Sonntag, 10. März 2013

Ludendorff-Verehrung zwischen "Kunst, Kitsch und Krempel"

"Kunst, Kitsch oder Krempel" heißt in diesen Monaten eine beliebte Radio- und Fernsehserie des "Mitteldeutschen Rundfunks". Sie wird produziert in Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern. Wie bei Angehörigen regierender Herrscherhäuser oder bei Politikern wie Otto von Bismarck (6), Paul von Hindenburg, des "roten Barons" und so vieler anderer Größen und vermeintlicher Größen des politischen Lebens, des Kulturlebens oder auch von sogenannten "Stars und Sternchen" wurde der Verehrung Erich Ludendorffs ab 1914 in allen Bereichen der Sachkultur zwischen "Kunst, Kitsch und Krempel" Ausdruck verliehen. Im Forschungsbereich der Sachkulturforschung kann derartiges nach Qualität und Quantität des Auftretens erforscht werden.

Und als ein Maßstab des Erhaltenswürdigen mag gelten, dass im Jahr 1990 sogar im "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" eine liebevolle Übersicht gegeben wurde über die "Bestände des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe)", das noch 1945 für interessierte sowjetische Offiziere seine Fülle von "Kult und Kitsch um den Reichsgründer" liebevoll und mit Sorgfältigkeit ausstellte, und dessen Bestände sofort nach der Wende noch im Jahr 1990 so liebevoll erneut der Öffentlichkeit präsentiert worden sind (6).

1914 - Ludendorff, der Befreier Ostpreußens

Abb. 1: Kosaken - Mordbrenner in Ostpreußen (1914)
Künftige Generationen werden womöglich danach fragen, ob die Arbeit des von Erich und Mathilde Ludendorff testamentarisch vorgesehenen Ludendorff-Archivs in Tutzing, das bis heute fortbesteht, und das im Sinne von Mathilde Ludendorff ganz genauso arbeiten sollte wie etwa das Schopenhauer-Archiv, dessen Arbeit sie ausdrücklich hohe Achtung entgegenbrachte, vor einem Maßstab bestehen kann, den im Jahr 1990 der "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" setzte bei der liebevollen Dokumentation auch von "Kult und Kitsch rund um den Reichsgründer".

In diesem Band sind dokumentiert die hölzerne Wiege Bismarcks (6, S. 16), es sind Stühle, Schreibtische, Wohnschränke aus dem Besitz Otto von Bismarcks dokumentiert (6, S. 18, 64f, 98f), es ist sein Arbeitszimmer dokumentiert (6, S. 76), es ist seine Aktentasche dokumentiert (6, S. 27), seine Zigarrentasche (6, S. 33), seine Uniform aus der Schlacht von Königgrätz (6, S. 34), die Schreibfeder, mit der Bismarck 1871 den Friedensvertrag mit Frankreich unterzeichnete (6, S. 39), es sind völkerkundliche Geschenke von Forschungsreisenden aus Afrika dokumentiert (6, S. 81-84), es sind sogar Hundehalsbänder und -freßnäpfchen dokumentiert (6, S. 118) - um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen. Und es sind auch unzählige zeitgenössische Postkarten dokumentiert mit Fotografien und Zeichnungen von Bismarck und seiner Welt oder mit huldigenden Gedichten auf Otto von Bismarck und seine Taten.

Abb. 1a: Die Schlacht an den Masurischen Seen, September 1914
So wird es denn wohl doch auch einmal Sinn machen, nachdem in einem früheren Beitrag hier auf dem Blog "Erich Ludendorff im Künstlerportrait" behandelt worden ist, Zeugnisse für die Behandlung Erich Ludendorffs in diesem angrenzenden Bereich zusammenzustellen. Also Darstellungen, bei denen - unter anderem infolge nicht ganz so großer künstlerischer Begabung oder Anspruchshaltung - die Übergänge zum Bereich des Kitsches oder gar des Krempels fließende sind. Auch in diesen Zeitzeugnissen spiegelt sich ein "Geist der Zeit" wieder. Auch diese historischen Zeugnisse werden also regelmäßig von jenen Archiven liebevoll bearbeitet, gesammelt und dokumentiert, die der Pflege des Andenkens einer geschichtlichen Persönlichkeit gewidmet sind. Und sie können deshalb dann auch von dem Historiker zu einer Gesamtbeurteilung herangezogen werden. Untersuchungen zum "Kult" rund um Otto von Bismarck oder um Paul von Hindenburg gibt es schon vergleichsweise zahlreich (z.B.: 1, 6). Parallele über den diesbezüglich ein wenig mehr im Hintergrund stehenden Erich Ludendorff stehen - wie in anderen Bereichen - noch aus.

Grund genug also für die Zusammenstellung des vorliegenden Beitrages.

1914 - Der Sieger von Lodz

Abb. 2: "General v. Ludendorff - Generalstabschef in Hindenburgs Armee - Der Sieger von Lodz" (November/Dezember 1914)
In Abbildung 1 findet sich eine bunt bedruckte Blechdose. Die darauf abgebildeten russischen Kosaken sind jene "Mordbrenner", von denen Ludendorff Ostpreußen mit seiner Schlacht von Tannenberg wieder befreite.

Die Postkarte in Abbildung 2 bezieht sich auf die "Schlacht um Lodz", die zwischen dem 11. November und dem 5. Dezember 1914 stattfand. Die Künstlersignatur unten rechts ist schwer entzifferbar. Auch in Abbildung 2 ist die Künstlersignatur schwer entzifferbar.

In den frühen Produktionen zu Ludendorff-Verehrung wird Erich Ludendorff häufig (Abb. 1, 2) irrtümlich der Adelstitel zugesprochen. Seine Mutter stammte zwar aus der Berliner Familie von Tempelhoff. Aber sein Vater trug nur den bürgerlichen Namen Ludendorff.

1915 - "Nach der Großen Winterschlacht" 

Abb. 3: Hindenburg und Ludendorff nach der großen Winterschlacht, 1915
Die Postkarte der Abbildung 3 ist, wie der Rückseite zu entnehmen ist, Teil einer vierteiligen Serie mit dem Titel "Das Hindenburg-Geheimnis". Die hier vorliegende ist die vierte mit dem Titel: "Hindenburg und Ludendorff nach der großen Winterschlacht". Bei dem Schloß im Hintergrund handelt es sich wohl um das Schloß von Lötzen (?) in Ostpreußen.

Ein weiteres Beispiel ist eine Illustration von Alfred Liebing in "Leipzig Illustrirte Zeitung", 1915 vom Empfang von Friedrich II., dem Großherzog von Baden, durch Hindenburg und Ludendorff auf dem Bahnhof Lötzen (Alamy).

Sommer 1915 - "So stürmt bis Warschau man heran"

Abb. 4: Die Ostwacht (1916)
Auf einer Postkarte des Jahres 1915 (bzw. 1916) wurde folgendes Gedicht verbreitet (Abb. 4):
Die Ostwacht
Dem Hindenburg sein' rechte Hand
Ist Ludendorff, wie uns bekannt,
Dess' Kriegsführung als große Kunst
Erwarb die allerhöchste Gunst.

Der Ludendorffsche Feldzugsplan
Hat es den Russen angetan;
Er zwang sie immer dort zur Schlacht;
Wo Vorteil man für uns erdacht.

So stürmt bis Warschau man heran,
Zog langsam sich zurück alsdann;
Damit der Russ' bis dorthin ging,
Wo tausendweise man ihn fing.

Ein' bessern Chef des Stabs als er
Find' Hindenburg so leicht nicht mehr;
Drum sei ganz Deutschland jederzeit
Dem Ludendorff zu Dank bereit.

P. Rößler.
Der hier erwähnte Vorstoß bis Warschau bezog sich auf die "Bug-Offensive" des Sommers 1915. Die Postkarte stammt aus einer Serie mit dem Titel  "Erinnerung an große Zeit". Der Maler ist der in Slawonien geborenen Genre- und Porträtmaler Toni Áron (1859 - 1920) (a). Er ist offenbar jüdischer Herkunft. Eines seiner gelungeren Werke war "Die schöne Coletta" (a) von 1885.

1915 - Umjubelt von siegreichen Soldaten

Der Münchner Karikaturist und Illustrator Ernst Schlemo (1869-?) hat schon um die Jahrhundertwende heitere Karikaturen veröffentlicht im Stil des "Simplizissimus" und sich darin über den "preußischen Militarismus" lustig gemacht. Ansonsten hat er "lustige Szenen" aus dem bayerischen Volksleben illustriert, zum Teil äußerst flach und derbe, bzw. auch sehr anzüglich.

Abb.: von Mackensen, von Hindenburg und Erich Ludendorff zu Pferde, umjubelt von siegreichen Soldaten
Illustration von Ernst Schlemo, 1915
(gelaufen 1.1.1916)
Die wenigen derzeit im Internet erreichbaren Karikaturen und Illustrationen von Ernst Schlemo aus der Zeit des Ersten Weltkrieges machen im Vergleich zu seinem Vorkriegsschaffen den Eindruck des "Geläuterten", sie sind ernst und würdig. So etwa eine Illustration "Kavallerist hilft seinem verwundeten Kameraden vom Schlachtfeld", die sicher der von ihm illustrierten Schrift "Kameraden" von 1916 entnommen ist.

Am 19. August 1915 besichtigte Kaiser Wilhelm II. die kurz zuvor eroberte russische Festung Nowo-Georgiewsk. Bei diesem Frontbesuch anwesend zu sein, wurde auch Ludendorff und Hindenburg befohlen.



Abb.: Postkarte "General Ludendorff nach Originalaufnahme von N. Perscheid" (zu dem Fotografen Perscheid vergleiche einen anderen Blogartikel)
Auch gibt es eine scharfe politische Karikatur aus dem Jahr 1914 von Ernst Schlemo, in der ein dicker hässlicher englischer Gentleman, umgeben von Totenköpfen und Geldsäcken, gegürtet mit "Dumdum"-Geschossen, die Bibel in der Hand auf "Humanität!", "Völkerrechte!" und "Freiheit!" herum trampelt, während hinter ihm die "Wahrheit" an einen Pfahl gefesselt ist. So sah man damals in Deutschland die Heuchelei und Geldgier des Kriegsgegners England. 

Abb. 5: "Generalleutnant von Ludendorff", 1915

19. August 1915 - Die Einnahme von Nowo-Georgiewsk

Am 19. August 1915 wurde eine der letzten Gürtelfestungen der Weltgeschichte nördlich von Warschau von den Deutschen eingenommen nachdem sie mit schwerer Artillerie sturmreif geschossen war. Über die Belagerung von Nowo-Georgiewsk gibt es auch einen eigenen Wikipedia-Artikel (Wiki). Kaiser Wilhelm II. war nach der Einnahme gleich zur Stelle und befahlt auch Hindenburg und Ludendorff dorthin. Von diesem Geschehen hat der Kriegsmaler Ernst Zimmer ein Gemälde geschaffen.

Abb.: Ernst Zimmer: "Der Kaiser verleiht den Helden von Nowo-Georgiewsk das Eiserne Kreuz" (19. August 1915)
Der Kaiser telegrafierte damals an den Reichskanzler Bethmann-Hollweg:
Dank dem gnädigen Beistand Gottes und der bewährten Führung des Eroberers von Antwerpen, Generals v. Beseler, sowie der heldenhaften Tapferkeit unserer prächtigen Truppen und der vortrefflichen deutschen und österreichisch-ungarischen Belagerungsarmee ist die stärkste und modernste russische Festung, Nowo-Georgiewsk, unser. Tief ergriffen habe ich eben Meinen braven Truppen Meinen Dank ausgesprochen, sie waren in prachtvoller Stimmung. Eiserne Kreuze ausgeteilt. Alles Landwehr und Landsturm. Es ist eine der schönsten Waffentaten der Armee. Die Zitadelle brennt, lange Kolonnen Gefangener begegneten Mir auf Hin- und Rückfahrt. Dörfer meist von Russen auf Rückzug total zerstört. Es war ein erhabener Tag, für den ich in Demut Gott danke.
Erich Ludendorff dachte, wie in unserem Blogbeitrag über das Jahr 1915 dargestellt, über dieses zwar - äußerlich erfolgreiche - militärische "Wursteln" der zweiten Obersten Heeresleitung anders. Er sah nur, dass die russische Armee durch solche Erfolge eben immer noch nicht vernichtet und Russland immer noch nicht friedenswillig war. Und das angesichts des schweren Ringens mit Frankreich und England an der Westfront. Das Gemälde von Ernst Zimmer findet sich auch auf dem Wikipedia-Artikel "Liste von Gemälden und Grafiken zum Ersten Weltkrieg" (Wiki). Über Ernst Zimmer (1864-1924) ist zu erfahren (AntikBayreuth):
Ernst Zimmer erlangte als Deutscher Schlachtenmaler des 1. Weltkrieges große Berühmtheit.
Seine Bilder muten allerdings ziemlich kitschig an und gehören für uns daher eher in die Kategorie "Kunst, Kitsch und Krempel", eine Kategorie, die aber nichtsdestotrotz für die öffentliche Wahrnehmung Erich Ludendorffs von Seiten der Zeitgenossen nicht vernachlässigt werden darf. Zumal für historische Vorgänge, von denen es sonst nur wenig überlieferte Fotografien zu geben scheint.

Die Szene wurde außerdem von dem Münchner Militärmaler Anton Hoffmann (1863-1938) (WikiGermanArtGallery) festgehalten.

Abb.: Prof. Anton Hoffmann - "Der Kaiser in Nowo-Georgiewsk"
Da im Sommer 1915 nicht - wie Ludendorff geplant hatte - ein entscheidender Schlag gegen Russland geführt wurde, sondern die russischen Armeen nur auf breiter Front zurück gedrängt wurden, war für Ludendorff die Einnahme von Nowo-Georgiewsk nur von untergeordneter Bedeutung. In der Öffentlichkeit hingegen erregte sie großes Aufsehen.

September 1915 - Eroberung Wilnas

Abb.: "Wilna erobert am 19. September 1915", zeitgenössische Postkarte
In einer zeitgenössischen Postkarte wird der Eroberung Wilnas durch die deutschen Truppen am 19. September 1915 gedacht. Als verantwortliche Heerführer werden abgebildet, eingebettet in Eichlaub: Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg in der Mitte, umgeben von fünf Generälen: ???, von Scholtz, Litzmann, Hermann von Eichhorn, v. Gallwitz.

Abb.: Hindenburg und Ludendorff begrüßen einen Besucher ihres Hauptquartiers - wohl einen deutschen Landesfürsten - auf dem Bahnhof in Lötzen (Künstler: Liebing)
Von Begrüßungsszenen auf dem Bahnhof in Lötzen haben sich auch viele Fotografien erhalten.

Abb. 15: "Nach dem Originalgemälde des Hofmalers Artur Fischer, Berlin" ("Aus großer Zeit", Kunstblätter) (Postkarte)
Abbildung 15 ist die Postkarten-Reproduktion eines Gemäldes von Arthur Fischer (1872-1948). Zu sehen sind von rechts nach links Kaiser Wilhelm II., Hindenburg und Ludendorff zu Pferde, ganz links Mackensen.

Abb.: H. Ulmer - Ludendorff ("Wir machen's.") Postkarte aus dem Jahr 1915
Von dem Künstler H. Ulmer gibt es ähnliche Postkarten von dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern, von Tirpitz, Mackensen, Kluck, Bülow, Herzog Albrecht, Erzherzog Friedrich, Zeppelin.

Abb.: Künstler und Jahr unbekannt (wohl 1915)
Ab Mitte März 1915 - In Lötzen

Abb. 7: Tafelrunde in Lötzen - Arnold Busch - 1916
Die Zeichnung in Abbildung 7 ist von dem Künstler Arnold Busch wohl "nach dem Leben" angefertigt worden. Rechts vorne ist - wohl - Erich Ludendorff dargestellt. Dahinter Max Hoffmann. Ganz links Hindenburg. Von dieser oder einer ähnlichen Szene gibt es aber auch mindestens eine Fotografie. Diese abendlichen Gesprächsrunden hatten sich schon im November 1914 im Königlichen Schloß in Posen herausgebildet wie Erich Ludendorff berichtet (7, S. 87):
Im Schloß zu Posen entwickelte sich beim Stab ein harmonisches Leben, wir waren zusammengeschweißt durch gemeinsam getragene Sorgen, wie durch gemeinsam erworbenen Ruhm. Es bildete sich die Gewohnheit heraus, dass wir nach dem Abendessen noch eine Zeitlang zusammenblieben. Wir saßen dann um einen runden Tisch, auf dem eine Fächerpalme stand, ein Geschenk Ihrer Majestät, unserer Kaiserin, einer wahrhaft deutschen Frau, deren ich stes in tiefster Verehrung gedenke. Für mich war die kurze Stunde eine Zeit der Ruhe in der fast erdrückenden Arbeit dieser vier Kriegsmonate.


Abb. 8: Die Wacht im Osten
Während des Ersten Weltkrieges war das "Dioskuren-Paar" Ludendorff und Hindenburg zunächst "Die Wacht im Osten". Also solches sind beide in vielen Abbildungen dargestellt worden.

Abb. 9: Hindenburg und Ludendorff, 1916
Die Zeichnung aus Abbildung 9 stammt von einem E. Fröhlich. Es gibt sie auch in colorierter Fassung (Abb. 10).

Abb. 10: Hindenburg und Ludendorff


Abb. 11: Continental-Kautschuk-Werke Hannover
Angaben zu dem Künstler von Abbildung 11 sind nicht bekannt, ebenso wenig zum Zeitpunkt der Entstehung.

Nach dem 30. August 1916

Am 30. August 1916 wurden Hindenburg und Ludendorff in die Oberste Heeresleitung berufen, letzterer mit dem Titel "Erster Generalquartiermeister".

Abb. 12: "General der Infanterie Ludendorff, der neuernannte Erste Generalquartiermeister - Zeichnung von Prof. ..."
"Der neuernannte Erste Generalquartiermeister" wurde eine Portraitzeichnung Ludendorffs im Herst 1916 untertitelt.

Abb.: A. Jarosy - Hindenburg, der Kaiser und Ludendorff in Pless (Blatt aus einer Zeitschrift)
nach einer Fotografie vom 8.1.1917
 J. Jarosy war ein Buchillustrator ("Der Bürgermeister von Lübeck", 1910) und Porträtmaler. Von ihm gibt es auch eine Illustration "Winterschlacht".

Abb.: "Hindenburg und Ludendorff im Großen Hauptquartier", Künstler unbekannt (Blatt aus einer Zeitschrift)
...

Abb. Erich Ludendorff (Postkarte, gelaufen im Februar 1917)
...

Aus dem Kriegsjahr 1918

Abb. 14: Oscar Gehring - Erich Ludendorff, 1918
Von dem Zeichner Oscar Gehrig (1890-1948) gibt es ein Hindenburg-Portrait aus dem Jahr 1917 und ein ähnlich gestaltetes Ludendorff-Porträt aus dem Jahr 1918 (Abb. 14). Gehring ist in späteren Jahren mehr als Zeichenlehrer und Kunsthistoriker denn als Künstler tätig gewesen.

Werbemarken

Abb. 16: Reklamemarke
Während des Ersten Weltkrieges fand sich das Konterfei Ludendorffs auch auf Reklame- und Werbemarken (Abb. 16 und 17).

Abb. 17: Werbemarke
August 1918 - Ludendorff in der britischen Kriegspropaganda

Erich Ludendorff fand mitunter auch Behandlung in der britischen Kriegspropaganda.

Abb: Karikatur im "Punch" vom 21. August 1918
Der 8. August 1918 war für ihn der "schwarze Tag des deutschen Heeres", seit dem er nicht mehr mit einem deutschen Sieg in diesem Krieg rechnete. Die Karikatur erschien am 21. August 1918 im britischen "Punch" unter dem Titel "Vergnüglichkeiten des Oberkommandos". Sie spielt auf die riesige volkstümliche Holzfigur an, die vor dem Deutschen Reichstag aufgestellt worden war, und in die man für Geld Nägel einschlagen konnte. Sie ist im Blick aus dem Fenster zu sehen (und war ja tatsächlich aus dem Generalstabsgebäude heraus zu sehen, wenn auch aus einem anderem Blickwinkel). Ludendorff fragt:
Wie geht es dem "Eisernen Hindenburg"? Sind seit unserem letzten Sieg neue Nägel eingeschlagen worden?
Hindenburg antwortet:
Mein lieber Freund, das Verdienst dafür gebe ich gerne dir. Deine Freunde sagen immer, dass ich mein Gehirn von dir habe!
Es war also auch auf der Gegenseite bekannt, dass Hindenburg nur seinen Namen gab für die militärischen Erfolge, die Erich Ludendorff erbracht hatte. Und man unterstellte ihm, dass er jetzt, wo es keine Erfolge mehr gab, das Verdienst dafür gerne Ludendorff geben würde. Und genauso geschah es ja auch am 30. Oktober 1918 bei der Entlassung Erich Ludendorffs durch den Kaiser in Schloß Bellevue in Berlin. Hindenburg selbst blieb und bat nicht um seinen Abschied. Der Kaiser sah in Ludendorff das Haupthindernis für den Friedensschluss.

1924 - "Mein Herz schlägt in heißer Sehnsucht für die Freiheit des ganzen Volkes"

Nach dem Jahr 1918 ändert sich natürlich sehr deutlich die Aussage der der Ludendorff-Verehrung gewidmeten künstlerischen und kunsthandwerklichen Produktionen.
 
Abb. 18: Spruchpostkarte, 1924/25, Verlag Gladsheim, Dresden
Auf einer in Dresden hergestellten Spruchpostkarte um 1924/25 (Abbildung 18) wurden Worte Erich Ludendorffs aus seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof in München am 29. Februar 1924 zitiert (2, S. 111; 3, S. 270). Diese Spruchpostkarte erschien in der Zeit, als Erich Ludendorff als Reichstagsabgeordneter tätig war. Im Fotoarchiv der Süddeutschen Zeitung findet sich eine Fotografie mit dem Erläuterungstext:
German general Erich Ludendorff (1865-1937), important german figure of ww1, painting by A. Bollinger, 1928.

Abbildung 19 zeigt ein womöglich spätes Ludendorff-Portrait, dessen Künstler noch zu erurieren ist.

1934/35 - Harald Rother

Abb. 20: Harald Rother - Zeichnung, 8. Juni 1934
 Andere Werke von Harald Rother sind zunächst nicht bekannt (Herkunft: Ebay, Dezember 2014).

Abb. 21: Harald Rother - Zeichnung, 1935
Fortsetzungen dieses Beitrages finden sich in den Beiträgen:
und

(17.9.15: ergänzt um den Abschnitt, der sich auf Literaturangabe 6 bezieht)
_________________________________________
  1. von Hoegen, Jesko: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914 - 1934). Böhlau, 2007 (Google Bücher)
  2. Ludendorff, General: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9. 11. 1923 mit Dokumenten in 5 Anlagen. Ludendorffs Verlag, München 1937 (1. - 54. Tsd.) (156 S.); mit Dokumenten in 6 Anlagen. 1938 (55. - 64. Tsd.) (174 S.). Faksimile-Druck der Ausgabe von 1937 in: Archiv-Edition, Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1996
  3. Ludendorff, General: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1940 (12. - 16. Tausend)
  4. Pyta, Wolfram: Paul von Hindenburg als charismatischer Führer der deutschen Nation. In: Frank Möller (Hg.): Charismatische Führer der deutschen Nation, S. 109 - 147 (Google Bücher)
  5. xyz
  6. Breitenborn, Konrad: Bismarck. Kult und Kitsch um den Reichsgründer. Aus den Beständen des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe) und dem Archiv der ehemaligen Stendaler Bismarck-Gesellschaft. Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1990 
  7. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919

Keine Kommentare:

Beliebte Posts