Nationalisten mit dem französischen Geheimdienst. Wurde hier ausgelotet, inwieweit auch Ludendorff für eine solche Zusammenarbeit zu nutzen wäre? Weiter:
15. The English military strength is now weaker than ever before. Germany would be foolish to pin her faith longer on England.
16. The Facist movement is the beginning of a reactionary awakening in Europe.
17. Ludendorff believes that Mussolini has real sympathy for the national cause in Germany. He does not believe that the Tyrolean question is of any real importance. He has learned that a compromise between Germany and Italian point of view will be found by Mussolini, who intends to order the autonomy of all Italian provinces.
Auch das klingt nicht sehr "Ludendorfffisch". Weiter:
18. America must undertand tha only a strong national government in Germany can preserve the country from chaos and insure reparations being paid to the Allies.
Man gewinnt den Eindruck, dass dies zum Teil sehr eigenwillige "Interpretationen" der tatsächlichen Stellungnahmen von Erich Ludendorff gewesen sind. Insgesamt klingt all das nicht sehr authentisch. (Truman Smith sollte später - 1937 - eine größere Rolle spielen im Zusammenhang mit den Deutschland-Besuchen von Charles Lindbergh.)


Fliegergedenktag auf der Wasserkuppe in der Rhön, Herbst 1923

Abb. 8: Mit Großadmiral Heinrich Prinz von Preußen "ca. 1926" (Wiki) - wahrscheinlich 1923 auf der Wasserkuppe (siehe Text)


Auf der Wasserkuppe in der Rhön auf dem berühmten Segelflugplatz, befindet sich das Fliegerdenkmal, bekrönt von einem Adler (s. Foto links). Dieser Adler war ursprünglich - offenbar schon vor dem Ersten Weltkrieg - für einen ganz anderen Zweck, eine Toreinfahrt, geschaffen worden. Aus Sicht der Kunstgeschichte gilt dieser Adler als "das Urbild aller nationalsozialistischen Adler":
„Das Urbild aller nationalsozialistischen Adler mit allen Paraphernalia des Raubtiers, seiner wehrhaften Schönheit und seiner diskret unter seinem wohlig gespannten Gefieder verborgenen Energie. Angesichts des Klimas vor dem Ersten Weltkrieg ein nicht mehr unschuldiges Symbol monumental zur Schau gestellten Machtbewusstseins und dennoch ein Werk, das wegen seiner Originalität Respekt abnötigt. Es ist – allein von seinem Format her – mehr als eine bildhauerische Skizze tierischen Seins und Verhaltens, aber es hütet sich, jede anthropomorphe Parallele über das naturalistische Maß hinaus zu strapazieren. Die Sinnbelastung ergibt sich aus der Heraldik: Die Nähe zum Wappentier des Deutschen Reiches ist in dieser Größe nicht mehr zu übersehen; das wartende Spähen zu sehr auf die geopolitische Einsamkeit des Reiches zu beziehen, die irrtümlicherweise noch als aussichtsreich galt….“
Unter dieser Adlerskulptur wurde eine Bronzetafel angebracht (siehe Foto rechts), die ebenfalls die Einsamkeit des Fliegers heraushebt:
Wir toten Flieger bleiben Sieger durch uns allein. Volk, flieg du wieder und du wirst Sieger durch dich allein.
Dieses Fliegerdenkmal wurde am "Fliegergedenktag" des 31. August 1923, an dem auch ein Segelflieger-Wettbewerb stattfand, unter der Teilnahme von 100.000 Menschen eingeweiht. Darüber heißt es in einer heimatkundlichen Veröffentlichung (4):
Unvorstellbar ist es uns heute, wie damals eine derartige Menschenmenge aus allen Teilen Deutschlands zur Einweihung in die entlegene (...) Rhön gekommen ist. (...) Seit dem frühen Morgen strömen die Menschenmassen zur Wasserkuppe. (...)
100.000 Menschen wohnten der Feierstunde auf der Wasserkuppe bei. Zu den meist beachteten Gästen zählte der Bruder des ehemaligen Deutschen Kaisers Wilhelm II., der flugbegeisterte Prinz Heinrich von Preußen. (...) General Ludendorff. (...) Felix Graf Luckner, der "Seeteufel". (...) Man zählte insgesamt 34 Pour-le-merite-Flieger.
1923 leidet Deutschland noch immer unter den Folgen des verlorenen Ersten Weltkriegs. (...) In dieser Zeit wirtschaftlicher Depression und politischer Instabilität sehen die Teilnehmer der Denkmals-Einweihung auf der Wasserkuppe ihre Anwesenheit als stillschweigenden Protest gegen die im Vertrag von Versailles (...) ausgesprochenen Flugbeschränkungen gegen Deutschland. 
Während der Feier gab es auf dem Berg einen Sturm. Die Worte der Weiherede von Seiten des Vorsitzenden des deutschen "Ringes der Flieger", General von Eberhardt, nahmen bildlich vorweg, was die Teilnehmer des "Deutschen Tages" in Nürnberg einen Tag später, am 1. und 2. September 1923 tatsächlich erleben sollte, nämlich einen in den Lüften kreisenden Adler, der nach Westen zog (Stud. Nat. 11/2015). Sie lauteten unter anderem (4): 

"Wie der Basalt des Denkmals in deutschem Boden wurzelt, so soll unsere Kraft in deutschem Boden wurzeln. Und eigene deutsche Kraft wird es sein, die alle Fesseln, die Schmach und Schande, die Not und Elend uns angelegt haben, wieder sprengen wird. Nach Westen blickt der Adler. Er weist uns den Weg, den wir gehen müssen. Die Inschrift des Denkmals sei unser Wahlspruch." (...) Für den erkrankten Schirmherren, den Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg, ergriff jetzt sein Vertreter das Wort.
Die Worte Erich Ludendorffs aus diesem Anlass sind zunächst nicht zu ermitteln. Weiter wird berichtet:
Die Schleife des Kranzes vom Bund der Jagdflieger trug den Vers: "Adler, Du halte Wacht! Um uns ist Schande und Nacht. Siehe dort hinter dem Rhein schlummert der Brüder Gebein bis einst der Morgen erwacht. Adler Du, halte die Wacht!" (...) Die Prominenz begab sich nun zur Besichtigung des Segelfliegerlagers. (...) "Der Fliegertag in der Rhön wird allen Teilnehmern unvergesslich bleiben."
Bei der Besichtigung des Segelflieger-Lagers wird auch das folgende Foto entstanden sein (Abb. 9).

Abb. 9: Mit Segelflug-Langstrecken-Weltrekord-Flieger A. Martens auf der Wasserkuppe, Herbst 1923 (G. Pahl, Wiki)
Der damalige Langstrecken-Weltrekordhalter im Segelflug Arthur Martens (1897-1937) (auch "Arthur Marthens") (auf Wikipedia derzeit fälschlich "Marteus") zeigt in die Ferne und erläutert Erich Ludendorff die Strecke eines solchen Fluges. 

Als Reichstagsabgeordneter im Mai 1924

Am 4. Mai fand die Reichstagswahl statt. Die Teilnahme Ludendorffs am "Deutschen Tag" in Halle, eine Woche später, am 11. Mai 1924, ist schon in einem anderen Beitrag hier auf diesem Blog behandelt worden. Zwei Wochen später trat dann der neue Deutsche Reichstag zusammen.

Abb. 10: Nach der ersten Reichstagssitzung Ende Mai 1924 (Wiki)
Die zeitgenössische Erläuterung von Abb. 10 lautet:
"Die Eröffnungssitzung des neuen Reichstages in Berlin im Mai 1924. General Ludendorf wird nach der Sitzung stürmisch begrüsst."
Erich Ludendorff sitzt im Auto hinten links, am Straßenrand jubelnde Bevölkerung, im Hintergrund Fotografen. Wie Erich Ludendorff laut seiner Lebenserinnerungen diese Zeit erlebte - er verabscheute das parlamentarische Treiben und konnte eine innere Einigung der Fraktion der Nationalsozialistischen Freiheitspartei nicht erreichen - sei hier nur kurz angedeutet (3, S. 335):
Die Wahl am 4. Mai war ein voller Erfolg für die völkische Bewegung. Ich wohnte der Verkündung der Wahlergebnisse im Bürgerbräukeller bei - es herrschte dort ein großer Jubel. Zweiunddreißig Abgeordnete zogen in den Reichstag ein. (...) Ende Mai traten die völkischen Abgeordneten im Reichstag zusammen. Hiermit beginnt der parlamentarische Leidensweg für mich. Ich mußte sehr bald erkennen, daß alle Versuche, die einzelnen Gruppen einander zu nähern, durch offen auftretende oder im geheimen arbeitende Kräfte gehindert wurden.
Diese Thematik muß an anderer Stelle noch einmal ausführlicher behandelt werden. Vorbereitend ist dazu schon ein früherer Blogbeitrag erschienen.

Am 12. und 13. Juli 1924 fanden in Nürnberg-Fürth die Deutschen Fliegergedenktage, bzw. die Deutschen Fliegertage statt unter der Schirmherrschaft des Kronprinzen Rupprecht von Bayern (Wiki): "Hunderttausende" versammelten sich wieder einmal zum "Feldgottesdienst für die Gefallenen", diesmal "auf der Deutschherrenwiese". Ludendorff nahm diesmal offenbar nicht mehr teil. Es war zwischen ihm und dem Kronprinzen Rupprecht während des Hitler-Ludendorff-Prozesses zu einem schweren Zerwürfnis gekommen.

Am 31. August 1924 fand wieder der Fliegergedenktag auf der Wasserkuppe in der Rhön statt (Postkarte), in diesem Jahr offenbar auch ohne Ludendorff.


/letzte Überarbeitungen: 18.12.2015; 17.01.2016: Die ursprünglichen Anfangsteile zu einem neuem Blogbeitrag ausgegliedert und zu einem weiteren/

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  1. Postkarte, Angeboten auf Ebay zum 8.2.2010 von "kerstinskramkiste66" (Rückseite siehe Abb. rechts).
  2. Ludendorff, Mathilde (Hg.): Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938, nach S. 352
  3. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag GmbH, München 1941 (12. - 16. Tsd.)
  4. Jenrich, Joachim: Das Fliegerdenkmal auf der Wasserkuppe. Der größte Tag der Wasserkuppe. Ein spannender Bericht. In: ders.: Die Wasserkuppe - Wissenswertes über einen interessanten Berg in der Rhön. Auf Rhoenline.de, 2004
  5. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  6. Kieschnick, Peter: Carl Friedrich Freiherr von Langen war Europas vielseitigster Reiter und Mecklenburgs erster Olympiasieger. [8.1.2012]
  7. von Drygalski, Erich: Zeitfragen der Universität. Rede zum 450jährigen Jubiläum der Ludwig Maximilians-Universität München, gehalten in der Aula am 24. Juni 1922. C. H. Beck, München 1922, http://www.universitaetsarchiv.uni-muenchen.de/digitalesarchiv/rektoratsunduniversitatsreden/pdf/181.pdf 
  8. Schreiber, Maximilian: Die Ludwig-Maximilians-Universität und ihre Jubiläumsfeiern in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In: Kraus, E. (Hg.): Die Universität München im Dritten Reich. Aufsätze, Teil I. Herbert Utz-Verlag, München 2006, S. 482

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