Samstag, 17. November 2012

1931 - Ludendorffer wider die Gründung einer Katholischen Universität in Salzburg

"Die Tage des Christentums sind gezählt"
- Erich und Mathilde Ludendorff in Salzburg 

Im vorigen Beitrag (1) ist eine Veranstaltung des Ludendorff'schen Tannenbergbundes gegen die Gründung einer Katholischen Universität Salzburg erwähnt worden. Zu dieser Tagung ist mit sehr emotionalen Werbeplakaten und -anzeigen geworden worden (Abb. 1). Und die Vorträge dieser Tagung sind dann in einem Tagungsband veröffentlicht worden (Abb. 2 und 3) (2). Dieser Tagung soll im folgenden noch ein eigener Beitrag gewidmet werden (vgl. auch: 3).

Abb. 1: Werbeanzeige in "Ludendorffs Volkswarte", 26. Juli 1931 (Zeichnung von Lina Richter)
Die 1622 gegründete Universität Salzburg war 1810, nach dem Anschluß Salzburgs an Bayern, aufgelöst worden (aeiou):
Bemühungen um eine Wiedererrichtung der Universität Salzburg konzentrierten sich zunächst auf eine katholische Universität (Salzburger Hochschulwochen), die Anfang 1938 knapp vor der Verwirklichung stand. 
Vom 3. bis 22. August 1931 fanden dafür das erste mal vorbereitende katholische "Salzburger Hochschulwochen" statt (Wiki, Salzburg-Wiki, SHW):
Als Sommeruniversität konzipiert, sollten sie die Gründung einer katholischen Universität in Salzburg forcieren - ein über viele Jahre hinweg betriebenes Projekt, das ideengeschichtlich wie politisch weit bis in das 19. Jahrhundert zurückreicht.
Abb. 2: Tagungsband der Tagung des Tannenbergbundes in Salzburg, 1931 (Titelseite mit einer Zeichnung von Lina Richter) (2)
Diese katholischen Salzburger Hochschulwochen fanden nun viele Jahre lang statt. Auch noch auf den katholischen Salzburger Hochschulwochen von 1954 forderte der damalige Erzbischof Andreas Rohracher die Errichtung einer katholischen Universität in Salzburg. Aber:
Nachdem die Gründung einer katholischen Universität in Salzburg 1962 gescheitert war, mußten sich die Hochschulwochen auf ein neues Profil festlegen.
Abb. 3: Tagungsband der Tagung des Tannenbergbundes in Salzburg, 1931 - Inhaltsverzeichnis (2)
1962 wurde also in Salzburg die 1810 aufgelöste Universität wieder begründet - aber nicht als katholische, sondern als eine allgemeine! Dies wird man wohl nicht einen späten Erfolg der Gegenveranstaltungen des Tannenbergbundes in den Jahren 1931 und 1932 nennen können. Aber immerhin brachten die Gegenveranstaltungen in jenen Jahren zum Ausdruck, daß Widerstand vorhanden war. Als einzige Katholische Universität in Deutschland wurde schließlich 1980 - unter maßgeblicher Beteiligung des heutigen Papstes - die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt gegründet an einer abgelegeneren Örtlichkeit. (Und diese ist übrigens 2007 prompt in die Schlagzeilen geraten aufgrund von massenweiser - - - Vernichtung von Bücherbeständen! [siehe Wikipedia].) In einer "Geschichte Salzburgs" (von Heinz Dopsch u.a. 1981) heißt es (4):
Eine "Abwehrversammlung" gegen die jesuitische "Geistesknebelung" mit General Erich Ludendorff war eine der Reaktionen,
auf die Pläne zur Gründung einer Katholischen Universität in Salzburg. Und in der "Geschichte des österreichischen Bildungswesens" heißt es (1982) (5):
Die Gegner veranstalteten deshalb am 13. September 1931 im Salzburger Großen Festspielhaus eine "öffentliche Abwehrversammlung" gegen die Errichtung einer katholischen Universität; einer der Hauptredner war General Erich Ludendorff.
Alfred Schaufler - Organisator vor Ort

Diese Gegenveranstaltung fand statt vom 8. bis 13. September 1931. Offenbar ist die Veranstaltung im Jahr 1932 in sehr ähnlicher Weise wiederholt worden. Diesmal allerdings ohne die Teilnahme Erich und Mathilde Ludendorffs. Federführend wurde sie in beiden Jahren geleitet von einem Dr. Georg Stolte aus Hannover, dem Leiter eines damaligen "Tannenberg-Studenten-Bundes". Letzterer trat auch als Veranstalter auf zusammen mit dem "Tannenbergbund / Landesverband Deutsch-Österreich" (s. Abb. 5).

Abb. 4: Alfred Schaufler, geb. 1888, 1920er Jahre
Vor Ort lag die Organisation lag in den Händen von Alfred Schaufler, dem Leiter der "Geschäftsstelle der Deutschen Volkshochschule Salzburg" (s. Abb. 3 und 6):
Unterkunft: Besorgt die Geschäftsstelle in Salzburg. (...) (Massenlager S 0,50, 1 Bett in mehrbettigen Rumen ab S 1,-. Zimmer einbettig ab S 2,50)
Alfred Schaufler hatte auch Hilfe von seinem jüngeren Bruder Wilhelm Schaufler, der damals als Angestellter im Arbeitsamt in Tamsweg arbeitete (siehe voriger Beitrag)(1). Beide waren in Salzburg geboren und aufgewachsen.

In der Unterkunft, die offenbar Alfred Schaufler, sein Bruder und/oder andere dem Ehepaar Ludendorff besorgt hatten, wäre nicht genug geheizt worden und so hätte sich Erich Ludendorff erkältet, ist den Kindern von Wilhelm Schaufler noch heute unklar in Erinnerung. Dies wird bestätigt durch die Lebenserinnerungen Erich und Mathilde Ludendorffs. In denen Erich Ludendorffs heißt es über den August und September 1931 (6, S. 323 - 325):
"Ludendorffs Volkswarte" (...) wurde wegen meiner vermeintlichen Angriffe auf den römischen Papst (...) bis zum 26. August verboten. Selbstverständlich erhoben wir Beschwerde beim Reichsgericht, natürlich vergeblich. (...) Ich konnte dieses ungeheuerliche reichsgerichtliche Urteil noch rechtzeitig in der Folge vom 13. 9. bringen und damit die Deutschen aufklären, die in Salzburg gegen die Einrichtung einer römischen Universität daselbst an der Tagung teilnahmen, welche seit Monaten vorbereitet war und in der Zeit vom 8. bis 13. stattfand.
Abb. 5: Einladungsblatt für die Tagung im Jahr 1932
Und weiter (6, S. 327f):
Die Tagung in Salzburg war eine Kampftagung gegen die Einrichtung einer römischen Universität in Salzburg. Sie war von verschiedenen studentischen Verbänden unter starker Beteiligung des Tannenbergstudentenbundes veranstaltet, sie bestand in einer Reihe von Vorträgen und in einer besonders feierlichen Veranstaltung im Salzburger Festspielhaus. Die Vorträge behandelten den Kampf der überstaatlichen Mächte gegen das Deutschtum und auch soziale Fragen, sowie Deutsche Gotterkenntnis und Deutsche Weltanschauung. Meine Frau und ich nahmen allein an einigen Vorträgen am 12. September und an der Veranstaltung am 13. teil. (...) Wir benutzten den Sonntagnachmittag, um uns auch das Mozarthaus anzusehen. (...) Die Unterbringung war recht eigenartig, das Wetter sehr ungünstig, so daß ich nachts im Bette fror und mir eine schwere Erkältung zuzog.
Diese Lebenserinnerungen sind 1951 veröffentlicht worden.

Abb. 56 Einladungsblatt für 1932
Allerdings waren dies für Erich und Mathilde Ludendorff nicht die einzigen "Mißhelligkeiten". Ursprünglich war geplant worden, daß der Tannenbergbund in der Abschlußveranstaltung im Großen Festspielhaus "Gast" der beteiligten Studentenkorporation sein sollte. Nach ihrem Eintreffen am Samstag lehnten dies Erich und Mathilde Ludendorff ab. Dieser Umstand wurde durch Raumänderungen und Umstellungen des Programms noch abgestellt. Mathilde Ludendorff schreibt dazu in ihren Lebenserinnerungen (7, S. 209f):
Es braucht wohl nicht betont zu werden, daß diese Studentenkorporation, für die wir ganz gegen unseren Willen hätten sprechen sollen, kaum etwas mit unserem Kampfe gemeinsam hatte. Wie gut hätte man dann nachher behaupten können, wir versuchten, christliche Studenten aus der Kirche zu locken und ihre Tagungen dazu zu mißbrauchen! So war es von Drahtziehern wohl ausgedacht. Auf diese List waren Mitkämpfer hereingefallen, und wir hatten am Samstag viel, viel Mühe,  die Schwierigkeiten zu rascher Änderung zu überwinden.
Sicherlich hatten sie sich dabei mit Alfred Schaufler und Georg Stolte auseinanderzusetzen. In vielen sonstigen Aspekten wurde die Tagung jedoch als ein großer Erfolg empfunden. Viele Autoren und Redner des Tannenbergbundes waren aus ganz Deutschland und Österreich gekommen und hatten Vorträge gehalten. Folgende Namen werden genannt (7, S. 209f): Professor H. Kräger (Berlin), ein Pfarrer Petras (Wohlau), Ludwig Engel (München), Fritz von Bodungen (Holstein), Rudolf Holoubek (Wien), Robert Schneider (Karlsruhe), Lena Oswald (Heidelberg), Richard Soyka (Wien), Rechtsanwalt Wieland (Ulm), Hans Kurth (München).

Abb. 7: Einladungsblatt für 1932, Rückseite
"Die seltsame Fahrlässigkeit unserer Versorgung berührte uns merkwürdig"

Mathilde Ludendorff berichtet über die Abschlußveranstaltung (7, S. 210f):
Die Vorträge, die wir nach dem Singen eines wirksamen Canons hielten, waren eine ungeheure Anklage gegen Rom. Hatte Ludendorff unter dem Jubel der Anwesenden gesagt, "die Tage des Christentums sind gezählt!", so hatte ich meinen Beweis, daß Dogmengläubige nicht Wahrheitssucher, daher also auch nicht Wissenschaftler sein können, mit den Worten geschlossen: "Kraft der Gottnähe unserer Erkenntnis, kraft der Klarheit unserer Ziele, kraft der Reinheit unserer Beweggründe wird Rom untergehen." Dann sprach Erich Limpach eines seiner Gedichte, und wir sangen das niederländische Kampflied. Da wir uns vor unseren Vorträgen die Feste Hohensalzburg mit ihrer düsteren Geschichte gewaltsamer Romherrschaft und ihren Verließen angesehen hatten, waren wir zu unserem Wirken in die rechte Stimmung gekommen; der Besuch im Mozarthause erhöhte sie noch!

Wenn wir aber gehofft hatten, diese Tage könnten auch eine kleine Vorfeier unseres lieben 14. 9. werden, so hatten wir geirrt. Die unerwartete Wirrnis, die wir regeln mußten, und die seltsame Fahrlässigkeit unserer Versorgung berührte uns merkwürdig.
Der 14. 9. war im Jahr 1931 der fünfte Hochzeitstag von Erich und Mathilde Ludendorff. Diese Worte sind 1968 veröffentlicht worden.

Die Tagung ist in ähnlicher Besetzung und zu ähnlicher Zeit ein Jahr später wiederholt worden (Abb. 4 bis 6). Allerdings ohne die Teilnahme Erich und Mathilde Ludendorffs.
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  1. Bading, Ingo:  Mein Großvater - Ludendorff-Anhänger in Österreich. Der Leiter des Arbeitsamtes Zell am See und Maler Wilhelm Schaufler (1892 - 1950). Studiengruppe Naturalismus, 17.11.2012 
  2. Stolte, Georg (Tannenberg-Studentenbund) (Hg.): Der Kampf um Salzburg. Vorträge und Ansprachen der Deutschen Volkshochschule Salzburg vom 8. - 13. Scheidings 1931. Ludendorffs Volkswarte-Verlag, München 1931 
  3. Padinger, Franz: Geschichte der Salzburger Hochschulewochen. In: Christliche Weltdeutung, SHW 1931 - 1981, hg. v. Paulus Gordan, Graz u.a. 1981, S. 23ff 
  4. Dopsch, Heinz u.a.: Geschichte Salzburgs. 1981
  5. Geschichte des österreichischen Bildungswesens". 1982  
  6. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band. Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951
  7. Ludendorff, Mathilde: Statt Heiligenschein und Hexenzeichen mein Leben. 4. Teil: Freiheitskampf wider eine Welt von Feinden an der Seite des Feldherrn Ludendorff. Franz von Bebenburg, Pähl 1968

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