"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Samstag, 20. Juni 2015

Mai 1930 – Wie das Abströmen von Bauern der Landvolk-Bewegung in Schleswig-Holstein zur Ludendorff-Bewegung verhindert wurde

Erich Ludendorff vermutete "absichtliches schädigendes Verhalten" durch ein Skaldenordens-Mitglied

Anfang des Jahres 1928 begann ein Aufruhr von 10.000en von Bauern in Schleswig-Holstein, genannt die „Landvolkbewegung“1. Anlaß waren die vielen Zwangsversteigerungen von Bauernhöfen, die damals in Deutschland stattfanden, und die auch zu einem Anstieg des Antisemitismus führten, da die Bauern oft „die Juden“ und das „Judensystem“ für die schlechte wirtschaftliche Lage verantwortlich machten. Die Landvolk-Bewegung wurde sehr bald von okkultgläubigen Terroristen unterwandert und radikalisiert, deren Methoden von den „Neuen Nationalisten“ und von den „Kommenden“ um Ernst Jünger und Friedrich Hielscher befürwortet wurden. Dies waren die damaligen „Neuen Rechten“. Anfang 1929 wurden Sprengstoffanschläge auf verschiedene Landratsämter in Norddeutschland verübt.

Abb. 1: Der "Ludendorff-Stein" in Ascheffel (Foto aus dem Jahr 2012)

Der „Bombenleger-Volck“ Herbert Volck (1894-1944), der Adjutant des Bauernführers Claus Heim, war seit 1918 ein Geheimdienstmann und blieb dies auch nach 1933. Er wurde für die Sprengstoffanschläge im Herbst 1929 zu sieben Jahren Haft verurteilt, kam aber offenbar - eine typische staatsnahe Terrorismus-, bzw. Geheimdienstkarriere - schon wenige Monate später wieder frei. Seinen Gefängnisaufenthalt verbrachte er zusammen mit Ernst von Salomon Zelle an Zelle.

In seinem Gerichtsverfahren im Herbst 1929 kam auch zur Sprache daß er sich von dem nachmaligen Hofastrologen Heinrich Himmlers Wilhelm Wulff astrologisch beraten ließ. Darüber berichtete auch die Tagespresse2. Der okkultgläubige Terrorist und Geheimdienstmann Herbert Volck war bezeichnenderweise der Sohn von Adalbert Volck, eines Hitler-treuen, innerparteilichen Gegners von Erich Ludendorff im Jahr 19243.

Offensichtlich waren viele Bauern der Landvolk-Bewegung im Frühjahr 1930 von ihren - okkulten und terroristischen - Führern enttäuscht und suchten nach einer Neuorientierung. Und offensichtlich versuchten sie, sich aus diesem Anlaß dem damaligen Tannenbergbund von Erich Ludendorff anzunähern. Erich Ludendorff vermutet jedenfalls in seinen Lebenserinnerungen, daß diese Annäherung in jener Zeit von Hintergrundkräften verhindert und sabotiert wurde. Er kommt darauf zu sprechen in Zusammenhang mit einer Vortragsveranstaltung am 31. Mai und 1. Juni 1930 in dem Dorf Ascheffel in Schleswig-Holstein, zwölf Kilometer westlich von Eckernförde - etwa auf halbem Weg zwischen Kiel und Schleswig (s. G-Maps).

Abb. 2: Hans Georg von Waldow, der "Landesführer Nord" des Tannenbergbundes, links zusammen mit Mathilde Ludendorff, einem Ordner und Erich Ludendorff ganz rechts auf der Tagung des Tannenbergbundes auf dem Aschberg in Schleswig-Holstein, 31.5./1.6.1930 (aus: 6, S. 45)

Hier hielten Erich und Mathilde Ludendorff vor mehr als tausend Bauern Vorträge. Der Tag wurde mit einer Sonnenwendfeier beendet. Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde an der Stelle der Sonnenwendfeier ein „Ludendorff-Stein“ niedergelegt. Kurzzeitig geriet dieser Stein 2012 in die regionale Presseberichterstattung (siehe unten). Dieser Umstand sei als Anlaß gewählt, einmal in den Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs nachzulesen, was er über die damaligen Vorgänge zu sagen hatte. Er kommt im Zusammenhang mit dieser Tagung zu sprechen eben auf eine Sabotage des Abströmens von Bauern der Landvolk-Bewegung zur damaligen Ludendorff-Bewegung. Die Inschrift des Steines lautet - soweit entzifferbar:

Erste Deutschvolk
Sonnwendfeier
am 31. Wonnemonds 1930
(?) ... übt Zeit
Ludendorff
Erich Ludendorff berichtet in seinen Lebenserinnerungen davon, daß er sich ab dem Jahr 1930 verstärkt nicht nur im Kampf gegen die Freimaurerei und den Jesuitenorden befand, sondern sich zugleich für die Verbreitung der Philosophie seiner Frau Mathilde Ludendorff, genannt die „Deutsche Gotterkenntnis“ einsetzte. Zu Ostern 1930 war das fünfte der philosophischen Bücher Mathilde Ludendorffs erschienen. Sein Titel: „Des Kindes Seele und der Eltern Amt - Eine Philosophie der Erziehung“. Durch dieses war die Aufmerksamkeit der Anhängerschaft, die bis dahin zahlenmäßig ständig angewachsen war, auf Fragen der weltanschaulichen Erziehung in Elternhaus und Schule gerichtet worden. Erich Ludendorff schreibt4:
Die Zahl war so gewachsen, daß meine Frau und ich daran denken konnten, diese nun zu sammeln, (...) um die einzelnen in einem großen Verein zusammenzufassen, um den Mitgliedern allmählich im Sinne des Artikels 137 der Reichsverfassung die Anerkennung als „Religionsgesellschaft“ zu erwerben und dadurch die Erziehung der Kinder im Sinne des Artikels 149 der genannten Verfassung leichter durchsetzen zu können. (...) Ende März entschlossen meine Frau und ich uns nunmehr, die sich zum Deutschen Gotterkennen bekennenden Deutschen (...) zusammenzufassen. Wir nannten den Verein „Deutschvolk“.

Gründungsmitglieder des Vereines waren neben Erich und Mathilde Ludendorff die Schwester Mathilde Ludendorffs Lina Richter (1875-1969) und ihr Ehemann Dr. med. Heinrich Richter (gest. 1935)5. Ein frühes Mitglied dieses Vereines wurde auch der damalige Gemeindevorsteher des Dorfes Ascheffel in Schleswig-Holstein, ein Bauer Rathje. Auf seiner damaligen Koppel fand die Sonnenwendfeier statt. Und dort wurde auch der genannte „Ludendorff-Stein“ niedergelegt.

Erich Ludendorff berichtet nun über Vortragsreisen Mathilde Ludendorffs im Frühjahr dieses Jahres nach Südwestdeutschland und gemeinsam mit ihm selbst nach Pommern und Berlin, wobei sie fast immer von den Anhängern vor Ort im Auto gefahren wurden, verköstigt wurden und auch bei diesen übernachteten. Unter diesen befanden sich viele Bauern, deren wirtschaftliche und sonstige Nöte sich Erich Ludendorff anhörte. Er berichtet von dem ihm wertvollen persönlichen Kennenlernen dieser Anhänger. Er berichtet von der Bundesführertagung des Tannenbergbundes im Landwehrkasino in Berlin, auf der er auf der organisatorischen Trennung des politischen Tannenbergbundes und der weltanschaulichen Vereinigung „Deutschvolk e.V.“ bestand. Und dann schreibt er weiter (S. 292; Hervorhebung nicht im Original):

Nach der Bundesführertagung setzten wir unsere Vortragsreise nach Holstein und dem Hannöverschen fort. Der nächste Vortrag war in Ascheffel, einem kleinen abgelegenen Ort bei Eckernförde, von dem Landesführer Nord, Herrn v. Waldow, angesetzt. Dieser Ort war eigenartig gewählt. Zwar lag dort der Aschberg, von dem aus wir eine wundervolle Sicht in das schöne Holsteinische Land hatten, das ich schon in meiner Plöner Kadettenzeit lieb gewonnen hatte, aber die Verbindungen dorthin waren so ungünstig, daß er nur schwer und unter viel Umständen zu erreichen war. Das schon war eigenartig. Der Vortrag selbst fand in einem Zelt statt, dessen Zugänge von allen Seiten offen waren, so daß eine Einlaßkartenkontrolle überhaupt nur schwer durchzuführen war. Die Kosten, die die Werbung gemacht hatte, waren bedeutend. Brachte sonst der Vortrag von meiner Frau und mir den betreffenden Verbänden des Tannenbergbundes Gewinn und damit die Möglichkeit neuer Werbung für unsere Weltanschauung, so befürchteten wir hier sofort das Gegenteil. Unsere Sorgen rechtfertigten sich auch. Es war der einzige Fall während unserer recht zahlreichen Vorträge, in dem statt Einnahmen Schulden durch unsere Vorträge entstanden. Das war nur dadurch erklärlich, daß es sich hier um ein absichtliches schädigendes Wirken oder um Unüberlegtheiten handelte, welch letztere dem Manne, dem Major v. Waldow das Einrichten der ganzen Veranstaltung übergeben hatte, schwer zuzutrauen waren. Leider ist es mir nicht gelungen, den Landesführer Nord von dem Wirken dieses Deutschen zu überzeugen, der früher auch dem Skaldenorden angehört hatte. Im Gegenteil so oft ich Major v. Waldow auf diese Persönlichkeit hinwies, so oft nahm er sie auch in Schutz und wollte klüger sein als ich. Hierin lag eine der ersten Ursachen meiner tiefen Entfremdung von dem Landesführer Nord. Ich sah Treuversicherungen nicht in Worten, sondern im Eingehen auf meine recht reichen Lebenserfahrungen. Es war auch so, daß tatsächlich der schöne Auftrieb, den die Tannenbergbundbewegung eine Zeitlang in Holstein hatte, nicht nur nicht stehenblieb, sondern auch wiederum verebbte. Häßlicher Ortsgruppenstreit lähmte Kraft.
Noch etwas anderes war in Ascheffel eingetreten. Die Holsteinischen Bauern, die sich eine Zeitlang von dem Bauern Claus Heim beeindrucken ließen, hatten erkannt, daß dieser Wege einschlug, die schließlich nicht den Belangen der Bauernschaft entsprachen. Durch Okkulte hatten sich Bauern zu Handlungen hinreißen lassen, die sie mit den Staatsgesetzen in schwersten Widerstreit brachten. Diese Bauern hätten sich gern und offen meiner Person angeschlossen. Ich hatte nun Darstellungen erhalten, die mir ein richtiges Bild nicht gaben. Erst Jahre später gewann ich Einblick. Auch hier war Sabotage verübt worden.
Aber ich entsinne mich gern Deutscher Bauern, so des Herrn Plambeck, des Herrn Wulf, Eisendorf, Frau Hönck aus Dithmarschen, die besonders schwer zu ringen hatten, da sie sich der Deutschen Gotterkenntnis anschlossen, und auch unserer Gastgeber in Ascheffel, Herrn und Frau Rathje. Auch der Bauer Rathje wurde überzeugungstreuer Kämpfer Deutscher Weltanschauung. Er erzählte damals, wie die protestantischen Priester gegen das „Haus Ludendorff“ wirkten, wie dem Lehrer, der zugleich Küster war, verboten worden war, den Gesangverein Ascheffels vor uns Lieder vortragen zu lassen. Wir schlugen nun vor, der Gesangverein sollte sich einen anderen Dirigenten wählen. So geschah es denn auch, und der Gesangverein konnte seine Lieder vortragen. Unsere Vorträge waren wie immer eine eindrucksvolle Kundgebung. Nach dem Vortrag wurde eine Eiche gepflanzt, ein Sonnwendfeuer abgebrannt, und ich gab die ersten Karten an Deutsche aus, die sich zur Deutschen Gotterkenntnis bekannten. Die Eiche ging später ein. Eine neue wurde gepflanzt. Allen Feinden des Deutschvolkes und Deutscher Gotterkenntnis nutzten Sabotageakte nichts, sie geht weiter ins Volk. Es war das letzte mal, daß ich Holstein selbst unter Deutschen Bauern weilte und von ihnen auch ihre wirtschaftlichen Sorgen und Nöte hörte; später besuchten mich hin und wieder einige Deutsche Bauern in Tutzing und ich freute mich darüber; ich freute mich auch, als ich den Nachweis erhielt, daß ich über einen meiner Ahnen fernliegender Generation, König Gustaf Wasa von Schweden, und dessen Vorfahren, mit heute noch lebenden Holsteinischen Bauerngeschlechtern versippt bin.
Von Ascheffel ging es nach Uelzen. Der Kraftwagen in Ascheffel war so lässig bestellt, daß wir den Zug in Rendsburg nicht erreichten; nur schwer bekamen wir in Rendsburg einen Kraftwagen, da dort irgendeine Stahlhelmfeier war; es gelang indes, und nach langer Fahrt erreichten wir noch rechtzeitig zum Vortrage Uelzen.

Dies ist der sehr differenzierte Bericht Erich Ludendorffs. Er enthält aus seiner Sicht viele positive und manche sehr negativen Eindrücke über das Geschehen von Ascheffel.

Abschließend sei noch zitiert, was am 9. und am 14. Januar 2012 in der „Schleswig-Holsteinischen Zeitung“ über das jüngste Schicksal des „Ludendorff-Steines in Ascheffel“ berichtet wurde (SHZ, 9.2.12):

Landpächter entfernt „Ludendorff-Gedenkstein“ von Koppel in Ascheffel / 1000 Besucher waren 1930 bei Sonnenwendfeier im Dorf dabei
Ascheffel. General Erich Ludendorff (1865-1937) galt als einer der einflußreichsten deutschen Männer im Ersten Weltkrieg und zählt zu den umstrittensten Figuren der deutschen Geschichte. Er wurde als „moderner Alexander“ gefeiert, als „Held von Stahl“. Zusammen mit Hindenburg errang Erich Ludendorff zu Beginn des Ersten Weltkriegs den Sieg von Tannenberg. Zusammen mit Adolf Hitler wollte sich Ludendorff 1923 von München aus an die Macht putschen.
Seit mehr als 80 Jahren erinnerte ein gut ein Meter großer Stein auf einer Koppel im Ascheffeler Förstereiweg an die so genannte „Ludendorff-Feier“ des Tannenbergbundes in der Gemeinde am 31. Mai und 1. Juni 1930. Ein Leser hatte kürzlich festgestellt, daß dieser Stein entfernt worden war. Auch die Gemeinde war mittlerweile darüber informiert. „Bei Vermessungsarbeiten haben wir gesehen, daß der Stein nicht mehr dort stand“, sagte Bürgermeister Günther Petersen, der vermutet, daß der Stein für die Arbeit auf dem Feld weichen musste. „Das Ordnungsamt ist informiert“, so Petersen.
Besitzer der Fläche sind Silvia und Frank Gellhorn, die diese an den Landwirt Manfred Möller-Boldt verpachtet haben. Nach Aussage von Silvia Gellhorn ist der Stein aber bereits seit über einem Jahr nicht mehr an seinem Platz. Dieser habe im Vorgarten von Möller-Boldt gelegen. Er hätte aber zugesichert, daß der Stein wieder an seinen langjährigen Standort zurückkehren werde. Eine Frist hätte man ihm aber nicht gesetzt ,,schließlich hätte der Stein nicht unter Denkmalschutz gestanden“, so Silvia Gellhorn. Landwirt Möller-Boldt wollte sich auf Nachfrage nicht zu dem Vorfall äußern.
Petersens Stellvertreterin, Telse Stoy, zugleich auch Archivarin im Amt und Vorsitzende der Heimatgemeinschaft, hat über die Geschichte des Ludendorff-Steins recherchiert. Der 1925 von Erich Ludendorff als deutsch-germanische Religionsgemeinschaft gegründete Tannenbergbund kämpfte gegen alle „überstaatlichen Weltverschwörungen von Juden, Freimaurern und Jesuiten“. Die christliche Lehre ablehnend, forderte Ludendorff seine Anhänger auf, aus der Kirche auszutreten. In Ascheffel und Hütten seien 15 „Ludendorffer“ dieser Aufforderung gefolgt.
Die Feier fand 1930 auf einer hochgelegenen Koppel des damaligen Gemeindevorstehers und begeisterten Tannenbergers Rathje in Ascheffel statt. „Geplant war“, so berichtet Stoy, daß die Feier eigentlich auf dem Aschberg ausgerichtet werden sollte, die Aschberg-Gesellschaft habe aber nicht ihre Zustimmung erteilt. Etwa 1000 Menschen sollen schließlich dabei gewesen sein, viele aber nur als Zuschauer, um General Ludendorff zu sehen. Die Tannenberger brannten nach Sonnenuntergang auf dem höchsten Punkt der Koppel ein Sonnenwendfeuer ab.
Was das Entfernen des Gedenksteines betrifft, sagt Telse Stoy: „Die Frage ist vielschichtig, ob dieser Stein als geschichtliches Denkmal und angesichts der politischen und ethischen Inhalte des Tannenbergbundes überhaupt erhalten werden sollte.“ Aber, so betonte sie auch, darüber sollte nicht ein einzelner, in diesem Fall der Landpächter, entscheiden.

Drei Tage später hatte der Pächter den Stein zurückgebracht (SHZ, 14.1.12):

Ascheffel. Der „Ludendorff-Stein“ ist wieder zurück in Ascheffel. Der Stein, der an die Sonnenwendfeier 1930 mit dem umstrittenen General Erich Ludendorff (1865-1937) in Ascheffel erinnert, war von Landpächter Manfred Möller-Boldt für die Feldarbeit entfernt worden. Jetzt hat er ihn wieder am Rande des Feldes im Förstereiweg abgelegt.
Wie Bürgermeister Günther Petersen mitteilte, hatte Möller-Boldt sowohl die Amtsverwaltung als auch die Gemeinde und den Landeigentümer vor wenigen Tagen schriftlich darüber informiert, daß er den Stein zurückgeben werde. Wenn es gewünscht sei, würde er den Stein auch wieder an seinen ursprünglichen Standort aufstellen, hieße es in dem Schreiben.
Die Reaktionen auf das Verschwinden des Steines waren vielfältig, berichtete Petersen. Viele Bürger seien erbost gewesen, daß der Stein eigenmächtig entfernt wurde. Andere hätten dagegen hinterfragt, woran dieser die Gemeinde eigentlich erinnern soll. „Auch im Ausschuß haben wir durchaus kontrovers darüber diskutiert“, verriet der Bürgermeister. Für ihn sei der Stein aber ein Teil der Dorfgeschichte.
Ob dieser nun wieder auf der Koppel platziert wird, entscheide aber nicht die Gemeinde. Wie Günter Draheim vom Ordnungsamt mitteilte, sei der gut ein Meter große Stein kein Denkmal. Er gehöre den Landeigentümern, der Familie Gellhorn. Diese entscheidet damit über die Zukunft und den Verbleib des Steines. „Zur Zeit ist es noch zu naß auf dem Feld, um ihn dort wieder aufzustellen“, sagte Silvia Gellhorn auf Nachfrage. Entschieden sei noch nichts. Um wieder für Harmonie im Dorf zu sorgen, werde der Stein aber wohl wieder zurückkommen, versicherte sie.

Sollten also Orts- und Landeschronisten über das Schicksal dieses Steines forschen, sollte der Zusammenhang mit der damaligen Landvolk-Bewegung und ihrer geheimdienstlichen Unterwanderung durch staatsnahe, okkultgläubige Terroristen nicht unerwähnt bleiben. Bestimmte Erscheinungen haben eine lange Tradition in Deutschland ….

Nachtrag (18.6.2022): Anhand der Durchsicht der Berichterstattung der "Eckernförder Zeitung" ab 1930 ist eine "Unkommentierte Materialsammlung zusammengestellt durch die Heimatgemeinschaft Eckernförde" entstanden, in der Erich Ludendorff zwei mal Erwähnung findet (pdf):

30. Mai 1930 - Ludendorff kommt! Er und seine Frau sprechen am 31. Mai, nachmittags 4 Uhr in Ascheffel (...)

6. Januar 1931 - Rund um Hitler - Ehrhardt, Ludendorff, Kaas und Hörsing im Angriff (...) Mit außergewöhnlicher Schärfe wendet sich General Ludendorff gegen die Außenpolitik der Nationalsozialisten, auch des Stahlhelms, die „den Weltkrieg erst ermöglicht und uns der Vernichtung ausetzt.“

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  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Landvolkbewegung_%28Schleswig-Holstein%29; Der Spiegel, 14.8.1963, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46171487.html
  2. Bading, Ingo: Die Schicksalsgläubigkeit des Adolf Hitler (Teil 4: 1941-1945). Auf: Gesellschaftl. Aufbruch – jetzt!, 1. Juli 2012, http://studgenpol.blogspot.de/2012/07/die-schicksalsglaubigkeit-des-adolf_01.html
  3. Bading, Ingo: Adalbert Volck gegen Erich Ludendorff (1924) - Spaltungstendenzen in der Deutschvölkischen Freiheitspartei 1924. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 6. August 2014, http://studiengruppe.blogspot.de/2014/08/adalbert-volck-gegen-erich-ludendorff.html
  4. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. II. Band: Meine Lebenserinnerungen von 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1951, S. 287
  5. Bading, Ingo: Die Grafikerin und Malerin Lina Richter (1875-1969) - Eine Schwester Mathilde Ludendorffs. 24. Juli 2014, auf: http://studiengruppe.blogspot.de/2014/07/die-grafikerin-und-malerin-lina-richter.html
  6. Duda, Gunther: Ein Kampf für Freiheit und Frieden. Ludendorffs Tannenbergbund 1925 – 1933. Verlag Hohe Warte GmbH, Pähl 1997

Samstag, 11. Februar 2012

Erich Ludendorff im Spiegel des "Simplicissimus" (1924 bis 1932)

Die satirische Wochenzeitschrift "Simplicissimus" (Wiki), die zwischen 1896 und 1944 erschien, ist ein hervorragendes Zeitzeugnis zur politischen und kulturellen Geschichte Deutschlands in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. In ihr spiegeln sich vorherrschende Stimmungen, kulturelle und politische Strömungen wieder wie sie von fortschrittlicheren Teilen des deutsche Bürgertums wahrgenommen worden sind.

Der Gründung und der Fortbestand dieser Zeitschrift waren ermöglicht worden durch menschlich warme, herzliche Freundschaften der wichtigsten Mitarbeiter derselben. So unter anderem zwischen ihrem Gründer und Besitzer Albert Langen und ihrem Schriftleiter Ludwig Thoma, ebenso wie zwischen diesem und vielen Mitarbeitern. Unter anderem mit einem ihrer wichtigsten Zeichner, Olaf Gulbransson. Das geht aus so manchem schönen Erinnerungsbuch hervor. Und die herzliche Freundschaft, die Gulbransson mit Ludwig Thoma verband, geht aus so mancher seiner Zeichnungen hervor.

Abb. 1: Ludendorff und Hindenburg vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß, Zeichnung von Herbert Rothgaengel, 1919

Vor dem Ersten Weltkrieg prangerte diese Satirezeitschrift die Bigottheit des christlichen deutschen Kaisertums Wilhelms II. und seines persönlichen Regimentes ebenso scharf und unermüdlich an, wie die "Deutschtümeleien" der christlich-patriotischen Deutschen, wie die bigotten, klerikalen Zustände im "schwarzen" Bayern.

Der deutschtümelnde "Sittlichkeitsprediger" Ludwig Kemmer schreibt an Ludwig Thoma (1918)

Wie fern Ludwig Thoma dem größten Teil der "deutschtümelnden" völkischen Bewegung der Vorkriegszeit stand, wird gut charakterisiert noch durch einen Brief, der an Ludwig Thoma gerichtet wurde am 27. Oktober 1918 aus eben diesen Reihen heraus (Gajek 2000). Also einen Tag nach der Entlassung Erich Ludendorffs, weil Ludendorff im Zusammenhang mit der Anbahnung von Friedensverhandlungen mit Wilson den Weiterkampf gefordert hatte, nachdem Wilson von Deutschland die Preisgabe des Kaisers und damit der preußischen Monarchie als Vorbedingung für einen Waffenstillstand gefordert hatte.

Und dieser Brief des "Alldeutschen" Ludwig Kemmer forderte Thoma nun auf, sich mit seiner Autorität, die weit über die der Führer des Alldeutschen Verbandes und der Vaterlandspartei hinausgehen würde, öffentlichkeitswirksam für den Erhalt des deutschen Kaisertums einzusetzen. Dies tat Ludwig Thoma dann auch, wofür sich Ludwig Kemmer im nachfolgenden Brief enthusiastisch bedankte. Aber natürlich ging die Geschichte über diese Bemühungen beider hinweg.

Abb. 2: Karrikatur von Gulbransson im Simplizissimus, 1. April 1920

Dem kleinen Briefwechsel zwischen beiden aus diesem Anlaß ist aber auch sonst vieles Charakteristische zu entnehmen. Schließlich war Ludwig Kemmer ein Repräsentant jener deutschen und deutschtümelnden "Sittlichkeitsbewegung" vor 1914 gewesen, dem der ganze Spott des Schriftstellers Ludwig Thoma und des Zeichners Olaf Gulbransson galten. Ein Spott, an den noch heute immer wieder einmal gerne erinnert wird. Ludwig Kemmer, ein vielseitiger Schriftsteller und Gymnasiallehrer in München (Gajek 2000),

prangerte - was ihm eine dienstliche Rüge einbrachte - die "Grundschäden des Gymnasiums" an, kämpfte aber auch gegen die satirische Verunglimpfung staatlicher Institutionen und gegen die frivole Infragestellung sexualmoralischer Normen. Von beidem lebte der Simplicissimus, der zu Kemmers Ärger immer mehr Leser fand, selbst unter den Angegriffenen. Doch Kemmers Schmerz bestand vor allem darin, daß er die literarische und künstlerische Qualität des verhaßten Witzblattes anerkennen mußte.
Er 
propagierte praktisch wie publistisch die sportliche Ertüchtigung der Schüler. Er betätigte sich nachdrücklich in der im ganzen Kaiserreich aufstehenden Sittlichkeitsbewegung und verband kämpferische Unduldsamkeit mit patriotischem Pathos.

Kemmer gehörte also zu einer der beliebtesten Zielgruppen von Ludwig Thoma's Spott, und zwar zu jener, die sich von seinem Spott auch am meisten getroffen fühlen mußte, und der dieser Spott außerordentlich quer im Magen lag. Im Herbst 1906 hatte Ludwig Thoma - von seinen Freunden mit fröhlichen Gedanken begleitet - im Gefängnis Stadelheim eine sechswöchige Haftstrafe abgesessen, weil er im "Simplizissimus" das Gedicht "An die Sittlichkeitsprediger in Köln am Rheine" veröffentlicht hatte. Hier entwarf er seine Komödie "Moral", die (Gajek 2000, S. 165; Hervorhebung nicht im Original)

die Sittlichkeitapostel, die Wasser predigten und heimlich Wein tranken, bloßstellen sollte. (...) In einem wohl in Stadelheim geschriebenen Entwurf charakterisierte Thoma eines der Mitglieder eines Sittlichkeitsvereins so: "Professor Richard Grimme; Teutschtümler, (ein alter) Germane mit Phrasen ä la Ludwig Kemmer." Wenig später heißt es: "Grimme bringt nun die Gesichtspunkte des Deutschen wider die Unsittlichkeit; Phrasenschwulst, Sedangedanken; deutsches Heer; wiederholt sehr oft das Wort 'spartanisch' Tacitus. Frl. Lund führt ihn mit lustigen Worten ab; zeigt ihm die Eitelkeit, die Sittlichkeit als etwas spezifisch Deutsches aufzufassen; die Dummheit, unsere Germanen als Vorbilder zu bezeichnen." Aus Richard Grimme wurde in der endgültigen Fassung Otto Wasner, und durch ihn fühlte Ludwig Kemmer sich bloßgestellt.
Wie tief er verletzt war, zeigen die ersten Sätze seines Briefes (vom Oktober 1918), mit denen er zusammenfaßt, was Thoma dem Gymnasiallehrer Otto Wasner mitgegeben hatte.
In diesem Brief schreibt er nämlich eingangs:
Hochgeehrter Herr Doktor,

es fallt mir schwer, an Sie zu schreiben, weil ich annehmen muß, daß meine Unterschrift in Ihnen noch immer die Vorstellung weckt, die Sie vor zwölf oder vierzehn Jahren zur Bekämpfung meiner publizistischen Tätigkeit bestimmte: Die von einem schulmeisterlich enggeistigen, ehrgeizigen, strebsamen, jedenfalls vorgesetztenfrommen, prüden, aber einem vorsichtigen Fehltritt nicht abgeneigten Gymnasiallehrer, als dessen beste Eigenschaft allenfalls noch seine nationale Sentimentalität gelten kann.

Sein ganzer weiterer Brief überzeugt nun den Leser keineswegs davon, daß ihm alle diese Eigenschaften zu Unrecht zugeschrieben worden wären, wie er natürlich selbst immer noch meinte. Dieser Brief illustriert wohl recht gut, in welchem Umfeld Ludwig Thoma agierte, wie er auf dieses reagierte und auch, welche Wandlungen es in der Beziehung zu diesem Umfeld auf Seiten von Ludwig Thoma nach dem Kriegsausbruch von 1918 gegeben hat.

Abb. 3: Simplicissimus, 14. April 1924, Zeichnung von Thomas Theodor Heine

Die Gemeinsamkeit der Interessen als Deutsche trat für Ludwig Thoma nach dem Kriegsausbruch so stark in den Vordergrund, daß er die früheren Gegensätze nicht mehr in den Vordergrund stellte und sich sogar für die Bestrebungen der Vaterlandspartei einsetzte.

1914 bis 1918

Während des Ersten Weltkrieges unterstützte der "Simplicissimus" die deutschen Kriegsanstrengungen propagandistisch energisch. Gulbransson fertigte in diesem Zusammenhang übrigens auch Plakate für die "Ludendorff-Spende" an.

Ludwig Thoma war dann wie wenige andere über den Kriegsausgang und über die Entlassung Erich Ludendorffs erschüttert. Er brachte Erich Ludendorff bis an sein Lebenssende große Verehrung entgegen. Dies ging so weit, daß er von der Reichsregierung in Berlin als der anonyme Leitartikler des "Miesbacher Anzeigers" für einen Generalstabsoffizier aus der Umgebung von Ludendorff gehalten worden ist.

Abb. 4: Simplicissimus, 22. November 1924

Die außergewöhnlich scharfen politischen Ansichten, die er als anonymer Leitartikler im "Miesbacher Anzeiger" schrieb, waren aber offenbar nicht zu vereinbaren mit den politischen Ansichten der Mehrheit der anderen Mitarbeiter des "Simplizissimus" und offenbar auch seiner Leser. Deshalb entschied sich Ludwig Thoma offenbar, im "Miesbacher Anzeiger" unter Pseudonym zu schreiben, unter einem Pseudonym, das erst in den letzten Jahrzehnten vollständig gelüftet worden ist.

Die Zeichnung von Herbert Rothgaengel, die Ludendorff und Hindenburg vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß 1919 zeigt, ist wohl nicht im "Simplizissimus" erschienen, war aber sicherlich ganz nach Ludwig Thoma's Herzen.

1918 bis 1921

Am 1. April 1920 feierte der "Simplizissimus" das Jubiläum der Herausgabe seines 25. Jahrgangs. Ludwig Thoma erläuterte in seinem Aufsatz "Damals", daß der Simplizissimus von Anfang an zwar die Halbheiten des alten monarchischen Regimes und des bayerischen Zentrums beherzter angegriffen habe, als alle die "parteiamtlichen" Kritiker, daß aber die Sympathien bestimmter Parteien für den "Simplicissimus" immer ein Mißverständnis gewesen seien, da er einem künsterlischen, keinem parteiprogrammatischen Impetus entsprungen wäre. Daraus hätte sich auch die Stellungnahme zu allen Ereignissen rund um den Ersten Weltkrieg ergeben.

In der gleichen Folge läßt sein Freund Olaf Gulbransson die Angebote der inzwischen an die Macht gekommenen oder sich immer noch an der Macht befindlichen Parteien - den klerikalen, monarchistischen und sozialdemokratischen - an den bärbeißigen, verlausten "Simplizissimus" zur Mitfahrt in der Staatskarosse dankend ablehnen.

Abb. 5: 22. November 1924, Zeichnung von Thomas Theodor Heine

Im Jahr 1920 stellte Gulbransson noch sich selbst und den "Simplizissmus" als unzivilisierten, bärig-stinkenden Phantasieteufel dar, begleitet von einer Art Kampfhund.

Am 27. Juli 1921 besuchte Erich Ludendorff Ludwig Thoma. Die Worte Ludwig Thomas zum Besuch Ludendorffs in sind der letzte Eintrag in seinem Tagebuch ("Letzte Aufzeichnungen"). Sie stammen vom 28. Juli 1921 (zit. n. 28):

Gestern war General Ludendorff bei mir. Wir sprachen unter anderem über die unglückliche Idee, Polen für selbständig zu erklären. Er sagte mir, die Unwahrhaftigkeit Bethmanns sei ihm in vielen Dinge begegnet, nie wunderlicher als in dieser polnischen Affäre. (...) Und hintendrein stellte es dieser Mann so dar, als hätte er unserem Drucke nachgegeben - obwohl er 14 Tage vor unserer Berufung schon mit Burian abgeschlossen hatte ..."

Am 09. August 1921 schreibt Erich Ludendorff von München aus einen Brief an Ludwig Thoma (s. Nachlaß L. Thoma - Kalliope). Einen Monat später schon sollte Ludwig Thoma mit 54 Jahren sehr plötzlich nach einer Operation sterben. Über den Tod von Ludwig Thoma heißt es (28):

Es stimmt recht nachdenklich, wenn man sieht, wie dieser Dichter "bei vollen Kräften" - wie Goethe es von Schiller sagte - so plötzlich von uns ging.

Nach Ludwig Thomas Tod stand man im "Simplizissimus" den Anliegen Erich Ludendorffs nur noch mit wenig Verständnis gegenüber. Man karikierte ihn - und später seine Frau - als skurrile Randfiguren des politischen und kulturellen Geschehens.

1924 bis 1927

14. April 1924:

O liebes, deutsches Publikum
Beschau dir die zwei Szenen stumm:

Hier links siehst du den Marschall Foch
In seinem besten Galarock.
Des edlen Frankreich frömmsten Sohn:
Wie er, le vainqueur des borousses,
Dem Papst voll Inbrunst küßt den Fuß
Au nom de la civilisation.

Danebst siehst du Herrn Ludendorff,
An Sitten kaum anthropomorph,
Wie mit geübtem Flankenstoß
Er für das christlich Deutschland ficht:
- Und glaub's der Heilige Vater nicht,
So legt er das Gedärm ihm bloß!!

Der Unterschied, potz Theut und Thor!
Kommt dir wohl auch bedenklich vor?!

Der Dichter will wohl sagen, daß "bedenklich" beide "Extreme" sind, sowohl der Fußfall vor dem Papst, wie das kaum noch "anthropomorphe" Fechten Ludendorffs gegen den Papst, dem er im Zweifelsfall auch noch die Gedärme freilegt. Man merkt, das kaum noch anthropomorphe Untier, als was sich zuvor noch der "Simplicissimus" selbst dargestellt hatte, ist nun "Herr Ludendorff". Und der "Simplicissimus" kann nur noch "konsterniert" zusehen, wie ihm seine eigene Rolle streitig gemacht wird.

Abb. 6: 20. April 1925, Zeichnung von Schilling

Auch mit der stetig größeren politischen "Vereinsamung" Ludendorffs aufgrund seiner Trennung von dem Katholiken Hitler, der die konfessionelle Frage in politischen Auseinandersetzungen nicht ansprechen wollte, viel mehr mit dem bayerischen klerikalen Ministerpräsidenten Held eine Übereinkunft traf, war der "Simplizissimus" mehr oder weniger "sorgenvoll" befaßt. Ohne daß er jedoch die eigentlichen Ursachen kannte oder ihnen nachforschte.

22. November 1924:

König Größenwahn - Rupprecht von Bayern überläßt Erich die Krone.

Der von Ludendorff behauptete schädliche Einfluß der klerikalen Kräfte auf die Politik war es auch, der 1924 zu einem Bruch zwischen ihm und dem bayerischen Kronprinzen Rupprecht führte. Dabei stellten sich zahlreiche Offiziere auf die Seite des Kronprinzen Rupprecht, wodurch Ludendorff weiterhin Rückhalt in den politischen Kreisen der "oberen Zehntausend" Bayerns und Deutschlands verlor.

20. April 1925:

Des Feldherrn Abgesang: "Verlassen, verlassen, verla-assen bin i -"
...
Abb. 7: Simplizissimus, 28. Dezember 1925, Zeichnung von Thöny

28. Dezember 1925:

Da sieht man wieder - wenn ich nicht dabei bin, macht er alles falsch!

Ludendorff selbst schreibt in seinen Lebenserinnerungen, Hindenburg habe sich von "rechts" wählen lassen, um dann viele Jahre lang wohlwollend Regierungsbildungen von "links" her gegenüber zu stehen. Nun setzt eine zweijährige Pause ein, in der Ludendorff nicht mehr so im Rampenlicht der Öffentlichkeit stand. In diese Zeit fällt seine Heirat mit Mathilde von Kemnitz.

Ludendorff ab 1927

Anfang September 1927 erschien dann die Schrift "Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse" von Erich Ludendorff. Schon der Titel war natürlich ein gefundenes Fressen für Olaf Gulbransson. 

Abb. 8: Simplizissimus, 10. Oktober 1927, Zeichnung von Gulbransson

"Die Freimaurer habe ich erledigt - jetzt kommen die Radfahrer dran!" schrieb er unter seine Zeichnung, die am 10. Oktober 1927 im "Simplizissimus" erschien. Aber das war dem "Simplizissimus" noch nicht genug. Am 23. Januar 1928 mußte er noch einmal mit einer Gulbransson-Zeichnung darauf reagieren, wie die beiden Ludendorffs die Gemüter umtrieben.


Abb. 9: Zeichnung von Olaf Gulbransson, Simplizissimus, 23. Januar 1928

Nun wurden die Ludendorffs noch als weitaus skurrilere Randgruppe dargestellt. Eine, die mit der Blutaxt, mit Tinte und mit Manuskript-Mappe wie Wagner'sche Bühnen-Germanen einherschreiten, gefolgt von einem Karnevals-Verein, genannt NSDAP. Der den Kopf eines geköpften Juden einherträgt. Dazu wurden die Verse gedichtet:

Die blutige Streitaxt, gleich dem Wilden,
hat er geschwungen vor Mathilden,
die ihm als Gattin zugetan ist
(sofern sie - putschend - nicht der Mann ist!)

Im holden Bündnis blonder Seelen
darf auch das Hitler-Girl nicht fehlen:
Heil Adolf, starte dein Geniestück!
Des Juden Kopf bring Ihm zum Frühstück.

(Simplicissimus, 32. Jg, Nr. 43, 23.1.1928, S. 590)

Anhänger der völkischen Bewegung als "teuto-germanische" Bühnen-Germanen darzustellen, geht zurück bis in die 1880er Jahre in Österreich, wo die völkische Alldeutsche Bewegung Georg von Schönerer's in Karikaturen in ähnlicher Weise dargestellt wurde.

Abb. 11: Simplizissimus, 24. März 1930, Zeichnung von Gulbransson

24. März 1930:

Zur Vermeidung von Kollisionen müssen Putschtermine neuerdings vierzehn Tage vorher bei der Polizei angemeldet werden. Die guten Tage sind bereits bis Mitte Mai vergeben.

Gulbransson kann sich zu dieser Zeit nicht mehr besonders intensiv mit Erich Ludendorff beschäftigt haben.

Abb. 12: Simplizissimus, 19.5.1930, Zeichnung von Heine

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Abb. 13: Simplizissimus, 26.1.1931

Auch ein Hirtenbrief gegen "Erlösung von Jesu Christo" von M. Ludendorff wird behandelt. (Simplicissimus, 36. Jg., Nr. 47, 21.2.1932, S. 560)

 
Abb. 14: Simplizissimus 6.3.1932, Zeichnung von Karl Arnold

Und (Simplizissimus Jg. 36, Heft 49, 6. März 1932, S. 579): 

Eine Schrift von Frau Ludendorff "Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller" befaßt sich mit den finstern Taten der Juden und Freimaurer. Keiner der genannten vier schöpferischen Geister sei eines natürlichen Todes gestorben, sondern den geheimen Ränken der Juden und Freimaurer zum Opfer gefallen. Auch Schiller ist nach Frau Ludendorff ermordet worden und die Schuld trägt kein anderer als der Freimaurer Br. Goethe. Diese Schrift Frau Ludendorffs hat bereits dreißigtausend Abnehmer gefunden.
- Der Briefwechsel zwischen Schiller und Goethe ist nicht in so vielen Händen.
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Simpl., Jg. 37, Heft 1, 3. April 1932, S. 5

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/ erster Entwurf: 11.2.2012 /


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  1. Thoma, Ludwig: Bilanz. In: Simpl., Jg. 22, Heft 40, 1.1.1918, Seite 502
  2. Thoma, Ludwig: Damals - - In: Simpl., Jg. 25, Heft 1, 1.4.1920, S. 2f (verteidigt und erklärt den nicht-parteipolitischen Patriotismus des Simpl. während des Ersten Weltkrieges)
  3. Quandte, Horst: Der Feldherr und der Dichter. Ludwig Thomas letzte Aufzeichnungen. In: Volkswarte, Folge 9, 28.2.1958, S. 6 
  4. Gajek, Bernhard (2000) Ludwig Kemmer an Ludwig Thoma. Ein literarisch-patriotischer Briefwechsel aus München am Ende des Ersten Weltkriegs. In: Noyes, John K., (ed.) Kultur, Sprache, Macht : Festschrift für Peter Horn. Lang, Frankfurt a.M., S. 161-172. ISBN 3-631-35875-X. (freies pdf) 
  5. Ludendorff, Mathilde: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller. Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte. Im Selbstverlag der Verfasserin (Fortschrittliche Buchhandlung), München 1928 (96 S.) (Scribd), 1929, Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1931, 1933 (156 S.), 1935, 1936 (212 S.) (52. - 55. Tsd.); Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1998, 2003

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