Samstag, 22. Dezember 2012

Möbel Erich Ludendorffs stehen zum Verkauf

Erörterungen zu ihrer Echtheit und Überlegungen zur Möglichkeit einer musealen Verwendung

Am 21. Oktober 2012 ist bei Ebay ein "Herrenzimmer Ludendorffs" zum Verkauf angeboten worden (1-3). Es ist allerdings noch nicht verkauft worden. Nach allem, was dabei über die Vorbesitzer bekannt geworden ist (4), ist es sehr plausibel, dass es sich tatsächlich um ein Herrenzimmer aus dem Besitz Erich Ludendorffs handelt. Ein definitiver Nachweis allerdings steht dafür noch aus. Er könnte geführt werden etwa in Form eines Familienfotos, auf dem die Möbelstücke abgebildet sind. Die Suche nach einem solchen Nachweis und auch die sonstige Auseinandersetzung mit diesem Angebot gibt Veranlassung, einem Bündel von Fragen nachzugehen. Denn wollte man etwa eine Ausstellung über Erich Ludendorff (1865-1937) einrichten, würde sich ein solches Herrenzimmer natürlich als Blickfang mehr eignen als fast alle sonstigen denkbaren persönlichen Gegenstände.

A. Grundlegendere Überlegungen

Das "Zentralantiquariat der DDR" setzte im Jahr 1990 Maßstäbe

Sucht man nach einem Maßstab für alles das, was man rund um die Person Erich Ludendorffs als erhaltenswürdig erachten möchte, könnte eine im Jahr 1990 im "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" erschienene liebevolle Übersicht dienlich sein über die "Bestände des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe)", das noch 1945 für interessierte sowjetische Offiziere seine Fülle von "Kult und Kitsch um den Reichsgründer" liebevoll und mit Sorgfältigkeit ausstellte, und dessen Bestände sofort nach der Wende noch im Jahr 1990 so liebevoll erneut der Öffentlichkeit präsentiert worden sind (22).

Auch in Bezug auf die Person Erich Ludendorffs werden womöglich künftige Generationen danach fragen, ob die Arbeit des von Erich und Mathilde Ludendorff testamentarisch vorgesehenen Ludendorff-Archivs in Tutzing, das bis heute fortbesteht, und das ausdrücklich im Sinne von Mathilde Ludendorff ganz genauso arbeiten sollte wie etwa das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt am Main, dessen Arbeit sie hohe Achtung entgegenbrachte, vor einem Maßstab bestehen kann, den im Jahr 1990 der "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" setzte bei der liebevollen Dokumentation auch von "Kult und Kitsch rund um den Reichsgründer" Otto von Bismarck.

In diesem Band sind dokumentiert die hölzerne Wiege Bismarcks (22, S. 16), es sind Stühle, Schreibtische, Wohnschränke aus dem Besitz Otto von Bismarcks dokumentiert (22, S. 18, 64f, 98f), es ist sein Arbeitszimmer dokumentiert (22, S. 76), es ist seine Aktentasche dokumentiert (22, S. 27), seine Zigarrentasche (22, S. 33), seine Uniform aus der Schlacht von Königgrätz (22, S. 34), die Schreibfeder, mit der Bismarck 1871 den Friedensvertrag mit Frankreich unterzeichnete (22, S. 39), es sind völkerkundliche Geschenke von Forschungsreisenden aus Afrika dokumentiert (22, S. 81-84), es sind sogar Hundehalsbänder und -freßnäpfchen dokumentiert (22, S. 118) - um nur einige wenige Beispiele herauszugreifen. Und es sind auch unzählige zeitgenössische Postkarten dokumentiert mit Fotografien und Zeichnungen der Person Bismarck in unterschiedlichen Zusammenhängen und von der näheren Umgebung Bismarcks oder mit huldigenden Gedichten auf Otto von Bismarck und seine Taten.
Im Jahr 2010 ist ja das letzte Wohnhaus Erich Ludendorffs in Tutzing vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege unter Denkmalschutz gestellt worden - als "Gesamtensemble" mitsamt seiner vollständig erhaltenen originalen Wohnungseinrichtung und auch mitsamt dem dort testamentarisch von Mathilde Ludendorff vorgesehenen Ludendorff-Archiv (5). Charlotte Knobloch hat in diesem Zusammenhang eine Auseinandersetzung mit dem geistigen Erbe Erich und Mathilde Ludendorffs angemahnt (5). Anlässlich des 75. Todestages von Erich Ludendorff ist eine solche am 20. Dezember 2012 in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" von Seiten der deutschen Historiker Manfred Nebelin und Rainer A. Blasius auch in einem ersten Zugriff angegangen worden (6). Dabei wurde einmal erneut die eigenartige, noch wenig gründlich erforschte Stellung Erich Ludendorffs während des Dritten Reiches und sein etwaig vorbildlich oder kritisch zu sehendes Handeln im Rahmen des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus erörtert (6).

Dieser aktuelle FAZ-Artikel soll noch einmal in einem eigenen Beitrag gesondert behandelt werden. Die verzerrten und verkrampften Wahrnehmungen auf die Zeit vor 1945, die sich durch die erschütternden Ereignisse der Jahre 1939 bis 1945 gebildet haben, weichen ja derzeit immer mehr einem entspannteren Blick auf diese vorübergegangene Epoche und das Handeln in derselben. Es wird ja richtiggehend psychologisch spürbar und nachvollziehbar, wie auch die Geschichtswissenschaft selbst nach 1945 sehr verkrampften und stereotypisierten Sichtweisen erlegen ist.

Erich Ludendorff - er fühlte sich heimisch in Berlin

Seine letzten 16 Lebenjahre hat Erich Ludendorff zwar in Bayern verbracht (1921 bis 1937), davon die letzten fünf Jahre unter der Herrschaft des Nationalsozialismus. Aber er blieb nicht nur mit den Berliner Ministerien und der in Berlin seßhaften Wehrmachtführung von Bayern aus bis zu seinem Lebensende in Fühlungnahme. So etwa auch als Reichstagsabgeordneter 1924/25. Berlin bildete aber vor allem in seinem Leben davor den Lebensmittelpunkt. Wäre Erich Ludendorff ein größerer Freund des Großstadtlebens gewesen, könnte man sicherlich auch von ihm Sätze zitieren, die eine engere Identifikation mit dieser Stadt beinhalten würden. Zu einem Ausspruch wie "Ich bin ein Berliner," hätte er jedenfalls allemal Anlass gehabt. Denn tatsächlich ist seine Person ein Teil der Geschichte Berlins. Dieser Umstand soll im folgenden kurz umrissen werden.

Seine Mutter stammte aus dem alten Berliner Patriziergeschlecht von Tempelhoff (11, S. 5). Noch heute leben die meisten Träger dieses Namens in Berlin. Ludendorffs Mutter ist in einem Eckhaus am heutigen "schönsten Platz Berlins", dem Gendarmenmarkt, aufgewachsen (10). Erich Ludendorffs Eltern verbrachten auch ihre letzten Lebensjahrzehnte (1886-1914) in Berlin, wo eine zahlreiche Verwandtschaft lebte. Erich Ludendorff selbst wechselte als Offizier zwar bis 1914 sehr oft seine Wohnorte, hatte aber nicht nur in Berlin-Lichterfelde drei Jahre lang die Kadettenanstalt besucht (1879-1882) (11, S. 6f), sondern lebte in Berlin auch während seiner dreijährigen Zeit als Schüler (1890-1893) (11, S. 27-30) und Lehrer an der Kriegsakademie (1906-1908) (Unter den Linden). Und schließlich natürlich während seiner Tätigkeit im Großen Generalstab (am Königsplatz) (1894/95 und 1904-1913). So schreibt er etwa über die Zeit nach 1894 (11, S. 32):
Ich konnte mich im Generalstabe und auch in Berlin wieder bald heimisch fühlen und war wieder viel in meinem Elternhause, in dem ich regelmäßig zu Mittag aß, um dann mit meinem Vater eine Partie Piquet zu spielen, falls er nicht auswärtig tätig war.
Der jüngster Bruder Erich Ludendorffs, der ihm bis ans Lebensende eng verbundene Astrophysiker Hans Ludendorff (1873-1941), wirkte nur wenig entfernt am Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam. (Wo 1919 bis 1922 auch der Einsteinturm errichtet wurde. Wobei dieser Bruder ausdrücklich und zu keinem Zeitpunkt seines Lebens ein Vertreter der sogenannten "Deutschen Physik" gewesen ist, sondern noch 1934 für sein Observatorium Geräte anschaffte zur empirischen Überprüfung der Relativitätstheorie Albert Einsteins. Dazu ist im 2015 hier auf dem Blog ein ausführlicher Artikel erschienen.)

Anläßlich einer Versetzung im Jahr 1898 schreibt Erich Ludendorff über seinen Umzug von Magdeburg nach Thorn auch (11, S. 46):
Bald saß ich samt Pferden und meinen bescheidenen Habseligkeiten - eigene Wohnungeinrichtung besaß ich damals natürlich noch nicht - auf der Bahn nach Thorn.
Erstmals eigene Möbel - erworben im Herbst 1900 in Glogau

Im Herbst 1900 wurde der Hauptmann Ludendorff mit 35 Jahren nach Glogau in Schlesien versetzt (19, S. 60). Im Herbst 1901 nach Posen. In Posen fand er in der Vorstadt "eine recht kalte Wohnung", wie er schreibt (11, S. 69f):
Ich richtete mir die Wohnung freundlich ein. Ich hatte mir bereits in Glogau von Ersparnissen eine Möbeleinrichtung gekauft und war nun kein "möblierter Zimmerherr" mehr, womit ich sehr zufrieden war.
Über Glogau schreibt Ludendorff (11, S. 68):
Liebe Erinnerungen verknüpften mich lange mit Glogau.
Da sich diese Worte nicht auf seine ansonsten geschilderte militärische Arbeit bezogen haben können, wird in ihnen wohl doch ein für dieses Alter bei einem Unverheirateten recht naheliegendes Liebesverhältnis angedeutet sein. Es wird sich zerschlagen haben, denn erst neun Jahre später heiratete Ludendorff. Über seine Versetzung in den Großen Generalstab nach Berlin im Jahr 1904 schreibt er jedenfalls (11, S. 104):
Es war für mich eine große Freude gewesen, daß ich mit meiner Versetzung nach Berlin nun wieder Eltern und Geschwistern nahe war. Ich habe, wenn es der Dienst erlaubte, weiterhin bei ihnen Mittag gegessen und habe nun, als nicht mehr junger Mensch, die treue Fürsorge von Vater und Mutter für meine jüngeren Geschwister noch mehr schätzen gelernt als schon in jüngeren Jahren.
Die Stadt Berlin war ihm also vor allem um seiner engsten Familienangehörigen willen bedeutungsvoll. Außerdem berichtet er von seiner Verehrung für den General von Moltke den Älteren und den Kaiser Wilhelm I. (11, S. 6), sowie (11, S. 160f) von
militärischen Veranstaltungen in Berlin, die mein für die Kraft des Heeres und die Stärke des Reiches, für des Volkes Größe und den Kaiser warm empfängliches Herz höher schlagen ließen.
Er erwähnt in diesem Zusammenhang die Enthüllung des Moltkedenkmals vor dem Gebäude des Großen Generalstabs am Königsplatz (26. Oktober 1905), die Feier des 200. Geburtstages Friedrichs des Großen (24. Januar 1912), die Paraden des Gardekorps auf dem Tempelhofer Feld, den Großen Zapfenstreich vor dem königlichen Schloß und den Kaisergeburtstag am 27. Januar, gefeiert im Lichthof des Zeughauses (heute "Historisches Museum").

Auf die Existenz und Geschichte des Gebäudes des Großen Generalstabes in Berlin ist schon in einem anderen Beitrag hingewiesen worden (7). Das Gebäude der Preußischen Kriegsakademie befand sich Unter den Linden zwischen Wilhelmstraße und Dorotheenstraße, als in unmittelbarer Nähe des Brandenburger Tores. Auch in den Jahren 1919 und 1920 lebte Erich Ludendorff in politisch hoch brisanten Zeiten in Berlin (17).

1919 - Die Gräber von Ludendorffs Familienangehörigen in Berlin

Welche Bedeutung Berlin für ihn hatte, geht auch aus einer Ansprache zur Gefallenen-Ehrung am 23. November 1919 in Berlin-Charlottenburg hervor, in der er einleitend sagte (21):
Meine Frau und ich sind hierhergekommen, um, obschon nicht Charlottenburger, diese Totenfeier mit Ihnen zu begehen. Droben auf dem Kirchhofe am Fürstenbrunner Weg liegen meine lieben Eltern, liegen liebe Verwandte, liegen endlich auch zwei tapfere Söhne, die den Heldentod starben für Kaiser und Reich. Jung, glühend vor Begeisterung zogen sie hinaus, wie Millionen deutscher Männer. Als Fliegeroffiziere erreichte sie die feindliche Kugel, und sie ließen ihr Leben wie zwei Millionen deutscher Kameraden.
Er stellt im weiteren dann das Handeln der Soldaten im Weltkrieg als Vorbild und Verpflichtung für die Gegenwart hin.

Und schließlich hat bis 1945 in unmittelbarer Nähe des Gendarmenmarktes und der Wilhelmstraße auch eine Ludendorff-Buchhandlung bestanden, die auf Ludendorffs Hintergrundpolitik-Kritik und auf die von ihm vertretene Philosophie aufmerksam machte und von einem Josef Goebbels - laut dessen Tagebüchern - mit hasserfüllten Augen betrachtet wurde (18).

Bei der Beschäftigung mit diesen Themen kann einem bewusst werden, dass heute der preußisch-deutschen Militärgeschichte in Berlin und Deutschland für die Zeit nach 1871 eben sowenig ein zusammenhängendes Museum und eine dauerhafte Ausstellung gewidmet ist, wie etwa auch der Hintergrundpolitik-Kritik seit vielen Jahrhunderten. Bis 1945 war es das Berliner Zeughaus, das der Thematik der deutschen Militärgeschichte gewidmet gewesen war. In diesem befindet sich heute das "Historische Museum". Und in diesem ist auch - an unauffälliger Stelle - heute ein Porträt Erich Ludendorffs des Malers Petersen ausgestellt. Im Grunde ist jedoch das ganze geistige und geschichtliche Umfeld, in dem sich das Leben Erich Ludendorffs bewegte, heute überhaupt nur noch wenig präsent in der geschichtlichen Erinnerung, sowohl Deutschlands, wie auch Berlins.

Unterrepräsentierte geschichtliche Inhalte in Ausstellungen und Museen

Deshalb seien kurz einige Themen aufgezählt, bei denen es im Zusammenhang mit Erich Ludendorff Anknüpfungspunkte gäbe. Es gibt heute mehrere Freimaurermuseen im deutschen Sprachraum (Bayreuth, Schleswig-Holstein, Berlin-Wilmersdorf, Schloss Rosenau in Niederörsterreich). Aber es gibt - soweit übersehbar - kein Museum, in der Hintergrundpolitik-Kritik und Kritik an der Freimaurerei, an Geheimgesellschaften und -diensten thematisiert würde. (Ergänzung 2015: In diesem Jahr soll ein Geheimdienst-Museum in der Nähe des Potsdamer Platzes in Berlin eröffnet werden. Man wird sehen, ob es auch grundlegenderer Kritik an Geheimdiensten Raum gewährt.) Ebenso präsentieren sich katholische Männerorden in der deutschen Öffentlichkeit als vorbildlich, ohne dass es in unserer "pluralistischen" Gesellschaft - soweit übersehbar - Institutionen oder Ausstellungen gäbe, die auch der Kritik an solchen Raum geben würden, oder die der 10.000fachen Seelenmord-Opfer derselben gedenken würden. In der Bendlerstraße in Berlin und andernorts wird des militärischen Widerstandes gegen Adolf Hitler gedacht. Und viele Orte und Ausstellungen erinnern auch sonst an die Zeit des Nationalsozialismus - in den verschiedensten Zusammenhängen. Anlässlich des Brandes der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar wurde auch die Bedeutung des Nachlasses eines solchen völkischen Germanisten wie Adolf Bartels erörtert (8). Viele Orte und Ausstellungen erinnern an Linksextremisten wie etwa Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und ähnliche Persönlichkeiten. Unter anderem im Archiv der deutschen Jugendbewegung auf Burg Ludwigstein, sowie in der Stiftung Weimarer Klassik wird die Geschichte der Lebensreformbewegungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgearbeitet. In Jena wird an Ernst Haeckel, in Weimar an Friedrich Nietzsche erinnert.

Natürlich wird auch die Geschichte der völkischen Bewegung in Deutschland von Historikern bearbeitet. In Dauerausstellungen und Museen wird diesselbe allerdings zumeist nur als "Vorgeschichte" des Nationalsozialismus abgehandelt. Breite Strömungen in der deutschen Geschichte bleiben dadurch unterrepräsentiert in der geschichtlichen Erinnerung.

Geschichtliche Erinnerungen, in die sich Erich Ludendorff selbst gestellt sah und in deren Zusammenhänge und Traditionen sein Wirken auch von seinen Zeitgenossen im In- und Ausland gestellt wurde, gibt es freilich in Norddeutschland heute immer noch sehr viele: In Berlin und im Land Brandenburg gibt es viele Erinnerungen an die verschiedenen preußischen Könige. Etwa im Neuen Palais und am Cecilienhof in Potsdam kann man sich - auch - der kaiserlichen Familie der Hohenzollern erinnern. In Schönhausen an der Elbe und in Friedrichsruh bei Hamburg gibt es jeweils ein Bismarck-Museum, betrieben von der bundeseigenen Bismarck-Stiftung. In Rheinsberg und Potsdam wird der geschichtlichen Person Friedrichs des Großen gedacht, der sich Erich Ludendorff nicht nur als Militär, sondern mehr noch als Aufklärer und "Antichrist" verbunden fühlte. (Im Ludendorffs Verlag erschien 1932 eine Schrift mit Auszügen aus den Werken Friedrichs des Großen mit dem Titel "Friedrich der Große auf Seiten Ludendorffs", eine Schrift, die auch während des Dritten Reiches auf einen anderen "Geist von Potsdam" hinweisen sollte, als auf den am 21. März 1933 in der Garnisonskirche zelebrierten [9].) In Wustrau gibt es ein Preußen-Museum. In Wittenberg an der Elbe schließlich wird allseits der für die deutsch-preußische Geschichte so bedeutsamen Person Martin Luthers gedacht.

Aber es gibt keinen Ort in Berlin, im Land Brandenburg oder in Norddeutschland, an dem eine - wie auch immer geartete - ernsthaftere Auseinandersetzung mit der Person und dem geschichtlichen Wirken Erich Ludendorffs stattfinden würde, so wie eine solche z.B. auch von Charlotte Knobloch angemahnt worden ist. Sieht man einmal von dem Wachsfigurenkabinett in Hamburg ab. Für etwaige Ausstellungen wären - wie jeder Ausstellungsmacher weiß - größere, originale Möbelstücke nicht gerade der ungeeignetste Blickfang. Zumal die wichtigste Stätte des Wirkens Erich Ludendorffs in Berlin, das Gebäude des Großen Generalstabes am Königsplatz, heute nicht mehr vorhanden ist, und an dieselbe selbst vor Ort heute nirgendwo hingewiesen wird (7). Das Angebot des "Herrenzimmers Ludendorffs" könnte also mancherlei Fragen in den Raum werfen, zumindest, wenn man auf diese hören möchte.

B. Der konkrete Fall: Ein Herrenzimmer Ludendorffs

"Herrenzimmer" - was ist das?

Aber "Herrenzimmer" - was ist das eigentlich? Noch in dem schönen Roman von Heinrich Spoerl "Wenn wir alle Engel wären" aus dem Jahr 1936 spielt das Herrenzimmer des Christian Kempenich während einer Ehekrise einen eindrucksvoll zelebrierten "Rückzugsraum". Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts besaß in den bürgerlichen und adligen Schichten, sowie in Offizierskreisen der Hausherr innerhalb der Familienwohnung ein eigenes "Herrenzimmer", ebenso wie die Hausfrau ein eigenes "Damenzimmer" bewohnte. Ein Herrenzimmer, so heißt es auf Wikipedia, war
etwa seit der Gründerzeit die große „Wohnstube“ der bürgerlichen Kleinfamilie an sich.
Aber an sich geht es auf das frühe 19. Jahrhundert zurück. So wurden davor
Räume bezeichnet, die Männern vorbehalten waren. Selbst die eigenen Frauen waren dort nicht willkommen (...). Die Einrichtung war in der Regel sehr üppig und luxuriös, mit dunklem Holz, großen, bequemen, ledernen Sesseln und kleinen (Couch-)Tischen. Die Männer zogen sich nach dem Essen hierher zurück, um Themen zu besprechen, bei denen Frauen nicht mitreden konnten oder sollten, wie beispielsweise Politik und Wirtschaft. In vielen Herrenzimmern gab es eine Bar; hier wurde geraucht, getrunken und gefeiert.
Hier deutet sich also nach 1871 ein Bedeutungswandel des Begriffs "Herrenzimmer" an, der schließlich dazu führte, daß heute niemand mehr auf die Idee käme, "Herren-" und "Damenzimmer" zu unterscheiden. Also noch Restbestände einer völlig anderen Zeit und eines völlig anderen Denkens. Auf Google Bilder gibt es einen reichhaltigen Überblick darüber, wie Herrenzimmer aussehen konnten.

Die Herrenzimmer des Großvaters und des Vaters Erich Ludendorffs

1858 wurde die Verlobung der Eltern Erich Ludendorffs in dem erwähnten alten wohlhabenden Patrizierhaus am Gendarmenmarkt hinter einer 16 Fenster überspannenden Wohnungsfront gefeiert (10, S. 29). Hier war die Mutter Erich Ludendorffs, Kläre von Tempelhoff, aufgewachsen. Deren Schwester, 1858 erst sechs Jahre alt, erinnert sich im Zusammenhang mit dieser Verlobung auch an das Herrenzimmer ihres Vaters (10, S. 24f):
In fieberhafter Aufregung war ich, als mir die niedliche Tracht eines polnischen Bauerndirnchens angelegt und ich in Vaters Zimmer geführt wurde, in dem sich die aufgeführten Personen versammelten.

Schon das Betreten des Raumes, das mir nur für ganz besondere Fälle gestattet wurde, war für mich ein Ereignis. Der schöne Ofenschirm vor dem Kamin, die große perlengestickte Bildermappe, die kostbare Schreibtischeinrichtung und noch vieles andere übten dort sonst eine mächtige Anziehungskraft auf mich aus. Doch heut sah ich gar nicht danach hin. ...
Über seinen Großvater - dem wohlhanbenden, im Alter aber verarmten Rechtsanwalt und preußischen Justizrat Friedrich August Napoleon von Tempelhoff (1804 - 1868) schreibt Erich Ludendorff (11, S. 5):
Mein Großvater war ein angesehener Rechtsanwalt in Berlin, der allerdings weit über seine Verhältnisse hinaus lebte.
Aber nicht nur von diesem Großvater ist aufgrund der eben zitierten Erwähnung ein solches Herrenzimmer bezeugt. Auch von dem Vater Erich Ludendorffs, dem Gutsbesitzer und Reserveoffizier Wilhelm Ludendorff (1833 - 1905), ist ein solches aus dem Jahr 1886 bekannt. Also aus der Zeit nachdem die Eltern von ihrem verkauften Gut in Pommern nach Berlin gezogen waren. Dieses Herrenzimmer empfand Erich Ludendorff als so kennzeichnend für seine Eltern, daß er eine Fotografie desselben sogar in seine 1935 erschienenen Vorkriegserinnerungen (11) aufnahm (s. Abb. 1).

Abb. 1: Die Mutter Erich Ludendorffs im Herrenzimmer seines Vaters, 1886 (aus: 11)
Bezeichnenderweise verwendete er selbst schon damals nicht mehr den Begriff "Herrenzimmer". Er schrieb zu der Fotografie (11, S. 9):
1886. Meine Mutter im Arbeitzimmer meines Vaters. An der Wand links die Könige von Preußen, rechts die Säbel, die mein Vater 1866, 1870 und 1871 getragen hat. Darüber die Siegesgöttin von der Siegessäule vor dem Brandenburger Tor in Berlin, dazwischen eingerahmt ein Stück Tapete aus dem Schloß Bellevue bei Sedan, in dem am 2. 9. 1870 die Begegnung König Wilhelms und Napoleons III. nach der Schlacht von Sedan stattfand, und Napoleon seinen Säbel dem Könige übergab. In der Wandecke eine Mitrailleusen-Kartusche aus dem Kriege 1870/71. Ich bringe dieses Bildnis als Charakteristik meines Elternhauses.
Und im Text selbst schreibt Ludendorff über seinen Vater (11, S. 4):
Das Herz meines Vaters hing am Offizierstand. (...) Mit kindlicher Liebe hing er an seinem Königshaus. Es wäre ihm ein tiefer Schmerz gewesen, wenn in seinem Hause je ein unehrerbietiges Wort über den Kaiser gefallen wäre. 
Auch von Erich Ludendorffs Herren- bzw. Arbeitszimmern sind verschiedene Fotografien erhalten (siehe viele Abbildungen des vorliegenden Beitrages). Sein letztes ist in seinem Wohnhaus in Tutzing auch noch als Zimmer an sich erhalten - neben dem "Damenzimmer" Mathilde Ludendorffs. Und als solche stehen sie heute unter Denkmalschutz.

Erinnerungen der Vorbesitzer des Herrenzimmers (1929 - 1986) 

Auf keinem der derzeit bekannten Fotografien ist allerdings das neue angebotene "Herrenzimmer Ludendorffs" zu sehen. Deshalb soll im folgenden dargestellt werden, was über die Geschichte dieses angebotenen "Herrenzimmer Ludendorffs" bekannt ist. Am 25. Oktober 2012 kam es zu einem ersten Telefongespräch mit der Verkäuferin desselben, in dem diese erzählte, was sie über die Geschichte des Herrenzimmers weiß. In gemeinsamen weiteren Recherchen wurde dann versucht, noch Zuverlässigeres über die Geschichte dieses Herrenzimmers herauszubekommen. Da sie selbst die ihr bekannten Informationen nur aus zweiter und dritter Hand hatte weiter geben können und manche Einzelheiten nicht genau wußte, was ihr selbst bewußt war, war es bedeutsam, daß sie am 30. Oktober 2012 den Sohn des vormaligen Besitzers, von dem sie es selbst 1986 gekauft hatte, noch telefonisch erreichen konnte. Von diesem hatte sie das Herrenzimmer 1986 nach dem Tod von dessen Vater gekauft. Und dieser Sohn konnte ihr noch vieles zur Geschichte dieses Herrenzimmers bestätigen und detaillierter mitteilen, als sie es zuvor schon hatte weitergeben können. Im folgenden eine Zusammenfassung des Recherchierten und Erinnerten der genannten Personen, so wie es über die Verkäuferin mitgeteilt worden ist.

Der genannte Sohn des Vorbesitzers sagt, daß es in seiner Familie nie einen Zweifel darüber gegeben habe, daß diese Möbel vormals im Besitz Erich Ludendorffs gewesen seien.  Sein Vater Carl Beitner (1904/05 – 1986) stammte aus Wuppertal und hat 1929 geheiratet. Laut der Verkäuferin war er Handlungsreisender, bzw. Außenmitarbeiter einer Firma und verehrte Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg gleichermaßen. Er war also, soweit übersehbar kein ausgesprochener "Ludendorff-Anhänger" (- was schon sehr gut zu der Vermutung passen würde, daß das Herrenzimmer nach 1926 von Margarethe Ludendorff verkauft worden ist; dafür gibt es noch andere Anhaltspunkte, siehe gleich).

Abb. 2: Das Arbeitszimmer Ludendorffs 1919/20 in Berlin-Tiergarten, Viktoriastraße (aus: 12, S. 65)
1929 oder ein Jahr später hat Carl Beitner, wie sein Sohn berichtet, das Herrenzimmer Ludendorffs entweder in Wuppertal oder in Düsseldorf auf einer Auktion oder von einem Möbelhaus gekauft. Es hieß, die Ludendorffs hätten es verkauft, weil sie Geld gebraucht hätten. (Erich und Margarethe Ludendorff ließen sich 1926 scheiden und Margarethe Ludendorff bezog danach eine eigene Wohnung in München, die sie bis zu ihrem eigenen Tod 1936 bewohnte. Es erscheint nicht unplausibel, daß das Herrenzimmer in Zusammenhang mit der Scheidung und dem Umzug Margarethe Ludendorffs zum Verkauf gelangt ist. Es müßte dann allerdings auf bislang unbekannten Wegen von München nach Wuppertal oder Düsseldorf gelangt sein.)

1933 sei er, der Sohn, geboren worden und die Familie sei 1935 nach Siegen umgezogen in eine Doppelhaushälfte, die damals gerade neu erbaut worden war. Der Vater Carl Beitner lebte in diesem Haus von 1935 bis zu seinem Tod 1986, zuletzt als Witwer. Und die ganze Zeit über war es so, daß es im Erdgeschoß das "Wohnzimmer" gab und im ersten Stock das "Herrenzimmer Ludendorffs". Das war, wie der Sohn erzählt, "immer so" und auch ein fester Bestandteil seiner Kindheit und Jugend. Sein Vater sei immer sehr stolz auf dieses Herrenzimmer Ludendorffs gewesen. 

Siegen hat während des Zweiten Weltkrieges schwere Bombardierungen erlebt. Dabei hat auch das Herrenzimmer Ludendorffs Schäden erlitten. Der originale Schreibtisch-Stuhl ist bei diesem Anlaß verbrannt. Auch hat der Schreibtisch selbst an seiner linken Seite einen heute unauffälligen Kriegsschaden, der der heutigen Besitzerin und Verkäuferin bis heute nie aufgefallen war, auf den sie aber der Sohn des Vorbesitzers anläßlich ihres Anrufes hinweisen konnte.

 Abb. 3: Das Arbeitszimmer Ludendorffs 1919/20 in Berlin-Tiergarten, Viktoriastraße (13, S. 257)
Wie den Lebenserinnerungen zu entnehmen ist, hat Erich Ludendorff mit seiner zweiten Frau Mathilde Ludendorff seit 1933 in Tutzing am Starnberger See gelebt. Und sein dortiges Haus mitsamt Inneneinrichtung ist bis heute im originalen Zustand erhalten geblieben. Der zuständige Denkmalpfleger im Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Herr Burkhardt Körner, weiß allerhand Interessantes über die Geschichte der in Tutzing vorhandenen Möbel mitzuteilen, kann aber zunächst keine weiteren Mitteilungen über etwaig anderweitig noch vorhandene und erhalten gebliebene Möbel Erich Ludendorffs geben.

Auf allen in Büchern veröffentlichten und damit einsehbaren Fotos Erich Ludendorffs zwischen 1919 und 1937, auf denen er zusammen mit Möbeln abgebildet ist, insbesondere mit seinem Schreibtisch (siehe Abbildungen), sind jedoch nirgendwo Teile des derzeit zum Verkauf stehenden Herrenzimmers Ludendorffs zu entdecken.

1909 – 1914: Berlin, Düsseldorf, Straßburg

Fotos aus der Zeit vor 1919, auf denen Erich Ludendorff zusammen mit eigenen Möbeln abgebildet wäre sind - veröffentlicht in Büchern – vorderhand nicht bekannt. Ob es noch irgendwo Privatfotos der Familie Ludendorff und ihrer Erben gibt, auf denen diese Möbel abgebildet sein könnten, ist ungeklärt.

Auf einer Ausstellung mit frühen Familienfotos Mathilde Ludendorffs (damalige von Kemnitz) sind ausdrücklich auch Fotos aus ihren Wohnungen gezeigt worden (14).

Abb. 4: Ludendorff "an seinem Schreibtisch in Prinz-Ludwigshöhe" (2, S. 113)

Somit ist es naheliegend, daß es dort solche Fotos auch von Erich Ludendorff aus der Zeit vor 1914 gibt, auf denen sich womöglich dieses Herrenzimmer abgebildet findet. Damit hätte man den sicheren Nachweis für die Echtheit dieses Herrenzimmers.

Erich Ludendorff hat im Jahr 1909 seine erste Frau Margarethe Ludendorff (1875-1936), geschiedene Pernet, geheiratet, die vier Kinder mit in die Ehe gebracht hat. Man könnte sich denken, daß er spätestens ab diesem Zeitpunkt im Besitz des derzeit zum Verkauf stehenden Herrenzimmers gewesen ist. Es könnte zunächst in seiner Privatwohnung in Berlin (wohl in Charlottenburg) gestanden haben, als er dort im Großen Generalstab arbeitete, und er könnte sie als Regimentskommandeur 1912 mit nach Düsseldorf genommen haben, später mit nach Straßburg. Margarethe Ludendorff berichtet in ihren Lebenserinnerungen von der Erörterung der Frage unmittelbar bei Kriegsausbruch 1914 in Straßburg, was mit den Möbeln der von der Familie verlassenen Wohnung in Straßburg geschehen solle. Da Erich Ludendorff und die drei Söhne im Kriegseinsatz standen, Margarethe Ludendorff und ihre Tochter während des Krieges in Pensionen lebten (in Berlin, Baden-Baden und anderwärts), wurden die Möbel in dieser Zeit irgendwo eingelagert.

Abb. 5: Ludendorff in Prinz-Ludwigshöhe 1924 (13, S. 337)
1919/20: Berlin-Tiergarten, Viktoriastraße

1919 und 1920 wohnte das Ehepaar in einer schon möblierten Wohnung in Berlin-Tiergarten. (Allerdings könnte es sich bei dem abgebildeten Schreibtisch auch um jenen handeln, der noch heute im Ludendorff-Haus in Tutzing als Schreibtisch Erich Ludendorffs steht.) Erich Ludendorff selbst berichtet (20, S. 7):
Meine Wohnungeinrichtung selbst stand noch auf irgendeinem Möbelspeicher, wohin sie von Straßburg, wo ich vor dem Kriege Brigadekommandeur gewesen war, während desselben gebracht war.
Ludendorff berichtet weiter (20, S. 8):
Rein private Gründe ließen mich jetzt in München Wohnung nehmen. Ich mußte den Zustand, ohne eigene Wohnung zu sein, nun endlich beenden. In München war meine einzige lebende Schwester verheiratet. (...) Am 20. 8. 1920 zog ich in München ein.
Erich Ludendorff zog in ihm zur Verfügung gestelltes großes Haus in München-Solln (Prinz Ludwigshöhe), das einerseits zwar ebenfalls schon möbliert gewesen sein könnte, wo aber dennoch auch seine eigene Wohnungseinrichtung - und so auch das zum Verkauf stehende „Herrenzimmer Ludendorffs“ - wieder aufgestellt worden sein könnte. Allerdings benutzte Ludendorff selbst hier einen anderen Schreibtisch. Der zum Verkauf stehende Schreibtisch ist auf Fotos aus dieser Zeit nirgendwo zu entdecken. Aber das zum Verkauf stehende Herrenzimmer konnte ja auch in anderen Zimmern, etwa Gästezimmern, aufgestellt gewesen sein.

Abb. 6: Ludendorffs Arbeitszimmer in Tutzing (16, S. 160)
Schließlich lebten in der Villa in München-Prinz-Ludwigshöhe, die Erich Ludendorff bis 1926 zusammen mit seiner ersten Frau Margarethe Ludendorff bewohnte, zeitweise (oder auch nur besuchsweise) die beiden überlebenden Kinder Margarethe Ludendorffs aus erster Ehe, Heinz Pernet und Margot Schuhmacher, geb. Pernet, mit ihrem kleinen Sohn Knut (15).

1926 - 1933: Scheidung und Wiederverheiratung Erich Ludendorffs

1926, nach der Scheidung ist Margarethe Ludendorff aus diesem Haus ausgezogen und hat bis zu ihrem Tod 1936 in einer eigenen schönen Wohnung in München gelebt, wie eine ihrer Enkeltöchter zu berichten weiß. Dabei könnte das Herrenzimmer in ihrem Besitz verblieben sein. Da sie als schwer Mophiumsüchtige immer wieder Geld brauchte, wäre es denkbar, daß sie dieses Herrenzimmer nach der Scheidung - oder auch erst 1929 - verkauft hat.


Abb. 7: Schreibtisch des angebotenen „Herrenzimmers Ludendorffs“

Erich Ludendorff heiratete 1926 wieder und seine zweite Frau Mathilde zog nach Prinz-Ludwigshöhe. Natürlich könnte auch dieser Umstand ein Anlaß zum Verkauf des „Herrenzimmers“ gewesen sein, das derzeit zum Verkauf steht.
Erich und Mathilde Ludendorff wohnten und lebten in der Villa in Prinz Ludwigshöhe zwischen 1926 und Ende 1932. Zeitweise wohnte in dem Haus dann auch die älteste, in Scheidung lebende Tochter Mathilde Ludendorffs, Ingeborg von Kemnitz, verheiratete und schließlich wieder geschiedene Richartz, mit ihrem Kleinkind Erich Walter.

Da sich der zum Verkauf angebotene Schreibtisch auf diesen veröffentlichten Fotos nicht findet, bleiben eigentlich nur noch private Familienalben etwa Erich Ludendorffs, Margarethe Ludendorffs, Sohn  Heinz Pernet (1896 - 1973), Margot Schuhmacher, geb. Pernet, Mathilde Ludendorffs, ihrer Kinder Ingeborg, Hanno und Asko oder anderer Verwandter.

Tutzing, 1933 bis 1937

Das in Abbildung 6 wiedergegebene Arbeitszimmer Ludendorffs in Tutzing ist im Wesentlichen im abgebildeten Zustand bis heute erhalten. Es wäre zu fragen, wann der dort abgebildete Schreibtisch erworben worden ist. Ob es dafür Hinweise am Schreibtisch selbst gibt? Laut Auskunft einer Konservatorin haben Möbelstücke oft eine Signatur der Hersteller, ähnlich wie Kunstwerke. Es könnte sich bei dem Schreibtisch von Abb. 6 – wenn man die Fotos vergleicht - um denselben handeln wie in Prinz-Ludwigshöhe. Ja, es könnte sich sogar um denselben wie in Berlin-Viktoriastraße handeln.


Abb. 8: Bücherschrank des angebotenen „Herrenzimmers Ludendorffs“

Geschichte des zum Verkauf stehenden Herrenzimmers (1986 – heute)

Die derzeitige Verkäuferin lernte Carl Beitner etwa eineinhalb Jahre vor dessen Tod kennen (da sie diesen als Apothekerin regelmäßig mit Medikamenten belieferte). Beitner war schon Witwer, wollte seiner Haushaltshilfe ein Geschenk machen und bat sie, dieses einzupacken. Das Geschenkpapier hatte er im ersten Stock im Schrank des Herrenzimmers Ludendorffs liegen. So lernte die derzeitige Verkäuferin dasselbe kennen. Da ihre Eltern aus Ostpreußen stammen und sie selbst Interesse für Geschichte hat, war ihr Erich Ludendorff ein Begriff und das Herrenzimmer gab Anlaß für ein langes Gespräch zwischen Herrn Carl Beitner und ihr, worauf sie später noch manchmal zurückkamen.

Nach dem Tod von Carl Beitner interessierte sich die derzeitige Verkäuferin für die nun zum Verkauf stehende Wohnung (/Doppelhaushälfte). Bei einer Besichtigung derselben erfuhr sie, daß auch von der Einrichtung sehr viel verkauft wurde, da es nicht in die Wohnung des Sohnes paßte. Und so erinnerte sie sich des Herrenzimmers, das ihr auch ästhetisch sehr gut gefiel. Sie kaufte es, da sich niemand sonst für dasselbe interessierte, da auch niemand sonst etwas mit dem Namen „Ludendorff“ anzufangen wußte und da antike Möbel in diesem Stil 1986 nicht sehr gefragt waren.


Abb. 9: Tisch des „Herrenzimmers Ludendorffs“

Beim Kauf konnte die derzeitige Verkäuferin den Nachlaßverwalter, der auf den Möbeln selbst keinen Hinweis auf einen Vorbesitzer Ludendorff finden konnte, auf den handgeschriebenen Namenszug "Ludendorff" unter der Schreibtischunterlage hinweisen. Dieser würde sich auch in sehr ähnlicher Schrift auf dem Buchumschlag von "Als ich Ludendorffs Frau war" der Margarethe Ludendorff finden (siehe Abb.).


Abb. 9: Aufschrift unter der Schreibunterlage des Schreibttisches






Abb. 10: Nochmals Aufschrift unter der Schreibunterlage auf dem Schreibtisch




Abb. 11: Noch einmal der angebotene Tisch des „Herrenzimmers Ludendorffs“


In aller Zurückhaltung wird wohl - vorbehaltlich kenntnisreicherer Stellungnahmen - gesagt werden können, daß es sich um Jugendstil-Möbel handelt, daß sie also gut etwa in der Zeit nach 1909, also nach der Heirat Erich Ludendorffs, erworben worden sein könnten. Damals werden diese Möbel als sehr modern und fortschrittlich empfunden worden sein.

Soweit, was bisher zu diesen Dingen recherchiert werden konnte. Es wäre erfreulich, wenn sich noch andere der Klärung der angesprochenen Fragen widmen könnten.

(17.9.15: ergänzt um den Abschnitt, der sich auf Literaturangabe 22 bezieht)

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  1. smsklaus: antikes Herrenzimmer 1.WK, General Ludendorff, Jugendstil, Schreibtisch. Ebay-Angebot zum 30.10.2012 
  2. smsklaus: antikes Herrenzimmer 1.WK, General Ludendorff, Jugendstil, Bücherschrank. Ebay-Angebot zum 30.10.2012 
  3. smsklaus: antikes Herrenzimmer 1.WK, General Ludendorff, Jugendstil, Sitzgruppe. Ebay-Angebot zum 30.10.2012 
  4. Bading, Ingo: Telefongespräche mit der Verkäuferin des Herrenzimmers, u.a.am 25. und 30. Oktober 2012
  5. Bading, Ingo: Charlotte Knobloch fordert Auseinandersetzung mit Mathilde Ludendorff Verschiebungen auf dem geschichtspolitischen Feld. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 23.8.2010 
  6. Nebelin, Manfred; Blasius, Rainer A.: Stratege in eigener Sache. In: FAZ, 20.12.2012
  7. Bading, Ingo: Von der "roten Bude" zum Bundeskanzleramt. Teil I, Teil II. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, März 2012
  8. Knigge, Volkhard: Professor Bartels’ Bücher; in: Die Zeit, Nr. 47 vom 11. November 2004. S. 90 
  9. Friedrich der Große auf Seiten Ludendorffs - Friedrichs des Großen Gedanken über Religion. Entnommen dem 12. Band der 16-bändigen Ausgabe seiner Werke in französischer Sprache. Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1932; Ludendorffs Verlag, München 1934, 1935, 1936, 1937 (73 S.) 1940 (nur noch u.d.T.: Friedrichs des Großen Gedanken über Religion)
  10. Tempelhoff, Henny von: Mein Glück im Hause Ludendorff. Eine Familiengeschichte. 4. u. 5. Tsd.. Druck und Verlag August Scherl, Berlin o.J. [1918]
  11. Ludendorff, Erich: Mein militärischer Werdegang. Blätter der Erinnerung an unser stolzes Heer. Ludendorffs Verlag, München 1935
  12. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volkschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1941 
  13. Ludendorff, Mathilde (Hg.): Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen. Ludendorffs Verlag, München 1938
  14. Ludendorff-Gedenkstätte e. V. - Gemeinnütziger Verein zur Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege der denkmalgeschützten Ludendorff-Gedenkstätten in Tutzing am Starnberger SeeFotoausstellung mit Fotografien von Mathilde von Kemnitz aus frühen Jahren: Familie und Wohnungen - Bergtouren - Reisebilder aus Tirol, Südtirol und Italien - Künstlerische Landschaftsfotografie mit Bildbearbeitungen, darunter preisgekrönte Aufnahmen. Tutzing, Herbst 2012 
  15. Ludendorff, Margarethe: Als ich Ludendorffs Frau war.
  16. Ludendorff, Mathilde: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. VI. Teil von Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben. Verlegt bei Franz von Bebenburg, Pähl 1968
  17. Bading, Ingo: Ludendorff in Berlin 1919 und 1920. "Eine schöne Wohnung in der Viktoriastraße, ganz in der Nähe des Tiergartens". Auf: Studiengruppe Naturalismus, 23.1.2012
  18. Bading, Ingo: "Ludendorff-Buchhandlungen" als Gegenstand der Geschichtswissenschaft. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 6.4.2011
  19. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler-Verlag, München 2010
  20. Ludendorff, Erich: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9.11.1923. Ludendorffs Verlag, München 1937
  21. Ludendorff, Erich: Rede zur Ehrung der Gefallenen in Berlin-Charlottenburg am 23.11.1919. In: Mensch & Maß, Folge 22, 23.11.1991, S. 1018 - 1022 [ohne Herkunftsangabe]
  22. Breitenborn, Konrad: Bismarck. Kult und Kitsch um den Reichsgründer. Aus den Beständen des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe) und dem Archiv der ehemaligen Stendaler Bismarck-Gesellschaft. Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1990 
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