"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Mittwoch, 27. November 2019

Ehrenvorsitzender der Angestellten-Gewerkschaft - Erich Ludendorff?

Zwei neu bekannt gewordene Briefe
- und viele offene Fragen

Im Wiener Autographen-Handel sind im November 2019 zwei handschriftliche Briefe Erich Ludendorffs zum Verkauf angeboten worden (Doroth., Nov. 2019). Der dortige Bearbeiter, Andreas Löbbecke, meint, die beiden Briefe hätten den gleichen Empfänger.*)

Abb. 1: Zwei Briefe Erich Ludendorffs, verfaßt in München (Dorotheum, November 2019)
Der erste Brief (Abb. 1, links) stammt aus dem Zeitraum 1920 bis 1933, der Zeitraum, in dem Erich Ludendorff unter dem genannten Absender "München, Heilmannstraße" wohnhaft war. Unser Vorschlag der Lesart des in Teilen nicht gerade leicht zu enträtselnden Wortlauts soll bis auf weiteres der folgende sein (Verbesserungsvorschläge, Korrekturen willkommen!) (die uns zweifelhaftesten Lesarten sind unterstrichen): 
                                           München, Heilmannstr. 13/4
Sehr verehrter Herr Hauptmann!
Vorkommnisse an meinem Geburtstage haben
mich darauf hingewiesen, daß die Ortsgruppe
München des D. n. H. nicht mehr so ist, wie ich
es für angemessen halte. Eine Besprechung,
die ich heute mit dem jugendlichen Vorsitzenden
hatte, hat mich darin bestärkt. Ich bin Ehren-
mitglied der Gruppe München und Ehrenvorsitzender
des Vereins und erwarte, daß die Grundsätze 
befolgt werden, die von Berlin für den 
Bund ausgegeben werden. Andernfalls würde
ich meine Ehrenmitgliedschaft zurück geben (sic?).
Da ich festgestellt habe, daß Sie noch 1. Vorsitzender sind,
so teile ich Ihnen vorstehendes mit.
Der Brief ist vier Tage nach dem 9. April, also nach dem Geburtstag Erich Ludendorffs geschrieben worden. Er könnte gut in das Jahr 1925, passen, in dem sich Erich Ludendorff nach und nach von immer mehr nationalen und völkischen Verbänden und Vereinigungen trennte, mit denen er zuvor in einem engeren Einvernehmen gestanden hatte und die ihn mit Ehrenmitgliedschaften, Ehrenvorsitz und dergleichen überhäuft hatten. Eventuell käme auch das Jahr 1926 infrage.

Insbesondere in der - im Jahr 1924 verbotenen - Münchner NSDAP hat sich schon ab Sommer 1924 - noch während der Festungshaft von Adolf Hitler - eine große Respektlosigkeit gegenüber Erich Ludendorff breit gemacht, verkörpert unter anderem in dem damals jungen Hermann Esser (1900-1981) (Wiki) (1, 2). Daß diese schon im April 1924 zum Ausdruck gekommen sein könnte, also kurz nach dem Ende des Prozesses gegen Hitler und Ludendorff, dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte. Deshalb ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, daß dieser Brief in das Jahr 1925, eventuell in ein späteres Jahr fällt (3, 4).

Denkbarer Adressat: Hans Bechly

Am naheliegendsten dürfte sein, daß es sich bei "D. n. H." um den - der DNVP und völkischen Kreisen nahestehenden - "Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verband" (DHV) (Wiki) (11) handelte, um jene Gewerkschaft, die nach 1945 als "Deutsche Angestellten-Gewerkschaft" neu gegründet worden ist. Über Verbindungen zwischen Erich Ludendorff und diesem Verband ist in der Literatur (Google Bücher) zunächst nicht so leicht etwas in Erfahrung zu bringen.

Verbandsvorsteher des DHV war von 1911 bis 1933 Hans G. W. Bechly (1871-1954) (Wiki, engl). Dieser gehörte nicht zum deutschvölkischen Flügel des Verbandes, sondern zum sozialpolitischen Flügel desselben. Bechly war auch zweiter Vorsitzender des damaligen nicht-sozialistischen Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) (Wiki) und anderer Gewerkschaften (5). Auf Verbandstagen der 1920er Jahre hat sich Bechly in Vorträgen immer wieder mit dem "nationalen Gedanken" beschäftigt (7-9). Bechly war offenbar Mitglied der liberaleren Deutschen Volkspartei (DVP) (10). Aber ab 1930 begann sich der DHV mit dem Nationalsozialismus zu arrangieren. Nach 1945 hat Bechly erneut die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) mit aufgebaut (6).

Es ist denkbar, daß Erich Ludendorff schon 1917 oder 1918 zum Ehrenvorsitzenden des DHV gewählt worden sein kann. Er kann dazu aber auch in den Jahren zwischen 1920 und 1923 gewählt worden sein.

Um wen es sich bei dem "jugendlichen Vorsitzenden" der Ortsgruppe München des DHV gehandelt haben kann, muß einstweilen ebenso offen bleiben. Sicher ist, daß ein nicht geringer Teil der Mitglieder des Deutschnationalen Handlungsgehilfen-Verbandes schon früh der NSDAP nahe gestanden hat (11). Es kann sich also womöglich um einen Mann vom Schlage des späteren Gauleiters von Danzig und Westpreußen gehandelt haben, also um jemanden wie Albert Forster (1902-1952) (Wiki), jedenfalls ein Mann der Generation von Albert Forster. Forster war ebenfalls Mitglied im DHV und hielt sich ebenfalls im Jahr 1923 auch in München aufgehalten (5):
Der Bankkaufmann Albert Forster war seit 1923 Mitglied der NSDAP (...) und hatte sich schon am mißglückten Putsch in München beteiligt. Früh Mitglied im DHV, hatte man ihn 1932 allerdings wegen allzu extremistischer Neigungen ausgeschlossen.
Es hat also auch im Jahr 1932 noch kein bruchloses "Arrangieren" des DHV mit dem Nationalsozialismus gegeben. 1928 war Forster zeitweise Mitarbeiter des DHV in Fürth gewesen (Wiki).

Was sich aus diesem hier behandelten Brief nun für konkretere Folgen ergeben haben können, muß einstweilen ganz offen bleiben.

/Text stark erweitert:
18.3.2020/
_______________
  1. Bading, Ingo: Adalbert Volck gegen Erich Ludendorff (1924) Spaltungstendenzen in der Deutschvölkischen Freiheitspartei 1924, August 2014, https://studiengruppe.blogspot.com/2014/08/adalbert-volck-gegen-erich-ludendorff.html
  2. Bading, Ingo: "Ich bin der größte Revolutionär, den Deutschland heute hat." - Erich Ludendorff 1928 - Neue Briefe aus den Jahren 1924, 1928 und 1946, November 2010, https://studiengruppe.blogspot.com/2010/11/ich-bin-der-grote-revolutionar-den.html  
  3. Robert Probst, Völkischer Block in Bayern (VBl), 1924/25, publiziert am 02.08.2006; in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Völkischer_Block_in_Bayern_(VBl),_1924/25> (27.11.2019) 
  4. Mathias Rösch: Die Münchner NSDAP 1925-1933. Eine Untersuchung zur inneren Struktur der NSDAP in der Weimarer Republik. Walter de Gruyter 2014 (GB)
  5. Lange, Gunter: Die braune Gewerkschaft - Die machtvolle Angestelltengewerkschaft DHV. Die Zeit, 23. Mai 2013, Nr. 22/2013, https://www.zeit.de/2013/22/gewerkschaft-nationalsozialismus-dhv/komplettansicht.
  6. Erbschaft mit Saugnäpfchen. Der Spiegel, 23.04.1949, https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-44436110.html.
  7. Bechly, Hans und Prof. Dr. August Messer: Volkstum und Weltbürgertum. Eine Aussprache in zwei Aufsätzen und vier Briefen. Alldeutscher Verband, Hamburg, um 1918
  8. Bechly, Hans: Der nationale Gedanke nach der Revolution. Vortrag gehalten am vierzehnten Deutschen Handlungsgehilfentag in Leipzig, vom 18. bis 20. Oktober 1919. Hamburg, Deutschnationale Verlagsanstalt, 1919
  9. Bechly, Hans: Die Führerfrage im neuen Deutschland. Vortrag, gehalten auf dem 18. Deutschen Kaufmannsgehilfentag am 10. Juni 1928 in Dresden. Hamburg, Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband 1928
  10. Edmund, Rolf: Right-wing critics of Weimar. PowerPoint PPT Presentation, Slide 29, https://www.slideserve.com/rolf/right-wing-critics-of-weimar
  11. Pomplun, Jan-Philipp: Deutschnationaler Handlungsgehilfen-Verband. In: Handbuch des Antisemitismus, Bd. 5, hrsg. v. Wolfgang Benz u.a., München 2012 (GB)

1921 - "Lieber Obermayr!"


Als Name im zweiten Brief (Abb. 1, rechts) ist ein "Obermayr" angesprochen. Die Jahreszahl des Briefes ist nicht leicht zu bestimmen. 1911 - wie vom Bearbeiter vermutet*) - ist mit Sicherheit auszuschließen. Denn da war Erich Ludendorff noch völlig unbekannt und er lebte in Berlin, nicht in München. Am ehesten käme wohl 1921 in Frage. Seit März 1920 - seit dem mißlungenen Kapp-Putsch - hat Erich Ludendorff mehr in Bayern als in München gelebt, zunächst dort an verschiedenen Orten. So lebte er mehrere Wochen auf Schloß Neubeuern, 34 Kilometer östlich von Schliersee. Im August 1920 ist er dann - mit seiner Frau Margarethe - endgültig nach München in die Heilmannstraße gezogen (1). Der Brieftext lautet jedenfalls soweit bislang entzifferbar:
München, 20. 2. 21 [?]

Lieber Obermayr!
Ich war lange verreist, daher die späte Antwort. Meine Frau und ich werden kommen und danken für die Einladung. Wir werden vorher gewiß noch daran erinnert, sonst kann sich alles mögliche ereignen.
Anliegend das Gewünschte [?].
Mit bestem Gruß
Ihr sehr ergebener
Ludendorff.
Abb. 2: Pfarrer A. Obermayr, Schliersee
Eine Möglichkeit ist, daß hier der katholische Pfarrer Adalbert Obermayr (1875-1949) (Schliersee) von Schliersee angeschrieben worden ist. Dieser war 1945 zum Ehrenbürger von Schliersee ernannt worden (Mag. Schliersee). Vermutlich hat er die kirchlichen Handlungen durchgeführt bei der Enthüllung des Oberland-Denkmals in Schliersee am 30. September 1923, an der Erich Ludendorff teilnahm (4). Obermayr stand offenbar bis zum Hitler-Ludendorff-Putsch im November 1923 in Verbindung mit der völkischen Bewegung in Bayern (2, S. 141, 237):
Obermayr (...) distanzierte sich von der NS-Bewegung nach dem Putsch, ist aber nicht unter den durch die Nazis verfolgten Priestern aufgeführt.
Original: Obermayr was born in 1875, was ordained in Munich in 1900, and began as a parish priest in Schliersee in 1916. (...) Obermayr also distanced himself from the Nazi movement after the putsch, but he is not listed among the priests persecuted by the Nazis.
Die von Pfarrer Obermayr 1938 - in Zusammenarbeit mit dem Münchner Kardinal Faulhaber - errichtete und eingerichtete Bergkirche am Spitzingsee atmet noch heute in der Inneneinrichtung einen dem völkischen Zeitgeist sehr nahestehenden Geist (Mag. Schliersee). Obermayr schrieb 1946 Berichte über die Kämpfe um Schliersee am Ende des Zweiten Weltkrieges an die Leitung seines Bistums München-Freising (3) (Merkur 2015).

Aber aufgrund welcher Umstände hätte nun dieser Adalbert Obermayr schon im Februar 1921 in einer solchen persönlichen Verbindung mit General Ludendorff stehen sollen wie diese aus dem Wortlaut des Briefes heraus klingt? Insgesamt entsteht doch der Eindruck, daß Ludendorff im Jahr 1921 einen katholischen Pfarrer im Brief förmlicher und vornehmer im Tonfall angesprochen haben sollte als das hier der Fall ist ("Lieber Obermayr"). Auch war Ludendorff im Februar 1921 noch keineswegs so völkisch eingestellt wie im September 1923. Der Brief wirkt schnell hingeschrieben. Fürs erste möchten wir es deshalb nicht für plausibel halten, daß dieser Brief an den genannten Adalbert Obermayr gerichtet gewesen ist. An wen er aber dann gerichtet gewesen ist, muß vorerst offen bleiben.

Vorerst würde eine Datierung auf das Jahr 1921 jedenfalls mit bekannten Daten nicht in Widerspruch stehen: Erich Ludendorff hatte am 18. Januar 1921 an Reichsgründungsfeiern in München teilgenommen und am 7. Februar 1921 einen Vortrag in Hamburg gehalten (1). Das gibt zunächst Anlaß zu der Vermutung, daß er am 20. Februar 1921 durchaus Grund gehabt haben konnte zu schreiben, daß er "lange verreist" war.

Somit kann bislang nur der erste der beiden hier behandelten Briefe etwas konkreter in historische und biographische Zusammenhänge eingeordnet werden, nämlich in den Weg Ludendorffs vom "Nationalen" (bis 1922) zum Völkischen (bis 1925) und schließlich zu seinem Stehen "allein auf weiter Flur" (ab 1926). 
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*) Erläuterung des Angebotes von Dorotheum: >>Zwei e. B. m. U., München 20. 11. 1911 bzw. o. D. (13. 4.), 1 und 1 1/4 S., gelocht, ein Schreiben mit Ausriß in der Lochung, das andere mit repariertem horizontalen Riß in der Faltung, 8vo. An Herrn Obermayer mit Dank für eine Einladung: "... Ich war lange verreist, daher die späte Antwort. Meine Frau und ich werden kommen und danken für die Einladung ..." (20. 2. 1911). Im zweiten Brief an einen Hauptmann (wohl ebenso Obermayer) weist Ludendorff darauf hin, daß die Ortsgruppe München der d. u. h. (?) nicht mehr im angemessenen Zustand befindlich sei.  Experte: Mag. Andreas Löbbecke<< (Dorotheum, November 2019)
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  1. Bading, Ingo: Erich Ludendorff in Fotografien des Jahres 1921 - Eine Chronologie in Bildern, 17. Januar 2016, https://studiengruppe.blogspot.com/2016/01/erich-ludendorff-im-jahr-1921.html
  2. Hastings, Derek: Catholicism and the Roots of Nazism: Religious Identity and National Socialism, Oxford University Press, 2011 (GB
  3. Reinhold Friedrich: Spuren des Nationalsozialismus im bayerischen Oberland. 2013 (GB)
  4. Bading, Ingo: Das Oberlanddenkmal in Schliersee - Seine Einweihung am 30. September 1923 eine politische Demonstration Die völkischen Wehrverbände Bayerns stehen zur Regierungsbeteiligung in Bayern und zum "Marsch auf Berlin" bereit , 20. Januar 2012, https://studiengruppe.blogspot.com/2012/01/das-oberlanddenkmal-in-schliersee-und.html
  5. Bading, Ingo: Erich Ludendorff auf Schloss Neubeuern in Oberbayern - Ein Aufenthalt von "ungeheurer Bedeutung" - "Nach schweren Tagen fand ich hier Frieden", April 1920, Januar 2016, https://studiengruppe.blogspot.com/2016/01/erich-ludendorff-auf-schloss-neubeuern.html

Samstag, 12. Oktober 2019

"Der Starke ist am mächtigsten allein." - Erich Ludendorff im Dritten Reich

Er war im November 1934 Ansprechpartner "stiller Opposition".
Ein vormals angesehener "Mainstream"-Journalist bat Ludendorff um Mitarbeit - und erhielt eine Absage.

Der einflußreiche deutsche Journalist Fritz Klein sr. (1895-1936) (Wiki) positionierte sich nach 1933 als zurückhaltender, konservativer Kritiker des Dritten Reiches. Bis 1933 war er gut vernetzt gewesen in jene konservativen Eliten der Weimarer Republik, die die Machtergreifung Hitlers wünschten und förderten. In diesem Rahmen hatte er das auch selbst getan. Fritz Klein war Mitglied des Deutschen Herrenclubs und des Rotary Clubs. Aufgrund seiner verhalten kritischen Einstellung verlor er seine Stelle als Chefredakteur der vielgelesenen "Deutschen Allgemeinen Zeitung" (Wiki):
Am 3. Oktober 1933 gründete Fritz Klein zusammen mit Paul Fechter (1880–1958) die Wochenzeitschrift "Deutsche Zukunft" (DZ), deren erste Nummer am 15. Oktober 1933 erschien. In wirtschaftlicher Hinsicht führte die berufliche Veränderung zu finanziellen Problemen. Obschon kaum mehr kritisch in ihren Artikeln, gelang es der Zeitschrift, von manchen Lesern als eine Art stille Opposition wahrgenommen zu werden.
Fritz Klein kam 1936 mit 41 Jahren bei einem Reitunfall ums Leben (4):
Kurz nach seiner Einberufung zu einer militärischen Übung starb Fritz Klein in Liegnitz nach einem Reitunfall, was Anlaß zu Spekulationen gegeben hat, er sei als Gegner des Nationalsozialismus ums Leben gebracht worden.
Abb. 1: 1936 veröffentlicht
Klein hinterließ vier minderjährige Kinder, von denen zwei in die Pflegefamilie eines Sozialdemokraten gegeben wurden. Der Sohn Fritz Klein jr. (1924-2011) (Wiki) wurde nach 1945 marxistischer Historiker und "Informeller Mitarbeiter" der Staatssicherheit in der DDR. Nach dem Tod des Sohnes im Jahr 2011 gab die Familie die Nachlässe beider an die "Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften", wo sie in einem von der "Deutschen Forschungsgemeinschaft" finanzierten Projekt ab 2013 digitalisiert worden sind. Unter den Digitalisaten findet sich ein Schreiben der "Deutschen Zukunft" vom 20. November 1934 an Erich Ludendorff (Archivesportaleurope):
Die Schriftleitung der "Deutschen Zukunft" erlaubt sich die ergebene Anfrage, ob Sie, sehr verehrter General, bereit wären, in unserm Blatte einmal das Wort zu ergreifen. Als Thema, dessen besondere Behandlung wir selbstverständlich ganz Ihrem Ermessen überlassen möchten, würden wir die Möglichkeiten eines künftigen europäischen Krieges in Vorschlag bringen. Wir halten es für unerläßlich, daß sich gerade in der heutigen Zeit, da das ganze Ausland von Kriegsgeschrei widerhallt, auch einer der berufenen deutschen Sachkenner dazu äußert. Da unser Leserkreis durchweg aus selbstständig denkenden Menschen besteht, glauben wir annehmen zu dürfen, daß Ihre Ausführungen auf der Tribüne der "Deutschen Zukunft" ein nachhaltigeres Echo finden würden als in der übrigen deutschen Presse.
Mit dem Schreiben wurden mehrere Nummern der "Deutschen Zukunft" übersandt. Es dürfte auch mit dem Abstand von 85 Jahren noch schwer sein zu entscheiden, ob dieses Schreiben mit irgendwelchen unausgesprochenen Hintergedanken verbunden gewesen ist - und wenn ja, mit welchen - oder ob es wirklich nur darum ging, daß ein Journalist, der an Einfluß verloren hatte, einen für die damalige Mainstream-Presse etwas ungewöhnlichen, womöglich provozierenden Autor hervor ziehen wollte. Bei Handlungen in Diktaturen wie jener, die seit 1933 bestand, bekommt auch der nachlebenden Historiker womöglich nicht besonders leicht jede Nuancierung mit, die man mitbekommen müßte, um ein Geschehen richtig einzurorden.

Erich Ludendorff behandelte Fragen der Außenpolitik und der Kriegsmöglichkeiten zu jener Zeit in seiner Zeitschrift "Der Quell" zwar gewohnt energisch, aber dennoch außerordentlich zurückhaltend. Er mußte jeder Zeit mit einem Verbot der Zeitschrift rechnen und stellte sich darauf ein. Unter solchen Umständen für ein Periodika zu schreiben, wo man die Auswirkungen des Geschriebenen noch weniger übersehen konnte als in seiner eigenen Zeitschrift, dürfte schon für sich ein zusätzliches Wagnis gewesen sein. Womöglich war es aber auch einfach nur die Absicht des Schreibens, Ludendorff, sozusagen aufs "Glatteis" zu führen, nämlich ihn dazu zu bringen, sich in den Augen der Machthaber deutlicher zu kompromittieren als er es in jener Zeit tat, wodurch der Vorwand zu noch entschiedenerem Vorgehen gegen die Öffentlichkeitsarbeit des Hauses Ludendorff gegeben wäre. Das ist aber nur Spekulation. Man darf festhalten: Auch andere sondierten ja gegenüber Erich Ludendorff in jener Zeit, etwa sein "Freund" Wilhelm Breucker (1) oder die Wehrmacht-Generalität (2).

Auf jeden Fall kann dieses Schreiben von Fritz Klein als ein weiteres Zeugnis dafür gelten, daß Erich Ludendorff während des Dritten Reiches von unterschiedlichen Kreisen als "Opposition" wahrgenommen wurde und werden konnte. Deutlich sichtbare oder subtil nuancierte Hinweise hierfür haben wir ja hier auf dem Blog schon viele zusammen getragen. Erinnert sei etwa auch an die Hoffnungen, die einige Anhänger der Freiwirtschaftsidee zeitweise auf Erich Ludendorff richteten (3). - Erich Ludendorff antwortete jedenfalls am 22. November 1934 von Tutzing aus:
Geehrter Herr Doktor!
Ich schreibe grundsätzlich für keine andere Zeitschrift, als die ich in "Ludendorffs Verlag" herausgeben lasse.
Mit Deutschem Gruß!
gez. Ludendorff
Diese Antwort könnte man als sehr kurz angebunden und wenig verbindlich empfinden. Vielleicht könnte man sie auch als einen "Schuß vor den Bug" bezeichnen, als ein Signal: "Bis hier und nicht weiter!" Erich Ludendorff - ebenso wie nach seinem Tod Mathilde Ludendorff - mußten während der Diktatur immer wieder äußerste Anstrengungen aufbieten, um sich ihren Handlungsspielraum zu erhalten und ihn bestmöglich zu erweitern, ohne sich dabei vor die Karren anderer Interessen spannen zu lassen und auch ohne sich dabei "überschlucken" zu lassen (was viele wollten) oder sich in Dinge zu "verheddern", sprich in Abhängigkeiten zu geraten, aus denen dann nur noch schwer heraus zu kommen war. Vielleicht glaubte Ludendorff sehr deutlich erkannt zu haben, daß er hier jemanden "auf den Leim" gehen sollte. Aber all das ist, solange es keine weiteren Anhaltspunkte gibt (denen man nachgehen könnte, wenn man sich ausführlicher mit dem Wirken und den Bestrebungen von Fritz Klein beschäftigen würde) Spekulation.

Immer wieder stößt man jedenfalls in unveröffentlichten Briefwechseln auf das Bemühen, die eigene Unabhängigkeit zu bewahren, sprich, "für sich zu stehen", wohl in etwa nach dem Motto von Schillers Wilhelm Tell: "Der Starke ist am mächstigsten allein."

Abb. 2: Ludendorff antwortet, November 1934

/ leicht überarbeitet;
neuer Titel und Schlußsatz:
16./17.12.2019 /
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  1. Bading, Ingo: Ein Ludendorff-"Freund" und seine Mitgefühle für Freimaurer, Hindenburg und Hitler Wilhelm Breucker und der Versuch der Gleichschaltung Erich Ludendorffs 1933/34, August 2013, https://studiengruppe.blogspot.com/2013/08/ein-ludendorff-freund-und-seine.html
  2. Bading, Ingo: April 1935 - Erich Ludendorff als Gesprächspartner des militärischen Widerstandes gegen Hitler (I), August 2012, https://studiengruppe.blogspot.com/2012/08/april-1935-erich-ludendorff-gefeiert.html
  3. Bading, Ingo: Erich Ludendorff - Er sollte sich für den Sturz von Hjalmar Schacht bei Hitler einsetzen (1937) An die Stelle von Schacht sollte Carl Friedrich Goerdeler treten, Juni 2013, https://studiengruppe.blogspot.com/2013/06/erich-ludendorff-sollte-sich-fur-den.html
  4. Gündisch, Konrad:  Nachruf auf den Historiker Fritz Klein, Siebenbürgische Zeitung, 2.7.2011, https://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/11258-nachruf-auf-den-historiker-fritz-klein.html

Mittwoch, 15. Mai 2019

Erich Ludendorff wendet sich dem Rassegedanken zu (1920)

Anregungen dazu gaben zunächst Karl Ludwig Schemann und der Graf Gobineau (1920)

In seinen Lebenserinnerungen von 1940 beschreibt Erich Ludendorff (1865-1937) vergleichsweise genau, mit welchen Menschen, Büchern und Gedanken er sich nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg beschäftigt hat und wie er sich dabei von einem Politiker mit zunächst überkommener "nationaler" Ausrichtung zu einem solchen bewußt völkischer Ausrichtung wandelte. Es war damals noch ungewöhnlich, daß ein führender deutscher Militär sich dezidiert völkischen Gedanken zuwandte. Ludendorff erwähnt im Zusammenhang mit diesen Entwicklungen auch den den Freiburger Professor und völkischen Schriftsteller Karl Ludwig Schemann (1852-1938) (Wiki) (1). Dessen Werk habe gleich anfangs Einfluß genommen auf seine eigene geistige Entwicklung. 

Inzwischen kann diese Einflußnahme anhand des Briefnachlasses von Schemann genauer nachgezeichnet werden. Er liegt in der Universitätsbibliothek Freiburg vor (1).

Erstmals hat sich Ludwig Schemann brieflich am 30. September 1919 an Erich Ludendorff gewendet (2, S. 236). Er schrieb Ludendorff, um diesen auf seine Gedankenwelt und auf die Rassefrage aufmerksam zu machen. Ludendorff reagierte schnell positiv. Auch ließ er sich von Schemann anregen, den Grafen Gobineau über die Rassefrage zu lesen. 

Schemann und Ludendorff beziehen sich dann beide aufeinander in ihren Büchern zwischen den Jahren 1920 und 1925. Dazu werden in dem vorliegenden Beitrag erste Recherche-Ergebnisse gebracht. Sie sind künftig nach und nach noch auszubauen, insbesondere um das geistige Umfeld von Ludwig Schemann auszuloten (der Kreis um Richard Wagner), und um die Bedeutung des Austausches mit Ludwig Schemann für das weitere Denken Erich Ludendorffs nachzuvollziehen.

Abb. 1: Karl Ludwig Schemann

Als langjähriger Vorsitzender der Gobineau-Vereinigung hat sich Karl Ludwig Schemann die Aufgabe gestellt, seine Zeitgenossen auf das Lebenswerk des Grafen Gobineau aufmerksam zu machen und dessen Bekanntheit zu fördern. Wir lesen dazu (Handbuch des Antisemitismus, 2012, S. 288, GB):

Die Gobineau-Vereinigung wurde im Februar 1894 mit dem Ziel gegründet, die Werke des französischen Rassentheoretikers Arthur de Gobineau neu aufzulegen und ins Deutsche zu übersetzen. Dies war schon länger ein Wunsch Cosima Wagners, deren Mann mit Gobineau befreundet gewesen war und in seinen späten Schriften Gedanken des Franzosen rezipiert hatte. Vorsitzender der Vereinigung wurde Ludwig Schemann, der seine ungeliebte Anstellung als Bibliothekar in Göttingen aufgeben wollte und in der Vereinigung die Möglichkeit zu einem beruflichen Neuanfang als Privatgelehrter und Publizist sah. Wagner vermittelte ihm den Kontakt zu Gobineaus Nachlaßverwalterin Mathilde de La Tour. (...) Schemann emanzipierte sich in der Folge von Bayreuth und richtete sein Wirken auf den Alldeutschen Verband, den er als seine politische Heimat begriff, und andere völkische Gruppen aus. 

Der Nachlaß von Karl Ludwig Schemann steht der Forschung in der Universitätsbibliothek Freiburg zur Verfügung (1). Der Inhalt des Schemann-Nachlasses in Bezug auf Erich Ludendorff ist in der Literatur auch schon ausgewertet worden, nämlich von Bernhard Wien (2).

1920 - Erich Ludendorff gibt 25.000 Mark für die Druckkosten

Anhand seiner Ausführungen sei das folgende in einem ersten Durchgang rekapituliert. Am 2. Februar 1920 schickte Ludwig Schemann Erich Ludendorff das Manuskript seiner Schrift "Von deutscher Zukunft" (3) (Abb. 2) und schrieb dazu, daß er diese Schrift gerne Erich Ludendorff widmen wolle (2, S. 236). Erich Ludendorff hinwiederum zeigte sich vom Inhalt dieser Schrift sehr angetan, er sollte sich in seiner eigenen Buchveröffentlichung des Jahres 1921 sehr positiv auf sie beziehen.

Ende Februar, Anfang März 1920 besuchte Erich Ludendorff von Berlin aus Paul von Hindenburg in Hannover. Es geschah dies nur zwei Wochen vor dem Kapp-Putsch in Berlin. Damit in Zusammenhang stellt Bernhard Wien, daß Ludwig Schemann am 3. März 1920 sein Manuskript auch an Hindenburg schickte. Es ist also denkbar, daß Erich Ludendorff in persönlichem Gespräch Hindenburg auf den Autor Schemann hingewiesen hat. Hindenburg bedankte sich auch für die Zusendung schon am 10. März herzlich (2, S. 236f).

Erich Ludendorff hinwiederum antwortete auf die Zusendung der Schemann-Schrift am 23. Mai 1920 (2, S. 236).

In einem Brief vom 6. November (vermutlich 1920) sandte Erich Ludendorff Schemann dann sogar 25.000 Mark für die Druckkosten der Schrift "Von deutscher Zukunft" (2, S. 236). Ob Ludendorff über diese Summe aus privaten Mitteln verfügte und verfügen konnte (wie von B. Wien gemutmaßt) oder doch umfangreichere Gelder verwaltete, die ihm von Ludendorff-Verehrern zur Verfügung gestellt wurden, wird wohl noch zu klären sein. Wir erfahren (4, S. 49):

Seine Haltung zur Weimarer Republik hatte Schemann schon 1920 in seiner Schrift "Von deutscher Zukunft" dargelegt. "Was haben wir mit dem fluchbeladenen Geschlecht des 9. November gemein (...)?", so lautet die Fragestellung (S. 27). (...) Das ganze Werk ist "Seiner Exzellenz Herrn General der Infanterie Ludendorff in tiefer Verehrung gewidmet".

1921 - Erich Ludendorff in "Kriegführung und Politik"

Erich Ludendorff seinerseits berichtet in seinen Lebenserinnerungen über die Zeit nach seinem Umzug nach München im Sommer 1920 (1940, S. 182f):

In meinem Suchen nach Klarheit über die Rassen las ich auch, angeregt von Professor Ludwig Schemann, Freiburg i. Br., die Werke von Gobineau und beschäftigte mich mit den Mendelschen Gesetzen der Aufspaltung. Ich war um so mehr zur Rassenforschung angeregt, denn ich sah in Bayern einen Menschenschlag, den ich in Norddeutschland noch nicht angetroffen hatte. (...) Im Herbst 1921 beendete ich mein drittes Werk "Kriegführung und Politik".

Er schreibt (1940, S. 185):

Ich gebe nun noch ungekürzt meine Schlußbetrachtungen wieder, weil sie für mein Denken maßgebend sind und Zeugnis ablegen für die Anschauungen, die ich mir auf verschiedenen Gebieten herausgebildet hatte.

In diesen Schlußbetrachtungen zu "Kriegführung und Politik" hatte er unter anderem geschrieben (1940, S. 188):

Das Undeutsche in uns und um uns, von dem Ludwig Schemann spricht, liegt vornehmlich in dem Mangel an Rassegefühl, in der ungenügenden Berücksichtigung Deutscher Art in Schule und Recht, in der Überhebung der Geistesbildung über die Handfertigkeit, in der sich bei uns breit machenden, selbstsüchtigen Geisteshaltung, in der Bewertung des äußeren Wohllebens, im internationalen pazifistischen und defaitistischen Denken und schließlich in dem starken Hervortreten des jüdischen Volkes innerhalb unserer Grenzen begründet.

Auch an anderer Stelle seines Buches "Kriegführung und Politik" bezieht sich Erich Ludendorff auf Ludwig Schemann (6, S. 336) (dies und das folgende nur nach Google Bücher zitiert, deshalb unvollständig):

In unserer Einheitsfront haben wir, nach Ludwig Schemanns schönem Wort, "den Heldensinn, den Ordnungsgeist, die Disziplin und das Pflichtgefühl," - und ich setze hinzu: die stolze, selbstbewußte Einfachheit und Sparsamkeit, die ...

1925 - Schemanns "überschwengliche Verehrung" für Ludendorff

Im Jahr 1925 wird berichtet (Abwehrblätter - Verein zur Abwehr des Antisemitismus, 1925, GB):

Aus dem kürzlich erschienenen Buche des bekannten Antisemiten und Gobineau-Forschers Ludwig Schemann "Lebensfahrten eines Deutschen" druckt das "Dt. Tgb" einen Passus ab, in dem Ludendoff in überschwenglicher Weise verherrlicht wird. Schemann nennt Ludendorff ...

In dieser Schrift "Lebensfahrten eines Deutschen" schrieb Schemann über Erich Ludendorff (S. 365ff):

... Und Ludendorff? Er hat mir durch die Annahme der Widmung meiner vaterländischen Schrift "Von deutscher Zukunft. Gedanken eines, der auszog, das Hoffen zu lernen" eine hohe Gunst erwiesen, indem er es mir damit ermöglichte, meine tiefgehende Übereinstimmung in der Auffassung der deutschen Lebensfragen mit diesem größten unserer Führer öffentlich zu bekunden. Immer inniger habe ich mich ihm in der Folge verbunden gefühlt, immer in der stillen Hoffnung, daß, wenn doch noch einmal den guten Geistern unseres Volkes ihre Stunde schlagen sollte, er mit an erster Stelle berufen sein werde, in die Lenkung unseres Reichssteuers einzugreifen.

Vermutlich verlor sich aber in der Folgezeit diese engere Verbundenheit Schemann's mit Ludendorff. (Denn sonst müßte darüber ja doch noch etwas bekannt sein.) Ludendorff begann ab 1925, eigene Wege zu gehen. Schemann hingegen (Wiki)

wurde 1928 öffentlicher Förderer der Nationalsozialistischen Gesellschaft für deutsche Kultur. 1933 wurde er zum Ehrenbürger der Stadt Freiburg ernannt. 1937 wurde er Ehrenmitglied des nationalsozialistischen Reichsinstituts für Geschichte des Neuen Deutschlands und von Adolf Hitler mit der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Ob es von Seiten Schemanns auch kritische Sichtweisen auf den Nationalsozialismus gab (wie spätestens ab 1925 bei Ludendorff), muß einstweilen dahin gestellt bleiben. - Den hier insgesamt aufscheinenden Zusammenhängen kann also noch nach vielen Richtungen hin genauer nachgegangen werden. So könnte etwa die Auseinandersetzung Ludendorffs mit Rassefragen noch einmal im größeren Zusammenhang erörtert werden. Auch könnte der Verbindung Ludwig Schemanns zum Kreis um Richard Wagner genauer nachgegangen werden. An den Austausch Erich Ludendorffs mit Ludwig Schemann schließt sich übrigens auch sein Austausch mit vielerlei anderen, unter anderem naturwissenschaftlich oder anthropologisch orientierten Denkern, Forschern und Autoren seiner Zeit an (8).

1933 - Mathilde Ludendorff bezieht sich auf Ludwig Schemann

Nachtrag 14.3.23: 1930 erschien der zweite Band von Ludwig Schemann's Buch "Die Rasse in den Geisteswissenchaften - Studien zur Geschichte des Rassegedankens" (10). Auf dieses Buch bezog sich Mathilde Ludendorff in ihrem Buch "Die Volksseele und ihre Machtgestalter - Eine Philosophie der Geschichte" aus dem Jahr 1933 (9). Im letzten Teil desselben Buches behandelt sie unter anderem die antik-griechische Philosophen-Schule Stoa als eine Art Vorläufer-Lehre des Christentums (9). Dabei stützt sie sich oft wörtlich auf Ausführungen von Ludwig Schemann.

Nachtrag 29.8.23: Inzwischen haben wir uns mit dem Einfluß Karl Ludwig Schemann's auf das Werk Mathilde Ludendorffs "Die Volksseele und ihre Machtgestalter" aus dem Jahr 1933 ausführlicher beschäftigt (Stgen2023). Man wird annehmen können, daß Schemann alle seine Neuerscheinungen an Erich Ludendorff gesandt hat, und daß so seine Bücher auch in die Hände von Mathilde Ludendorff gekommen sind. 

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  1. Universitätsbibliothek Freiburg, Nachlaß Ludwig Schemann, 10 Briefe, 5 Briefabschriften, http://kalliope.staatsbibliothek-berlin.de/de/ead?ead.id=DE-611-HS-616943
  2. Wien, Bernhard: Weichensteller und Totengräber. Ludendorff, von Hindenburg und Hitler 1914-1937. Books on Demand, Norderstedt 2014 (GB)
  3. Schemann, Ludwig: Von deutscher Zukunft. Gedanken eines, der auszog, das Hoffen zu lernen. Theodor Weicher, Leipzig 1920
  4. Nemitz, Kurt: Die Schatten der Vergangenheit. Beiträge zur Lage der intellektuellen deutschen Juden in den 20er und 30er Jahren. Bibliotheks- und Informationssystem der Universität Oldenburg, 2000 (156 S.) (GB)
  5. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär. 1940 (GB)
  6. Ludendorff, Erich: Kriegführung und Politik. Mittler und Sohn, Berlin 1921
  7. Schemann, Ludwig: Lebensfahrten eines Deutschen. 1925 
  8. Bading, Ingo: Erich Ludendorff im Austausch mit Naturwissenschaftlern seiner Zeit Sowie mit völkischen und kirchenfreien Zeitgenossen seiner Generation. Studiengruppe Naturalismus, 20. August 2014, https://studiengruppe.blogspot.com/2014/08/erich-ludendorff-im-austausch-mit.html
  9. Ludendorff, Mathilde: Die Volksseele und ihre Machtgestalter. Eine Philosophie der Geschichte. Erstauflage 1933; Verlag Hohe Warte, Pähl 1955 (Archive)
  10. Schemann, Ludwig: Die Rasse in den Geisteswissenchaften. Studien zur Geschichte des Rassegedankens. Band 2, J. F. Lehmann's Verlag, München 1930 (GB

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