Freitag, 1. Mai 2015

"Ludendorffs fernöstlicher" - buddhistisch-imperialistischer - "Freund"

Schreibt ein Autor von "Mensch und Maß" auch für das Muslim-Forum?

In der Zeitschrift "Mensch & Maß" (der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung) erscheint in der April-Folge dieses Jahres der Aufsatz eines "Dr. Josef Haas" mit dem Titel "Ludendorffs fernöstlicher Freund" (1). In ihm wird der japanische General Ishiwara Kanji (1889-1949) (Wiki) vorgestellt. Und zwar hier als ein "Freund" - oder doch zumindest "Sympathisant" - Erich Ludendorffs. Allerdings wird an keiner Stelle genannt, womit denn diese Freundschaft oder Sympathie nun belegt werden soll, wodurch sie dem Autor bekannt geworden ist. Sie wird einfach nur rundweg behauptet und unterstellt. Es wird auch kein Literaturnachweis für sie gegeben. Sie wird nicht näher charakterisiert und es wird auch nicht auf etwaige mündliche Überlieferungen verwiesen.

Noch merkwürdiger aber ist, dass in dem Aufsatz mit keinem distanzierenden Wort darauf hingewiesen wird, dass auch vorgebliche "Freunde" Erich Ludendorffs diesen gerne einmal sehr falsch verstanden haben. Dafür könnten ja viele Beispiele angeführt werden. (Hier auf dem Blog etwa behandelt: Wilhelm Breucker.) Dass ein solcher Fall auch bei Ishiwara Kanji vorliegen würde - sofern denn Kanji überhaupt sich bis Lebensende als ein Sympathisant oder Freund Ludendorffs bezeichnet haben sollte - wäre doch wichtig herauszustellen.

Nach diesem Aufsatz (1) soll Kanji 1922 als japanischer Militärattaché in Berlin oft nach München gefahren sein, um Erich Ludendorff zu besuchen. Erich Ludendorff habe das in seinen Lebenserinnerungen aber nicht erwähnt (1, S. 203):
Auch nach seiner Rückkehr nach Japan war Ishiwara Kanji darauf bedacht, diese seine Verbindung zum Feldherren, der damals noch dem deutschen Reichstag angehörte, nicht abreißen zu lassen.
Erich Ludendorff war Reichstagsabgeordneter zwischen dem Mai 1924 und dem Mai 1928, hat sein Mandat aber in späterer Zeit nicht mehr wahrgenommen. Im Aufsatz heißt es weiter:
Erwiesenermaßen
- ja, aber wodurch erwiesen? -
bewahrte sich dieser japanische Militärstratege die Sympathie zu Erich Ludendorff dann bis zum Tode.
Abb.: Kanji Ishiwara
Aber welcher Natur sollte diese Sympathie dann gewesen sein? Es erfolgt im weiteren Aufsatz dann auffälligerweise keinerlei Distanzierung zu dem buddhistisch unterlegten japanischen Imperialismus, für den Kanji stand (Wiki) (er war Anhänger des Nichiren-Buddhismus, dem übrigens noch heute japanische Regierungsmitglieder anhängen sollen). Vielmehr wird der Eindruck erweckt, als habe sogar die Wochenzeitung TAZ (20.11.2012) Kanji gegen den Vorwurf des Imperialismus in Schutz genommen. Allerdings hat die TAZ nur korrekt darauf hingewiesen, dass sich Kanji während des Zweiten Weltkrieges im vorzeitigen Ruhestand befand und deshalb nur schwer für den Imperialismus Japans seit 1939 verantwortlich gemacht werden kann - wohl aber für den vor 1939. Letzteren nennt sie dementsprechend auch "panasiatisch-faschistoid".

Um in all diesen Dingen zu sachgerechten Berurteilungen zu kommen, wäre sicherlich noch einmal wertvoll zusammenzustellen, wie Erich Ludendorff selbst den japanischen Imperialismus eigentlich genauer bewertet hat über sein Leben hinweg. Er war ja schon als junger Generalstabsoffizier mit ihm befaßt. Aber insbesondere seine Bewertungen ab Mitte der 1930er Jahre, als er die religiösen Hintergrundkräfte auch in der Politik Japans genauer in Augenschein nahm. Er ging davon aus, dass derartige buddhistische Kräfte in internationalen Verbindungen zur tibetischen Priesterkaste standen, die ebenso auch in der muslimischen Welt und in Westeuropa wirksam wären (s. seine Schrift "Europa den Asiatenpriestern?"). Um also die "Freundschaft" des Kanji Ishiwara zu Ludendorff sachgerecht einzuordnen, wäre sicherlich eine sehr viel differenziertere Sichtweise zunächst auf Ludendorff notwendig, als sie in diesem Aufsatz des "Dr. Josef Haas" gegeben wird, der äußerlich "den Feldherrn" zu verehren vorgibt, aber nichts darüber mitteilt wie der hier angeblich verehrte Feldherr einen buddhistisch unterlegten japanischen Imperialismus beurteilt hat.

Der "deutschsprachige Gottesehrfürchtige" "Dr. Josef Haas"

Solche Umstände lassen nach dem Autor "Dr. Josef Haas" selbst fragen, der sich als Verehrer des "Feldherren" ausgibt. Im letzten Absatz dieses Aufsatzes bezeichnet er das Japan seit 1945 sehr kurz und bündig als "amerikanisches Protektorat". Das kann man natürlich ohne Frage so machen. Man kann es aber gerne auch noch ein wenig differenzierter ausdrücken. Jedenfalls deutet sich in einer solchen kurzen und bündigen Wortwahl schon ein sehr charakteristisches und wohl weniger differenziertes politisches Weltbild an. Man kann es, wenn man möchte, auch ein "plakatives" nennen.

Sucht man aber nun, hellhörig geworden, im Internet nach einem "Dr. Josef Haas" gemeinsam mit dem Suchwort "Amerika", wird man schneller fündig als gedacht, nämlich mittels vieler Suchergebnisse auf einer Internetseite, die sich folgendermaßen ankündigt:
Muslim-Forum
Willkommen im Forum der Muslime für deutschsprachige Gottesehrfürchtige
Alle Autoren des Forums zeichnen mit ihrem realen Namen
Der Ton auf dieser Internetseite ist nun recht "radikal", nicht zuletzt auch der des Autors "Dr. Josef Haas". Ein kleiner Beitrag vom 4.11.2014 etwa ist betitelt "Neues von den Perversen". In ihm ist von dem "zionistischen Terrorregime" Israels über die Palästinenser die Rede. Auch dies mag man kurz und bündig alles so bezeichnen. Auch dies könnte man aber ebenfalls noch deutlich differenzierter ausdrücken und weniger plakativ*).

Erinnerungen an Johann von Leers kommen auf ...

Ein deutschsprachiger Muslim als Autor der Ludendorff-Bewegung? Mit plakativer, wenig differenzierter, eher provozierender Ausdrucksweise? Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor? :)

Nun, solch ein radikaler Antizionismus vom Standpunkt eines Muslimen deutscher Herkunft in einem recht ähnlichen Tonfall wäre aus der Geschichte der Ludendorff-Bewegung sogar sehr gut bekannt. Ende der 1950er Jahre hatte der Verleger der Vorgänger-Zeitschrift von MuM, nämlich des "Quell", den von Argentinien nach Ägypten emigrierten ehemaligen Nationalsozialisten und Muslim Johann von Leers um Mitwirkung in der Zeitschrift "Quell" gebeten. Und diese Mitwirkung fiel dann so plakativ und undifferenziert, sprich hetzerisch aus, dass der Verleger Franz von Bebenburg 1960 vor Gericht dafür verurteilt wurde. Sozusagen als Steilvorlage für das Verbot der Zeitschrift und des "Bundes für Gotterkenntnis" ein Jahr später, im Mai 1961 ... (2-4; aber zu dem Thema ist noch nicht alles bislang für diesen Blog Erarbeitete veröffentlicht).

Und "zufälligerweise" war der schlimmste dieser Hetzartikel in die Zeitschrift gekommen vorbei an dem verantwortlichen Schriftleiter Walter Löhde, was sonst niemals zu geschehen pflegte. Aber all solche Zufälle können ja schon einmal vorkommen. ...
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*) In der Nähe von Bamberg wohnt der Dozent und Politologe Dr. Josef Haas (SPD, geb. 1954) ("Hobby: Zeitgeschichte"), dessen Vortragsthemen ("Arabischer Frühling" etc.) gut zu den Themen des Dr. Josef Haas auf dem "Muslim-Forum" passen.  
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  1. Haas, Josef: Ludendorffs fernöstlicher Freund. In: Mensch und Maß, Folge 4, April 2015, S. 202-206
  2. Bading, Ingo: Die Regie hinter dem Dritten Reich mit Hilfe des deutschen Widerstandes. Auf: Scribd.com, 26.11.2013
  3. Bading, Ingo: Ein monströser Judenhasser - Tiefer Blick in die Geschichte des III. Reiches. Rezension zu:  Marco Sennholz' "Johann von Leers - Ein Propagandist des Nationalsozialismus" (2013). Auf Amazon.de, 4.12.2013 
  4. Bading, Ingo: "Wie der deutsche Geheimdienst den Alliierten half, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen" - Canaris benutzte einen leicht entzifferbaren Funkcode - absichtlich. Auf: GA-j!, 29. Juni 2014

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