Sonntag, 19. Februar 2017

"Das Seelenmordende der Wirkung Roms auf Deutsche Menschen"

"Was Romherrschaft bedeutet" - Der Zorn und Kampf Erich und Mathilde Ludendorffs und der von ihnen begründeten Bewegung gegenüber dem Jesuitenorden und gegenüber der weltweit agierenden seelen- und völkermordenden katholischen Kirche

Die erste Version dieses Artikels wurde am 30. September 2011 veröffentlicht. Anlässlich des Besuches von Papst Josef Ratzinger in Deutschland in jenem Jahr Jahr hatten Kirchen- und Christentumskritiker wie Michael Schmidt-Salomon gefordert, der Papst müsse wegen der von ihm federführend verantworteten tausend- und zehntausendfachen Vertuschung von sexualisierter Gewalt an Kindern weltweit vor einen Internationalen Gerichtshof gestellt werden. Wenig später war dieser Papst aus allen Ämtern zurückgetreten und war ein Jesuitenpapst an seine Stelle gewählt worden. Man darf all diese Vorgänge nicht vergessen und muss sie im Auge behalten.

Spätestens seit dem Januar 2010 hatten die katholische Kirche und der Jesuitenorden in Deutschland und weltweit Erschütterungen erlebt, wie sie solche seit 1945 nicht mehr erlebt hatten. Aber haben sie diese Erschütterungen nicht allseits glänzend überstanden? Jesuiten wie Pater Mertens haben selbst in Magazinen wie der "Spiegel" eingestanden, dass diese sexualisierte Gewalt innerhalb des Jesuitenordens und seiner Schulen "systematisch" geschehen sei, also durch bewusstes Wegsehen und durch Mitwisserschaft. Grund genug also, eine Psychosekte wie den Jesuiten sofort zu landesweit verbieten und alle seine Schulen sofort zu schließen. Aber ist solches auch nur ansatzweise geschehen im deutschsprachigen Raum?

In früheren Jahrhunderten waren da selbst streng katholische Länder, waren selbst Päpste da viel rigoroser und "unkomplizierter". Wo überall ist der Jesuitenorden schon verboten worden in seiner Geschichte! Und die Anlässe waren damals sicherlich weniger starke, weniger eindeutige, als sie seit dem Jahr 2010 vorgelegen haben. Dennoch geschah dem Jesuitenorden so gut wie nichts. Dennoch konnte ein Jesuitenpater sogar zum Papst gewählt worden an Stelle eines anderen noch lebenden Papstes, der im Zusammenhang mit dieser systematischen sexualisierten Gewalt innerhalb der katholischen Kirche allerschwerste Schuld auf sich gezogen hat nach jeder weltlichen Gesetzgebung. Wie ist all das möglich? Diese Umstände allein machen deutlich, wie weitreichend die schleichende, fast unbemerkte vorhandene Vor- oder fast Alleinherrschaft der katholischen Lobbykräfte allseits innerhalb der Medien und der Politik wirken. Sie sind so machtvoll, dass sie jeden sich regenden Widerstand gegen sich von weiter Hand geschickt immunisieren und ablenken können.

Die Völker sind entsittlicht und moralisch enthemmt genug, um sie unfähig zu machen zur Entfaltung moralischer Zorneskräfte gegen all diese Dinge, zur Entfaltung von Kräften, zu denen sie in früheren Jahrhunderten - und noch unter Otto von Bismarck - im stärksten Maße befähigt waren!

Die schlimmsten vom Jesuitenorden und anderen katholischen Orden und Angehörigen der katholischen Priesterkaste begangenen Verbrechen haben sich bis heute in keiner Weise nachteilig für die Machtstellung der katholischen Kirche und des Jesuitenordens in der Welt ausgewirkt. Braucht man noch mehr Hinweise, um sich zu verdeutlichen, wie groß diese Machtstellung tatsächlich ist? Und muss man sich nicht sehr wundern, wenn ein solch kluger Hintergrundpolitik-Kritiker wie Wolfgang Eggert den Einfluss der katholischen Lobbymacht - wie erst jüngst wieder geschehen - als nur sehr gering veranschlagt? Wen will er damit denn für dumm verkaufen?

Heilsamer Zorn?


Damals, im September 2011 erschien es uns einmal sinnvoll, sich in dem vorliegenden Beitrag einmal an den "Kampf gegen Rom" zu erinnern, der von Seiten der Ludendorff-Bewegung in den 1920er und 1930er Jahren geführt worden war. Von einem solchen Kampf gegen Rom spürt man in auffallendstem Maße seit dem Tod von Mathilde Ludendorff innerhalb dieser Bewegung so gut wie nichts mehr. Schon dies ist für sich ein Umstand, der Aufmerksamkeit wecken sollte. Es ist ein mehr als deutlicher Hinweis, wenn man so und so vielen anderen Hinweisen und Erfahrungen nicht hinterher lauschen möchte. Ganz unbemerkt und sang- und klanglos hat man diese Kampf .... einschlafen lassen! So haben es diese Lobbykräfte natürlich am allerliebsten.

Viele der Aufklärungs- und Kampfschriften der Ludendorff-Bewegung der 1920er und 1930er Jahre (1-24) liest man heute - unter dem Eindruck der Entwicklungen und Diskussionen seit 2010 - mit ganz neuer Anteilnahme. So mancher Überlebende von systematischer Gewalterfahrung in der Gewalt-Täterorganisation und Psychosekte Jesuitenorden und in anderen kirchlichen Orden, Einrichtungen, Eliteschulen und Jugendheimen könnte in solchen Schriften auch manches von jener für so manchen wohl persönlich heilsamen Emotion und von jenem heilsamen Zorn finden, den er oder sie an so vielen anderen Stellen unseres heutigen öffentlichen Lebens mit manchem Recht noch immer vermisst. Hat nicht Peter Sloterdijk in seinem Buch "Zorn und Zeit" auf die geschichtsmächtige und Kulturen gesund erhaltende Kraft des Zornes seit Beginn der abendländischen Geschichte hingewiesen? Ist es da nicht geraten, sich auf das Wesen und die Kräfte des berechtigten und notwendigen sittlichen Zornes zu besinnen?

Im folgenden nur einmal eine Zusammenstellung wichtiger Literatur, die schon in den Titeln - zumindest in den Jahren 2010 und 2011 - eine sehr große Aktualität aufwiesen und deren Aussagen zum Teil in der bildlichen Darstellung, unter anderem durch die Zeichnungen von Lina Richter oder Hans-Günther Strick, eindrucksvoll unterstrichen wurden.

1929: "Ein Blick in die Morallehre der römischen Kirche" (Mathilde Ludendorff)

1929 brachte Mathilde Ludendorff die kleine Schrift heraus "Ein Blick in die Morallehre der katholischen Kirche". Sie behandelte die Moral des Heiligen Liguori. Diese wird auch heute wieder vielerorts kritisch gesehen. Das Titelbild dieses Heiligen entstammte der katholischen Literatur selbst, war also keine Karikatur!

1929: "Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende" (Erich und Mathilde Ludendorff)


Im selben Jahr brachten Erich und Mathilde Ludendorff ihre Grundlagenschrift "Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende" heraus. Der "katholischste Protestant", den der Rechtskonservative Götz Kubitschek jemals in seinem Leben kennengelernt hat, nämlich Karlheinz Weißmann, datierte in seiner nur wenige inhaltliche Veränderungen aufweisenden Neubearbeitung von Armin Mohlers Grundlagenwerk "Die konservative Revolution" das Ende der geschichtlichen Bedeutsamkeit der völkischen Bewegung auffallenderweise und im Grunde unsinnigerweise auf das Jahr 1929. Wie kam er darauf? In diesem Jahr mag die damalige völkische Bewegung durch die Veröffentlichung dieser Schrift zumindest für die katholische Kirche viel an "Interesse" eingebüßt haben, in der Tat. Auch an dieser Bewertung mag also abgelesen werden, wie katholisch dieser "Protestant" Weißmann innerlich tatsächlich aufgestellt ist.

Die monotheistischen Lobbykräfte sind übrigens mit nichts so intensiv befasst seit über hundert Jahren als mit den sogenannten rechtskonservativen Kräften in der Politik und Kultur, sowie mit ihrem Hijacking und ihrer Immunisierung.

Mit einer völlig neuen inneren Anteilnahme liest man in dieser Schrift Erich und Mathilde Ludendorffs etwa das bedeutende und wohl sehr grundlegende Kapitel über die "Dressur im schwarzen Zwinger" und darin dann über das, was heute "systematisch" praktizierte "Schwarze Pädagogik" genannt wird. Das Bestandteil dieser Schwarzen Pädagogik auch systematisch praktizierte sexualisierte Gewalt war, hatte Mathilde Ludendorff darin übrigens noch überhaupt nicht unterstellt! Also selbst dieses Buch war der Sache nach noch eine - - - Verharmlosung. Auch war Erich und Mathilde Ludendorff nicht bekannt, was in den letzten Jahren in Youtube-Interviews geäußert wurde, dass es in den oberen Etagen des Jesuitenordens seit dem Ende des 18. Jahrhunderts Satanimus-praktiziertende Gruppen gäbe. Auch diesbezüglich stellt dieses Aufklärungswerk des Ehepaares Ludendorff aus heutiger Sicht also eher eine Verharmlosung dar. Der aussagekräftige Buchumschlag des Buches stammt von Lina Richter, der Schwester Mathilde Ludendorffs.

Nach Erscheinen dieses Buches sollte am 25. November 1929 in München ein Aufklärungsvortrag über den Inhalt desselben stattfinden. Dies rief den heftigsten Widerstand des Jesuitenordens und des bayerischen Ministerpräsidenten Heinrich Held (1868-1938) (Wiki) hervor. Der Jesuitenorden und katholische Jugendverbände sprengten unter Anführung des bekannten Jesuitenpaters Rupert Mayer (1876-1945) (Wiki) diesen Vortrag und verhinderten damit die Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Der bayerische Ministerpräsident Held gab diesem Vorgehen in einer Rede in Freising deutlichste Schützenhilfe. Auch die damaligen Nationalsozialisten stellten sich gegen diesen Aufklärungskampf. Es kam zu weiteren Versammlungsverboten. Über all dies war Erich Ludendorff zutiefst entrüstet. Er schreibt in seinen Lebenserinnerungen, als "christlicher Haß" noch deutlich offener kund getan wurde, als das heute in der Regel und "klugerweise" getan wird (Bd. 2, S. 257f):
Der ganze christliche Haß war entflammt. (...) Diese so ernsten Vorgänge, die die schwerste Vergewaltigung Deutscher innerhalb des Deutschen Reiches bedeuteten, hatte wenigstens das Gute, dass nun auch in Norddeutschland die Augen über die Bedeutung des Kampfes sich öffneten. Ich selbst war tief empört über die Eingriffe in die persönliche Freiheit, die das Edelste ist, was wir Deutschen besitzen. Es war unser Recht, unsere Ansichten zu äußern. Die Polizei hatte uns vor Kongregationen zu schützen, oder sie nötigte uns einen Selbstschutz auf, dessen verhängnisvolles Wirken ich in der kommunistischen und nationalsozialistischen Partei mit Bedauern beobachtet hatte, da er zu leicht zur Volksverrohung und zum Kampf von Volksgeschwistern gegeneinander auch außerhalb der Versammlungsräume auf den Straßen führt.
Meiner eigenen Erbitterung gab ich Ausdruck, indem ich das alte niederländische Dankgebet, das unsere niederländischen Stammesbrüder vor über 200 Jahren im Kampf gegen Rom sangen, umdichtete. Dieses Niederländische Dankgebet lautet:
Der Böse - Arglose zu Fall zu bringen -
Schleicht grollend und brüllend, dem Löwen gleich.
Und suchet, wen er grausam mag verschlingen,
Wem er versetzen mag den Todesstreich.
Macht, flehet, bestehet im guten Streite,
Mit Schande in Bande der Sünd' nicht fallt!
Dem frommen Volk gibt Gott den Feind zur Beute,
Und wär noch eins so groß sein's Reichs Gewalt.

In einer Anmerkung schreibt Ludendorff dazu:
Es gibt auch noch andere "Niederländische Dankgebete", doch habe ich mich an das von mir gewählte gehalten.

Die verschiedenen Textversionen dieses Liedes sind heute auf Wikipedia zusammen gestellt (Wiki). Die von Ludendorff gewählte Strophe stammt danach aus dem Jahr 1597. Ludendorff schreibt weiter:
Der Wiener Jude Josef Weyl hatte am Ausgang des vorigen Jahrhunderts zur Verherrlichung des Judengottes Jahweh, des "Lenkers der Schlachten", aus diesem Liede ein Hohngedicht für Deutsche gemacht:
Wir treten zum Beten vor Gott den Gerechten,
Er waltet und haltet ein strenges Gericht,
Er läßt von den Schlechten die Guten nicht knechten;
Sein Name sei gelobt, er vergißt unser nicht.
Im Streite zur Seite ist Gott uns gestanden,
Er wollte, es sollte das Recht siegreich sein:
Da ward, kaum begonnen, die Schlacht schon gewonnen.
Du, Gott, warst ja mit uns: Der Sieg, er war dein!
Wir loben Dich oben, Du Lenker der Schlachten,
und flehen, mög’st stehen uns fernerhin bei,
dass Deine Gemeinde nicht Opfer der Feinde!
Dein Name sei gelobt, o Herr, mach’ uns frei!

In einer weiteren Anmerkung erläutert Ludendorff seine Einschätzung dieses Liedes noch folgendermaßen:
Die "Jüdische Rundschau" Nr. 56 vom 14.7.1934, Seite 331, sagt folgendes: "Der Theologe Dr. Lueken macht in der "Christlichen Freiheit" geltend, dass die Schlussstrophe "Dass deine Gemeinde nicht Opfer der Feinde - Herr mach uns frei!" nichts anderes ausdrückt als "Die zionistische Hoffnung auf die Herauserlösung Israels aus der Völkerwelt und auf seine Wiedervereinigung zu einem selbständigen Volk."

Ludendorff weiter:
Mein "Kampflied Deutscher Abwehr" hatte folgenden Wortlaut:
Der Schwarze, die Deutchen zu Falle zu bringen,
Schleicht hassend und trugvoll durchs arglose Reich
Und suchet, durch List die Gewalt zu erringen,
Um Freie zu fällen mit tödlichem Streich.
Ausharret und kämpfet im härtesten Streite,
Mit Schanden in Banden des Schwarzen nicht fallt!
Der Tapf're zwingt sich den Frevler zur Beute,
Zur Rettung des Volkes aus Pfaffenegewalt.
Vertraut nur Euch selbst, hoffet nichts von Gebeten,
Den Würger vertreibt allein tatfrohe Kraft,
Den Stolzen und Starken, von Schleichern getreten,
Entflammet der Zorn, der jetzt Freiheit uns schafft.
Der Kampf gegen Rom, den ich bereits in meiner Verteidigungsrede vor dem Volksgericht in München am 29.2.1924 eindeutig aufgenommen hatte, war wieder voll entbrannt; sah ich damals aber nur sozusagen den "politischen Katholizismus", so war mir jetzt das Seelenmordende der Wirkung Roms auf Deutsche Menschen durch meine Frau und durch erhöhten Eindruck klar bewusst geworden.

Dieser Ludendorffsche Liedtext wurde in einem damals von Fritz Hugo Hoffmann zusammen gestellten Liederbuch "Lieder der Deutschen" mitsamt der alten zugehörigen Melodie abgedruckt und gesungen.

1930: "Was Romherrschaft bedeutet"

Als was für eine furchtbare Gefahr die katholische Kirche für den einzelnen Menschen und für ganze Völker von Seiten des Ehepaares Ludendorff und ihrer "Mitkämpfer" eingeschätzt worden ist, geht auch schon aus dem äußeren Erscheinungsbild einer weiteren Schrift Mathilde Ludendorffs mit dem Titel "Was Romherrschaft bedeutet" hervor. In dieser Schrift sind katholische Männerorden, ihr sklavisches Innenleben und ihr weitreichender politischer und kultureller Einfluss behandelt.

Im Jahr 1930 stand man unter der drohenden Herrschaft des Nationalsozialismus. Von dieser unterstellte man mit viel Recht, dass er zur Knechtung des deutschen Volkes von der katholischen Kirche benutzt wurde und zur Führung eines katholischen Missionskrieges gegen das atheistische, bzw. russisch-orthodoxe Russland, ja, sogar zu einer von der katholischen Kirche unterstellterweise befürworteten Bolschewisierung und Sowjetisierung Europas (siehe unten). Das Umschlagbild stammte einmal erneut von Lina Richter.

1931: "Erlösung von Jesu Christo" (Mathilde Ludendorff)

Abb.: Erlösung von Jesu Christo
In ihrem Buch "Erlösung von Jesu Christo" wertete Mathilde Ludendorff alle Schriftstellen in der Bibel über Jesus Christus aus und konfrontierte sie mit der Moral und der Lehre ihrer eigenen Philosophie. Die Ergebnisse sind außerordentlich ernüchternd, ja, erschreckend und gehen vielfach weiter als die der meisten sonstigen christentumskritischen Schriften zum Neuen Testament. Der Buchumschlag stammt von Lina Richter.

1931: Wider eine Katholische Universität in Salzburg

Abb.: Tagungsband der Tannenbergbund-Tagung in Salzburg, 1931
(Titelseite mit einer Zeichnung von Lina Richter)
Jahrzehnte lang versuchte die katholische Kirche in Salzburg eine katholische Universität zu gründen. Nachdem alles nichts nutzte, wurde diese katholische Universität schließlich in Ingolstadt gegründet - unter maßgeblicher Federführung des damaligen Kardinals Ratzinger (eines Lobhudlers übrigens auch eines der korruptesten deutschen Nachkriegspolitiker, nämlich von Franz Josef Strauß). Dazu, dass es bis heute niemals zur Gründung einer Katholischen Universität in Salzburg gekommen ist, mag auch die damalige Ludendorff-Bewegung und ihr Widerstand gegen diese in Form mehrerer jährlich abgehaltener Tagungen in Salzburg ihr Schärflein beigetragen haben. (Siehe dazu ein eigener Beitrag hier auf dem Blog.) Der Buchumschlag des ersten Tagungsbandes aus dem Jahr 1931 stammt von Lina Richter.

Der Großvater des Bloginhabers und dessen Bruder (Wilhelm und Alfred Schaufler) waren Salzburger und maßgeblich an der Organisation dieses Widerstandes beteiligt. Der Bloginhaber ist stolz darauf. Zu seinen Vorfahren gehört auch jener Hermann von Samson Himmelstjerna, der Superintendent in Riga und Livland war, im Jahr 1640 zusammen mit seinem Jugendfreund Axel Oxenstjerna von der schwedischen Königin Christine in den Adelsstand erhoben worden ist (Wiki) und in Riga die Jesuiten bekämpft hat.

Es ist heute nicht mehr angängig, solchen geschichtlichen Traditionen mit Gleichgültigkeit gegenüber zu stehen. Allerorten ist auch heute die römische Vergewaltigung spürbar.

1932: "Römische Vergewaltigung statt Verfassungrecht"

Abb.: 1932 (Quelle)
Die Schrift "Römische Vergewaltigung statt Verfassungrecht" behandelt den Zustand der Meinungs- und Pressefreiheit unter den Präsidialdiktaturen, bzw. unter der "Zentrums-Diktatur" der beiden Vertreter des politischen Katholizismus, der Reichskanzler Brüning, von Papen und schließlich des Katholiken Adolf Hitler und seiner katholischen Minister (zu denen z.B. Joseph Goebbels gehörte).

1935: "Rom mordet, mordet Seelen, Menschen, Völker" (A.W. Rose)

Auch der Titel der Schrift "Rom mordet, mordet Seelen, Menschen, Völker" ist aussagekräftig. Es handelt sich um Heft 3 und 4 des "Laufenden Schriftbezuges" des Ludendorff-Verlages aus dem Jahr 1935. Das Umschlagbild stammt von Hans-Günther Strick.

1936: "Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort!" (E. u. M. Ludendorff)

Abb.: "Die Bibel nicht Gottes Wort" (1936)
Im Jahr 1936 gaben Erich und Mathilde Ludendorff ihre Schrift "Die Bibel nicht Gottes Wort" heraus. In dieser arbeiten sie heraus, was heute natürlich Allgemeinwissen ist, damals aber noch viele Erschütterungen bewirkte, nämlich dass die Bibel eine willkürliche Zusammenstellung verschiedenster Texte darstellt. Ob die damalige Argumentation der Ludendorffs in allen Teilen auch noch vor dem heutigen Kenntnisstand Bestand hat, sollte einmal genauer überprüft werden.

1936: Der Katholizismus bereitet dem Bolschewismus den Weg

Abb.: Karrikatur von Hans-Günther Strick (Quell, 20.11.1936)
In Aufsätzen der damalige Zeit wurde herausgearbeitet, dass die katholische Kirche nach außen hin zwar sagen würde "Wir sind das Bollwerk gegen den Bolschewismus." Dass sie aber mit einer damals viel erörterten Neufassung des "Ketzerparagraphen 166" des Strafgesetzbuches, mit "Verelendung, Pazifismus und Intoleranz" dem Bolschewismus den Weg bahnen würde. So unterstellt es zumindest eine Zeichnung von Hans-Günther Strick (in "Quell", 20.11.1936) unter Anlehnung an zeitgleiche politische Aufsätze Erich Ludendorffs, in denen er der Politik des Papstes in Rom genau diesen Vorwurf macht.

Es ist, als ob in dieser Karikatur von Seiten des Breslauers Hans-Günther Strick die Westverschiebung des katholischen Polens unter Zerschlagung des protestantischen Preußens im Jahr 1945 schon vorausgeahnt worden wäre. Das Ehepaar Ruge hat einmal in seinem Buch "Nicht nur die Steine sprechen deutsch" (1987) auf die vom sprichwörtlichen Geist der Gegenreformation getragenen Inbesitznahmen der vormals protestantischen Kirchen in Ostpreußen, Schlesien und Pommern zum Teil noch lange nach 1945 durch polnische, katholische Kirchenbeamte hingewiesen.

1937: Die Ohrenbeichte

Abb.: Wieland - Die Ohrenbeichte, 1937
Das Übel der Ohrenbeichte war Thema einer weiteren Aufklärungsschrift. Sie war verfasst von einem ehemaligen katholischen Priester, nämlich Konstantin Wieland. Das Umschlagbild stammte erneut von Lina Richter.

1937: Ein Adler gegen "Rom"

Abb.: Zeichnung von K. L. Hartig, Gedicht von Erich Limpach (in: "Quell", 20.1.1937)
In einer Zeichnung eines K. L. Hartig (aus "Quell", 20.1.1937) dürfte der damalige zum Ausdruck gebrachte antikatholische Zorn  einen Höhepunkt erreicht haben: Ein lebloser Priester hängt in den Klauen eines Adlers. Der Dichter Erich Limpach verfasste dazu ein Gedicht. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass das natürlich nur metaphorisch zu verstehen war. Erich und Mathilde Ludendorff erwarteten, dass die Seelenzwinger der katholischen Kirche und des Jesuitenordens allmählich von selbst aussterben würden und dass dann die leeren Hallen von all den versklavten Seelen frühere Jahrhunderte nur noch widerhallen würden. Tatsächlich klagt die katholische Kirche ja heute immer wieder über "Priestermangel". Sie findet aber in den geburtenreichen katholischen Ländern der Südhalbkugel immer noch genügend Priesternachwuchs. Auch der derzeitige Papst stammt ja von dort.

Es sei in diesem Zusammenhang aber auch auf - seltene - Mordversuche von Menschen hingewiesen, die sexualisierte Gewalt durch katholische Priester in ihrer wehrlosen Kindheit und Jugend erlitten haben. Soweit wir wissen, war keiner erfolgreich. Sicher ist aber, dass die Selbstmordrate unter Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben, deutlich erhöht ist. Ein Orden, der Menschen bewusst und systematisch dazu treibt, Mord anstelle von Selbstmord zu begehen, um seelisch zu überleben hat kein Existenzrecht in der modernen Welt. Und wir haben die Pflicht, uns auch heute schützend vor all die Kinder und Jugendliche zu stellen, die in Gefahr stehen, in die Hände von katholischen Priestern zu geraten.

Namhafte Überlebende sexualisierter Gewalt in Deutschland und der Welt sagen auch heute, dass Staat und Kirche noch immer nicht genügend tun, um die Kinder und Jugendlichen angemessen zu schützen.

1937: "Seelenmißbrauch in Klöstern" (Erich Gottschlig)

Abb.: Seelenmißbrauch in Klöstern (1937)
E. Gottschling berichtet 1937 in "Seelenmißbrauch in Klöstern" als ehemaliger Dominikanerpater über seine Erfahrungen im Dominikanerorden. Die Aktualität eines solchen Titels ist seit 2010, mehr als 60 Jahre später, unübersehbar. Es wäre sicherlich sinnvoll gewesen, wenn man schon damals, schon 1937 intensiver "hingesehen" hätte. Zwei von mehreren weiteren Abbildungen in dieser Schrift seien hier noch gebracht, um Inhalte anzudeuten:


Abb.: aus "Seelenmißbrauch in Klöstern" (1937)
Katholische Priester und Jesuiten müssen sich auch heute noch mit dem ganzen Körper flach auf den Boden legen - etwa wenn Jesuiten zum Priester geweiht werden. Sie tun das dann in aller Öffentlichkeit im kirchlichen "Gottesdienst".

Abb.: aus "Seelenmißbrauch in Klöstern" (1937)

Katholische Demut würde damit also heißen, "wie ein Wurm kriechen".


1937: "Ein Priester ruft: 'Los von Rom und Christo!'" (Franz Griese)

Abb.: "Ein Priester ruft: Los von Rom und Christo!"
Der ehemalige katholische Priester Franz Griese veröffentlichte 1937 im Ludendorffs-Verlag seine Schrift "Ein Priester ruft: Los von Rom und Christo". Die Umschlaggestaltung stammte einmal erneut von Lina Richter. Im von Ludendorffs Verlag herausgegebenen "Tannenberg-Jahrweiser" für das Jahr 1938 (also sicherlich Ende 1937 und damit vor dem damaligen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich zusammengestellt) wird auch das folgende Gedicht gebracht, in dem sich der schwere Kampf widerspiegelt, den Deutsche wie Konrad Lorenz und viele andere mit dem klerikalfaschistischen System im damaligen Österreich zu führen hatten:
Den Schwarzen Österreichs ins Stammbuch
Es wallt in den Adern mir heißer das Blut
und rot meine Wangen brennen:
Die Schwarzen wagens mit frevlem Mut,
uns Vaterlandsfeinde zu nennen.
Wir haben im beißenden Pulverdampf
dir, Deutschland, geweiht unser Leben
und haben im würgenden Völkerkampf
dir Kraft und Jugend gegeben.
Deine schlimmsten Feinde, mein Vaterland,
solang ich kann denken und schaffen,
die sind - ich weiß es - im schwarzen Gewand
die römisch-katholischen Pfaffen.
Es sind heute keine einflussreicheren "rechtskonservativen" Kräfte im deutschsprachigen Raum bekannt, die sich so oder ähnlich noch äußern würden. Die Rechtskonservativen in Österreich und Deutschland heute sind alle "rechristianisiert". Das ist unübersehbar. Dass dieser Umstand Folgen für das gegenwärtige und künftige Schicksal des deutschen Volkes hat und haben wird, insbesondere für auch für seine Kinder und Jugendlichen, sowie seine schon seit Jahrzehnten bekannte niedrige Geburtenrate, gegen die nicht nachhaltig gegengesteuert wird, ist im Grunde ebenso unübersehbar. 

1938: Christliche Wissenschaft (Wilfried Meynig)

Abb.: "Christliche Wissenschaft"
Man sehe auch den Titel dieses Heftes 5 des "Laufenden Schriftbezuges 5".

In den Abbildungen und Inhalten dieser Bücher und Schriften spiegelt sich eine Emotionalität wieder, die uns Heutigen, wenn man nicht gerade selbst Opfer von Gewalterfahrungen in der Kirche geworden ist oder auf Anti-Papst-Demonstrationen mitmarschiert ist, und wenn man nicht gerade in diesen Tagen (2011) in Irland lebt, wohl in sehr weitgehendem Maße gegenüber der katholischen Kirche und gegenüber dem Jesuitenorden abhanden gekommen ist. Der katholischen Kirche und dem Jesuitenorden kann das natürlich nur recht sein.

Abb.: "Christliche Grausamkeit an Deutschen Frauen" (Schrift)
Vielleicht können in künftigen Beiträgen die Inhalte dieser Schriften und zahlreicher weiterer in Bezug gesetzt werden zu den Diskussionen innerhalb und rund um die katholische Kirche seit 2010. Beispielsweise hat es schon in den 1930er Jahren viele Prozesse wegen der damals noch verbotenen Homosexualität in der katholischen Kirche (betreffend des damaligen Strafrechtsparagraphen 175) gegeben. Es wäre zu fragen, inwieweit in diesen Prozessen schon damals davon auch Minderjährige betroffen gewesen sind. (Inzwischen erschienen: "Katholische Kirche - Kein Lernen aus der Vergangenheit?")

"Was Jesus noch nicht wußte" (undatiert)

Abschließend noch eine wohl eher seltene Postkarte, herausgegeben von der "Ludendorff-Buchhandlung" München, die vor einiger Zeit bei Ebay zum Verkauf angeboten wurde, und die noch einige inhaltliche Fragen zum Thema Kirchenkritik aufwirft:

Abb.: Was Jesus noch nicht wußte
Diese Postkarte ist laut "Quell" (5.9.1937, S. 448) bei der Ludendorff-Tagung im Sommer des Jahres 1937 verteilt worden. Auch ausländische Journalisten erhielten sie. Ein solcher berichtete dann - unter anderem auch über sie - in der britischen "The Morning Post" vom 16. August 1937:
Eine bemerkenswerte Postkarte gab es, betitelt "Dinge, von denen Jesus nichts wußte!" Darunter sind erwähnt ... 
Der Inhalt der Postkarte hat wohl noch heute nur wenig an Aktualität eingebüßt. Eine inhaltliche Auswertung all der hier aufgeführten Schriften aus der Sicht der Erfahrungen und des Wissens von heute ist sehr wünschenswert. Mitarbeit bei der Erstellung solcher Beiträge für diesen Blog sind weiterhin willkommen.


/Erste Veröffentlichung dieses Beitrages am 30.9.2011;
Überarbeitungen, Ergänzungen am 
13.7., 17.11.2012, 12.1., 26.4.2013, 10.9.15;
letzte Überarbeitung und Ergänzung:
19.2.2017/

__________________________
  1. Ludendorff, Mathilde: Ein Blick in die Morallehre der römischen Kirche. Ludendorffs Volkswarte Verlag, München o.J. (etwa 1931) (61. - 80. Tsd.) (zuerst 1929)
  2. Ludendorff, Erich und Mathilde: Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1929 (11. - 20. Tsd.); 1940 (51. - 53. Tsd.) 
  3. Ludendorff, Mathilde: Bekenntnis der protestantischen Kirche zum römischen Katholizismus. Ludendorffs Verlag, München 1937 (61. - 80. Tsd.) (zuerst 1930)
  4. Ludendorff, Mathilde: Erlösung von Jesu. Ludendorff's Volkswarte-Verlag, München 1931 (11. - 15. Tsd.), 1932 (erw. Aufl., 16. - 27. Tsd.), 1933, 1935, 1936 (38. - 42. Tsd.), 1938 (48. - 52. Tsd.), (53.-58. Tsd.); Verlag Hohe Warte, Pähl 1957 (60. - 61. Tsd.), 1967 (62. - 63. Tsd.) 
  5. Ludendorff, Mathilde: Angeklagt wegen Religionsvergehens. Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1930 (51. - 100. Tsd.)
  6. Ludendorff, Erich: Des Volkes Schicksal in christlichen Bildwerken. Zwei Abhandlungen. Ludendorffs Verlag, München 1935 (41. - 60. Tsd.)
  7. Ludendorff, Erich und Mathilde: Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort. Vom "verzeihlichen Betruge". Ludendorffs Verlag, München 1936 (32 S.)  
  8. Ludendorff, Mathilde (Hg.): General und Kardinal. Ludendorff über die Politik des neuen Papstes Pius XII. (Pacelli) 1917 - 1937. Zusammengestellt von Mathilde Ludendorff. Ludendorffs Verlag, München 1939 (Heft 1 des "Laufenden Schriftbezuges 8")
  9. Berger, H. (Prof.): Der Materialismus des Christentums
  10. Engel, Ludwig: Der Jesuitismus als Staatsgefahr. Ludendorffs Verlag, München 1935 (11. - 15. Tsd.) (9. Heft der 2. Schriftenreihe)
  11. Gengler, Ludwig F.: Katholische Aktion im Angriff auf Deutschland. Die Lüge vom „rein religiösen“ Werbefeldzug. Ludendorffs Verlag, München 1937 (11. - 20. Tausend)
  12. Iring, Kunz; Dietrich, B.: Nie wieder Habsburg! Die Habsburger in der Geschichte der Deutschen. Der Weg zur Jesuitendiktatur in Österreich 1918 – 1935. Ludendorffs Verlag 1936
  13. von Kemnitz, Hanno: Der Pfaffenstrick. Satirische Gedichte vom Mittelalter bis zur Neuzeit mit Karikaturen von Hans Günther Strick. Ludendorffs Verlag, München 1937
  14. Kopperschmidt: Jesuiten arbeiten. Zur Geschichte des Jesuitenordens in Deutschland 1866 bis 1872. Ludendorffs Verlag, München 1940 (Heft 1 des „Laufenden Schriftbezuges 11“)
  15. Maurer, Conrad Ludwig: Geplanter Ketzermord im Jahre 1866. Aus: Neuer Jesuitenspiegel. Commissionsverlag von Tobias Löffler, Mannheim 1868. Mit einem Vor- und Schlußwort von General Ludendorff. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1932
  16. Matthießen, Wilhelm: Der Schlüssel zur Kirchenmacht. Ein Blick in das römisch-katholische Ritual. Ludendorffs Verlag, München 1938 (11. - 13. Tsd.)
  17. Meynig, Wilfried: Christliche Wissenschaft. Ludendorffs Verlag, München 1938 (Heft 5 des „Lfd. Schriftenbezug 5“)
  18. Rose, A. W.: Rom mordet, mordet Seelen, Menschen, Völker. Ludendorffs Verlag, München 1935 (Heft 3 und 4 des „Lfd. Schriftenbezug“)
  19. Schulz, Ernst: Amtliche Wissenschaft im Zeichen des Kreuzes. Ludendorffs Verlag, München 1933 (4. - 8. Tsd., neu umgearbeitet)
  20. Thiel, Andreas (vormaliger Generalsekretär des Evangelischen Bundes): Priestervergötzung und Volksgemeinschaft. Romkirchliche Archive plaudern aus. Ludendorffs Verlag, München o.J. (1937)
  21. Wendt, W.: Die Hölle als Bestandteil der Kindererziehung. Ludendorffs Verlag, München 1937 (16. - 20. Tsd.)
  22. Wentzel, Ilse: Das geistige Ringen zwischen Christentum und Deutscher Gotterkenntnis. Ludendorffs Verlag, München 1936 (11. - 13. Tausend)
  23. Wieland, Konstantin: Sind Ohrenbeichte und Priestertum göttliche Einrichtungen oder menschliche Erfindungen? Ein Religionsprozeß in München am 18. Jan. 1932. Der ehemalige katholische Priester Rechtsanwalt Konstantin Wieland aus Ulm als Vertedigiger vor dem Schwurgericht München. Ludendorffs Volkswarte Verlag o.J. (1932)  
  24. Gottschling, Erich (ehemaliger Dominikaner): Seelenmißbrauch in Klöstern. Ludendorffs Verlag, München 1937
    Griese, Franz: Ein Priester ruft: „Los von Rom und Christo!“ Ludendorffs Verlag München (zuerst 1932), 1937 (28. - 32. Tausend)

Der Bursche Erich Ludendorffs während des Ersten Weltkrieges

Allerhand Neues und Altes rund um Erich Ludendorff

In diesem Beitrag wird in unregelmäßigen Abständen auf neu erschienene Bücher über Erich Ludendorff hingewiesen oder auf Aktivitäten rund um die geschichtliche Aufarbeitung von Aspekten des Lebens von Erich Ludendorff. Und zwar insbesondere auf solche, für die wir vorläufig noch nicht die Zeit finden, sie in jeweils eigenen Blogbeiträgen ausreichend gründlich zu behandeln. Sie erscheinen aber bedeutend genug, dass jeder, der sich für die geschichtliche Persönlichkeit Erich Ludendorff mit einem gewissen Nachdruck interessiert, etwas gründlicher mit ihnen beschäftigt. Die aktuellsten Beiträge dazu erscheinen in diesem Beitrag immer an der ersten Stelle, die älteren Teile werden weiter unten behandelt.

Ludendorffs Bursche Rudolf Peters (1892-1955)


Abb. 1: Rudolf Peters,
der Bursche Erich Ludendorffs
Auch die Erinnerungen des Burschen Erich Ludendorffs während des Ersten Weltkrieges, Rudolf Peters (1892-1955), fanden Eingang in das große Erinnerungswerk, das Mathilde Ludendorff 1938 zum Gedenken an Erich Ludendorff herausgegeben hat ("Erich Ludendorff - Sein Wesen und Schaffen", S. 92ff). Hier ist die Rede vom Burschen Rudolf Peters,
der die wundersame Kameradschaft des großen Toten bis zu dessen Todesstunde erlebt hat: "Ich kann den Tod des Feldherrn noch nicht fassen, ich kann mich nicht hineinfinden. So nahe hielten der Feldherr und ich zusammen in allen großen und schweren Zeiten. Wenige Tage vor seinem Tode hat er mir vom Sterbelager aus noch das Geschenk für sein Patenkind, meinen Sohn Erich, gesandt. Eben war ich dabei, das Weihnachtspaket mit den Äpfeln wie jedes Jahr für ihn zu packen, denn wir waren ja so froh über seinen Gruß in der Quellnummer gewesen und glaubten, es gehe nun aufwärts, da kam die furchtbare Nachricht von seinem Tode. Nie werde ich diese Stunde vergessen. Nun sind seither zwei Monate vergangen, und noch hat sich nichts geändert. Immer wieder kommen Stunden, wo ich über seinen Tod nicht hinwegkomme. So auch heute Nachmittag. Ich habe mir einige seiner Briefe zur Hand genommen und lese sie immer wieder. ich meine, dadurch wird es vielleicht etwas leichter. Es tut mir auch wohl, von der Vergangenheit zu erzählen ...."
Es folgt ein langer Bericht. Darunter auch das Zeugnis Ludendorffs für Rudolf Peters:
"Unteroffizier Rudolf Peters war sechs Jahre Bursche bei mir. Er hat mir mit gleicher Treue und Hingebung gedient wie ich meinem Lande."
Und:
Als ich mich im Jahre 1921 verheiratete, schrieb mir der Feldherr: "Zu Ihrer Hochzeit wünsche ich Ihnen von Herzen Glück und bei dem ersten Kind will ich Pate sein. Sie haben mir treu gedient, auch mit dem Herzen. Das vergesse ich nicht. Also glückauf auch für die Zukunft." (...) Nach den Ereignissen an der Feldherrnhalle am 9. 11. 1923 war im Dezember mein Sohn geboren. (...) Der große Freiheitkampf führte den unermüdlichen Feldherrn, wenn er aufklärende völkische Vorträge hielt, auch manchmal in die Nähe meines Wohnortes. Dann schrieb er es mir rechtzeitig, damit wir uns wiedersehen konnten. So kam er auch einmal mit meiner Frau und dem Kinde zusammen, und immer war es ein großes Fest für uns. (...) An dem Geburttage in diesem Jahr wollte ich mit seinem Patenkind nach Tutzing kommen, weil es ja doch nun 25 Jahre her sind, dass ich in Dienst bei dem Obersten Ludendorff trat. Wie hatte ich mich darauf gefreut, den Patensohn zu zeigen. jetzt ist der Tod dazwischen getreten! Aber die Treue lebt über das Grab hinaus.
Im Jahr 1955 schrieb Mathilde Ludendorff in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Der Quell" einen Nachruf auf Rudolf Peters (S. 767):
Kurz vor den Tagen von Lüttich erhalte ich die Nachricht, daß Rudolf Peters, der zuverlässige, treue Bursche des Feldherrn, der ihn in allen Kriegsjahren des ersten Weltkrieges zu betreuen hatte, im Alter von 63 Jahren nach kurzer Krankheit am 25. Juni 1955 in Burscheid gestorben ist.
Dieser Bursche Rudolf Peters ist vor drei Jahren in seinem Heimatort Burscheid im Rahmen einer Geschichtsausstellung behandelt worden (8-12) (mit Dank an eine Leserin dieses Blogs für den Hinweis darauf). Die Ehrenamtliche Mitarbeiterin des Stadtarchivs Burscheid Sabine Wurmbach, die zugleich Mitglied der Fraktion "Die Grünen" im dortigen Stadtparlament ist, hat im Jahr 2014 eine Ausstellung über Burscheid im Ersten Weltkrieg in der Stadtbücherei Burscheid in die Wege geleitet. In dieser Ausstellung spielte der wohl bekannteste Burscheider des Ersten Weltkrieges, der genannte Rudolf Peters, eine wichtige Rolle. In der lokalen Presse ("Bergischer Volksbote") wurde eine Fotografie von ihm gebracht, untertitelt:
Der Bursche Ludendorffs und dessen Patenkind: Rudolf Peters und sein Sohn Erich Rudolf unter einem Ludendorff-Porträt.
Abb. 2: Das Patenkind Ludendorffs
Die Abbildung 2 wird Mitte der 1930er Jahre entstanden sein, vielleicht aus Anlass eines Geburtstages von Erich Ludendorff. Vielleicht sollte oder wurde die Fotografie an Erich Ludendorff gesandt. Am rechten Bildrand sieht man übrigens auch ein Porträtfotografie Mathilde Ludendorffs. Dazu wurde berichtet ("Bergischer Volksbote"):
Ludendorffs Patenkind war ein Burscheider - Der Burscheider Friedrich Rudolf Peters (1892-1954) war von 1913 bis 1919 Bursche des Generals Erich Ludendorff, Stellvertreter Hindenburgs. Peters’ Sohn Erich Rudolf (1923-2011), später stadtbekannter Lebensmittelhändler, wurde gar nach Kriegsende Ludendorffs Patenkind. Auch diese lange in Vergessenheit geratene Verbindung hat der Geschichtsverein wiederentdeckt. Im Rheinisch-Bergischen Kalender hat Wurmbach einen Auszug der gesammelten Erkenntnisse vorgestellt. Nach den Sommerferien ist eine Ausstellung in der Stadtbücherei geplant und parallel eine Veröffentlichung des Geschichtsvereins. 
Und über diese Ausstellungseröffnung hieß es dann einige Monate später:
Die Geschichte reicht in die Gegenwart: Unter den Gästen der Eröffnung befand sich auch Reiner Peters, Enkel des Burscheider Friedrich Rudolf Peters (1892-1954) der von 1913 bis 1919 Bursche des Generals Erich Ludendorff war.
Und:
Auch Reiner Peters steuerte zur Ausstellung ein Stück Familiengeschichte bei. Sein Großvater, Rudolf Peters, war Laufbursche des Generalfeldmarschalls (sic!) Erich Ludendorff, der bestimmenden Einfluss auf die deutsche Kriegsführung und Politik hatte. Ludendorff war der Patenonkel von Reiner Peters’ Vater, der auch nach seinem Paten benannt war - mit dem Vornamen Erich-Rudolf.
Und über die parallel erschienene Bucherscheinung "Leben in Burscheid 1914 - 1918" hieß es:
Rudolf Peters aus Benninghausen war Bursche des Generals Erich Ludendorff. Auch seinen Erinnerungen ist ein Kapitel gewidmet.
/hier auf dem Blog 
zuerst veröffentlicht: 19.2.2017/

Eine Neuerscheinung zu Erich Ludendorff


Erschienen: März 2016
Am 15. März 2016 ist auf Englisch ein neues Buch über Erich Ludendorff erschienen von Will Brownell "The First Nazi: Erich Ludendorff - The Man Who Made Hitler Possible" (Counterpoint 2016, 356 Seiten) (3). Laut Klappentext sammelt es alle nur denkbaren Vorwürfe, die man glaubt, Erich Ludendorff machen zu können. Nach diesem Klappentext wird wieder einmal "alle Schuld auf Ludendorff" geworfen, wie das ein oft wiederholtes Zitat schon seit 1918 unterstellt:
General Erich Ludendorff was one of the most important military individuals of the last century, yet today, he is one of the least known. One of the top two German generals of World War I, Ludendorff dominated not only his superior-General Paul von Hindenburg-but also Germany's head of state, Kaiser Wilhelm II.
Das ist falsch charakterisiert. Es ist längst bekannt, dass der Kaiser sich lange dagegen wehrte, Ludendorff Einfluß und Bedeutung einzuräumen und dass Hindenburg den Ruhm "einheimste", dessen zugrundliegende militärische Leistungen allein Ludendorff erbracht hatte und erbringen konnte. Weiter
For years, Ludendorff was the military dictator of Germany.
Diese Behauptung ist unter Historikern sehr umstritten worauf wir hier auf dem Blog schon hingewiesen haben. 
He not only commanded all aspects of World War I, he refused every opportunity to make peace; he antagonised the Americans until they declared war; he sent Lenin into Russia to forge a revolution to shut down the Russian front; and pushed for total military victory in 1918 in a rabid slaughter known as "The Ludendorff Offensive." Shortly after Germany lost the War in 1918, Ludendorff created the murderous legend that Germany had lost the war only because Jews had conspired on the home front. He soon forged an alliance with Hitler, endorsed the Nazis, and wrote maniacally about how Germans needed a new world war to redeem the Fatherland. This savage man had staggering designs to build a gigantic state that would dwarf even the British Empire. Quite simply, Ludendorff wanted the world and was instrumental in both world wars and the Russian Revolution, changing the 20th century beyond recognition.
Nach diesem Klappentext kann dieses Buch keine sehr differenzierte Darstellung und Auseinandersetzung mit der Biographie Erich Ludendorffs enthalten, sondern sammelt lediglich Mythen und wärmt sie neu auf, von denen jede einzelne wesentlich differenzierter zu betrachten und zu bewerten ist als es hier zu geschehen scheint.

Warum aber nun gar so plump, plakativ und so gar nicht differenziert? Der Autor hat einen US-militärischen Hintergrund als Übersetzer. Was aber noch interessanter ist: Er hat eine Biographie über den US-Diplomaten William C. Bullitt verfasst. Wer eine Biographie über einen solchen Kriegshetzer wie Bullitt verfasst hat, der sollte eigentlich wissen, wer Schuld ist an Kriegen im 20. und 21. Jahrhundert, an ihrer Dauer, an ihrer Blutigkeit und an ihrem Ausgang (4). Denn niemand anders als Bullitt hat den Verlauf des Zweiten Weltkrieges schon 1937 sehr genau "vorausgesagt", sprich, aus dem Nähkästchen der Planungen jener geredet, "die dahinter stehen".

(Zuerst veröffentlicht hier auf dem Blog am 27.8.2016)

Im schnoddrigen, lapidaren Ton über Ludendorff

Erschienen: Januar 2014
Am 7. Januar 2014 ist bei "Books on Demand" ein neues Buch über Erich Ludendorff und sein Verhältnis zu Hindenburg und Hitler erschienen (1) von einem Bernhard Wien unter dem Titel "Weichensteller und Totengräber". Im Vorstellungstext heißt es unter anderem:
... Der weitere Blick führt zu wesentlichen neuen Erkenntnissen: Ludendorffs Wirken wird nach wie vor stark unterschätzt. Sein Einfluß auf Hitler war größer als bisher selbst von Ian Kershaw angenommen. Das von Wolfram Pytas Biographie geprägte aktuelle Hindenburg-Bild muß korrigiert werden. Die Einzelereignisse Burgfrieden, Kaisersturz, Kapp-Putsch, Hitler-Putsch 1923 und Röhm-Putsch erfahren eine Neuinterpretation.
Nun, solche Eröffnungsfanfaren kündigen womöglich oft auch nur klägliche Neuerkenntnisse an.

Vorbehaltlich genaueren Studiums kann aufgrund von Leseeindrücken auf Amazon gesagt werden, daß das Buch über weite Strecken in einem sehr schnoddrigen, lapidaren Stil verfaßt ist. Das liest sich also schon vom Stil her nicht als sachlich-wissenschaftliche Veröffentlichung. 

Über weite Strecken enthält die Darstellung überhaupt keine Neubewertungen, sondern es werden nur alte Legenden und Mythen einmal in neuer Weise aufgewärmt. Vielleicht ist es sinnvoll, daß einmal der eher "tagespolitischere" Gegensatz zwischen Ludendorff und Hitler deutlicher herausgearbeitet worden ist. Das geschah aber womöglich nur mit wenig Tiefgang. Denn es werden die völlig unterschiedlichen und gegensätzlichen Moralgrundlagen und Politikansätze beider in keiner Weise ausreichend herausgearbeitet. Daß für Erich Ludendorff im Gegensatz zu Hitler nur ein Verteidigungskrieg infrage kam - das gilt auch für sein Buch "Der totale Krieg" - und er deshalb ein so geschätzter Ansprechpartner der kriegsunwilligen Generalität (Blomberg, Fritsch, Beck) gewesen ist, scheint offenbar kaum ausreichen herausgearbeitet zu werden.

Ein Zeichen dafür, wie wenig sich der Autor Wien mit der weltanschaulichen Neuausrichtung Erich Ludendorffs nach 1925 wirklich beschäftigt hat, sind etwa folgende inhaltlich ganz falschen Zeilen, die zugleich seinen ganz unsachlichen polemischen Tonfall veranschaulichen können (1, S. 329): 
Er (Ludendorff) verfing sich vollends in den Fängen seines Verfolgungswahns, angefeuert durch seine zweite Ehefrau, die wirre Mathilde. Sie war 1930 die Religionsstifterin der Deutschen Christen.
Diese wenigen Worten und Charakterisierungen sind zeitgenössischen Kurt Tucholsky-Gedichten und Simplizissimus-Karikaturen entlehnt und haben mit einem Urteil aus historischem Abstand nichts zu tun. Zumal sie zum Teil inhaltlich  ganz falsch sind. Was für eine ganz falsche Behauptung: "Religionsstifterin der Deutschen Christen". Nichts lag Mathilde Ludendorff ferner als das, schon seit 1921. Weiter: 
Zusammen ließen sie in zahlreichen Schriften ein buntes Panoptikum von Juden, Katholiken, Freimaurern und anderen aufmarschieren, die sich alle miteinander zu einer Weltverschwörung zusammenfanden, um dem wahren Christentum, das ein deutsches Christentum war, vor allem aber dem deutschen Volke und zuvörderst dessen einzigem Erretter, Erich Ludendorff, an die Gurgel zu gehen.
Nein, um das "deutsch Christentum zu fördern", wäre die richtige Aussage gewesen. Hier wird schon deutlich - und mehr braucht man im Grunde gar nicht - wie oberflächlich der Autor sein Untersuchungsobjekt untersucht hat. Ein Ludendorff-Biograph, der gar nicht wahrgenommen hat, was für ein scharfer Gegner Erich Ludendorff gerade auch der Deutschen Christen gewesen ist (siehe etwa: 2) und allen Christentums überhaupt, selbst in der Version, wie es womöglich noch von Alfred Rosenberg oder Hermann Wirth vertreten worden ist, kann im Grunde genommen als ein solcher Biograph insgesamt gar nicht ernst genommen werden.

Dennoch wird es sinnvoll sein, das Buch noch einmal genau zu überprüfen auf etwaige partielle Neuerkenntnisse und Neubewertungen, wobei dann dieser Beitrag gegebenenfalls noch einmal überarbeitet werden kann.

(Zuerst hier auf dem Blog veröffentlicht am 11.1.2014.)

"Diktator Ludendorff" - ist diese Kennzeichnung treffend?

Und: War Ludendorff eine deutsche "Verhängnisgestalt"?

Von dem Politikwissenschaftler Peter Graf Kielmannsegg (geb. 1937), emeritierter Professor der Universität Mannheim, ist in der FAZ eine Rezension der Ludendorff-Biographie von Manfred Nebelin veröffentlicht worden (5, 6). In dieser Rezension heißt es unter anderem:
Durchgehend ist der Autor um ein differenzierendes Urteil bemüht, eine Bemühung, die beim Gegenstand Ludendorff weder einfach noch selbstverständlich ist.
Zu den Stärken des Buches rechnet er seine Detailschärfe und Quellennähe. Über die Schwächen des Buches sagt Graf Kielmannsegg:
Es fehlt an bilanzierenden Reflexionen über die Kernfragen, die sich einem Ludendorff-Biographen stellen: Was ist über den „Feldherrn“ Ludendorff zu sagen? War Ludendorff wirklich ein „Diktator“? Trifft das Urteil, mit dem das Buch den Leser entläßt: Ludendorff eine deutsche „Verhängnisgestalt“?
Es hat unter Kundigen nie einen Zweifel daran gegeben, daß Ludendorff, nicht Hindenburg der eigentliche Kopf der deutschen Kriegführung war. Nebelin bekräftigt diese Einschätzung.
Besonders bemerkenswert scheint dann aber doch auch folgendes Urteil des Grafen Kielmannsegg zu sein:
Das Urteil über das Vabanquespiel der Offensive von 1918 fällt im Allgemeinen hart aus. Auch Nebelin setzt da keinen anderen Akzent. Man wird freilich, um Ludendorff gerecht zu werden, zumindest fragen müssen, welche Alternativen zu diesem verzweifelten Versuch Deutschland 1918 denn noch hatte. In Paris und London gab es, jedenfalls seit die Regierungschefs Clemenceau und Lloyd George hießen, keinerlei Kompromißbereitschaft mehr. Man setzte auf Sieg und nichts als Sieg, gerade so wie Ludendorff. Sollte Deutschland kapitulieren, ohne besiegt zu sein? Vermutlich war das Kaiserreich seit dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten in einer militärisch wie politisch aussichtslosen Lage. In aussichtslosen Lagen Entscheidungen zu treffen, die der Nachwelt einleuchten, ist schwierig.
Und dann weiter:
Den „Diktator“ Ludendorff rückt Nebelin mit dem Untertitel des Buches ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Aber trifft der Begriff die Verhältnisse? Allenfalls für das eine Jahr zwischen dem Sturz Bethmann-Hollwegs im Juli 1917 und dem Scheitern der großen Offensive im Westen hat er eine gewisse Plausibilität. Durchgehend gilt, dass Ludendorff nur so lange mächtig war, wie Hindenburg zu ihm stand. Bis zum Scheitern Bethmann-Hollwegs war zudem der Kaiser vor allem in den entscheidenden Personalfragen in einem keineswegs nur formalen Sinn die letzte Instanz. Am hartnäckigen und lange erfolglos geführten Kampf Ludendorffs zuerst gegen Falkenhayn und dann gegen Bethmann-Hollweg zeigt Nebelin das selbst auf. Auch an den Reichstag, die Gewerkschaften, die süddeutschen Staaten ist zu denken, wenn man sich ein Urteil über die Machtverhältnisse im Deutschland der Kriegsjahre bilden will. Ludendorff war vorübergehend der mächtigste Mann in Deutschland, ein Diktator, lässt man dem Begriff seine präzise Bedeutung, war er nicht.
Und weiter:
Schließlich: die „deutsche Verhängnisgestalt“ Ludendorff. Das Wort verweist auf das deutsche Verhängnis, auf Hitler also. War Ludendorff ein Wegbereiter Hitlers? Anders als Hindenburg hat Ludendorff nach 1918 keine richtungsweisende Entscheidung mehr getroffen, auch 1933 nicht. Die Last, die Ludendorff, sekundiert von Hindenburg, mit der Erfindung der Dolchstoßlegende - der schäbigen Weigerung einzugestehen, daß Deutschland den Krieg militärisch verloren hatte -, der Republik aufbürdete, hat fraglos zu ihrem Scheitern beigetragen. Aber die Formel von der deutschen Verhängnisgestalt meint doch wohl mehr. Was sie meint, wird bei Nebelin schon deshalb nicht ganz klar, weil der Ludendorff der Jahre 1918 bis 1937 bei ihm nicht mehr auftritt.
Manches, was Kielmannsegg sonst noch schreibt, steht dann aber irgendwie im Widerspruch zu dem soeben Zitierten. Wie auch immer! Viele andere Rezensionen zu diesem Buch lesen sich bei weitem nicht so selbständig urteilend. Die in der "Welt" von einem Klaus-Jürgen Bremm etwa beginnt mit den Worten:
Nacheinander demontierte er einen Generalstabschef, einen Reichskanzler und einen Außenstaatssekretär.
An so kurzen Sätzen wird einem bewußt, wie fehlerhaft das Reden vom "Dikator" Ludendorff sein kann. Um den Generalstabschef von Falkenhayn zu demontieren, hat der - - - "Diktator" Ludendorff immerhin zwei Jahre gebraucht. Und auch der Reichskanzler und der Außenstaatssekretär werden nicht nur deshalb gesürzt worden sein, weil sie sie sich Ludendorff als Gegner erworben hatten. Und so schreibt auch Volker Ullrich in der "Zeit" über die angebliche "Diktatur" Ludendorffs:
Doch das ist eine Übertreibung. Denn so mächtig Ludendorff auch war - allein herrschen konnte er nicht. Trotz seines Bedeutungsverlusts im Kriege hatte der Kaiser bei der Besetzung der höheren Reichsämter immer noch ein wichtiges Wort mitzureden. Vor allem aber verkennt der Autor das wachsende Gewicht der neuen Reichstagsmehrheit aus Sozialdemokratie, katholischem Zentrum und liberaler Fortschrittspartei, auf deren Wünsche die Militärs Rücksicht nehmen mußten.
Allmählich scheint also jener geschichtliche Abstand gewonnen zu sein, der zumindest in Teilen der deutschen Geschichtswissenschaft ein Abrücken von allzu schablonenhaften, plakativen Kennzeichnungen ermöglicht. Es dürfte sicherlich sinnvoll sein, diesen Umstand festzuhalten.

(zuerst veröffentlicht hier auf dem Blog am 17.10.2012)
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  1. Wien, Bernhard: Weichensteller und Totengräber. Ludendorff, von Hindenburg und Hitler 1914 - 1937. Books on Demand, Norderstedt 2014 (Amazon, GB) (knapp 476 S.) 
  2. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Freiland-Verlag, Viöl 2004 
  3. Brownell, Will: The First Nazi: Erich Ludendorff - The Man Who Made Hitler Possible. Counterpoint 2016 (356 Seiten) 
  4. Bading, Ingo: Wie kam Stalin in die Mitte Europas? Kriegsziele der westlichen Demokratien seit 1941.  http://www.academia.edu/352574/Wie_kam_Stalin_in_die_Mitte_Europas_-_Kriegsziele_der_westlichen_Demokratien_seit_1941
  5. Nebelin, Manfred: Ludendorff. Diktator im Ersten Weltkrieg. Siedler Verlag, München 2010
  6. Graf Kielmannsegg, Peter: In der Hölle der Materialschlachten. Erich Ludendorff kämpfte im Ersten Weltkrieg einen aussichtslosen Kampf. War er Deutschlands Verhängnis? FAZ,  17.07.2011
  7. Ludendorff, Mathilde: Mitteilung über den Tod von Rudolf Peters (1892 - 1955), den Burschen Erich Ludendorffs im Ersten Weltkrieg. In: Der Quell, Folge16, 23. 8. 1955, S. 767
  8. Rüger, Ekkehard: Suche nach lokalen Spuren des Ersten Weltkriegs. Ausstellung und Veröffentlichung sind schon geplant. In: Bergischer Volksbote, 19.3.2014, http://www.wz.de/lokales/burscheid-region/suche-nach-lokalen-spuren-des-ersten-weltkriegs-1.1589485
  9. Rüger, Ekkehard: Der ferne Krieg ganz nah - Ausstellung zeigt Auswirkungen in Burscheid. In: Bergischer Volksbote, September 2014, http://www.wz.de/lokales/burscheid-region/bv-artikel-aus-der-ns-zeit-in-solingen-wiederentdeckt-1.2235924
  10. Frese, Annemarie (zusammen mit Grete Klippert, Barbara Sarx, Sabine Wurmbach und Rolf Engelhardt): Leben in Burscheid 1914 - 1918. Bergischer Geschichtsverein, Abt. Burscheid,  Burscheid 2014 (67 S.)
  11. Sting, Jan: Stadtbücherei Burscheid - Von wegen „herrliche Zeiten“. In: Leverkusener Anzeiger, 14.9.2014, http://www.ksta.de/region/leverkusen/burscheid/stadtbuecherei-burscheid-von-wegen--herrliche-zeiten--38394
  12. Sting, Jan: Der große Krieg - Kartoffel wurde zur Kostbarkeit. In: Leverkusener Anzeiger, 9.10.2014, http://www.ksta.de/region/leverkusen/burscheid/serie--der-grosse-krieg-kartoffel-wurde-zur-kostbarkeit-629042

Mittwoch, 8. Februar 2017

Als Volk "ein geschlossenes Gebilde werden, das die Spaltpilze nicht mehr auseinander reißen können" (Dezember 1926)

Es sind Briefe Erich Ludendorffs überliefert an einen gleichgesinnten General, geschrieben in den Jahren 1920 und 1926. Sie werden in diesem Beitrag ausgewertet. Zunächst ging es um die Herausgabe von Kriegserlebnissen. Im Dezember 1926 schrieb Erich Ludendorff aber an diesen General über das, was ihm für die Zukunft des deutschen Volkes wichtiger als alles andere geworden war. Nämlich einen Einklang zu schaffen zwischen dem angeborenen Begabungsspektrum eines Volkes und seiner Weltanschauung, einen Einklang zu schaffen zwischen dem genetischen Begabungsprofil eines Volkes und seiner gelebten Kultur. Dieses damals von Erich Ludendorff formulierte "Kampfziel" ist heute vom Prinzip her so aktuell wie nie. Das wird abschließend angedeutet. Womit der Bogen geschlossen ist zum Titel dieses Blogs, der da lautet "Studiengruppe Naturalismus", wobei das naturwissenschaftsnahe Denken der Ludendorff-Bewegung als das Kernelement dieser Weltanschauung charakterisiert wird, und zwar als das zukunftsträchtigste.

Im September 1920 gab der Verlag Mittler & Sohn in Berlin eine "Volksausgabe" von Erich Ludendorffs "Kriegserinnerungen" heraus. Einen Monat später, im Oktober 1920, gab der J. F. Lehmann's Verlag in München eine zweibändige, 600-seitige Sammlung von Kriegserlebnissen heraus, an der viele Kriegsteilnehmer mitwirkten, unter anderem auch Erich Ludendorff. Diese letztere Ausgabe griff schon im Titel eine damals in Deutschland weit verbreitete Formel auf, sie hieß: “Im Felde unbesiegt - Erlebnisse im Weltkrieg erzählt von Mitkämpfern” (1). Ein pensionierter deutscher General war der Herausgeber dieser Sammlung, Gustaf von Dickhuth-Harrach (1856-1932) (Wiki) und der Verkauf seines Briefnachlasses gab Anlass zum Erarbeiten dieses Beitrages.

  Abb. 1: General von Dickhuth-Harrach - In der Mitte als Divisionskommandeur der 201. I.D. im Gespräch mit einem benachbarten k.u.k.-Divisionsgeneral im Sumpfwald Baranowitschi, Oktober 1916 (Wiki)
Zunächst: Wer war dieser General? Auf Wikipedia finden sich zwei Fotografien von ihm (Abb. 1, 2). Am 27. Januar 1914 war er Gouverneur der deutschen Grenzfestung Thorn an der Weichsel in Westpreußen geworden (Wiki):
Diese Position an der Ostfront hatte er über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs hinaus inne. Ab Februar 1915 fungierte Dickhuth als Führer eines nach ihm benannten Korps, das der Armeeabteilung Gallwitz unterstellt war und bei der Narew-Offensive zum Einsatz kam.
In diesen Funktionen hatte General von Dickhuth früh dem direkten Befehl des Generals Ludendorff und seiner Kriegsführung unterstanden. Es ist weiter zu erfahren:
Ende September 1915 wurde aus dem Korps die 87. Division gebildet. Seine Division gab Dickhuth-Harrach am 5. Juli 1916 ab und übernahm stattdessen die 201. Division, mit der er weiterhin an der Ostfront kämpfte. Am 11. November 1917 erfolgte seine Ernennung zum stellvertretenden Kommandierenden General des I. Armee-Korps.
Abb. 2: von Dickhuth-Harrach umgeben von seinem Stab der 201. I.D. in Okopy (bei Baranowitschi), Oktober 1916
- Der General steht als zweiter von links mit dem Rücken zum Betrachter  (Wiki)

Antwort auf einen Kommandierungswunsch (1914/18)

Während des Ersten Weltkrieges trug von Dickhuth-Harrach offenbar brieflich einen Kommandierungswunsch an Erich Ludendorff heran. Womöglich bewarb er sich um eine Stellung im Großen Generalstab. Jedenfalls ist folgende Antwort Ludendorffs in seinem Nachlass erhalten geblieben (Herkunft: Ebay, Okt. 2015; s.a. Bildarchiv):


Sehr geehrter Herr von Dickhuth!
Auf Ihr Schreiben vom 24.2. beehre ich mich zu erwidern, dass Euer Exzellenz hier notiert sind, allerdings stehen noch mehrere Herren auf der Liste, so dass auf eine baldige Kommandierung wohl kaum zu rechnen ist.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Euer Exzellenz
sehr ergebener
Ludendorff.
Der Nachlass von von Dickhuth-Harrach, in dem dieser Brief enthalten ist, wird seit 2015 unzusammenhängend und in Einzelstücken in unregelmäßigen Abständen auf Ebay zum Verkauf angeboten. Bis Dezember 2016 sind immer wieder neue Briefe aus diesem Nachlass angeboten worden. Unter denselben fanden sich bislang vier fünf kürzere Briefe Ludendorffs an von Dickhuth-Harrach. Zweck des vorliegenden Beitrages ist es, sie in chronologischer Reihenfolge dokumentiert und in den geschichtlichen und sonstigen Zusammenhang einzuordnen, in dem sie jeweils geschrieben sind. Natürlich hatte von Dickhuth-Harrach - unter anderem um der Herausgabe der eingangs erwähnten Erlebns-Sammlung willen - auch mit vielen anderen damals bekannten Personen und Kriegsteilnehmern einen sehr regen Briefwechsel. Und es mag sehr wertvoll sein, diesen Briefwechsel auch einmal im Zusammenhang kennenzulernen und zu dokumentieren. An dieser Stelle kann aber ein solche Aufgabe nicht geleistet werden. Zum Teil wurden die Briefe mit der folgenden spärlichen Erläuterung zum Kauf angeboten:
Aus dem Nachlass der Familie Dickhuth-Harrach. Die Sammlung belegt den intensiven militärischen und auch persönlichen Kontakt des Generals mit der Kaiserfamilie.
Sie mag also den Kontakt mit der Kaiserfamilie belegen, aber natürlich nicht nur mit dieser.
Abb. 3: "Im Felde unbesiegt" (1920)

Der Kriegserlebnis-Sammlung "Im Felde unbesiegt" (Anfang Juni 1920)

Von dem Weltkriegserlebnis blieben die Kriegsteilnehmer auch nach seinem Ende weiterhin zutiefst aufgewühlt und erschüttert. Natürlich noch mehr von seinem für Deutschland ungünstigen Ausgang, der sich ihnen Anfang der 1920er Jahre tagtäglich in der Tagespolitik aufdrängte.

Aus diesen Gefühlslagen heraus gab von Dickhuth-Harrach die eingangs erwähnte Sammlung von Kriegserlebnissen heraus. Eine solche Sammlung sollte das deutsche Volk innerlich aufrichten und wieder stolz machen auf seine Taten in der allerjüngsten Vergangenheit.

Die Sammlung war geschmückt mit einer Titelvignette in Form der Silhouette des ausgemergelten Gesichts eines Frontsoldaten im Stahlhelm (Abb 3). Diese Titelvignette drückte den Geist dieser Sammlung und jener Jahre aus. Diese Sammlung war in den Folgejahren in den Bücherschränken vieler Bürgerhäuser zu finden.

Sie erfuhr weitere Auflagen und wurde schließlich auch noch um einen Band mit österreichischen Kriegserlebnissen bereichert.

Ein Beitrag Ludendorffs zu der Erlebnis-Sammlung ist erwünscht

Nach dem Wunsch von Dickhuth-Harrach sollte diese Ausgabe in Absprache mit seinem Verleger J. F. Lehmann auch einen Erlebnis-Bericht Erich Ludendorffs enthalten. Und wenn Erich Ludendorff keinen neu geschriebenen Text verfassen könne, so bat er um den Abdruck von Auszügen aus den ein Jahr zuvor erschienenen "Kriegserinnerungen" Ludendorffs. Diese waren wie gesagt in dem angesehenen Militärverlag E. S. Mittler & Sohn in Berlin erschienen. Zur Unterstützung seiner Bitte schickte von Dickhuth-Harrach auch einen Brief seines Verlegers J. F. Lehmann an Ludendorff mit.

Abb. 4: Br., 06/1920
Erich Ludendorff hat seit April 1919 im Bezirk Berlin-Tiergarten in der Viktoriastrasse 24a gewohnt. Er sollte dort bis August 1920 leben und dann von dort weg ziehen (St.gr. 01/2012). Vom 13. bis 17. März 1920 hatte der Kapp-Putsch in München statt gefunden, an dem Erich Ludendorff führend beteiligt war, und nach dessen Misslingen Ludendorff im April einige Wochen in Bayern verbrachte. Denn in Berlin konnte er sich für eine Zeit lang öffentlich nicht mehr sehen lassen (St.gr. 01/2016). Im Mai kam er wieder nach Berlin zurück. Er hatte sich aber zwischenzeitlich entschlossen, von Berlin nach München umzuziehen.

Durch die Rückeroberung Kiews durch die Rote Armee am 12. Juni 1920 ist Ludendorff "aufs Äußerste bewegt"

Aus dem Zusammenhang des im folgenden zu dokumentierenden Briefwechsels scheint sich zu ergeben, dass der erste (undatierte) Brief von Erich Ludendorff im Juni 1920 geschrieben worden ist. In diesem Brief schreibt Ludendorff nämlich von der "Gefahr im Osten", die ihn "aufs Äußerste bewegt". Aber worum handelte es sich dabei? Der 1919 neu gegründete polnische Staat hatte nicht nur vormals deutsche Provinzen zum Teil mit Gewalt besetzt. Am 7. Mai 1920 hatte er unter Josef Pilsudski Kiew erobert. Dadurch wurde aber wiederum der russische Patriotismus angefacht. Auf Wikipedia heißt es darüber (Wiki):
Am 30. Mai 1920 veröffentlichte der ehemalige General Alexei Brussilow, ein bekannter Veteran des Ersten Weltkrieges, in der Prawda die Aufforderung „An alle früheren Offiziere, wo immer sie auch sind“, in der er sie ermutigte, alte Kränkungen zu vergessen und sich der Roten Armee anzuschließen. Brussilow betrachtete es als die patriotische Pflicht eines russischen Offiziers, der bolschewistischischen Regierung Hilfe zu leisten, die seiner Meinung nach Russland verteidigte. Auch Lenin entdeckte den Nutzen des russischen Patriotismus.
Abb. 5: Brief, etwa 06/1920 (Rücks.)
Schon hier wird erkennbar, welche Rolle damals die abgetretenen Generale des Ersten Weltkrieges spielen konnten. Leicht konnte in parallelen Vorgängen natürlich auch jederzeit Erich Ludendorff wieder in Deutschland in ähnlicher Weise an Bedeutung gewinnen. Solche Gedanken mag auch von Dickhuth-Harrach in seinem Brief gegenüber Ludendorff geäußert haben. Er wird von der damaligen Undankbarkeit des deutschen Volkes Ludendorff gegenüber geschrieben haben.

Und aus solchen Gefühlen und Gedankengängen heraus hat Ludendorff dann auch seine Antwort geschrieben, die im folgenden dokumentiert ist. Am 12. Juni hatte nämlich die Rote Armee Kiew zurück erobern können. Und damit bereitete sie sich darauf vor, in schnellen Stößen nach Westen vorzudringen. Und spätestens seit diesen Tagen hatte Ludendorff Anlass, sehr konkret von einer "Gefahr im Osten" zu sprechen, die in "aufs Äußerste" bewegte.

"Das Verbrechen, das das deutsche Volk an sich selbst begeht" (etwa 20. Juni 1920)

Sein undatierter Brief an von Dickhuth-Harrach (Abb. 4 und 5) ging - wie sich aus dem folgenden ergibt - am 25. Juni 1920 oder einige Tage früher bei diesem in München ein, wurde also etwa am 20. Juni 1920 geschrieben (Herkunft: Ebay, Dez. 2016):
WV. Viktoriastr. 24a
Sehr verehrte Exzellenz!
Den Brief von Lehmann schicke ich mit Dank zurück. Ich werde sehen, ob Dr. Toeche nachgibt. Irgendetwas Neues zu schreiben, fehlt mir die seelische und körperliche Muße. Die Gefahr von Osten bewegt mich auf's Äußerste und dann bin ich mitten im Umzuge. Ich schaffe es nicht.
Was die Welt nach wie vor über mich sagt, ertrage ich mit größtem Gleichmut, rechts ist dabei oft nicht besser wie links. Ich will nichts vom Volk, wendet es sich nochmals mir zu, dann ist sein Geschick bereits besiegelt und davor soll es Gott bewahren. Ich fürchte, Er wird es noch ... (?) strafen für das Verbrechen, das es an sich selbst beging und jeden Tag von Neuem begeht.
Mit besten Empfehlungen
Ihr sehr ergebener Ludendorff.
Abb. 6: Br., 7.7.1920
Bei dem hier genannten "Dr. Toeche" handelte es sich um  Konrad Toeche-Mittler (1869-1954) (Munziger), den damaligen Inhaber des Verlages E.S. Mittler und Sohn, in dem die Kriegserinnerungen Erich Ludendorffs ein Jahr zuvor erschienen waren. "Jeden Tag von Neuem" beging das deutsche Volk dieses "Verbrechen" nach Meinung Ludendorffs nicht nur dadurch, dass es die Waffen niedergelegt hatte, sondern natürlich - unter anderem - auch durch die im März 1920 erfolgte Niederschlagung des Kapp-Putsches.

von Dickhuth-Harrach antwortete am 25. Juni 1920 (Inhalt bislang nicht bekannt). Darauf schrieb Ludendorff erst wieder zwei Wochen später, da er, wie er dann schrieb, zwischenzeitlich "verreist" war. In dieser Zeit sollte der Vormarsch der Roten Armee unter General Tuchatschewski Richtung Polen sehr zügig vorankommen. Er sollte dabei auch Südostpreußen (Soldau) streifen (Wiki) und erst am 16. August 1920 in der Schlacht von Warschau zum Stehen kommen. Am 7. Juli 1920 schrieb Erich Ludendorff (Abb. 6 und 7) (Anbieter "international.art.antique.gallery", Ebay, Dez. 2015):
W. 10. Viktoriastr. 24a     7./7.20
Sehr verehrte Exzellenz!
Ich bitte sehr um Verzeihung, wenn ich erst heute den Brief vom 25. beantworte. Ich war verreist bis gestern, konnte so aber erst mit Mittler sprechen. Dr. Toeche stimmt dem Abdruck unter Quellenangabe zu, wenn das Buch nicht vor Anfang November im Buchhandel erscheint. Da die Volksausgabe meiner Kriegserinnerungen im September herauskommt, glaubt er, diese Zeitbeschränkung trotz meines Zuredens machen zu müssen. Ich hoffe, dass ich damit auch Euer Exzellenz Wünschen entgegengekommen bin, und dass Herr Lehmann zufrieden ist.
Würde der Termin für die Volksausgabe meinerseits nicht bereits feststehen, so würde auch eine Zeitbeschränkung nicht bestimmt sein.
Ich bitte, die Kürze zu entschuldigen, da ich bereits morgen wieder auf einige Tage verreise - Bescheid (fehlt: aber) gleich geben wollte.
In stets gleichbleibender Wertschätzung
     Euer Exzellenz
          aufrichtig ergebener
               Ludendorff.
Abb. 7: Br., 7.7.1920
Auf diesen Brief hin mag von Dickhuth-Harrach noch einmal Argumente geschrieben haben, die vielleicht am 10. Juli bei Ludendorff eingingen, aufgrund deren man sich darauf einigen konnte, dass die Kriegserlebnis-Sammlung bei J.F. Lehmann in München doch schon im Oktober erscheinen könne. Diese Argumente mag Ludendorff dann dem Dr. Toeche vorgetragen haben, worauf er sicherlich um den 10. Juli herum an von Dickhuth-Harrach schreiben konnte (wiederum in einem undatierten Brief):
                                                                             W.10 Victoriastr. 24a 
Sehr verehrte Exzellenz!
Mittler ist einverstanden! Erscheinen des Lehmannschen Buches im Oktober. Ich glaube, nun ist alles nach Wunsch erledigt.
In großer Eile u. mit verbindlichem Gruß
Ihr sehr ergebener
Ludendorff.
Diese Briefe machen vieles deutlich. Unter anderem machen sie darauf aufmerksam, dass Erich Ludendorff in der Zeit nach dem Kapp-Putsch jeweils immer nur sehr kurz und "in Eile" in Berlin war. Er bereitete seinen Umzug nach München vor, der im August 1920 erfolgte.

"Selten packend" - Der Marine-Schriftsteller W. F. Schreiner


Wohl kurz nach dem eben wiedergegebenen Brief - oder parallel übrigen Briefwechsel - hat Ludendorff offenbar den folgenden weiteren Brief an von Dickfurth-Harrach geschrieben:
                                                                                                     Viktoriastr. 24 a
Sehr verehrte Exzellenz!
Darf ich Sie noch auf einen Schriftsteller aufmerksam machen, der selten packend Selbsterlebtes schreibt:
Wilhelm Schreiner
Hohenstein,
Langens……all.
Mit kameradschaftlichem Gruß,
Ihr
sehr ergebener
Ludendorff.
Brief, Sommer 1920
Auch dieser Brief scheint noch spätestens im August 1920 geschrieben worden zu sein, denn danach war Ludendorff nach München umgezogen. Bei dem hier genannten Wilhelm Ferdinand Schreiner (1889-1943) handelte es sich um einen Pfarrer und Marine-Schriftsteller, der spätestens seit 1915 auflagenstarke Schriften publiziert hat (2-19). Sein Nachlass befindet sich im “Archiv der Evangelischen Kirche im Rheinland”, wo es heißt (Archiv-EKir):
Er war literarisch tätig und publizierte zahlreiche Bücher überwiegend zum Ersten Weltkrieg sowie über Themen aus der Äußeren Mission.
In Düsseldorf, wo er 1943 bei einem Bombenangriff ums Leben kam, befindet sich noch heute ein Wilhelm-Schreiner-Haus (Schützenstr. 56). Um die Art seines Niederschreibens von Kriegserlebnissen zu charakterisieren, sei zitiert, was er 1915 im Vorwort zu seinem im Reclam-Verlag erschienenen Buch “Hohe Fahrt”, schrieb (das Buch hat bis 1937 - und noch 2010 und 2012 - Neuauflagen erlebt):
Die Geschichte des Seekriegs wird erst später geschrieben. Naturgemäß. Also bieten die folgenden Skizzen seine Geschichte insofern nicht, als sie nur Einzelbilder sind, auch insofern nicht, als sie eben nachgestaltete, nicht aber erlebte Wirklichkeit sind. Und trotzdem bieten die Skizzen Geschichte, denn sie entstanden in allen bedeutsamen Zügen aus den Erzählungen von Mitkämpfern. Grüß Gott auch alle, ihr Heldenbrüder! klar Schiff! und hohe Fahrt!
Es mag von Interesse sein, in die Bücher von Wilhelm Schreiner hineinzuschauen, der vielfältige Themen behandelt hat. Auch mag man natürlich fragen, wie Erich Ludendorff gerade auf ihn gekommen ist. Vielleicht ist er einfach in der Buchhandlung auf ihn gestoßen. Auch wäre zu prüfen, ob von Dickhuth-Harrach den Vorschlag Ludendorffs angenommen hat.

"In Blut, Religion, Kultur, Wirtschaft ein geschlossenes Gebilde zu werden" (1926)


Brief, 19. 12.1926
Im Jahr 1926 kam es noch einmal zu einem kurzen Briefwechsel zwischen Erich Ludendorff und von Dickhuth-Harrach. Am Ende dieses Jahres musste sich Erich Ludendorff einer schweren Kehlkopf-Operation unterziehen. Diese wurde von dem berühmten Arzt Dr. Ferdinand Sauerbruch durchgeführt. Aus diesem Anlass scheint Gustaf von Dickhuth-Harrach einmal wieder an Erich Ludendorff geschrieben zu haben. Jedenfalls stammt "aus dem Nachlass der Familie Dickhuth-Harrach" das folgende Antwortschreiben Erich Ludendorffs (Ebay, März 2016):
M. 19.12.26
Sehr verehrte Exzellenz!
Recht aufrichtigen Dank für Ihre warmen Worte. Die Operation war nicht ganz leicht, nun bin ich schon wieder ganz oben auf und hoffe, im Kampf für die Freiheit des Volkes - erst kommt die immer - bald wieder meinen Mann stellen zu können. Wenn nur meine alten Kameraden erkennen würden, wer die Feinde sind, und wie sehr wir zu arbeiten haben, in Blut, Religion, Kultur, Wirtschaft ein geschlossenes Gebilde zu werden, das die Spaltpilze nicht mehr auseinander reißen können. Meine Frau ist mir auch darin eine wirkliche Gefährtin und mehr.
Doch meine Wünsche zum Fest. Mit kameradschaftlichem Gruß
Ihr
Ludendorff.
Hier klingt vielleicht an einer der ersten Stellen in den schriftlichen Hinterlassenschaften Ludendorffs sein künftiges "Kampfziel" an, nämlich eine selbstgewählte Einheit schaffen zu wollen zwischen dem angeborenen Begabungsprofil eines Volkes einerseits und der von ihm gestalteten Weltanschauung, Kultur und Wirtschaft andererseits.

Ein Ziel, von dessen Sinn die Menschen heute - gerade infolge der großen Fortschritte in der modernen Humangenetik - viel leichter zu überzeugen sind als dies noch zu Lebzeiten von Erich Ludendorff möglich gewesen ist. So gibt es zum Beispiel auf dem Gebiet der Ernährung heute schon viele Bestrebungen, die lokale Ernährung einer Bevölkerung abzustimmen auf das lokal vorliegende Gen-Profil derselben Bevölkerung (siehe z.B. das Stichwort "nordic diet"). Ähnliche Zusammenhänge - etwa zwischen der angeborenen Intelligenz-Begabung eines Volkes und seiner Wirtschaft (etwa dem Bruttosozialprodukt) - sind inzwischen ebenfalls durch die Wissenschaft herausgearbeitet worden.

Auch für den Zusammenhang zwischen der in einem Volk vorliegenden Häufigkeit angeborener Neigungen zu Depression oder ADHS mit der jeweils ausgebildeten Kultur gibt es solide Forschungen. Da diese Zusammenhänge nicht nur auf der Populations-Ebene, sondern auch auf der Ebene der individuellen Genetik (Stichworte: "personal genomics", "maßgeschneiderte Medizin") immer mehr an Bedeutung gewinnen, werden sie insgesamt den Menschen in den nächsten Jahren immer bewusster werden. Den Menschen wird es dadurch immer leichter gemacht zu erkennen, dass dieses Kampfziel Erich Ludendorff aus dem Jahr 1926 so altbacken schon damals nicht war und auch noch heute nicht geworden ist. Sondern dass es einfach das gesellschaftliche Leben der Völker beschreibt entweder als Ist-Zustand oder als anzustrebendes künftiges Ziel.

/zuerst veröffentlicht: 3.1.2016,
 / letzte Überarbeitungen: 18.12.2016, 8.2.2017 /
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  1. von Dickhuth-Harrach, Gustav (Hrsg.): Im Felde unbesiegt - Erlebnisse im Weltkrieg erzählt von Mitkämpfern. J. F. Lehmanns Verlag, München Bd. 1, 1920, 1923 (3. Aufl.); Bd. 2, 1922 (2. Aufl.) (326 S.), 1923 (3. Aufl.); Bd. 3 (Österreich) hrsg. von Hugo Kerchnawe 1923
  2. Schreiner, Wilhelm: Hohe Fahrt! Bilder und Skizzen aus dem Seekrieg. Philipp Reclam, Leipzig 1915; später auch unter: “Klar Schiff! Marine kämpft auf allen Meeren“ Steinkopf, Stuttgart 1937
  3. Schreiner, Wilhelm: Der Tod von Ypern. Die Herbstschlacht in Flandern; auch: Schicksal in Flandern. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Oranien-Verlag, Herborn 1917; Verlag von J.F. Steinkopf, Stuttgart 1937 (13.-22. Tsd., 254 S.)
  4. Schreiner, Wilhelm: Harte Pflicht - Ein U-Bootsbuch. Reclam, 1917 (94 S.)
  5. Schreiner-Hohenstein, Wilhelm: Im Kampf um die Stadt. H. Wollermann, Braunschweig 1923 (93 S.), 1934 (159 S.)
  6. Schreiner, Wilhelm: Das Vermächtnis. Ein deutsches Schicksal. 1923
  7. Schreiner, Wilhelm: Im Zauber der Südsee. 1924
  8. Schreiner, Wilhelm: Im Kampf um die Welt. Hellmuth Wollermann, Braunschweig 1925 (5. Aufl.), 1926 (12. Aufl.) (121 S.)
  9. Schreiner, Wilhelm: Im Kampf ums Werden. Vom Weg einer christdeutschen Schar. 2. Auflage. Wollermann u. Maus, Braunschweig 1926 (167 S.)
  10. Schreiner, Wilhelm: Wir Männer in der Ehe. 1927
  11. Schreiner, Wilhelm: Um neuen Lebensgrund. Echo und Besinnung H. Wollermann (W. Maus), Braunschweig 1929 (230 S.)
  12. Schreiner, Wilhelm: Heliand-Weihnacht. Liturgische Christvesper. Zwei Gemeindefeiern.1930
  13. Schreiner, Wilhelm: Mein Zauberwinkel. Ein Büchlein vom Steingarten. Heilgarten-Bücherei Bd. 1.. Steinkopf, Stuttgart 1934
  14. Schreiner, Wilhelm: Der Weg des Hartmut Stein. Illustriert von A. Paul Weber. Wollermann, Braunschweig 1936, 1941
  15. Schreiner, Wilhelm und Hermann: Kompaß des Herzens - Ein Schicksal im großen Krieg; Einbandzeichnung von Paul Dietrich - Band 14 der Sammlung Acker-Bücherei - Nach dem Buch von Wilhelm Schreiner “Der Weg des Hartmut Stein” als Kurzbericht gestaltet von Hermann Schreiner. Acker-Verlag, Berlin 1937
  16. Schreiner, Wilhelm: Mein ganzes Vertrauen. Schicksalsstunden für Wilhelm den Schweiger. Wuppertal, Hermann Werner. (um 1940) (16 S.)
  17. Schreiner, Wilhelm: Rätsel Südsee. Jungs auf Forscherfahrt. 1941, 1942, 1946
  18. Schreiner, Wilhelm: Kampf um Batakland. 1948
  19. Schreiner, Wilhelm: Auf hoher Fahrt. Bilder und Skizzen aus dem Seekrieg. Europäischer Hochschulverlag, Maritime Press, 2010, 2012

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