Sporadischer Austausch zwischen Ludendorff und Tirpitz in den Jahren zwischen 1916 und 1924
- "Tirpitz hätte Reichskanzler werden sollen"
Im Bundesarchiv gibt es eine Mappe mit verschiedenen Dokumenten zu dem sporadischen Austausch zwischen Erich Ludendorff und Alfred von Tirpitz zwischen den Jahren 1916 und 1924 (BArch N 253/175) (Archiv-Portal).
Tirpitz hätte Reichskanzler werden sollen - 1917
Alfred von Tirpitz (1849-1930) (Wiki) hat in den 17 Jahren vor dem Ersten Weltkrieg die deutsche Hochseeflotte aufgebaut. Sein Flottenbau zog in jenen Jahren viel öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Die Prinzipien seines Flottenbaus bestätigten sich in der Seeschlacht vom Skagerrak 1916 (Wiki), in der die kleinere deutsche Hochseeflotte der britischen Hochseeflotte schwere Verluste beibrachte. Daß sie dabei die britische See- und Hungerblockade aufbrechen könne, war dennoch von Vornherein unwahrscheinlich gewesen.
Abb. 1: Alfred von Tirpitz (1849-1930)
Der älteste Sohn von Alfred von Tirpitz geriet schon 1914 nach einem Seegefecht in britische Kriegsgefangenschaft (Wiki). Deshalb wird ein maschinengeschriebener Bericht über den Besuch von Erich Ludendorff am 7. Februar 1919 in Hamburg und über ein Gespräch mit Erich Ludendorff aus diesem Anlaß von Seiten des zweiten Sohnes von Alfred von Tirpitz stammen, von Max von Tirpitz (1893-1956) (NDB).
In diesem Bericht wird der Eindruck geschildert, den die Person Ludendorff auf den Tirpitz-Sohn machte. Der Eindruck war so groß, daß er "Herzklopfen" hatte, als er mit Ludendorff persönlich ins Gespräch kommen konnte. Ludendorff hatte in seiner Ansprache kritisiert, daß die deutsche Flotte so lange geschont worden war und erst 1916 nach langem Drängen zum Einsatz kam.
Abb. 2: Ludendorff, Hindenburg und Tirpitz bei der Beisetzung von Kaiserin Augusta in Sanssouci am 19. April 1921 (Wiki) - (weitere Fotografien ---> [StgNat2012])
In dem Gespräch mit Ludendorff hat dann der Tirpitz-Sohn einerseits von der Angriffsbereitschaft der jungen Marineoffiziere in der Deutschen Flotte der ersten Kriegsjahre gesprochen, die ihm Ludendorff durchaus zugestand. Andererseits sprach Erich Ludendorff nach diesem Bericht den Sohn von Alfred von Tirpitz mit den Worten an:
Ihr Vater ist ein großer Mann; es ist bedauerlich, daß er nicht Reichskanzler geworden ist. Als Hindenburg und ich 17 unseren ersten Angriff gegen Bethmann ansetzten, schlugen wir Ihren Herrn Vater als Nachfolger dem Kaiser vor. Doch der Kaiser ließ sich in derartigen Ausdrücken über Ihren Vater aus, daß eine weitere Diskussion unmöglich war.
Ludendorff und Tirpitz sollten sich bei der Beisetzung der Kaiserin im April 1921 in Potsdam persönlich wieder sehen (Abb. 2).
Hitlers Putsch-Versuch - 1. Mai 1923
Daß Erich Ludendorff schon im Juni 1923 auch bei Alfred von Tirpitz Sympathien mit Adolf Hitler voraussetzen konnte, geht aus dem im folgenden zitierten, handschriftlichen Brief an diesen hervor. Er bezog sich darin auf Ereignisse vom 1. Mai 1923 in München, auf die Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen (1) gar nicht eingeht. In seiner Schrift "Auf dem Weg zur Feldherrnhalle" aus dem Jahr 1937 geht er ebenfalls nur kurz auf die Ereignisse vom 1. Mai 1923 ein. Dort schreibt er (2, S. 33):
Warm begrüßte ich die nun folgende Annäherung der völkischen Verbände Münchens zu einem Kampfbunde. Allerdings verlief der 1. Mai noch nicht recht glücklich für sie. Sie hatten sich zu viel zugemutet. Am 20.5. fand in Schliersee die Enthüllung ...
... des Oberlanddenkmals statt, an der Erich Ludendorff teilnahm. Also drei Wochen nach den Ereignissen vom 1. Mai 1923. Zur Enthüllung des Oberlanddenkmals ist schon ein eigener Artikel hier auf dem Blog erschienen (StgNat2011). Ludendorffs Brief an Tirpitz, geschrieben im Sommer 1923, ergänzt die Sichtweise Ludendorffs auf die damaligen Ereignisse.
Abb. 3: Erich Ludendorff an Tirpitz im Juni 1923 (erste Seite)
Lassen wir uns von der KI zunächst erläutern, worum es am 1. Mai 1923 ging:
Adolf Hitler und völkische, „vaterländische Kampfverbände“ in München versuchten, eine Machtprobe mit der Regierung zu erzwingen, indem sie die Maikundgebung der Gewerkschaften störten. Die Aktion scheiterte jedoch, da Polizei und Reichswehr das Gelände abriegelten und die Nationalsozialisten zur Aufgabe zwangen.
Die Ereignisse des Tages liefen in folgenden Schritten ab: Machtdemonstration der Linken: Die Gewerkschaften und die SPD hatten zu einer großen Kundgebung und einem Maiaufmarsch auf der Theresienwiese aufgerufen, an der rund 25.000 Menschen teilnahmen. Rechter Putschversuch: Die NSDAP und ihr angeschlossene paramilitärische Verbände (wie die SA und der Bund Oberland) wollten dies unterbinden. Die Rechte sah den 1. Mai zudem als symbolträchtiges Datum für die Niederschlagung der Münchner Räterepublik im Jahr 1919. Plan der Rechten: Hitler hatte vor, die Gewerkschaftsveranstaltung zu überfallen, die rote Führung zu verhaften und damit die bayerische Regierung zu erpressen. Bewaffnete Putschisten sammelten sich auf dem Oberwiesenfeld (dem heutigen Olympiapark). Eingreifen des Staates: Die bayerische Regierung unter Ministerpräsident Eugen von Knilling zeigte überraschend Stärke und lehnte ein Verbot des Gewerkschaftsumzugs ab. Polizei und Reichswehr stellten sich schützend vor die Arbeiterbewegung und riegelten das Oberwiesenfeld ab. Entwaffnung: Die putschenden Verbände wurden umstellt und teilweise entwaffnet, um ein Blutbad zu verhindern. Hitler mußte klein beigeben und seine Männer abziehen, was für die Nationalsozialisten eine empfindliche und peinliche Niederlage bedeutete.
Erich Ludendorff schrieb nun in der nachfolgenden Zeit an Alfred von Tirpitz:
München, Heilmannstr. 8.6. [1923]
Hochzugebietender Herr Großadmiral!
Euer Exzellenz danke ich für die gütigen Zeilen vom 25. Ich kann meinen Besuch in Elsdorf (?) nicht in Aussicht stellen, da ich nicht weiß, wann ich wieder mal nach Preußen komme. Ich sitze hier fest. Selbstverständlich werde ich gern Herrn A. Hitler unterstützen wie jeden, der praktische Arbeit tut, aber ich kann ihm so gar nichts Bestimmtes in Aussicht stellen, muß auch nicht nur seine ... worüber Sie etwas hören wollen oder worüber ... zu sprechen ist.
Hier hat der 1. Mai unendlich viel zerschlagen.Die Schuld liegt bei Regierung und Nationalsozialisten. Bei ersteren wohl die größere, wenn auch die schwarze, rot-goldene u. feige bürgerliche Presse es anders darstellt.Die deutsche schwarz-weiß-rote Bewegung hat Schaden erlitten. Partikularismus, Separatismus können zufrieden sein.Wenn die maßgebenden Stellen im Norden nur diese Wegrichtung erkennen würden. Man will sie nicht sehen u. man glaubt mir wieder nicht, und so wird es kommen, wie es kommen muß, wenn man ... nach dieser Richtung in der Zukunft .. als politische ... solche Menschen hinstellt.
In Würzburg (?) am 4. 5. Mai hatte ich schöne Eindrücke. ... zu einer Hochschulring Woche. Ich sprach über die deutsche Armee, ich weiß nicht, ob die Zeitungen mein Werk bringen. Ich lege sie zur gütigen u. nachsichtigen Beurteilung bei.
In Verehrung bin ich, Herr Großadmiral,
Euer Exzellenz gehorsamer
Ludendorff
Studenten des hier erwähnten völkischen "Deutschen Hochschulrings" (Wiki) sollten am 8./9. November 1923 auch am Hitler-Ludendorff-Putsch beteiligt sein. Dieser Brief macht darauf aufmerksam, daß es schon am 1. Mai 1923 Hoffnungen auf einen Rechtsputsch in Bayern gegeben hatte.
Abb. 4: Erich Ludendorff an Tirpitz im Juni 1923 (zweite Seite)
Außerdem gibt es einen Brief, der offenbar aus dem November 1924 an von Tirpitz geschrieben worden ist.
"Kolonnen, die getrennt geschlagen werden" - Ludendorff und Tirpitz im Reichstag 1924
Darin wird Bezug genommen auf den 29. August 1924.
Abb. 5: Erich Ludendorff an Tirpitz, November 1924
Wir lassen uns durch die KI belehren:
Am 29. August 1924 nahm der deutsche Reichstag den Dawes-Plan an. Dieses Abkommen regelte die Reparationszahlungen des Deutschen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg neu. Die Annahme des Plans markierte einen entscheidenden Wendepunkt für die Weimarer Republik: Das Abstimmungsergebnis: Zur Annahme war eine Zweidrittelmehrheit erforderlich, da hierfür Verfassungsänderungen nötig waren. Die Zustimmung wurde durch die Stimmen der demokratischen Parteien sowie überraschend der Hälfte der Abgeordneten der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) gesichert. Die Bedingungen: Im Gegenzug zur Festlegung der neuen, an die Wirtschaftskraft gekoppelten Zahlungen, sicherte Frankreich das Ende der Ruhrbesetzung zu. Zudem wurden internationale (vor allem US-amerikanische) Anleihen und Kredite ermöglicht. Die Folgen: Der Vertrag legte den Grundstein für die „Goldenen Zwanziger“. Er leitete eine Phase der wirtschaftlichen Stabilisierung ein, ebnete den Weg für den politischen Entspannungskurs von Außenminister Gustav Stresemann und führte zum Abzug der alliierten Truppen aus dem Ruhrgebiet.
Am 4. Mai 1924 ist Erich Ludendorff für die Deutsch-völkische Freiheitspartei zum Abgeordneten des Deutschen Reichstages gewählt worden und Alfred von Tirpitz für die DNVP.
Abb. 6: "Eröffnungssitzung des neuen Reichstages am 27. Mai 1924. (...) Der frühere Großadmiral von Tirpitz (X) begibt sich zur Sitzung" - zusammen mit Walter von Keudell (rechts) (Fotograf Georg Pahl) (Bdarch) (weiteres: Wiki)
So erlebten beide die Abstimmung im Deutschen Reichstag über den Dawes-Plan am 29. August 1924 mit. Im gleichen Jahr brachte Alfred von Tirpitz sein Buch heraus "Der Aufbau der deutschen Weltmacht" (Cotta Nachf., Stuttgart/Berlin 1924). Offenbar hat er es Ludendorff zugesandt zusammen mit einem Brief. Ludendorff antwortete:
München, Heilmannstr. 11.11. [1924]
Hochverehrter Herr Großadmiral!
Euer Exzellenz danke ich für die gütige Zusendung Ihres bedeutungsvollen Werks mit der gleich bedeutungsvollen Zuschrift.Mögen die Kolonnen (?) dafür sorgen, daß sie nicht getrennt geschlagen werden. Ich kann meine schwere Sorge nicht unterdrücken, daß das am 29. August geschehen ist.
In Verehrung bin ich Herr Großadmiral
Euer Exzellenz
gehorsamer Ludendorff
Vielleicht hatte von Tirpitz in seinem Brief davon geschrieben, daß die "Kolonnen" der Deutschvölkischen Freiheitspartei einerseits und der Deutschnationalen Volkspartei andererseits zwar - wie seit 1866 die militärische Redensart geht - "getrennt marschieren, aber vereint schlagen" würden. Ludendorff war diesbezüglich seit dem 29. August 1924 offenbar nicht mehr so zuversichtlich wie von Tirpitz.
Der Freimaurer von Tirpitz und der Stahlhelm - 1929
In den Folgejahren ist dann viel passiert. Ludendorff hat sich von der Parteipolitik ganz abgewendet. Er trat aus der Evangelischen Kirche aus und nahm 1927 seinen Freimaurer-Kampf auf. Alfred von Tirpitz hingegen war - - - Freimaurer. Wie von Tirpitz über den Freimaurer-Kampf Erich Ludendorffs dachte, ist vorderhand nicht bekannt.
Abb. 7: Admiral von Tirpitz im Gespräch mit dem Stahlhelm-Führer Duesterberg (rechts Seldte) - Reichsfrontsoldatentag vom Stahlhelm und Bund der Frontsoldaten am 1./2. Juni 1929 (Bdarch)
1928 zog Alfred von Tirpitz nach Feldafing bei München. Er nahm noch 1929, ein Jahr vor seinem Tod, an einer Stahlhelmtagung in München teil, bei der 100.000 Stahlhelmleute versammelt gewesen sind (Abb. 7). Ein Jahr zuvor schon hatte Erich Ludendorff auf ein Grußtelegramm des "Stahlhelm" bei einer solchen Gelegenheit geantwortet (3, S. 75):
"Den hunderttausend Frontsoldaten danke ich für den Gruß. Wir waren im Weltkrieg Landsknechte der überstaatlichen Mächte trotz unserer Hingebung für Kaiser und Reich. Mögen die Frontsoldaten das endlich erkennen und den Kampf gegen jene Mächte aufnehmen. Unsere Befreiung wird dann leicht sein."
Das Telegramm sei während der Tagung unterdrückt und nicht verlesen worden, so berichtet es Ludendorff. Da es in der Stahlhelm-Führung ebenfalls viele Freimaurer gab (dazu neuerdings: 4), war es sicher nahe liegender, im Folgejahr den greisen Großadmiral als Ehrengast einzuladen als den Freimaurer-Gegner Ludendorff.
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Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1941 (Archiv)
Ludendorff, Erich: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Ludendorffs Verlag, München 1937
Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen, Band 2, 1926 bis 1933. Verlag Hohe Warte, Pähl 1951
Fahrenwaldt, Matthias Albrecht: Der „Feldherr“ als Publizist. Erich Ludendorff 1919-1937. Dissertation, Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität, 2023; Online-Ressource Hochschulschrift (kostenfrei zugänglich) (UniDüsseldorf)
Gustav von Kahr und die ultramontanen Kräfte Bayerns
- Weiteres zum Hintergrund-Geschehen rund um den 9. November 1923
Daß die Ereignisse des 9. November 1923 im Wesentlichen eine Auseinandersetzung waren zwischen den separatistischen, ultramontanen Kräften in Bayern unter dem Oberbefehl des Nuntius Pacelli einerseits und dem sich - durch diese - zum Antiklerikalen und Völkischen weiter entwickelnden General Erich Ludendorff auf der einen Seite, wird man in Darstellungen derselben noch heute selten lesen. Eigentlich nie.
Höchst selten wird noch heute sogar das eigentliche Vordergrund-Geschehen so dargestellt, wie es darzustellen wäre, nämlich: Die bayerische Staatsregierung ventiliert den Gedanken eines "Marsches auf Berlin" in Zusammenarbeit mit den völkischen Wehrverbänden in Bayern und um - gegebenenfalls - in Berlin den bayerischen Kronprinzen Rupprecht zum Kaiser von Deutschland auszurufen. Sie findet aber den "Absprung" für diese Aktion nicht, jenen Absprung, den dann Adolf Hitler mit einem Pistolenschuß im Bürgerbräukeller am 8. November 1923 "beschleunigt". Die Mitglieder der bayerischen Staatsregierung geben im Bürgerbräukeller ihr Wort, daß sie bei diesem Staatsputsch dabei sind, werden in ihre Ämter entlassen und wenden sich noch in der Nacht gegen die völkischen Putschisten. Der umjubelte Marsch der Putschisten durch München am Folgetag wird von Regierungstruppen zusammen geschossen. Die Empörung darüber schlägt hohe Wellen in München. Gustav von Kahr verliert sein ganzes, vorheriges Ansehen. Die Putschisten werden vor Gericht gestellt. Sie werden zu keineswegs hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Ludendorff wird sogar ganz frei gesprochen.
Bezüglich dieses komplexen Geschehens wird in den meisten Fällen der Scheinwerfer allein auf das Handeln Hitlers und der Nationalsozialisten gerichtet. Dabei sind Hitler und die Nationalsozialisten im Geschehen rund um den 9. November 1923 im Grunde eher "Randfiguren", sozusagen die "Bauern" im Schachspiel der Mächtigen. Zu allen Zeiten hatte die bayrische Staatsregierung die Fäden in der Hand behalten. Und es verdichten sich die Hinweise immer mehr, daß Gustav von Kahr von Seiten der regierenden Kreise in Bayern "benutzt" wurde dazu, die völkischen Putschisten zum Losschlagen zu verleiten, um die in Teilen antiklerikale, völkische Bewegung in Bayern dadurch um so besser zerschlagen zu können. Wobei es vor allem darauf ankam, die NSDAP von dem konsequent antiklerikalen Ludendorff zu trennen.
Also auch die komplexere, offizielle, vorwiegend am Vordergrund-Geschehen orientierte Version verliert um so mehr an Gewicht, um so mehr Quellen von Seiten der handelnden Personen zugänglich werden - und zwar hundert Jahre später! Vorher durfte das offenbar nicht passieren. Die wichtigste Quelle sind in diesem Zusammenhang die Nuntiatur-Berichte des Nuntius Pacelli aus München an den Vatikan in Rom (Stgr2025). Sie werden ergänzt durch Tagebuch-Einträge des Münchner Kardinal Faulhabers (Stgr2025). Und neuerdings geraten auch die Lebenserinnerungen des Gustav von Kahr (1862-1934) (Wik) ins Blickfeld dieses Blogs, die spätestens seit 2018 ausgewertet werden (1, 2). Um die Einordnung der letzteren soll es im vorliegenden Blogbeitrag vor allem gehen.
Während Erich Ludendorff also seine Sichtweise auf die Zusammenhänge schon während des Prozesses vor dem Volksgerichtshof in München im Februar 1924 öffentlich bekannt gemacht hat und von diesen auch sonst immer wieder öffentlich geschrieben hat (3), werden wesentliche Aspekte der Sichtweisen Pacelli's, des Kardinals Faulhaber und des Gustav von Kahr erst heute, fast hundert Jahre nach den Ereignissen (!) öffentlich.
Wären die Sichtweisen von Pacelli, Faulhaber und Kahr schon einige Jahrzehnte früher so unzweideutig sichtbar geworden wie sie es heute sind, wäre womöglich noch mehr Leuten außer diesem Blog aufgefallen: So falsch waren die Vermutungen, Verdächtigungen und Wahrnehmungen des "Verschwörungstheoretikers" Erich Ludendorff über die Machenschaften der ultramontanen Kräfte in Bayern gar nicht. Heute hingegen ernten diese Veröffentlichungen bestenfalls noch ein Achselzucken. Sie sind "zu lange her" als daß sich nur irgend jemand großartig darüber aufregen würde.
Tiktok-Scrollen ist sowieso längst wichtiger geworden für die nachwachsende Generation. Zwar sollte diese doch eigentlich in einer Demokratie zu selbstständigem Denken und Forschen erzogen werden. Sollte. Aber sind die heutigen Demokraten eigentlich wirklich an selbstständigem Denken des Volkes interessiert? Sind sie es? Wirklich? Müßten sie dann nicht ganz anders handeln? Aber das sind an dieser Stelle nur Fragen am Rande.
Richtungswechsel - Die ultramontanen Kräfte in Bayern, September 1923
Ludendorff verdächtigte die ultramontanen Kräfte Bayerns, des Rheinlandes, des Saarlandes und der Pfalz des Separatismus. Das war für ihn der Hauptgrund, sich in die bayerische Politik einzumischen. Der separatistische Gedanke verlor aber während des Jahres 1923 an Zugkraft. Ludendorff schreibt dazu (3, S. 51):
Die separatistischen Absichten in Bayern waren durch den Fuchs-Machhaus-Prozeß in Mißkredit geraten. Es schien einfacher (...), daß Kronprinz Rupprecht von Bayern sei es als Reichsverweser, sei es als Kaiser nach Berlin geführt wurde. Der Ruf "Los von Berlin", der bis dahin nur allzu oft in München zu hören war, wandelte sich in den Ruf "Auf nach Berlin". Ich hätte mich hierüber freuen müssen. Der Ruf begrub den Separatismus als solchen. Mir war aber doch bei diesem Ruf etwas unheimlich zumute, zu tief hatte ich in die Verhältnisse geblickt.
Die ultramontanen Kräfte in Bayern wechselten also - in der Wahrnehmung Ludendorffs - mit einem male die Zielrichtung, gingen auf die Zielrichtung der völkischen Kräfte in Bayern zu. Sie gaben zumindest vor, die Möglichkeit eines Erfolges eines "Marsches auf Berlin" nach verschiedenen Richtungen hin zu ventilieren und erste Schritte zur Vorbereitung desselben zu unternehmen. Verschiedene Personen der bayrischen Staatsregierung machten Reisen nach Berlin, um das Terrain zu erkunden, verschiedene Persönlichkeiten aus Norddeutschland kamen nach München, um Pläne zur Zusammenarbeit zu erörtern.
Indem die vorherigen separatistischen Pläne aufgegeben worden waren, sahen sich die ultramontanen, regierenden Kräfte Bayerns weiterhin als "Ordnungszelle" im Deutschen Reich und wollten - angeblich - von Bayern aus eine Wiedererstarkung Deutschlands herbeiführen. Aber Ludendorff war dabei "etwas unheimlich" zumute, wie er sagt. Daß das alles nur ein taktisches Vorgeben sei, um die völkischen Kräfte in Bayern durch dieses Vorgeben in einem zweiten Schritt um so nachhaltiger zerschlagen zu können - nämlich nachdem sie "vorgeprescht" wären, hat er zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht durchschaut. Die 1920er Jahre beschreibt Erich Ludendorff selbst als einen stetigen politischen Lernprozeß für sich selbst.
Die ultramontanen Kräfte Bayerns liebäugelten also mit einer Zusammenarbeit mit den völkischen Kräften in Bayern rund um Hitler und Ludendorff und rund um die den beiden unterstellten "Kampfverbände", bzw. "Wehrverbände" (unter anderem mit dem Bund Oberland). Gustav von Kahr sagte es dem Nuntius Pacelli am 3. Oktober 1923 deutlich genug: Mit Hitler glaubte er dabei zusammen arbeiten zu können - mit Ludendorff nicht (Stgr2025). Das ist eine zentrale Äußerung, die wesentlich tiefer in die damaligen Zusammenhänge blicken läßt als das zuvor möglich gewesen war. Sie paßt zu dem gesamten Geschehen ab dem Jahr 1925, in dem sich Ludendorff von Hitler trennte, eben weil dieser sich nicht gegen die ultramontanen Kräfte stellen wollte. Innerlich war diese Trennung von Seiten Hitlers offenbar schon vor dem Putsch vom 9. November 1923 vollzogen worden.
Der Präsentierteller
Nachdem nun einige Wochen lang von Seiten der ultramontanen Kräfte das Vorhaben ventiliert wurde, von Bayern aus in Deutschland die Macht zu übernehmen, wobei sie in ständigem Austausch mit Ludendorff und Hitler standen, entschied man sich offenbar um den 6. November 1923 herum dazu, Hitler zum Losschlagen zu "verleiten", indem die Versammlung im Bürgerbräukeller anberaumt wurde, in der ein großer Teil der "führenden Kreise" Münchens und Bayerns versammelt war, und in der Gustav von Kahr eine wichtige Rede hatte halten sollen. Man bot Hitler hierdurch die Möglichkeit des Putsches praktisch "auf dem Präsentierteller" an. Dabei sollte zunächst ein Zusammengehen mit ihm vorgetäuscht werden, um danach um so sicherer und zuverlässiger die völkische Bewegung in Bayern - polizeilich und militärisch - zu zerschlagen. Dabei würde vermutlich auch Blut vergossen werden müssen, so wußte Nuntius Pacelli schon im Vorhinein, wenn es nicht sogar seine Hoffnung war. Er telegrafierte am Morgen des 9. November 1923 nach Rom (Stgr2025):
Generalkommissar Kahr schloß sich, soweit ich weiß, der Bewegung offenbar zunächst nur an, um freie Hand zu bekommen und um Gegenmaßnahmen ergreifen zu können; man geht davon aus, daß er in Kürze wieder in sein Amt eingesetzt wird, aber wahrscheinlich nicht ohne Blutvergießen.
Derjenige, der diese Zusammenarbeit mit den Völkischen von Seiten der bayerischen Staatsregierung vortäuschen sollte, war der Generalstaatskommissar von Kahr.
Der "Schild", der "Mohr", der "Sündenbock"
Er sah sich selbst dabei offenbar sehr deutlich als das "Werkzeug" anderer an, als "Mohr, der seine Schuldigkeit tun mußte" (im Dienste der ultramontanen Kräfte , siehe unten). Erich Ludendorff bezeichnet Gustav von Kahr in seiner Schrift "Auf dem Weg zur Feldherrnhalle", die im Jahr 1937 erschienen ist, als "den ausgesprochenen Vertrauensmann des Kronprinzen Rupprecht" (3, S. 50). Er schreibt (3, S. 51):
Die Stellung des Generalstaatskommissars v. Kahr war eigenartig. Er hatte von der Bayerischen Regierung die volle Regierungsgewalt erhalten, sie selbst aber blieb voll im Amte. Der Generalstaatskommissar war sozusagen das Schild geworden, hinter dem die Bayerischen Volkspartei, die Anhänger des Hauses Wittelsbach und Rom ihre dunklen Pläne durchführen wollten.
Genau so kennzeichnet der Münchener Historiker Ferdinand Kramer (geb. 1960) (Wiki) nun die Rolle Gustav von Kahrs ebenfalls in seinen beiden Vorträgen dazu von 2018 und 2023. Er sagte dazu 2018 gleich am Anfang seines Vortrages (2):
"Kahr ist im Lande ein Symbol" - diese Worte stammen, glaubt man den Erinnerungen Gustav von Kahrs, vom Rektor der Universität München. In der aufgewühlten politischen Atmosphäre des Jahresanfangs 1922 hatte die Bayerische Volkspartei den Plan intensiviert, die Verfassung des Freistaats Bayern um das Amt eines bayerischen Staatspräsidenten zu erweitern. Über den Parteien stehend sollte dieser Staatspräsident integrierend wirken und die Staatlichkeit Bayerns im besonderen repräsentieren. Manch einer dachte dabei auch an die Restauration der Monarchie auf diesem Wege. Heinrich Held, Vorsitzender der stärksten Fraktion im Bayerischen Landtag, der Bayerischen Volkspartei, führt eine Reihe von Gesprächen mit Persönlichkeiten, die er mit dem neuen Amt präsentieren wollte. Ja überhaupt war vorherzusehen, daß das Staatspräsidenten-Amt und die entsprechende Verfassungsänderung per Volksentscheid nur durchzusetzen war, wenn man Parteien und Öffentlichkeit mit dem Amt selbst eine Persönlichkeit präsentieren konnte, die breite Zustimmung finden würde. Zuerst bot Held das Amt Kronprinz Rupprecht an, der mit Gustav von Kahr Rücksprache hielt und schließlich ablehnte. Ein König könne sich nicht wählen lassen, so die Begründung Kahrs. Dann führte Held Unterredungen mit dem Präsidenten der Universität München, mit Pfeilschifter, der das Ansinnen ebenfalls ablehnte und auf Kahr verwies. Dieser oder keiner sollte Staatspräsident werden, denn er ist eben im Lande ein Symbol.
Womöglich ist es ein bemerkenswerter Umstand, daß überlegt worden war, den katholischen Theologen, Kirchenhistoriker und Rektor der Universität München Professor Georg Pfeilschifter (1870-1936) (Wiki) für die Übernahme dieses Amt zu bewegen und daß dieser dankend abgelehnt hat. Auf den Namen Pfeilschifter waren wir letztes Jahr in den Tagebüchern des Kardinals Faulhaber in einem ganz anderen Zusammenhang gestoßen. Faulhaber hatte am 18. Februar 1923, also ein Jahr nachdem das Staatspräsidenten-Amt geschaffen worden war, in seinem Tagebuch einige Ausführungen über innerkatholische Gegner des Kronprinzen Rupprecht gemacht. Über den engsten Mitarbeiter des Kronprinzen Rupprecht, über den Grafen Soden hatte er dabei ausgeführt (s. Stgr2025):
Graf Soden beklagt sich, daß er persönlich verdächtigt würde, „der Kronprinz stehe unter jesuitischem Einfluß“, Ludendorff sei die Quelle - leider sei der Rektor Pfeilschifter ein Anhänger von Ludendorff.
Pfeilschifter ein Anhänger von Ludendorff - an dieser kurzen Bemerkung wird blitzartig deutlich, welch großen Einfluß man schon im Februar 1923 Ludendorff innerhalb der bayerischen Politik zugeschrieben hat, insbesondere unter all jenen, die den ultramontanen Kräften innerhalb Bayerns auch als Katholiken kritisch gegenüber standen. Und von diesen gab es viele. Der weiter unten noch erwähnte Münchner Historiker Karl Alexander von Müller zum Beispiel gehörte auch zu ihnen. Wir hatten zu diesen Faulhaber-Worten schon letztes Jahr geschrieben (s. Stgr2025):
Der jesuitische Einfluß auf den Kronprinzen Rupprecht, so lautet also der Verdacht, ginge über den Grafen Soden. Worauf sich dieser Verdacht gründet, ist vorderhand nicht gleich erkennbar. Vielleicht unter anderem auf den Umstand, daß der Graf Soden das Wilhelmsgymnasium in München besucht hat, das - einst von Jesuiten gegründet - bis heute "von der tiefen Religiosität der Jesuiten geprägt" ist (s. Wilhelmgymn).
In seinem Vortrag von 2023 charakterisiert der Historiker Ferdinand Kramer die Rolle Gustav von Kahrs noch weitaus deutlicher (2; Minute 40):
Mit der Bestellung von Gustav von Kahrs zum Generalstaatskommissar und dem damit verbundenen Ausnahmezustand in Bayern versuchte die bayerische Staatsregierung eine Person zu nutzen, von der man hoffte, sie könne in einem aktuellen Krisenbündel einen Putsch Hitlers verhindern. (...) Mit Gustav von Kahr verband sich in akuten Krisen 1920 und 1923 und mit Hilfe von Ausnahmezuständen die Hoffnung auf Stabilisierung des Staates. Während damit die demokratisch legitimierten Amtsträger und Institutionen, die ihn installierten, weiter an Ansehen verlieren mußten, die Verantwortung weiter schoben und ihn später auch - wie man das bei Karl Schwend sehen kann - zum alleinigen Sündenbock abstempelten.
Die ultramontanen Kräfte in Bayern wußten: Derjenige, der die völkische Bewegung in Bayern zerschlagen würde, dessen Sympathien würden in Bayern nicht wachsen. Und so schoben sie die Verantwortung dafür an Gustav von Kahr als "Sündenbock" weiter und wuschen sich weiter die Hände in Unschuld.
Kahr - Er "wußte nicht, wohin er geführt würde"
Enkel des bayerischen Politikers Gustav von Kahr haben 2016 den Historikern Aufzeichnungen ihres Großvaters zugänglich gemacht, Vorarbeiten zu seinen Lebenserinnerungen, an denen er bis zu seiner Ermordung während der "Röhm-Putsch"-Morde des Jahres 1934 weiter gearbeitet hatte, und in denen er darum rang, sich gegenüber einer Öffentlichkeit zu rechtfertigen, der gegenüber er sich durch sein Handeln am 8. und 9. November 1923 zwischen alle Stühle gesetzt hatte, und die ihn seither von allen Seiten kritisch betrachtete, und die sich von ihm abwandte, von ihm, der zuvor in Bayern so viele Sympathien, ja, "Gott-ähnliche" Verehrung genoß, wie es vereinzelt hieß. In seinen Erinnerungen versuchte er nun, sein Leben darzustellen als geleitet vom Prinzip der "Treue". Allerdings erwecken auch die Ausführungen des Historikers Kramer über diese Lebenserinnerungen eher der Eindruck, daß die "Treue" des Gustav von Kahr vor allem auf geheimen Ordensobere hin orientiert war als auf irgend etwas anderes hin (siehe unten).
Erich Ludendorff schreibt in seinen Lebenserinnerungen über die zweite Jahreshälfte des Jahres 1920, über die Zeit, nachdem er von Berlin nach München gezogen war (3, S. 138):
Durch Oberst Bauer lernte ich auch bald die Herren v. Kahr und Pöhner kennen. Herr v. Kahr klein, untersetzt und leicht aufgeschwemmt, sowie alles andere als nordisch, war Protestant, aber Mitglied der Bayerischen Volkspartei. (...) In den Blicken des Herrn v. Kahr lag eine gewisse Verschlagenheit. Wie abhängig er von dem Willen des tatsächlichen Führers der Bayerischen Volkspartei, dem Bauerndoktor Geheimrat Heim, und damit von Nuntius Pacelli und Kardinal Faulhaber tatsächlich war, war mir damals noch unbekannt. Polizeipräsident Pöhner war eine ganz andere Erscheinung als Ministerpräsident v. Kahr. Er war groß und hager, sein Gesicht trug energische Züge. Er hatte die Polizei Münchens von allen zweifelhaften Elementen gesäubert; hier herrschte tatsächlich Ordnung. Irgendwelche bolschewistischen Unruhen waren in München unmöglich geworden. (...) Welche Gedanken die beiden Herren im einzelnen hatten, offenbarte sich nicht. Herr v. Kahr wußte gewiß selbst nicht, wohin er geführt werden würde, und Herr Pöhner dachte wohl nur in seinem Innersten an die Errichtung einer großen Wittelsbachischen Monarchie.
Der Historiker Ferdinand Kramer führt nun anhand der bis heute unveröffentlichten Lebenserinnerungen des Gustav von Kahr aus (1, Minute 36):
In den Erinnerungen versucht Kahr darzulegen, wie er seiner fränkisch-protestantischen Herkunft zwar treu blieb - das ist eben elementar für ihn - aber wie ihn in seiner Landshuter Zeit das bayerische Oberland, dann die bayrische Haupt- und Residenzstadt, sowie sein dortiges Engagement für den Staat und insbesondere seine intensiver werdenden Kontakte zum Königshaus faszinierten. Insofern bietet er uns einen Weg zum Verständnis der gesellschaftlichen und staatlichen Integrationsprozesse des Königreichs Bayern an. Der evangelische Franke wird zunehmend ein Altbayer, will man sagen.
Dabei thematisiert Kahr unter anderem wiederholt seine Positionen zur evangelischen und katholischen Kirche. Dabei klingt vereinzelt eine starke Verbitterung über seine Kirche durch, da ihn einzelne evangelische Pfarrer wegen der Niederschlagung des Hitler-Putsches kritisiert haben und angegriffen haben. Nur zweimal deutet er an, daß er zwar seiner evangelischen Kirche treu sei, seine Religiosität aber weitgehend verloren habe.
Wie könnte wohl ein hohlerer Begriff von "Treue" formuliert werden als hier? Gustav von Kahr und offenbar auch viele Leser scheinen sich diese ausgesprochene Hohlheit gar nicht einmal bewußt zu machen. Womöglich ist eine solche "hohle Treue" zu irgendeiner christlichen Kirche noch heute reine Selbstverständlichkeit bei vielen "Altbayern" und anderen Deutschen. Warum bloß werden wir so polemisch? "Deutsche Treue"? So? Und wird eiskalt bei dem Lesen solcher Dinge. Aber die Hohlheit des Begriffes Treue bei Gustav von Kahr tritt noch krasser zutage (1):
Dagegen fasziniert ihn das repräsentative Auftreten der katholischen Geistlichkeit wie er es vor allem an Faulhaber ausführt, mit dem ihm vor allem dessen entschiedener Monarchismus und die Ablehnung der Republik verbunden hat. Der Verlust der vom Großvater und Vater ausgehenden Religiosität habe ihn bewogen, das Amt des Superintendenten in Bayern auszuschlagen. Ob dies nun das zentrale Motiv war oder ob Kahr nicht viel mehr wissen mußte, daß er sich damit in eine Minderheitenposition im politischen und gesellschaftlichen Leben Bayerns begeben hätte, muß ebenfalls nach den Memoiren dahin gestellt bleiben. Jedenfalls ermöglichte die dargestellte wachsende Distanzierung zum Protestantismus und Kahrs Interesse für das Katholische, daß er auch als Protestant breite Akzeptanz und als Ministerpräsident und Generalstaatskommissar auch Rückendeckung bei der katholischen Kirche, im starken politischen Katholizismus und damit auch in breiteren Schichten nicht zuletzt des Münchner Bürgertums finden konnte.
Was für eine beklemmende "Treue". Fast möchte man ausrufen: Nur ein toter Protestant ist auch ein "guter" Protestant - so ja offenbar die Sicht des hier dargestellten "starken politischen Katholizismus" in München. Das "repräsentative Auftreten der katholischen Geistlichkeit" läßt den Gustav von Kahr Sympathien zu dieser entwickeln. Und sonst nichts? Und das, obwohl er überhaupt keine Religiosität mehr besitzt? Geht es eigentlich noch krasser, absurder, hohler?
Abb. 2: In Stein gemeißelt: Vordergrund-Politiker ohne Eigenwillen und "weise" "Hintergrund"-Lenkung (im Freimaurer-Denkmal genannt "Völkerschlachtdenkmal" in Leipzig, errichtet 1913)
Ist es nicht sehr passend gewählt, wenn wir den Figuren-Schmuck der Leipziger Freimaurer-Kolosses wählen, um diese Art der "Dienstfertigkeit" geheimen Oberen gegenüber zu kennzeichnen, die doch hier offenbar bei Kahr vorlag (s. Abb. 2)? Figuren, "Streiter" ohne allen Eigenwillen und darum im vollkommenen Einklang mit denen, die "hinter" ihnen stehen.
Aber noch passender zur Verbildlichung einer solchen Haltung erscheinen uns hohle, riesige Samson-Figuren wie sie im Lungau in Österreich bei Festumzügen herum getragen werden (Abb. 3).
Wird die Haltung eines von Kahr nicht überhaupt typisch sein für die eines "Karrieristen", der in einem zutiefst katholischen Umfeld - noch dazu als Protestant - Karriere machen will? Kramer führt weiter aus (1):
So konnte Kahr der erste fränkische, evangelische Ministerpräsident des Freistaats Bayern werden, ein Thema daß ja dieser Tage wieder instrumentalisiert wird.
Mit "diesere Tage" ist im Jahr 2018 auf den fränkischen, evangelischen bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder gemeint, vielleicht eine ähnliche "Sprech-Puppe" ... Uns fällt noch ein: "Der deutsche Protestantismus auf dem Wege nach Rom" lautete ein Schlagwort in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und Gustav von Kahr könnte gewiß als einer der besten Repräsentanten von Menschen auf einem solchen Weg gelten. Aber sind nicht unzählige sogenannte "christliche" Politiker aller Parteien seit Jahrzehnten und Jahrhunderten auf solchen Wegen ...? Der Historiker Kramer weiter über Gustav von Kahr (1):
Die Nationalsozialisten beschimpften ihn später als "Ehren-Jesuiten" und warfen ihm vor, er habe sich in der Nacht des Hitler-Putsches von Faulhaber zu einer Wende seiner Position und zum Kampf gegen die Putschisten bewegen lassen.
An dieser Stelle sei noch einmal in Erinnerung gebracht, was Gustav von Kahr dem Nuntius Pacelli am 3. Oktober 1923 sagte: Mit Hitler glaubte er schon leicht zu einem Modus vivendi kommen zu können - aber nicht mit Ludendorff (Stgr2025). Mußte da nicht Hitler selbst bewußt sein, daß er schon vor dem 9. November 1923 bei den ultramontanen Kräften in Bayern mehr oder weniger wohl gelitten war? Immerhin ist es auch sehr auffallend, wenn Erich Ludendorff noch im Jahr 1937 etwas sagte, was inzwischen durch die Nuntiatur-Berichte Pacelli's als widerlegt angesehen werden muß. Er sagte nämlich (2, S. 53):
Während Adolf Hitler in ablehnender Haltung gegen den Generalstaatskommissar v. Kahr und dieser gegen ihn standen, trennten sich Hauptmann Heiß und seine Reichsflagge von dem Kampfbunde und stellten sich Herrn v. Kahr zur Verfügung! (...) Ich war tief empört über das Verhalten.
Gemeint ist: Der Hauptmann Heiß trennte sich vom Kampfbund Oberland, der sich der politischen Leitung Hitlers unterstellt hatte. Haben Hitler und Kahr hier - im gegenseitigen Einvernehmen - nur nach außen hin einen "Gegensatz" "gepflegt", den es in Wahrheit - nach den Worten Kahrs gegenüber Pacelli - gar nicht gab?
Man fragt sich jedenfalls bei den genannten Inhalten der Lebenserinnerungen des Gustav von Kahr, in welche Abhängigkeiten derselbe sich schon in jungen Jahren - womöglich schon in seinen Landshuter Jahren - begeben haben könnte. Sein ganzes Leben und auch Argumentieren mutet so an, als hätte er sich in Abhängigkeiten begeben. Als wäre er - ggfs. - Eidverpflichtungen eingegangen zum Beispiel gegenüber einem jesuitischen Männergeheimbund. Denn Gustav von Kahr deutet sein ganzes Leben - und sogar den Verlust seiner Religiosität - so, daß er dabei jederzeit in Einklang bleiben kann mit den klerikal-Wittelsbacherischen Interessen in Bayern, die zugleich ultramontane Interessen waren.
Warum dann aber diese Kreise 1934 dennoch keine schützende Hand über von Kahr gehalten haben - was sie doch gewiß anderen Personen gegenüber getan haben - muß an dieser Stelle einstweilen offen bleiben. War von Kahr eben doch - - - "nur" ein Protestant? Blieb ihm letztlich ein wirklicher Respekt versagt innerhalb jener Kreise, denen er sich gegenüber verpflichtet fühlte? Er war offenbar tatsächlich - wie der Historiker Kramer es ausdrückt - "der Mohr, der seine Schuldigkeit getan" hatte.
Kramer beschreibt, wie von Kahr sich selbst von der Außenwelt wahrgenommen wünschte (1):
Sein eigentliches Streben sei das nach der Position eines hohen, überparteilich agierenden bayerischen Staatsbeamten gewesen. Das Amt des Regierungspräsidenten von Oberbayern gilt ihm als das schönste, das Bayern zu vergeben habe. Dagegen sei der Weg in die Politik ein Opfer gewesen, das er 1920 und 23 nur auf langes Drängen und um des Staates will auf sich genommen habe.
Sprich: "auf Befehl" hin. Und weiter (1):
Dann sieht er den Dualismus und Kontrast zwischen einer ungemeinen hohen Popularität im Lande, seine Wirkung als Symbol, als ein vom Volk und den "Kahrianern" vergötterter Ministerpräsident und als Gegenstück dazu der Verlassene, der Isolierte, der Mohr, der seine Schuldigkeit getan hat.
Es geht also insgesamt um das scheinbare Zusammenarbeiten von Kahrs mit den Putschisten des Hitler-Ludendorff-Putsches von 1923 und der von ihm dann koordinierte Niederschlagung des Putsches. Wie das Agieren des Gustav von Kahr grundsätzlich einzuordnen ist, war uns hier auf dem Blog schon einigermaßen abschließend deutlich geworden durch das Studium der Berichte des Nuntius Pacelli aus jener Zeit nach Rom (StgNat2025). Aus ihnen geht hervor: Die katholisch-Wittelsbacherischen Kreise hätten in der Zusammenarbeit mit Hitler 1923 gerne Bayern vom Reich abgetrennt (Separatismus) oder wären auch gerne zusammen mit Hitler von Bayern aus auf Berlin marschiert (so wie zuvor Mussolini nach Rom marschiert war). Da aber der antiklerikale Erich Ludendorff die starke antiklerikale Strömung innerhalb Bayerns unter den Putschisten repräsentierte, wurde von Seiten der Wittelsbacherisch-klerikalen Kräfte in Bayern (Pacelli, Faulhaber, Kronprinz Rupprecht, Heim, Held, von Kahr uam.) der Plan gefaßt, daß von Kahr scheinbar auf die Zusammenarbeit mit dem Putschisten eingehen würde, um sie zum Losschlagen zu bewegen, um sie dann als Putschisten um so leichter niederschlagen zu können.
Es scheint unter diesen Kräften Personen gegeben zu haben, denen der Gedanke nicht unangenehm war, daß bei dem gewaltsamen Niederschlagen des Putsches führende Putschisten auch ums Leben kommen könnten, etwa Erich Ludendorff.
Gustav von Kahr hat in der Zeit nach dem 9. November 1923 immer offen davon gesprochen, daß der Putsch so abgelaufen sei, wie der Ablauf von ihm geplant gewesen sei. Natürlich mußte er aufgrund seines Narratives von diesem Putsch von Seiten der Nationalsozialisten und Völkischen - mit denen er zuvor freundschaftlich zusammen gearbeitet hatte - als schlimmster "Verräter" angesehen werden. Umgekehrt hatte er es sich aber auch mit sämtlichen sonstigen politischen Kreisen Bayerns verdorben, weil diese es ihm nicht wirklich abnehmen wollten, daß er sich nur zum Schein auf eine Zusammenarbeit mit den Putschisten eingelassen gehabt hatte. Viele waren der Meinung, daß von Kahr ganz ebenso auf die Anklagebank gehörte wie die anderen "Hochverräter".
Sein öffentliches Ansehen war also nach dem Putsch völlig dahin. Und die klerikal-Wittelsbacherischen Kreise Bayerns mußten Gustav von Kahr auf lange Sicht opfern. Von all dem liest man noch heute auf Wikipedia kein Sterbenswort. Aber man erfährt all das in dem Vortrag von Ferdinand Kramer aus dem Jahr 2018. Darin stellt Kramer das hohe Ansehen Gustav von Kahrs vor dem November 1923 heraus. (Wir hatten hier auf dem Blog schon davon gehört, daß etwa auch der Münchener Tiermaler Heinrich von Zügel bis 1923 zu den "Kahrianern" gehört hatte [Stgr2025].) Kramer sagt, daß die Person Gustav von Kahrs geradezu "Symbolcharakter" gehabt hätte. Er setzt dann fort (1):
Der Symbolcharakter Kahrs erlebte 1923 nach dem Hitler-Putsch eine
abrupte Wende in seiner Deutung. Seine Popularität verschwand über Nacht, konkret vom achten auf den neunten November 1923. Im Lager der Rechten wurde ihm die Niederschlagung des Putsches als Kampf gegen die Nationalen zum Vorwurf gemacht. Im bürgerlichen Lager wurde ihm Nähe zu
den Putschisten, seine bis heute unklare Haltung in der Putsch-Nacht und die Bereitschaft zur Mitwirkung an
einem im Spätherbst 1923 geplanten Rechtsputsch im Reich angelastet. Heinrich Held, der Kahr - zwar mit Vorbehalten aber letztlich doch - auf den Schild gehoben hatte, sprach 1924 im Landtag von der "Unordnungszelle Bayern", die Kahr ermöglicht habe, und in der man
seines Lebens nicht mehr sicher gewesen sei.
Was für eine krasse Distanzierung gegenüber Kahr von Seiten genau jener Kreise, die ihn zuvor auf den Schild gehoben hatten. Man möchte meinen: Lasse dich nie mit den ultramontanen Kräften ein. So wie sie dich hofieren, genauso können sie dich auch wieder fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Held will hier sagen, die Aktion von Gustav von Kahr habe die antiklerikalen, völkischen Rache-Wünsche und -Reaktionen unmittelbar nach Niederschlagung des Putsches erst herauf beschworen und aus der "Ordnungszelle Bayern" eine "Unordnungszelle" gemacht. Hier opferte Heinrich Held also Gustav von Kahr auf und stellte ihn als Sündenbock hin. Dabei hatten alle klerikal-Wittelsbachischen Kreise selbst ebenfalls mit dem Gedanken eines monarchischen Rechtsputsches gespielt, auch Held selbst. Und weiter:
Vor allem auf Seiten der Sozialdemokratie und der politischen Linken, die Kahr schon seit der - unter unverhohlenem Druck der Militärs und der Einwohnerwehren erfolgten - Übernahme des Ministerpräsidentenamtes bekämpften, steigerte sich die Kritik an Kahr. Besonders der junge Landtagsabgeordnete Wilhelm Hoegner bekämpfte den vormaligen Ministerpräsidenten und Generalstaatskommissar nachhaltig und brachte ihn auch in Verbindung mit den Feme-Morden an Politikern der Kommunisten, Sozialdemokraten und des linken Zentrums. Wie kein anderer betonte Hübner Kahrs Verantwortung bei der Sammlung rechtsextremer Kräfte und beim Aufstieg des Nationalsozialismus bis zum Hitler-Prozeß 1924.Immer wieder mahnte Högner die strafrechtliche Verfolgung Kahrs an, die über ein eingestelltes Ermittlungsverfahren nicht hinausging. Högners zeitgenössische Einschätzung, die er
im bayerischen Landtag und dort vor allem im Untersuchungsausschuß zum Hitler-Prozeß 1927/28 und in der
anonym erschienenen Schrift "Kahr und Hitler - Die Napoleonsgrößen" (vorbrachte), teilten in wesentlichen Punkten - wenn auch nicht in
dieser Schärfe - auch führende Persönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei wie der genannte Heinrich Held oder Karl Schwend.
Der hier genannte Karl Schwend (1890-1968) (Wiki) war ein enger Vertrauter und Mitarbeiter von Heinrich Held.
Abb. 3: Samson-Figur aus dem Lungau in Österreich (Wiki)
Etwas später bringt Ferdinand Kramer eine Gesamt-Einschätzung seiner Forschungen zu Kahr (1):
Seine Rolle im Hitlerputsch hat Kahr letztlich 1924 ins politische Abseits geführt. Die entscheidende Frage, ob Kahr tatsächlich
zur Mitwirkung an Hitlers Abenteuer zunächst bereit war oder ob es eine Mitwirkung angesichts eines
vollbesetzten, von Hitlers Schergen mit Waffen besetzten und bedrohten Bürgerbräusaales nur vorspielte, um Handlungsfreiheit für die Einleitung von Gegenmaßnahmen zu bekommen, kann letztlich bis heute nicht mit aller Sicherheit geklärt werden.
Die bisherigen Thesen, das darf ich vielleicht in diesem Fall sagen, bestätigen sich wohl. Wir haben jetzt auch Briefe von Kahrs aus der Situation im Hitlerputsch gefunden, (die zeigen,) daß wohl diese These, daß er eben vorgegeben hat, um reagieren zu können, die wahrscheinlichere bleibt. Kahr hält entsprechend auch in seinen Erinnerungen
an der Interpretation fest, die er im Hitler-Prozeß und anderen Gelegenheiten durchgehalten hat. Danach
hat er, um eine Eskalation im Bürgerbräukeller zu vermeiden, Hitler etwas vorgespielt und dann nach seiner Freilassung die bereits im Vorfeld vorbereiteten und von seinen Mitarbeitern bereits eingeleiteten Gegenmaßnahmen forciert, bis zur Niederschlagung des Putsches auch koordiniert. Freilich geben auch die Memoiren keine detaillierte Auskunft über die Stunden von zirka 23 Uhr bis 3 Uhr morgens, nachdem er den Bürgerbräukeller verlassen hatte und die von ihm firmierten (?) Anordnungen zur Niederschlagung des Putsches an diversen Stellen dann eingingen.
Und später sagt Kramer (1):
Kahr, der im September 23 bei der Ernennung
zum Generalstaatskommissar an einem weiteren Höhepunkt seines öffentlichen Ansehens stand, wurde wenige Wochen
später auch in breitesten Kreisen zur "persona non grata", bald weitgehend
isoliert, von allen Seiten in der Kritik. Endgültig zerstörerisch für Kahrs öffentliches Ansehen wurde freilich der Vorgang wie ihn die BVP nicht nur als Generalstaatskommissar fallen ließ, sondern dann auch aus seiner angestammten Position als Regierungspräsident von Oberbayern regelrecht abserviert wird. Kahr, der in der Inflation große Teile des Privatvermögens verloren hatte, wollte auch aus finanziellen Gründen nicht
vorzeitig in den Ruhestand treten. In einem unwürdigen, von der sozialdemokratischen Presse über Monate
hämisch kommentierten Posten-Schacher, bei dem das Amt des Regierungspräsidenten mit dem des Verwaltungsgerichtspräsidenten vertauscht wurde, kam Kahr schließlich in das Amt, das einst sein Vater gehabt hatte, Verwaltungsgerichtspräsident. Eine Person, die wegen Beteiligung an einem Putsch zumindest öffentlich angeklagt wurde, wenn auch nicht juristisch - und den dann zum Verwaltungsgerichtspräsidenten zu machen, das war das zentrale kritische Argument in dieser öffentlichen Auseinandersetzung. Schließlich trat 1927
der Untersuchungsausschuß im Landtag zum Hitler-Prozeß zusammen. Bei dem vor allem Wilhelm Hoegner Kahr immer wieder scharf angriff und ihn auf eine Höhe mit Hitler stellt. Besonders
tief mußte Kahr den unverbrüchlichen Anhänger der Monarchie, auch treffen, daß im Zuge der öffentlichen Demontage seiner Person im Vorfeld des Hitler-Prozesses auch der Vorwurf erhoben wurde, Kahr habe schon als Regierungspräsident von Oberbayern auch in den Revolutionstagen versagt und trage damit
wesentliche Verantwortung für den Sturz der Monarchie.
Kahr sah sich also seit November 23 massivsten öffentlichen Vorwürfen, der starken Polemik und ihn
auch persönlich zutiefst verletzenden Angriffen ausgesetzt. Nicht zuletzt verstummte auch die Forderung nach einem Hochverratsprozeß gegen Kahr nicht. Insofern stand er also - oder war er "persona
non grata" für viele, als er mit den Lebenserinnerungen begann und sie dann ausarbeitete.
Kramer sagt (1):
Für rechtsnationale Kreise im Reich war Kahr spätestens seit dem Kapp-Lüttwitz-Putsch ein Ansprechpartner, der zwar selbst nicht der Auslöser eines Rechtsputsches im Reich sein wollte, der aber bereit war, im Falle eines Umsturzes, der von Norden beziehungsweise bzw. Berlin ausgehen sollte, das Potenzial Bayerns in einen solchen Rechtsputsch einzubringen. 1922 war er übrigens auch als potenzieller Reichspräsident auf der rechten Seite im Gespräch. Vor allem Kahr und seine Politik waren es schließlich auch, die mit der von ihm propagierten vermeintlichen Ordnungszelle Bayern rechte und rechtsextreme Kräfte aus dem ganzen Reich nach Bayern und nach München anzog. Man wird also erweitert fragen, welche politischen und gesellschaftlichen Kräfte sich mit Kahr identifizieren konnten, welche Erwartungen auf ihn projiziert wurden, daß Kahr zeitweise eine derart einflußreiche Figur im politischen Leben des Freistaats und für die politische Rechte im Reich bis 1923/24 werden konnte.
In seinem Vortrag aus dem Jahr 2023 (Yt2023) sagt Kramer, seine Forschungen wären unter anderem ...
... geleitet von der Frage, wie etablierte Persönlichkeiten in München die Umbrüche in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts erfahren und verarbeitet haben. Martin Geier hat viel vorgearbeitet, welche Wirkung dies auf die junge Demokratie haben konnte und wie ein Teil dieser Persönlichkeiten derart kippen und die Orientierung verlieren konnte. Neben Kahr möchte ich hier nur die Schlagworte Ludwig Thoma oder auch Karl Alexander von Müller als weitere, sehr unterschiedliche Beispiele nennen.
Die hier gestellte Frage lautet also: Wie konnten solche genannten "Persönlichkeiten" "kippen" angesichts der Erfahrung einer Räterepublik in München, angesichts der Erfahrung des Versailler Vertrages, angesichts des Zerfalls des Deutschen Reiches, angesichts der Zerschlagung der Donaumonarchie, angesichts des Sturzes der Monarchien in Deutschland, Österreich, Ungarn und Rußland, angesichts der Inflation und angesichts des wirtschaftlichen Niedergangs, angesichts eines verlorenen Krieges. Hätten denn die Deutschen - bitteschön! - sich nicht auch schon 1919 und in den folgenden Jahren ebenso lethargisch in das ihnen widerfahrene Geschick fügen können wie nach 1945? So lautet wohl die Frage. Und wir möchten die Gegenfrage stellen: Lag es womöglich daran, daß viele Menschen schon damals nicht mehr so recht daran glauben konnten, daß das Handeln der regierenden Kreise in den Völkern der Nordhalbkugel wirklich von dem Wohl der von ihnen regierten Völker geleitet war? Lag es womöglich daran, daß sie zu der Vermutung gelangt waren, daß eher die Epsteins dieser Welt die Fäden in der Politik ziehen als irgend jemand anderer? Aber es wäre ja wirklich sehr absurd, so etwas zu glauben. Wer käme denn noch heute auf die Idee, daß diese Menschen damals damit richtig gelegen haben könnten? Kramer jedenfalls weiter:
Demokratie im Ausnahmezustand - damit wollte ich schließlich auch darauf hinweisen, wie sehr die frühen 20er Jahre von einem multiplen gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen, wohl auch psychosozialen Ausnahmezustand gezeichnet waren. Nicht nur Kahr berichtet immer wieder von einer ungeheuerlichen, emotionalen Erregtheit breiter Bevölkerungsschichten nach Krieg, Hunger, Spanische Grippe, politischem Umbruch. Nun im Herbst 1923, mit Zerstörung bürgerlicher Ersparnisse in der Hyperinflation und dann eben der Abbruch des Ruhrkampfs.
Nunja, so eine gewisse Ahnung schein der Historiker Kramer ja doch zu haben. Und weiter:
Kahr (...) war freilich als Regierungspräsident von Oberbayern insofern auch mitverantwortlich für das Ende der Monarchie, als doch die innere Sicherheit zum mindesten im näheren Umfeld von München mit zu seinem Kompetenzbereich zählte. Gleiches gilt für seine dezidierte Verantwortung für die innere Sicherheit als seit September installierter Generalstaatskommissar am 8. November 1923.
Kramer führt aus (2; Minute 29):
Separatistische Bestrebungen - wie oft in Berlin aber auch von dem inzwischen in Bayern lebenden Ludendorff vermutet und kolportiert, insbesondere auch nach der Bestellung Kahrs zum Generalstaatskommissar - lehnte Kahr dezidiert ab. Im Gegensatz dazu wollte er separatistische Bestrebungen gegebenenfalls mit Nachdruck bekämpfen. Vehement tritt er Gerüchten entgegen, er hätte ein Bündnis mit Frankreich und eine Donaumonarchie angestrebt. Wir wissen inzwischen von Peter Klaus Hartmanns und Andrea Müllers Forschungen zur französischen Gesandtschaft in München, daß der Vertreter Frankreichs Émile Dard entgegen seiner Erwartungen bei Kahr keinerlei Bereitschaft fand, sich näher auf Frankreich einzulassen. Der arme Herr Dard hatte harte Zeiten in München, er wurde zum Teil in den Restaurants angepöbelt und manch anderes mehr. Frankreich hatte völlig unterschätzt, wie stark nationalisiert inzwischen Bayern war.
Na, dann wird ja auch wirklich an all diesen Gerüchten nichts dran gewesen sein. Aber sonderbar! Genauso hohl wie sich Gustav von Kahr gegenüber Kirche und Christentum geäußert hat (siehe oben), genauso hohl - und absolut widersprüchlich - äußert er sich über seine Haltung gegenüber den Entente-Mächten. Kramer berichtet (2; Minute 33):
In zentralen politischen Anliegen und Überlegungen Kahrs spielt die Entente immer wieder eine Rolle. Die Entente gehört zu den Schlüsselbegriffen. Seine Politik und Weltsicht verortete er immer wieder vor dem Hintergrund von möglichen Reaktionen der Entente-Mächte und ihres Einflusses im Reich und in Bayern. So verwundert es auch nicht, daß er wiederholt Kapitel über Beziehungen zum Ausland, vor allem mit England, Frankreich und Amerika - zum Teil recht ausführlich - in seinen Lebenserinnerungen schreibt. Mit dem Ausnahmezustand und seiner Bestellung zum Generalstaatskommissar habe sich die Aufmerksamkeit der Entente-Mächte auf Bayern und auf ihn gerichtet, die im übrigen mit ihren Vertretern einer Entwaffnungs-Kommission in München im Hotel Vier Jahreszeiten untergebracht und ständig präsent waren. (...)
Ähnlich wie die Alldeutschen hätte auch die Entente große Eroberungspläne gemacht, wonach Deutschland auf die Hälfte hätte reduziert werden sollen. Ein Friedensangebot ist Kaisers hätte die Entente schnöde abgelehnt. 1918 seien für den Fortgang des Krieges die Regierungen der Entente-Völker verantwortlich gewesen. (...) Überhaupt befand Kahr für die Jahre nach dem Krieg, allenthalben würde man zu viel Rücksicht auf die Empfindlichkeit der Entente nehmen.
Dieser Satz nimmt sich wahrlich witzig und gänzlich hohl aus, wenn man das weitere hört (2):
Gleichwohl unterhielt Kahr Kontakte zu Entente-Leuten - so seine Formulierung: "Entente-Leute" - oder zu maßgebenden offiziellen und inoffiziellen Kreisen wie er diese bezeichnete, wobei er jeglichen Verdacht auf Kooperation vermeiden will: "Ich selbst bewarb mich nun um solche Unterredungen niemals," betonte er. "Sie kamen an mich heran." Das ist eine Schutzbehauptung von Kahr, der sehr wohl vor allem in der Frage der geforderten Auflösung der Einwohnerwehren während seiner Ministerpräsidentschaft Kontakt suchte. "Das Ausland und die Einwohnerwehr" betitelte er ein Kapitel in den Lebenserinnerungen. Französische und britische Militärexperten waren Gesprächspartner genauso wie der in München etablierte französische Gesandte Émile Dard, der britische Generalkonsul William Seeds, demgegenüber er ein Stück offener war. Zudem stand Kahr offensichtlich immer wieder in Kontakt mit Geschäftsleuten aus den USA oder mit deutschen Geschäftsleuten, die in den USA aktiv waren. Darüber hinaus verfolgte er die Berichterstattung der internationalen Presse in Frankreich, England, Italien und den USA. Als Ergebnis seiner Fühlungnahmen wollte er seine weitere Politik justiert wissen. Während er gleichzeitig eine nachgiebige Politik der Reichsregierung gegenüber der Entente wiederholt kritisierte, was wiederum zum Druck auf Bayern führen würde.
Die Überlegung zur Ausrufung der Monarchie - wir haben schon gehört - hat er aufgegeben nach Fühlungsnahme mit der Entente.
Und das ist natürlich keine "nachgiebige Politik gegenüber der Entente ... Und weiter (2):
Der Ausnahmezustand zur Bestellung seiner Person zum Generalstaatskommissar habe bei der Entente sofort Aufmerksamkeit hervorgerufen, habe man dort ein Ausgreifen auf das ganze Reich befürchtet und diese Befürchtung sei von Berlin aus durch eine gegen Bayern gerichtete Kampagne noch verstärkt worden.
Offensichtlich versuchten sich die Entente-Mächte direkt bei Kahr kundig zu machen, der vor allem auf die Gefahr durch Hitler verwies. Er glaubte zu erkennen, daß auch bei den in der Regel gut informierten Entente-Mächten vor allem ein Putsch Hitlers befürchtet wurde. Er, Kahr, habe den Hitlerputsch auch bekämpft, weil er der Überzeugung war, er hätte im Erfolgsfall nicht nur zum Bürgerkrieg, sondern auch zum Einmarsch der in Deutschland und zum Zerfall des Reiches geführt.
Doppelmoral also einmal erneut von Allerfeinstem: Die Berliner Regierung nahm zu viel Rücksicht auf denkbare Reaktionen der Entente, er Gustav von Kahr aber nicht! Ein solcher windelweicher, hohler Politiker stand im Mittelpunkt, als es zum Hitler-Ludendorff-Putsch am Abend des 8. November 1923 in München kam.
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Kramer, Ferdinand: Erfolgreich als Beamter, gescheitert als Politiker - Gustav von Kahr im Spiegel seiner Lebenserinnerungen. Katholische Akademie in Bayern AUDIO-Kanal, 05.03.2018 (Yt2018)
Kramer, Ferdinand: Demokratie im Ausnahmezustand - Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr im Spannungsfeld Bayern, Reich, Entente. Staatliche Archive Bayerns, 18.09.2023 (Yt2023) [u.a. der Separatismus von Kahrs]
Ludendorff, Erich: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9.11.1923. Ludendorffs Verlag, München 1937 (Archiv)
Sowie: Hinweis auf neue Quellenbestände zu den Jahren 1923 und 1924
Der vielseitige Rechtsanwalt, Künstler und Musiker Justizrat Otto D. Franz (1871-1963) (Würzbg.-Wiki) hat im Februar 1924 während der Verhandlungen vor dem Volksgerichtshof gegen die Führer des Hitler-Ludendorff-Putsches Skizzen angefertigt, die letztes Jahr Gegenstand einer Ausstellung im Staatsarchiv München waren (1).
Abb. 1: Erich Ludendorff bei seiner Verteidigungsansprache am 29. Februar 1924 - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Otto D. Franz war im Jahr 1906 der Scheidungsanwalt des norwegischen Zeichners Olaf Gulbransson aus Anlaß der Scheidung von seiner ersten Frau.
1945 wurde eine Flüchtlingsfamilie bei Otto D. Franz einquartiert. Daraus entstand eine Freundschaft, die bis zum Tod des kinderlosen Franz anhielt. Nach mündlichen Berichten aus dieser Flüchtlingsfamilie war Franz im Jahr 1922 auch der Scheidungsanwalt der damaligen Mathilde von Kemnitz, spätere Ludendorff aus Anlaß der Scheidung von ihrem zweiten Ehemann Edmund Georg Kleine (1, S. 22).
Abb. 2: Erich Ludendorff während seiner Verteidigungsrede - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Auch wird aus dieser Flüchtlingsfamilie berichtet, daß er 1925 der Scheidungsanwalt Erich Ludendorffs gewesen sei. Beide Angaben können aus anderen, unabhängigen Dokumenten bislang weder bestätigt noch widerlegt werden (1).
Ab 1923 trug Otto Franz der den Titel "Justizrat". Er war nicht nur als Rechtsanwalt tätig, sondern wird auch als geselliger und humorvoller Künstler und Musiker beschrieben.
Abb. 3: Erich Ludendorff während seiner Verteidigungsrede - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Bei seinen Zeichnungen handelt es sich nur um Moment-Skizzen. Sie erheben wohl nicht den Anspruch, bedeutende Kunst zu sein.
Abb. 4: Erich Ludendorff am 27. April 1924 mit Unterschrift Ludendorffs - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Immerhin dürfen sie als Zeitzeugnisse gelten. Eine Skizze vom 27. April 1924 ließ sich Franz von Ludendorff unterschreiben (s. Abb. 4).
Abb. 5: Die Angeklagten Kriebel und Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Auf einer Zeichnung findet sich Ludendorff abgebildet zusammen mit seinem vormaligen Mitarbeiter in der Obersten Heeresleitung, Hermann Kriebel (1876-1941) (Wiki). Dieser ...
... war er im Stab Erich Ludendorffs, des Generalquartiermeisters der Obersten Heeresleitung (OHL), im Großen Hauptquartier in Bad Kreuznach (später nach Spa verlegt) tätig, u. a. von November 1917 bis Februar 1918 als Chef der militärischen Abteilung. Dort erlebte er mit, wie Ludendorff durch seine militärische Stellung und Verbindungen zu rechtskonservativen Kreisen politischen Einfluß auf die deutsche Regierungspolitik ausübte, ...
... nun, wohl eher versuchte auszuüben. Denn die Politiker in Berlin ließen sich ja - nach Einschätzung Ludendorffs - nur verzweifelt wenig von ihm sagen. In seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof erwähnte Ludendorff Kriebel auch als jemanden, mit dem zusammen er das schwere Jahr 1918 erlebt hätte und nun auch erneut eine schwere Zeit, nämlich die Zeit vom 9. November 1923.
Abb. 6: Ludendorffs Verteidiger Luetgebrune und Erich Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Wir lesen in diesem Zusammenhang ganz allgemein über den Hitler-Ludendorff-Putsch des Jahres 1923, daß ... (1)
... die verfügbaren Quellen noch immer nicht in ihrer ganzen Bandbreite ausgewertet wurden. Letzteres hat auch damit zu tun, daß - vor allem in privater Hand - nach wie vor neue Quellenbestände auftauchen, die der Forschung bisher nicht oder nur mit Einschränkungen zugänglich waren. So sind - um nur zwei Beispiele zu nennen - in jüngster Vergangenheit bis dato unbekannte Aufzeichnungen des damals in Bayern mit diktatorischen Vollmachten regierenden Generalstaatskommissars Gustav von Kahr aufgetaucht, die ein neues Licht auf die Ereignisse werfen. Auch konnte der Nachlaß des mit Kahr eng verbundenen Chefredakteurs der Münchner Neuesten Nachrichten, Fritz Gerlich, kurz zuvor in das Bayerische Hauptstaatsarchiv übernommen werden.
Zwar hätte in diesem Zusammenhang auch auf die neu bekannt gewordenen Nuntiatur-Berichte Pacelli's und die Aufzeichnungen des Kardinal Faulhabers verwiesen werden können, die wir hier auf dem Blog in einem ersten Zugang ausgewertet hatten. Aber über die hier erwähnten Aufzeichnungen von Kahr's sagt uns die KI auch das folgende:
Ein zentraler Aspekt der Niederschrift ist der Abend des 8. November 1923 im Bürgerbräukeller. Kahr rechtfertigt sein damaliges Vorgehen und behält die im Hitler-Prozeß vertretene Version bei: Er habe demnach Hitlers Putschversuch nur abgewendet, indem er zum Schein mitspielte, um den Aufstand im Keim zu ersticken.
Diese Erinnerungen von Kahrs sind noch nicht veröffentlicht worden.
Abb. 7: Verteidiger Luetgebrune und Erich Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Aber es gibt auf Youtube zwei sehr inhaltsreiche Vorträge über die Inhalte dieser Erinnerungen (2, 3).
Wir wollen hier auf dem Blog auf diese beiden Vorträge zurück kommen.
Abb. 8: Wohl täglicher Verhandlungsbeginn, wohl im Nachhinein gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz
Sie bestätigen in vielen Details die Wahrnehmungen Erich Ludendorffs in den Jahren von 1922 bis 1923 und machen noch viele Aspekte rund um das damalige Geschehen sichtbar, die bis heute längst wieder in Vergessenheit geraten waren, auch unter Historikern. Die ganze Wahrnehmung der Zeitgenossen von der Person des Gustav von Kahr war im Grunde in Vergessenheit geraten. Sein großes politisches Ansehen hat am 9. November 1923 großen Schaden erfahren. Kahr selbst hat es so wahrgenommen als ob er als "Mohr seine Schuldigkeit getan" hatte und danach "gehen" konnte, mißachtet sowohl von vorherigen politischen Freunden - und von den vorherigen politischen Feinden sowieso.
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Ertl, Benedik Martin; Holzapfl, Julian: Nahaufnahmen - Unbekannte Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozeß und ihr Zeichner Otto D. Franz. Eine Ausstellung des Staatsarchivs München 2025 (pdf)
Kramer, Ferdinand: Gustav von Kahr im Spiegel seiner Lebenserinnerungen. Katholische Akademie in Bayern AUDIO-Kanal, 05.03.2018 (Yt2018)
Kramer, Ferdinand: Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr. Staatliche Archive Bayerns, 18.09.2023 (Yt2023) [u.a. über den Separatismus von G. von Kahr]
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