Donnerstag, 10. September 2015

Die Grafikerin und Malerin Lina Richter (1875-1969) (II)

Nachdem in einem früheren Beitrag schon vornehmlich die politische und religionskritische Grafikerin Lina Richter (1875-1969) als Illustratorin der Kampfschriften der Ludendorff-Bewegung behandelt worden ist, sollen in diesem neu zusammen gestellten zweiten Teil Werke vor allem der Malerin Lina Richter vorgestellt werden. 

Abb.: Bergwald - Gemälde von Lina Richter (1934)
Es soll also hier die liebevollere, gemütvolle, friedlichere Seite dieser Künstlerin dokumentiert werden. Dazu wird der ursprüngliche Blogartikel in zwei Teile geteilt und werden einige Abschnitte des ersten Teiles mit in diesen zweiten übernommen.

Abb.: Hochgebirge - Gemälde von Lina Richter (1934)
Die drei ersten hier eingestellten Gemälde wurden in den "Tannenberg-Jahrweisern" des Ludendorff-Verlages der Jahre 1934 und 1938 veröffentlicht.

Abb.: Das Wettersteingebirge bei Klais - Gemälde von Lina Richter (1938) 
Sie zeigen Lina Richter als Landschaftsmalerin. In einem Brief vom 14. Juni 1953 an ihre Kinder erwähnt Mathilde Ludendorff über ihre Tätigkeit zum Erhalt ihres Hauses als Gedenkstätte über ihren Tod hinaus aus Anlass des Auszuges der drei dort bis dahin einquartierten Flüchtlingsfamilien, um deretwillen sie viel Inventar bei ihren Kindern ausgelagert hatte:
Den Kramer von Tante Lina hänge ich über mein Bücherbrett.
Ob es sich dabei um das zweite hier eingestellte Gemälde handelt, ist einstweilen nicht bekannt.

1934 - "Mutterfreuden - Mutterleiden"

Aber auch in menschlichen Zusammenhängen konnte sie sich friedvolleren Lebensbereichen voll zuwenden als Künstlerin. 1934 brachte sie eine Kunstmappe heraus mit dem Titel "Mutter". Mathilde Ludendorff schrieb die begleitenden Worte (Quell, 20.12.1934, S. 699):
In cyklischer Folge reihen sich Gedanken und Bilder über: Junge Liebe - Mutterschaft - Mutterfreuden - Mutterleiden - Der Tod als Vollender - aneinander. (...) Als guter Freund und zweites Ich geleitet der Tod die müde gewordene Mutter "still und friedreich aus dem Nicht-mehr-Schaffen in das Nicht-mehr-Sein".
Abb.: Ein Blatt aus der Kunstmappe "Mütter"
Diese Bilderfolge macht also deutlich, wie wesentlich für Lina Richter - ebenso wie für ihre Schwester Mathilde Ludendorff - das Gedenken an den eigenen Tod war als endgültiger Abschluss und als Vollendung des eigenen, persönlichen, niemals wiederkehrenden Daseins. Ja, wie der Gedanke an den Tod zu einer Art "zweitem Ich" werden kann.

Abb.: Adler über Gebirgsspitzen - Zeichnung von Lina Richter 
Spätestens 1955 entstand die Zeichnung eines Adlers, der über Gebirgsspitzen auffliegt, eine Zeichnung, die zum Schmuck der Urkunden verwendet wurde, die die Aufnahme von neuen Mitgliedern in den "Bund für Gotterkenntnis" bestätigte.

1938 - "Des Deutschen Kindes Wunderland"

Das hinderte sie aber sicherlich nicht, so lebensfröhlich wie in ihrer Jugend zu bleiben. Vielleicht, nein wahrscheinlich, war dieses zweite Ich, das Todwissen, gerade erst die Voraussetzung für Lebensfröhlichkeit und für ein starkes Stehen im Leben.

Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)
Womöglich vor allem auch in Gedanken an ihre eigenen beiden Töchter (oder gar schon Enkelkinder?) gab Lina Richter 1938 zwei Kinderbücher heraus, "Des Deutschen Kindes Wunderland" und "Freunde des Kindes in Wald und Flur".

Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)
Zu diesen beiden Kinderbüchern ist zunächst nichts weiter zu sagen. Einen Eindruck von ihnen geben die folgenden Abbildungen.

Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)


Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)


Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)


Abb.: "Des Deutschen Kindes Wunderland - Erzählungen und Bilder" (1938)
Unter den Verlagsmitteilungen des Ludendorffs-Verlages heißt es im November 1938 über das Ende des Monats neu erscheinende Buch von Lina Richter (Quell, 20.11.1938):
... Auch die Gedichte und Geschichten sind von Lina Richter verfasst.
Abb.: "Freunde des Kindes in Wald und Flur - Erzählungen" (1938)
Und eine Folge später heißt es unter anderem (S. 528):
In sechs mit gemütwarmen, zarten und künstlerischen Bildern belebten Geschichten erlebt das Kind die Schicksale einer Schneeflocke, die Reisen einer Frau Schwalbe, das Wesen des Regenbogens, das Werden eines Schmetterlings und eines Schneckenhäuschens und das Geheimnis der Frühlingsapfelblüte. (...) Schon Vierjährige können den Inhalt fassen und auch für Zwölfjährige ist er noch nicht zu "kindlich".

Abb.: "Freunde des Kindes in Wald und Flur - Erzählungen" (1938)
In der Folge vom 5. Februar 1939 wird der zweite Band angekündigt. Und in der Folge vom 7. April 1939 heißt es:
Mit Malvorlagen zum Selbstausmalen durch die Kinder.
Es wird auch eine sehr positive Besprechung des Buches im "Kosmos" (Wien) von Professor Georg Müller gebracht. Und auch eine Elly Ziese schreibt eine Besprechung dieses Buches (S. 39). 

Abb.: Haus Ludendorff, Zeichnung von Lina Richter, 1933 oder später (7)
Um das Jahr 1947 war Lina Richter bei ihrer Schwester Mathilde Ludendorff in Tutzing anwesend, als diese einen Besuch erhielt und über den Fortgang der Vorbereitungen für das Spruchkammerverfahren gegen sie unterrichtet wurde. Dieses begann dann erst Ende 1949 (das ist noch genauer herauszusuchen).

Die beiden Teile dieses Blogbeitrages können bislang kein abgerundetes Bild vom Leben und Schaffen von Lina Richter geben. Es ist auch nicht bekannt, ob Enkel- oder Urenkelkinder oder wer immer sonst einen etwaigen Nachlaß von Lina Richter hütet. Das Ludendorff-Archiv in Tutzing, das Tage der Offenen Tür mit geschlossener Tür abhält (siehe anderwärts) scheint auch nicht sehr hilfreich zu sein, um in diesen Fragen weiterzukommen. Es ist schon seit langem nicht mehr recht erkennbar, welche Aufgaben dieses Ludendorff-Archiv für sich sieht. Außer - "Maulwurfsarbeit". 

Lina Richter starb 1969, drei Jahre nach ihrer Schwester Mathilde Ludendorff. Ihr folgte 1971 die dritte Schwester, die Pianistin Frieda Stahl. Der Verleger Franz von Bebenburg hielt allen drei Schwestern die Grabrede. Das ist im Grunde alles schon lange her!
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  1. Mütter - Ein Mappenwerk von Lina Richter und Mathilde Ludendorff. 2 Mappen mit je 5 Kunstreproduktionen mit Begleitworten von Mathilde Ludendorff . Ludendorffs Verlag, München 1934  (besprochen in: Quell, 20.12.1934)
  2. Richter, Lina: Des Deutschen Kindes Wunderland. Freunde des Kindes in Wald und Flur. Erzählungen. Bd. 1: Mit 10 farbigen Abbildungen und Buchschmuck. Ludendorffs Verlag, München o.J. [19384. Tausend (38 S.) (Ebay-Angebote 4.8.2012, 23.9.2013; Bd. 21939 (40 S.)
  3. Ludendorff, Mathilde: Schöpfunggeschichte. 1. Das Schöpfunglied in heiligen Nächten. 2. Das Werden des Weltalls. Ludendorffs Verlag GmbH, München 1940 – nur dichterischer Teil mit 12, z.T. farbigen Illustrationen (ohne Angabe der Künstlerin, sicherlich Lina Richter) 
  4. Ludendorff, Mathilde: Schöpfunggeschichte. 19. - 20. Tausend. Verlag Hohe Warte, Pähl 1954 [Der Seele Ursprung und Wesen, Erster Teil] – wohl erstmals dichterischer und Prosateil in einem Band; mit Schwarz-Weiß-Illustrationen, zum Teil neue („Dieses Bild und alle folgenden wurden von Lina Richter nach wissenschaftlichen Werken geschaffen.“)
  5. v. Be.: Worte zur Totenfeier Lina Richters (1875-1969). In: Mensch und Maß, Folge 12, 23.6.1969, S. 564 – 566
  6. v. Be.: An der Totenbahre Frieda Stahls. (1885-1971) In: Mensch und Maß, Folge 21, 9. 11. 1971, S. 1003 – 1007, 960
  7. Richter, Lina: Tutzing Haus Ludendorff. Zeichnung, 1933 oder später

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