Samstag, 27. August 2016

Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1918

In diesem Blogbeitrag werden Fotografien Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1918 zusammen gestellt. Zu jedem der vier Kriegsjahre soll es hier auf dem Blog einen solchen Beitrag geben. Zeugnisse für patriotische Ludendorff-Verehrung im Jahr 1918 in Deutschland sind schon in einem früheren Beitrag zusammen getragen worden (Stud. Nat. 03/2015).

2. Januar 1918 - Besprechung mit dem Kaiser in Berlin

Erich Ludendorff schreibt über die für ihn wichtigen Friedensverhandlungen mit Russland in Brest-Litowsk seit 22. Dezember 1917 (1, S. 436-438):
Bevollmächtigter Deutschlands in Brest-Litowsk war Staatssekretär v. Kühlmann, ihm unterstand als Sondervertreter der Obersten Heeresleitung General Hoffmann. Österreich-Ungarn hatte Graf Czernin entsandt. (...) Ich sprach mit General Hoffmann und bedauerte den Gang, den die Verhandlungen einschlugen. (...) Der Generalfeldmarschall und ich begaben uns Anfang Januar nach Berlin, um mit dem Staatssekretär v. Kühlmann zu sprechen und ihn zu schnellerem Verhandeln zu drängen. Ich wollte auch General Hoffmann sehen, der ebenfalls in Berlin anwesend war. Am 2. Januar fand eine Beratung bei Seiner Majestät statt. Ich wies darauf hin, dass in Rücksicht auf einen Schlag im Westen ein baldiger Frieden im Osten erforderlich sei.
Vor allem auch Erörterungen hinsichtlich eines von deutscher Seite angestrebten, zu annektierenden Grenzstreifens gegenüber Polen kam es zu Reibereien. Entgegen vormaliger Besprechungen hatte der Kaiser sich auf Rat seiner zivilen Ratgeber (v. Kühlmann) für eine Verschmälerung des Grenzstreifens entschieden. Ludendorff schreibt (1, S. 438f):
Ich hielt es für meine Pflicht, nochmals meinen Standpunkt zu betonen, und gewann dabei das Gefühl, dass ich das Missfallen des Kaisers erregt habe. Am 4. Januar besprach ich mit General v. Lyncker mein Verhältnis zum Kaiser. Aus den Vorgängen müsse ich entnehmen, dass Seine Majestät mir nicht mehr das Vertrauen schenke, das ich zur Führung meines so überaus schweren Amtes beanspruchen müsse.
3. Januar 1918 - Heirat der Tochter in Berlin

In einer solchen Stimmung nahm er am nächsten Tag an den Hochzeitsfeierlichkeiten seiner Tochter Margot, in der Familie "Lotte" genannt, teil.

Abb.: "Hochzeit im Hause Ludendorff am 3. Januar" 1918
Auf der in den damaligen Zeitungen veröffentlichten Fotografie von dieser Hochzeit ist Erich Ludendorff von seiner Schwester Gertrud Jahn und ihrem Ehemann links und von seinem zweitältesten Stiefsohn Erich rechts eingerahmt. Erich sollte Ende März fallen. Seinen Stiefsohn Kurt Schuhmacher, der Bräutigam, wünschte sich Erich Ludendorff Anfang 1919 als Schreibkraft in Schweden. Sein Stiefsohn Heinz Pernet - ganz links - nahm 1923 mit Ludendorff am Hitler-Putsch in München teil. Der Hauptmann Breucker, stehend zweiter von rechts sollte in den 1950er Jahren ein Buch über Erich Ludendorff schreiben, aus dem wohl deutlich wird, dass Breucker ähnlich Freimaurer war wie - vermutlich - Ludendorffs Schwager Jahn.

Die Hochzeitsgesellschaft wusste natürlich, dass Ludendorff erst gestern beim Kaiser war. Und sein Ernst mag sich - zumindest ein wenig - auf die Anwesenden übertragen haben.

4. Januar 1918 - Unterredung mit General von Lyncker

In der schon erwähnten Unterredung mit General von Lyncker bat dieser Ludendorff, ein etwaiges Entlassungsgesuch mit Hindenburg zu besprechen. Dieser war schon am 3. Januar nach Kreuznach zurück gekehrt. In Kreuznach sprach Ludendorff mit Hindenburg, der dann erklärte, das mit dem Kaiser klären zu wollen. Am 7. Januar sandten sie dann gemeinsam eine Denkschrift an den Kaiser, die dieser an den Reichskanzler von Hertling weiter leitete. Mitte Januar kam es zu einer Besprechung mit von Hertling, bei der die Gegensätze erneut nicht überwunden wurden.

In Sankt Blasien im Elsass


Abb.: Erich Ludendorff in Heiligblasien im Elsass (heute: Saint-Blaise-la-Roche/Dép. Bas-Rhin
Im "Frühjahr 1918" weilte Erich Ludendorff auch in dem Vogesendorf Sankt Blasien oder Heilig Blasien im Elsass (Wiki). In diesem Dorf hatte es schon am 23. September 1915 eine Truppenbesichtigung durch den Kaiser gegeben (Dt. Dig. Bibl.). Das Foto entstand wohl anlässlich eines Besuches der Heeresgruppe Kronprinz Rupprecht. Ludendorff schreibt über die deutschen Angriffsvorbereitungen im Westen im Winter 1917/18 (1, S. 467f):
Ich war wieder oft an der Front und in regem Gedankenaustausch mit den Armee-Oberkommandos über die Taktik in der Angriffsschlacht und den Angriff selbst. Viele Für und Wider gegen dies und jenes wurden mir entgegengebracht. Die Gespräche über die "Feuerwalze" und das "Vorfeld" liegen mir noch in den Ohren. Schließlich musste ich eine Entscheidung treffen, wie es meine Pflicht war. Die (erarbeiteten) taktischen Grundsätze wurden als richtig angesehen und von der Truppe gern aufgenommen. Sie ließen überall genügend Spielraum zur Betätigung. Ich wohnte verschiedenen Übungen bei und sprach mit vielen Herren aus der Front. Es war klar, dass es den Truppen nicht leicht wurde, die erforderlichen lichten Formationen einzunehmen. Die Ausbildungszeit bis tief in den März hinein war dringend notwendig.
Er schreibt über zehntausende von Deserteuren in der Heimat und Drückebergern an der Front und über seine Bemühungen, sich deutscherseits im Westen so stark zu machen wir nur möglich (1, S. 470f):
Mehr Ersatz konnte aufgebracht werden, wenn der Kriegswille in der Heimat da war. Von diesem Kriegswillen hing Entscheidendes ab, aber er versagte. (...) Das Heer hatte die schweren seelischen Eindrücke der Kämpfe des vergangenen Jahres in dem Bewusstsein überwunden, dass es aus der Abwehr zum Angriff ginge. Der Geist erschien durchaus gefestigt, doch war im März 1918 nicht zu verkennen, dass die unterirdische Wühlarbeit hier und da Fortschritte machte. Mit dem Eintreffen des Jahrgangs 99 in den Rekrutendepots begannen die Klagen über diesen Ersatz und seine moralische Verfassung. (...) Für die geistige Kriegsfähigkeit der Heimat war nichts geschehen. (...) Die Heimat war nicht mehr fähig, die Nerven des Heeres zu stählen; sie zehrte bereits an dessen Mark; welchen Umfang die Wühlarbeit der Unabhängigen Sozialdemokratie angenommen hatte, konnten wir nicht erkennen. Die Streiks Ende Januar 1918 hatten nochmals ein grelles Schlaglicht auf ihre Bestrebungen geworfen; diese Partei gewann dauernd an Zulauf und war fest in der Hand ihrer Führer, während die Gewerkschaften an Einfluss verloren. 

4. Februar 1918 - Besprechung in Berlin mit Graf Czernin

Die Friedensverhandlungen mit Trotzki in Brest-Litowsk zogen sich in die Länge. Ludendorff schreibt (1, S. 444f):
Um mit Staatssekretär v. Kühlmann und Graf Czernin die Lage zu erörtern, hatte ich mich gleichfalls Anfang Februar nach Berlin begeben. Bei unserer Zusammenkunft am 4. und 5. erreichte ich von Staatssekretär v. Kühlmann, die Zusagen, den Bruch mit Trotzki 24 Stunden nach Unterzeichnung des Friedens mit der Ukraine zu vollziehen.
Graf Czernin und der k.u.k. Verpflegungsgeneral berichteten, dass sie deshalb zu so ungewöhnlichen Zugeständnissen gegenüber der Ukraine wären, weil die k.u.k.-Monarchie ohne Getreidelieferungen aus der Ukraine am Verhungern wäre. Ludendorff dazu (1, S. 445f):
Die Eindrücke, die ich hier gewann, waren ungemein ernst und haben wahrscheinlich auch auf die anderen Herren, die sich mit diesen Fragen befassen mussten, einen tiefen Eindruck gemacht. (...) Der österreichisch-ungarische Botschafter, Fürst Hohenlohe, den ich im übrigen warm verehre, machte mir in Erregung über den Verlauf der Sitzung den Vorwurf, ich bereite Österreich-Ungarn Schwierigkeiten. Ich konnte nur darauf hinweisen, dass heute nicht ich, sondern die anderen Herren sich gegen die austro-polnische Lösung geäußert hätten. (...) Der Staatssekretär v. Kühlmann und Graf Czernin begaben sich nach der Besprechung nach Brest zurück.
Hier ist die Rede von dem Botschafter Gottfried zu Hohenlohe-Schillingsfürst (1867-1932) (Wiki). In Brest zog Trotzki die Verhandlungen weiterhin in die Länge.

13. Februar 1918 - Besprechung in Homburg

Ludendorff (1, S. 446-448):
Die militärische Lage verlangte Klarheit. Sie sollte durch Besprechungen in Homburg gewonnen werden. Die Beratung in Homburg fand am 13. Februar statt. (...) Der Reichskanzler, der Vizekanzler, Staatssekretär v. Kühlmann, der Generalfeldmarschall, der Chef des Admiralstabes und ich nahmen daran teil. (...) Um die Bildung einer neuen Ostfront durch den Bolschewismus selbst zu verhindern, musste seinen uns gegenüber stehenden Truppen ein kurzer, starker Schlag versetzt werden, der uns auch Kriegsmaterial in Mengen bringen würde. (...) In der Ukraine war der Bolschewismus zu unterdrücken, es waren auch dort derartige Verhältnisse zu schaffen, dass wir militärischen Nutzen aus ihr gewinnen und Getreide und Rohstoffe beziehen konnten; dazu mussten wir hier tief ins Land einrücken. Es blieb uns gar nichts anderes übrig. (...) Auch in Finnland, das sich in seiner Bedrängnis vor den Bolschewisten hilfesuchend an uns gewandt hatte, konnten wir einen Bundesgenossen gegen die Bolschewisten erhalten. Ich stand schon längere Zeit in Verbindung mit einigen finnischen Herren. Ich nenne vor allem den ersten Gesandten des jungen finnischen Staats in Berlin, Herrn Hjelt, der ihm mit warmem Herzen diente. Aus jungen Finnen, die ihr Vaterland glühend liebten, war gleich zu Beginn des Krieges ein Jäger-Bataillon gebildet worden, das bei Mitau Verwendung fand. Ob wir auch in Finnland zu einer militärischen Operation kommen würden, erschien damals noch zweifelhaft. Wir unterstützten es unmittelbar mit Waffen. (...) Eine neue militärische Kraftentfaltung war mir unerwünscht. Es war aber ein militärisches Unding, zuzusehen, wie der Feind sich von neuem kräftigte; also musste gehandelt werden. (...) In diesem Sinne machte ich meine Ausführungen dem Reichskanzler und dem Vizekanzler gegenüber und wies in ernsten Worten auf die ungeheure Schwere unserer im Westen zu lösenden Aufgabe hin.
Die teilnehmenden Herren wollten sich zunächst nicht für die Aufkündigung des Waffenstillstandes gewinnen lassen. Schließlich konnte Ludendorff alle überzeugen außer von Kühlmann. Dieser blieb Gegner des geplanten Vorgehens, ohne um seinen Abschied zu bitten. Ludendorff missbilligte das (1, S. 449):
Sein Verhalten konnte in mir nicht das Vertrauen erwecken, das ich dem Leiter des Auswärtigen Amtes so gern entgegengebracht hätte. (...) Die Reformbedürftigkeit dieses Amtes stand bei mir ebenso fest wie bei der überwiegenden Mehrzahl des deutschen Volkes. (...) Am 18. Februar nachmittags und am 19. früh begannen somit auf der gesamten großrussischen Front die Feindseligkeiten von neuem. Unmittelbar darauf erklärte sich die bolschewistische Regierung funkentelegraphisch zum Friedenschluss bereit. (...) Die russische Abordnung traf in Brest am 28. Februar ein. Es wurde nicht weiter unterhandelt. (...) am 3. März, 5 1/2 Uhr nachmittags erfolgte die Unterzeichnung.
Ludendorff schreibt weiter (1, S. 471):
Bei dem Vortrage in Homburg am 13. Februar hatte ich mich wie folgt über die bevorstehenden Ereignisse im Westen dem Kaiser und dem Reichskanzler gegenüber geäußert: "Der Kampf im Westen ist die gewaltigste militärische Aufgabe, die je einem Heer gestellt wurde, und an der sich Frankreich und England zwei Jahre vergeblich versucht haben. (...) Ich glaube auch, dass ich (...) als erster durchdrungen bin von dieser gewaltigen militärischen Aufgabe. Sie wird nur dann glücklcih enden, wenn auch der letzte Mann zur Entscheidung herangefahren wird und vo dem Geiste beseelt ist, den die Liebe zu Kaiser und Reich und das Vertrauen in die kraft der militärischen Leitung und die Größe des Vaterlandes verleiht. Diese seelischen Momente sind nicht zu unterschätzen, sie bilden das Fundament zu der größten aller Taten. Sie müssen gehoben werden durch die Kraft des Handelns im Osten. (...) Es darf nicht geglaubt werden, dass wir eine Offensive haben werden wie in Galizien oder in Italien; es wird ein gewaltiges Ringen, das an einer Stelle beginnt, sich an der anderen fortsetzt und lange Zeit in Anspruch nehmen wird, das schwer ist, aber siegreich sein wird ..." (...) Ich meldete dem Kaiser, dass das Heer versammelt und wohl vorbereitet "an die größte Aufgabe seiner Geschichte" herantrete. 

Im März 1918 - In Spaa

Ludendorff schreibt über den deutschen Vormarsch in Russland und der Ukraine (1, S. 452f):
Der Vormarsch hatte die deutschen Truppen, größtenteils Landwehr, in überraschend kurzer Zeit bis Narwa, Pleskau, Polotzk und Orscha Mogilew gebracht. Der Russe hatte keinen Widerstand geleistet. Die Beute an Kriegsgerät war außerordentlich. Die Bevölkerung fühlte sich vom Bolschewismus befreit. (...) Gleichzeitig mit dem Einmarsch in das bolschewistische Großrussland hatte der deutsche Vormarsch in die Ukraine begonnen. Ich war mit dem General v. Arz in dauernder Verbindung, um mit ihm die nötigen Vereinbarungen für gemeinsames Handeln zu treffen. (...) Auch in der Ukraine ging der Vormarsch schnell vorwärts. Der unsrige richtete sich mit dem Schwerpunkt auf Kiew, das wir bereits am 1. März besetzten, der österreichisch-ungarische auf Odessa.  Die Operationen bewegten sich längs der Bahnen vor. (...) Die Bewegungen und Kämpfe dauerten bis in den Mai hinein.
Die deutschen Kriegsanstrengungen konnten sich, nachdem der Frieden von Brest-Litowsk geschlossen war (Wiki), nun fast vollständig gegen die Westmächte richten. Anfang März 1918 wurde das Große Hauptquartier von Bad Kreuznach nach Spaa in Belgien verlegt.

Abb.: Hindenburg, Kaiser Wilhelm II, Ludendorff in Spaa (1918)
(Herkunft: Wiki, bzw. Imperial War Museum, London)
Erich Ludendorff schreibt (1, S. 477):
Anfang März verließ das Große Hauptquartier Kreuznach, wo es über ein Jahr gewesen war. In Spaa war das neue Quartier inzwischen eingerichtet. Wir sind dort sehr gut untergekommen. Die Geschäftszimmer befanden sich im Hotel Britannique. (...) Für die Leitung der Schlacht, für die Operation, war es aber von der Front noch zu weit entfernt. Ich hatte deshalb als Quartier für die verstärkte Operationsabteilung Avesnes in Aussicht genommen.
Ab 18. März 1918 - In Avesnes

Abb.: Die Oberste Heeresleitung in Avesnes auf dem Weg zum Großen Hauptquartier (März 1918)
Gemeint ist Avesnes-sur-Helpe (Wiki). Ludendorff weiter:
Von hier waren im Kraftwagen alle Stellen der Front leicht zu erreichen. Ich beabsichtigte, selbst viel zu sehen und die Herren meines Stabes zu den Ereignissen zu entsenden, um durch sie ebenfalls unmittelbare Eindrücke zu bekommen. Am 18. März gingen (...) die verstärkte Operationsabteilung nach Avesnes. unsere Geschäftszimmer waren dort nicht gut, alles war sehr eng, aber es musste gehen. Wir hatten diesen Ort gewählt, weil dort das A.O.K. 18 gelegen hatte und die Fernsprecheinrichtungen nur geringer Ergänzungen bedurften. (...) Seine Majestät wollte erst einen Tag später kommen. Er wohnte in seinem Hofzuge, der auf einem benachbarten Bahnhof abgestellt wurde. 
Abb.: Erich Ludendorff "im Felde" (1918) 
(Ebay, 12/2015)
Eine durch das Internet bekannt gewordene Fotografie zeigt Erich Ludendorff im Auto - offenbar - auf einem kurzzeitigen Halt auf einer Landstraße in Frankreich (zum genaueren Betrachten bitte vergrößern!). Die Fotografie ist dem Pflanzenbewuchs nach zu urteilen jahreszeitlich wohl zu datieren auf den März oder April 1918, also während der ersten Phase der deutschen Frühjahrsoffensive. An dem stehenden Auto fährt gerade von hinten ein leeres Nachschub-Pferdefuhrwerk - am wahrscheinlichsten von der Front zurückkommend - vorbei. Das hieße, dass auch der Wagen des Generalstabes mit Erich Ludendorff sich in Gegenrichtung von der Front weiter bewegen wird. Der Grund des Haltes wird nicht recht deutlich. Aber womöglich hat man gerade eine militärische Stelle aufgesucht oder eine Besichtigung durchgeführt und befindet man sich kurz vor der Abfahrt von diesem Anlass. Der letzte Zusteigende scheint sich gerade einen Mantel aus- oder anzuziehen, um auch noch zuzusteigen. Auf der anderen Straßenseite stehen grüßend - und wohl verabschiedend - ein Offizier zu Fuß und ein weiterer zu Pferd. Das Foto erscheint deshalb so interessant, weil auf ihm viel "Handlung" und "Geschehen" zu sehen ist, sprich mehr "Bewegung" als auf vielen ähnlichen Fotografien wie sie im folgenden zusammen gestellt sind.

Im Internet und jüngst auch in einer Fernsehdokumentation stößt man immer einmal wieder auf vergleichsweise seltene oder selten anmutende Photographien oder Filmsequenzen von Erich Ludendorff. So unter anderem auch auf Wiki Commons, aber ebenso auch unter diversen Postkarten-Angeboten. Diese geben Anlass, einmal eine Zusammenschau vergleichsweise seltener fotografischer Zeugnisse zu Erich Ludendorff aus dem Kriegsjahr 1918 zusammenzustellen. Erich Ludendorff schrieb 1919 in seinen "Kriegserinnerungen" über seinen Führungsstil (S. 16f):
Auf mündliche Aussprache und das Sammeln unmittelbarer Eindrücke legte ich den größten Wert. ich fuhr gern an die Front und benutzte als Erster Generalquartiermeister stets einen Sonderzug mit besonderen Arbeits- und Telegraphenwagen. Der Dienst hörte während der Fahrt nicht auf. Auf bestimmten Stationen wurden die Tagesmeldungen wie im Hauptquartier entgegengenommen und im Bedarfsfalle mit aller Welt in Verkehr getreten. (...) Bei meiner Anwesenheit an der Front trugen mir die Chefs die Lage vor. Die Oberbefehlshaber waren hierbei zugegen. Die Chefs sprachen sich genau so unumwunden aus wie die Herren des Hauptquartiers. Sie wussten, dass ich ihre eigene Ansicht hören und Klarheit haben wollte, aber kein potemkinsches Dorf. (...)
Mein Verkehr mit den Armeen blieb nicht auf die wöchentlichen Reisen beschränkt. Ich sprach jeden Morgen mittels Fernsprechers mit den Armeechefs und hörte ihre Sorgen und ihre Zuversicht. 
Erich Ludendorff auf vielen der eher seltenen Fotografien des Jahres 1918 auch in Zusammenhang mit dem damals jungen und modernen Flugwesen zu sehen.

Ende März 1918 - Im stark zerstörten St. Quentin

Ab dem 21. März 1918 wurde die berühmte Frühjahrsoffensive Erich Ludendorffs begonnen. Die deutsche “Märzoffensive” wurde beiderseits der nordfranzösischen Stadt St. Quentin Richtung Westen vorgetragen. St. Quentin lag dicht hinter den deutschen Ausgangslinien und wurde in den Kämpfen erheblich zerstört.

Abb.: Ende März 1918 Unbewaffnete deutsche Nachschubsoldaten stehen verteilt auf dem zerstörten Marktplatz von St. Quentin
Wohl nach der Entfernung der deutschen Front Richtung Westen besuchte Erich Ludendorff Ende März diese Stadt. Und gewann, wie man an diesen Fotografien sieht, doch sehr unmittelbare Eindrücke von den Zerstörungen, die der Krieg anrichtete.

Abb.: Ein einachsiger Wagen wird von deutschen Soldaten auf den Marktplatz von St. Quentin geschoben - Im Hintergrund die gut erhaltene Prunkfassade des Rathauses 
Wie auch sonst häufig während des Ersten Weltkrieges machten (Nachschub-)Soldaten Fotos vor Ort, die sie nachmals in Fotoalben als Kriegserinnerungen sammelten. Die Fotos eines solchen Alben wurden im November 2015 auf Ebay zum Verkauf angeboten (Bildarchiv).

Abb.: Erich Ludendorff vor dem Rathaus von St. Quentin, Ende März 1918
Erich Ludendorff steht vor dem Eingangsportal des Rathauses. Sein geöffneter Wagen steht abfahrbereit. Die unbewaffneten Soldaten umstehen die Szene. Sie wollen sicher einen Blick auf die "Berühmtheiten" Ludendorff erhaschen.

Abb.: Ludendorff vor der Stadtkommandantur in St. Quentin, März 1918
Ludendorffs Wagen steht abfahrbereit, die Tür zum Einstieg geöffnet.

Abb.: Ludendorff wartet am geöffneten Wagen
Ludendorff steht daneben und wartet vermutlich noch auf das Kommen Hindenburgs. Diese Augenblicke nutzten die Fotografen, von denen sich einer im Vordergrund des Bildes befindet.

Am 24. März 1918 erhielt Erich Ludendorff von Kaiser Wilhelm II. den Orden "Großkreuz zum Eisernen Kreuz" verliehen.

In diese Zeit fiel der 53. Geburtstag Erich Ludendorffs am 9. April 1918.

9. April 1918 - 53. Geburtstag

Abb.: Mit Ehefrau - Ludendorffs 53. Geburtstag am 9. April 1918 (aus: Illustrirte Zeitung I J Weber Leipzig)
Von diesem hat sich zumindest eine Fotografie erhalten.

Abb.: Hindenburg und Ludendorff in Avesnes, vermutlich vor dem Kasino (datiert: April 1918)
 Vielleicht entstanden auch die beiden folgenden Fotografien aus diesem Anlass.
Abb.: Hindenburg und Ludendorff, vermutlich vor dem Kasino (datiert: Mai 1918)
Die erste Phase der “großen Schlacht von Frankreich” im Jahr 1918 endete zwei Tage später am 11. April 1918. Die Deutschen hatten bei diesem ersten Schlag Geländegewinne beiderseits der Stadt St. Quentin gewonnen, wie dies keinem der Kriegsgegner im Westen seit 1914 mehr gelungen war. Dennoch reichten die Erfolge nicht dazu aus, wie geplant, einen Keil zwischen die südliche französische und die nördliche englische Armee zu treiben und die englische Armee aufs Meer und die französische Armee auf Paris zu werfen.

Erich Ludendorff versuchte, den Sieg im Westen noch in drei weiteren Angriffsschlachten an der französischen Westfront bis Juli 1918 zu erreichen.
 
25. Mai 1918 - Truppenvorführung


Abb.: Erich Ludendorff, Hindenburg, 25. Mai 1918
Es hat sich weiterhin eine Fotografie erhalten von einer Besichtigung, rückseitig mit Bleistift datiert auf den 25. Mai 1918 (s. Abb.). Zu sehen sind Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg wie sie den Ausführungen eines Offiziers lauschen, der mit dem ausgestreckten Arm hinter sich zeigt. Vielleicht wird eine Übung der damals neu geschaffenen Sturmabteilungen vorgeführt.

14. Juni 1918 - Truppenbesuch

Die genannte Frühjahrsoffensive erfolgte in mehreren deutschen Teiloffensiven bis zum 18. Juli 1918. Am 14. Juni 1918, einen Tag nach dem Abbruch der vorletzten dieser deutschen Teiloffensiven, machte Erich Ludendorff einen Truppenbesuch beim Artillerieregiment 124.

Abb.: "Besichtigung durch Exzellenz Ludendorff am 14. Juni 1918" bei Oberst Gilsa, Artilleriekommandeur 124
Von diesem Truppenbesuch hat sich eine Fotografie erhalten (s. Abb.), die rückseitig beschrieben ist mit den Worten:
Besichtigung durch Exzellenz Ludendorff am 14. Juni 1918. x Ludendorff, xx Oberst Gilsa, Artilleriekommandeur 124.
Von diesem Oberst Kurt von Gilsa, "Artillerie-Kommandeur 124", ist auch eine Postkarte erhalten, die er am 25. März 1918, drei Tage nach Beginn des ersten Offensivschlages der Frühjahrsoffensive, offenbar von einem ruhigeren Abschnitt an der Westfront an seine Frau in Berlin-Lankwitz geschrieben hatte (s. Abb.):
Zu viel zu tun ist noch nicht, dafür kann ich die Zeit benutzen, mich über vieles dienstlich mal wieder genauer zu belehren, was sehr nötig ist. (...) Die Erfolge an der Front, wo ich fast jeden Ort kenne, verfolge ich mit freudiger Anteilnahme, aber auch mit Wehmut.
Wehmut meint er wohl deshalb, weil er - einstweilen - nicht dabei sein kann.

Abb.: Oberst von Gilsa an Frau, 28.3.1918

15. Juni 1918 - 30-jähriges Regierungsjubiläum des Kaisers


Abb.: Ludendorff und der Kaiser - 30-jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers am 15.6.1918
ganz rechts Kronprinz Wilhelm (aus: L - Sein Wesen und Schaffen, S. 48)
 Am 15. Juni 1918.


Abb.: Ludendorff und der Kaiser - 30-jährigen Regierungsjubiläum des Kaisers am 15.6.1918
ganz rechts Kronprinz Wilhelm
Ludendorff im Gespräch mit Kaiser Wilhelm II.. 

Juni 1918 - In Brüssel

Abb.: Auf dem historischen Marktplatz in Brüssel (mit dem Rücken zum Betrachter Ludendorff)
Im Juni kamen Angehörige der Obersten Heeresleitung nach Brüssel. Auf dem historischen Markplatz ("Großer Markt") entstanden mehrere Fotografien. Brüssel war Sitz des deutschen Generalgouverneurs (Wiki). Ein zweiter deutscher Generalgouverneur residierte in Warschau.


Abb.: Auf dem Marktplatz in Brüssel (Ludendorff zweiter von links)
Vermutlich lauschen Hindenburg, Ludendorff und die übrigen Angehörigen der OHL den Worten des deutschen Stadtkommandanten.

Abb.: Auf dem Großen Markt in Brüssel
Offenbar entstanden im September 1918 ein zweites mal Fotografien von Hindenburg und Ludendorff in Brüssel, diesmal auf dem Brüsseler Bahnhof (siehe unten).

Abb.: Auf dem Markplatz in Brüssel (Ludendorff verdeckt)
Beim Kampfgeschwader I (undatiert)

Es haben sich auch sieben (undatierte) Fotografien erhalten von Besichtigungen Erich Ludendorffs bei Fliegereinheiten, unter anderem beim "Kampfgeschwader I" und bei der "Richthofenstaffel" an der Westfront - wohl - des Jahres 1918 (Ebay-Angebot 2009). Ob alle sieben Fotos zeitlich und örtlich zusammengehören, kann weder sicher behauptet, noch ausgeschlossen werden.

Abb.: Erich Ludendorff besucht Frontflieger, 1918
Auch diese Fotografien vermitteln einen Eindruck von dem Ablauf solcher "Besichtigungen". Erich Ludendorff begrüßt offenbar ausgezeichnete, jedenfalls mit Orden geschmückte Soldaten (Abb.).

Abb.: Ludendorff beim Kampfgeschwader I
Handschriftlich steht auf der Rückseite des Fotos der Abb.: "Exzellenz Ludendorff beim KG I. Im Vordergrund aufgerichtet ein 1000 Kilo Bombe, ganz links am Rande eine 200(?)-Kilo-Bombe."
Abb.: Ludendorff besichtigt einen Doppeldecker

Im Kapitel über die Vorbereitungen für den Angriff im Westen 1918 schreibt Erich Ludendorff in seinen Kriegserinnerungen (1, S. 463):
Zur Unterstützung des Infanterieangriffs durch Flieger wurden besondere Schlachtenflieger-Abteilungen aufgestellt. Diese griffen, wie es bisher einzelne Flieger getan hatten, hoch aus der Luft herabstoßend und dicht über dem Boden hinwegfliegend, mit Maschinengewehren und leichten Bomben die feindlichen Infanterielinien, die Artillerie und, wie es sich immer mehr herausbildete, auch die feindlichen Reserven, Kolonnen und Trains sowie von weither anrückende Marschkolonnen an. Ursprünglich zur Begleitwaffe der Infanterie bestimmt, wurden diesen Schlachtstaffeln zum Schluß auch große taktische Aufgaben gestellt. Damit gewann die Fliegerwaffe ein neues Betätigungsgebiet von allergrößter Bedeutung. Die Flieger waren nicht nur Erkundsorgane, die in Ausübung dieser Tätigkeit zu kämpfen hatten, sie waren nicht nur Bombenträger zu Zerstörungen wie im Rücken des Feindes, sie hatten auch, ebenso wie Infanterie und Artillerie und alle übrigen Waffen, in den Kampf auf der Erde einzugreifen. Sie waren wie andere Kampfwaffen eine Vernichtswaffen in der großen Erdschlacht. Dies wurde ihr Zweck, der Luftkampf blieb nur Mittel hierzu.
Abb.: (Vermutlich) Besichtigung von Bombenflugzeugen, 1918 (Ausschnitt der nächsten Abb.)
Abb.: (Vermutlich) Besichtigung von Bombenflugzeugen, 1918
Bei der Richthofen-Staffel (undatiert)

Abb.: Ludendorff (Mitte) bei der Richthofenstaffel, 1918 (Postkarte, Ausschnitt)
Auch Fotografien von einer Besichtigung der Richthofen-Staffel durch Erich Ludendorff haben sich erhalten. Das Datum des Besuchs und der Ort sind nicht angegeben. Auf der Rückseite steht nur handschriftlich:
"General Ludendorf [sic!] bei der Richthofenstaffel".
Manfred von Richthofen (1892-1918) war der Führer der Richthofenstaffel bis zu seinem Tod am 21. April 1918. Seine Nachfolger waren Wilhelm Reinhard (bis Juli 1918) und Hermann Göring. In Aufzeichnungen zu seinen Lebenserinnerungen berichtet Richthofen, wie er ins Große Hauptquartier zu Hindenburg und Ludendorff eingeladen worden war und dort zu Mittag gegessen hat. Dabei hat er, so heißt es in diesen Lebenserinnerungen, zu Erich Ludendorff nicht so schnellen und direkten menschlichen Zugang gefunden wie zu dem leutseligeren Hindenburg.

Abb.: Ludendorff bei der Richthofenstaffel, 1918 (Postkarte)
Dasselbe Foto ist im Bildarchiv der Süddeutschen Zeitung auf das Jahr 1917 datiert und versehen mit dem Erläuterungstext:
Manfred von Richthofen und General Erich Ludendorff besichtigen 1917 das 'Jagdgeschwader Richthofen' an der Westfront.

Juli 1918 - Ludendorff empfängt eine finnische Delegation

Finnland hatte bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges zu Russland gehört und war - wie die baltischen Länder - einer starken Russifizierungspolitik unterworfen worden. Nachdem die Russen in den Schlachten von Tannenberg und an den Masurischen Seen im Herbst 1914 von den Deutschen geschlagen worden waren, setzte Finnland seine Hoffnung auf Unabhängigkeit von Russland auf die deutschen militärischen Erfolge. Unter anderem der finnische Chemiker und Direktor der Universität Helsinki Edvard Hjelt (1855-1921) (Wiki) setzte sich 1915 dafür ein, dass junge finnische Männer, die zur russischen Armee eingezogen werden sollten, heimlich das Land über Schweden verließen, um an der Seite Deutschlands für die Freiheit Finnlands zu kämpfen. Hierzu wurde auf deutscher Seite ein finnisches Jägerbataillon aufgestellt.

Der deutsche Schriftsteller Karl Springenschmid hat diesem geschichtlichen Geschehen in seinem Roman “Aktion Eisvogel” ein Denkmal gesetzt. Dieses Jägerbataillon wurde der Kern der finnischen Armee im Kampf um die Unabhängigkeit im Jahre 1918. Hjelt wurde finnischer Gesandter in Berlin und hatte engen Kontakt zu General Ludendorff - wie oben schon erwähnt. Auch die Landung von sechs deutschen Bataillonen in Finnland im März 1918 ging auf seine Initiative zurück. Ludendorff schreibt über den März 1918 (1, S. 503-506):
Finnland hatte sich erhoben. Es brauchte dringend unmittelbare Hilfe. Waffenlieferung allein genügte nicht. Die Sowjetregierung machte keine Anstalten, ihre Truppen aus Finnland zurückzuziehen. Ihre Unterstützung durch England rückte näher. Um die Bildung einer neuen Ostfront zu verhindern und sich militärisch zu stärken, entsprach Deutschland der Bitte Finnlands nach Truppenhilfe. Auch General v. Mannerheim trat für eine Entsendung deutscher Truppen ein. Er wollte sie nicht zu früh und zu stark haben, damit seinen Finnen auch noch zu kämpfen hätten und Selbstvertrauen gewännen. Das waren richtige militärische Gedanken. (...) Die Verbindung mit General v. Mannerheim unterhielt Major Crantz, den ich in das finnische Hauptquartier entsandt hatte. Er vereinbarte hier die Verwendung deutscher Truppen. Das Zusammenarbeiten mit General v. Mannerheim ist stets gut und vertrauensvoll gewesen. Aus 3 Jäger-Bataillonen und 3 Kavallerieschützen-Regimentern sowie einigen Batterien war unter General Graf v. der Goltz die Ostsee-Division in Danzig formiert worden. Sie landete Anfang April bei Hangö, während General v. Mannerheim mit der finnischen weißen Garde (...) nordwestlich Tammerfors mit dem Rücken gegen Wasa stand. Ihm war das finnische Jäger-Bataillon zugeführt worden. Der ausgesuchte Menschenbestand des Bataillons gab einen vortrefflichen Stamm für das junge finnische Offizierskorps. (...) Die vielen Beweise warmer Sympathie, die ich aus Finnland auch nach meinem Abgang erhielt, zeigen, dass Dankbarkeit doch noch in der Welt besteht. Diese Gesinnung hat mich um so mehr bewegt, als nicht finnische, sondern allein deutsche Interessen unsere Truppen nach Finnland geführt haben.
Im März 1918 landeten sechs deutsche Bataillone in Finnland und ermöglichten es dem in Deutschland gebildeten finnische Freiwilligenbataillon, die Heimat von der russischen Besatzung zu befreien.

Abb.: Ludendorff und Hindenburg empfangen die finnische Delegation unter Staatsrat Hjelt im Juli 1918 (Wiki)
Eine finnische Delegation, geführt von Staatsrat Edvard Hjelt (dritter von rechts), besuchte im Juli 1918 Deutschland und Österreich. Sie sollte für die Anerkennung der finnischen Unabhängigkeit werben. Ganz rechts steht der finnische General Hannes Ignatius, ein enger Mitarbeiter des Generals Mannerheim. Auf Wikipedia heißt es über Hjeldt:
Die Aufstellung eines Jägerbataillons 1915 aus finnischen Freiwilligen, die in Deutschland ausgebildet wurden, geht auch auf seine Initiative zurück. Die guten Deutschkenntnisse und seine engen Beziehungen nach Deutschland halfen ihm diese Unterstützung von den höchsten Stellen im deutschen Kaiserreich zu erhalten. Dieses Jägerbataillon wurde der Kern der finnischen Armee im Kampf um die Unabhängigkeit im Jahre 1918. Hjelt wurde finnischer Gesandter in Berlin und hatte engen Kontakt zu General Erich Ludendorff und Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Auch die Landung von sechs deutschen Bataillonen in Finnland im März 1918 geht auf seine Initiative zurück.

17./18. Juli 1918 - Bei der 1. Armee in Rethel

Am 15. Juli 1918 erfolgte der fünfte deutsche Angriff des Jahres 1918 an der Westfront, um zu einem für Deutschland siegreichen Kriegsende zu kommen. Und zwar beiderseits der Stadt Reims. Hier griffen Richtung Süden über die Marne die siebte, die erste und die dritte deutsche Armee an. Sie unterstanden der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz. Da der Feind von den Angriffsabsichten erfahren hatte und sich planmäßig auf eine zweite Linie zurückgezogen hatte, lief sich der deutsche Angriff an der zweiten Linie fest und wurde deshalb schon am 16. Juli von Ludendorff eingestellt. Ludendorff schreibt weiter (1, S. 536f):
Nur nördlich der Marne, die Ardre aufwärts, glaubte die Oberste Heeresleitung den Angriff noch weiterführen zu können, um Reims schärfer zu umfassen und vielleicht doch noch zu nehmen. (...) Am 17. nachmittags hatte ich Besprechung bei der 1. Armee in Rethel  über die Fortsetzung des Angriffs auf Reims. Ich betonte die Notwendigkeit, schnell zu handeln, damit wir auch auf diesem Schlachtfelde in der Vorhand blieben. Aus dem Vortrage des Chefs hörte ich, dass die Vorbereitungen für die Fortsetzung auch dieses rein örtlichen Angriffs recht viel Tage in Anspruch nehmen würden. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu bescheiden.
Ludendorff hoffte, noch einmal in Flandern angreifen zu können (1, S. 536f):
Ich selbst fuhr in der Nacht vom 17. zum 18. in das Hauptquartier der Heeresgruppe Rupprecht, um mich nochmals über den Stand der Vorarbeiten zu unterrichten. (...) Während der Besprechung bei der Heeresgruppe Rupprecht am 18. vormittags erhielt ich die ersten Meldungen, dass der Franzose in überraschendem Tankangriff südwestlich Soissons eingebrochen sei. (...) Ich führte die Besprechung bei der Heeresgruppe Rupprecht - selbstverständlich unter größter Nervenanspannung - zu Ende und fuhr nach Avesnes zurück. Den Kronprinzen Rupprecht habe ich an jenem Tage das letzte Mal gesehen. Unser Verkehr war auch diesmal, wie stets, harmonisch. In Avesnes traf ich 2 Uhr nachmittags ein. Der Generalfeldmarschall holte mich vom Bahnhof ab. Wir begaben uns sofort in das Geschäftszimmer. Die Lage auf dem linken Flügel der 9. und dem rechten der 7. Armee war ernst geworden. 

September 1918 - Ludendorff empfängt eine ukrainische Delegation

Erich Ludendorff schreibt über den deutschen Vormarsch in der Ukraine (1, S. 500):
In der Ukraine hatten die deutschen Truppen nach der Einnahme von Kiew am 1. März ihre Vorwärtsbewegung verlangsamt. Odessa war am 12. März nach leichtem Kampf gefallen. (...) Die Ukraine hatte uns gerufen. Wir (...) brauchten ukrainisches Getreide; das Land durfte daher nicht dem Bolschewismus verfallen und ihm neue Kraft zuführen. Wir mussten es so stärken, dass es uns nutzen konnte.
Und (1, S. 502):
Wie zu erwarten war, hatte sich die junge ukrainische Regierung unfähig erwiesen, dem Lande Ruhe zu geben und uns Getreide zu liefern. Diese Regierung verschwand von der Bildfläche. Der Hetman Skoropadski übernahm die Leitung. (...) Mit dem Hetman Skoropadski war in Kiew ein Mann zur Regierung gekommen, mit dem sich gut arbeiten ließ. Er war entschlossen, die Ordnung im Lande zu sichern und uns weit entgegen zu kommen. Ich lernte ihn später kennen und gewann einen sehr günstigen Eindruck von ihm. Er verweilte nicht an der Oberfläche der Dinge, er durchdrang sie. Die Oberste Heeresleitung konnte mit dem Wechsel in der Regierung nur zufrieden sein, weil er für die Kriegführung nützlich war. 
Abb.: "Der Hetmann der Ukraine General Skoropadski zu Besuch bei Generalfeldmarschall von Hindenburg und General Ludendorff" in Spa (in Belgien) im September 1918 (Herkunft: Bidlarchiv des Bundesarchivs, bzw: Wikipedia)
Pawlo Skoropadskyj (1873-1945) war ein zaristischer General, Großgrundbesitzer und ukrainischer Politiker. Während des Ersten Weltkrieges war er der von den Deutschen gestützte Hetman des Ukrainischen Staates und damit Staatsoberhaupt seines Landes. Auf Wikipedia heißt es über ihn:
Nach dem Frieden von Brest-Litowsk vom 9. Februar 1918 rief die (ukrainische) Rada die Mittelmächte um Hilfe gegen die aus Russland und dem Nordosten der Ukraine vorrückenden Roten Truppen. Daraufhin marschierten deutsche Truppen am 18. Februar, österreichisch-ungarische Truppen am 28. Februar in die Ukraine ein. Da die Mittelmächte mit der Politik der Zentralna Rada unzufrieden waren, verhalfen sie Skoropadskyj am 29. April 1918 in einem Umsturz als Hetman zur Macht. Er und seine nationalistischen Anhänger standen im Gegensatz zur Ukrainischen Volksrepublik, dem von der Kiewer Zentralna Rada am 25. Januar 1918 für unabhängig erklärten Staat.
1919 emigrierte Skoropadskyj nach Deutschland. 1945 wurde er bei einem alliierten Bombenangriff auf Weimar schwer verletzt. Er starb in Oberstorf.

September 1918 - Ludendorff trifft einen Angehörigen der deutschen Schutztruppe von Ostafrika

Abb.: Hindenburg und Ludendorff "treffen im September 1918 auf dem Bahnhof in Brüssel ein
Begrüßung nach Ausstieg aus dem Zug" (Herkunft: Bildarchiv des Bundesarchivs)
Auf einer weiteren Fotografie werden Hindenburg und Ludendorff auf dem Bahnsteig in Brüssel von einem deutschen Soldaten in der Uniform der deutschen "Schutztruppen", also Kolonialtruppen in Afrika begrüßt.

Abb.: Erich Ludendorff


Abb.: Erich Ludendorff (Weitze.net)
Diese stammen wohl aus den Kriegsjahren 1917 oder 1918.

Abb.: General Erich Ludendorff, 1918 (Wiki)

Zuerst veröffentlicht, 18.12.2015.
Nachdem von Erich Ludendorff eine recht spannende Fotografie bekannt geworden ist (Abb. 1), die sich bislang vielleicht nur in Privatbesitz befunden hat, wurde dieser Anlass gewählt, um aus einem früheren Blogbeitrag wenig bekannte Fotografien von Erich Ludendorff (Stud. Nat. 01/2012) aus dem Jahr 1918 thematisch auszugliedern und mit vielen neuen Fotografien zu diesem Blogbeitrag zusammen zu stellen.
Abb.: Gilsa - Rückseite von Abb.


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  1. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  2. the_collector.1962 (Verkäufer): Ludendorff in Heiligblasien Frühjahr 1918. Ebay, 7.10.2012 

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