Donnerstag, 23. März 2017

Eine "Verleumdungsschrift" gegen Erich Ludendorff "von noch nie da gewesener Wildheit"?

Neuerscheinungen zu Erich Ludendorff

Eine - sehr überraschende - Ludendorff-Biographie von Perry Pierik ist erschienen (März 2017)


Heute am 23. März 2017, entdecken wir, dass aus der Feder des niederländischen Verlegers und Autors Perry Pierik im November 2016 eine 600 Seiten lange Biographie Erich Ludendorffs erschienen ist, also offenbar ein auffallend ausführliches Werk (Uitgeverijaspekt).

Neuerscheinung März 2017
600-Seiten,
Perry Pierik hat schon vor Jahren eine kleine, recht brauchbare, sachliche und weitgehend neutrale Darstellung zur Schlacht von Tannenberg veröffentlicht. Sie umfasste 100 Seiten. Als Pierik und der Autor dieser Zeilen sich vor einigen Jahren zu gleicher Zeit für den Briefnachlass des engen Ludendorff-Mitarbeiters Hermann Rehwaldt interessierten, kam der Autor dieser Zeilen in sehr freundlichen, persönlichen Kontakt und Austausch mit Pierik. Dieser war bis heute lose aufrecht erhalten geblieben und war bislang auch von Offenheit, Vertrauen und Freundschaftlichkeit getragen gewesen.

Aber, was nun schon ziemlich verrückt ist: Schon der Umschlagtext zu dem Inhalt der neuen Ludendorff-Biographie von Pierik ernüchtert geradezu maßlos. Die Zeichnung eines solchen Ludendorff-Bildes hatten wir am allerwenigsten durch den bislang von uns sehr geschätzten Verleger Perry Pierik erwartet. Es wird uns aber erst jetzt bewusst, dass wir aufgrund fehlender Niederländisch-Kenntnisse uns eigentlich noch nie besonders umfangreich mit seiner verlegerischen und schriftstellerischen Tätigkeit beschäftigen konnten, um zu einem umfassenderen und differenzierteren Urteil über seine Arbeit kommen zu können. Das interessiert uns jetzt allerdings doch ein wenig mehr ...

Denn dieser Umschlagtext überrascht außerordentlich und frappiert in mehr als nur einem Teil und in mehr als nur einem Aspekt. Er häuft eine solche Fülle von Unsachlichkeit und Undifferenziertheit über Erich Ludendorff, dass man wirklich gespannt ist, was da noch "draufgesetzt" werden könnte. Noch nicht einmal die Anklagen und das Urteil im Spruchkammerverfahren gegen Mathilde Ludendorff ab 1949 waren in ihren Schuldvorwürfen so weit gegangen wie hier offenbar nun Perry Pierik! Was treibt diesen Menschen an, in einer so viele Jahrzehnte später erschienenen Biographie noch einmal, wieder einmal - - - "alle Schuld auf Ludendorff" zu werfen? Als müsse es unbedingt eine Unheilsgestalt des 20. Jahrhunderts geben. Was treibt Pierik an? Will er etwa andere Unheilsgestalten mit dieser Schuldüberhäufung - - - entlasten? - - -

Treibt ihn schlechtes Gewissen? In diesem Zusammenhang entdecken wir erst und machen uns bewusst, dass Pierik zwischenzeitlich auch eine Biographie über den okkultgläubigen "Geopolitiker" Karl Haushofer herausgebracht hat. Diesen haben wir selbst ebenfalls auf unseren Blogs behandelt. Wir hatten diesbezüglich auch mit einem anderen Haushofer-Forscher schon Kontakt gesucht (s. Amazon-Rezension), da wir ja entdeckten, dass Haushofer auf den Einfluss von Okkultlogen auf die Politik sogar in aller Öffentlichkeit Mitte der 1930er Jahre hingewiesen hat, was noch gar nicht in die Haushofer-Forschung eingeflossen ist (siehe unser Parallelblog). Geopolitik ganz allgemein ist ein weiteres Steckenpferd von Perry Pierik ... Über Vladimir Putin hat er ein Buch herausgebracht. Wird mit solchen Anhaltspunkten allmählich eine bessere quasi ideologische - oder gar hintergrundpolitische - Einordnung eines der erfolgreichsten rechtskonservativen Verleger der Niederlande möglich?

Manches an dem im folgenden zu zitierenden Umschlagtext kommt einem auch bloß schon so dümmlich vor, dass man fast denken muss, Pierik habe sich noch nicht einmal besonders viel Mühe in seinen 600 Seiten gegeben beim Zusammentragen aller möglicher Vorwürfe, die alle in die Richtung gehen, ausgerechnet Erich Ludendorff hätte an der Herbeiführung der Praktizierung nationalsozialistischer Mordmoral im 20. Jahrhundert großen Anteil gehabt. All das wissen wir vorderhand nicht, da wir die neue Ludendorff-Biographie noch nicht gelesen haben. Aber mit diesem umfangreichen Werk kommt Perry Pierik offensichtlich auch dem Dresdner Historiker Manfred Nebelin zuvor, der ebenfalls angekündigt hatte, seine bislang vorgelegte Ludendorff-Biographie bis zum Jahr 1918 in einem zweiten Buch bis zu Ludendorffs Lebensende 1937 fortsetzen zu wollen. War es Pierik wichtig, Nebelin zuvor zu kommen? Wollte Pierik "Stimmung" machen? Wenn man das Niederländisch der Verlagsankündigung recht versteht, wird da gleich ganz fröhlich und undifferenziert als wichtiger Aspekt der Biographie Erich Ludendorffs nach dem Ersten Weltkrieg in den Vordergrund gestellt (Uitgeverijaspekt) (Pierik-Zitate im folgenden grün):
Ludendorff arbeitete direkt mit den Mördern von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg zusammen, er stand den Mördern von Walter Rathenau nahe, er war Anführer in zwei Staatsstreichen, dem Kapp-Putsch und dem Feldherrnhallen-Putsch und er paktierte ein weiteres mal, diesmal gegen Hitler im Jahr 1935.
Es ist sicherlich von Wert, dass hier einmal herausgestellt wird, dass Erich Ludendorff von der Wehrmachtführung von 1933 bis mindestens 1935 wiederholt einen Staatsstreich gegen Hitler erwartete und sie in vertrauten Gesprächen wiederholt dazu aufforderte. Dass aber hier die Nähe zu den politischen Morden der frühen 1920er Jahre herausgestellt wird, ohne im gleichen Zusammenhang darauf hinzuweisen, was heute ja sogar auf Wikipedia steht (Wiki), nämlich dass Todesurteile zu diesen Morden in jenen freimaurerischen Okkultlogen gefällt worden sind (durch Ludwig Müller von Hausen) und von ihnen die Ausführung dieser Urteile Ordensmitgliedern anbefohlen wurde, die und deren Geheimgerichtsbarkeit ja niemand geringerer als Erich Ludendorff, nachdem er ihr Treiben erkannt hatte, sofort - ab 1927 - auf das Schärfste bekämpft hat, dieser Umstand könnte einmal erneut aufzeigen, wie notwendig die Veröffentlichung meines eigenen noch unveröffentlichten Manuskriptes zu diesem Thema ist mit dem Arbeitstitel "Wie wurde Erich Ludendorff Geheimpolitik-Kritiker?"

In diesem Manuskript wird nämlich deutlich, wie ahnungslos sich Erich Ludendorff in den von Okkultlogen durchzogenen völkischen Kreisen der frühen 1920er Jahre bewegte, wie er bis zu seinem Lebensende 1937 noch mancherlei Ahnung bekam über seine vormalige Ahnungslosigkeit (dargelegt in seinen Lebenserinnerungen), wie der volle Umfang des "Umstelltsein" Ludendorffs von Angehörigen von Okkultlogen innerhalb der völkischen Bewegung der 1920er Jahre aber erst durch die mannigfaltigen Erkenntnisse der historischen Forschung der letzten Jahrzehnten vollständig überblickt werden kann. Erich Ludendorff hatte bis 1937 davon nur die Spitze des Eisberges erkannt und durchschaut! Und schon mit dem Erkennen der Spitze dieses Eisberges war er damals seinen nichtsahnenden Zeitgenossen weit voraus. Ludendorff wusste ja zum Beispiel gar nicht, dass jener Ludwig Müller von Hausen, der ihn - Ludendorff - (nach seinen Lebenserinnerungen) erstmals über das Wirken der Freimaurerei aufklärte, selbst viel tiefer in freimaurerische Geheimgerichtsbarkeit eingebunden gewesen ist, als er das nach außen für einen Ludendorff erkennbar gemacht haben kann. Dieser Ludwig Müller von Hausen muss sich höllisch spitzbübisch vorgekommen sein bei seiner "Aufklärung über die Freimaurerei" für Nichtfreimaurer.

Ich meine mich zu erinnern, dass ich Perry Pierik sogar regelmäßig über solche meine neuen Erkenntnisse immer zeitnah unterrichtet hatte auf Pierik's mehrfach nachdrücklich wiederholten Wunsch hin. Es kam nie eine kritische Gegenbemerkung zurück. Und nun eine solche Biographie. Ist seine Ludendorff-Biographie eine Kontrast-Darstellung zu unserer Blog- und Forschungsarbeit? Aber kann das dann nicht ein bisschen gar zu dümmlich werden? In meinem Manuskript habe ich den Lern- und Veränderungsprozess Erich Ludendorffs bezüglich all dieser Fragen sehr gründlich und auf heutigem Kenntnisstand dargestellt. Das kann gerade an Pierik am allerwenigsten vorbei gegangen sein. Ihm habe ich vieles mitgeteilt, was ich sonst noch gar nicht veröffentlicht habe. - Weiter heißt es dann so kontrastreich zu unserer Blogarbeit im Umschlagtext des neuen Pierik-Buches:
Ludendorff war auch Verleger und Vertreiber von Verleumdungsschriften von noch nie da gewesener Wildheit wie der Protokolle der Weisen von Zion, die den Humus geschaffen haben, aus denen der Holocaust entstehen konnte
- und auch nur ein bisschen differenzierter ging ja schon einmal gar nicht, so wird man annehmen dürfen ..... ?!!! Hätte Pierik übrigens diese seine Einschätzung mir früher mitgeteilt, hätte ich schon früher auf jede weitere Zusendung an ihn verzichtet ... -
und zusätzlich war er ein noch nie da gewesener Verschwörungsdenker. Er verhandelte alles in der berüchtigten Wannseevilla mit der deutschen Regierung 17 Jahre bevor dort die "Endlösung" beschlossen wurde ...
Welchen Sinn soll dieser Satz haben? (Haben wir ihn richtig übersetzt, im Original lautet er: "Hij onderhandelde al in de beruchte Wannseevila met de Duitse regering 17 jaar voordat daar tot de ‘Endlösung’ besloten werd.") Die Wannseekonferenz fand statt am 20. Januar 1942 (Wiki), 17 Jahre früher würde heißen 1925. Im Jahr 1925 hat doch Ludendorff jedoch unseres Wissens nicht direkt mit der deutschen Regierung verhandelt. Im Februar 1923, also 19 Jahre früher, war er vom Reichskanzler Cuno und dem Reichswehr-Chef General von Seeckt aufgefordert worden, von München aus zu einer Besprechung in eine Wannsee-Villa zu kommen, um zu beratschlagen, ob gegen die französische Ruhrbesetzung Reichswehr und Freikorps gemeinsam Widerstand leisten könnten (Stud.gr.). Soll das beides mal ausgerechnet die gleiche Villa gewesen sein? Und wenn ja: Was möchte Pierik daraus für Schlüsse ableiten? Was sollen die Themen des Jahres 1923 mit der Wannseekonferenz im Januar 1942 zu tun haben? Alles hochgradig merkwürdig. Dass Erich Ludendorff hier mit den Beschlüssen der Wannseekonferenz im Januar 1942 in einen so direkten Zusammenhang gebracht wird, hat man so noch nie gehört und lässt einen erneut fragen: Von welchem Teufel wird Perry Pierik geritten? Von welchen Motiven wird er angetrieben? Ebenso der dann folgende Teilsatz, der offenbar den vorhergehenden Satz weiter erläutern soll:
... und in seinem (Ludendorffs) Haus wurde die fatalste Freundschaft des 20. Jahrhunderts geschlossen, die zwischen Heinrich Himmler und Auschwitz-Kommandant Rudolf Höss.
Wie kommt er auf all so etwas? Und was soll das? Was sind das alles für unglaublich "wild" konstruierte Zusammenhänge? Die Brüder Strasser haben über Erich Ludendorff Adolf Hitler kennen gelernt und zu Hitler Vertrauen gefasst, das ist bekannt (siehe Stud.gr. Nat. 2012). Aber von einer persönlichen Bekanntschaft zwischen Himmler und Ludendorff ist gar nichts bekannt, ebenso wenig von einer solchen zwischen Höß und Ludendorff. Aber selbst wenn sich diese beiden bei Ludendorff kennen gelernt haben sollten etwa 19 Jahre vor der Wannseekonferenz - wie sollte man daraus einen Zusammenhang konstruieren können zwischen Ludendorff und dem KZ Ausschwitz? Es ist das alles dermaßen abstrus. Und einmal nebenbei gefragt: Wo ist hier noch eine kritische rechtskonservative Grundhaltung erkennbar? Das hätten Staatshistoriker der DDR und ihre westdeutschen Trabanten auch alles nicht besser "konstruieren" können! Aber selbst die sind nie so weit gegangen unseres Wissens. Es geht aber mit diesem wilden Konstruieren bei Pierik gleich noch weiter:
Verbinden wir damit seine (Ludendorffs) Rolle in der kommunistischen Revolution und rund um den gepanzerten Zug, mit dem Lenin aus der Schweiz nach St. Petersburg gereist ist, ...
diese Rolle war denkbar marginal. Auf Wikipedia heißt es dazu (Wiki):
Die Federführung auf deutscher Seite hatte in dieser Angelegenheit das Auswärtige Amt und nicht - wie häufig angenommen - die Oberste Heeresleitung.
Der Graf Brockdorf-Rantzau in Kopenhagen spielte eine Rolle beim Zustandekommen dieser Reise ebenso wie "Parvus Helphand" (Alexander Parvus) und noch viele andere Leute (Wiki). Deshalb ist es hochgradig merkwürdig, dass Pierik ausgerechnet auf diese alte Legende und ausgerechnet in diesem Zusammenhang zu sprechen kommt. Er schreibt weiter:
... dann ist das Bild dieses Mannes viel vielseitiger als jenes Bild vom Feldherrn, das die allgemeine Geschichte bislang von ihm kennt.
... Allerdings! ... Haben wir hier etwa vorliegen eine "Verleumdungsschrift" gegen Erich Ludendorff "von noch nie da gewesener Wildheit"? Nur einmal ganz naiv und "wild" in den Raum hinein gefragt .... Weiter:
Dr. Perry Pierik hat sich lang in das Leben dieses umstrittenen Mannes vertieft, dessen Einfluss noch heute kaum begriffen ist. Hitler tauchte aus dem Nichts auf im Jahr 1933. Die sogenannten "fehlenden Jahre" des "Führers" standen in Wirklichkeit unter dem Diktat von Erich Ludendorff.
Aber was nicht gar. Es kann ja gar nicht anderes sein. Und noch einmal: Von welchem Teufel wird Perry Pierik hier geritten? Kann er das alles selbst geschrieben haben? Geht es noch wilder, unsachlicher, konstruierter und weiter abseits aller historischen Wirklichkeit? Während wir in drei Bänden Quellen-Dokumentation, sowie auf unserem Parallelblog in den letzten Jahren Erich und Mathilde Ludendorff als frühe, sehr gründliche Kritiker von elitärem Satanismus herausgestellt haben, eines Satanismus, den das Ehepaar Ludendorff auch mit guten Gründen als hinter der Mordmoral der Nationalsozialisten stehend vermutete und schärfstens verurteilte und kritisierte, scheint Perry Pierik nun in seinen wilden Ludendorff-Konstruktionen geradezu Erich Ludendorff als den übelsten Satanisten und die übelste Unheilsgestalt des 20. Jahrhunderts herausstellen zu wollen, die nicht nur für die Verbrechen der NS-Zeit, sondern auch noch für die des Kommunismus verantwortlich zu machen wäre. - - - Fassen wir unseren bisherigen, noch sehr vorläufigen Eindruck zunächst einmal folgendermaßen zusammen: Sollte Perry Pierik den Politikberater Karl Haushofer ebenso auffallend unkritisch belobhudeln und verharmlosen wie es die Mehrheit der bisherigen Haushofer-Forscher so merkwürdig getan hat (mit auffälliger Ausnahme eines Jesuiten), dann würde man sehr schnell wissen, wie man Perry Pierik selbst hintergrundpolitisch einzuordnen hätte. Vielleicht würde dann dieses "wilde" Konstruieren in irgendeinem Sinne "Sinn" machen ....

Hier abschließend noch einmal das Originalzitat, auf das wir uns beziehen. Für jede Korrektur, Verbesserung und Präzisierung unserer Übersetzung ins Deutsche sind wir dankbar. (Eine wesentliche haben wir zwischenzeitlich schon von einem freundlichen Leser mit großem Dank erhalten und oben schon übernommen!) Hier also das Originalzitat (Uitgeverijaspekt):
Hij werkte direct samen met de moordenaars van Karl Liebknecht en Rosa Luxemburg, hij stond dicht bij de moordenaars op Walter Rathenau, hij was voorman in twee staatsgreeppogingen, de Kapp-putsch en de Feldherrnhalleputsch en hij pacteerde bijna opnieuw, ditmaal tegen Hitler, in 1935. Ludendorff was tevens uitgever en verspreider van smaadschriften van ongekende felheid, zoals de Protocollen van de wijzen van Sion, waarmee hij het humus schiep waaruit de holocaust kon ontstaan en bovendien was hij een ongekende complotdenker. Hij onderhandelde al in de beruchte Wannseevila met de Duitse regering 17 jaar voordat daar tot de ‘Endlösung’ besloten werd, en in zijn huis werd de fataalste vriendschap van de 20ste eeuw gesloten: die tussen Heinrich Himmler en Auschwitz-commandant Rudolf Höss. Koppelen we daar zijn rol aan bij de communistische revolutie en de geblindeerde trein waarmee Lenin vanuit Zwitserland naar St. Petersburg reisde, dan is het beeld van deze man al heel wat veelzijdiger dan alleen de veldheer zoals de geschiedenis hem kent. Dr. Perry Pierik verdiepte zich lange tijd in het leven van deze omstreden man, wiens invloed nog nauwelijks begrepen wordt. Hitler dook niet uit het niets op in 1933. De zogenaamde ‘missing years’ van de ‘Führer’ waren in werkelijkheid het dictaat van Erich Ludendorff. Pierik schreef en redigeerde talloze boeken over de Eerste- en Tweede Wereldoorlog.
/veröffentlicht: 23.3.2017/

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In diesem Beitrag wird in unregelmäßigen Abständen jeweils nur in Kurzform auf neu erschienene Bücher über Erich Ludendorff hingewiesen oder auf Aktivitäten rund um die geschichtliche Aufarbeitung von Aspekten des Lebens von Erich Ludendorff. Es erfolgt dies in der Regel nur als ein erster Hinweis und es bleibt vorbehalten, dass die einzelnen hier angesprochenen Bücher und Themen künftig noch ausführlicher behandelt werden.

Ludendorffs Bursche Rudolf Peters (1892-1955)


Abb. 1: Rudolf Peters,
der Bursche Erich Ludendorffs
Erich Ludendorff hatte während des Ersten Weltkrieges einen "Burschen" mit dem Namen Rudolf Peters (1892-1955). Dieser ist vor drei Jahren in seinem Heimatort Burscheid im Rahmen einer Geschichtsausstellung behandelt worden (8-12) (mit Dank an eine Leserin dieses Blogs für den Hinweis darauf). Die Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs Burscheid Sabine Wurmbach, die zugleich Mitglied der Fraktion "Die Grünen" im dortigen Stadtparlament ist, hat im Jahr 2014 eine Ausstellung über Burscheid im Ersten Weltkrieg in der Stadtbücherei Burscheid in die Wege geleitet. In dieser Ausstellung spielte der wohl bekannteste Burscheider des Ersten Weltkrieges, der genannte Rudolf Peters, eine wichtige Rolle. In der lokalen Presse ("Bergischer Volksbote") wurde eine Fotografie von ihm gebracht, untertitelt:
Der Bursche Ludendorffs und dessen Patenkind: Rudolf Peters und sein Sohn Erich Rudolf unter einem Ludendorff-Porträt.
Die Abbildung 2 wird Mitte der 1930er Jahre entstanden sein, vielleicht aus Anlass eines Geburtstages von Erich Ludendorff. Vielleicht sollte oder wurde die Fotografie an Erich Ludendorff gesandt. Am rechten Bildrand sieht man übrigens auch ein Porträtfotografie Mathilde Ludendorffs. Dazu wurde berichtet ("Bergischer Volksbote"):
Ludendorffs Patenkind war ein Burscheider - Der Burscheider Friedrich Rudolf Peters (1892-1954) war von 1913 bis 1919 Bursche des Generals Erich Ludendorff, Stellvertreter Hindenburgs. Peters’ Sohn Erich Rudolf (1923-2011), später stadtbekannter Lebensmittelhändler, wurde gar nach Kriegsende Ludendorffs Patenkind. Auch diese lange in Vergessenheit geratene Verbindung hat der Geschichtsverein wiederentdeckt. Im Rheinisch-Bergischen Kalender hat Wurmbach einen Auszug der gesammelten Erkenntnisse vorgestellt. Nach den Sommerferien ist eine Ausstellung in der Stadtbücherei geplant und parallel eine Veröffentlichung des Geschichtsvereins. 
Und über diese Ausstellungseröffnung hieß es dann einige Monate später:
Die Geschichte reicht in die Gegenwart: Unter den Gästen der Eröffnung befand sich auch Reiner Peters, Enkel des Burscheider Friedrich Rudolf Peters (1892-1954) der von 1913 bis 1919 Bursche des Generals Erich Ludendorff war.
Und:
Auch Reiner Peters steuerte zur Ausstellung ein Stück Familiengeschichte bei. Sein Großvater, Rudolf Peters, war Laufbursche des Generalfeldmarschalls (sic!) Erich Ludendorff, der bestimmenden Einfluss auf die deutsche Kriegsführung und Politik hatte. Ludendorff war der Patenonkel von Reiner Peters’ Vater, der auch nach seinem Paten benannt war - mit dem Vornamen Erich-Rudolf.
Und über die parallel erschienene Bucherscheinung "Leben in Burscheid 1914 - 1918" hieß es:
Rudolf Peters aus Benninghausen war Bursche des Generals Erich Ludendorff. Auch seinen Erinnerungen ist ein Kapitel gewidmet.
Abb. 2: Das Patenkind Ludendorffs
Die persönlichen Erinnerungen von Rudolf Peters haben schon Eingang in das große Erinnerungswerk gefunden, das Mathilde Ludendorff zum Gedenken an Erich Ludendorff 1938 herausgegeben hat ("Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen", S. 92ff). Hier ist die Rede vom Burschen Rudolf Peters,
der die wundersame Kameradschaft des großen Toten bis zu dessen Todesstunde erlebt hat: "Ich kann den Tod des Feldherrn noch nicht fassen, ich kann mich nicht hineinfinden. So nahe hielten der Feldherr und ich zusammen in allen großen und schweren Zeiten. Wenige Tage vor seinem Tode hat er mir vom Sterbelager aus noch das Geschenk für sein Patenkind, meinen Sohn Erich, gesandt. Eben war ich dabei, das Weihnachtspaket mit den Äpfeln wie jedes Jahr für ihn zu packen, denn wir waren ja so froh über seinen Gruß in der Quellnummer gewesen und glaubten, es gehe nun aufwärts, da kam die furchtbare Nachricht von seinem Tode. Nie werde ich diese Stunde vergessen. Nun sind seither zwei Monate vergangen, und noch hat sich nichts geändert. Immer wieder kommen Stunden, wo ich über seinen Tod nicht hinwegkomme. So auch heute Nachmittag. Ich habe mir einige seiner Briefe zur Hand genommen und lese sie immer wieder. ich meine, dadurch wird es vielleicht etwas leichter. Es tut mir auch wohl, von der Vergangenheit zu erzählen ...."
Es folgt ein langer Bericht. Darunter auch das Zeugnis Ludendorffs für Rudolf Peters:
"Unteroffizier Rudolf Peters war sechs Jahre Bursche bei mir. Er hat mir mit gleicher Treue und Hingebung gedient wie ich meinem Lande."
Und es wird aus den Erinnerungen von Peters unter anderem gebracht:
Als ich mich im Jahre 1921 verheiratete, schrieb mir der Feldherr: "Zu Ihrer Hochzeit wünsche ich Ihnen von Herzen Glück und bei dem ersten Kind will ich Pate sein. Sie haben mir treu gedient, auch mit dem Herzen. Das vergesse ich nicht. Also glückauf auch für die Zukunft." (...) Nach den Ereignissen an der Feldherrnhalle am 9. 11. 1923 war im Dezember mein Sohn geboren. (...) Der große Freiheitkampf führte den unermüdlichen Feldherrn, wenn er aufklärende völkische Vorträge hielt, auch manchmal in die Nähe meines Wohnortes. Dann schrieb er es mir rechtzeitig, damit wir uns wiedersehen konnten. So kam er auch einmal mit meiner Frau und dem Kinde zusammen, und immer war es ein großes Fest für uns. (...) An dem Geburttage in diesem Jahr wollte ich mit seinem Patenkind nach Tutzing kommen, weil es ja doch nun 25 Jahre her sind, dass ich in Dienst bei dem Obersten Ludendorff trat. Wie hatte ich mich darauf gefreut, den Patensohn zu zeigen. Jetzt ist der Tod dazwischen getreten! Aber die Treue lebt über das Grab hinaus.
Im Jahr 1955 schrieb Mathilde Ludendorff in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Der Quell" einen Nachruf auf Rudolf Peters (S. 767):
Kurz vor den Tagen von Lüttich erhalte ich die Nachricht, daß Rudolf Peters, der zuverlässige, treue Bursche des Feldherrn, der ihn in allen Kriegsjahren des ersten Weltkrieges zu betreuen hatte, im Alter von 63 Jahren nach kurzer Krankheit am 25. Juni 1955 in Burscheid gestorben ist.
Es ist eigentümlich, dass dieser Bursche noch Jahrzehnte später lokalgeschichtlich so viel Aufmerksamkeit zuteil geworden ist.
/hier auf dem Blog 
zuerst veröffentlicht: 19.2.2017/

Eine Neuerscheinung zu Erich Ludendorff


Erschienen: März 2016
Am 15. März 2016 ist auf Englisch ein neues Buch über Erich Ludendorff erschienen von Will Brownell "The First Nazi: Erich Ludendorff - The Man Who Made Hitler Possible" (Counterpoint 2016, 356 Seiten) (3). Laut Klappentext sammelt es alle nur denkbaren Vorwürfe, die man glaubt, Erich Ludendorff machen zu können. Nach diesem Klappentext wird wieder einmal "alle Schuld auf Ludendorff" geworfen, wie das ein oft wiederholtes Zitat schon seit 1918 unterstellt:
General Erich Ludendorff was one of the most important military individuals of the last century, yet today, he is one of the least known. One of the top two German generals of World War I, Ludendorff dominated not only his superior-General Paul von Hindenburg-but also Germany's head of state, Kaiser Wilhelm II.
Das ist falsch charakterisiert. Es ist längst bekannt, dass der Kaiser sich lange dagegen wehrte, Ludendorff Einfluß und Bedeutung einzuräumen und dass Hindenburg den Ruhm "einheimste", dessen zugrundliegende militärische Leistungen allein Ludendorff erbracht hatte und erbringen konnte. Weiter
For years, Ludendorff was the military dictator of Germany.
Diese Behauptung ist unter Historikern sehr umstritten worauf wir hier auf dem Blog schon hingewiesen haben. 
He not only commanded all aspects of World War I, he refused every opportunity to make peace; he antagonised the Americans until they declared war; he sent Lenin into Russia to forge a revolution to shut down the Russian front; and pushed for total military victory in 1918 in a rabid slaughter known as "The Ludendorff Offensive." Shortly after Germany lost the War in 1918, Ludendorff created the murderous legend that Germany had lost the war only because Jews had conspired on the home front. He soon forged an alliance with Hitler, endorsed the Nazis, and wrote maniacally about how Germans needed a new world war to redeem the Fatherland. This savage man had staggering designs to build a gigantic state that would dwarf even the British Empire. Quite simply, Ludendorff wanted the world and was instrumental in both world wars and the Russian Revolution, changing the 20th century beyond recognition.
Nach diesem Klappentext kann dieses Buch keine sehr differenzierte Darstellung und Auseinandersetzung mit der Biographie Erich Ludendorffs enthalten, sondern sammelt lediglich Mythen und wärmt sie neu auf, von denen jede einzelne wesentlich differenzierter zu betrachten und zu bewerten ist als es hier zu geschehen scheint.

Warum aber nun gar so plump, plakativ und so gar nicht differenziert? Der Autor hat einen US-militärischen Hintergrund als Übersetzer. Was aber noch interessanter ist: Er hat eine Biographie über den US-Diplomaten William C. Bullitt verfasst. Wer eine Biographie über einen solchen Kriegshetzer wie Bullitt verfasst hat, der sollte eigentlich wissen, wer Schuld ist an Kriegen im 20. und 21. Jahrhundert, an ihrer Dauer, an ihrer Blutigkeit und an ihrem Ausgang (4). Denn niemand anders als Bullitt hat den Verlauf des Zweiten Weltkrieges schon 1937 sehr genau "vorausgesagt", sprich, aus dem Nähkästchen der Planungen jener geredet, "die dahinter stehen".

(Zuerst veröffentlicht hier auf dem Blog am 27.8.2016)

Im schnoddrigen, lapidaren Ton über Ludendorff



Erschienen: Januar 2014
Am 7. Januar 2014 ist bei "Books on Demand" ein neues Buch über Erich Ludendorff und sein Verhältnis zu Hindenburg und Hitler erschienen (1) von einem Bernhard Wien unter dem Titel "Weichensteller und Totengräber". Im Vorstellungstext heißt es unter anderem:
... Der weitere Blick führt zu wesentlichen neuen Erkenntnissen: Ludendorffs Wirken wird nach wie vor stark unterschätzt. Sein Einfluß auf Hitler war größer als bisher selbst von Ian Kershaw angenommen. Das von Wolfram Pytas Biographie geprägte aktuelle Hindenburg-Bild muß korrigiert werden. Die Einzelereignisse Burgfrieden, Kaisersturz, Kapp-Putsch, Hitler-Putsch 1923 und Röhm-Putsch erfahren eine Neuinterpretation.
Nun, solche Eröffnungsfanfaren kündigen womöglich oft auch nur klägliche Neuerkenntnisse an.

Vorbehaltlich genaueren Studiums kann aufgrund von Leseeindrücken auf Amazon gesagt werden, daß das Buch über weite Strecken in einem sehr schnoddrigen, lapidaren Stil verfaßt ist. Das liest sich also schon vom Stil her nicht als sachlich-wissenschaftliche Veröffentlichung. 

Über weite Strecken enthält die Darstellung überhaupt keine Neubewertungen, sondern es werden nur alte Legenden und Mythen einmal in neuer Weise aufgewärmt. Vielleicht ist es sinnvoll, daß einmal der eher "tagespolitischere" Gegensatz zwischen Ludendorff und Hitler deutlicher herausgearbeitet worden ist. Das geschah aber womöglich nur mit wenig Tiefgang. Denn es werden die völlig unterschiedlichen und gegensätzlichen Moralgrundlagen und Politikansätze beider in keiner Weise ausreichend herausgearbeitet. Daß für Erich Ludendorff im Gegensatz zu Hitler nur ein Verteidigungskrieg infrage kam - das gilt auch für sein Buch "Der totale Krieg" - und er deshalb ein so geschätzter Ansprechpartner der kriegsunwilligen Generalität (Blomberg, Fritsch, Beck) gewesen ist, scheint offenbar kaum ausreichen herausgearbeitet zu werden.

Ein Zeichen dafür, wie wenig sich der Autor Wien mit der weltanschaulichen Neuausrichtung Erich Ludendorffs nach 1925 wirklich beschäftigt hat, sind etwa folgende inhaltlich ganz falschen Zeilen, die zugleich seinen ganz unsachlichen polemischen Tonfall veranschaulichen können (1, S. 329): 
Er (Ludendorff) verfing sich vollends in den Fängen seines Verfolgungswahns, angefeuert durch seine zweite Ehefrau, die wirre Mathilde. Sie war 1930 die Religionsstifterin der Deutschen Christen.
Diese wenigen Worten und Charakterisierungen sind zeitgenössischen Kurt Tucholsky-Gedichten und Simplizissimus-Karikaturen entlehnt und haben mit einem Urteil aus historischem Abstand nichts zu tun. Zumal sie zum Teil inhaltlich  ganz falsch sind. Was für eine ganz falsche Behauptung: "Religionsstifterin der Deutschen Christen". Nichts lag Mathilde Ludendorff ferner als das, schon seit 1921. Weiter: 
Zusammen ließen sie in zahlreichen Schriften ein buntes Panoptikum von Juden, Katholiken, Freimaurern und anderen aufmarschieren, die sich alle miteinander zu einer Weltverschwörung zusammenfanden, um dem wahren Christentum, das ein deutsches Christentum war, vor allem aber dem deutschen Volke und zuvörderst dessen einzigem Erretter, Erich Ludendorff, an die Gurgel zu gehen.
Nein, um das "deutsch Christentum zu fördern", wäre die richtige Aussage gewesen. Hier wird schon deutlich - und mehr braucht man im Grunde gar nicht - wie oberflächlich der Autor sein Untersuchungsobjekt untersucht hat. Ein Ludendorff-Biograph, der gar nicht wahrgenommen hat, was für ein scharfer Gegner Erich Ludendorff gerade auch der Deutschen Christen gewesen ist (siehe etwa: 2) und allen Christentums überhaupt, selbst in der Version, wie es womöglich noch von Alfred Rosenberg oder Hermann Wirth vertreten worden ist, kann im Grunde genommen als ein solcher Biograph insgesamt gar nicht ernst genommen werden.

Dennoch wird es sinnvoll sein, das Buch noch einmal genau zu überprüfen auf etwaige partielle Neuerkenntnisse und Neubewertungen, wobei dann dieser Beitrag gegebenenfalls noch einmal überarbeitet werden kann.

(Zuerst hier auf dem Blog veröffentlicht am 11.1.2014.)

"Diktator Ludendorff" - ist diese Kennzeichnung treffend?

Und: War Ludendorff eine deutsche "Verhängnisgestalt"?

Von dem Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmannsegg (geb. 1937), emeritierter Professor der Universität Mannheim, ist in der FAZ eine Rezension der Ludendorff-Biographie von Manfred Nebelin veröffentlicht worden (5, 6). In dieser Rezension heißt es unter anderem:
Durchgehend ist der Autor um ein differenzierendes Urteil bemüht, eine Bemühung, die beim Gegenstand Ludendorff weder einfach noch selbstverständlich ist.
Zu den Stärken des Buches rechnet er seine Detailschärfe und Quellennähe. Über die Schwächen des Buches sagt Graf Kielmannsegg:
Es fehlt an bilanzierenden Reflexionen über die Kernfragen, die sich einem Ludendorff-Biographen stellen: Was ist über den „Feldherrn“ Ludendorff zu sagen? War Ludendorff wirklich ein „Diktator“? Trifft das Urteil, mit dem das Buch den Leser entläßt: Ludendorff eine deutsche „Verhängnisgestalt“?
Es hat unter Kundigen nie einen Zweifel daran gegeben, daß Ludendorff, nicht Hindenburg der eigentliche Kopf der deutschen Kriegführung war. Nebelin bekräftigt diese Einschätzung.
Besonders bemerkenswert scheint dann aber doch auch folgendes Urteil des Grafen Kielmannsegg zu sein:
Das Urteil über das Vabanquespiel der Offensive von 1918 fällt im Allgemeinen hart aus. Auch Nebelin setzt da keinen anderen Akzent. Man wird freilich, um Ludendorff gerecht zu werden, zumindest fragen müssen, welche Alternativen zu diesem verzweifelten Versuch Deutschland 1918 denn noch hatte. In Paris und London gab es, jedenfalls seit die Regierungschefs Clemenceau und Lloyd George hießen, keinerlei Kompromißbereitschaft mehr. Man setzte auf Sieg und nichts als Sieg, gerade so wie Ludendorff. Sollte Deutschland kapitulieren, ohne besiegt zu sein? Vermutlich war das Kaiserreich seit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in einer militärisch wie politisch aussichtslosen Lage. In aussichtslosen Lagen Entscheidungen zu treffen, die der Nachwelt einleuchten, ist schwierig.
Und dann weiter:
Den „Diktator“ Ludendorff rückt Nebelin mit dem Untertitel des Buches ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber trifft der Begriff die Verhältnisse? Allenfalls für das eine Jahr zwischen dem Sturz Bethmann-Hollwegs im Juli 1917 und dem Scheitern der großen Offensive im Westen hat er eine gewisse Plausibilität. Durchgehend gilt, dass Ludendorff nur so lange mächtig war, wie Hindenburg zu ihm stand. Bis zum Scheitern Bethmann-Hollwegs war zudem der Kaiser vor allem in den entscheidenden Personalfragen in einem keineswegs nur formalen Sinn die letzte Instanz. Am hartnäckigen und lange erfolglos geführten Kampf Ludendorffs zuerst gegen Falkenhayn und dann gegen Bethmann-Hollweg zeigt Nebelin das selbst auf. Auch an den Reichstag, die Gewerkschaften, die süddeutschen Staaten ist zu denken, wenn man sich ein Urteil über die Machtverhältnisse im Deutschland der Kriegsjahre bilden will. Ludendorff war vorübergehend der mächtigste Mann in Deutschland, ein Diktator, lässt man dem Begriff seine präzise Bedeutung, war er nicht.
Und weiter:
Schließlich: die „deutsche Verhängnisgestalt“ Ludendorff. Das Wort verweist auf das deutsche Verhängnis, auf Hitler also. War Ludendorff ein Wegbereiter Hitlers? Anders als Hindenburg hat Ludendorff nach 1918 keine richtungsweisende Entscheidung mehr getroffen, auch 1933 nicht. Die Last, die Ludendorff, sekundiert von Hindenburg, mit der Erfindung der Dolchstoßlegende - der schäbigen Weigerung einzugestehen, daß Deutschland den Krieg militärisch verloren hatte -, der Republik aufbürdete, hat fraglos zu ihrem Scheitern beigetragen. Aber die Formel von der deutschen Verhängnisgestalt meint doch wohl mehr. Was sie meint, wird bei Nebelin schon deshalb nicht ganz klar, weil der Ludendorff der Jahre 1918 bis 1937 bei ihm nicht mehr auftritt.
Manches, was Kielmannsegg sonst noch schreibt, steht dann aber irgendwie im Widerspruch zu dem soeben Zitierten. Wie auch immer! Viele andere Rezensionen zu diesem Buch lesen sich bei weitem nicht so selbständig urteilend. Die in der "Welt" von einem Klaus-Jürgen Bremm etwa beginnt mit den Worten:
Nacheinander demontierte er einen Generalstabschef, einen Reichskanzler und einen Außenstaatssekretär.
An so kurzen Sätzen wird einem bewußt, wie fehlerhaft das Reden vom "Dikator" Ludendorff sein kann. Um den Generalstabschef von Falkenhayn zu demontieren, hat der - - - "Diktator" Ludendorff immerhin zwei Jahre gebraucht. Und auch der Reichskanzler und der Außenstaatssekretär werden nicht nur deshalb gesürzt worden sein, weil sie sie sich Ludendorff als Gegner erworben hatten. Und so schreibt auch Volker Ullrich in der "Zeit" über die angebliche "Diktatur" Ludendorffs:
Doch das ist eine Übertreibung. Denn so mächtig Ludendorff auch war - allein herrschen konnte er nicht. Trotz seines Bedeutungsverlusts im Kriege hatte der Kaiser bei der Besetzung der höheren Reichsämter immer noch ein wichtiges Wort mitzureden. Vor allem aber verkennt der Autor das wachsende Gewicht der neuen Reichstagsmehrheit aus Sozialdemokratie, katholischem Zentrum und liberaler Fortschrittspartei, auf deren Wünsche die Militärs Rücksicht nehmen mußten.
Allmählich scheint also jener geschichtliche Abstand gewonnen zu sein, der zumindest in Teilen der deutschen Geschichtswissenschaft ein Abrücken von allzu schablonenhaften, plakativen Kennzeichnungen ermöglicht. Es dürfte sicherlich sinnvoll sein, diesen Umstand festzuhalten.

(zuerst veröffentlicht hier auf dem Blog am 17.10.2012)
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  1. Wien, Bernhard: Weichensteller und Totengräber. Ludendorff, von Hindenburg und Hitler 1914 - 1937. Books on Demand, Norderstedt 2014 (Amazon, GB) (knapp 476 S.) 
  2. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Freiland-Verlag, Viöl 2004 
  3. Brownell, Will: The First Nazi: Erich Ludendorff - The Man Who Made Hitler Possible. Counterpoint 2016 (356 Seiten) 
  4. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941.  http://www.academia.edu/352574/Wie_kam_Stalin_in_die_Mitte_Europas_-_Kriegsziele_der_westlichen_Demokratien_seit_1941
  5. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010
  6. Graf Kielmannsegg, Peter: In der Hölle der Materialschlachten. Erich Ludendorff kämpfte im Ersten Weltkrieg einen aussichtslosen Kampf. War er Deutschlands Verhängnis? FAZ,  17.07.2011
  7. Ludendorff, Mathilde: Mitteilung über den Tod von Rudolf Peters (1892 - 1955), den Burschen Erich Ludendorffs im Ersten Weltkrieg. In: Der Quell, Folge16, 23. 8. 1955, S. 767
  8. Rüger, Ekkehard: Suche nach lokalen Spuren des Ersten Weltkriegs. Ausstellung und Veröffentlichung sind schon geplant. In: Bergischer Volksbote, 19.3.2014, http://www.wz.de/lokales/burscheid-region/suche-nach-lokalen-spuren-des-ersten-weltkriegs-1.1589485
  9. Rüger, Ekkehard: Der ferne Krieg ganz nah - Ausstellung zeigt Auswirkungen in Burscheid. In: Bergischer Volksbote, September 2014, http://www.wz.de/lokales/burscheid-region/bv-artikel-aus-der-ns-zeit-in-solingen-wiederentdeckt-1.2235924
  10. Frese, Annemarie (zusammen mit Grete Klippert, Barbara Sarx, Sabine Wurmbach und Rolf Engelhardt): Leben in Burscheid 1914 - 1918. Bergischer Geschichtsverein, Abt. Burscheid,  Burscheid 2014 (67 S.)
  11. Sting, Jan: Stadtbücherei Burscheid - Von wegen „herrliche Zeiten“. In: Leverkusener Anzeiger, 14.9.2014, http://www.ksta.de/region/leverkusen/burscheid/stadtbuecherei-burscheid-von-wegen--herrliche-zeiten--38394
  12. Sting, Jan: Der große Krieg - Kartoffel wurde zur Kostbarkeit. In: Leverkusener Anzeiger, 9.10.2014, http://www.ksta.de/region/leverkusen/burscheid/serie--der-grosse-krieg-kartoffel-wurde-zur-kostbarkeit-629042

Kommentare:

666Krassi hat gesagt…

Abb.: Arado Ar 68 und Arado Ar 65 in Prachtaufstellung in einer Ludendorff-Kaserne.
Das Bild zeigt uns Zerstörergeschwader 26 „Horst Wessel“.
Standort: Fliegerhorst Werl (1936)
Zu Adolf Hitlers Geburtstag am 20. April 1935 wurde das JG 134 aufgestellt, dessen erste Flugzeugausrüstung von SA-Stabschef Viktor Lutze als „Wehrgabe der SA“ übergeben wurde. Das Jagdgeschwader 134 erhielt am 24. März 1936 den Beinamen „Horst Wessel“.
Flugzeugtyps: Bf 110, Bf 109, Arado Ar 68, Junkers Ju 88, Me 410.

Krassimir Christow
e-Mail: ommp@gmx.de

Studiengruppe Naturalismus hat gesagt…

Danke für diese Hinweise zu einem zwischenzeitlich wieder aus dem Netz genommenen Blogartikel über Kasernen, die in den 1930er und 1940er Jahren nach Erich Ludendorff benannt waren, und in deren einer auch diese Flugzeuge - laut einer historischen Aufnahme - in "Prachtaufstellung" aufgestellt waren zu irgend einem Anlaß.

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