"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Donnerstag, 7. März 2013

Die "Kurfürstenstraße 112, Ecke Keithstraße" im Leben Erich Ludendorffs

Ein Wohnort Erich Ludendorffs in Berlin zwischen 1914 und 1918

Jüngst sind hier auf dem Blog in einem Beitrag zugängliche Zeugnisse zum Leben Erich Ludendorffs rund um seine erste Ehe zusammengetragen worden (1). Während des Ersten Weltkrieges wohnte seine Frau in Berlin in einer Pension Tscheuschner in der Kurfürstenstraße 112, Ecke Keithstraße. Und wenn Ludendorff in Berlin weilte, wohnte er auch hier und lud hierhin auch den Führer der nationalliberalen Partei zu politischen Gesprächen ein (1). Zu diesem Wohnort sollen hier noch einige Angaben zusammengetragen werden (Wiki a, b), die zu speziell sind und deshalb nicht alle in den Rahmen des vorgenannten Artikels passen. 

Es war das ein Wohnort der damaligen "oberen Zehntausend" Berlins. Die Gegend in Tiergartennähe wurde als eine Verlängerung des Kurfürstendamms empfunden.

Abb. 1: Pension Tscheuschner, Kurfürstenstraße 112, Berlin (1909)
Es kann das verdeutlicht werden anhand von anderen Angehörigen der "oberen Zehntausend", die vor 1945 in der Nähe wohnten oder arbeiteten. Nur wenige Häuser weiter in der Keithstraße Richtung Süden (Nr. 8) wohnte - wohl ab 1926 - der katholische Ministerialdirektor im Innenministerium Erich Klausener (1885 - 1934). Er ist 1934 ein Opfer der "Röhm-Morde" geworden. Am Ende der Keithstraße nach Norden gegenüber der dortigen Corneliusbrücke über den Landwehrkanal und Richtung Tiergarten stand das Elternhaus des Schriftstellers Stephan Hermlin. In seiner Erzählung "Corneliusbrücke" schildert Hermlin diese Wohngegend seiner Kindheit als eine sehr ruhige, beschauliche. Man hörte die Glocken der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und das Vögelgezwitscher des Landwehrkanals und des nahen Tiergartens.

Abb. 2: Blick von Kurfürstenstraße 112 auf eines der wenigen ursprünglicher erhaltenen Häuser der Keithstraße
Zwei Häuser weiter in der Kurfürstenstraße 115/116 Richtung Osten befand sich ab 1940 der Arbeitsort von Adolf Eichmann im Judenreferat des Reichssicherheitshauptamtes (a). Nur kurz um die Ecke nach Süden in dem heutigen Gewerkschaftshaus mit Blick auf das "Kaufhaus des Westens" (Kleiststraße 19 - 21) wohnte von 1911 bis 1930 Georg Bernhard (1875 - 1944), der Leiter der einflußreichen "Vossischen Zeitung". Ab 1933 leitete er die Exilzeitungen "Pariser Tageblatt", bzw. "Pariser Tageszeitung", die in dieser Zeit häufiger über Erich Ludendorff berichteten.

Abb. 3: Häuserzeile der Keithstraße (Richtung Norden und Kurfürstenstraße), an deren Ende sich vormals die Pension Tscheuschner befand. In dem Haus vorne wohnte Erich Klausener.
Von den vormaligen Wohnhäusern von Georg Bernhard und Erich Klausener liegt heute in Sichtweite entfernt auch die "Urania".

Abb. 4: Ein früheres Nachbarhaus der Pension Tscheuschner - Kurfürstenstraße 114 (Wiki)
Auch heute gibt es in dieser Gegend viele Hotels und Pensionen. Aufgrund des starken Durchgangsverkehrs und der modernen, nüchternen Bebauung wird die vormalige großbürgerliche Ruhe und Beschaulichkeit aber heute höchstens noch an frühen Sonntagvormittagen nachempfunden werden können. Diese Gegend hat während und nach dem Zweiten Weltkrieg viel von ihrer ursprünglichen Bausubstanz eingebüßt. Wie überwiegend auch sonst in dieser Gegend steht - in schreiendem Gegensatz zur früheren Bebauung - an der Stelle der vormaligen vierstöckigen Pension Tscheuschner heute ein achtstöckiger Wohn- und Büroblock (Abbildung 5).

Abb. 5: Kurfürstenstraße 112 - Hier stand vormals die Pension Tscheuschner
Die "Aussicht von der Pension" links auf der Ansichtskarte von 1909 (Abbildung 1) könnte die nach Norden in die Keithstraße hinein und Richtung Landwehrkanal und Tiergarten sein.*) Von hier waren es quer durch den Tiergarten (a) drei Kilometer Fußweg zum Generalstabsgebäude am Königsplatz. Zum Schloß Bellevue, wo es Besprechungen gab und wo Erich Ludendorff am 26. Oktober 1918 von Kaiser Wilhelm II. entlassen worden ist, sind es sogar nur zwei Kilometer.

Die Erzählung "Corneliusbrücke" von Stephan Hermlin

Wie schon erwähnt, befand sich auch das Elternhaus des Schriftstellers Stephan Hermlin (1915 – 1997) zu jener Zeit - oder wenig später - 500 Meter weit von dieser Pension entfernt am Ende der Keithstraße Richtung Norden, wo sie mit der Budapester Straße in einem spitzen Winkel zusammentrifft. Dies ist ein Umstand, den der antifaschistische Schriftsteller jüdischer Herkunft 1968 in seiner Erzählung "Corneliusbrücke" verarbeitet hat (2, 3). Sein Elternhaus blickte nach dieser Erzählung direkt auf diese Corneliusbrücke über den Landwehrkanal und lag in der Budapester Straße 1. Hermlin schreibt von der
langen, mächtigen Straße, 
der
Budapester Straße, die damals noch zum Kurfürstendamm gehörte.
Er lokalisiert in seiner Erzählung die Pension Ludendorffs nun "gegenüber" dieses Hauses, nämlich Budapester Straße, Ecke Katharina-Heinroth-Ufer. Dies beruhte entweder auf einem Irrtum oder auf sehr "dichterischer Freiheit" dieses Autors. Denn die Pension Erich Ludendorffs in der Kurfürstentraße 112, Ecke Keithstraße lag von der Corneliusbrücke 500 Meter weit entfernt und damit keineswegs "gegenüber". Mit dieser "dichterischen Freiheit" schreibt Hermlin nun:
Das Haus, von dem ich zu General Ludendorff hinübersehe, ist das letzte auf der rechten Seite der langen mächtigen Straße, die an dem weitesten nördlich gelegenen Punkt des Hauses einen spitzen Winkel mit der Keithstraße bildet. Nach links und nach rechts geht den Kanal entlang, das stille, von alten Bäumen und Buschwerk bestandene Lützowufer ab, an dem man spazierengehen oder träumen oder etwas verbergen kann.
In diesen Worten deutet sich wie in anderen der Erzählung jene ganz andere Atmosophäre dieser Wohngegend an, als sie heute besteht. Hermlin weiter:
Wenn man von unserem Hause aus nach der anderen Seite die Straße hinabblickt, in die Richtung der Gedächtniskirche, von der her jeden Abend ein wildes, vielstimmiges Geläut dröhnt, weiß man, daß an der nächsten Ecke die Wichmannstraße liegt, dann die Nürnberger, dann die Kurfürstenstraße. Da unten liegt auch das Eden-Hotel, zweihundert, vielleicht dreihundert Meter entfernt.
- Nun, genauer gesagt lag es 600 Meter von seinem Elternhaus entfernt (am heutigen Olof-Palme-Platz - auffallenderweise benannt nach einem ermordeten Sozialdemokraten!).

Die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht (Januar 1919)

Im Hotel Eden hatte die Garde-Kavallerie-Schützen-Divsion am 15. Januar 1919 ihr Stabsquartier während der Niederschlagung der Spartakus-Aufstände (a, b, c, d). Und hier wurden die in Wilmersdorf festgenommenen Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg vor ihrer Ermordung vernommen. Von den Autos mit den Mordopfern Liebknecht und Luxemburg schreibt Hermlin nun entsprechend seiner falschen Lokalisierung der Pension Ludendorffs an die Ecke von Budapester Straße und Katharina-Heinroth-Ufer:
Die beiden Autos fahren ziemlich langsam vorbei, das eine geradeaus über die Brücke in den Tiergarten hinein; das andere biegt nach links um die Ecke, an der General Ludendorff wohnt.
Erich Ludendorff wohnte zwischen dem 15. November und Mitte Februar jedoch in Schweden (4, S. 377f). Wer aber in der Nähe weilte und von Stephan Hermlin keineswegs so deutlich hervorgehoben wird, wie es höchstwahrscheinlich notwendig wäre, war der astrologiegläubige, langjährige Geheimdienstchef Wilhelm Canaris (1887 - 1945), der mit einer Anthroposophin verheiratet war, und der die Mörder im nachmaligen Gerichtsverfahren wirkungsvoll schützen sollte. Der 1936 den Auslandseinsatz der deutschen Wehrmacht im Spanischen Bürgerkrieg wirksam in die Wege leiten und mehrmals verlängern sollte, und der noch mancherlei weitere spannungsverstärkende, kriegsverlängernde, anstatt -verkürzende Tätigkeiten danach entfalten sollte, dabei immer zweigleisig fahrend auch eine "Nach-Hitler-Regierung" unter seiner Hand bereit haltend. (Übrigens: Parallelen zu extremistischen Mordtaten, Wiederaufrüstung und Auslandseinsätzen, wiederum unter mancherlei Mitwirkung von deutschen Geheimdiensten nach 1945 können wirklich nur rein zufälliger Natur sein ... Wirklich. Denn es gibt ja heute keine ariosophisch angehauchten satanistischen Okkultlogen mehr in Deutschland - - - ?)

Abb. 6: Eden Hotel, Budapester Straße
Interessant ist jedenfalls, daß Philipp Scheidemann - so von Stephan Hermlin zitiert - gewissermaßen Verständnis für die Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg äußerte. Beide wurden von ihm gewissermaßen - in heutiger Wortwahl - als "Anstifter einer terroristischen Vereinigung" beurteilt, von denen womöglich er selbst, Philipp Scheidemann, sein Leben bedroht gefühlt hatte. Der Sozialdemokrat August Winning berichtet ebenfalls von einem Gespräch mit Rosa Luxemburg in der Zeit vor 1914, in dem sie ihm "freundlichst" mitgeteilt hatte, daß sie ihn als einen der ersten an die Wand stellen würde, wenn sie an die Macht käme, da er zu konservativ wäre. Derartige Einstellungen gehen auch aus anderen Zitaten von Rosa Luxemburg hervor:
Wer sich dem Sturmwagen der sozialistischen Revolution entgegenstellt, wird mit zertrümmerten Gliedern am Boden liegenbleiben.
Ein Schuh Rosa Luxemburgs - "Auf daß erfüllt würde die Schrift"

Da es manche Hinweise dafür gibt, daß Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg - wie andere bedeutende Morde der damaligen Zeit - aufgrund von Logenurteilen im freimaurerähnlichen Thule-Orden ermordet worden sind, läßt auch die Angabe des offenbar bibelkundigen Stephan Hermlin aufhorchen in seiner Erzählung "Corneliusbrücke" über einen von Rosa Luxemburg im Hotel Eden verlorenen Schuh:
Einen Schuh der Frau findet der Soldat Becker auf dem Trottoir und behält ihn als Trophäe. Auf daß erfüllt würde die Schrift.
Der zweite Satz ist kursiv gesetzt und steht an dieser Stelle in der Erzählung ganz unvermittelt als Ende eines Abschnitts. Sonst finden sich in der ganzen Erzählung keine Andeutungen von Bezugnahmen auf die Bibel. Tatsächlich haben nun jedoch Schuhe mancherlei Bedeutung innerhalb der Bibel, bzw. des Alten Testaments. Etwa bei "Besitzergreifungen". Da wird auf denjenigen der Schuh geworfen, der unterworfen, enteignet und versklavt wird. Ausgezogene Schuhe haben bekanntlich auch in den Ritualen der Freimaurerei eine Bedeutung. Auch bei dem tödlichen Unfall von Jörg Haider ist ausgerechnet einer seiner Schuhe von den Pressefotographen am Unfallort fotografiert worden (siehe die Bücher von Gerhard Wisnewski "Jörg Haider - Unfall, Mord oder Attentat?" und Guido Grandt "Logenmord Jörg Haider?"). 

Was Stephan Hermlin dem Leser mit diesem Satz sagen will, muß an dieser Stelle vorerst dahingestellt bleiben. Es könnte sich wenn dann wohl nur aus dem Gesamtzusammenhang seines sonstigen Werkes erschließen. Aber womöglich haben wir hiermit einen Hinweis an der Hand, daß auch er zu jenen Schriftstellern gehört, die - "als Herren der Probleme, mit denen die Zeitgenossen sich beschäftigen" - sich "über die Köpfe des Publikums hinweg" "unter Mißachtung des Lesers" mit jenen verständigen, die um ähnliche Dinge wissen wie sie selbst und mit denen sie sich über jene Dinge verständigen, auf die sie hoffen, und in deren Richtung sie wirken - ?

- Übrigens wäre anhand weiterer Quellen zu prüfen, ob Erich Ludendorff im Sommer 1918 in seiner Pension von einer Militärkapelle ein Ständchen dargebracht worden ist. Damit jedenfalls leitet Stephan Hermlin seine Erzählung ein. Er will es als als Dreijähriger miterlebt haben. Oder ob auch dies dichterischer Phantasie entspringt. Wie auch immer: In seiner Erzählung wird - hier nicht ausreichend zitiert - ein wenig von der Ruhe und der Beschaulichkeit dieses Stadtteiles in jener Zeit deutlich.

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*) Der Text der Ansichtskarte scheint sehr belanglos zu sein: ".... anstatt ... hatten wir solch hohen Schnee, wie ich ihn noch nie sah, d. ... schon konnten nicht ... D. Autos blieben stecken, es sah aber sehr hübsch aus. Aber in einer Nacht werden hier alle Trottoirs gesäubert, es wird große ... gesorgt (?). Für paar Tage ... das war sehr nett für mich .... Besorgung unsere Sachen habe ich ja schon gedankt. Sie hatten alles richtig ausgesucht, d. ... ist ... glatt u. hübsch. Grüßen Sie Fr. Ilse ... seien Sie selbst herzl! von uns gegrüßt
Ihre ... Fehlmann (?)"
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  1. Bading, Ingo: Das Familienleben Erich Ludendorffs - Insbesondere rund um seine erste Ehe (1909 - 1925). Studiengruppe Naturalismus, 15.2.2013
  2. Hermlin, Stephan: Corneliusbrücke. Erzählung. 1968
  3. Schlosser, Jan T.: „Falsche“ und „historische“ Wirklichkeit. Stephan Hermlins intertextueller Brückenschlag zu Paul Celan. In: Hjem, Nr. 20 (2006) (pdf)   
  4. Uhle-Wettler, Franz: Erich Ludendorff in seiner Zeit. Soldat, Stratege, Revolutionär. Eine Neubewertung. Verlagsges. Berg, Berg 1995 (Google Bücher)
  5. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010 
  6. Bading, Ingo: Ludendorffs erste Frau. Ihre Erinnerungen als historische Quelle - beispielhafte Auszüge. Studiengruppe Naturalismus, 13.3.2012
  7. Ludendorff, Margarethe: Als ich Ludendorff's Frau war. Hrsg. von Walther Ziersch. Drei Masken Verlag A.-G., München 1929 (Google Bücher)
  8. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914-1918. E. S. Mittler und Sohn, 1919, 1921 (Google Bücher
  9. Zechlin, Egmont: Ludendorff im Jahre 1915. Unveröffentlichte Briefe. In: ders.: Krieg und Kriegsrisiko. Düsseldorf 1979
  10. Breucker, Wilhelm: Die Tragik Ludendorffs. Eine kritische Studie auf Grund persönlicher Erinnerungen an den General und seine Zeit. Helmut Rauschenbusch Verlag, Stollhamm (Oldb) 1953 
  11. Bading, Ingo: Ludendorff in Berlin 1919 und 1920 - "Eine schöne Wohnung in der Viktoriastraße, ganz in der Nähe des Tiergartens". Auf: Studiengruppe Naturalismus, 23. Januar 2012

Samstag, 2. März 2013

"Der grimmigste Feind der Deutschen, der Nationalsozialismus"

Verstreute Brief- und Nachlaßstücke von Erich und Mathilde Ludendorff, sowie ihrer Mitarbeiter (I)
1. Teil: 1920 bis 1929


(zum 2. Teil: 1930 bis 1966 -->hier)

"Ludendorff-Briefe dürfen keineswegs durch Autographen-Händler gehandelt werden"

Immer wieder finden sich Autographen und andere Nachlaßstücke von Erich und Mathilde Ludendorff im Autographen- und Auktions-Handel. Es geschieht dies gegen den Willen beider Personen, wie unter anderem einer Mitteilung vom 7. April 1939 in ihrer Zeitschrift "Quell" (S. 19) entnommen werden kann. Da heißt es, es bestünde Veranlassung,

darauf hinzuweisen, daß Deutsche, die Briefe des Feldherrn besitzen, dafür Sorge tragen, daß diese entweder zu ihren Lebzeiten oder nach ihrem Tode, so weit sie nicht würdig vererbt werden können, an Frau Dr. Mathilde Ludendorff bzw. an den Verlag zurückgegeben werden. Keineswegs dürfen solche Briefe jemals öffentlich preisgegeben oder gar durch Autographen-Händler gehandelt werden.
Der Verlag.

(Hervorhebung nicht im Original.) Bekanntlich sammelte Adolf Hitler in seinem Tresor Liebesbriefe von Carl Severing und Aktaufnahmen von Mathilde Ludendorff (siehe frühere Beiträge). Und bekanntlich hat er mit Vorwürfen auf privatem Gebiet die mächtigsten Gegner seines Kriegskurses 1938 gestürzt (Fritsch und Blomberg). Ebenso waren auch die Kinder von Margarethe Ludendorff, der ersten Frau Erich Ludendorffs, die 1932 ebenso wie ihr Sohn Heinz Pernet der NSDAP beigetreten war, nach deren Tod 1936 nicht bereit, Erich Ludendorffs Briefe an sie an diesen zurückzugeben. Auch dies dürfte aus politischen Gründen geschehen sein. War Heinz Pernet doch damals Mitarbeiter führender Nationalsozialisten in Bayern (1). Daß mit solchen Nachlaßstücken "Politik" gemacht werden könnte, dagegen wandten sich damals sicherlich die eben zitierten Worte von der "öffentlichen Preisgabe".

Wie Erich und Mathilde Ludendorff und ihr Mitarbeiterkreis selbst über den Umgang mit Briefen und Andenkenstücken dachten und daß sie in ihren Testamenten ausdrücklich ein Ludendorff-Archiv innerhalb der "Ludendorff-Gedenkstätte" im Besitz des "Bundes für Gotterkenntnis" vorgesehen hatten, in dem solche Nachlaßstücke gesammelt werden sollten - anstatt daß diese in den "falschen Händen" verblieben oder in diese gerieten oder in den Autographenhandel -, darüber ist in einem früheren Beitrag hier auf dem Blog schon ausführlich geschrieben worden (1).

Abb. 1: Erich Ludendorff an die Goslarer Jäger, Sommer 1919

Daß die testamentarisch vorgesehenen Ludendorff-Archive - des "Ludendorff Gedenkstätte e.V." in Tutzing und des "Bundes für Gotterkenntnis" - sich seit vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten dennoch nicht sehr systematisch und mit Nachdruck um diese Dinge kümmern, wird unter anderem daran erkennbar, daß Briefe und Andenkenstücke selbst aus dem Nachlaß der engsten Verwandten und Mitarbeiter Erich und Mathilde Ludendorffs immer wieder in den Auktionshandel kommen, ohne daß sich die genannten Archive und die sie tragenden Personengruppen darum besonders zu kümmern scheinen oder deren Existenz und Inhalt wenigstens systematisch dokumentieren würden (so wie das hier auf dem Blog wenigstens ansatzweise versucht wird). So etwa Nachlaßstücke von Hanno von Kemnitz, einem Sohn Mathilde Ludendorffs (2). So etwa das Angebot des "Herrenzimmers Ludendorffs" (3). So der Nachlaß von Hermann Rehwaldt (4) oder von so unterschiedlichen Briefpartnern wie Erwin Würth, Ulrich Graf, Josef von Lauff, Werner von Blomberg (Fotoalbum). Und auch dies ist gewiß nur eine willkürliche Auswahl.

Von vormaligen Vorsitzenden der beiden genannten Vereinigungen (u.a. Hans Binder, Gunther Duda) sind in den letzten Jahrzehnten, wie man hört und mitunter auch lesen kann, Stücke aufgekauft worden oder sie sind auf andere Weise an diese gekommen. Von diesen Stücken sind jedoch bis heute die wenigsten der Öffentlichkeit und der Forschung bekannt oder zugänglich gemacht worden.

Dokumentation von verstreuten Einzelfunden

In dem vorliegenden Beitrag sollen, um überhaupt auf die Existenz solcher und zahlreicher ähnlicher Autographen aufmerksam zu machen, auch noch eher zusammenhanglose Einzelstücke dokumentiert werden, die im Auktionshandel und anderwärts "die Runde" machen. Sie haben für sich genommen und so isoliert, wie sie hier nur dokumentiert werden können, zwar wenig Aussagewert. Weshalb ihnen bislang hier auf dem Blog auch noch kein Beitrag gewidmet worden ist. Doch indem sie einmal in größerer Zahl zusammengestellt werden, erlauben sie vielleicht doch noch manchen neuen Einblick und manche neue Anregung. Außerdem könnte jedes einzelne Stück natürlich in anderen Zusammenhängen wieder einen neuen Sinn machen und biographische Erkenntnisse vermitteln. Es macht also wenig Sinn, solche Einzelstücke nur weil sie so fragmentarischen Charakter haben, unveröffentlicht zu lassen.

Es kann ja gut sein, daß selbst solche kleinen und unbedeutenden Puzzelteile, sollten sie irgendwann einmal zu einem anderen Puzzelteil passen, die Kenntnisse von historischen Ereignissen erweitern können. So erging es uns erst kürzlich hier auf dem Blog durch die Auseinandersetzung mit Nachlaßstücken aus der Familie Pernet. Solche verstreuten Dokumente also sollen in dem vorliegenden Beitrag in chronolgischer Reihenfolge zusammengestellt werden. Und sie sollen auch nach und nach - wie es sich ergibt - ergänzt werden.

Wenn solches getan wird, läuft man natürlich mitunter Gefahr, aus den oben genannten Personenkreisen heraus als "Krämerseele und Kuriosasammler" bezeichnet zu werden. Nun denn, so hat denn immer wieder so manches auch seinen "Pferdefuß", wie an dem vorliegenden Material gleich noch einmal sehr handgreiflich veranschaulicht werden kann.

Sommer 1919 - Goslarer Jäger fragen bei Ludendorff an

Am 6. August 1914 war die belgische Grenzfestung Lüttich durch die verstärkte 14. Infanterie-Brigade (General Ludendorf), bestehend aus dem 5. Hannoverschen Infanterie-Regiment 165 (Goslar), Infanterie-Regiment 27 (Halberstadt), 4. Jäger-Bataillon (Naumburg) und der Magdeburger Artillerie erobert worden. Das Infanterie-Regiment 165 hatte seinen Garnisonsstandort auch in Quedlinburg, wo noch heute ein Garnisonsverein ein Museum betreibt. Vom 01.04.1897 bis 30.09.1909 war Goslar Standort des Regimentsstabes und des I. Bataillons dieses Regimentes. Im Frühsommer 1919 erschienen die "Kriegserinnerungen" Erich Ludendorffs. Ihnen stellte er als Widmung voran:

Ich widme dieses Buch
den im Glauben an Deutschlands
Größe gefallenen Helden.

In Vorbereitung auf eine "Zusammenkunft der Angehörigen der Vereinigung ehemaliger Goslarer Jäger, Goslar, am 25. und 26. Oktober 1919", zu der 600 Teilnehmer erschienen (Wiki), wurde an Erich Ludendorff die folgende Anfrage gerichtet, die zusammen mit der Antwort in der gedruckten "Erinnerungsgabe" zu dieser Zusammenkunft abgedruckt wurde:

Auf die Anfrage des Oberstleutnants Maccius an Seine Exzellenz General der Infanterie Ludendorff, ob als Spruch auf den zu errichtenden Denkstein die Widmung seiner "Kriegserinnerungen" gesetzt werden dürfe, ging vorstehende Antwort ein.

Ludendorff schrieb:

Mein lieber Herr Oberleutnant!
Nehmen Sie den Satz, Sie machen mir eine Freude damit.
Den tapferen Kameraden, die sich versammeln werden, bestellen Sie meinen Gruß.
Jeder von ihnen muß sich täglich fragen, was hat er zum Wiederaufbau des Landes getan.
Mit kameradschaftlichem Gruß
Ludendorff.

Selbst kam Erich Ludendorff nach Goslar aus Anlass der Feier des ehemaligen Infanterie-Regiments 165 am 17. und 18. Juni 1922 (siehe unten).

23. November 1919 - Gefallenen-Ehrung in Berlin-Charlottenburg

Am 23. November 1919 hält Erich Ludendorff in Berlin-Charlottenburg eine Ansprache "Zur Ehrung der Gefallenen". Diese Ansprache wurde 1991 in der Zeitschrift "Mensch & Maß" veröffentlicht (Folge vom 23.11.1991), allerdings ohne Herkunftsangabe. Vielleicht liegt der originale Ansprachetext im Ludendorff-Archiv in Tutzing vor. Einleitend kommt Erich Ludendorff darin auch auf seine Familie zu sprechen:

Meine Frau und ich sind hierhergekommen, um, obschon nicht Charlottenburger, diese Totenfeier mit Ihnen zu begehen. Droben auf dem Kirchhofe am Fürstenbrunner Weg liegen meine lieben Eltern, liegen liebe Verwandte, liegen endlich auch zwei tapfere Söhne, die den Heldentod starben für Kaiser und Reich. Jung, glühend vor Begeisterung zogen sie hinaus, wie Millionen deutscher Männer. Als Fliegeroffiziere erreichte sie die feindliche Kugel, und sie ließen ihr Leben wie zwei Millionen deutscher Kameraden. (...) Gewaltigeres und Erschütternderes sah der Erdball noch nie als diesen Kampf. (...) Wir können stolz sein auf unsere Siege. Um sie aber richtig zu verstehen, müssen wir uns vergegenwärtigen, was der deutsche Soldat erlebt, erduldet und was er ertragen hat an Strapazen, an Hunger und Durst und nicht zum mindesten an Kälte in den vier Jahren diese gewiß furchtbaren Krieges.

Es folgen noch weitere Ausführungen in diesem Sinne, in denen Ludendorff das Handeln der Soldaten im Weltkrieg als Vorbild und Verpflichtung für die Gegenwart hinstellt.

"Hieran sollte jeder Deutsche das glühendste Interesse nehmen" (1920)

Ab Anfang August 1920 lebte Erich Ludendorff dann in München. In jener Zeit wurde Deutschland immer noch beschuldigt, Kriegsverbrechen während des Ersten Weltkrieges begangen zu haben. Der vormalige Generalstabsoffizier des Ersten Weltkrieges Otto von Stülpnagel (1878-1948) (Wiki) hat nun im Jahr 1920 zu diesem Thema ein 470 Seiten starkes Buch herausgegeben (Wiki):

Nach Kriegsende in die Reichswehr übernommen, wurde er 1921 als Oberstleutnant zum Leiter der Völkerrechtsabteilung der Friedenskommission ernannt. Als solcher veröffentlichte er in der Folgezeit zahlreiche Schriften und Aufsätze, in denen er den alliierten Vorwürfen deutscher Kriegsverbrechen während des Weltkrieges entgegentrat.

Dieses genannte Buch (1) hat er auch an Erich Ludendorff gesandt. Über den Inhalt dieses Buches ist 1931 geschrieben worden (2):

Stülpnagel übernimmt die Kapiteleinteilung des Rapport der "Converence de preliminiaires de paix" und bringt zu jeder einzelnen gegen Deutschland erhobenen Anschuldigung eine Fülle von Beispielen dafür, daß die Ententevölker vor dem Weltkriege, während desselben und nach dem Waffenstillstande die gleichen Verbrechen begangen haben, deren sie das deutsche Volk beschuldigen. Die umfangreiche, eng bedruckte Schrift enthält eine Fülle von Material aus den amtlichen Denkschriften und Akten und ist deshalb, weil aus diesen umfangreichen Beständen seitdem nichts weiter veröffentlicht worden ist, eine wertvolle Fundgrube und unentbehrlich im Kampfe gegen die Zumessung der Alleinschuld Deutschlands im Kriege. Von gegnerischer Seite ist bisher kein Versuch gemacht worden, diese Schrift zu widerlegen. 

Im Jahr 2001 haben sich Historiker erneut mit diesem Buch und seiner Thematik beschäftigt (Horne/Kramer 2001):

Ein Exemplar dieses Buchs übersandte Otto von Stülpnagel Oberreichsanwalt Ebermayer mit der Erläuterung, er habe das Buch geschrieben, "weil unsere amtlichen zivilen Dienststellen unsere Denkschriften und das Entlastungs- und Gegenmaterial nicht heraus bringen und weil ich voraus sehe, daß bei einem weiteren Schweigen nicht nur die deutsche Öffentlichkeit zu einem großen Teile unaufgeklärt bleibt, sondern auch die Weltmeinung, durch die auch jetzt noch anhaltende feindliche Lügenpropaganda dann so irregeführt ist". Stülpnagel versuchte zu zeigen, daß auch wenn Deutschland Kriegsverbrechen begangen haben sollte, seine Feinde sich in der Vergangenheit in verschiedenen Kriegen ebenfalls schuldig gemacht hätten, angefangen mit dem konterrevolutionären Aufstand in der Vendee in den Jahren nach 1790 bis hin zum Weltkrieg. Das Buch wurde in der deutschen Presse vielfach besprochen und erlebte innerhalb eines Jahres vier Auflagen.  

von Stülpnagel sandte dieses Buch auch an Erich Ludendorff und bat ihn wohl darum, eine Art Kurzrezension oder Empfehlung an den herausgebenden Verlag zu senden. Ludendorff schrieb an den Verlag (s. DigBib):

München, Heilmannstr. ..
An
   den Staatspolitischen Verlag
                                                Berlin

Major v. Stülpnagel sandte mir das bei Ihnen erschienene Buch "Die Wahrheit über die deutschen Kriegs-Verbrechen". Als einer der verantwortlichen Führer der tapferen Armeen im Felde begrüße ich die Schrift, die der Entente ihre scheinheilige Maske herunterreißt und die Ehre unseres ruhmreichen Heeres nun ... feststellt, und damit des deutschen ... in der Welt. Hieran sollte jeder Deutsche - ohne Unterschied der Partei - das glühendste Interesse nehmen.
Auch liegen damit ... ... der Versailler ... ihre  
... ihre ... erschüttert. Diesem 
... ... Tun ... für ... das Buch 
überzeugen wird.
Hochachtungsvoll
Ludendorff

Stülpnagel war im übrigen von 1940 bis 1942 Militärbefehlshaber in Frankreich, bat aber um seine Ablösung. 1946 wurde er an Frankreich ausgeliefert, wo er vor Gericht gestellt werden sollte. Noch vor Beginn des Prozesses ging er 1948 in den Freitod. 

__________

  1. Stülpnagel, Otto von: Die Wahrheit über die deutschen Kriegsverbrechen. Die Anklagen der Verbandsmächte in Gegenüberstellung zu ihren eigenen Taten. Staatspolitischer Verlag, Berlin 1920, 1921
  2. Robert Paul Oszwald: Der Streit um den belgischen Franktireurkrieg. Eine kritische Untersuchung der Ereignisse in den Augusttagen 1914 und der darüber bis 1930 erschienenen Literatur unter Benutzung bisher nicht veröffentlichten Materials. Gilde-Verlag, Köln 1931 (GB)
  3. John Horne, Alan Kramer: Deutsche Kriegsgreuel 1914 - Die umstrittene Wahrheit. Hamburger Edition, Hamburg 2018 (GB); engl OA 2001, dt EA 2004

1921 - "In Bayern kann ich billiger wohnen als in Preußen"

Als Widmung schrieb Erich Ludendorff einem W. Bohlken in sein Exemplar von "Kriegführung und Politik" erschienen im Jahr 1921 (18, S. 1064):

Recht im Völkerleben ist gegebenenfalls nur durch Gewalt zu wahren.

Diese Widmung wird 1987 von Gunther Duda gebracht (18) ohne Herkunftsangabe.

Zwei Briefe Erich Ludendorffs an einen "Herrn Oberstleutnant von Wolff, Hannover Bödeckerstr. 7" sind erhalten (17).

Abb. 2: Zwei Briefe an Oberstleutnant von Wolff, Hannover

Es dürfte sich um Wilhelm von Wolff (1858-1939) handeln, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs als Oberstleutnant z.D. Chef des Generalstabes der Armeeabteilung B war (Wiki). 

Abb. 3: Der erste Brief an von Wolff vom 12. 4. 1921

Sein gleichnamiger Vater Wilhelm von Wolff (1826-1913) (Wiki) war General gewesen. 

Abb. 4: Der erste Brief an von Wolff vom 12. 4. 1921 - Rückseite

Die Armeeabteilung B stand in den Vogesen an der Grenze Elsaß-Lothringens untd befand sich bis 1916 unter der Leitung des Generals von Heeringen, des vormaligen  Kriegsministers. Der Wortlaut des Briefes, soweit bislang entzifferbar:

München, 12.4.1921
Lieber Wolff!
Ihr Glückwunsch war mir eine Freude. Ihnen und Ihrer Gattin herzlichen Dank. Mit Bedauern (?) hörte ich das Schicksal der .... Die Revolution bemüht den Offizier nur so lange, als es ihr nützt, dann kommt der Fußtritt. N. mag klug sein, dafür ist er um so schuldiger.

Mit N. wird Noske gemeint gewesen sein. Weiter schrieb er:  

Wir leben hier in Zurückgezogenheit still und zufrieden, so weit das möglich ist u. sehen zu unserer Freude, doch so manche alte Bekannte bei uns, auch diese Zahl wird kleiner. Das liegt ... nun mal in den Verhältnissen. Ich zog hierher, weil meine Schwester hier wohnt u. ich billig hier wohne, billiger als  in Preußen. Im übrigen bleibe ich Preuße auch hier.
Morgen fahre ich nach Berlin, es wird dort eine schwere Stunde geben, die Beisetzung Ihrer Majestät, da wird man wieder den Unterschied fühlen einst - jetzt.
Doch nun herzlichen Gruß
Ihr Ludendorff.
Die letzte deutsche Kaiserin Auguste Viktoria war am 11. April 1921 in Doorn in den Niederlanden gestorben. Sie wurde am 19. April 1921 in Potsdam-Sanssouci beigesetzt. Erich Ludendorff ist aus diesem Anlaß nach Potsdam gereist (Stgr2012).

Abb. 5: Der zweite Brief an von Wolff, 10. 4. 1925

1925 hatte dieser Oberstleutnant wieder zum Geburtstag gratuliert. Ludendorff antwortete:

München, den 10.4.1925
Lieber Wolff!
Ihre Wünsche waren mir eine aufrichtige Freude. Ja, Wolff, ich kämpfe, ... Allen,  ausgestoßen aus der Standesgemeinschaft, verraten von den preußischen Offiziersverbänden, Gott strafe sie dafür! Aber doch habe ich Freunde. Sie stehen nur zu 99 % woanders als meine früheren Kameraden. Trotzdem muß ich den Weg gehen, den ich gehe. Er ist der einzige, der uns noch retten kann, wenns überhaupt noch möglich ist, nach vielen Jahren!
Ich freute mich von Ihnen u. den Kameraden zu hören. Ihre verehrte Gattin bitte grüßen Sie von mir.
Mit deutschem Gruß
Ludendorff.

Im Frühjahr 1925 bahnte sich innerlich für Ludendorff die Scheidung von seiner ersten Frau an.

15. Januar 1922 - Ein Brief aus München

Doch zurück in das Jahr 1922. Im Stargard-Katalog von 1991 ist die Rede von einem Brief Ludendorffs (1991, S. 510)

mit Umschlag, München 25.1.1922. Eine Seite. 

Weitere Angaben wären evtl. aus dem Katalog selbst herauszusuchen, in dem es erläuternd zu diesem oder weiteren Briefen heißt:

Anfang 1925 legte Ludendorff die Führung der Deutsch-Völkischen Freiheitspartei nieder, die sich während Hitlers Festungshaft mit den Nationalsozialisten vereinigt hatte. - Vor wenigen Tagen (20. XII.) war Hitler aus der Haft entlassen worden.

Es wird sich noch um einen weiteren Brief handeln.

12. April 1922 - "Durch Nacht zum Licht"

Aus Anlaß von Geburtstagen und Gedenktagen erhielt Erich Ludendorff natürlich zahlreiche Glückwünsche von Verehrern und Verehrerinnen. Am 12. April 1922 antwortete Erich Ludendorff auf einen solchen (29).

Abb.: Brief an Fräulein Zöpf, 12. April 1922

Im folgenden ein Vorschlag zur Lesung des Brieftextes. Insbesondere die Lesung des zweiten Absatzes ist nicht ganz sicher:

Heilmannstr. 12/4. 22
Mein liebes Fräulein Zöpf!
Sie haben mich wieder zu meinem Geburtstage durch so viel Gaben und Wünsche nebst treuen Gedanken erfreut, dass ich Ihnen und den Ihrigen nicht genug danken kann. Ich tue es aber aus ganzem Herzen u. mehr kann keiner danken.
Halten wir nur treu zusammen und widerstehen wir allen Verlockungen ... , dann ringen wir uns durch, durch Nacht zum Licht.
Mit treu deutschem Gruß
Ludendorff.

Per aspera ad astra (Wiki) - "Durch Nacht zum Licht!" ist ein beliebter Fahnen- und Wappenspruch nordeuropäischer Fürsten gewesen, auch der protestantischen Schweden, soweit bekannt auch von Gustav Adolf von Schweden (Wiki), gefallen 1632 in der Schlacht bei Lützen im Kampf gegen die Rekatholisierung Europas.

Abb. 6: Erich Ludendorff auf der Regimentsfeier des Vereins "Ehemalige 165er" in Goslar, 17./18. Juni 1922

Oben wurde schon von einer Anfrage der Ehemaligen des Infanterie-Regiments 165 aus Anlaß ihrer Regimentsfeier im Jahr 1919 berichtet.

Juni 1922 - Auf einer Regimentsfeier in Goslar

Am 17. und 18. Juni 1922 kam Erich Ludendorff selbst nach Goslar aus Anlaß einer solchen Feier. Über Goslar wird berichtet:

Der nun jährlich stattfindende Jägertag wurde in den Folgejahren zweimal verboten und konnte dreimal aus wirtschaftlichen Gründen nicht stattfinden.
Abb. 7: Erich Ludendorff auf der Regimentsfeier des Vereins "Ehemalige 165er" in Goslar, 17./18. Juni 1922

Von dieser Feier sind hier drei historische Fotografien eingestellt (Abb. 6-8). Die Abbildungen 6 und 7 sind auch im ersten Band der Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs (für die Jahre 1919-1925) enthalten (S. 161, 176).

Abb. 8: "Regimentstag Ehemaliger des 5. Hannoverschen Infanterie-Regiment Nr. 165 in Goslar 1922"

Das schon 1919 geplante Denkmal für die gefallenen Goslarer Jäger am Thomaswall in Goslar wurde erst am 19. September 1926 eingeweiht. Es ist noch heute weitgehend im Originalzustand erhalten (Denkmalprojekt). 

Abb. 9: Jäger-Denkmal, Goslar

Ob man dafür, wie 1919 geplant, Ludendorffs Satz benutzt hat, wäre noch einmal vor Ort - am besten im dort unterhaltenen Museum über die Goslarer Jäger - zu eruieren.

Briefkontakt mit einem Schüler von Hans Delbrück?

Im Internet findet sich ein kurzer Brief Erich Ludendorffs als dessen Empfänger im kommentierenden Teil ein Otto Becker in Braunschweig genannt ist. Der Brief soll vom 13. Oktober 1922 stammen (das Angebot wurde im März 2026 eingestellt) (Brandes). Der Inhalt nun dieses des Briefes lautet, wenn wir es recht lesen:

Mein lieber Herr Becker!
Herzlichen Dank für die Zusendung der Schrift.
Es fängt da an, wo die Schuld der Sozialdemokratie bereits besiegelt war.
Mit freundlichem Gruß
Ludendorff

Das sind natürlich nur sehr kurze Ausführungen. Fragt man die KI, um wen es sich bei dem Empfänger dieses Briefes gehandelt haben könnte, erhält man die Antwort, es könne der Historiker Otto Becker (1885-1955) (Wiki) gewesen sein.

Abb.: Brief Erich Ludendorffs an Otto Becker in Braunschweig vom 13. Oktober 1922 - (Angebot vom März 2026) (Brandes)

Becker hatte 1909 bei dem Historiker Hans Delbrück in Berlin promoviert. Weiter lesen wir über Becker (Wiki):

Er war von 1920 bis 1927 Geschäftsführer des Stifterverbandes der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft. Parallel dazu erfolgte 1924 bei Hans Delbrück in Berlin seine Habilitation für Mittlere und neue Geschichte, Thema der Qualifikationsschrift war Bismarcks Bündnispolitik. 1927 wurde Otto Becker ordentlicher Professor an der Universität Halle.

Becker brachte 1921 und 1922 zwei Schriften heraus, nämlich "Deutschlands Zusammenbruch und Auferstehung - Die Erneuerung der Staatsgesinnung auf Grund der Lehren unserer jüngsten Vergangenheit" (Berlin 1921) und "Bedingungen für Deutschlands Wiederaufstieg - Deutschlands Zusammenbruch und Auferstehung. 2. Teil" (Berlin 1922). Diese Schriften könnte er natürlich Ludendorff zugesandt haben. Allerdings scheint die KI zu phantasieren, wenn sie einen Zusammenhang zwischen dem Historiker Otto Becker und der Stadt Braunschweig konstruieren will. Einen solchen Zusammenhang gibt es - soweit übersehbar - nicht. Diese Frage muß also offen bleiben.

Hans Delbrück hatte in eben diesem Jahr 1922 seine sehr polemische und absprechende Schrift über Erich Ludendorff heraus gebracht. Insofern wäre es vermutlich recht "delikat", wenn einer der ausgesprochenen Schüler Delbrücks versuchte, mit Ludendorff auf diese Weise in einen gedanklichen Austausch zu kommen.

Oktober 1922 - "Kriegführung und Politik" und der General Hermann von Oppeln-Bronikowski

Ein Brief Erich Ludendorffs ist bei Ebay zum Verkauf angeboten worden (zum 20. Oktober 2013) (21).

Abb. 10: An General Hermann von Oppeln-Bronikowski

Der Brief ist an den General Hermann von Oppeln-Bronikowski (1857-1925) gerichtet, die Übersendung seines Buches betreffend:

München, Heilmannstr. 18/10

Sehr geehrter Herr v. Oppeln-Bronikowski,
Es wird mir eine besondere Freude sein, Ihnen mein Buch zu übersenden. Ich habe Mittler entsprechend angewiesen. Vielleicht wird Ihnen das Buch zu scharf sein, dann lassen Sie milde Kritik walten.
Anliegend das Gewünschte.
Mit kameradschaftlichem Gruß
Ludendorff.
Der Anbieter beschreibt den Brief folgendermaßen:
München, 18. Oktober o.J. Deutsche Handschrift auf Papier, 1 S. auf 1 Bl., c. 22,5 x 14,5 cm, Falt- und Knickspuren, minimal angeschmutzt.

Zur Datierung: Beim Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, der hier ja offenbar angesprochen worden ist, hat Erich Ludendorff drei Bücher (1919, 1920 und 1922) herausgebracht und vier kleinere Schriften (1908 und 1919) (22-28). In der Heilmannstraße in München lebte Erich Ludendorff erst ab Herbst 1920. Da es sich bei "Urkunden der Obersten Heeresleitung" aus dem Jahr 1920 nur um einen Dokumentenband handelt, der nicht für sich als "scharf" wird empfunden worden sein können, wird es sich hier am ehesten um das Buch "Kriegführung und Politik" aus dem Jahr 1922 handeln. Und somit wäre auch dieser Brief selbst am ehesten auf das Jahr 1922 zu datieren. Und somit dürfte er am 18. Oktober 1922 geschrieben worden sein.

Zum Empfänger: Es gibt viele Oppeln-Bronikowskis. Worauf die Sicherheit beruht, mit der der Anbieter den General Hermann von Oppeln-Bronikowksi (1857-1925) als Empfänger nennt, wird nicht ganz klar. Aber andere Personen dieses Namens, die zu dieser Zeit lebten, wird Erich Ludendorff eher nicht "mit kameradschaftlichem Gruß" gegrüßt haben. Der Brief deutet darauf hin, daß sich beide persönlich kannten. Wenn sie sich auch womöglich nicht besonders nahe standen.

Wenn anliegend noch "das Gewünschte" mitgesandt wird, dann wird dieser General nicht nur um ein Exemplar von "Kriegführung und Politik" gebeten haben, dessen Zusendung Ludendorff ja schon beim Verlag veranlaßt hatte, sondern auch noch um weiteres. Worum es sich dabei handelte, bleibt offen.

Ob der General von Oppeln-Bronikowski, der schon drei Jahre später mit  68 Jahren gestorben ist, noch eine Kritik des Buches "Kriegführung und Politik" veröffentlicht hat, muß bis dato ebenfalls offen bleiben.

"Die Kraft der Kriegführung liegt in der Heimat" (1922)

Im Juni 2024 werden auf Ebay zwei antiquarische Bücher von Erich Ludendorff zum Verkauf angeboten (Anbieter "roter_wedding", ein Anbieter von vielen militärgeschichtlichen Büchern, vorwiegend zum Zweiten Weltkrieg). 

Abb.: Ausgabe von "Meine Kriegserinnerungen" mit handschriftlicher Widmung des Autors

Beide sind handschriftlich und persönlich von Erich Ludendorff signiert. Sie wirken so, als ob sie zur gleichen Zeit für denselben Buchbesitzer signiert worden wären.

Abb.: Ausgabe von "Kriegführung und Politik" mit handschriftlicher Widmung des Autors

Bei dem ersten Buch handelt es sich um "Meine Kriegserinnerungen", das 1919 in erster Auflage erschien. Hier handelt es sich um die "8., durchgesehene Ausgabe 1922". Beim zweiten Buch handelt es sich um "Kriegführung und Politik", das 1922 in erster Auflage erschien. Hier handelt es sich um die "2. durchgesehene Ausgabe 1922". Man darf also annehmen, daß beide Bücher zeitgleich 1922 mit den Widmungen versehen worden sind. Die Widmung für das erste Buch lautet:

"Ein Volk, das solches vollbracht, hat das Recht zu leben. Ludendorff"

Die Widmung für das letztere Buch lautet:

"Die Kraft der Kriegführung liegt in der Heimat."

Die letztere Widmung faßt eines Grundgedanken des Buches selbst zusammen. Man gewinnt den Eindruck, daß sie für einen Leser aus "Fachkreisen", also aus Offiziers-Kreisen gedacht ist, vielleicht sogar für einen noch aktiven Offizier der damaligen Reichswehr. 

Dezember 1922 - Justizrat Claß
Abb. 10a

In einem Brief vermutlich vom 9. Dezember 1922 wird einleitend offenbar der "Justizrat Claß" angesprochen. Es wird sich dabei um jenen Heinrich Claß (1868-1953) (Wiki) handeln, der von 1908 bis 1939 Vorsitzender des Alldeutschen Verbandes war. Der Wortlaut des Briefes soweit wir ihn entziffern können:

München, Heilmannstr. 
9/12
Hochverehrter Herr Rockstroh (?)!
Justizrat Claß sandte mir Ihr freundliches Schreiben, ich werde es an den Generalfeldmarschall weitergeben.
Für die Zusendung eines Bildes werde ich zu besonderem Dank verpflichtet sein, noch viel größer aber ist mein Dank für die Leistungen der ... während des Weltkrieges, die so viel dazu beigetragen hat, den Kampf so heldenhaft zu bestehen wie wir ihn bestanden haben. Den Glauben an unsere große Zeit und auch an unsere Zukunft lasse ich mir trotz des Zusammenbruchs und der Revolution, der Mutlosigkeit und Seichtheit (?) im Volk nicht nehmen.
Mit deutschem Gruß
Ludendorff
Abb. 10b

Zu diesem Justizrat Claß, den Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen nicht sehr positiv erwähnt, hielt Ludendorff wohl höchstens bis etwa 1926 eine solche Verbindung wie sie in diesem Schreiben vorauszusetzen ist. Auch wird Erich Ludendorff nach 1926 kaum noch Briefe freundschaftlich an Paul von Hindenburg weiter gegeben haben, der hier sicher der angesprochene "Generalfeldmarschall" ist. Insofern könnte die Bleistift-Datierung auf der Rückseite dieses Briefes den 12.12.1922 richtig sein. Somit wird Erich Ludendorff diesen Brief am 9. Dezember 1922 geschrieben haben und er wird am 12. Dezember 1922 angekommen sein.

Der zentrale Begriff für das volle inhaltliche Verständnis dieses Schreibens ist wieder einmal nur schwer entzifferbar. Die Leistungen welcher Organisation hat im Weltkriege "so viel dazu beigetragen, den Kampf so heldenhaft zu bestehen"? Es könnte hierbei etwa an den Wetterdienst gedacht werden oder an eine Stelle, die (waffen)technische oder wissenschaftliche Entwicklungen förderte. Für Lesevorschläge aus der Leserschaft sind wir auch diesbezüglich dankbar.

April 1923 - Eine Dankeskarte Erich Ludendorffs an einen Hauptmann von Wolff

Auch der Name des Angeschriebenen kann natürlich noch ganz anders lauten als von uns vermutet. (Bei dem Brief handelte es sich im übrigen um ein Ebay-Angebot aus dem April 2017.)

Abb: Dankeskarte von Erich Ludendorff vom 11. April 1923
(Herkunft: Ebay-Angebot, Mai 2018)

Am 11. April 1923 weilte Erich Ludendorff offenbar in Berlin-Wilmersdorf und sandte von dort eine Karte ab, naheliegender Weise in Antwort auf Geburtstagswünsche. Die Karte ist gerichtet an "Herrn Hauptmann von Wolff, Charlottenburg, neue Kantstrs. 32". Die Adresse selbst gibt es heute noch.

Abb: Dankeskarte von Erich Ludendorff vom 11. April 1923
(Herkunft: Ebay-Angebot, Mai 2018)

Der Text der Karte lautet:

"L.W.
herzlichen Dank für Ihr freundliches Gedenken und besten Gruß Ludendorff."

Die Abkürzung "L.W." läßt anklingen, daß sich beide persönlich kannten, vielleicht war von Wolff Mitarbeiter in der Obersten Heeresleitung gewesen. Offensichtlich möchte der Anbieter nahe legen, daß sich das beigegebene Foto Erich Ludendorffs auf der Vorderseite der Karte befand. Etwas muß sich ja auf der Vorderseite befunden haben. Aber ist diese kolorierte Fotografie historisch oder nicht doch eher nachträglich koloriert?

Natürlich kann Ludendorff in München einen Berlin-Reisenden auch gebeten haben, solche Antwortschreiben mit nach Berlin zu nehmen und in Berlin auf die Post zu geben. Er muß es nicht selbst getan haben. 

An Cosima Wagner in Bayreuth

Im Richard Wagner-Museum in Bayreuth findet sich der folgende Brief Erich Ludendorffs an Cosima Wagner (Bavarikon):

                                                       München, Heilmannstr. 18/9

Meine hochverehrte Frau!

Nachdem ich Ihre gütige Einladung in ... habe, wird mein Bedauern,

daß ich nicht nach Bayreuth kommen kann, da ich bereits zum 29/30 versagt

bin, noch größer. Es wäre für mich eine besondere Weihestunde gewesen, im

Hause des großen Meisters und Deutschen zu verweilen und auch Ihrem Herrn

Schwager Chamberlain die Hand zu drücken. Es hat nicht sollen sein. Mit Empfehlungen

bin ich in Verehrung

Ihr

                                                  Ludendorff

Auch wenn es wieder einmal keine Jahreszahl gibt, so paßt dieser Brief vermutlich am besten zum 18. September 1923. Der Anlaß um dessentwillen Ludendorff dann nicht nach Bayreuth fahren konnte, wäre die Einweihung des Oberlanddenkmals in Schliersee gewesen (Stgr2012).

1923 -  "Der Geist und die Kraft des alten Heeres..."

In einem undatierten Stargard-Katalog (S. 83) wurde ein Albumblatt ohne Ort- und Datumsangabe versteigert ("ca. 1923"), das lautete:

Der Geist und die Kraft des alten Heeres brachte die Luftstreitkräfte im Krieg zu unvergleichlicher Höhe. Tote und Lebende haben gleichen Anteil daran. Ehre dem Andenken der gefallenen Helden. Die Lebenden aber haben weiter ihre Pflicht zu erfüllen und in dem Geist und in der Kraft zu wirken, die sie im Weltkriege auszeichneten.

Margarethe Ludendorff berichtet in ihren Erinnerungen, daß der Diener Erich Ludendorffs Kurt Neubauer sich im Krisenjahr 1923 verpflichtet gesehen hätte, das Ludendorff'sche Wohnhaus in München-Prinz Ludwigshöhe insbesondere nachts vor Anschlägen zu schützen. 

Ein Gewehr Erich Ludendorffs?

Womöglich benutzte er dafür auch ein Gewehr, das im Jahr 1960 auf einer "Pariser Versteigerung" zum Verkauf kam. So wurde es jedenfalls in der Bonner Rundschau vom 19. März 1960 unter der Überschrift "Kulturiosa" berichtet:

... Andererseits wurden für ein zwölfkalibriges Gewehr aus dem ehemaligen Besitz des Generals Ludendorff 600 DM bezahlt. Letzteren Gegenstand kann man allerdings noch gebrauchen.

Weitere Angaben liegen dazu zunächst nicht vor, so daß vorläufig gar nichts gesagt werden kann darüber, ob dieses Gewehr sich wirklich im Besitz von Erich Ludendorff befunden hat und wie es im Jahr 1960 in den Pariser Auktionshandel gekommen ist. Wenn man sich recht erinnert, mußten unter der amerikanischen Besatzung 1945 alle im Privatbesitz befindlichen Waffen abgeliefert werden. Man könnte vermuten, daß dabei auch dieses Gewehr zunächst in den Besitz der amerikanischen Besatzungsmacht gekommen ist.

Daß sich jedenfalls ein Gewehr im Besitz eines pensionierten Berufssoldaten und Generals befunden hat, wird man wohl - zumal in den damaligen Zeiten - nicht als allzu ungewöhnlich bezeichnen müssen. Wenn denn diese Angabe in der Pariser Auktion überhaupt zutraf.

August 1924 - Lüttich-Gedenken in Hannover

Wie den mit Bleistift hinzugefügten Erläuterungen in Abbildung 1 zu entnehmen ist, schrieb Erich Ludendorff im August 1924 an einen Major a. D. Junker - wohl aus Anlaß eines Treffens von ehemaligen Angehörigen des Infanterie-Regiments Nr. 73 in Hannover. (Die  Ortsangabe "Tutzing" weist auf die Zeit der Bleistifteintragungen hin: Erich Ludendorff hat erst zwischen 1933 und 1937 in Tutzing gelebt.) 

Abb. 11: Schreiben an Major a.D. Junker - 10 Jahre Lüttich, Gedenktag

Der Text lautet:

Es jährt sich die 10jährige Wiederkehr des Kriegsbeginnes und damit auch der Tage von Lüttich, des Orts der Feuertaufe des Füsilier-Regiment 73.
Würdig seiner alten Überlieferungen, würdig der Taten des Krieges 1870/71 hat das Regiment auch bei Lüttich gefochten, hier und im Verlauf des gewaltigen Weltkrieges neuen Ruhm erworben.

Es war ein vollwertiges Glied des alten preußischen Heeres.

Mögen die Angehörigen des Regiments das nie vergessen und sich bewußt bleiben, was sie in Rücksicht auf ihre eigenen Taten dem Vaterlande noch schuldig sind.

Ludendorff.

Es sind dies offenbar Zeilen, die sich der Major d. D. Junker erbeten hatte für eine Regiments-Feierlichkeit in Hannover. Im Jahr 1928 sollte in der Eilenriede in Hannover ein Kriegerdenkmal für das 73. Infanterie-Regiment (Füsilierregiment) aufgestellt werden. In verschiedenen Veröffentlichungen wird dieses Regiment und seine Geschichte erwähnt oder behandelt (6 - 8). In einer Regimentsgeschichte von 1967 heißt es einleitend über die Einnahme von Lüttich (Google Bücher-Ausschnitt, 6, S. 21):

innerhalb der .. Inf. Brig. zu einer schnell zusammengestellten und vorausbeorderten Armee-Abteilung unter dem Kommando des Kommandierenden Generals des 10. Armeekorps, Gen. d. Inf. vo. Emmich. Dieser hatte den Auftrag, die den Vormarsch durch Belgien sperrende Festung Lüttich im Handstreich zu nehmen. An dem Gelingen dieses wohl kühnsten Unternehmens des 1. Weltkrieges sind die hannoverschen Füssiliere hervorragend beteiligt gewesen.
Oder auch, um noch einen weiteren Eindruck zu geben (S. 27):
Am 16. Dezember 1918 marschierte das Füsilier-Regiment Generalfeldmarschall Prinz Albrecht von Preußen (Hannoversches) Nr. 73 mit wehenden Fahnen in seine Garnison Hannover ein. Tausende säumten die Straßen und boten den Heimkehrern einen freudigen Empfang, doch in ihren Augen standen Tränen.

Auch sonst findet sich im Internet mancherlei Hinweis auf die Geschichte dieses Regiments (a, b). Der Ludendorff-Anhänger Hauptmann a.D. Franz Biese war Angehöriger des 1. Hannoverschen Infanterie-Regimentes Nr. 74. Auch dieses hatte 1925 einen Gedenkstein gesetzt, der im Bombenhagel des Zweiten Weltkrieges zerstört wurde. Im Jahr 1963 wurde ein neuer in der Eilenriede gesetzt, wobei der ehemalige Regiments-Adjutant Franz Biese das Schlusswort sprach (16). 

September 1924 - Erich Ludendorff schreibt an Bruno Schmidt-Reder

Ein Bruno Schmidt-Reder (geb. 1863) (hathi) hatte schon 1909 eine "lustige Geschichte" und 1915 eine Schrift über seine Kriegsgefangenschaft in England und seine Flucht aus dieser in Deutschland veröffentlicht (9, 10). Erich Ludendorff antwortete ihm unter "München" und dem Datum des 8. September 1924 auf dessen Anfrage um Vermittlung eines Verlegers für ein neues Manuskript (ZVAB):
München, 08.09.24
Meine Zeit ist zu sehr besetzt, so daß ich noch nicht zum Lesen der Bücher gekommen bin. Ich werde ihnen aber Aufmerksamkeit schenken. Was Ihren Vorschlag betr der Rangliste belangt, so begrüße ich den Gedanken wärmstens und würde Ihnen raten, sich doch einmal mit Mittler und Sohn in Verbindung zu setzen.
[eigenh.] Mit deutschem Gruß Ludendorff

(Dieser Brief ist derzeit immer noch käuflich zu erwerben für 125 Euro.) Um welche Zusammenhänge es hier geht, ist vorderhand unbekannt.

8. November 1924 - Eine Münchner Ludendorff-Verehrerin

1988 wurden von dem Auktionshaus Stargard (20, S. 359)

drei eigenhändige Briefe (Erich Ludendorffs) mit Unterschrift (Berlin und München, Frühjahr 1919) bis 8. XI. 1924 

versteigert. Sie waren gerichtet:

An eine Verehrerin in München, der er unter anderem für einen "schönen Blumenstrauß aus den Bergen" dankt.

Am 8. November 1924, vor dem ersten Jahrestag des Hitlerputsches schreibt er:

"An diesem denkwürdigen Tage treuen Dank".

Vor 1933 - "Die ganze Größe dieses erhabenen Fürsten"

In einem undatierten Brief aus der Zeit zwischen 1922 und 1933 gerichtet an einen Professor Dr. Volk, spricht Erich Ludendorff von der "ganzen Größe dieses erhabenen Fürsten". Damit könnte Otto von Bismarck gemeint sein und es könnte die Rede sein von einem Gedenkartikel oder einer sonstigen Veröffentlichung des angeschriebenen Professors Volk über Bismarck.

Abb.: Brief ohne Jahreszahl an einen Professor Dr. Volk
(Herkunft: Ebay 10/2017) 

Im Wortlaut heißt es:

München, Heilmannstr. 5, 18/4
Hochverehrter Professor Dr. Volk!
Sie haben mir eine große Freude bereitet, für die ich herzlich danke. Möchten wir die ganze Größe dieses erhabenen Fürsten verstehen und uns an ihr aufrichten.
Mit deutschem Gruß
Ludendorff.

Aber ob der Name "Professor Volk" von uns richtig gelesen ist, dürfte vorerst nicht 100 % sicher sein. Auch ist schwer zu sagen, um welchen Professor Volk es sich gehandelt haben könnte. So gab es einen Mathematiker Otto Volk (1892-1989) (Wiki), der seit 1923 Professor an der Universität Kaunas in Litauen war. Er hatte ursprünglich einmal katholische Theologie studiert und war ab 1938 Mitglied der NSDAP geworden. (Weniger infrage kommen dürfte der Wiener Mediziner Richard Volk [1876-1943], der 1938 emigrieren mußte, und der Würdigungen in politisch linksstehenden, bzw. DDR-Publikationen erfuhr.) (Vielleicht gab es damals noch andere Personen, die als "Professor Volk" angesprochen werden konnten, und die über Google-Bücher-Suche nicht so leicht zu finden sind wie die genannten beiden.)

April 1925 - Eine Dankeskarte Ludendorffs

Als Ludendorff am 9. April 1925 60 Jahre alt wurde, ließ er eine Dankeskarte drucken.

Abb. 8: Geburtstags-Dankkarte von Erich Ludendorff aus dem April 1925
(Herkunft: Ebay, 9/2017)

Seit 2015 steht zum Verkauf ein handschriftlicher Brief Ludendorffs mit folgendem Wortlaut (Zvab, Antiquarisch):

[Umschlag:] Herrn v. Nordheim, Frehne (Prignitz)
[Blatt:] München, Heilmannstr. / 24/4 
Mein lieber Herr Hauptmann! 
Durch eine Reise nach Berlin bin ich mit 
meiner Korrespondenz in Unordnung gekom- 
men. Ich bitte die Bilder zu schicken. Die 
Unterschrift werde ich gern vollziehen.
Mit kameradschaftlichen Gruß
Ludendorff.

Womöglich handelt es sich bei von Nordheim um den Verfasser einer Schrift aus dem Jahr 1916 (1). Zu diesem Verfasser macht die Deutsche Nationalbibliothek die Anmerkung (DNB):

Wirklicher Name Prof. August Uhl, Wirkungsort: Gera

Aber womöglich stand der Herr v. Nordheim auch in familiärem Zusammenhang mit der Familie des Frankfurter Bildhauers August von Nordheim (1813-1884) (Wiki). Gut Frehne (Prignitz) war lange im Besitz der Familie von Graevenitz (Wiki): 

Frehne übergab Hugo von Graevenitz dann frühzeitig seinem dritten Sohn Elias Leopold von Graevenitz (1865–1923). Die lange Reihe der Gutsbesitzer von Graevenitz auf Frehne endet mit seiner Frau Marie, geborene Robert-Tornow, (1882-1968, geschiedene von Kalckstein).

Womöglich bewegte sich A. von Nordheim damals im Umfeld dieser Familie.  

  1. Nordheim, A. von: Deutschland am Scheideweg. Grundzüge der Politik. Reichenbach, Leipzig 1916 (113 S.)

April 1926 - Eine Dankeskarte Ludendorffs

Am 9. April 1926 wurde Erich Ludendorff 61 Jahre alt. 

Abb.: Gedruckte Dankeskarte, München, April 1926 (oder 1924?)
(Herkunft: Ebay 02/2018)

Um seine Geburtstagspost zu beantworten, nutzte er eine Antwortkarte, auf die aufgedruckt die Worte standen "München im April 19.. - Meinen Dank und Gruss!" Er wollte sie also offenbar gleich für mehrere Jahre nutzen. Die Jahreszahl 1926 erschließt sich aus dem Umstand, daß diese Karte - nach Auskunft der Anbieterin - aus demselben Nachlaß stammen soll, aus dem das Beileidsschreiben Ludendorffs aus dem selben Jahr 1926 an "Käthe Vonberg, Bartenstein" stammt (s. Stu.gr. 3/2018). Auch in diesem Beileidsschreiben, dessen Jahreszahl durch Poststempel gut gesichert erscheint, ist die Jahreszahl von Ludendorff ähnlich wie hier geschrieben. Ansonsten hätte man eher die Jahreszahl 1924 vermutet.

Vor 1933 - Ludendorff empfängt


Abb. 15: Erich Ludendorff an einen Herrn Alt, ohne Jahr

Ohne Angabe der Jahreszahl ist der folgende kurze Brief (Abb. 15):

München, Heilmannstraße, 24.11.

Mein lieber Herr ... (Alt?)!

Wir werden uns freuen, Sie am Montag nachm. um 1/2 3 bei uns zu sehen.

Bis dahin mit freundlichem Gruß Ihr
sehr ergebener
Ludendorff

Das "wir" wird sich auf Ludendorff und eine seiner beiden Ehefrauen beziehen. Zunächst ist kein Anhaltspunkt erkennbar dahingehend, um wen es sich bei diesem Herrn gehandelt haben könnte und wann genau dieser Brief geschrieben wurde. Ludendorff lebte von 1920 bis Ende 1932 in der Heilmannstraße in München.

"Deutscher Wille, deutsche Ehre, deutsche Art" (Februar 1925)


Abb. 16: Zeilen Erich Ludendorffs, offenbar vom 16. Februar 1925 (Inlibris, Gilhofer Nfg.)

Laut Bleistift-Erläuterung schrieb Erich Ludendorff am 16. Februar 1925 folgende Worte:

Wir halten fest an dem Streben nach einer Einigung aller Deutschen in einem starken Reich, in dem nichts herrscht als deutscher Wille, deutsche Ehre, deutsche Art.
Ludendorff.

Aus welchem Anlaß und in welchen Zusammenhängen Erich Ludendorff das geschrieben hat, ist einstweilen unbekannt.

Abb.: "Jeder Deutsche sollte sich endlich ..." - Erich Ludendorff, München, undatiert
(Herkunft: Ebay, Juni 2018)

Im Juni 2018 wird auf Ebay ein undatiertes handschriftliches Blatt angeboten mit folgendem Wortlaut:

München, Heilmannstr. (?)
Jeder Deutsche sollte sich endlich seiner Pflicht gegenüber dem Vaterlande bewußt werden und kraftvoll und ohne Scheu für dasselbe eintreten.
Ludendorff.

/Zum Jahr 1926 gibt es einen eigenen Blogbeitrag./

April 1927 - "Bitte keine Glückwünsche senden"

In den Jahren 1926 bis 1929 schrieb Erich Ludendorff für die Wochenzeitung "Deutsche Wochenschau", das damalige Mitteilungsblatt des Tannenbergbundes. In die Folge vom 3. April 1927 setzte er hinein:

Ich bitte meine Freunde, mir zu meinem bevorstehenden Geburtstag keine Glückwünsche zu senden. Wer mir eine Freude machen will, der möge mir mitteilen, wie viel Neubezieher er für die "Deutsche Wochenschau" geworben hat.

In der gleichen Folge teilt er mit, dass er als Reichstags-Abgeordneter nach der Auflösung der "Völkischen Arbeitsgemeinschaft" keiner Parlamentsfraktion mehr angehörte.

Februar 1928 - "Dankbar für Gesundung aller Dinge"


Abb. 19: Brief an einen Herrn Scheck - München, 18. Februar 1928

Der inhaltliche Sinn dieses kurzen Schreibens wird nicht so recht deutlich:

Geehrter Herr Scheck!
Dr. ... (Hundling?, Hamerling?) besitze ich, aber ... ("Freunde brauchen es"?), ich werde für Gesundung aller Dinge dankbar sein.
Mit Deutschem Gruß,
Ludendorff

April 1928 - "Die vortrefflichen Braunschweiger Erzeugnisse"


Abb. 20: Erich Ludendorff an einen Braunschweiger Verehrer im April 1928

Ein Text-Vorschlag zu dem Brief aus Abbildung 20:

München, den 10. 4. 28
Geehrter Herr Rönnecke (oder Brümmcke -?)!
Nehmen Sie meinen Dank für Ihre Wünsche und die vortrefflichen Braunschweiger Erzeugnisse. Sie wollten mir Freude machen und Sie haben mir Freude gemacht. Arbeiten Sie weiter im Dienst des Deutschen Volkes gemeinschaftlich (?) für die Freiheit und das Leben des Volkes.
Ihnen und den Freunden nochmals Dank und Gruß
Ludendorff

(Das Datum mutet auf den ersten Blick wie "1918" an. Aber im April 1918 wird Ludendorff nicht in München geweilt haben. 1938 war er schon tot, also bleibt nur 1928.) Der Name Rönnecke ist einer, der in der Umgegend von Braunschweig vorkommt, deshalb ist diese Lesart möglich. Es handelt sich offenbar um die Antwort auf Geburtstagsglückwünsche zum 9. April und um den Dank für ein Geburtstagsgeschenk. Auf dem Ebay-Angebot heißt es noch weiter: "Aus Nachlass mit gesicherter Herkunft" (13).

Ein Professor schreibt in der "Schlesischen Zeitung" zum 9. April erneut einen Ludendorff-Artikel


Abb. 21: Brief Erich Ludendorffs an einen Professor in Schlesien

Lesevorschlag:

München, Heilmannstr. 13. April [o.J.]
Sehr geehrter Herr Professor!
Nehmen Sie wieder meinen aufrichtigen Dank für die Art, in der Sie meiner gedachten und die Zusendung der Schlesischen Zeitung. Leider ist das Telegramm, das auch an  mich gehen sollte, nicht in meine Hände gelangt.

Mit treu deutschem Gruß
Ludendorff.

Angaben des Verkäufers (ZVAB):

Deutsche Handschrift auf Papier, 1 S. auf 1 Bl., c. 21,5 x 13,5 cm. Gebräunt, Eckfehlstellen.  An einen Professor, dem er für die Übersendung der Schlesischen Zeitung dankt.

Ludendorff wohnte, wie schon oben bemerkt, vom 20. August 1920 bis Ende 1932 in der Heilmannstraße in München. Näher kann auch dieser Brief zeitlich offenbar erst durch Studium der "Schlesischen Zeitung" eingegrenzt werden, die bis 1945 in Breslau erschien.

19. April 1928 - "Dr. Köthner hat mit seiner Aussage dem Volke gedient" 

1988 wurden vom Auktionshaus Stargard angeboten (20, S. 426)

75 an den "völkischen Politiker und Schriftsteller Alfred Roth (1879-1969) gerichtete Briefe und Karten.
Darunter offenbar (20, S. 426):
Sechs eigenhändige Briefe mit Unterschrift und ein Brief mit Unterschrift und E. (?) München 27. Dezember (1920) bis 19. April 1928. 10 Seiten.
Überschrieben ist der Abschnitt im Stargard-Katalog mit "Gegen die 'überstaatlichen Mächte'". Möglicherweise handelt es sich also um Briefe (20, S. 426)
An den "völkischen" Schriftsteller und Politiker Alfred Roth (1879-1969) in Stuttgart, den Organisator und Führer des "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes" (1919/22).

27. November (1922). Aus dem Jahr des Rathenau-Prozesses, der zum Verbot des "Schutz- und Trutzbundes" und zur Verurteilung Roths im Zusammenhang mit der ideellen Urheberschaft des Rathenau-Mordes geführt hatte:
... Geben Sie sich keine Mühe mit dem Staatsgerichtshof, er wird nie Recht sprechen. Die Sozialdemokratie treibt bewusst Machtpolitik, das Bürgertum will es nicht merken und versteht es nicht ...

Ich begrüße es, dass Sie weiterarbeiten wollen, es muss wenn auch kein Hass, aber heiliger Zorn dabei sein.

Möglicherweise sind auch die folgenden Briefe an Alfred Roth in Stuttgart gerichtet (20, S. 426, bzw. 20, S. 426):

... Der Kampf der ... gilt an vielen Stellen meiner Person ... Der Kampf ehrt mich, ich will aber meinen Freunden nicht schaden.

Ich hörte heute von einem bedeutungsvollen Werk, das demnächst erscheint. Es entziffert die Inschriften der alten Etrusker und kommt zu dem Ergebnis, dass Etrusker und Juden ein Volk sind. Vom schwerwiegender Bedeutung ist, dass die Etrusker Ritualmorde kennen. Es klingt etwas phantastisch. Aber es ist die Wahrheit ...
3. März 1928 aus der Zeit der Freimaurer-Prozesse gegen Ludendorff, in denen der Berliner Privatdozent Dr. Paul Köthner eine Rolle spielte:
... Gestern Abend gab mir meine Frau ihre Aufzeichnungen über ... Ihre Mitteilungen und heute lese ich sie größtenteils in der Reichssturmfahne." (Das von Roth heraus gegebene ...)

Nun zu m. Sache, Sie stellten mir Material K's mit oder ohne seine Zustimmung in Aussicht ... wann bekomme ich nun Ihren Bescheid ...
Am 19. April 1928 schreibt Erich Ludendorff (20, S. 427):
... Dr. Köthner hat mit seiner Aussage dem Volke gedient, wer sie aufmerksam liest, ist sich über die ungeheuerlichen Zusammenhänge klar ... Auch bedaure ich, dass Herr Köthner sich hier nicht als Verfasser der wichtigen Schrift über "Die Internationale Freimaurerei auf ... Kriegspaden" bekennt. Sie ist eine wertvolle Quelle für die neueste Geschichtsforschung. Das Schicksal seiner Renatus Ramwerke ist grotesk ... Ich besitze dieses Werk nur teilweise, hat der inquisitorische Brandstoß nicht doch noch einige Exemplare übrig gelassen? ...

Weiteres wäre noch einmal nachzuschlagen.

Sachsen (etwa 1929)

1929 erschien das Buch "Das Königlich Sächsische 1. Jäger-Bataillon Nr. 12 im Weltkrieg - Nach den amtlichen Kriegstagebüchern und unter Mitwirkung zahlreicher Kriegsteilnehmer". Autoren waren M. von Kracht und H. C. Poten (erschienen bei Wilhelm Limpert Verlag, Dresden, 377 S. [Ehemalige Kgl. Sächs. Armee bearbeitet unter Benutzung der amtlichen Kriegstagebücher, Heft 58]). Im Januar 2016 wird auf Ebay ein Exemplar dieses Buches angeboten:

Mit Widmung beider Autoren Kracht und Poten sowie einer 8-zeiligen Widmung von 1. Generalquartiermeiser Ludendorff auf hinterem Vorsatz/Erinnerungsblätter deutscher Regimenter.

Es wird aus diesen Angaben nicht ganz klar, ob diese Widmung gedruckt ist oder original handschriftlich eingetragen ist. In jedem Fall dürfte sie etwa im Jahr 1929 entstanden sein. Vielleicht stand Ludendorff mit einem der beiden Autoren in gutem Verhältnis oder mit einem Angehörigen dieses Bataillons.

1929 (?) - An einen Auslandsdeutschen

Erich Ludendorff schreibt offenbar an einen Herrn Becker außerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches seit 1920. 

Abb. 21a: Erich Ludendorff an einen Herrn Becker (Ebay-Angebot, April 2016)

Lesevorschlag:

München, 18.04.
Sehr geehrter Herr Becker!
Ich habe mich über Ihre Zeilen (?) ... besonders gefreut, weil ich sah, Sie wollten mir eine Freude machen. Das haben Sie damit gethan. Nun bitte ich Sie auch noch um die Zeitung (?).
Damit Sie sich ein Bild machen können von meinem Kampf, sende ich die Anlagen. Der Kampf gegen Rom befreit auch Ihre Heimat.
Mit Deutschem Gruß,
Ludendorff.

1929 erschien das Buch "Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende". Vielleicht beziehen sich darauf die Worte vom "Kampf gegen Rom". Sonst fällt einstweilen eine Einordnung nach Jahreszahl und Empfänger schwer. Die Ortsangabe München lässt grundsätzlich eine zeitliche Einordnung auf die Jahre 1923 bis 1932 zu. Mit "ihre Heimat" könnte grundsätzlich Österreich gemeint sein oder Südtirol oder Ostoberschlesien. Vielleicht aus Südamerika.

Um den "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" (1929?)

Spätestens seit Erich Ludendorff sein Buch "Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" geschrieben hatte, geriet er in Gegensatz zu den Führungskreisen des in damaligen Jahren einflussreichen Frontkämpfer-Verbandes "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten". Es gab viele Hinweise darauf, dass in der Führung des "Stahlhelm" Freimaurerbrüder tätig waren. Dagegen hat sich Erich Ludendorff gewandt.

Abb.: Undatiertes Brieffragment Ludendorffs (Herkunft: Ebay, März 2017)

Es existiert nun ein undatiertes Brieffragment Erich Ludendorffs, in dem auf diesen "Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten" Bezug genommen wird. Unsere Lesart:

... Feier. S. hat sich am .... scharf gegen mich gewendet, daher die Haltung des Stahlhelms in Münster am 14.!
Mit Deutschem Gruß
Ludendorff.

Dieser Brief könnte aus dem Jahr 1929 stammen.

"Mitkampf ist die Hauptsache und Weg zur Freiheit" (1929 und 1930)

Zwei Antwortkarten, die Erich Ludendorff an einen Verehrer geschrieben hat, der ihm am 9. April 1929 zum 64. und am 9. April 1930 zum 65. Geburtstag gratuliert hat, zum Verkauf gelangt (30).

Abb. 22: Antwortkarte Erich Ludendorffs, April 1929

Ludendorff schreibt an den Verehrer auf einer vorgedruckten Karte:

München, im April 1929.
Meinen Dank und Gruß!
Ihr Glückwunsch war mir eine besondere Freude.
Ludendorff.

Der Adressat ist vorderhand namentlich nicht bekannt.

Abb. 23: Antwortkarte Erich Ludendorff, 15. April 1930

Karte, datiert 15.4.1930:


Abb. 24

Der Vordruck lautet:

Dank für Glückwunsch. Mitkampf und ausgiebige Verbreitung der Kampfwerke und der "Ludendorffs Volkswarte" ist die Hauptsache und Weg zur Freiheit.

Ludendorff empfiehlt ein Kriegsbuch (wohl 1930)

1919 - und in Folgeauflagen 1930 und 1933 - erschien das Weltkriegs-Buch eines Wilfried Wroost "Der Russenkopf - Geschichte einer Kompagnie" (14). In dem Nachlaß dieses Wilfried Wroost liegt nun vor (laut Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg):

Brief von Erich Ludendorff an Wilfried Wroost
ohne Ort, ohne Datum – ein eigenhändiger Brief mit Unterschrift
Erich Ludendorff schreibt, daß er den "Russenkopf" begeistert gelesen hat und wünscht, daß "viele Deutsche" dies auch tun!

Auf welche Auflage sich dies bezieht, ist einstweilen nicht bekannt. Auch ein Brief Erich Ludendorffs an den Hamburger Schriftsteller und Lehrer Otto Ernst (1862-1926) liegt vor. Allerdings wäre sein Inhalt noch zu recherchieren (Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg).

Fotos beim Hoffotografen in München

Ähnlich schwierig ist es zu sagen, was von dem folgenden kleinen Brief (Abb. 18) zu halten ist. 

Abb. 18: Leni schreibt an Max (undatiert)

Die Schreiberin "Leni" scheint in der deutschen Schrift kein Rund-, bzw. Abschluß-s zu kennen und schreibt ein Mischmasch von deutscher und lateinischer Handschrift:

Lieber Max!

Anbei das Foto, welches am 5. (oder 8.?) Jenner (?) zu München von dem Hoffotografen gemacht wurde.
Liebe Grüße von
Leni
Mathilde
Ludendorff.

Der Namenszug "Ludendorff" ist eindeutig von Erich Ludendorff. Kann der Namenszug "Mathilde" wirklich von Mathilde Ludendorff sein?

Handelt es sich bei "Leni" um eine Haushälterin? Das müßte noch einmal anhand der Lebenserinnerungen Mathilde Ludendorffs überprüft werden. Es wäre insbesondere zu prüfen, welcher Max und welche Leni Mathilde Ludendorff mit Vornamen ansprachen.

Es folgt ein zweiter und zugleich letzter Teil.


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Literaturverzeichnis am Ende des 2. und zugleich letzten Teiles dieses Beitrages.  

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