Sonntag, 9. Dezember 2012

"Ein Jahrhundert nach meinem Tode ..."

Das "Vermächtnis" Mathilde Ludendorffs (1937 / 1966)

Das deutsche Volk steht gegenwärtig, um die Jahreswende 2012/13, in der schwersten Schicksalsstunde seiner Geschichte. Während der äußere Wohlstand seit Ende der 1940er Jahre in Westdeutschland und seit 1989/90 auch zwischen Elbe und Oder die ständig noch wachsende innere Korruption und das gegenseitige seelische Missverständnis und die seelische Stumpfheit verdeckt und übertüncht, die sich durch fast jede Familie heute ziehen, die ein seelisch wertvolles Zusammenleben zwischen Eltern und Kindern, zwischen Ehepartnern, im engeren und weiteren Familien- und Freundeskreis, sowie in der Gesellschaft, im Volk insgesamt fast unmöglich machen, entwickelt sich auch allein die bloße demographische Lage des deutschen Volkes mit jedem Jahr noch kulturzerstörender als im jeweiligen Vorjahr. Ja: "Deutschland schafft sich ab", wie der viel verkaufte Buchtitel des Jahres 2010 lautete.

Abb. 1: Die Feier des 60. Geburtstages von Mathilde Ludendorff, 3. Oktober 1937 in Tutzing
Erich und Mathilde Ludendorff und mit ihnen die Anhänger der Philosophie Mathilde Ludendorffs sahen die Rettung für das deutsche Volk und für die Kulturen der Völker weltweit schließlich allein in der Verbreitung und Annahme der Philosophie Mathilde Ludendorffs. "Einen anderen Weg, als wir weisen, gibt es nicht," hat Erich Ludendorff Ende 1936 in seinem nach seinem Tod veröffentlichten "Vermächtnis" niedergeschrieben.

Abb. 2: Mathilde Ludendorff auf der Feier zu ihrem 60. Geburtstag am 3. Oktober 1937 in Tutzing
Und tatsächlich scheint gerade die enge Verbindung und Verknüpfung einer scharfen Aufklärung über das Wirken von Hintergrundmächten mit dem Angebot einer modernen, naturwissenschaftsnahen, also am - für alle Menschen gültigen - naturwissenschaftlichen Kenntnisstand orientierten evolutionären, humanistischen Philosophie in der Tradition der Aufklärung und der Evolutionsforschung, eine Philosophie, die über die Existenz natürlich gewachsener, das heißt aus der Evolution hervorgegangener Völker eben so wenig achtlos hinweggeht, wie gegenüber der Frage des Menschen nach dem Sinn des Lebens und dem Sinn der Existenz dieses Weltalls - tatsächlich scheint eine solche, womöglich in sich widerspruchsfreie und sich gegenseitig ergänzende und vervollständigende Verbindung und Verknüpfung eine starke weltgeschichtliche Kraft darstellen zu können.

Zumindest dann, wenn die vielen heutigen, zumeist - trotz zahlenmäßigen Umfangs - ganz hilflos und ohnmächtig wirkenden, weil geistig zersplitterten Kräfte, die einen gesellschaftlichen Aufbruch fördern - zuletzt etwa die "Occupy-Bewegung" mit Georg Schramms "Zorn-Rede" in Frankfurt am Main -, sich auf eben eine solche enge Verbindung und Verknüpfung besinnen würden. Und wenn sie dieselbe mit jener hochstehenden Moral, die womöglich in der Philosophie Mathilde Ludendorffs enthalten ist, auch nach außen hin vertreten würden. Zumindest scheint sehr viel Anlass gegeben zu sein, dass diese Behauptung sehr ernst geprüft werden sollte.

Abb. 3: Mathilde Ludendorff auf der Feier zu ihrem 60. Geburtstag am 3. Oktober 1937 in Tutzing
Durch den Fortgang des naturwissenschaftlichen Fortschritts in der Soziobiologie, in der Humangenetik, in der Intelligenzforschung (siehe Sarrazin-Debatte), in der Evolutionsforschung, sowie durch die sich ständig verschärfende soziale und kulturelle Krise der Völker und Kulturen der Nordhalbkugel scheint das Angebot dieser seltenen Verknüpfung immer tagesaktueller, ja, geradezu immer alternativloser zu werden. Und es ist nicht unwahrscheinlich, daß die sich geradezu aufdrängende Erkenntnis von der kulturerhaltenden Notwendigkeit der Annahme der hier gegebenen Verknüpfung schon in der nächsten Generation als gültig anerkannt werden wird und sich dann - und deshalb - weitgehend widerstandslos ausbreiten wird.

Abb. 4: Die Feier des 60. Geburtstages von Mathilde Ludendorff, 3. Oktober 1937 in Tutzing
Jedenfalls war dies - so ungefähr - die Erwartung von Mathilde Ludendorff. Sie selbst empfand es als ungewöhnlich, ja fast als ein Missverständnis, dass sie als eine der wenigen Philosophen in die Geschichte eingehen sollte, die ein - für geistesgeschichtlich bedeutsame Philosophen - seltenes Verständnis und eine seltene Anerkennung schon zu ihren Lebzeiten erhalten sollte von einer größeren Gruppierung von Anhängern.

Abb. 5: Während der Feier des 60. Geburtstages von Mathilde Ludendorff, 3. Oktober 1937 in Tutzing
Die Feier des 60. Geburtstages von Mathilde Ludendorff am 3. Oktober 1937

Diesen Gedanken sprach sie aus bei Anlaß der Feier ihres 60. Geburtstages am 3. Oktober 1937 in München. Unter anderem aus diesem Grund soll diese Feier im vorliegenden Beitrag etwas genauer behandelt und dokumentiert werden (vgl. auch Abb. 1 bis 5). Zu ihrem 80. Geburtstag am 4. Oktober 1957 berichtete Mathilde Ludendorff über die Feier ihres 60. Geburtstages (s. Quell 1957, S. 931):
Heute vor 20 Jahren hatte der Feldherr zum letzten Male in seinem Leben die Feier des 4. 10. an meinem 60. Geburtstag trotz seiner 2 Tage zuvor erfolgten plötzlichen sehr ernsten Erkrankung hier im Garten abzuhalten beschlossen. Er legte mir dabei ans Herz, daß sie so geartet sein sollte, daß niemand mir meine durchwachten Nächte und so große Sorge um ihn, niemand ihm seine Krankheit anmerken möge.
Und im Jahr 1938 wird über diese Feier berichtet (4):
Keiner der Erschienenen konnte ahnen, daß er zum letzten Male dem Feldherrn gegenüberstehen und ihn sprechen hören sollte. 
Und (4):
Trotz seiner schweren Krankheit, die in jenen Tagen bereits ihre dunklen Schatten vorauswarf, sahen sie den Feldherrn so, wie sie ihn kannten ...
In einem anderen Berichtet heißt es in der selbstverständlichen Sprache der damaligen Zeit zusammenfassend (1):
Am 3. Oktober 1937 waren mehr als tausend Deutsche Volksgeschwister aus allen Teilen des Reiches nach Tutzing gekommen um der Schöpferin der Deutschen Gotterkenntnis persönlich die Glückwünsche zu ihrem 60. Geburttag überbringen zu können. Frau Dr. Ludendorff begrüßte jeden Einzelnen der Teilnehmer, an die sich anschließend der Feldherr mit einer kurzen Ansprache wandte. Eine eindrucksvolle Feier im "Vier-Jahreszeiten"-Saal in München beschloß würdig diesen Tag, der für alle Teilnehmer zu einem Erlebnis geworden war.
Und ein detaillierterer Bericht lautete (2):
Um den Bitten von zahlreichen Anhängern der Deutschen Gotterkenntnis (Ludendorff) zu entsprechen, ihre Wünsche Mathilde Ludendorff zu ihrem 60. Geburttage persönlich entgegenbringen zu können, waren der Feldherr und die Philosophin aus den Bergen zurückgekehrt. Mathilde Ludendorff hatte sich bereit erklärt, sie schon am 3., einem Sonntage, entgegenzunehmen, um den Deutschen, die im Erwerbs- und Berufsleben stehen, die Ermöglichung ihres Wunsches zu erleichtern. Mit Sonderzügen und Kraftwagen waren aus allen nahen Deutschen Gauen, ja auch von Ostpreußen, von Schleswig und vom Rhein her, aus Schlesien und Saarbrücken Deutsche aller Berufsstände, Frauen, Männer und Jungvolk herbeigeeilt. Sie nahmen in festlicher Stimmung Aufstellung vor dem Hause in Tutzing. Schönes Herbstwetter mit herbstlichem Sonnenschein verschönte die Stunden.
In dem Bericht heißt es weiter (2):
Der Feldherr begrüßte die Schöpferin der Deutschen Gotterkenntnis mit einem Heilruf und richtete an die Versammelten wenigen Worte der Begrüßung. Mathilde Ludendorff schritt zu den Anwesenden und nahm von jedem Einzelnen, ihm die Hand reichend und Worte tauschend, den Glückwunsch entgegen. Das nahm bei der großen Zahl der Anwesenden Stunden in Anspruch. Währenddesen unterhielt der Feldherr sich mit einzelnen Anwesenden über das Fortschreiten des Ringens für Deutsche Gotterkenntnis. Nachdem Mathilde Ludendorff ihren Rundgang beendet hatte, richtete der Feldherr noch kurze Worte an die Anwesenden, um ihnen zu zeigen, wie sie der Philosophin durch ihr Ringen ihre Dankbarkeit erweisen könnten. (...) Dann wandte sich der Feldherr dem Ringen gegen die überstaatlichen Mächte und ihre Helfershelfer zu, die zwischen dem Werke Deutscher Gotterkenntnis und den Personen, die es vertreten, Scheidewände durch Lügen und Verdrehungen errichten möchten. 
Es sollte dies tatsächlich die letzte öffentliche Rede Erich Ludendorffs sein. Denn nur zweieinhalb Monate später, am 20. Dezember 1937, starb er an jener erwähnten Krankheit, die schon damals "ihre Schatten vorauswarf", nämlich Leberkrebs. Teilnehmern blieben von dieser Ansprache Sätze in Erinnerung, enthalten im letzten Teil der Ansprache, wie "Ich stelle fest - der 'Osservatore Romano', das Blatt des Papstes, lügt!" oder "Kämpfen Sie fanatisch!" (Friedrich Fuch in: Quell 8/57, S. 347)

Nachmittags fand dann die Feier in dem genannten Festsaal in München statt. In ihrer dortigen Ansprache sagte Mathilde Ludendorff Worte (2), von denen sie nachmals wünschte, daß diese auch auf ihrer eigenen Totenfeier vorgelesen werden würden. Und dort sind sie dann auch im Frühsommer 1966 aus diesem Anlass vorgelesen worden (3). 1966 wurden sie "das Vermächtnis Mathilde Ludendorffs" genannt. - Erich Ludendorff hatte schon an dieser Nachmittagsveranstaltung nicht mehr teilnehmen können. In dieser Ansprache sagte sie (2):
Ich habe in Ihrer aller Namen dem Feldherrn gedankt, daß er bei unserer Feier in Tutzing die Worte an Sie gerichtet hat und so diesem Tage geschichtliche Weihe gab. Diese seine Worte lassen es erst verstehen, daß es zu einer solchen Feier kam. Ist es doch ein sehr seltenes Ereignis, daß der Geburtstag eines noch lebenden Philosophen, der wirklich wertvolle und unsterbliche Erkenntnis gab, in einem größeren Kreise gefeiert wird. Dergleichen geschieht sonst meist bei jenen, die die Mitwelt rasch und leicht überzeugen, weil sie die zur Zeit schon herrschenden Einsichten in ihren Werken in eine gute Wortgestaltung bringen. Kulturschöpfer aber führen auf bisher noch nicht betretenen Wegen näher zum Göttlichen hin. So sind sie einsam und am einsamsten unter ihnen allen sind die Philosophen. Ihre Erkenntnisse und die moralischen Wertungen, die sich aus diesen ergeben, gestalten gewöhnlich nicht an der Geschichte der Gegenwart, sondern an der kommender Jahrhunderte. So rettet ihnen denn auch die Verständnislosigkeit der Mitwelt ihre traute, so für Schaffen und Erleben geschätzte Einsamkeit. Es bedarf also, wenn ich so sagen soll, fast einer Entschuldigung, zumindesten aber einer Erklärung, die uns begreiflich macht, daß meine philosophischen Werke, die das gründlichste Umdenken und Umstellen erwarten, das je durch philosophische Werke gefordert wurde, nicht, wie ich bei dem Schaffen der ersten derselben mit Sicherheit annahm, erst ein Jahrhundert nach meinem Tode durchdringen werden.
Die Erklärung liegt in der wichtigsten Ursache des Werdens der Gotterkenntnis meiner Werke. Es herrschte in den Jahren 1920/21, als ich mein Werk "Triumph des Unsterblichkeitwillens" schrieb, Todesnot der Kulturen aller Völker. Das gottwidrige Ziel, seelisch entwurzelte, mischblütige Sklaven unter herrschgierigen Priesterkasten jüdischer Lehren an Stelle arteigener, gottlebendiger freier Völker allein noch auf Erden bestehen zu lassen, war in manchen Ländern voll erfüllt, in anderen seufzten die Völker unter ebenso machtgierigen anderen asiatischen Priesterkasten. (...) Wir sahen vor allem auch unser Deutsches, entwaffnetes Volk in der gleich großen Not, in der es ein Jahrhundert zuvor unter der Tyrannei des Korsen geschmachtet hatte. Dies Erkennen der Todesnot der Kulturen aller Völker und das Erleben der stärksten Verantwortung, Wandel zu schaffen, weckten mich zu einer seelischen Wachheit, aus der heraus ich die letzten Fragen vom Sinn des Menschenlebens und der angeborenen Unvollkommenheit, vom Sinn des Todesmuß und der Art der Erfüllung des Unsterblichkeitwillens im sterblichen Menschen, im Einklang mit der Erkennntis der Forschung beantwortete und in meinem Werke niederlegte. So wie vor hundert Jahren der Philosoph Fichte die Einsamkeit seines Schaffens aufgab und sein Volk durch die Reden an die Deutsche Nation zum Freiheitkampf wachrüttelte, so war es auch mir dann eine Selbstverständlichkeit, ein Gleiches zu tun. Nach dem Schaffen dieses ersten philosophischen Werkes gab ich die Abgeschlossenheit, in der ich lebte, auf, stellte zunächst weiteres Schaffen zurück, um mich dem völkischen Freiheitkampfe, soweit dies meine Pflichten möglich machten, zu widmen.

Das ist die eine Erklärung dafür, daß nicht erst nach hundert Jahren, wie ich es annahm, irgendeiner nach den wenigen Exemplaren meiner philosophischen Werke greifen werde, um dann das Volk zu ihnen zu führen. Weit wesentlicher war ein anderes Ereignis. Da ich in meinem Schaffen das Unheil der christlichen Wahnlehren für das Leben der Völker und die Abwehr der Priesterkasten ebenso klar erkannte, wie den segensreichen Schutz, den die Erkenntnis meines Werkes "Triumph" hiergegen sein konnte, so sah ich natürlich in dem völkischen Freiheitkampfe vor allem als Ziel die Befreiung von Wahnlehren und Machtgier der Priesterkasten, ich fand aber hierfür fast nirgends ein Verstehen. (...) Da führte dicht vor dem 9. November 1923 dieser Umstand zu einer Unterredung mit dem Feldherrn und bei ihm fand ich zu meiner großen Überraschung sofort tiefstes Verstehen für meine Fernziele. Ein solches Verstehen führte zu gemeinsamem Kampfe und zu der reichen Lebenserfüllung gemeinsamen Lebens. Elf Jahre währt nun schon der ununterbrochene Kampf an der Seite des Feldherrn gegen die unheilvollen Wege und Ziele weltberrschender, zum Teil geheimer Priesterkasten und währt die Aufklärung des Volkes und der Völker über dise und über den Segen der Gotterkenntnis, die ich indessen in weiteren Werken vollendete. Da diese nun den unsterblichen Namen des Feldherrn trugen, öffnete er ihnen einen breiten Weg in das Volk. Da aber der Feldherr zugleich in unermüdlicher Volkserziehung sich für die Bedeutung des Kampfes gegen die Wahnlehren und für die Völker rettende Bedeutung der Erkenntnis meiner Werke einsetzte, so war die natürliche Folge das seltene Ereignis, daß ich es miterlebe, wie viele Zehntausende sich von der Erkenntnis meiner Werke überzeugten.

Schon einmal gab es einen großen Feldherrn, der es den Menschen durch sich selbst erwies, daß höchste Feldherrnkunst und philosophisches Erkennen nicht so weit auseinanderliegen, wie die meisten Menschen es annehmen, da doch die klare Erkenntnis des Wesentlichen bei beiderlei Begabung das Wichtigste ist. Dieser Feldherr, der zugleich ein tiefer Kenner und Werter der Philosophie gewesen ist, war Friedrich der Große. Auch er sah schon den Segen der Wahrheit in der Beantwortung der letzten Fragen des Lebens. Auch er erkannte voll die Unhaltbarkeit des Wahnes der Christenlehre. Aber sein Leben und Schicksal brachten es mit sich, daß die starke Sonderung des Volkes von dem König das herrschende Vorurteil, die ungeheure Unterschätzung der Bedeutung des Einzelnen im Volke und seine klare Einsicht in die Tatsächlichkeit nicht überwand. Für das Volk hielt er den von Priestermachtgier geschaffenen Trug für gut genug, wenn nicht gar für notwendig. Der Feldherr Ludendorff, der in dem gewaltigsten aller Kriege Jahre hindurch Haupt und Herz des Volkes war, war seit jenem unseligen 26. Oktober 1918 nicht mehr durch ein Amt, nur noch durch seine unsterbliche Leistung vom Volke gesondert. Er, der im Kriege die Bedeutung der Leistung des Einzelnen an der Front so hoch gewertet hat, war unfähig, die seelische Haltung des Einzelnen im Voke so zu unterschätzen, daß er einen unheilvollen Wahn über die letzten Fragen des Lebens für diess Volk noch für brauchbar gehalten hätte. Von der ersten Stunde der persönlichen Überzeugung von der Bedeutung der Erkenntnisse meiner philosophischen Werke war es ihm auch klar, daß das gesamte Volk und die Völker der Erde unter den Segnungen dieser klaren Erkenntnis gerettet und aus den gefährdenden Entartungen freigemacht werden konnten. Kein Amt an der unmittelbaren Geschichtegestaltung der Gegenwart raubte ihm Zeit für seine hehre Geschichtegestaltung der Zukunft. Er erforschte die Mittel und Wege der überstaatlichen Todfeinde freier Völker, enthüllte sie in seinen Werken, gab dem Volke zum ersten Mal durch diese Enthüllungen volksrettende geschichtliche Erfahrung und führte sie gleichzeitig zu der Klarheit der Gotterkenntnis.

Dank so seltenen Geschehens kam es denn auch zu dieser seltenen Feier des Geburttages eines lebenden Philosophen. Wie nun könnte ich in dieser Feierstunde meiner Eigenart, einen solchen Tag zu begehen, treu bleiben und Ihnen zugleich einen Anteil an diesem Feste gewähren, der sich in Ihrer Seele auswirken kann? Nun, ich dächte doch, indem ich Ihnen mitteile, welchen Sinn ich in einer solchen Feier sehe, und zudem ein Beispiel gebe, wie sie innerlich zu bereichern ist.
Die Ansprache Mathilde Ludendorffs war von Klavierwerken von Robert Schumann und Franz Schubert umrahmt worden, die von ihrer Schwester, der Konzertpianistin Frieda Stahl, vorgetragen worden waren (2).

Abb. 6: Hochgebirge (Neuseeland)

Die Totenfeier für Mathilde Ludendorff am 20. Mai 1966

Auch während der Totenfeier am 20. Mai 1966 war das Verlesen dieser Worte von Musik umrahmt worden (3).

Abb. 7: Todesanzeige für Mathilde Ludendorff
Diesmal spielte die Konzertpianistin Frieda Stahl nicht selbst, sondern ein Streichquartett. Aber sie wird die Musik ausgewählt haben und auch im Nachhinein die erläuternden Worte zu dieser Musik geschrieben haben.
Abb. 8: Totenfeier für Mathilde Ludendorff am 20. Mai 1966
Da die Möglichkeit besteht, soll auf diese Musik hier im Beitrag mit hingewiesen werden. Sagt doch Mathilde Ludendorff schon am Anfang ihrer Ansprache:
Es ist Unrecht, Worte an Menschen zu richten, nachdem die gottnaheste aller Künste, die Musik, in solcher Vollendung zu Ihren Seelen sprach.
1966 war die Feier umrahmt worden von den ersten drei Sätzen des Streichquintetts von Franz Schubert in C-dur, Opus 163 (siehe Abb. 8).

Abb. 9: Aufbahrung des Sarges im Haus in Tutzing, 1966
Proben einer offenbar sehr guten Aufnahme desselben aus dem Jahr 2007 finden sich im Internet vom Artemis-Quartett von Truls Mörk. Als eine vollständige Aufnahme desselben findet sich im Internet gegenwärtig eine solche, die  von "3Sat" ausgestrahlt worden ist - allerdings ohne Angabe der Musizierenden. (Die ersten beiden Sätze sind jeweils in zwei Teilen ins Netz gestellt worden.)

1. Allegro ma non troppo (a, b)

In der Beschreibung der Totenfeier heißt es zu dieser Musik:
Franz Schuberts Streichquartett in C-Dur, Opus 163 klingt auf. Der zwei ganze Takte ausgehaltene C-dur-Akkord setzt leise ein, schwillt allmählich voll an, um schließlich in einen wehmutsvollen Septimenakkord überzugehen und abzuklingen. Nach dieser langsamen Einleitung wird es lebendig. Das frohe Hauptthema wird immer kraftvoller und dramatischer, bis es schließlich auf der Dominante endet. Nun naht das zweite Thema, in Es-dur, beglückend gefühlsbetont, schwelgend im Sanglichen, ganz Klangwunder. Dann tritt noch ein drittes, scharf zugeschnittenes, aber leises Thema hinzu. Aus ihnen formt sich kämpferische Konfliktstimmung, die aber immer wieder zu klangschöner Lyrik hinüberführt. Ein Menschenleben voll Glück und Weh, voll Kampf und Streit: ein großes Menschenleben in Musik! Und doch immer wieder zurückführend zu der Erkenntnis: "Nicht Kampf ist das Leben des Menschen, nein, jenseits des Kampfes erst ist das Erleben der Seele!" Der erste Satz des Quintetts, vorgetragen vom Sonnleitner-Quintett, verklingt. ...
Das Zitat ist entnommen dem philosophischen Erstlingswerk von Mathilde Ludendorff "Triumph des Unsterblichkeitwillens". 1966 wurden dann auf Wunsch von Mathilde Ludendorff Worte vorgetragen, die Erich Ludendorff 1937 über seine Frau geschrieben hatte in dem von ihm 1937 herausgegebenen Buch "Mathilde Ludendorff, ihr Werk und Wirken" (siehe: 3, S. 483 - 487). Dann begann der zweite Satz aus dem Schubertschen C-dur-Quintett.
2. Satz - Adagio (ab)

Dazu wird geschrieben:
Ein seliges Singen hebt an, zart und verhalten, klanglich verinnerlicht und mehr der Tiefe verbündet. Plötzlich ist die Stimmung wie umgewandelt: Eine nächtig düstere, sehr ausgedehnte Partie in f-moll mit scharfem Sechzehnteltriolenmotiv in den Celli, Ringen seelischer Gewalten, bildet den einschneidenden Gegensatz zu dem Hauptthema. Und wenn dieses auch später wiederkehrt, so doch nicht mehr in der anfänglichen Selbstvergessenheit, sondern beständig von mahnenden Stimmen aus der Tiefe begleitet. Dieses Adagio Franz Schuberts ist der Kern der Totenfeier, der mit Allgewalt die Seelen erfüllt.
1966 wurden dann die Worte des Vermächtnisses von Matilde Ludendorff selbst vorgetragen (siehe: 3, S. 490 - 500). Deren erster Teil ist oben schon zitiert worden. Der zweite, wohl noch wesentlichere Teil (2, S. 547ff; 3, S. 495ff) beginnt mit folgenden Worten:
... Wenn ich nun solchem Feiertag diesen Sinn gebe, so wissen Sie zugleich schon, daß ich an ihm nicht nur das reiche Glück der Gegenwart erlebe, sondern daß er für mich ein Erklingen der ganzen hehren Symphonie des Lebens bedeutet, mit allem Leid und Glück, das es barg und mit allem Gottgehalte, den das Leben schenkte. Unter diesem Reichtum ist auch gar mancher, der zu meinem Schaffen hinüberführt, und an dem ich Sie ein Weilchen Anteil nehmen lassen kann. Sie haben in den Wroten, die Sie zuvor hörten, schon erfahren, daß die Felsengipfel des Hochgebirges meiner Seele und so auch meinem Schaffen Heimat wurden. Ihre Unerreichbarkeit für allen Kleinmut und alle Verzagtheit, ihre Unnahbarkeit für alles Gelärme und Gedränge der Menschen, ihre Festigkeit in allen Wettergewalten, ihre hehre Einsamkeit und heilige Stille, ihre erschütternd ernste Schönheit, wenn Wetterwolken sie umbrauen, ihre leuchtende Herrlichkeit, wenn Schnee sie übergleißt, ihre freudige, kraftvolle Festlichkeit im Sonnenschein, ihre zarte Verklärtheit in Mondnächten, hatten es mir angetan. Es hätte nicht mehr der Gefahren, die das Klettern im Fels mit sich bringt, bedurft, um mir ihr Bild zum seelenweckenden Gottgleichnis werden zu lassen. Eine Feier meines Todes ohne einen stillen Gang zu ihnen in der Erinnerung wäre mir schwer denkbar. Erinnerung ist die Königin, die über alle Wirklichkeit herrscht. Erinnerung hält das Erhabene, das Göttliche fest, und läßt alles Beschwerende, alles Hemmende dem Gedächtnis entgleiten. Erinnerung kann wie ein Märchen alles so herrlich wie möglich gestalten, und so läßt sie denn auch bei dem Aufbruch bald nach Mitternacht von der hohen Berghütte nahe den Felsengipfeln von hellem Mondschein die Bergewelt zauberisch verklären! Rings um uns leuchtet die zarte Schönheit der fast wie gewichtslos scheinenden Felsenriffe. Tiefes Schweigen. Nur dann und wann ein helles Klingen des Eispickels an den Stein oder ein Hinabrollen eines Steines von der Geröllhalde, auf der wir zur Scharte ansteigen; sonst feierliche Stille. Taghell leuchtet der Mond in diesen Höhen, und da Tritte und Griffe am Grat uns wohlvertraut sind, so erreichen wir kurze Zeit nach unserem Einstieg schon den Gipfel. Atemberaubend ist die Schönheit des Fernblicks auf die mondüberlichteten Gipfel, und märchenhaft sind die wunderbaren Farben der Mondnacht hier oben. Das leuchtend tiefe Blau des Himmels, die satten Farbentöne der Felsen in der Nähe und zarten der Gipfel in der Ferne enthüllen Gott im erhabenen Gleichnis. Unsere Seele gibt sich dieser schweigenden Schönheit hin und wüßte nicht mehr zu sagen, wieviel Zeit in Wirklichkeit verronnen ist, bis nun der Mond hinter einem Felsen untergeht. Doch kündet es jetzt die Nacht, daß sie noch Herrscherin der Stunde ist, denn nun der Mond schwand, versinken die fernen Gipfel im Dunkel; doch über uns breitet sich nun die unermeßliche Schönheit des klaren Sternenhimmels. ...
Zum gesamten Text siehe (3). Mathilde Ludendorff setzt das Erlebnis der einsamen Bergnacht im Hochgebirge und des Sternenhimmels dann auch in Bezug zu dem naturwissenschaftlichen Wissen des 20. Jahrhunderts über das Weltall und zu der Deutung dieses Wissens durch ihre Philosophie.

Viele der Worte dieses Vermächtnisses kann man heute als Mensch, der sich von Christentum, Okkultismus und sonstigem religiösem Wahn befreit hat und in der Welt und im Leben mehr an Bedeutung zu sehen gewillt ist als es etwa ein atheistisches Weltbild anzuerkennen bereit ist, wohl nur schwer ohne Anteilnahme lesen. Da dieses Vermächtnis im Weltnetz heute - wie es scheint - noch nirgendwo dokumentiert ist, ist es einmal vollständig zugänglich gemacht worden (3) und wird in diesem Beitrag auf dieses hingewiesen.
3. Satz - Scherzo: Presto - Trio: Andante sostenuto

Zur Musik heißt es wiederum:
Als wollte er diese Worte der großen Toten an das mitlebende Geschlecht aufnehmen, setzt nun der dritte Satz des Schubertschen C-dur-Quintetts ein. Machtvoll wiederholen stürmische Geigen und Celli in kräftigen C-dur-Motiven den Aufruf der letzten Worte. Sie werden abgelöst durch eine ernste seelenvolle Weise, durch ein langsames, sehr verhaltenes Trio in ganz anderer Takt- und Tonart. Die Weise kehrt zur tiefen Trauer zurück, wird immer verhaltener, immer stiller. Ganz unvermittelt setzt dann der erste Teil wieder ein, die Trauer zu feierlichem, kraftvollem Tun wandelnd; in unvergänglicher Musik der gleiche Weckruf wie die Worte der Toten.
Abb. 10: Wettergebräunt - die Schwestern Frieda Stahl und Mathilde Ludendorff 1952 auf der Berghütte in Klais in Oberbayern (Aufnahme durch die Haushälterin Annemarie Kruse [gest. März 2016])
Dieses Vermächtnis Mathilde Ludendorffs ist eines jener vielen, von ihr stammenden Lebenszeugnisse, das bei der Beurteilung ihrer Person vierlerorts sicherlich noch nicht genügend berücksichtigt und gewürdigt worden ist.
Abb. 11: Trauerfeier auf der Terrasse des Hauses Ludendorff
Überraschend auch, welche vielfältigen Erlebnisse und Bezüge sich an diese Worte, dieses Vermächtnis Mathilde Ludendorffs knüpfen, die eine Zeitspanne zwischen 1937 und 1966 überspannen, geradezu so, als seien beide Tage - der 60. Geburtstag und der Todestag - nur ein Tag gewesen. Und auch dies war ja für sie der Sinn eines Geburtstages (2):
Der Geburttag, der zu Ihrer begrenzten Zahl der Lebensjahre ein neues hinzufügt, gemahnt Sie wieder an das Wissen:
Todumloht ist Dein Leben in jeder Stunde. Unfall, Krankheit und Feindestat können Dich allerwärts aus der Reihe der Lebenden ausscheiden und fern, am Ende der Tage, harrt Deiner, auch wenn Du all jenen Gefahren siegreich widerstandest, das Todesmuß, das unwiderrufliche. (...) Deutlicher aber als die jährliche Wiederkehr gemahnt die Jahrzehntwiederkehr des Geburttages an das Todwissen. Vor allem läßt sie weit vernehmbarer noch den ernsten Schritt des Alterstodes, des Todesmuß, vernehmen.

Deshalb wohl ward es allmählich Sitte, dieser Jahrzehntwiederkehr vom 50. Geburttage an ernster zu nehmen und ausgeprägter zu feiern. Es ist das eine liebe Site, wenn sie im Menschen Ähnliches auslöst wie etwa die letzten Tage eines Aufenthaltes in besonderer Naturschönheit. Mögen wir solchen Aufenthalt noch so bewußt, noch so eindringlich erleben, sobald wir über die Hälfte der schönen Tage hinaus sind, scheint die Zeit eilen zu wollen, und je mehr sich dann diese Tage der Abschidstunde nähern, um so mehr geleitet alle Freude schon der Trennungschmerz. Er aber macht das Erleben nur noch inniger, nur noch vertiefter. Jeder neue Tag, der nach solcher Jahrzehntfeier noch erlebt wird, scheint dem Menschen um so mehr wie ein köstliches, keineswegs mit Sicherheit erwartetes Geschenk.
Abb. 12: Das Grab in Tutzing nach der Beerdigung, 1966
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(Dieser Beitrag ersetzt und erweitert einen älteren zum gleichen Thema, der am 23.3.2012 erschienen ist.)
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  1. Der 60. Geburtstag Frau Dr. Mathilde Ludendorffs. Fotoseite. In: Quell, Folge 14, 20.10.1937, hinter Seite 552
  2. Die Feier des sechzigsten Geburttages Mathilde Ludendorffs. In: Quell, Folge 14, 20.10.1937, S. 542 - 551
  3. Ludendorff, Mathilde: Worte zur eigenen Totenfeier (Vermächtnis). In: Mensch & Maß, 6. Jg., Folge 11, 9.6.1966, S. 483 - 500 (Scribd)
  4. Der Abschied. Die letzte Ansprache des Feldherrn. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, Folge 20, 20.1.1938; Lichtbildseiten nach S. 796
  5. Kn., W. (wohl Wilhelm Knake): Feierstunden. Eine Rückschau (auf die Feier von Mathilde Ludendorffs Geburtstag 1956). In: Der Quell, Folge 24/1956, S. 1118 – 1120 
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