Mittwoch, 18. März 2015

Vermischte Beispiele für patriotische Ludendorff-Verehrung in den Kriegsjahren 1917 und 1918

Wie schon im vorletzten Beitrag erwähnt wurde, fanden aus Anlaß des 70. Geburtstages von Paul von Hindenburg am 2. Oktober 1917 in vielen Teilen Deutschlands und in den von Deutschland besetzten Ländern öffentliche kulturelle Vorführungen, Sport-Wettkämpfe und ähnliches statt. Über den damaligen sogenannte "Hindenburg-Kult", der die vormalige Verehrung des deutschen Kaiserhauses ein wenig in den Hintergrund drängte, gibt es schon mehrere geschichtswissenschaftliche Veröffentlichungen. In diesen wird zumeist nur am Rande erwähnt, dass ein Teil der damaligen öffentlichen Aufmerksamkeit für Hindenburg sich auch auf den engsten Mitarbeiter Hindenburgs, Erich Ludendorff richtete. Während Hindenburg eigentlich nur - im heutigen Sprachgebrauch - "Militärdarsteller" war (in Anlehnung an den Begriff "Politikdarsteller") war Erich Ludendorff ja der eigentliche Kopf der deutschen Kriegsführung im Osten ab Ende August 1914 und der Gesamtkriegsführung ab 1916.

Abb.: "Neueste Aufnahme des Ersten Generalquartiermeisters Erich Ludendorff", Die Wochenschau, 10.3.1917
Dass an verschiedenen Orten Deutschlands - inbesondere zwischen Juni und August 1918 - mit einem Bezug zur Person Erich Ludendorffs ähnliche Veranstaltungen stattfanden wie aus Anlaß des 70. Geburtstages Hindenburgs, geht unter anderem aus verschiedenen historischen Zeitschriften, Postkarten und Fotografien hervor, die immer einmal wieder auf Ebay zum Verkauf angeboten werden. Im folgenden davon eine erste Auswahl, die künftig gerne ergänzt werden kann.

"Ludendorff-Opfertag" in Bielefeld - 1./2. Juni 1918

Für solche patriotischen Veranstaltungen wurde - wie auf vielen Fotografien sichtbar - oft vor allem auch die jeweiligen Schuljugend vor Ort aufgeboten. Sie freute sich dabei sicherlich über einen schulfreien Tag.

Abb.: "Stadtsparkasse Bielefeld, Ludendorff-Opfertag, 1./2. Juni 1918"
Wenn die Stadtsparkasse Bielefeld im Juni 1918 einen "Ludendorff-Opfertag" veranstaltete, wird auf diesem auch Geld gesammelt worden sein - entweder für die "Ludendorff-Spende für Kriegsversehrte" oder überhaupt für die Kriegsführung (Kriegsanleihen). Aber vor allem dienten solche Festtage dazu, den Durchhaltewillen der Bevölkerung zu stärken und zu erneuern. Was sicherlich nach dem letztendlichen Scheitern der bis zum Juni sehr erfolgreichen deutschen Frühjahrsoffensive im Westen als um so dringlicher angesehen worden ist von vielen Politikern, etwa auch von Walter Rathenau.

Abb.: Ludendorff-Spende, Bielefeld, 1. - 2. Juni 1918 (Ebay-Angebot, Juli 2016)
Ludendorff-Feier in Hamburg - 11. Juni 1918

Über eine "Ludendorff-Feier in Hamburg" berichtet die Zeitschrift "Hamburger Woche" vom 11. Juni (oder Juli) 1918.

Abb.: "Von der Ludendorff-Feier in Hamburg", Hamburger Woche, 11. Juni (?) 1918
Offenbar zeigt ihr Titelfoto die Ankunft von festlich gekleideten Teilnehmern, die mit Booten über die Elbe kommen (?).

"Ludendorff-Festspiele" in Dessau - 23. Juni 1918

Wenn eine deutsche Stadt im Jahr 1918 ein Sportfest veranstalten wollte, war es offenbar nicht ungewöhnlich, es "Ludendorff-Festspiele" zu nennen. So geschehen in Dessau am 23. Juni 1918.

Abb.: Ludendorff-Festspiele in Dessau, 23. Juni 1918
Eine große Anzahl Schulmädchen in weißen Kleidern führten offenbar Reigentänze vor, vielleicht wurde dazu auch gesungen.

Abb.: Ludendorff-Festspiele in Dessau: Reigentänze der Schulmädchen, 23. Juni 1918
Die männliche Schuljugend hingegen marschierte im Gleichschritt auf das Festgelände ein.

Abb.: Einmarsch, Ludendorff-Festspiele in Dessau, 23. Juni 1918
 Ihre Kleidung erinnert an die Kleidung des Wandervogels und der Jugendbewegung.

Abb: Ludendorff-Festspiele in Dessau, 23. Juni 1918
Auch offenbar historische Feldkanonen wurden mitgeführt, möglicherweise für paramilitärische Übungen.

Abb.: Ludendorff-Festspiele - Männer mit (historischen?) Feldkanonen, Dessau, 23. Juni 1918
Eine Musikkapelle trat in historischen Uniformen aus der Zeit Friedrichs des Großen auf.

Abb.: Musikkapelle in historischen preußischen Uniformen, Dessau, 23. Juni 1918
Die Schuljugend durfte rennen und sich austoben.

Abb.: Ludendorff-Festspiele in Dessau, 23. Juni 1918
Volksfest zu Gunsten der Ludendorff-Spende in Hameln (30. Juni 1918)

Für den 30. Juni 1918 rief ein Landsturm-Ersatzbataillon in Hameln zu einem Volksfest auf, auf dem für die "Ludendorff-Spende" gesammelt werden sollte.

Abb.: (Herkunft: Ebay, April 2015)
Es wurden im Stil der Zeit angekündigt: ein Militärkonzert, Chor- und Sologesänge, Theater, Kabaret, Tombola, Verkaufsstände, Belustigungszelte und ein Gartenkinematograph.

Abb.: Programmzettel für das Volksfest zu Gunsten der Ludendorff-Spende in Hameln

Ludendorff-Abend zu Gunsten der Ludendorff-Spende (1. Juli 1918)

Abb.: Ludendorff-Abend zu Gunsten der Ludendorffspende am 1.7.1918
Erhalten ist auch eine Postkarte mit der Aufschrift:
Ludendorff-Abend zu Gunsten der Ludendorffspende, veranstaltet vom Kgl.sachs. R. 213 am 1. 7. 1918.
Auf solchen Veranstaltungen könnten gerne auch Damen wie in der folgenden Abbildung herumgegangen sein, um für die "Ludendorff-Spende für Kriegsversehrte" zu sammeln.

Abb.: Eine Frau, die für die "Ludendorff-Spende für Kriegsversehrte" sammelt - Name, Ort und Datum unbekannt
In dieser Art sind sie aber auch sonst in der Öffentlichkeit unterwegs gewesen. Im Fotoarchiv der Süddt. Ztg. ist auch ein Foto enthalten mit dem Erläuterungstext:
Ein Mitarbeiter entleert die Blech-Sammelbüchsen der Ludendorff-Spende für die Unterstützung von Kriegsbeschädigten im Berliner Stadthaus in der Klosterstraße.
In demselben Archiv gibt es auch ein Foto "Gartenfest Ludendorff-Spende" in Warschau mit dem Erläuterungstext:
Deutsche Soldaten am Eingang zu einem Gartenfest der Ludendorff-Spende in Warschau. Die Erträge der 1918 gegründeten Ludendorff-Spende für Kriegsbeschädigte kamen schwerstverwundeten Soldaten zugute. 
Nach Ludendorff benannt - Ein Dorf in Ostpreußen - 9. August 1918

1671 hatte der Große Kurfürst in Ostpreußen den Bau eines Verbindungskanals zwischen dem Pregel und der Memel entlang des Kurischen Haffes in Auftrag gegeben. Durch ihn sollte die Schifffahrt von den Unbilden des Wetters auf dem (offenen) Kurischen Haff bewahrt werden. Der in diesem Rahmen erbaute Große Friedrichsgraben ist 1697 fertig gestellt worden. An seinem Ufer lagen die Dörfer Groß Friedrichsgraben I und II. Und diese wurden am 9. August 1918 in "Hindenburg" und "Ludendorff" umbenannt (Wiki).

Abb.: Das Dorf Ludendorff in Ostpreußen (Landkreis Labiau), vor 1945
1939 wurden auch noch zwei benachbarte Dörfer dem Dorf Ludendorff eingemeindet. 1945 wurde die deutsche Bevölkerung aus den Dörfern vertrieben, der Ort Ludendorff wurde nicht mehr besiedelt. Er gilt heute - laut Wikipedia - als erloschen.

"Ludendorff-Staffette" in Düsseldorf - 18. August 1918

Am 18. August 1918 fanden "nationale Sportwettkämpfe" in Düsseldorff statt.

Abb.: Pokal - Ludendorff-Stafette, 400 Meter, 18. August 1918
Für diese wurde ein Wanderpokal "Ludendorff-Staffette" gestiftet. Deiser hat sich bis heute erhalten.

Abb.: Pokal - Ludendorff-Stafette, 400 Meter, 18. August 1918
18. August 1918 - Eine militärische Schreibstube in Frankreich

Auch in den militärischen Schreibstuben des Jahres 1918 hingen die Plakate, die für die Ludendorff-Spende warben.

Abb.: Militärische Schreibstube in Bouligny/Frankreich, 18.8.1918 
Hier das Beispiel einer Schreibstube in Bouligny in Frankreich. Das Foto ist rückseitig datiert auf den 18. August 1918 (Ebay-Angebot, November 2015).

Abb.: Postkarte vom 9. Juni 1918 mit Plakat Ludendorff-Spende
Und hier das Beispiel eines militärischen Unterstandes.

"Großes Militär-Turn-Sportfest zum Besten der Ludendorff-Spende" - Bremen, 25. August 1918


Abb.: "Großes Militär-Turn-Sportfest zum Besten der Ludendorff-Spende", Bremen, 25. August 1918
Da diese Veranstaltungen im Sommer 1918 alle ein ähnliches Muster aufweisen, werden sie wohl organisiert worden sein aufgrund zentraler Vorschläge, bzw. Anregungen durch die innere Militärverwaltung in Deutschland und jeweils mit Unterstützung der Granisonen vor Ort. So wie es hier heißt:
Ausgeführt von der hiesigen Garnison.

Zwei Ludendorff-Lager ....

In den Jahren 1917 und 1918 sind dementsprechend auch vielerlei militärische Einrichtungen (Kriegsunterstände, Kasernen, Brücken) (etwa die 1918 fertiggestellte, damals hochmoderne Ludendorff-Brücke bei Remagen), Lager, Stadtplätze und militärische Geräte (Flugzeuge, Lokomotiven), nach Erich Ludendorff benannt.

Abb.: "Ludendorff-Höhle", ohne Datum
In der Champagne gab es eine "Ludendorff-Höhle".

Abb.: Umseitig beschriftet mit: "Unser Lager in der Champ. 1 V 17 U. Offz. Hein"

Von dieser "Ludendorff-Höhle" werden hier zwei Fotografien gebracht, davon eine datiert auf den 1. Mai 1917, auf dem sie umseitig auch als "Lager" bezeichnet wird.

Abb.: "Im Ludendorfflager, Februar 1918", auf einem anderem Foto auch "Westlager" benannt, genauer Ort unbekannt
Ein weiteres "Ludendorfflager" bestand aus einem selbstgebauten Haus.

Ludendorff-Flugzeuge, - Plätze 

Abb.: Flugzeug DFW B I mit dem Schriftzug "Tannenberg"
Es gab einen Doppeldecker mit dem Namen "Tannenberg".

Abb.: Flugzeug DFW B I mit dem Schriftzug "Ludendorff"
Und es gab einen Doppeldecker mit dem Namen Ludendorff. Soweit einige erste Beispiele für einen sogenannten "Ludendorff-Kult" in Deutschland in den Kriegsjahren 1917 und 1918.

Abb.: "Ludendorff-Platz" in Hattonchatel, Lothringen
So gab es in der Lothringischen Ortschaft Hattonchatel in dieser Zeit offenbar einen "Ludendorff-Platz".
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