Mittwoch, 11. April 2012

Eine WDR-Dokumentation über die Ludendorff-Bewegung (2011)

Eine ganz interessante Dokumentation eines Heiner Wember hat sich schon 2011 im WDR mit Erich und Mathilde Ludendorff und der Ludendorff-Bewegung beschäftigt (WDR, 25.5.11). Recht passend bebildert durch einen Youtube-Benutzer (Yt). Interessant ist diese Dokumentation insbesondere auch deshalb, weil sie sehr umfangreich die Historikerin Bettina Amm zu Wort kommen läßt, die 2006 eine Dissertation über die Geschichte der Ludendorff-Bewegung geschrieben hat (1).


Außerdem werden auch zwei originale Tonbeispiele von Erich Ludendorff selbst gebracht, zwei Sätze aus seiner Rede anläßlich seines 70. Geburtstages 1935 (etwa zwischen 8'15 und 9'30), die also in Rundfunk- und Filmarchiven vollständig vorzuliegen scheint (siehe auch früherer Beitrag).

Die Erfahrung zeigt, daß es bei diesem Thema nichts Ungewöhnliches ist, daß die Dokumentation auch vielerlei Irrtümliches enthält. So war - nur als Beispiel - Erich Ludendorff - natürlich - schon "völkisch", bevor er Mathilde Ludendorff kennenlernte, sonst hätte er schließlich nicht zusammen mit den "Völkischen" um Adolf Hitler 1923 den Hitler-Ludendorff-Putsch durchgeführt. Interessanterweise hatte er sich übrigens auch - laut seiner Lebenserinnerungen - schon lange vor dem näheren Kennenlernen seiner zweiten Frau mit den Werken von Charles Darwin beschäftigt.

Auch sind die Aussagen der Psychologie und Philosophie Mathilde Ludendorffs zur angeborenen seelischen Unterschiedlichkeit der Völker und ihres "Gotterlebens" differenzierter und weniger - sozusagen - "rassistisch", als dargestellt, weil darin nämlich ein großes Gewicht auf den philosophischen Nachweis des freien Willens des Menschen gelegt wird (siehe das Werk "Selbstschöpfung"), und weil deshalb notwendigerweise postuliert wird, daß jeder Mensch - egal welcher Rasse- und Volkszugehörigkeit - die Möglichkeit hat, gottnah und vollkommen oder das Gegenteilige zu werden.

Und weil ausgeführt wird, daß angeborene Anlagen auf diesem Weg ebenso entweder förderlich oder hinderlich sein können wie günstige oder ungünstige Umwelt- und Erziehungseinflüsse. Nicht zuletzt deshalb hat Mathilde Ludendorff ja auch eine Philosophie des Erziehung geschrieben ("Des Kindes Seele und der Eltern Amt").

Wesentlich allerdings ist, daß nach ihrer psychologischen Philosophie jedes - vor allem durch muttersprachliche Prägung - bestimmte Volk oder jede so bestimmte Volksgruppe seinen eigenen, individuellen Weg zu gehen hat, um sein eigenes Gottlied im "Gottlied der Völker" zu singen (so ein weiterer Buchtitel). Deshalb wird ja auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Notwendigkeit der genetischen und kulturellen "Volkserhaltung" so stark gegenüber allen früheren und heutigen Globalisierungstendenzen betont und in den Vordergrund gestellt.

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1. Bettina Amm: Die Ludendorff-Bewegung. Zwischen nationalistischem Kampfbund und völkischer Weltanschauungssekte, Diss., Hamburg 2006
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