"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Donnerstag, 23. Dezember 2010

"Gott ansehen mit klaren, fröhlichen, deutschen Augen"

Der niederrheinische Schriftsteller Joseph von Lauff stand in loser Verbindung mit Erich Ludendorff (1932)

Joseph von Lauff (1855-1933) (Wiki) war ein von Kaiser Wilhelm II. sehr geschätzter Bühnendichter und Schriftsteller des Kaiserreiches. Er gilt außerdem als ein Heimat-Schrifsteller des Niederrheins und ist dabei Ehrenbürger seiner Heimatstadt Kevelaer (Kalkar). Vermutlich ist er als Kriegsberichterstatter schon während des Ersten Weltkrieges in persönliche Berührung mit Erich Ludendorff gekommen oder unmittelbar danach im Kreis rund die Schriftsteller des "Kladderadatsch", dem Joseph von Lauff ebenfalls angehörte (7). Die Verbindung zu Erich Ludendorff hat Joseph von Lauff jedenfalls bis an sein Lebensende aufrecht erhalten wie ein Brief Ludendorffs an ihn aus dem Jahr 1932 zeigt (1). Dabei wird ja nicht auszuschließen sein, daß Ludendorffs seit 1924 bekannt gewordener Antiklerikalismus, den von Lauff schon vor 1914 vertreten hatte, von Lauff dazu veranlaßte, die Verbindung nicht abbrechen zu lassen. Aber viele genauere Umstände der Bekanntschaft zwischen von Lauff und Ludendorff liegen noch im Dunkeln.

Abb. 1: Joseph von Lauff

Als Sohn eines Rechtsanwalts war Joseph Lauff zunächst zwanzig Jahre lang - bis zu seinem 43. Lebensjahr - Berufsoffizier im preußischen Heer gewesen. Doch bereits in den 1880er Jahren hat er literarische Werke veröffentlicht (Gutenberg):

Von 1898 bis 1903 wirkte er ("einer persönlichen Aufforderung des Kaisers folgend") als Dramaturg am königlichen Theater in Wiesbaden, danach war er freier Schriftsteller.
In den Illustrierten des Kaiserreiches war von Lauff deshalb ein oft behandelter Schriftsteller. Über ihn ist weiter zu erfahren (Wiki):
Er genoß die Protektion Wilhelms II., der die preußisch-nationale Tendenz von Lauffs Dramen schätzte. Anläßlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums erhob ihn Kaiser Wilhelm II. am 16. Juni 1913 in den erblichen preußischen Adelsstand.
Durch Kaiser Wilhelm II. erhielt von Lauff auch zahlreiche Orden verliehen (Gutenberg):
Von Wilhelm II. wurde er als bedeutendster deutscher Bühnendichter geschätzt und protegiert, von Karl Kraus als trivialer Gesinnungs- und kaiserlich-preußischer Hofdramatiker verspottet. Im ersten Weltkrieg diente er als Artillerieoffizier und Kriegsberichterstatter.

Auch nach dem Ersten Weltkrieg lud der ehemalige Kaiser Wilhelm II. Joseph von Lauff mehrfach in sein Exil nach Doorn in den Niederlanden ein. Über von Lauff wird außerdem berichtet (2):

1930 Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Kalkar. 1931 Verleihung des Kreuzes der Komture des königl. Hausordens von Hohenzollern. Mehrfach hat er Kaiser Wilhelm II. in seinem niederländischen Exil in Doorn besucht und ihm dort aus seinen Werken vorgelesen.

1933 starb von Lauff (2): 

1934 wurde er von den Nazis exhumiert und mit einem Staatsbegräbnis in Kalkar in einer Ehrengruft beigesetzt. Ausschlaggebend war wohl seine Blut- und Boden-Literatur, denn mit den Nazis hatte er nichts zu tun.

1995 heißt es in einer Würdigung von Lauff's (3):

Joseph von Lauff ist heute sicherlich als einer der fast vergessenen "poeta minores" zu bezeichnen. Als sehr bekannter und umstrittener Dichter der "Hohenzollerndramen" ist er für die deutsche Theatergeschichte aber immer noch zumindest von wissenschaftlichem Interesse.

Zumindest auch die katholische Kirche war zu seinen Lebzeiten auf Joseph Lauff keineswegs besonders gut zu sprechen.

Ein "Kulturkampfroman schlimmster Sorte" (1910)

Als im Jahr 1910 sein Roman "Kevelaer" erschien, nannte ihn die "Calcarer Volkszeitung einen "Kulturkampfroman schlimmster Sorte" und ein "kirchenfeindliches und zudem noch von Geschmacklosigkeit strotzendes Machwerk" (4). Den Katholiken wurde der Kauf des Buches abgeraten, bzw. verboten. Dieser Roman handelte von dem bekannten, gleichnamigen katholischen Wallfahrtsort am Niederrhein. Und wenn man es richtig versteht (4), weckt dieser Roman noch heute so mancherlei "Befremden" in manchen Teilen der dortigen katholischen Bevölkerung (- aber vielleicht sind es auch nur noch die Pfarrer daselbst ...) (4):

Eine der Hauptfiguren des Romans ist der begabte Dr. Heinrich Vohwinkel, angestellt als Privatlehrer auf einem Gutshof in der Kevelaerer Heide. Aber nicht mehr lange: "Bald aber gab’s für ihn Arbeit, harte Arbeit, Geistesarbeit, Seelenarbeit - eine Arbeit, die ihm Haß und Lästerung einbringen konnte, wenn auch keinen Konflikt zwischen Pflicht und Gewissen." Er ist von höherer Stelle zum Schulrat für den Niederrhein berufen worden, "er sollte Leben erziehen, vaterländisches Leben, frei von Vorurteilen und von widersinniger Frömmelei ... Eine Generation sollte erwachsen, die den heimischen Boden mehr liebte als das gelobte Land, von dem gedungene Priester und Propheten erzählten. Deutsch fühlen, deutsch denken und Gott ansehen mit klaren, fröhlichen, deutschen Augen - auch das können und müssen katholische Menschen."

Weiter der Roman-Inhalt (4):

Zur selben Zeit wird Lene Isermann, Tochter eines Schäfers auf jenem erwähnten Gutshof, zur Leiterin der Kevelaerer Mädchenschule ernannt. Auch sie träumt von der Erziehung der ihr anvertrauten Kinder zu selbstbewußten Patrioten. 

Die beiden jungen idealistischen Menschen stoßen auf eine größtenteils engstirnige und frömmelnde Kevelaerer Bevölkerung - die von den vielen Pilgergruppen gut zu leben weiß, welche jährlich den Ort aufsuchen. (...) In ihrer Antrittsrede, schon bald vom erbosten Pfarrer unterbrochen, läßt die neu installierte Junglehrerin keinen Zweifel an ihrer pädagogischen Mission. Sie wolle keine "Weltanschauung der Pharisäer" lehren, welche "die Konfessionen hindert, friedlich miteinander zu gemeinsamen nationalen Zielen zu streben. Wer den Frieden will in unserm schönen Vaterlande, auf niederrheinischer Erde, wer nicht das Deutsche Reich und das deutsche Volk zerstören und zersetzen lassen will, der lege das Saatkorn der versöhnenden Weltanschauung in die Herzen der Kinder. Der sehe nicht über die Alpen fort, der suche nicht das Heil jenseits der Berge."

Dieser Roman war also klar gegen den sogenannten "Ultramontanismus" gerichtet. von Lauff dürfte also auch so manche Sympathien mit der damaligen Los-von-Rom-Bewegung von Schönerers in Österreich gehabt haben.

Abb. 2: Joseph von Lauff

Ähnlich wie sein Kollege, der Schriftsteller und Kriegsberichterstatter des Ersten Weltkrieges Paul Lindenberg (5), könnte von Lauff als Kriegsberichterstatter während des Ersten Weltkrieges in Berührung mit Erich Ludendorff gekommen sein.

Kam von Lauff als Kriegsberichterstatter in persönliche Berührung mit Erich Ludendorff?

Sogar der Stimmungsgehalt der Werke beider - von Lauff's und Lindenberg's (5) - mag als ein ähnlicher empfunden zu werden. Er mag gekennzeichnet sein als jener Hang zu wohlwollender Behaglichkeit und Gemütlichkeit wie er in der Zeit vor 1914 vorgeherrscht haben mag. Vom Jahrgang her sind sie ja auch nur vier Jahre auseinander. Im Grunde handelt es sich insgesamt um einen Stimmungsgehalt, von dem man sich nur schwer vorstellen kann, daß er insgesamt besonders gut mit dem Stimmungsgehalt des Lebens von Erich Ludendorff zusammen paßte. Aber es ist der Stimmungsgehalt der Generation vor 1914 überhaupt - und er war Erich Ludendorff deshalb natürlich gut bekannt und vertraut. Aus einer solchen Stimmung heraus erwuchs ja auch jener oberflächliche "Hurra-Patriotismus", den Erich Ludendorff Anfang der 1920er Jahre als Ausdruck einer abgelebten Zeit abzulehnen begann.

Da Erich Ludendorff seit 1924 als eine Persönlichkeit in den Fußstapfen Georg von Schönerer's bekannt geworden war, also als jemand, der den Ultramontanismus ähnlich bekämpfte wie das auch von Lauff schon 1910 getan hatte, wird von Lauff sich darin bestärkt gefühlt haben, seine etwaig bestehende lose Verbindung zu Erich Ludendorff nicht abreißen zu lassen oder immer wieder neu zu knüpfen. Jedenfalls schickte von Lauff Erich Ludendorff zu Weihnachten 1932 sein 1930 erschienenes Werk "Oh du mein Niederrhein". Dabei handelt es sich um ein auch heute noch ansprechendes Stück Literatur wie schon die ersten Absätze deutlich machen:

Wie schön ist die Erde! Alles grünt und blüht um mich, und drüben im Vorgehölz hinter der großen Weidenkoppel läßt der Vogel Bülow seine Wunderstimme vernehmen.
Ich bin schon längst in das "biblische Alter" getreten. Das sechsundsiebenzigste Jahr winkt mir aus nicht allzu großer Ferne herüber, und ich freue mich, just um diese Zeit im Land, wo ich meine Jugend durchlebte, weilen zu können.
O du mein Niederrhein!
Ich stehe auf dem Leedeich, der sich von Kalkar über Till und Huisberden bis zum Emmericher Eiland hinzieht. Rings um mich her, in dem unermeßlichen Grasland, bestickte der Herr die Weiten mit Salbei, Vergißmeinnicht, Wiesenschaumkraut und Kuckucksblumen. Es ist wie ein Zauber, diesen bunten Teppich aus den tausend Nächten und der einen Nacht vor sich ausgespreitet zu sehen. Just auf der nämlichen Stelle habe ich oft als kleiner Junge mit meinen Kameraden gestanden, und wenn hoch über uns ein Storch langsamen Fluges vorübersegelte, riefen wir sehnsüchtig in den blauen Himmel hinein: "Euwer, Euwer, pillepoot, breng ons Moeder en Kindje!"
Alle Ortschaften, die um mich liegen, weiß ich mit Namen zu nennen. ....
Wie man sieht, handelt es sich um ein ansprechendes Stück Literatur. Und solche Texte gibt es mancherlei von von Lauff (siehe auch etwa: 6). Erich Ludendorff antwortete am 28. Dezember 1932 - offenbar aus München - mit einem einseitigen Brief (2). Der Brief ist leider nur vereinzelt und auch als solcher nicht vollständig bekannt:
"Sehr geehrter Herr von Lauff, Ihr Buch verschönte mir die Feiertage und erhöhte den Frieden des Weihnachtsfestes. Nehmen Sie meinen aufrichtigen Dank für Ihr schönes Buch vom Niederrhein. (...) Meine Frau und ich werden uns freuen, wenn wir Sie im Sommer hier sehen werden. (...)"

Mit diesen Worten ist zu erahnen, daß von Lauff bei Erich Ludendorff nicht zum ersten mal zu Besuch kommen wollte. Joseph von Lauff starb am 20. August 1933 in Cochem-Sehl. Somit muß es nicht sehr wahrscheinlich sein, daß es zu diesem geplanten Besuch noch gekommen ist.

Insgesamt gewinnt man zunächst den Eindruck, daß das Verhältnis beider zueinander zumindest von einer gewissen Sachlichkeit oder Abgeklärtheit des Alters geprägt gewesen sein muß, daß es sich jedenfalls um ein Verhältnis gehandelt haben muß, das sich nicht durch etwaige politische oder weltanschauliche Meinungsverschiedenheiten stören ließ wie das sicherlich im Verhältnis Ludendorffs zu vielen anderen früheren Bekannten der Fall war im Jahr 1932.

Und sollte es von solchen Meinungsverschiedenheiten sogar gar nicht allzu viele gegeben haben, könnte man auch zu der Schlußfolgerung kommen, daß es Joseph von Lauff als Sympathisant von Schönerers auch nicht sehr schwer hatte, sich mit jener Weltanschauung anzufreunden, die Erich Ludendorff inzwischen für sich angenommen hatte.


/ überarbeitet: 7./8.11.2017 /
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  1. Schmolt, Axel: 14. Autographen-Auktion. Krefeld, 1. Oktober 2005, S. 43f; auch 18. Auktion 2007, S. 20, 20. Auktion, S. 27 (eigh. Brief (1 S. gr.-8) mit U., O., Dat., München, 28.12.(1932), u. eigh. adress. Umschlag, an den Schriftsteller Joseph von Lauff (1855-1933) in Wiesbaden,. - Beiliegend e.U. "Ludendorff" (Bleistift) auf Kärtchen mit Gebrauchsspuren; s. Abb.)
  2. Bremm, M. Heinz: Joseph von Lauff. In: Friderichs, Alfons [Hrsg.]: Persönlichkeiten des Kreises Cochem-Zell. Kliomedia, Trier 2004; auch auf: http://rpb.lbz-rlp.de/cgi-bin/wwwalleg/srchrnam.pl?db=rnam&recnums=0000814
  3. Joseph von Lauff. In: Rheinische Lebensbilder, Band 15. Rheinland-Verlag, 1995 (GB)
  4. Trautmann, Markus: Vor 100 Jahren schrieb Joseph Lauff den Roman "Kevelaer" Literarischer Spiegel der Konflikte. Auf:  Kirchensite.de 2010
  5. Lindenberg, Paul: Es lohnte sich, gelebt zu haben. Erinnerungen. Vorhut-Verlag Otto Schlegel, Berlin 1941 (370 S.) (GB)
  6. Theissen, H.: Joseph von Lauff. In: Kalkar - Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. 775. Jahre Stadtrechte. http://www.ht-ka.de/Geschichte/von-Lauff/von-lauff.html
  7. Bading, Ingo: Erich Ludendorff als "Kollege" der Berliner Schriftsteller Erich Ludendorff im Schriftsteller-Kreis rund um den Berliner "Kladderadatsch" (1919). Studiengruppe Naturalismus, 8. November 2017, http://studiengruppe.blogspot.de/2017/11/erich-ludendorff-als-kollege-der.html

Dienstag, 14. Dezember 2010

Der Staatsakt für Erich Ludendorff am 22. Dezember 1937 in München

Einen Überblick über staatliche Trauerfeiern in Deutschland seit 1888 mit eindrucksvollen historischen Photographien gibt es auf der Seite des Bundesinnenministeriums, Abteilung Protokoll: "Staatsakte - "Staatliches Trauern im Wandel der Zeit" (ProtokollInland).

Wenn man die dort vorgestellten Staatsakte für Kaiser Wilhelm I. (1888), Walther Rathenau (1922), Friedrich Ebert (1925), Gustav Stresemann (1929) vergleicht mit demjenigen für Erich Ludendorff im Dezember 1937, so drängen sich doch insgesamt in der äußeren Form deutlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede auf.

Abb. 1: Zeitungausgabe vom 20. Dezember 1937

Der für Erich Ludendorff durchgeführte Staatsakt ist - gegen seinen ausdrücklichen eigenen Willen - von der Staatsmacht erzwungen worden. In der Folge vom 5.9.1934 seiner Halbmonats-Zeitschrift "Quell" hatte Ludendorff geschrieben (S. 405):

Für das Gedenken in den Erinnerungtagen der Schlacht von Tannenberg meinen Dank.
Ich bin gefragt worden, ob dereinst von mir ein politisches Testament zu erwarten sei. Zunächst gedenke ich (...) zum Nutzen der geistigen Bewegung, die mein Name vertritt, noch recht lange zu leben. Dann aber wird auch mein Leben, wie jedes Leben, abgeschlossen sein. Ich gab in ihm dem Deutschen Volk ganz eindeutig so viel Klares und Großes für Gegenwart und Zukunft zu seiner Volksschöpfung auf den Weg, daß ich nicht die Absicht habe, noch besondere Weisungen zu hinterlassen. Nur für meine Beisetzung in Deutscher Muttererde habe ich Bestimmungen getroffen. Sie soll ohne jedes militärische Gepränge, das mir ja zustehen würde, nach Deutscher Gotterkenntnis nur im Beisein von Deutschen stattfinden, die ihr leben.
In den Gedenktagen der Schlacht von Tannenberg. Erntings 1934. Ludendorff.

Natürlich hatten sich in den weiteren drei Jahren bis zu seinem Tod im Verhältnis zur Staats- und Wehrmachtsführung viele Veränderungen gegeben. Allerdings hatte Ludendorff, soweit übersehbar, niemals durch eine andere Willenserklärung die hier angeführte aufgehoben.

Abb. 2: Mathilde Ludendorff mit ihren beiden Söhnen Asko und Hanno von Kemnitz in München am 21.12.1937 (aus: 1)

Anläßlich des Staatsaktes für Erich Ludendorff am 22. Dezember 1937 sind auch Photographien der nächsten Angehörigen Ludendorffs veröffentlicht worden. Die Söhne von Mathilde Ludendorff begleiten sie selbst (Abb. 2, 3), bzw. folgen dem Sarg Erich Ludendorffs.


Abb. 3: Mathilde Ludendorff umgeben von ihren Angehörigen während des Staatsaktes in München am 22.12.1937 (aus: 1)

Während des Staatsaktes an der Feldherrnhalle in München am 22. Dezember 1937 waren die Angehörigen (Abb. 3) in der ersten Reihe von links nach rechts: die Konzertpianistin Frieda Stahl, die Schwester Mathilde Ludendorffs, Mathilde Ludendorff selbst, sowie ihre Tochter Ingeborg Freifrau Karg von Bebenburg. In der hinteren Reihe standen die Söhne Mathilde Ludendorffs Asko und Hanno von Kemnitz und ihr Schwiegersohn Franz Freiherr Karg von Bebenburg.


Im Internet sind nun auch Filmaufnahmen von diesem Staatsakt für Erich Ludendorff zugänglich geworden (Yt).

Die beiden Söhne Mathilde Ludendorffs, Hanno und Asko von Kemnitz sind in 1'00 zu sehen, in ihrer Mitte der Schwiegersohn Mathilde Ludendorffs, Franz Karg von Bebenburg. Alle drei in Zivil. Die Witwe Mathilde Ludendorff steht ab 1'46, 1'57 und 2'11 als dunkel gekleidete Frau, eingerahmt von ihrer Schwester und ihrer Tochter, mit dem Rücken zum Betrachter. Dahinter wieder ihre Söhne und ihr Schwiegersohn.


Abb. 4: Adolf Hitler spricht Mathilde Ludendorff sein Beileid aus (aus: 5)

Dieser Schwiegersohn, Franz von Bebenburg, der Schwiegersohn Mathilde Ludendorffs, berichtete Anfang der 1960er Jahre anläßlich des "Rechtsstreites" um das Verbot des "Bundes für Gotterkenntnis" über diesen Staatsakt (2):

Am 22. 12. 1937 nahm ich mit Frau Dr. Ludendorff, ihrer Schwester Frieda Stahl, meiner Frau und meinen beiden Schwägern, Asko und Hanno von Kemnitz, auf dem hierzu für die Angehörigen besonders vorgesehenen Platz vor der Feldherrnhalle am Staatsbegräbnis teil. ... Frau Dr. Ludendorff hatte verlangt, daß sie erst im letzten Augenblick ... ihren Platz einnimmt, so daß ihr jedes Zusammentreffen mit irgendwelchen Parteileuten erspart bleibe. ... Ohne die Reichsminister und Gauleiter eines Blickes zu würdigen, gingen Frau Dr. Ludendorff und wir auf unseren Platz. Als nach der Rede des Reichskriegsministers von Blomberg als erster Hitler einen Kranz vor dem Sarg niederlegte und seine Hand zum sogenannten ‚Deutschen Gruß’ erhob und alle Minister und Gauleiter und die vieltausendköpfige Menschenmenge ebenfalls die Hand erhob, haben wir sechs Personen auf der Mitte des freien Platzes vor der Feldherrnhalle als einzige das nicht mitgemacht.
Nach Niederlegen seines Kranzes trat Hitler zu uns und reichte Frau Dr. Ludendorff die Hand, um ihr sein Beileid auszudrücken. Er sprach auch wenige Worte. Hierauf gab er Frau Frieda Stahl und meiner Frau die Hand. Meine beiden Schwäger und ich standen hinter den für die Damen vorgesehenen Stühlen. Hitler verbeugte sich gegen uns, was wir mit einer gleichen knappen Verbeugung erwiderten. Keiner von uns erhob die Hand zum vorgeschriebenen Gruß.
Als dann kurz darauf der Sarg wieder auf die Lafette gehoben wurde, begab sich Frau Dr. Ludendorff, ohne die auf sie zutretenden Reichsminister zu beachten, mit den beiden Damen so schnell als möglich wieder in die Residenz, wo sie sofort mein Auto bestieg. ... Frau Dr. Ludendorff hat mir vor und nach dem Staatsakt mehrfach erklärt, wie sehr sie gegen diese erzwungene ‚Ehrung’ sei, daß sie aber leider machtlos sei. Sie wolle aber den Toten nicht allein lassen. Sie sagte auch, daß sie hoffe, daß das Staatsbegräbnis wenigstens in etwas Hitler hindere, nach dieser ‚Ehrung’ sofort scharf gegen uns und den Ludendorff-Verlag vorzugehen, wie es zweifellos zu erwarten sei, nachdem Hitler im Sommer 1937 Ludendorff habe Landesverrat anhängen wollen.

Die Witwe hatte zumindest gegenüber Hitler durchgesetzt, daß Ludendorff nicht - wie von Hitler gewünscht - im Tannenberg-Nationaldenkmal bestattet wurde, und daß sein Sarg auch nicht von der Hakenkreuzfahne, sondern von der Reichskriegsfahne bedeckt war.

Abb. 5: Veröffentlichung des Ludendorffs Verlag zum Staatsakt (1)

Der Bankier David Rockefeller war als Student Zuschauer dieses Staatsaktes. 


"Ich hatte noch nie eine solche Heldenverehrung gesehen ..."


Bei David Rockefeller handelt es sich um den Enkelsohn eines der verhaßtesten amerikanischen Bankiers, die wohl je gelebt haben. Er ist heute selbst "einer der mächtigsten Bankiers der Welt". In seinen Memoiren hat er über seinen Aufenthalt in Deutschland im Jahr 1937 berichtet. Es gibt viele Hinweise darauf, daß die Rockefellers zu jenen Wallstreet-Bankern gehören, die den politischen Erfolg der NSDAP vor 1933 finanziert haben und zur Stabilisierung des Dritten Reiches über die Wirtschaft und die Gestapo nach 1933 beigetragen haben. (Siehe etwa Anthony C. Sutton. Siehe etwa das Wirken des späteren CIA-Chefs Allen Dulles, der nach 1945 über den Industriellen Hugo Stinnes, einen Schwager seines engsten Mitarbeiters Gero von Gaevernitz, ganz offensichtlich eine schützende Hand über den Gestapo-Organisator Werner Best gehalten hat. Letzterer ist bis 1989 in Deutschland nie angeklagt worden). 


Abb. 6: Staatsakt in München (Herkunft: Ebay)


In einem Interview erzählte David Rockefeller (Die Weltwoche, 16.4.08):

Prägend waren obendrein meine Begegnungen mit dem Nationalsozialismus in Deutschland. 1933 kam ich als Erstsemester nach München, wo ich während zweieinhalb Monaten Deutsch lernte. Ich wohnte bei einer Familie an der Kaulbachstrasse und nahm Deutschstunden bei einer Frau Berman, die Jüdin war. Wenige Monate zuvor hatte Adolf Hitler die Macht ergriffen, und die ersten anti-jüdischen Gesetze waren in Kraft. Die Menschen sprachen hinter vorgehaltener Hand über die Gestapo. Ich war schockiert, wie die Deutschen die wachsende Kritik an den Juden einfach hinnahmen.

Haben Sie sich damals Gedanken gemacht, wie diese Entwicklung weiter verlaufen könnte?
Ja. 1935 begab ich mich auf einer Urlaubsreise erneut nach Deutschland. Nun lag bereits ein tiefes Unbehagen in der Luft. Hitlers Rhetorik war unmißverständlich geworden. Sein dramatischer Tonfall verbreitete Angst und Schrecken. 1937 war ich während meiner Weihnachtsferien zufällig in München. General Erich Ludendorff wurde begraben. Mit meiner Leica machte ich einen Schnappschuß von Hitler, als er vorbeistolzierte. Ich hatte noch nie eine solche Heldenverehrung gesehen, die von einer nahezu irren Menschenmenge ausging.

So David Rockefeller. Das Dritte Reich sollte übrigens keineswegs der einzige Fall bleiben, in dem Wallstreet-Banker in Zusammenarbeit mit dem amerikanische Geheimdienst unter Allen Dulles weltweit Politiker, Journalisten, Militärs und politische Bewegungen "kaufte", Staatstreich finanzierte und durchführte, Wahlen beeinflußte und Kriege herbeiführte (3, 4).

Abb. 7: Kronprinz Wilhelm und Generalfeldmarschall von Mackensen bei der Beerdigung Erich Ludendorffs 1937 in Tutzing (Ausschnitt) (Saml)

An der Beerdigung auf dem Friedhof in Tutzing nahmen auch der Deutsche Kronprinz und der Generalfeldmarschall von Mackensen teil.

Abb. 10: Kronprinz Wilhelm und Generalfeldmarschall von Mackensen bei der Beerdigung Erich Ludendorffs 1937 in Tutzing (Saml)

Dies wird durch eine 2025 zum Verkauf angebotene Fotografie deutlich (Saml) (Abb. 7 und 8). Von dieser Fotografie ist hier zunächst ein Ausschnitt eingestellt (Abb. 7), dann die Gesamtfotografie (Abb. 8).

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  1. von Kemnitz, Hanno: Der letzte Weg des Feldherrn Erich Ludendorff. Einziger geschlossener Text- und Bildbericht von den Trauerfeierlichkeiten und dem Staatsbegräbnis am 22. Julmonds 1937. Ludendorffs Verlag, München 1938
  2. Der Rechtsstreit ... über die Verbotsverfügung. Dokumente der Gegenwart. Neue Veröffentlichungen und Urkunden zur Zeitgeschichte VIII. Verlegt bei Franz von Bebenburg, Pähl 1963, S. 131f
  3. Schäfer, Horst: Der Chef-Terrorist - Vor 40 Jahren starb CIA-Direktor Allen Dulles. Politonline.ch, 28.2.2009
  4. Markus Kompa: Die schmutzigen Tricks des Allen Dulles. Telepolis, 04.10.2007 
  5. Sonderheft General Ludendorff. Aus: Illustrierter Beobachter, Verlag Eher Nachf., München, 12. Jahrgang, 28.12.1937 (24 Seiten)

Sonntag, 28. November 2010

"Ich bin der größte Revolutionär, den Deutschland heute hat." - Erich Ludendorff 1928

Neue Briefe aus den Jahren 1924, 1928 und 1946
- Außerdem: Die Tagung der Deutschen Freiheitsbewegung in Weimar im April 1924

Erich Ludendorff, der führende deutsche General des Ersten Weltkrieges dachte nicht gering von seiner weltgeschichtlichen Rolle - auch noch nach dem Erste Weltkrieg. Das wird deutlich, wenn man einen Blick in seine Schriften oder in seine Lebenserinnerungen wirft (Titel der letzteren: "Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär"). Dieses Selbstbild brachte es mit sich, daß er nach 1925 und bis 1937 als ein so scharfer Gegner Adolf Hitlers und seiner Kriegsabsichten auftrat wie er es getan hat.

Abb. 1: Erich Ludendorff begrüßt paramilitärische Formationen auf der Tagung in Weimar 1924

Dennoch mag es von Interesse sein zu erfahren, daß sich dieses Selbstbild Ludendorffs nicht nur in öffentlichen, sondern auch in privaten Briefäußerungen widerspiegelte.

Abb. 2: "I. Tagung N. S. Freiheitsbewegung in Weimar 15. - 17. Aug. 24 - Ludendorff-Gräfe"
(Vielleicht auch schon vor der Tagung aufgenommen auf der Treppe vor Ludendorffs Haus
in München-Ludwigshöhe, um die Aufnahme an Teilnehmer der Tagung zu verkaufen)

Vor einem Jahr sind aus den Jahren 1924 und 1928 zwei neue Briefe Erich Ludendorffs bekannt geworden, sowie eine Postkarte der Witwe Mathilde Ludendorff aus dem Jahr 1946. Sie sind alle gerichtet an einen Kaufmann Erwin Würth in Karlsruhe. Sie wurden im Juni 2009 für 600 Euro versteigert (1).

Von Interesse ist, wie das Ehepaar Erich und Mathilde Ludendorff Verbindung hielt zu Menschen, die wie es selbst "auf der Suche" waren nach einem neuen weltanschaulichen und auch religiösen Fundament, und die ebenfalls auf die Dauer von dem Agieren der NSDAP unbefriedigt blieben.

Abb. 3: Tagung der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung in Weimar, August 1924 (?)

Soweit der Wortlaut der hier zu behandelnden Briefe bislang bekannt geworden ist, soll er im folgenden wiedergegeben werden. Einige Fehlangaben im Auktionskatalog werden dabei stillschweigend korrigiert.

Ein badischer Kaufmann zwischen Sozialdemokratie und Nationalsozialismus

Laut einer geschichtswissenschaftlichen Studie (2) war der Briefpartner Erwin Würth ein Kaufmann in Karlsruhe. 1919/20 war er Mitglied der SPD (2), zwischen 1924 und 1928 Mitglied der NSDAP. Zuletzt war er sogar Kreisleiter. 1928 trat er aus der NSDAP aus. 1933 versuchte er, in diese wieder einzutreten (2).

Abb. 4: "Großdeutsche Freiheitsbewegung, Weimar, 17.8.24
Exz. Ludendorff und Hauptmann Röhm nach der Fahnenweihe, Gelöbnis der Treue"

Eine Biographie in bewegten Zeiten zwischen Sozialdemokratie auf der einen Seite, dem Nationalsozialismus auf der anderen Seite und zum dritten schließlich - wie aus den Briefen weiter hervorgeht - im Umkreis der Ludendorff-Bewegung. Erich und Mathilde Ludendorff scheinen Erwin Würth auch persönlich gekannt zu haben, so glaubt man es zumindest dem Tonfall der Postkarte Mathilde Ludendorffs an Erwin Würth aus dem Jahr 1946 entnehmen zu können.

1924: Die "Nationalsozialistische Freiheitsbewegung" unter  Ludendorff, von Graefe und Strasser  

Aktueller Anlaß der Veröffentlichung dieses Beitrages ist aber auch das derzeit laufende Ebay-Angebot eines vielleicht vergleichsweise seltenen Fotos (s. Abb. 2) *).

Abb. 5: A.v. Graefe
Abgebildet ist Erich Ludendorff zusammen mit Albrecht von Graefe (1868-1933) (Wiki) offenbar während der Tagung der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung (Wiki) in Weimar 1924 fotografiert - oder für diese.

Diese Tagung im August 1924 wirbelte damals in der Stadt Weimar und über sie hinaus viel Staub auf (4, S. 117-130). Zu den Aufmärschen und Umzügen, die als Auftakt dieser Tagung abgehalten wurden, kamen 25.000 Zuschauer. Und so wird im folgenden Anlaß genommen, über ihre Vorgeschichte und ihren Verlauf ebenfalls zu referieren.

In der "Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung" suchten Erich Ludendorff, Albrecht von Graefe und Gregor Strasser während der Festungshaft von Adolf Hitler die völkischen Parteien und Gruppierungen, insbesondere die süddeutsche NSDAP unter Gregor Strasser und die norddeutsche "Deutschvölkische Freiheitspartei" (Wiki) unter Albrecht von Graefe zu einigen.

Über Albrecht von Graefe heißt es auf Wikipedia:

"Von Graefe, der im Kaiserreich der Deutschkonservativen Partei angehört hatte, beteiligte sich 1918 an der Gründung der DNVP. Im Sommer 1922 beteiligte er sich unter anderem mit Reinhold Wulle und Wilhelm Henning an der Gründung der Völkischen Arbeitsgemeinschaft in der DNVP, die im Dezember 1922 die Partei verließ und die Deutschvölkische Freiheitspartei (DVFP) gründete, deren Vorsitzender von Graefe bis 1928 war. Mit anderen Führungsfiguren der DVFP beteiligte er sich am 9. November 1923 am Hitler-Ludendorff-Putsch in München, bei dem er in der ersten Reihe marschierte."

Erich Ludendorff besuchte - wie viele andere - Adolf Hitler in dieser Zeit auch mehrmals in Festungshaft, um sich mit ihm hinsichtlich der Einigungsbemühungen abzustimmen. 

Abb. 6: Vollständige Liste der Besucher Hitlers in Festungshaft 1924

So am 12. April 1924 (s. Abb.) und am 12. Juni 1924 (s.a. Abb.: "Erich Ludendorff etwa habe eine Stunde mit Hitler sprechen dürfen, ohne daß ein Gefängniswärter dabei war").

Als "Nationalsozialistische Freiheitspartei" errang der Zusammenschluß der norddeutschen und süddeutschen völkischen Partei bei der Reichstagswahl im Mai 1924 32 Sitze. Im Mai 1924 fand auch der große, von hunderttausend Deutschen besuchte "Deutsche Tag" in Halle statt (siehe anderer Beitrag hier auf dem Blog). Offenbar wollte man dem in Weimar nicht nachstehen. 

Über Weimar im August 1924 wird berichtet (4, S. 119f):

Tatsächlich war bereits vor der geplanten Weimarer Heerschau die öffentliche Stimmung umgeschlagen; zum "Tag des deutschen Heldengedenkens" am 3. August 1924, der zu Ehren der Gefallenen des Weltkrieges abgehalten wurde, hatte sich eine ungewöhnlich große Menschenmenge in der Weimarer Stadtkirche versammelt. Es wimmelte von Fahnen und Abordnungen der Krieger- und Militärvereine, der vaterländischen Verbände, aber auch des neugegründete "Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold". (...) Immer wieder wurde bei den unzähligen Tannenberg-Feiern des Jahres 1924 an Hindenburg und Ludendorff erinnert.

Ludendorff galt dabei zunächst den Angehörigen fast aller politischer Richtungen als "überparteilicher" Repräsentant der deutschen Kriegsführung während des Ersten Weltkrieges. 

Abb. 7: "Sprechkarte für Herrn Gen. Ludendorff, Reichst.Abg. v. Graefe u. Hptm. Röhm zum Besuche bei (...) Herrn Hitler (...) 12. Juni 1924 (...) Festungshaftanstalt Landsberg

Obwohl er in Weimar aber zusätzlich noch als prononcierter Repräsentant der völkischen Bewegung auftreten sollte, war sein Kommen am 16. August 1924 in der Weimarer Lokalpresse dennoch uneingeschränkt begrüßt worden, Tenor (zit. n. 4, S. 117):

"Weimaraner! Morgen, Donnerstag früh betritt der Feldherr der Weltkriege, General Ludendorff Eure Stadt!" Alle Bürger wurden gebeten, an ihren Häusern schwarzweißrote Fahnen aufzuhängen, um Weimar drei Tage lang besonders festlich erscheinen zu lassen. Der öffentliche Schmuck müsse ein kleiner, aber wichtiger Dank für jenen Mann sein, der als "Weltkriegsführer" gepriesen wurde. (...) Schon am nahe gelegenen Flugplatz wollten städtische Honoratioren den hohen Gast begrüßen; danach sollte eine farbige Militärparade mit "Abschreiten der Front" und später ein Besuch der kulturellen Gedenkstätten stattfinden, zu denen an diesem Wochenende die Krieger-Gedächtnishallte gehörte.
So wurde Ludendorff - quasi überparteilich - von den Honoratioren der Stadt begrüßt. Daß Ludendorff zu einer sehr einseitigen politischen Veranstaltung nach Weimar gekommen war, fand dabei in der Lokalpresse keine Erwähnung (3, S. 117f):
Kein Wort über jene groß inszenierte Versammlung, die im Weimarer Nationaltheater geplant war. Man verschwieg, daß es einen gewaltigen Festumzug durch die Stadt geben sollte. Wie sich später herausstellte, war alles wie eine unverfängliche Kulturkundgebung arrangiert, zu der jedoch keine schöngeistigen Kulturvereine, sondern die völkisch-rechtsradikale Vorhut eingeladen war: der "Deutsche Offiziersbund", der "Weimarische Krieger- und Militärvereinsbund", der "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten", sowie der "Jungdeutsche Orden". (...) Thüringens neuer Innenminister Georg Sattler, Mitglied im "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten", hatte sich in den Urlaub abgemeldet. (...) Ludendorffs pompöser Auftritt war mit generalstabsmäßiger Präzision vorbereitet worden.
Und (4, S. 121f):
Mit dem legendären Erich Ludendorff empfing man einen General, der wie ein neuer Held gefeiert wurde. Weimar prangte im Flaggen- und Blumenschmuck, als die Kolonnen des Stahlhelms, des Jungdeutschen Ordens, des Werwolfs sowie zahlreicher anderer vaterländischer Vereinigungen am Bahnhof ankamen und in ihre städtischen Quartiere gebracht wurden. "Heilrufe klangen in den Gesang vaterländischer Lieder aus Tausenden von jungen Kehlen", schrieben Lokalreporter "alt und jung war auf den Beinen, um das seltene Schauspiel mitzuerleben." (...) Im Armbrustsaal spielte eine Militärkapelle zackige Armeemärsche; ergriffen erhob sich die Zuhörerschaft von den Plätzen, als "Die Wacht am Rhein" und das "Stahlhelm"-Lied intoniert wurden.
Die Regisseure dieser vorher als "völkische Heerschau" angekündigten Veranstaltung taten alles, um ihren Ehrengast in den Mittelpunkt zu postieren. Ludendorff erschien zu allen Auftritten unter Polizeischutz an der Seite des Weimarer Oberbürgermeisters Walter Felix Mueller. Ihrem Ehrengast hatten die Organisatoren sogar das Recht eingeräumt, nach seinem Eintreffen auf dem Flugplatz einen feierlichen Feldgottesdienst zu zelebrieren. Im offenen Viereck warteten alle Abordnungen darauf, ihre Fahnen dem alten Heerführer wie zur persönlichen Weihe zu übergeben.

Dieses Geschehen findet sich auf Abbildung 1 und 4 abgelichtet. Und weiter: 

Ludendorff agierte denn auch wie der Hohepriester einer siegreichen deutschen Armee und erinnerte daran, daß bei den Nationalsozialisten eine Fahne Zeichen zur Sammlung sei. "Nur mit Gott kann unser Weg gehen, der zum Siege führt. Wir haben zwar keinen König mehr, gebe Gott aber, daß wir bald wieder einen völkischen König bekommen."
Danach sang man gemeinsam die dritte Strophe des Deutschlandliedes, und Ludendorff schritt wie ein aktiver Feldherr die Front ab; am Nachmittag mußte er sich für diese Übung fast eine Stunde Zeit nehmen, weil zur Militärparade so viele Abordnungen gekommen waren, daß der Aufmarsch die Länge von einem Kilometer erreicht hatte. Über 25.000 Schaulustige verfolgten ein Spektakel, dessen Attraktivität offenbar auch von seinen Organisatoren unterschätzt worden war; statt der geplanten zwei Festzüge gab es sogar drei Aufmärsche, die sich mit gewaltigem Tschingderassabum sternförmig Richtung Weimar in Bewegung setzten. (...)
Mit ausdrücklicher Billigung der Stadtväter (...) nahmen die Nationalsozialistische Partei und ihre Führer die alten Gebäude, Denkmäler und Plätze Weimars in Besitz. (...) Wo eine Woche zuvor Spitzenvertreter der Reichsregierung und des Reichstages gegen die "Anbeter des Hakenkreuzes" gewettert hatten, standen deren Führer jetzt auf der Bühne.
Eine Woche zuvor war in Weimar der fünfte Jahrestag der Republik gefeiert worden - ebenfalls mit dem Oberbürgermeister von Weimar (4, S. 123):
"Wir hätten viel rücksichtsloser den Kampf gegen die Feinde der Republik führen müssen" hatte Paul Loebe den Zuhörern dieser Jubiläumsveranstaltung zugerufen. (...) Kurz danach waren alle Mahnungen in den Wind geschlagen. In Weimar marschierten die Verfassungsfeinde in breiter Front auf. Beim offiziellen Begrüßungs- und Festakt im Nationaltheater waren auf der Bühne gut sichtbar für die zahlreichen Pressevertreter sechs Hakenkreuzfahnen postiert. Der NS-Reichstagsabgeordnete Gottfried Feder lobte Ludendorff als Vorbild von Tannenberg und rühmte den abwesenden Hitler als "den Erwecker der deutschen Seele".
Abb. 8: Anstecker 1924
Am deutlichsten wurde in diesen drei Tagen die Ablehnung der Republik von Arthur Dinter artikuliert (zit. n. 4, S. 123f):
"Ich klage hier an der Seite des größten deutschen Feldherrn die gegenwärtige Reichsregierung des Volks- und Hochverrats an! Sie gehören an den Galgen! Wir wollen, daß dieser Volks- und Vaterlandsverrat vor dem Staatsgerichtshofe abgeurteilt wird. Unsere Geduld ist erschöpft!" (...) Er forderte alle Anwesenden auf, mit ihm gemeinsam die Hand zum Schwur zu erheben. (...) Man hob (...) die rechte Hand und sprach die Sätze: "Wir schwören unserem Führer Ludendorff, wenn er uns ruft, zu folgen bis in den Tod und nicht eher zu rasten, bis die November-Verbrecher ihrer Strafe vor dem deutschen Staatsgerichtshof zugeführt worden sind." (...) Schillers "Tell", Goethes "Faust" und der "Götz", "Egmont", "Hermann und Dorothea" sowie viele andere Werke seien immer rein völkisch gewesen, meinte Dinter und rief (...): "Das ist der wahre Geist von Weimar, den diese beiden Fürsten unter den Geistesgrößen vertreten. Den Preußengeist eines Preuß lehnen wir ab, wir halten es mit dem Preußengeist eines Ludendorff. Der Geist von Potsdam war von vornherein mit dem Geist von Weimar vermählt." Danach erscholl ein dreifaches "Heil" auf den Ehrengast, der (...) an Adolf Hitler erinnerte. (...) Von der Empore vor dem Nationaltheater verlas er ein Grußtelegramm des in Landsberg eingesperrten (...) NS-Führers.
Weiter wird berichtet (4, S. 124f):
Nach Feldgottesdienst, Sternmarsch und Massenauftritten versanken auch die zufriedenen Nazi-Größe andächtig im Kulturgenuß. Man lauschte Wagners "Meistersingern" und folgte dem Auftritt eines Schauspielers, der Siegfrieds Tod aus der "Edda" rezitierte. In mehreren Vortragszyklen hatten Lehrer, Ärzte und Sprecher politisch nahestehender Verbände immer wieder den deutschen Kulturgedanken interpretiert. Da verwahrte sich ein völkischer Pädagoge dagegen, daß christliche Kinder durch jüdische Lehrer erzogen würden und postulierte die Erziehung eines neuen deutschen Willensmenschen für ein künftiges "großes deutsches Heer". Die Reichsführerin des Deutschen Frauenordens versprach, daß die Frauen künftig Schatzgräberinnen für die Rettung des deutschen Volkes sein würden. "Dazu bedarf es des Verstandes und der Seele des Weibes."
Auch der NS-Reichstagsabgeordnete Franz Wulle und der Schriftsteller Adolf Bartels sprachen. Letzterer bekannte sich erstmals öffentlich zur NS-Bewegung (4, S. 126):
In einer sorgfältig ausgetüftelten Strategie haben die Nationalsozialisten damals Köpfe und Herzen der Weimarer Bevölkerung erobert.
Im Weimarer Stadtparlament rang man sich wenige Wochen nach der Veranstaltung dennoch zu einer Verurteilung derselben durch (4, S. 129):
Man stellte fest, daß die Tagung der Nationalsozialistischen Freiheitspartei Weimar zum Schauplatz lärmender parteipolitischer Massendemonstrationen gemacht habe und wies ausdrücklich darauf hin, daß derartige Veranstaltungen Weimars historischer Bedeutung und seinen großen Überlieferungen nicht entsprächen. (...) Derartige Auftritte sollten sich möglichst nicht wiederholen.

Albrecht von Graefe zählte sich laut Wikipedia auch zu den sogenannten "Deutschen Christen" (sprich nationalsozialistischen oder völkischen) und schrieb als solcher 1931 eine Schrift gegen das Christentum-kritische Buch von Mathilde Ludendorff "Erlösung von Jesu Christo" (3). Fragen zu solchen religiösen Themen sollten auch in dem Briefwechsel zwischen Ludendorff und Würth aufkommen (siehe unten).

Februar 1925: "Hitler will nur gegen den Marxismus kämpfen, auf weiteres verzichten"

In der Folgezeit wollte Adolf Hitler bei den Einigungsversuchen zwischen den nord- und den süddeutschen Völkischen nicht mitarbeiten. Und nach seiner Entlassung aus der Festungshaft Anfang 1925 ging er eigene Wege. Damit war der Versuch der Einigung gescheitert. Später bildeten viele norddeutsche Ortsgruppen der "Deutschvölkischen Freiheitspartei" die Grundlage zur Gründung der dortigen Ortsgruppen der NSDAP.

Am 20. Februar 1925, kurz nach der Entlassung Adolf Hitlers aus dem Landsberger Gefängnis, schrieb Erich Ludendorff nun an Erwin Würth, und zwar offensichtlich als Antwort auf Fragen und Anregungen von Seiten Würths. Es ging damals um den Versuch Ludendorffs, die NSDAP Adolf Hitlers in Bayern und Süddeutschland mit der schon erwähnten Deutsch-Völkischen Freiheitspartei (DVFP) Albrecht von Graefes in Norddeutschland zu einer gemeinsamen "Nationalsozialistischen Freiheitspartei" zusammenzuschließen. Adolf Hitler gründete aber kurz nach seiner Entlasssung im Februar 1925 die NSDAP neu und verschloß sich einer Zusammenarbeit mit den Norddeutschen ebenso wie die Norddeutschen sich einer Zusammenarbeit mit Hitler (bis aufs Weitere) verschlossen.

 Abb. 9: Ludendorff an Erwin Würth, 20. 2. 1925 (Hermann Historica)

Folgendes nun schrieb Ludendorff in diesem neu bekannt gewordenen Briefdokument **):

München, den 20. 2. 
Geehrter Herr Würth!
Leider habe ich keinerlei Einfluß auf Hitler. - Meine Freunde bitte ich, den großen Gedanken der Einheitlichkeit der Bewegung allen anderen voran zustellen sowohl Hitler als auch Wulle-Henning gegenüber, nur so kommen wir durch die schwere Krise.

Esser ist nicht nur kein Diplomat, sondern ein schwerer Schädling, er hetzt nur und baut nicht auf. Leider zieht Hitler keinen Trennungsstrich.

[Noch nie (?) / Nur vorübergehend (?) / Nur provisorisch (?)] hat er sich mir gegenüber mit dem Aufziehen der Freiheitspartei einverstanden erklärt; da er eine und seine Arbeiterpartei aufziehen will. Der Riß geht doch nicht vom Norden aus, würde sich Hitler in die Reichsführerschaft eingestellt haben, dann wäre alles in Ordnung gewesen, das aber wollte er nicht! Er hat mir gesagt, er wolle nur gegen den Marxismus kämpfen, auf weiteres verzichten.

Ich hoffe aber nun, daß Hitler endlich sprechen wird. Er hat es mir s. Z. sicher in Aussicht gestellt. Da ich aber keine Fühlung mit ihm recht habe, bin ich auch nur auf Vermutungen angewiesen. Ich ... bleibe auf dem Boden der Volksgemeinschaft ...

In Absatz zwei ist von Hermann Esser (1900-1981) (Wiki) die Rede (s.a. Stgr2014). (Zu diesen Auseinandersetzungen haben wir auch noch einen weiteren Beitrag in Vorbereitung.) "Nur gegen den Marxismus kämpfen" hieß hier vor allem, sich nicht dezidiert antikatholisch positionieren wie es die norddeutsche "Deutschvölkische Freiheitspartei" und Ludendorff taten. - Über die Versteigerung dieses Briefes ist übrigens 2009 von Iring Fetcher auch kurz in der FAZ berichtet worden (FAZ2009).

1928 - Erich Ludendorff: "Ich lehne das Christentum ab ..."

Am Anfang des Jahres 1928 hatte sich die Situation stark gewandelt. Erwin Würth trat 1928 aus der NSDAP aus. Erich Ludendorff hatte inzwischen - 1926 - Mathilde von Kemnitz (Wiki) geheiratet. Er hatte sich in ihre Philosophie eingearbeitet. Er hatte, wie er behauptete, deren "weltgeschichtliche Bedeutung" erkannt und er hatte im Herbst 1927 seinen "Freimaurerkampf" begonnen mit der Veröffentlichung seiner vielbeachteten Schrift "Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse".

Abb. 10: Erich Ludendorff an Erwin Würth, 10. 1. 1928 (HermannHistorica)

Am 10. Januar 1928 schrieb Erich Ludendorff in Antwort offenbar auf Fragen und Anregungen von seiten Erwin Würths, unter anderem auch über religiöse Fragen und über das Christentum. Würth scheint offenbar eine Art "germanisches Christentum" befürwortet zu haben, so ähnlich wie vielleicht auch Albrecht von Graefe (s.o.), in der Jesus als ein "Arier" angesehen wird. Das folgende Dokument kann als sehr nützlich erachtet werden, die damalige Zeit und das damalige Denken und Fragen in bestimmten völkischen Subkulturen zu verstehen. Offenbar besteht der Brief aus zwei Blättern, von denen Vor- und Rückseite beschrieben ist. Leider ist der Brieftext bisher nur unvollständig bekannt geworden:

München, 10. 1.
Geehrter Herr Würth! 
Sie stellen schwere Fragen, die ich gern beantworte.

Ich lehne für das, was uns not tut, das Wort Socialismus ab. Das Wort Socialismus bedeutet im Sinne der Juden-Gesinnten: Enteignung. (das folgende unsicher) Abspaltung (?)  des ... aber des unterdrückt Deutschen (?) Selbsterhaltungwillen. Sie werden ja die letzten ... gelesen haben - müssen wie ich denken (?).

Ich will Besitz, freies Schaffen. Arbeiterrechte, selbstlosen Ausgleich im Volk. Das nennt man auch social. Der Jude hat diesen Ausdruck geprägt, um den Deutschen je nach Bedarf das Wort 'Socialismus' entgegenzustellen. Er denkt sich sein Teil. Der Gojim meint 'sozial' im edlen Sinne. So kommen schwere Wirrnisse.
(...), so ist für mich socialistisch der  (...)
[2. Seite:] 
(...) 
2. Ich glaube, ich bin der größte Revolutionär, den heute Deutschland hat, aber mit Schlagworten macht man gar nichts. Erst soll das Volk Volk werden, dann macht sich alles von selbst, wenn Wille und Führung da ist. Aber wie es heute ist, daß sich deutsche Nazis und deutsche Kommunisten den Schädel einschlagen, das mache ich nicht. Ich habe die Feinde klar gezeichnet. Welcher Weg einzuschlagen ist, hängt von den Verhältnissen ab.

3. Ich lehne das Christentum ab, weil die Lehre undeutsch u. kommunistisch ist. Sie hält keiner Kritik stand, auch die Evangelien sind von Juden geschrieben, selbst nach der Überlieferung lange nach Christi Tode.
Die Christen, die in Jesus den Juden sehen, sind logisch, die anderen machen Kompromisse mit sich selbst. 
[3. Seite:] 
Immer sagt Jesus, ich bin gekommen das Gesetz zu erfüllen.
Mein Gott durchdringt die Welt und verlangt ganz was andres als der Christengott. Ich soll nicht friedfertig sein, sondern mir, m[einer] Familie [und] m[einem] Volk das Leben erhalten, wozu haben wir denn Selbsterhaltungwillen. (...) Aufsatz (...)

Eine Reformation der christlichen Lehre gibt es nicht, was soll da reformiert werden. Das Urchristentum war viel schlimmer, als das spätere, das viele germanische Elemente aufnahm. M. ich hier (...) der ginge (...)

Ich kämpfe jetzt ... gegen die Freimaurer und der Kampf ist ein Weltkampf geworden. Mehr kann Niemand verlangen.
[4. Seite:] 
Nun habe ich außergewöhnlich lang geschrieben. Kämpfen Sie unbeirrt weiter!
Mit deutschem Gruß
Ludendorff.

Weiterhin liegt eine Postkarte vor, datiert "Tutzing, 16.7.1946".

1946 - Mathilde Ludendorff: "Wir haben seit 1925 gewarnt."

Sie ist an Erwin Würth in Gemmingen, L.A. Sensheim adressiert. Das paßt zu den Angaben in dem genannten Buch (2), nach denen Erwin Würth schon 1925 völkische Propaganda auch auf den nordbadischen Dörfern gemacht hatte, explizit schon damals auch in Sinsheim (2). Der Inhalt der Postkarte wird hier dem Sinne nach wiedergegeben. In Fettdruck werden Phrasen mitgeteilt, die wörtliche Übereinstimmung mit dem Originaldokument aufweisen:

Sehr geehrter Herr Würth,

an dem "herben Schicksal", das Ihnen wiederfahren ist, nehme ich "warmen Anteil". Mein Mann und ich, wir haben "seit 1925 gewarnt". In Schriften und in Büchern. Das ist der einzige Trost in all dem Schicksal. Und es gilt "gegen alle unwahre Denunziation" darüber anzukämpfen. Ich wünsche Ihnen, daß Sie an Ihrem "neuen Lebensort" sich "heimisch" fühlen mögen und auch ein berufliches Auskommen finden mögen. "Die Hoffnung auf die Zukunft wollen wir alle nicht aufgeben."

"Es lebe die Freiheit!
Mathilde Ludendorff"

Diese drei Dokumente bieten - wie Mosaiksteine - kleine, zum Teil neue Einblicke in die Geschichte der völkischen Subkultur der Ludendorff-Bewegung, dem Umfeld ihrer Entstehung und ihrer Entwicklung. Erst im Rahmen einer Auswertung vieler hunderter solcher Dokumente und Zeugnisse insgesamt jedoch können auch diese Mosaiksteine erst ihre eigentliche, einigermaßen abschließende geschichtliche Bewertung erfahren. Auf eine solche grundlegendere Bewertung und Einordnung muß deshalb an dieser Stelle vorläufig verzichtet werden. Solche Beiträge wie dieser können nur Vorarbeiten zu einer Gesamtgeschichte einer solchen völkischen Subkultur darstellen.


/ Erster Entwurf: 14.10.2009, 
Ergänzungen: 23.1.2012 /

*) Von der Verkäuferin "jenni228". Angebotenen unter dem Titel "Ansichtskarte Ludendorff Gräfe N.S. Freiheitsbewegung Weimar 1924" (Ebay, Ablauf 4.12.10)
**) Siehe dazu auch erneute Versteigerung bei Hermann-Historica April 2010, der zweite Brief wohl falsch datiert auf 1925.

__________________________________
  1. Autographen und Urkunden aus vier Jahrhunderten in chronologischer Ordnung. Katalog 691. J.A. Stargardt Antiquariat, Berlin, Juni 2009, Nr. 893
  2. Grill, Johnpeter: The Nazi Movement in Baden, 1920 - 1945. The University of North Carolina Press, Chapel Hill 1983
  3. von Graefe, Albrecht: In Harmonie von deutschem Stolz und Demut vor Gott. Erwiderung eines deutschen Christen auf Frau Mathilde Ludendorff's „Erlösung von Jesu Christo“. Rethra-Verlag, Rostock 1931
  4. Mauersberger, Volker: Hitler in Weimar. Der Fall einer deutschen Kulturstadt. Rowohlt, Berlin-Verlag, Berlin 1999

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