Samstag, 4. April 2015

Ein Ludendorff-Archiv in Südhessen?

Der Bildhauer und Ludendorff-Archivar Fritz Donges (etwa 1895-etwa 1981)

Seit vielen Jahrzehnten gibt es eine wissenschaftliche Auseinandersetzung um den Verbleib der sterblichen Reste des deutschen Dichters Friedrich Schiller (1759-1805), jenem Friedrich Schiller, dem im 19. Jahrhundert in fast jeder größeren deutschen Stadt ein Denkmal gewidmet wurde, und der nur 46 Jahre alt wurde. Bei den Auseinandersetzungen geht es insbesondere um den Schädel von Friedrich Schiller, bzw. um die Echtheit von behaupteten "Schiller-Schädeln". Der heutige, ziemlich definitiv gewordene Forschungsstand (s. Wiki) ist, dass keiner der vielen behaupteten "Schiller-Schädel" tatsächlich Schillers Schädel ist. Das haben schon zahlreiche Forscher auf diesem Gebiet seit vielen Jahrzehnten behauptet. Der Verbleib des echten Schiller-Schädels ist hingegen bis heute unbekannt.

Abb. 1: Ausstellung "Schädel-Kult" (2011)
So abwegig ist die Frage nach dem Schädel von Friedrich Schiller aber schon deshalb nicht, weil schon einem der engsten Freunde von Friedrich Schiller, dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der Besitz des Schädels seines Freundes Friedrich Schiller wichtig gewesen ist und er darüber sogar Gedichte schrieb.

Eine Ausstellung des Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim fragte deshalb schon 2011 mit sicherlich mancherlei Recht nach einem etwaigen - zudem ziemlich archaischen? - "Schädel-Kult" rund um den Schädel von Friedrich Schiller (s. Abb. 1).

Vor dem Hintergrund des heute vorhandenen Wissens rund um elitären rituellen Satanismus und der recht häufigen Bezüge zu solchem Satanismus in den Werken von Goethe (siehe etwa in seinem "Faust" und anderwärts) darf dieses Thema sicherlich auch heute viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Unbezweifelbar ist, dass es in Freimaurerlogen archaische Schädelkulte gibt.

Mathilde Ludendorff ist schon zwischen 1928 und 1936 mit der ständig erweiterten und überarbeiteten Veröffentlichung ihres Buches "Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller" der Frage nachgegangen, ob an Friedrich Schiller ein archaischer, satanischer Okkultlogenmord verübt worden ist. 1936 erreichte ihr Buch eine Auflage von 59.000 Exemplaren. Es stellte damit einen vielfach beachteten und auch vielfach verrufenen Beitrag zur Auseinandersetzung um diese Fragen dar (1). Insbesondere wohl angeregt durch dieses Buch haben Menschen im engeren Umfeld der Ludendorff-Bewegung - Sympathisanten oder Anhänger derselben - sich an der Forschung rund um den Verbleib von Schillers Schädel beteiligt. So in den 1970er Jahren zum einen der norddeutsche Arzt Dr. Henning Fikentscher und zum anderen der vormalige Erschaffer einer Schiller-Büste, der südhessische Bildhauer und Ludendorff-Anhänger Fritz Donges (etwa 1895-etwa 1981).

Die Arbeiten von Fritz Donges zur Schiller-Forschung sind noch in den letzten Jahren immer einmal wieder in der wissenschaftlichen Literatur als ernstzunehmende Beiträge angeführt worden. Joachim-Hermann Scharf von der Universität Halle-Wittenberg, ordentliches Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der "Sächsischen Akademie der Wissenschaften", sagte im Dezember 1993 in einem Vortrag zum Thema "Wo ist Schillers Schädel?" vor eben dieser Sächsischen Akademie zu Leipzig (SAW 1993) (2):
Obwohl allen potentiellen Kontrolluntersuchern von der Regierung der DDR der Zugang zu den Schädeln verboten wurde, gelang es dem Bildhauer Fritz Donges und dem Mediziner Henning Fikentscher - Enkel des Goethe-Freundes Friedrich Christian Fikentscher - durch minutiöse Vergleiche aller Totenmasken und Schädelabgüsse festzustellen, daß sowohl der Fürstengruft- als auch der Kassengewölbe-Schädel nicht Schiller zugeordnet werden können, sondern daß der echte Schädel in Goethes privater Schädelsammlung aufbewahrt worden ist, wo er freilich bisher vergeblich gesucht wurde.
Und 2012 wird zu einem neu erschienenen Buch berichtet (Google Bücher):
Ralf G. Jahn, genealogischer und historischer Fachberater des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik Stiftung Weimar bei den Fernsehdokumentationen „Der Friedrich Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, außerdem Co-Moderator beim „Goethezeitportal“, ist überzeugt, dass der echte Schädel (Schillers) noch irgendwo existiert.
Auch er bezieht sich dabei auf die Forschungen von Fritz Donges (S. 40):
Der Bildhauer Donges, der sich eingehend mit den Totenmasken Schillers befasst hat, ist der Meinung, daß weder Charlotte von Schiller noch Caroline Freifrau von Wolzogen die Genehmigung zur Kopfabformung Schillers erteilt haben können.
Und (S. 154):
1969 - 1971 - Der Bildhauer Fritz Donges kommt zu dem Ergebnis: "Beide Schädel können ... nicht Schillers Schädel sein. ..."
(Unvollständig, weil nur ein Google-Bücher-Ausschnitt.) Als Literaturangabe wird angegeben (S. 299):
F. Donges: Der Streit um Schillers Schädel. In: Mitteilungen ...
Und der auch der Tübinger Privatdozent Dr. Sigurd Wannebach erwähnt Donges in einem Offenen Brief an das Schiller-Museum in Marbach. Auch dies sei zitiert, ohne hier weiter auf die Details der Schiller-Forschung einzugehen, die sicherlich einen eigenen Beitrag wert wären (5):
Fritz Donges behauptete noch 1971: "Sie waren nur einen Nachmittag im Kassengewölbe".
Und: 
Dem widersprach erst 1971 Fritz Donges in jener Berliner Anthropologen-Zeitschrift: "Daß das Protokoll Schröter-Färber insgesamt eine glatte Fälschung ist, ergibt sich u. a. daraus, daß kein Mensch (bis zum Jahre 1935) jemals davon Kenntnis erhielt."
Und:
Erst sehr viel später, erst 1971, begriff Fritz Donges: "Schröter-Färber bekamen einen geheim zu haltenden Auftrag von höchster Staatsstelle, bei dem das Ergebnis von vornherein feststand: Das Skelett Schillers m u s s t e gefunden werden."
Wer aber nun war dieser Fritz Donges eigentlich? Im vorliegenden Beitrag soll zusammengestellt werden, was über ihn zusammen getragen werden kann, insbesondere in Form von Aufsätzen, die Fritz Donges in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Mensch und Maß" zwischen 1966 und 1980 veröffentlicht hat (8-38). Die Aufmerksamkeit weckte dieser Autor deshalb, weil er in Veröffentlichungen des Jahres 1974 sehr ähnliche Anliegen verfolgte, die auch der vorliegende Blog - noch vierzig Jahre später - verfolgt. Auf diese soll deshalb zuerst hingewiesen werden.

Donges ruft auf zum Aufbau eines Ludendorff-Archivs (1974)

In der Folge der Zeitschrift "Mensch und Maß" vom 23. September 1974 veröffentlichte Fritz Donges nämlich die folgende Anzeige (3. Umschlagseite):
Bitte an die Leser - Zum Aufbau und zur Vervollständigung meines Archivs bitte ich die M.u.M.-Leser, die wegen hohen Alters ihre Buch- und Zeitschriften-Bestände abgeben möchte, diese mir zu überlassen. (...) Das Archiv geht geordnet nach meinem Tode in sichere Hände über. Nichts geht verloren. (...) Fritz Donges, 6123 Bad König (Odw.), Berggartenstraße 17.
Und drei Monate später, in der Folge vom 23. Dezember 1974, berichtet er (S. 1151) von der "Unmenge von Paketen", die bei ihm eingegangen sind:
Den meisten Einsendern habe ich gleich gedankt und auch erklärt, wie das Archiv aufgebaut wird. Die anderen Einsender (...) bekommen meinen Brief auch noch.
Hier zeigt sich, dass im Jahr 1974 bei zumindest einzelnen Ludendorff-Anhängern eine Sensibilität bestand dafür, die Notwendigkeit des Aufbaus und der Arbeit eines Ludendorff-Archivs zu erkennen. Aus den zitierten Worten von Fritz Donges geht die große damalige Spendenbereitschaft unter der Leserschaft der Zeitschrift "Mensch & Maß" hervor für den Aufbau eines solchen Ludendorff-Archivs. Auffallenderweise suchte Fritz Donges damals schon völlig das gleiche, wonach noch in der vorliegenden "Studiengruppe" gesucht wird. Weiter schrieb er nämlich:
Was ich noch suche, sind vor allem Aufsätze von General Ludendorff und Mathilde Ludendorff, bzw. Frau v. Kemnitz aus den Jahren nach 1918, bis der eigene Ludendorff-Verlag gegründet wurde. Ferner suche ich alle Bücher in den verschiedenen Auflagen, besonders die jeweiligen Erst-Auflagen, die ja vielfach später erweitert oder - wegen der Verbote - abgeändert oder überdruckt werden mußten. Schließlich will ich alle Zeitungsaufsätze oder Berichte oder Meldungen über beide Ludendorff, über die Bewegung usw. sammeln, vor allem die Verunglimpfungen beider Ludendorffs. (...)

Ferner suche ich Fotos von Veranstaltungen, auf denen beide Ludendorffs sprachen. Genaue Notizen, wo und wann das war. Ebenso bin ich an guten Fotos von den wichtigsten Mitarbeitern im Quell und in M.u.M. interessiert. Die Nachwelt muß ja wissen, wie die Menschen ausgesehen haben, die ihr ganzes Leben sich für die Befreiung der Deutschen und damit der ganzen Welt eingesetzt haben. Jetzt ist es noch Zeit, alles zu sammeln, später wird vieles verloren gehen. (...) Ich bin im November/Dezember auf Heilkur (...) und kann erst im Januar 1975 weitermachen. Vorerst allen Freunden meinen herzlichen Dank für die prompte Zusendung und für ihr Vertrauen. Ich werde niemanden enttäuschen, ich muß nur noch ein Weilchen am Leben bleiben.
Man fragt sich, was sich jene Menschen beim Lesen dieser Worte gedacht haben mögen, die doch davon wußten, daß Mathilde Ludendorff selbst in ihrem Testament ausdrücklich ein Ludendorff-Archiv vorgesehen hatte? Ein Wissen, das lange Jahrzehnte nur nicht publik gemacht worden ist, und von dem eben auch Fritz Donges gar nichts erfahren konnte. Oder was Menschen gedacht haben mögen, die - wie Gunther Duda erst wenige Monate zuvor - selbst derartige Archivalien sammelten?

Vor allem konnte bislang der Verbleib dieses von Fritz Donges aufgebaute Ludendorff-Archiv nicht geklärt werden. Sollte es Menschen geben, die Hinweise darauf geben können, so bitten wir um Zuschriften an den Bloginhaber.

Es wird vielleicht nicht nur Zufall sein, dass Donges den Aufruf zur Gründung eines Ludendorff-Archives veröffentlichte ein Jahr nach dem Tod seiner Frau, der ihm die Endlichkeit auch seiner eigenen Bemühungen bewußt gemacht haben wird. In der Folge der Zeitschrift "Mensch und Maß" vom 23. Mai 1973 veröffentlichte Donges jedenfalls eine Todesanzeige für "meine Lebensgefährtin Anna Donges (1895-1973)". Da das Geburtsjahr von Fritz Donges einstweilen nicht bekannt ist, dürfte das Geburtsjahr seiner Frau eine erste Annäherung auch an das seine sein. Womit er 1973 schon 78 Jahre alt gewesen sein könnte.

"Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder?" (1941/1958/2012)

Abb. 2: 2012 erschienen
Nun soll aber noch einiges weitere zu den Lebensinhalten und -interessen des Bildhauers Fritz Donges zusammengetragen werden und zu dem Freundeskreis, in dem er sich bewegte. Die Frage, ob Johann Wolfgang von Goethe homosexuell war und - etwa in der Ballade "Erlkönig" - Pädokriminalität besungen hat - oder sogar selbst betrieben hat, wird heute wieder diskutiert. Die Münchner "Abendzeitung" fragte 2012 etwa "Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder?" (39). Dies ist die Überschrift zur Rezension eines Buches von W. Daniel Wilson mit dem Titel "Goethe Männer Knaben - Ansichten zur 'Homosexualität'". Über dieses Thema zu arbeiten, hat offenbar schon Erich Ludendorff noch im Oktober 1937 die Anregung gegeben. Im Jahr 1992 wandte sich der Ludendorff-Anhänger Heinrich Petersen (aus Olpenitzfeld in Schleswig-Holstein) in einem (wohl Offenen Leser-) Brief an Franz von Bebenburg (den Schwiegersohn Mathilde Ludendorffs) gegen die "unheilvolle Verwirrung", die auch die von ihm herausgegebene Zeitschrift "Mensch & Maß" unterstützt hätte durch den Abdruck eines einmal erneut zu wohlwollenden Aufsatzes über J. W. von Goethe. Petersen schrieb (40):
Im Oktober 1937 hatte stud. jur (Siegfried) Goetze General Ludendorff in Tutzing besucht. Bei einem Spaziergang im Garten äußerte der General, dass es doch nötig sei, dem allgemeinen "Goethekult" Einhalt zu tun. Dazu müsse aber erst eine gründliche Untersuchung des Falles Goethe aus völkischer Sicht erarbeitet werden.

Dieses ist s. Zt. geschehen. Noch acht Mitkämpfer des Feldherrn: Dr. J. Spelter, Stud.Rat Ernst Hauck, Ernst Westphal, Elisabeth Melcher, Fritz Donges, Kallenberg und Eickmeier haben aus 1022 Büchern, Schriften, Abhandlungen usw. ein Werk in Kurzform von 327 Seiten geschaffen, worin sie uns den "wahren" Goethe aufzeigen. Vielleicht besitzen Sie dieses Buch.
Bei diesem Buch handelt es sich offenbar um ein seltenes Manuskript (41), das aber doch zum Beispiel in der Staatsbibliothek Berlin vorhanden ist. (Nach von Petersen mitgesandten Kopien von vier Seiten dieses Buches scheint es aber auch in den 1970er Jahren noch einmal neu getippt worden zu sein.) Auf die Inhalte dieses Buches nahm 1958 der Freund von Fritz Donges, Ernst Hauck, einmal erneut Bezug in der Zeitschrift "Quell" in einem Artikel über Goethes Ballade "Der Erlkönig". Hauck bringt als Kernargument das folgende Zitat aus dem "vielgelesenen Buch des Arztes C. L. Schleich" (42):
Dehmel liebte die Musik über alles, und ich habe ihn oft erfreuen können mit dem Vortrag Loewescher Balladen, von denen der "Edward" ihn zu heller Begeisterung fortriß. Ansorge begleitete mich meisterhaft. Er stellte Loewes "Erlkönig", wie so viele, weit über den Schuberts und behauptete, Schubert habe den dämonischen Trieb zur Knabenliebe, den Goethe gestalten wollte, gar nicht verstanden; ihm fehlte das unheimlich Sadistische in der Musik, wie denn auch Schuberts Ganymed aus dem gleichen Grunde völlig missverstanden sei.
Hauck fährt danach fort:
Ansorge, ein namhafter Pianist, macht aufhorchen mit seiner Behauptung (...). In seiner Handschrift „Goethe in völkischer Sicht" hat der 1945 an der Ostfront gefallene Dr. jur. Siegfried Goetze zu dem heiklen Kapitel „Goethe und die Knabenliebe" einiges zusammengetragen, ohne lange forschen zu müssen.
Auch bezüglich dieses Themas erweist sich einmal wieder, dass die Ludendorff-Bewegung schon 1937, 1941 und 1958, also vor 70 und 55 Jahren - und jedesmal belacht von den vielen, die damals glaubten, so viel "klüger" zu sein - Erkenntnisse vorweg genommen hat, die heute neu und ganz sachlich erörtert werden. Ernst Hauck hatte über die Freimaurerzugehörigkeit von Goethe schon 1937 eine Schrift veröffentlicht (44).

Schiller-Büste auf der "Großen Deutschen Kunstausstellung" (1942)

In den Jahren 1942 und 1943, also sicherlich auf der "Höhe" seines künstlerischen Schaffens, wurde im Saal 5 der "Großen Deutschen Kunstausstellung" in München eine Schiller-Büste ausgestellt, die Fritz Donges geschaffen hatte (6). Laut Ausstellungskatalog war Donges zu diesem Zeitpunkt in Höllerbach im Odenwald ansässig*) (GDK). Und die Abbildung zeigt eine Schiller-Büste mit eigenwilligen Zügen und nicht - sozusagen - einem "klasssisch" gewordenen Trend in der Darstellung Schillers folgend.

In späteren Jahren ist Donges dann auf jeden Fall in Bad König im Odenwald ansässig, 11 Kilometer von Höllerbach entfernt. (Als dort wohnhaft ist der "Bildhauer F. Donges" noch heute, im Jahr 2015, in verschiedenen Internetverzeichnissen angeführt mit den Adressdaten "Berggartenstr. 19, 64732 Bad König, Hessen, 06063/1599". Er ist dort aber auch verzeichnet mit den Daten "Sudermannstr. 10, 21077 Hamburg, 040/7642928".) Vielleicht leben heute noch irgendwo seine Kinder oder Enkelkinder?

Der Schriftsteller und Ludendorff-Anhänger Ernst Hauck hat später eine seiner Erzählungen seinem Freund Fritz Donges gewidmet. Schon im Februar 1962 hat dieser Ernst Hauck einen Aufsatz veröffentlicht mit dem Titel "Der Streit um Schillers Schädel entschieden". In diesem berichtete er davon, daß der sowjetische Anthropologe Gerassimow erklärt hatte:
Bei dem Schwabeschen Schädel war es unmöglich, ein anderes Gesicht herzustellen als das bekannte des Dichters. Es stimmt mit der Totenmaske überein. (...) So wurde das Problem gelöst.
Dass dies jedoch keineswegs "die" Lösung war, davon wir sich Hauck wie Donges im weiteren Verlauf überzeugt haben. Fünf Jahre später, im Juni 1967 forderte Donges zu einer "gesamtdeutschen" Forschung an Schillers Schädel auf. Die originale Totenmaske in Marbach sollte genau vermessen werden, dies sollte auch mit den beiden Schädeln in Weimar geschehen, um schließlich die Meßdaten miteinander vergleichen zu können. Aber seine Forschungen auf diesen Gebieten sollen hier erst einmal nicht weiter verfolgt werden. Hier soll nun nur noch darauf hingewiesen werden, dass der wache Donges auch noch mit zahlreichen anderen Themengebieten geistig beschäftigt war.

Zufalls-Propagandist Jacques Monod (Juli 1972)

So behandelt Donges in seinem Aufsatz "Große Reklame?" im Juli 1972 den Artikel "Der Mensch - ein Betriebsunfall der Natur?" über Jacques Monod in dem Wochenmagazin "Der Spiegel" vom 24. Mai 1971. Donges hat ein waches Gespür für vieles, wenn er unter anderem schreibt:
Die "Große Reklame" ist nicht von ungefähr. Es ist durchaus möglich, daß (...) getroffen werden (...) die von M. Ludendorff ausgehende (...) Sinn-Deutung der Schöpfung und des menschlichen Daseins, die ja genau das Gegenteil beweist: daß nämich die Schöpfung und gerade der Mensch kein Zufall, oder, wie es herabsetzend von Monod gesagt wurde: "Betriebsunfall" ist.
Heute ist ja die Forschung mit Simon Conway Morris auf diesem Gebiet bedeutend weiter. In einem Aufsatz mit dem Titel "Das Scheuertuch brennt" ist Donges im Mai 1974 mit den den Forderungen der damaligen Frauenbwewegung um Simone de Beauvoir befaßt, die er den Forderungen Mathilde Ludendorffs aus dem Jahr 1920 gegenüber stellt.
 
Im Juli 1974 beschäftigt sich Donges in seinem Aufsatz "Wie bekomme ich einen gnädigen Nächsten?" vor allem mit Gedanken des damals bekannten evangelischen Pfarrers Martin Niemöllers aus dem Jahr 1956. Donges erinnert damit in Zusammenhang auch an die Vorherrschaft der sogenannten "Deutschen Christen" innerhalb der evangelischen Kirche im Jahr 1939.

1978 - "Die feierlich-brausende Melodie"

1978 veröffentlicht Donges einen Aufsatz über den noch heute bekannten und mehrfach verfilmten Fall der offiziell durch den Bischof von Würzburg genehmigten, wochenlangen Teufelsaustreibung an der Studentin Anneliese Michel (1952-1976). Diese wurde in Klingenberg am Main durch zwei katholische Priester durchgeführt. Das fand also ganz in der Nähe des Heimatortes von Fritz Donges statt und mag ihn schon deshalb stark bewegt haben. Am Schluß seines Aufsatzes schreibt er:
Gibt es noch mehr Beweise dafür, daß die Römische Kirche, wie immer, besessen ist von ihrer Aufgabe?
Im Mai 1979 befaßt sich Fritz Donges mit dem damals ausgestrahlten Fernsehfilm "Holocaust". Auch eine Todesanzeige von ihm scheint in der Zeitschrift "Mensch und Maß" nicht erschienen zu sein. Ob sich irgend jemand nach dem Tod von Fritz Donges um den Verbleib des von ihm aufgebauten Ludendorff-Archives gekümmert hat, ist unbekannt. Er hat sich mit seinen Aufsätzen und mit der Art seines Handelns selbst einen "Erinnerungsstein" gesetzt. Im Juli 1978 nimmt Donges etwa auf einen Leserbrief in der FAZ Bezug, der das Deutschlandlied verteidigte, und dessen Inhalt Donges folgendermaßen wiedergab:
Er (der Leserbriefschreiber) gehöre zum Jahrgang 1900. Als er als Schüler den Ausbruch des 1. Weltkrieges erlebte, sei damals eine helle Begeisterung in Deutschland gewesen und das Deutschlandlied - die Nationalhymne - sei bei jeder Gelegenheit gesungen worden. Der Lehrer habe den Sinn der ersten Strophe so erklärt: "Deutschland - 'geht mir' - über alles, über alles in der Welt."
Daran anknüpfend schreibt nun Donges:
Die Melodie gehört zu der herrlichensten Schöpfung von Joseph Haydn. (...) Mit dem Deutschlandlied muß es eine besondere Bewandtnis haben. Volksseele hängt mit der Ur-Vergangenheit zusammen, mit dem unvergänglichen Erbgut, mit der Zusammengehörigkeit durch die Sprache, all das ist in die feierlich-brausende Melodie eingegangen. (...) Ein Kunstwerk, das ein ganzes Volk begeistert. Die Worte entstehen in der Seele und gehen in die Seelen, schöner, tiefer und beglückender als jedes Gebet: Deutschland, Deutschland, über alles ...!
Sicherlich Worte, die auch auf dem Grabstein von Fritz Donges stehen könnten, und die gut die Triebfedern seines Handelns umschreiben.

(erster Entwurf 20.10.2013; letzte Ergänzungen - Anm. 39 bis 43: 24.5.15)

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  1. Ludendorff, Mathilde: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing und Schiller im Dienste des allmächtigen Baumeisters aller Welten. Im Selbstverlag der Verfasserin, Fortschrittliche Buchhandlung, München 1928 (96 S.), erweiterte Auflage 1929 (98 S.) (11.-14. Tsd.); neu u.d.T.: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller.  Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte. Ludendorffs Verlag, München 1931 (154 S.) (26.-30. Tsd.); 1933; Ludendorffs Verlag, München 1934 (37.Tsd); Ludendorffs Verlag, München 1936 (211 S.) (52.-55. Tsd., 56.-59. Tsd.); Nachdruck: Archiv-Edition, Viöl 1998, 2003 
  2. Joachim-Hermann Scharf (Halle-Wittenberg), Ordentliches Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse: Wo ist Schillers Schädel? Vortrag am 10.12.1993, Kurzfassung, vor der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Auf: SAW 1993
  3. Sykora, Katharina: Die Tode der Fotografie. Band 1. Wilhelm Fink, 2009 (603 S.) (Google Bücher)
  4. Jahn, Ralf G.: Schillers größtes Geheimnis - Der Friedrich Schiller-Code . GRIN Verlag 2012 (306 S.) (Google Bücher)
  5. Wannebach, Sigurd (Privatdozent): Offener Brief des Tübinger Privatdozenten Dr. Sigurd Wannebach an den Friedrich-von-Schiller-Gedächtnisstätten e. V. Marbach / Weimar. Zweite Fortsetzung. o.J. zit. in: Priol, Moritz: Sterngucker oder Das Idyll eines Obdachlosen. Trilogie auf den Spuren von Schelmenroman und Schillerlegende. Auf: Moritz Priol.de
  6. Große Deutsche Kunstausstellung München im Haus der Deutschen Kunst zu München Juli bis auf weiteres. 1942 (Google Bücher), 1943 (Google Bücher)
  7. Hauck, Ernst: Der Streit um Schillers Schädel entschieden. In: MuM, Folge 2, Februar 1962, S. 58-64
  8. Donges, Fritz: Der Anatomiestreit um Schillers Schädel. In: MuM, Folge 22, 23.11.1966, S. 1057-1064
  9. Donges, Fritz: Die Evakuierung der Sarkophage von Schiller und Goethe während des Krieges. In: MuM, Folge 1, 9.1.1967, S. 26-32
  10. Donges, Fritz: Wer wurde im Kassengewölbe beigesetzt? In: Mensch & Maß, Folge 7, 1967, S. 399-419
  11. Donges, Fritz: Ein seltsames Dokument. In: Mensch & Maß, Folge 7, 23.6.1967, S. 542-561 (s. Jb. d. Dt. Schillergesell.) [zu Schillers Schädel]
  12. Donges, Fritz: Was ist der Heilige Geist? In: MuM, Folge 14, 23.7.1967, S. 644-654 [zu einer gleichnamigen Fernsehdiskussion jenes Jahres zwischen Theologen und Philosophen] 
  13. Donges, Fritz: Zur Schiller-Schädel-Frage. In: MuM, Folge 6, 23.3.1968, S. 283f
  14. Donges, Fritz: Schillers letzter Wille. In: MuM, Folge 23, 9.12.1969, S. 1070-1072, 1086-1098 [es wurde behauptet, er hätte einen solchen betreffs seiner Beerdigung ausgesprochen]
  15. Donges, Fritz: Geheimnisse um Schiller - Die Totenmasken. In: MuM 5, 9.3.1970, S. 204-228
  16. Donges, Fritz: Auftakt für die 70er Jahre. In: MuM 5, 9.3.1970, S. 234-236 [Turiner Leichentuch]
  17. Donges, Fritz: "Pausenlos betrogen ..." In: MuM, Folge 10, 23.5.1970, S. 459-465 [Caspar Schrenck-Notzing über die Nachkriegsgeneration]
  18. Donges, Fritz: Der Anatomen-Streit um Schillers Schädel - Was soll die Gesichts-Rekonstruktion auf dem Fürstengruft-Schädel durch Prof. Gerassimov-Moskau? In: MuM, Folge 17, 9.9.1970, S. 769-783
  19. Donges, Fritz: Der Streit um Schillers Schädel. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Band 3. Berlin 1969 - 1971. [Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Gesellschaft 1869 - 1969]  Berlin: In Kommission bei Verlag Bruno Heßling, 1971 (ZVAB a), b)
  20. Donges, Fritz: Totenbücher und Fotos von Auschwitz. In: MuM, Folge 9, 9.5.1971, S. 407-409 
  21. Donges, Fritz: Seltsamkeiten um Beethovens Schädel. In: MuM, Folge 16, 23.8.1971, S. 725-744
  22. Donges, Fritz: Zusammenstellung verschollener, täuschender, fälschender oder gefälschter Dokumente in der Streitfrage um Schillers Ende. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Bd. 4 in 3 Heften. Berlin 1971 - 73 (Buchfreund)
  23. Donges, Fritz: Meinungen zu Gehlens Buch "Der Dienst". In: Mensch & Maß, Folge 4, 23.2.1972, S. 177-183; Fortsetzung in: Folge 9, 9.5.1972, S.429f
  24. Donges, Fritz: Große Reklame? In: Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1972, S. 613-624 [behandelt "Der Mensch - ein Betriebsunfall der Natur?" in "Der Spiegel", 24.5.1971 über Jacques Monod]
  25. Donges, Fritz: "Keine Spur von demokratischer Tendenz". In: Mensch & Maß, Folge 16, 23.8.1972, S. 737-744 [über Freimaurerei]
  26. Donges, Fritz: Verschnittene "Erinnerungen" In: Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1973, S. 583-598 [Prinz Max von Badens Erinnerungen neu herausgegeben von Golo Mann]
  27. Donges, Fritz: Christliche Erziehung. In: Mensch & Maß, Folge 18, 23.9.1973, S. 824-832 [Niemöller und andere]
  28. Donges, Fritz: Genau richtig! In: Mensch & Maß, Folge 5, 9.3.1974, S. 239 [T. Mann über das Genie]
  29. Donges, Fritz: Das Scheuertuch brennt. In: Mensch & Maß, Folge 9, 9.5.1974, S. 414-426 [Simone de Beauvoir]
  30. Donges, Fritz: "Wie bekomme ich einen gnädigen Nächsten?". In: Mensch & Maß, Folge 14, 23.7.1974, S.629-643 [über ein Zitat Martin Niemöllers aus dem Jahr 1956]
  31. Donges, Fritz: Suchaufruf. In: Mensch & Maß, Folge 24, 23.12.1974, S. 1151
  32. Donges, Fritz: "Spuk in Aschaffenburg". In: Mensch & Maß, Folge 10, 23.5.1978, S. 466-472 [über die offizielle Teufelsaustreibung an der Studentin Anneliese Michel (1952 - 1976) in Klingenberg am Main]
  33. Donges, Fritz: Von Teufeln und von Wundern. In:  Mensch & Maß, Folge 11, 9.6.1978, S. 518-523 [nochmals zum Fall der Studentin Anneliese Michel (1952 - 1976) und ähnlicher Fälle]
  34. Donges, Fritz: Deutschland über alles ... In:  Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1978, S. 623f
  35. Donges, Fritz: "Wie ich die Särge Goethes und Schillers wiederentdeckte". In: Mensch & Maß, Folge 2, 23.1.1979, S. 75 - 81 [Vorgänge rund um die Särge 1945 und folgende]
  36. Donges, Fritz: Das Phänomen. In: Mensch & Maß, Folge 10, 23.5.1979, S. 476f [zum Fernsehfilm "Holocaust"]
  37. Hauck, Ernst: Ein verschwundenes Schillerdenkmal. (Dem Bildhauer Fritz Donges als Anwalt gesamtdeutscher Schillerforschung) In: Mensch & Maß, Folge 4, 23.2.1980, S. 170-173
  38. Donges, Fritz: Historische Richtigstellungen - Zum 150. Todesjahr Friedrich Schillers. In: Mensch & Maß, Folgen 13, 14 und 16, 9., 23. 7. und 23. 8 1980, S. 580-591, 643-652, 738-746
  39. Braunmüller, Robert: Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder? In: Abendzeitung (München), 27.08.2012
  40. Petersen, Heinrich: Brief an Franz von Bebenburg vom 14.7.1992 (zu dem Artikel von Frithjof Hallmann "War Goethe Sozialist?" in "Mensch & Maß", Folge 13, 9.7.1992, S. 619-622)
  41. Goetze, Siegfried: Goethe in völkischer Sicht. Ein Beitrag zur Freimaurer- und Judenfrage. Manuskript des Gefreiten Dr. Siegfried Goetze, 1941, 317 S. (maschinengeschr., gld.gepr. Hln., Einband besch.)
  42. Hauck, Ernst: Eine Betrachtung zu Goethes "Erlkönig". In: Der Quell, Folge 11, 9.6.1958, S. 501-506
  43. Ruppelt, Georg: Schillers Tod und die Ludendorff-Bewegung. In: Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler. Heft 3, 2005, S. 197-199
  44. Hauck, Ernst: Br. Goethe. Eine ernste und notwendige Feststellung. 2. Auflage, Verlag Pfeiffer & Co., Landsberg an der Warthe 1938 (OA. 1937)

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