Samstag, 1. September 2012

Mathilde Ludendorff in späten Photographien

Photografien von Mathilde Ludendorff aus der Zeit nach 1937 haben längst nicht so weite Verbreitung gefunden, wie Photographien aus der Zeit davor. Der Anhängerkreis war nach 1937 wesentlich kleiner. Deshalb hat es so viele Photographien von Mathilde Ludendorff, zusammengestellt an einem einzigen Ort wie in dem vorliegenden Beitrag, wohl in Publikationen bisher noch nie gegeben.


Abb. 1: Mathilde und Erich Ludendorff, 1930er Jahre

Photographien sind noch zu ihren Lebzeiten oft als Postkarten im Anhängerkreis verteilt oder verkauft worden. Und die meisten Photografien dieses Beitrages stammen aus Nachlässen solcher Anhänger.


Abb. 1a: Mathilde Ludendorff, 1939
(aus: Tannenberg-Jahrweiser 1940)

Der folgende Beitrag soll nach und nach - wie alle Beiträge hier auf dem Blog - vervollständigt und ergänzt werden. Auch nach und nach durch Hinweise auf diverse Dokumente und Details zur Biographie Mathilde Ludendorffs in jenen Jahren.


Abb. 2: Mathilde Ludendorff vor der Spruchkammer, 1949/50 (wohl spiegelverkehrt)

Das Foto von Mathilde Ludendorff aus Abbildung 2 ist in der Presse der 1950er und 1960er Jahre, wenn über sie berichtet wurde, häufig benutzt worden. So als handele es sich um die typische Geste von Deutschen, die in Spruchkammerverfahren und anderwärts behaupteten, ausgerechnet sie selbst hätten "von allem" "nichts gewußt" und wären persönlich unschuldig an den Verbrechen des Nationalsozialismus.


Abb. 3: Mathilde Ludendorff vor der Spruchkammer um 1949/50

Weitere Fotografien von diesem Anlass finden sich im Fotoarchiv der Süddeutschen Zeitung (a, b, c, d, e).


1951/52

Abb. 4: Mathilde Ludendorff auf der Westlichen Karwendelspitze bei Mittenwald/Obb., 1951

Pressefotografien zeigen zumeist nur eine Seite einer Persönlichkeit. Um so wichtiger ist es immer, auch einmal einfach nur "ganz normale" Fotografien einer Persönlichkeit zusammenzustellen. Fotografien, wie sie im Alltag entstanden und und wie sie auch zunächst einmal ganz ohne weitere Absichten gemacht worden sind.



Abb. 5: Mathilde Ludendorff mit ihrer Schwestern Frieda Stahl auf ihrer Berghütte in Klais 1952 (Aufnahme: Annemarie Kruse [gest. März 2016])


Die langjährige Haushälterin Mathilde Ludendorffs, Annemarie Kruse - gestorben 2016


Die meisten erhaltenen Altersaufnahmen von Mathilde Ludendorff stammen von ihrer langjährigen Haushälterin Annemarie Kruse, die testamentarisch lebenslanges Wohnrecht in dem Wohnhaus Mathilde Ludendorffs hatte, und die am 26. Februar 2016 gestorben. Am 12. März 2016 ist sie in Tutzing beerdigt worden. Sie war am Ende ihres Lebens hoch betagt und hat, soweit wir das mitbekommen haben, in den letzten Jahren nicht mehr im Haus selbst gewohnt, sondern in einem Altersheim. Von Annemarie Kruse ist uns hier auf dem Blog zunächst leider keine Fotografie verfügbar. 



Abb. 6: Mathilde Ludendorff (aus: "Der Weg", Buenos Aires, Jg. 1952, S. 844)

Der Inhaber dieses Blogs hat Annemarie Kruse einmal im Frühjahr 2001 persönlich kennen lernen können. Er erinnert sich an eine außerordentlich warmherzige Frau, die es - im Grunde: begreiflicherweise - sehr genau nahm mit der Pflege des Andenkens an Erich und Mathilde Ludendorff in deren Alterswohnsitz in Tutzing. Sie hatte zum Beispiel noch die Ehrfurcht Mathilde Ludendorffs gegenüber dem Arbeitszimmer ihres Ehemannes miterlebt und konnte durch ihr Verhalten einen Eindruck davon vermitteln. Frau Kruse konnte noch gerne und lebhaft auch vieles aus den Altersjahren von Mathilde Ludendorff erzählen. Sie litt an Depressionen. Sie hat nach 1966 wohl viele Jahre über auch viel Einsamkeit erlebt.


Abb. 7: Feier zum 75. Geburtstag von Mathilde Ludendorff

Da sie es so selten erlebt hatte - offenbar, zuvor - daß sich jemand aus einer jüngeren Generation überhaupt für das Leben, den Wohnort und den Nachlaß von Mathilde Ludendorff interessierte (so wie der Blogautor 2001 bei seinem mehrtägigen Besuch), überreichte sie ihm am Ende desselben mit einer gewissen Feierlichkeit und Bedeutsamkeit eine bronzene Ludendorff-Gedenkmedaille. Vielleicht hat Annemarie Kruse - unbewußt, halb bewußt oder sogar bewußt - auch darunter gelitten, daß sie unter den wenigen Mitgliedern des Gedenkstätten-Vereins nicht jenen Widerhall gefunden hat für ihre persönlichsten Anliegen im Zusammenhang mit der von ihr so treu und mit Liebe und Andacht gehüteten Gedenkstätte. Sie war eine einfache Frau. Sie konnte sich vermutlich nicht so recht erklären, warum die Gedenkstätte in Tutzing einen solchen Dornröschenschlaf schlafen mußte wie sie ihn - zusammen mit ihr selbst darin - viele Jahrzehnte geschlafen hat und schläft - auf offenbaren Wunsch oder unter Tolerierung der großen Mehrheit der Vereinsmitglieder hin. Nur so jedenfalls kann sich der Blogautor die Überschwenglichkeit und Herzlichkeit erklären, mit der sie seine Anliegen damals in Tutzing aufgenommen und begrüßt hat. 

In einem außerordentlich krassen Kontrast dazu stand das Verhalten der großen Mehrheit der Vereinsmitgliedern dem Autor dieser Zeilen gegenüber im Nachgang zu seinem Besuch. Es wurden ihm da alle möglichen Ungeheuerlichkeiten unterstellt und sie wurden geglaubt. Bei ihnen stieß er niemals auf eine solche Offenheit, Herzlichkeit, ja, Überschwenglichkeit. Sicherlich ein denk- und merkwürdiger Kontrast, der vielleicht auch ein Licht wirft auf die Lebensumstände, unter denen Annemarie Kruse ihre letzten Lebensjahrzehnte insgesamt verbringen mußte. 

Gegendarstellungen zu dem hier geschilderten persönlichen Eindruck wären übrigens sehr erwünscht! Seiner langjährigen Haushälterin hat der Gedenkstättenverein auf seiner kruden Internetseite jedenfalls kein Andenken und keine Erinnerung gegönnt bislang (siehe Ludendorff.net). Es ist für mich keinerlei Grund erkennbar, warum man über das Leben und Versterben der ehemaligen Haushälterin Mathilde Ludendorffs gegenüber der Öffentlichkeit schweigt oder schweigen müßte. Das Verhalten dieses Vereins ist schwer verstehbar, bzw. mit Worten kaum noch zu kennzeichnen. - - -



Abb. 8: Feier zum 75. Geburtstag von Mathilde Ludendorff


Zurück zum Thema dieses Blogbeitrages. Der 70. Geburtstag Mathilde Ludendorffs ist in das Jahr 1947 gefallen. Ob er in größerem Rahmen gefeiert worden ist, das zu beantworten, fehlen uns zur Zeit noch Lebenszeugnisse. Der 65. Geburtstag Mathilde Ludendorffs fiel in das Jahr 1942. Soweit bekannt, ist er nicht in größerem Rahmen gefeiert worden. 

Sehr wohl aber ist der 60. Geburtstag Mathilde Ludendorffs in größerem Rahmen gefeiert worden. Darüber gibt es hier auf dem Blog einen eigenen Beitrag. Die Worte, die Mathilde Ludendorff an ihrem 60. Geburtstag, zwei Monate vor dem Tod Erich Ludendorffs sprach, sind auch zu ihrer Totenfeier 1966 verlesen worden.

Als gesprochenes Wort gab es im Jahr 1952 stattdessen eine Lesung von Mathilde Ludendorff aus ihrer Dichtung "Das Gottlied des Lebens erklingt auch Dir".


1953

Abb. 9: Mathilde Ludendorff, Frieda Stahl am Grubsee in Klais, 1953


Auf diesem Foto aus einem Privatnachlaß (Abb. 9) steht auf der Rückseite handschriftlich: "Aufn. A. Kruse - Fr. St. trägt im Rucksack die Nachzlg." (?).

Abb. 10: Mathilde Ludendorff, Juni 1953 (Aufnahme von A. Kruse)

Abb. 11: Mathilde Ludendorff, undatiert, womöglich anläßlich einer Lesung oder Vortragsveranstaltung


Abb. 12: Mathilde Ludendorff mit ihrem Schwiegersohn F. v. Bebenburg (links) und ihrer Schwester Frieda Stahl (rechts) anlässlich einer Lesung in Verbindung mit Klavierkonzert (ohne Ortsangabe und Datum)

Angaben zu Zeit und Ort, sowie zu den genaueren Umständen und Anlässen vieler dieser Photographien sind künftig noch nach und nach zu ergänzen und nachzutragen.



Abb. 12a: Mathilde Ludendorff und ihrer Schwester Frieda Stahl anlässlich einer Lesung in Verbindung mit Klavierkonzert (Feierstunde) (ohne Ort, ohne Datum)

 

Abb. 13: Mathilde Ludendorff begrüßt in Klais eine besuchende Jugendgruppe, undatiert


Abb. 14: Mathilde Ludendorff begrüßt (wahrscheinlich) in Klais eine besuchende Jugendgruppe, undatiert
1957
Abb. 15: "M. Ludendorff im 80. Lebensjahr" (aus der Zeitschrift "Quell", 9.1.1957)
Aus dem Jahr 1957 sind mindestens drei Fotografien erhalten.

Abb. 16: Mathilde Ludendorff, 1957


Abb. 17: Mathilde Ludendorff, 1957
Auf dem folgenden Foto (Abb. 12) sieht Mathilde Ludendorff einem offenbar aufdringlicheren Pressefotografen mit Zurückhaltung in die Linse.

Abb. 18: Franz von Bebenburg, Mathilde Ludendorff - aus: Der Spiegel, 20.2.1960

Am 20. Februar 1960 setzte das Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", für den offenbar auch das vorige Foto aufgenommen worden war, ein großformatiges, schreiendes Foto der betagten Mathilde Ludendorff auf die Titelseite der der Ludendorff-Bewegung gewidmeten Folge. Ein "aus dem Rahmen fallendes". (Aktualisierung 13. Dezember 2015:) So formulierten wir 2012. Im Dezember 2015 wird bei Ebay das ursprüngliche Foto angeboten, wie es in Pressearchiven damals archiviert - aber offenbar keineswegs veröffentlicht - worden ist. Und hierbei wird nun erkennbar, dass das ursprüngliche würdevollere Portrait-Foto für die Titelseite des "Spiegel" tatsächlich "beschnitten" worden ist. Auch im ursprünglichen Zustand wäre es kein Foto gewesen, dass sich für ein Titelfoto eignet - wenn man denn nicht "Sensationspresse" ist und wenn man denn dem Leser nicht geradezu "ins Gesicht" fallen will mit einem solchen Titelfoto.

Das ursprüngliche Foto stammte nun aber - so ist es der Rückseite zu entnehmen - von dem Prominenten-Fotografen Max Ehlert (1904-1979), einem vormaligen Nationalsozialisten (Parteimitgliedschaft seit 1932) (siehe Fotografen-Wiki). Er hatte - wie so viele andere vormalige Nationalsozialisten - beim "Spiegel" keineswegs nur Unterschlupf gefunden, sondern dort auch schon recht bald wieder - schon 1953 - Ruhm und Ehre von Seiten des Herausgebers selbst (Spiegel, 1953). Indem man das ursprüngliche Foto von Max Ehlert nun kennt, das in würdevoller Weise eine hochbetagte Frau zeigt, wird die Absicht noch deutlicher, die der "Spiegel" mit Veröffentlichung eines Ausschnitts aus diesem Portrait-Fotos für seine Titelseite verfolgte.


Abb. 20: Mathilde Ludendorff, undatierte Aufnahme von Annemarie Kruse

Abb. 21: Mathilde Ludendorff, Klais, September 1960 (Aufn. v. A. Kruse) (im Hintergrund wohl das Karwendel-Gebirge)
1960

Abb. 22: Erschienen 1960

Das von Erich Ludendorff 1937 herausgegebene Buch "Mathilde Ludendorff - Ihr Werk und Wirken" erschien im Jahr 1960 im Nachdruck mit einem neuen Umschlag.


1961

Abb. 23: Mathilde Ludendorff im Gespräch mit Johannes Marquardt, Tutzing, Ostern 1961 (aus: 1)

Mathilde Ludendorff in Tutzing auf ihrer Terasse zu Ostern 1961 im Gespräch mit Johannes Marquardt (geb. 1885), einem Ludendorff-Anhänger, Vortragsredner und -veranstalter seit 1925, der zum Schluß in Lörrach in Baden wohnhaft war, der aber aus Westpreußen stammte (1).


Abb. 24: Mathilde Ludendorff spricht zu Freunden aus Südbaden, Tutzing, Ostern 1961 (aus: 1)
Mathilde Ludendorff spricht zu den mit Johannes Marquardt nach Tutzing gereisten Anhängern ihrer Philosophie.

1961 - Ein Pressefoto

Am 25. Mai 1961 geht ein Pressefoto durch die Nachrichtenagenturen mit folgendem Erläuterungstext (2):
"Bund für Gotterkenntnis" verboten.
Das Bayerische Innenministerium hat auf Grund von Beobachtungen des Landesamtes für Verfassungsschutz den Bund für Gotterkenntnis und den Verlag Hohe Warte als verfassungsfeindlich verboten und aufgelöst. Die übrigen Bundesländer schlossen sich diesem Schritt für ihren Bereich an. Der Bund für Gotterkenntnis hat seinen Sitz in Tutzing am Starnbergersee und der Verlag Hohe Warte im Landkreis Weilheim. Sie gehörten zur sogenannten Ludendorffbewegung. Unser Bild zeigt: das Türschild von Mathilde Ludendorff, der Witwe General Ludendorffs und darunter das Schild "Bund für Gotterkenntnis" in Tutzing.
Das Bild zeigt eine altertümliche Klingel und darüber übereinander zwei größere Metalltafeln und darunter zwei kleine weiße nebeneinander. Auf der oberen großen steht "Ludendorff" (in Antiquabuchstaben). Auf der darunter (in Fraktur) "Bund für Gotterkenntnis (L) e.V.". Und darunter auf den zwei kleinen Schildern nebeneinander steht links in Fraktur "Ludendorff Stahl 1 x" und auf dem rechten "Bund 2 x" (2). Der "Bund für Gotterkenntnis" war auch als Erbe des Hauses und der darin enthaltenen Archive im Testament Mathilde Ludendorffs vorgesehen (siehe "Allen zugänglich aufbewahrt?").

Abb. 25: Mathilde Ludendorff in Klais, Sommer 1961
Einem dreiseitigen Rundbrief von Edmund Reinhard, dem vormaligen geschäftsführenden Vorsitzenden des im Mai 1961 einstweilig verbotenen "Bundes für Gotterkenntnis" aus dem Dezember 1961, in dem über den Pensionsprozeß von Mathilde Ludendorff und den Stand des Verbotsverfahrens gegen den "Bund für Gotterkenntnis" berichtet wird, wurde auch eine Postkarte mit dem Bild von Abbildung 18 beigelegt.


/Ergänzungen zu 
Annemarie Kruse: 
13.8.2017/

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  1. Marquardt, Johannes: Meine Lebens- und Kampfjahre. Erinnerungen 1885 - 1965. Selbstverlag, Manuskriptdruck o.J. [1969] (90 S.) (Versandbuchhandlung Bärwinkel
  2. historicimages04: 1961 Press Photo Door Sign of Mathilde Ludendorff. Forbidden "Gotterkenntnis." Ebay-Angebot zum 03. Mär. 2013
  3. FRAK: Portrait des Monats: Frau Dr. Mathilde Ludendorff. In: Der Weg Zeitschrift des Dürer-Verlages, Buenos Aires), 12. Heft, Dezember 1952, S. 844f

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