Donnerstag, 2. Februar 2012

Der Schriftsteller Hermann Rehwaldt, der Mitarbeiter Erich und Mathilde Ludendorffs (I)

Teil 1: 1896 bis 1933

Der Übersetzer, Dolmetscher, Journalist und Schriftsteller Dr. Hermann Rehwaldt (1896 - 1972) war einer der langjährigsten engeren Mitarbeiter Erich und Mathilde Ludendorffs. Zwischen 1930 und 1939 - mit einer Unterbrechung zwischen 1934 und 1937 - hat er als zweiter Schriftleiter ihrer Wochenzeitung, bzw. ihrer Halbmonatszeitsschrift gearbeitet. Ebenso war er Autor der Ludendorff-Bewegung nach seiner Rückkehr aus Kriegsgefangenschaft bis zu seinem Lebensende. Als solcher war er einer der ersten Mitarbeiter, der sich in das von dem Ehepaar Ludendorff aufgeworfene Thema Okkultismus tiefer eingearbeitet hat, und der darüber bis an sein lebensende veröffentlicht hat.

Hermann Rehwaldt verstand sich aber auch als Romanschriftsteller und hat schon 1932 seinen ersten Roman veröffentlicht. Ebenso hat er Bücher und Geschichten für Kinder geschrieben, wie der für ihn zusammengestellten Bibliographie entnommen werden kann. Was über sein - zum Teil sehr abenteuerliches - Leben in Erfahrung zu bringen ist, soll in dem folgenden vierteiligen Blogbeitrag zusammengetragen werden. Ein solcher Versuch ist, soweit übersehbar, noch nirgendwo gemacht worden. (Falls Leser noch Fotos von Hermann Rehwaldt besitzen sollten, wären wir für die Zusendung derselben dankbar, da kein einziges von ihm bislang zu bekommen war.)

1896 - 1915 - In Archangelsk aufgewachsen als Sohn eines Getreidegrossisten und Sägemühlenbesitzers

Hermann Rehwaldt starb im Juli 1972 mit 76 Jahren. Aus diesem Anlaß wurden folgende Worte über ihn veröffentlicht:
Erschüttert stehen wir an der Totenbahre Hermann Rehwaldts. Wer den schlanken, jugendlich rüstigen Mann mit dem schmalen Gesicht und den klugen Augen voll Lebensweisheit noch vor sich sieht, kann es noch nicht fassen, daß er nun die Augen für immer geschlossen hat. Nach dreiwöchigem Krankenlager ist er einem Leiden erlegen, das er sich in den Entbehrungen der russischen Gefangenschaft zugezogen hatte. Ein tapferes Leben ist damit zu Ende gegangen, das in seinem Aufriß zugleich Spiegelbild des Völkerschicksals der letzten 70 Jahre gewesen ist.
Hermann Rehwaldt war als Sohn eines Deutschen und einer baltisch-russischen Mutter in Rußland geboren und aufgewachsen. 1914 legte er die Reifeprüfung an einem kaiserlich-russischen Gymnasium ab. In ausgedehnten Reisen, die ihn bis auf die Krim und in den Kaukasus führten, lernte er weite Teile Rußlands kennen. Er erwarb sich umfassende Kenntnisse der alten und neuen, später auch der sowjetischen Literatur und Kunst. Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges wurde er als Deutscher interniert, doch gelang ihm eine abenteuerliche Flucht nach Deutschland.
Über seine Flucht aus der Internierung in Rußland hat Hermann Rehwaldt in seinem Buch "Von vielen - einer - Das Schicksal eines Auslandsdeutschen" berichtet, das 1937 im Ludendorffs Verlag herausgekommen ist. Auf der ersten Seite enthält es folgende Widmung:


Meinen Eltern
und allen Deutschbewußten, durch die Weimarer Republik schmählich betrogenen und ausgeraubten, um ihr Recht ringenden Auslandsdeutschen zugeeignet.

Diese Widmung verdeutlich den autobiographischen Charakter dieses Buches und auch eines der Themen desselben. Allerdings wird nicht recht deutlich, ob das gesamte Buch, vor allem auch die hinteren Teile eindeutige autobiographische Züge aufweisen. In Verlagsanzeigen wird es als "romanhafte Erzählung" bezeichnet (Quell, 5.2.1938). In diesem Buch berichtet Hermann Rehwaldt über seinen Vater (S. 140):
Als junger Angestellter nach Rußland gekommen hat er in zäher Arbeit, eiserner Energie und preußischer Sparsamkeit in zwanzigjähriger Tätigkeit ein Vermögen geschaffen, das in Deutschland bereits als Reichtum galt.
Dieser Vater war "Getreidegrossist und Sägemühlenbesitzer" (S. 18)  - nach diesem Buch - in Archangelsk (S. 33ff), einer Hafenstadt oberhalb der Mündung der Nördlichen Dwina in das Weiße Meer. Dort ist also offenbar Hermann Rehwaldt geboren und aufgewachsen. Dort auch hat er das Abitur gemacht. Seine Familie besaß zwar einerseits die deutsche Staatsangehörigkeit. Seine Mutter sprach jedoch in seinem Elternhaus - und auch noch in Deutschland - meistens Russisch. Deshalb beherrschte Hermann Rehwaldt die russische Sprache ebenso gut wie die deutsche: "Es ist sozusagen meine zweite Muttersprache" (in: "Enträtseltes Rußland", S. 9).


Abb. 1: Der Hafen von Archagenlsk vor 1914
Rehwaldts Mutter wurde 1914 zu Anfang des Krieges - obwohl sie aus dem Baltikum stammte und noch nie zuvor in Deutschland gewesen war - mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder nach Deutschland abgeschoben. Sein Vater wurde wegen dringenden Spionageverdachts nach Sibirien deportiert (S. 82).

Besonders hinsichtlich der Schilderung der eigenen Flucht aus dem Internierungslager zwischen dem Juni 1915 und dem März 1916, sowie hinsichtlich der Schilderung seiner Erlebnisse als Freikorpskämpfer im Baltikum im Jahr 1919 ist das genannte Buch aus dem Jahr 1937 sehr spannend und aufschlußreich zu lesen.



Abb. 2: Begräbnis in Archangelsk vor 1914
In diesem Buch beschreibt Hermann Rehwaldt auch die Stadt Archangelsk, in der er geboren und aufgewachsen ist und mit der er sich sehr verbunden fühlte, sehr anschaulich. Die Darstellung ist von Liebe zu dieser Stadt durchdrungen. Interniert war er in einer schmutzigen Bauernkate in Ust-Zilma am Fluß Petschora in Sibirien (S. 5), etwa 500 Kilometer oder mehr östlich von Archangelsk. "Google Maps" kann noch heute keine direkte Verbindung vom einen zum anderen Ort benennen, so abgelegen ist diese Gegend noch heute. Rehwaldt schreibt über die Motive seiner Flucht als 19-Jähriger (über sich selbst in der dritten Person) (S. 12)
Das Pflichtgefühl Volk und Heimat gegenüber hatte ihn aus der zwar unbequemen, aber sicheren Unfreiheit der Gefangenschaft in die unsichere, ja gefahrvolle Freiheit der Flucht gedrängt. Er konnte es mit seiner Ehrauffassung nicht vereinbaren, daß draußen, in West und Ost Deutsche Männer Wache für ihre Heimat standen, ihre Pflicht als freie Männer mit ihrem Blute und Tod besiegelten, während er, untätig und sicher, in einem elenden Mischlingsnest unter Syrjänen, Halbrussen, Halbsamojeden saß. Und da er (...) eine vollkommene Ausrüstung für einen langen Urwaldmarsch besaß,
Abb. 3: Samojede
- insbesondere eine Schrotflinte - begab er sich denn auf die Flucht. Anfangs zusammen mit einem Freund, der aber an Malaria erkrankte und die Flucht vorzeitig abbrach. Mit seiner Schrotflinte konnte sich Rehwaldt während der Flucht Wild schießen, zumal er schon zuvor in Archangelsk während seiner Jugend das Jagen und das Leben und Überleben im nordsibirischen Urwald gelernt hatte. Während der Flucht mußte er den reißenden Fluß Mesen überwinden, wobei er die Hälfte seines Gepäcks verlor (S. 6). Am Fluß Kuloi wurde er von einem über ihm im Baum sitzenden Luchs angegriffen (S. 6). Er mußte den Fluß Pinega überqueren und geriet in lebensgefährliche Sümpfe (S. 11f):
Seine angeblich neueste Karte des Archangelsker Gouvernements war unzuverlässig bis zur Grenze des Möglichen. Er hatte auf seinem Marsch Seen, Gebirgsketten, Flüsse entdeckt, wo nach der Karte endloser glatter Urwald sein sollte. Er hatte gefunden, daß der Norden des Archangelsker Gouvernements schöner und abwechslungsreicher in der Landschaft war, als die Menschen sagten und die Karten zeigten.
In Archangelsk angekommen, wurde er aber schließlich kurz vor seiner Einschiffung im Hafen erneut verhaftet und zurück nach Pinega deportiert, 140 Kilometer östlich von Archangelsk. Im Februar 1916 unternahm er von dort aus mit dem vormaligen Fluchtkameraden und einem zweiten eine abenteuerliche Flucht mit nomadischen Samojeden und ihren Rentierschlitten zur über 1.500 Kilometer weit entfernten norwegischen Grenze (S. 75ff). Diesmal gelang die Flucht. Und zwar trotz eines Schneesturmes, obwohl sie von einer Samojedenfamilie an eine andere weitergereicht wurden, und obwohl sie ihr letzter samojedischer Führer mitsamt den Reit-Rentieren noch vor ihrem Ziel über Nacht heimlich verließ. Vermutlich aus abergläubischer Furcht heraus.

1915 - 1929 Frontsoldat, Freikorpskämpfer und Studium in Deutschland

In dem schon zitierten Nachruf aus dem Jahr 1972 heißt es über die weitere Zeit im Leben von Hermann Rehwaldt:
Er wurde Soldat und kämpfte an der Westfront, später im Baltikum.
Über die Teilnahme am Ersten Weltkrieg berichtet das Buch "Von vielen - einer" nichts. Es setzt in der weiteren Erzählung damit ein, daß Rehaldt im Oktober 1918 verwundet in einem Lazarett im Westen Deutschlands liegt (S. 100ff). Zu Weihnachten 1918 war er zu Hause in Berlin bei seiner Mutter und seinem Bruder. Sein Vater war inzwischen auch aus Rußland nach Deutschland gekommen und zu dieser Zeit eingesetzt als ein deutscher Bahnhofskommandant in der Ukraine. Doch noch vor Weihnachten 1918 meldet sich Rehwaldt zu einem Freikorps-Einsatz im Baltikum im Rahmen der "Eisernen Division". Dorthin bricht er nach Neujahr auf. In Kowno im ehemaligen Offizierskasino trifft er seinen vormaligen Fluchtkameraden wieder (S. 112f), mit dem gemeinsam er den weiteren Feldzug im Baltikum erlebt. Dabei kommt es auch zu Diskussionen über das jüdische Christentum, das schon zu dieser Zeit von vielen Offizierskameraden Rehwaldts wie auch von ihm selbst kritisch gesehen oder abgelehnt wird.

Rehwaldt wird - nach dem Bericht - erneut schwer durch eine Granate verwundet (S. 136ff). Zunächst zweifeln die Ärzte an seinem Durchkommen. Er wird von seiner Mutter aus dem Baltikum nach Königsberg abgeholt und braucht eine sehr lange Genesungszeit. Rehwaldt schildert dann noch - anhand des Schicksals seiner Eltern - die großen Schwierigkeiten der Auslandsdeutschen, nach dem Krieg den ihnen noch vom kaiserlichen Staat versprochenen Vermögensausgleich für die im Ausland erlittenenen Vermögensverluste zu erhalten. Soweit sie überhaupt ausgezahlt wurden, zerronnen sie in der Inflationszeit fast zu nichts.

Ob und inwieweit der zweite Teil seiner "romanhaften Erzählung" "Von vielen - einer" noch autobiographische Züge trägt, wird einstweilen dahinstehen müssen. Überhaupt wundert man sich, daß manche der Inhalte dieses Buches 1937 im Ludendorffs Verlag erscheinen konnten. In diesem zweiten Teil studiert die Hauptperson der "romanhaften Erzählung" Kunst, nimmt als vorgetäuschter expressionistischer Maler den Kunden des Berliner Kurfürstendamms überraschend viel Geld aus der Tasche und hat viele "Freundinnen". Schließlich kann er sich aus diesem Leben "herausretten" und wird Plakatzeichner einer Firma. Er heiratet, zieht kurz nach dem Hitler-Putsch von 1923 nach München, schließt sich dort der völkischen Bewegung an, hat ein Kind, läßt sich jedoch bald wieder scheiden. Sein Bruder wird in der Zwischenzeit in Berlin in politischen Auseinandersetzungen von Kommunisten erschossen. (Soweit zu hören ist, hatte Hermann Rehwaldt aber noch nach 1945 einen Bruder, der in der DDR lebte.) Soweit im Wesentlichen jedenfalls die Inhalte des zweiten Teiles dieses Buches, die doch deutlicher im Gegensatz stehen zu den Worten, die am Grab über sein damaliges Leben gesagt werden. Diese seien nun zunächst einmal im Gesamtzusammenhang wiedergegeben: 
Nach dem Ende des Krieges studierte er in Berlin und Heidelberg, unternahm In- und Auslandsreisen in viele Länder Europas, so unter anderem nach Skandinavien und auf den Balkan. (...) Zugleich wandte er sich einer journalistischen und schriftstellerischen Tätigkeit zu. (...) 1930 berief ihn General Ludendorff in die Schriftleitung von "Ludendorffs Volkswarte" an die Seite Karl von Unruhs. Insbesondere vertraute ihm General Ludendorff die Spalte "Die Hand der überstaatlichen Mächte" an. (...) Vor allem widmete sich Hermann Rehwaldt dem Aufklärungskampf gegen den Okkultismus. Ungezählt sind seine Abhandlungen in "Am Heiligen Quell".
Im 2. Weltkrieg tat Hermann Rehwaldt als Dolmetscher Dienst bei einer deutschen Panzerdivision in der Ukraine, am Don und im Kaukasus, später in Lettland, wo er bei der Kapitulation in Gefangenschaft geriet. Es folgten die langen Jahre der Kriegsgefangenschaft, Gefängnis in Lettland, schließlich die Verurteilung gemäß des berüchtigten § 58 als angeblicher Kriegsverbrecher zu 25 Jahren Arbeitslager, diesmal in Zentralrußland und am Ural. Unsagbar Schweres hat er dabei durchmachen müssen. Mit schlimmen gesundheitlichen Schäden kehrte er nach fast 9 Jahren endlich 1954 in die Heimat zurück. Sein Heim war vernichtet, seine Frau kurz vor Kriegsende ums Leben gekommen, aber glücklicherweise die Tochter bei Verwandten am Leben.

Doch seelisch ungebrochen trug Hermann Rehwaldt sein Schicksal. (...) Nach Kräftigung seiner Gesundheit und auf Grund seiner Sprachkenntnisse - beherrschte er doch gleichermaßen das Russische wie das Deutsche (...) - war er bis zu seiner Pensionierung als Dolmetscher und Übersetzer bei Krupp in Essen tätig. In seiner zweiten Frau fand er einen neuen Lebensgefährten.
In seinem Roman "Die Kommenden" von 1959 schreibt er offenbar über sich selbst, wenn darin in Ich-Form berichtet wird:
Ich hatte ein Jahr Schützengraben in Flandern hinter mir und die Freikorpszeit im Baltikum und fühlte mich schon als alter Krieger,
als er Student wurde und während er zwischen den jungen Angehörigen seiner schlagenden Studentenverbindung im Berliner Westen saß. Und an anderer Stelle heißt es (13.11.59):
Zwei Jahre Schützengraben, das macht frühzeitig reif und hart. Vor allem hart.
In einem anderen Aufsatz ("Aus dem Chaos zur Erkenntnis") schreibt er über die Stimmung in seiner Jugendzeit:
Wir rebellierten, schlugen uns in den Freikorps in der Heimat mit den Roten, in Oberschlesien mit den Polen, im Baltikum mit den Russen herum und marschierten, von jubelnder Bevölkerung und schwarzweißroten Fahnen begrüßt während des mißratenen und verratenen Kapp-Putsches aus Döberitz in Berlin ein. 
Da wären also auch Lebensinhalte genannt, die in dem Berich "Von vielen - einer" nicht angeführt sind. In Rehwaldts Roman "Die Kommenden" hatte der Ich-Erzähler, der augenscheinlich viele autobiographische Züge aufweist, während seiner Studienzeit wohlhabende Eltern, die im Norden von Berlin wohnten und dem Sohn eine Studentenzeit ermöglichten, in der er sogar Freunde finanziell unterstützen konnte. Möglicherweise galt das also auch für Rehwaldt. Obwohl auch dies recht deutlich im Gegensatz stehen würde zu dem Bericht in "Von vielen - einer". Rehwaldt weilte Ende der 1920er Jahre unter anderem auch in London. Schreibt er doch 1958 in seinem Buch "Vor einem neuen Äon" (S. 143):
In London begegnete ich einmal Ende der zwanziger Jahre einem anderen tibetischen Geistlichen, der durchaus keinen klerikalen Eindruck machte und im "Savoy" abgestiegen war. Auch er sprach gut englisch und zeigte sich über die weltpolitische Entwicklung gut unterrichtet.
Hermann Rehwaldt über Mathilde Ludendorff

Im Jahr 1966, aus Anlaß des Todes von Mathilde Ludendorff, hat Hermann Rehwaldt berichtet, wie er Ende der 1920er Jahre als Mitglied des Tannenbergbundes begonnen hat, sich mit der Philosophie Mathilde Ludendorffs zu beschäftigen. Dabei berichtet er aus seinem Leben etwa in der Zeit zwischen 1926 und 1929, in der er - wohl spätestens seit 1927 - zum Tannenbergbund gehört haben muß. Er schreibt also nach der oben teilweise schon angeführten Schilderung der revoltierenden Jugend nach dem Ersten Weltkrieg: 
Nun will ich kurz von mir selber sprechen. ... Ich will nicht behaupten, daß ich um diese Zeit ein "Gottsucher" war; doch vom Christentum hatte ich mich schon recht früh gelöst. Und ich las auf allen Gebieten – freilich am wenigsten Philosophie, weil mein Professor an der Universität mit seiner Art der "Einführung in die Philosophie" einen gründlichen Widerwillen gegen diese ehrwürdige Wissenschaft in mir geweckt hatte. Jemand schenkte mir einmal das um die Mitte der zwanziger Jahre moderne Buch von Prof. van der Velde "Die Ideale Ehe". Vorher hatte ich schon Forels "Die sexuelle Frage" gelesen. Obwohl ich niemals prüde war, erweckten diese beiden mechanistischen Rezepturen eines synthetischen Eheglücks einen tiefen Widerwillen – ja gegen dieses ganze Problem. Und nun wollte der Zufall, daß mir auf der Suche nach Reiselektüre in einer völkischen Buchhandlung in Berlin ein Buch "Erotische Wiedergeburt" von einem Dr. med. M. v. Kemnitz warm empfohlen wurde. Erst wollte ich es gar nicht haben, da mir das Thema, wie gesagt, widerstrebte. Dann ließ ich mich überreden und kaufte das Bändchen.
Im Abteil las ich es, zuerst widerwillig und mißtrauisch, dann mit immer größerer Begeisterung. Ich fand, daß dieser Dr. M. v. Kemnitz ein verdammt mutiger, sauberer und mordsmäßig begabter Kerl war – ich bitte diese damals bei uns übliche Redeweise zu entschuldigen.
Und als ich später wieder einmal in Berlin war, suchte ich die Buchhandlung auf und fragte nach anderen Werken dieses M. v. Kemnitz. Die Verkäuferin legte mir ein Bändchen vor: "Triumph des Unsterblichkeitwillens" war die anspruchsvolle Überschrift. Da ich in Eile war, ließ ich das Buch unbesehen einpacken, und als ich bezahlte, sagte sie: "Wissen Sie, wer der Verfasser ist? Dr. Mathilde Ludendorff. Ludendorffs Frau."
Was ich damals an bücherschreibenden Damen kennengelernt hatte, war wenig dazu geeignet, ihre Werke mit Begeisterung aufzunehmen. So nahm ich das Buch mit gemischten Gefühlen, eilte zum Zug und packte es zögernd im Abteil aus. Immerhin – von der gleichen Verfasserin stammte das Buch, das mich erst vor wenigen Tagen so begeistert hatte. Ich schlug die erste Seite auf und stutzte: Verse! Und was für welche. Ich war "humanistisch" erzogen worden, d. h. in den Kriterien der klassischen Dichtkunst mit ihren Jamben, Choreen, Hexametern und wie die Versmaße alle hießen. Dies aber ließ sich in kein klassisches Versmaß, nicht einmal in die Stabreime einordnen:
"Wie Schatten flüchtig gleiten die Menschengeschlechter über die Erde,
Sie blühn und vergehen und singen dabei das hohe,
Das niemals verstummende Lied unsterblichen Lebens!"
Die Schönheit der Wortgestaltung ging mir damals nicht auf. Ich blätterte etwas weiter, schlug das Buch dann zu und steckte es in meine Mappe. "Pathetisch und hochtrabend", war mein Urteil. Wie kann man so etwas dem Leser zumuten! Und das war die Gattin des Generals Ludendorff? (...)
Ludendorff galt für uns Freikorpsleute und später in den sogenannten Vaterländischen Verbänden als unser oberster Schirmherr, als unsere letzte Hoffnung. Aber seine Frau, diese ehemalige Frau Dr. med. M. v. Kemnitz, war uns kein Begriff. 
Ein gutes Jahr später stieß er bei einem Umzug in eine andere Wohnung wieder auf dieses Buch. Und nun las er den zweiten Teil, den Prosateil zuerst:
Philosophie? Biologie? Religionsgeschichte? (...) Die Welt erschloß sich mir in einem völlig anderen Licht. Das Chaos lichtete sich, gewann seinen Sinn. (...) Damals gehörte ich schon seit etwa zwei Jahren dem Tannenbergbund an, der politisch-weltanschaulichen Kampforganisation Ludendorffs. Wohl die meisten Mitglieder dieses Bundes sahen die Hauptaufgabe der Organisation in der Verbreitung des Schrifttums und der Erkenntnisse des Hauses Ludendorff über die sogenannten überstaatlichen Mäche. Auch ich gehörte zu dieser Kategorie - bis ich den "Triumph" kennengelernt hatte.  
Wie Rehwaldt wenige Jahre später Mathilde Ludendorff und ihre Zusammenarbeit mit Erich Ludendorff aus nächste Nähe erlebt hat, wird noch weiter unten angeführt.

1929 - 1933 Rehwaldts Erinnerungen an Erich Ludendorff


Abb. 4: Erich Ludendorff (1934/35?)
Hermann Rehwaldt hat im Jahr 1965 aus Anlaß des 100. Geburtstages Erich Ludendorff auch einige Erinnerungen über seine Mitarbeit im Ludendorffs Verlag berichtet:
Seit 1930 hatte ich die Ehre, dem engeren Kreis um den General anzugehören - ich wurde als 2. Schriftleiter zur "Ludendorffs Volkswarte" berufen gerade in der Zeit, da die Veröffentlichung des Generals "Weltkrieg droht auf deutschem Boden" die Auflage des Wochenblattes schlagartig in die Höhe schnellen ließ. Auf meinem bescheidenen Posten als 2. Schriftleiter durfte ich an dem gewaltigen weltanschaulichen Kampf des Hauses Ludendorff teilnehmen, und diese Zeit von 1930 bis 1933 und von 1935 bis 1939 wird mir unvergeßlich bleiben.
Die ungeheure Arbeitskraft des Generals, die er voll und ganz in den Dienst des Kampfes stellte, riß auch alle seine Mitarbeiter mit, so daß sie das Letzte von sich abforderten. Ich erinnere mich, wie wir, Herr v. Unruh als Hauptschriftleiter und ich als sein Gehilfe, bis 19 Uhr auf der Schriftleitung arbeiteten und dann noch Manuskripte und Briefschaften mit nach Hause nahmen, um sie abends durchzuarbeiten. Die rasch anwachsende Korrepondenz zwang uns, manch einen Sonntag Briefe zu diktieren. Wir sahen aber den Erfolg des Aufklärungskampfes, der sich in den steigenden Auflageziffern der Zeitung und der Bücher und Schriften des Verlages niederschlug, und so machte uns die Arbeit Freude. 
Der General arbeitete zu Hause (...). Praktisch war er der Hauptschriftleiter der "Volkswarte", doch er schränkte dabei unsere Initiative niemals ein. So hatte man nicht das Gefühl, bezahlter Angestellter zu sein, sondern fühlte sich als Mitarbeiter mit allen Pflichten und Rechten eines solchen.
Hier sei kurz eingeschoben, was Hermann Rehwaldt in seinen Erinnerungen an Karl von Unruh 1969 über diesen schrieb:
In seiner gepflegten Wohnung in Schwabing hatte ich oft Gelegenheit, die warme und gemütvolle Gastfreundschaft seiner kinderreichen Familie zu genießen und ihm selbst seelisch näher zu kommen.
Nun setzte Rehwaldt in seinen Erinnerungen an Ludendorff (aus dem Jahr 1965) fort:
Als Herr v. Unruh Anfang 1932 erkrankte, ...
- 1969 spricht Rehwaldt gar von einem Nervenzusammenbruch von Unruhs aufgrund von Überarbeitung und seelischer Anspannung infolge von Gerichtsprozessen und ähnlichem -
... hatte ich Gelegenheit, die Arbeitsweise und die Persönlichkeit des Generals noch näher kennen zu lernen. Es war die Regel, daß der verantwortliche Schriftleiter jeden Sonnabend vormittag zum General nach Tutzing hinausfuhr, um ihm das Material für die nächste Folge vorzulegen und die Erledigung der wichtigsten Korrespondenz mit ihm zu besprechen. Auch früher habe ich manchmal Herrn v. Unruh begleiten dürfen, nun aber mußte ich allein hin mit der dicken Mappe voll Briefschaften und Manuskripten. Zwei Stunden Vortrag bei General Ludendorff waren kein Kinderspiel und keine Erholung. Es bedurfte höchster Konzentration, um die präzisen und raschen Fragen des Generals ebenso präzise und knapp zu beantworten, wozu man den Inhalt der Manuskripte und der manchmal recht umfangreichen Briefe beherrschen mußte. Manchmal fragte der General nach meiner Meinung, und wenn er mit meiner Antwort nicht einverstanden war, so erläuterte er jedesmal kurz, aber überzeugend seine Gründe. Manche Briefe nahm er zur Beantwortung an sich, namentlich solche, in denen wir - die Schriftleitung - von Mitkämpfern im Reich aus irgendwelchem Grunde angegriffen wurden.
Jedenfalls kam ich mir jedesmal geistig restlos entleert vor, wenn ich meine Mappe zumachen durfte und Frau Dr. Ludendorff erschien, um zu Tisch zu bitten. Manchmal war der Vortrag früher zu Ende und dann schickte mich der General zum Schwimmen an den See, wo er eine kleine Badehütte besaß. Das erste mal hatte ich keine Badehose bei mir, worauf der General entschied: "In der Kabine hängen welche von mir. Nehmen Sie sich eine." Leider ging es damit nicht, ich war dafür zu schlank.
Ich habe General Ludendorff als den bezauberndsten Gastgeber kennen gelernt, der jeden Gast wie seinesgleichen behandelte, gern zuhörte und lachte. Die seltenen kleinen Feste auf Prinz Ludwigshöhe oder in Tutzing waren Musterbeispiele einer gepflegten und herzlichen Gastfreundschaft.
1932 - Schriftleiter- und Druckereiwechsel 

Ab dieser Stelle werden die Erinnerungen von Hermann Rehwaldt in der Chronologie der Ereignisse sehr unzuverlässig. Dies geschah sicherlich eher unbewußt, wobei aber die Person Rehwaldts "wie von selbst" etwas mehr Bedeutung bekam, als sie damals tatsächlich innehatte. Es geschieht dies dadurch, daß Rehwaldt eine Vielzahl von ganz unabhängigen und zeitlich zum Teil um mehr als ein Jahr auseinanderliegenden Ereignissen und Vorgängen allesamt in Zusammenhang stellt mit den kurzen, wenigen Wochen um den Jahreswechsel 1931/32, in denen er selbst erster Schriftleiter war. Doch sei zunächst, um den Zusammenhang zu bewahren, vollständig die historisch ganz unkorrekten Erinnerungen zitiert. Die Angaben werden dann im einzelnen geprüft und in den historisch richtigen Zusammenhang gestellt:
Mein Name stand im Impressum der "Volkswarte" ausgerechnet in der Blütezeit der Brüningschen Verordnungen und der schwarzen Reaktion. Der General begann damals seine Artikelserie über die Neudeck-Affäre, in der der Reichspräsident v. Hindenburg scharf angegriffen wurde. Die Regierung antwortete mit Beschlagnahme unseres Blattes, wobei freilich niemals die Neudeck-Artikel, sondern irgend ein anderer Beitrag willkürlich inkriminiert wurde. Der General parierte energisch, wie es seine Art war. (...) Nach der zweiten oder dritten Beschlagnahme erschien "Ludendorffs Volkswarte" mit schwarzen Zensurlücken im Leitartikel.
Hier sind mindestens drei, eher sogar vier ganz verschiedene Themen und Vorgänge durcheinander und miteinander in einen Zusammenhang gebracht worden, der gar nicht bestanden hat. Erster Schriftleiter war Rehwaldt laut Impressum vom 6. Dezember 1931 bis 10. Januar 1932 (vertretungsweise während eines Schriftleiterwechsels). Beschlagnahmungen der Zeitung hat es gegeben, sie geschahen aber, soweit übersehbar, lange vor dem Schriftleiterwechsel, auch längere Zeit, bevor die genannte Selbstzensur einsetzte und noch viel längere Zeit, bevor die Neudeck-Affäre Ende 1932 begann. Während der Neudeck-Affäre hat es hinwiederum, soweit übersehbar, weder Beschlagnahmungen noch Selbstzensur gegeben. Und schließlich: Die genannte Selbstzensur erfolgte auch nicht in unmittelbarer Reaktion auf Beschlagnahmungen, wie aus den Worten hervorgeht, die Ludendorff in einer Anmerkung auf der Titelseite am 2. August 1931 veröffentlichte, als er mit denselben begann:
Da ich Niemandes "Ruhe und Ordnung", erst recht nicht dessen "Sicherheit" in Deutschland "gefährden", auch nicht einen unbegründeten "Verdacht" erregen will, so übe ich "Kriegszensur" und überdrucke seit der letzten Notverordnung über die Presse (s. "Ludendorffs Volkswarte", letzte Folge) die Stellen schwarz, die ängstliche Gemüter in ihrer "Ruhe, Sicherheit und Ordnung" gefährden könnten, so wie es damals im Weltkriege zum Schutze des Volkes und Vaterlandes geschah. Daß es das Wichtigste ist und sein wird, das ich dem Volke mitzuteilen habe und haben werde, ist ein leidiger Zufall und erinnert nicht an die Kriegszensur.
Der unmittelbare Anlaß für diese Selbstzensur waren also keineswegs die Beschlagnahmungen, deren Chronologie noch einmal gesondert behandelt werden müßten. Dieses Impressum hatte für das ganze Jahr 1931 bis zur Folge vom 29. November gelautet:
Verantwortlich für den Gesamtinhalt Karl v. Unruh, München. (...) Rotationsdruck: Münchner Buchgewerbehaus Müller & Sohn. 
In den Folgen 49, 50, 51 und 52, also seit dem 6. Dezember 1931 bis zur Folge 1 vom 10. Januar 1932 ist im Impressum Hermann Rehwaldt als Schriftleiter angegeben:
"Verantw. Schriftleiter: Hermann Rehwaldt, München."
Ab Folge 2 vom 17. Januar 1932 und für das ganze weitere Jahr 1932 ist dann Erich Biermann als Schriftleiter angegeben, zunächst noch mit der bisherigen Druckerei in München: 
"Verantw. Schriftleiter: Dr. Erich Biermann, München. (...) Druck: Müller & Sohn, München". 
Ab Folge 5 vom 7.2.1932 wechselt im Impressum dann auch die Druckerei in:
"Druck: Hempel & Co. G.m.b.H., Berlin SW 68".
So lautet das Impressum dann bis zum Verbot der Zeitung im Sommer 1933. Erich Ludendorff schreibt in seinen Lebenserinnerungen zu diesem Schriftleiterwechsel (S. 336f):
Um den Jahreswechsel mußte ich auch eine Änderung in der Schriftleitung der "Ludendorffs Volkswarte" vornehmen. 
Hauptmann Karl von Unruh hatte wegen Überarbeitung - Rehwaldt schreibt an anderer Stelle sogar von Nervenzusammenbruch - einen längeren Erholungsurlaub gewünscht und übernahm deshalb ab 1. April 1932 die Schriftleitung der von der vorwiegend politischen Wochenzeitung abgetrennten Kulturzeitschrift "Am Heiligen Quell Deutscher Kraft". Ludendorff:
Nachfolger des Hauptmanns v. Unruh wurde Dr. Biermann. (...) Die Zusammenarbeit mit Dr. Biermann gestaltete sich genau so, wie bei Hauptmann v. Unruh zu einer sehr harmonischen.
Hermann Rehwaldt und sein Interim erwähnt Ludendorff an dieser Stelle seiner Lebenserinnungen nicht. Warum Rehwaldt damals und auch später eigentlich nicht selbst dauerhaft zum ersten Schriftleiter aufrückte, wird, soweit übersehbar, nirgendwo erwähnt. Es wird aber sicherlich Gründe dafür gegeben haben.

1932 - "Meine Zeitung ist ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung" - Erich Ludendorff 

Gerade aus dieser Zeit des Interims von Hermann Rehwaldt als Schriftleiter ist im Januar 2010 ein Brief Erich Ludendorffs bekannt geworden. Sein Wortlaut bezieht sich wahrscheinlich auf den ersten Probedruck der Zeitung in Berlin:
München, den 3. Februar 1932
Geehrte Herren!

Die erste Nummer, die bei Ihnen gedruckt ist, ist gut gelungen. Mir ist aber von Herrn Rehwaldt gemeldet, daß die Setzer seinen Anordnungen nicht immer mit dem guten Willen folgen wollten, wie es nun einmal erforderlich ist, um die Zeitung wirklich in vollendeter Form herauszubringen. Mein Blatt ist keine Tageszeitung. Sie ist ein Dokument von weltgeschichtlicher Bedeutung. Ich bitte Sie, das zu berücksichtigen und auch Ihren Angestellten ans Herz zu legen. Ich bin überzeugt, daß unsere Zusammenarbeit dann eine harmonische sein wird.

Mit Deutschem Gruß!
Ludendorff.
Es handelt sich also offenbar um einen Brief an die auch im Impressum genannte neue Druckerei in Berlin, in der die Wochenzeitung "Ludendorffs Volkswarte" nun gedruckt worden ist. Warum es auch zu einem Wechsel in der Druckerei gekommen ist, ist nicht bekannt. Diesen Wechsel erwähnt Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen nicht, ebensowenig Hermann Rehwaldt in seinem Bericht. Es ist sicherlich schon eine Folge bevor die Angaben im Impressum wechselten, in Berlin eine Probenummer gedruckt worden, die  dann Ludendorff zur Begutachtung erhielt.

Man wird also davon ausgehen dürfen, daß dieser Brief an die Druckerei Hempel & Co. in Berlin gerichtet war.*) Über die vorherige Druckerei schreibt Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen in Zusammenhang mit der Gründung des Ludendorffs Verlages 1929 (S. 222):
Die neue Zeitung sollte in der Druckerei von Müller & Sohn gedruckt werden; die Druckerei war zwar römisch und nationalsozialistisch eingestellt, sie gab ja auch den "Völkischen Beobachter" heraus wie viele bayerische kleinere Zeitungen in verschiedenen Köpfen, aber sie arbeitete durch und durch zuverlässig, und eine völkische Druckerei stand in München nicht zur Verfügung.
1932/33 Wie wurde Hitler Reichskanzler?

Daß Hermann Rehwaldt aber nun gerade die Neudeck-Affäre Ende 1932 so stark in Erinnerung geblieben war, daß er vieles andere ebenfalls auf diese - ganz falsch - bezog, ist immerhin deshalb verständlich, weil sie ja sehr unmittelbar mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler in Zusammenhang steht. Und gerade auch dazu tragen die Erinnerungen Hermann Rehwaldts viel Erhellendes bei. Man vergleiche zunächst vor allem den Wikipedia-Artikel zur Neudeck-Affäre, bzw. zum "Osthilfeskandal", in dem es heißt:
General Ludendorff startete am 27. November 1932 in seiner „Volkswarte“ eine Kampagne, in der er auf Unregelmäßigkeiten bei Finanzierung und Sammlung für das Gut Neudeck aufmerksam machte und Hindenburg die Beeinflussbarkeit durch „bestimmte Kreise“ vorwarf. usw.
Die Vorgänge haben wir ausführlicher auch schon hier behandelt. Vier Jahre nachdem Rehwaldt seine oben zitierten Erinnerungen an Erich Ludendorff veröffentlicht hatte, veröffentlichte er anläßlich der Besprechung der Erinnerungen von Otto Strasser (9.10.1969) weitere selten erwähnte Erinnerungen, die die Absichten von General von Streicher viel deutlicher erklären und erläutern, als sie von Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen angedeutet worden waren:
Wie sehr das Interesse der Öffentlichkeit durch diese Enthüllungen (Ludendorffs) geweckt wurde, geht allein daraus hervor, daß die Auflage der "Ludendorffs Volkswarte" in diesen Tagen von etwa 80 000 auf rund 100 000 gestiegen war. Als General v. Schleicher von diesen Veröffentlichungen unterrichtet wurde, und angesichts des Schweigens des Feldmarschalls dazu die Unvorsichtigkeit beging, im engsten Kreis von moralischem Korruptionssumpf und von der Notwendigkeit zu sprechen, diese Angelegenheit ohne Ansehen der Person von Rechts wegen zu klären, wurden diese Worte der NSDAP hinterbracht.
Auch Göring soll - laut Rehwaldt - in einem Telefongespräch Hindenburg davor gewarnt haben, daß Schleicher die Absicht habe, ihn, Hindenburg, vor Gericht zu stellen:
Übrigens rühmte sich Hermann Göring später in einem Privatgespräch dieser seiner Rolle in der entscheidenden Nacht vor dem 31. Januar 1934.
Diese Angaben machen es psychologisch noch einmal viel eingängiger verständlich, daß Hindenburg sich in die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler flüchtete, um einer Anklage vor Gericht zu entgehen! (An anderer Stelle erwähnt Rehwaldt, wie er 1933 oder 1934 mit einer hochgestellten Persönlichkeit der NSDAP in Berlin-Tiergarten unterwegs gewesen sei, wie sie einen Wagen in eine Villa haben abbiegen gesehen, und wie diese Persönlichkeit dazu gesagt habe: Im Wagen würde Warburg sitzen, der die NSDAP finanziert habe.)

Rehwaldt über die harmonische Zusammenarbeit zwischen Erich und Mathilde Ludendorff

Aus den von Rehwaldt ab Mitte der 1930er Jahre erschienenen Aufsätzen und Schriften über Okkultismus, die diejenigen Erich und Mathilde Ludendorffs ergänzten, geht nun deutlich genug die Wertschätzung der diesbezüglichen Aufsätze und Bücher von Mathilde Ludendorff durch Hermann Rehwaldt hervor. So wird es zusätzlich verständlich, was er weiter in seinen Erinnerungen aus dem Jahr 1966 schrieb: 
Ich hatte später die Ehre, zum engeren Stab des Generals Ludendorff zu gehören, zuerst als Schriftleiter bei "Ludendorffs Volkswarte", dann beim "Heiligen Quell". Ich war Zeuge der harmonischen und ungetrübten Zusammenarbeit dieser beiden großen Menschen. Und ich mußte erleben, wie der leidige Abwehrkampf gegen die meist gehässigen Angriffe der durch die Erkenntnisse des Hauses Ludendorff in ihrem innersten Wesen bedrohten "Großen, die dahinter stehen" die Philosophin immer wieder von ihrem ureigensten Schaffen auf dem weltanschaulichen Gebiet abzulenken suchten.
Aber sie war nicht nur Philosophin, sie war auch Kämpferin, Frau Mathilde Ludendorff. Sie führte eine scharfe Klinge, die die Feinde oft genug zu spüren bekamen. Sie führte sie nicht gern, diese Klinge; die Feder des Geistesschaffenden war ihr lieber.
Wie selten treffen sich zwei in jeder Beziehung kongeniale Menschen zu einem Ehebunde. Aus der Geschichte vermag ich kein einziges solches Beispiel zu nennen. Und ich betrachte es als eine unerhörte Auszeichnung, daß es mir vergönnt war, an der Stelle dieser beiden großen Deutschen meinen bescheidenen Beitrag in ihrem Kampf um die Volksschöpfung zu leisten.
General Ludendorff ist seit 1937 tot. Und nun ist seine große Kampfgefährtin und die Schöpferin der Gotterkenntnis ihm nachgefolgt. Die beiden größten Deutschen – nicht nur dieses Jahrhunderts – sind nicht mehr.
Aus diesen Worten geht also hervor, was sonst nicht unbedingt in den Veröffentlichungen Rehwaldts in den Vordergrund tritt, daß sich Rehwaldt voll und ganz mit den Bestrebungen des "Hauses Ludendorff" identifizierte.

Fortsetzung in --> Teil 2.

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*) Laut Angaben im Internet existierte diese Druckerei spätestens seit dem Jahr 1916 (in der sie Verhandlungen der Kriegstagung der deutschen Blindenanstalten druckte). 1919 (DHM),  1924 und 1926 (DHM) druckte sie Wahlplakate der DNVP. Ob übrigens Ludendorff wußte, daß sie 1923 die Satzungen der Bruderschaft "Veritas" e.V. gedruckt hatte, die im Antiquariatshandel unter der Kategorie "Freimaurerei" geführt wird (ZVAB), und ob sie dann diese Druckerei immer noch gewählt hätten?

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Zur Bibliographie zu Hermann Rehwaldt siehe eigenlener Beitrag. Ansonsten benutzte Literatur:


a. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band. Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951

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