"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Mittwoch, 1. Juli 2026

Ludendorff vor dem Volksgerichtshof im Jahr 1924

- In Skizzen des Justizrates Otto D. Franz
Sowie: Hinweis auf neue Quellenbestände zu den Jahren 1923 und 1924

Der vielseitige Rechtsanwalt, Künstler und Musiker Justizrat Otto D. Franz (1871-1963) (Würzbg.-Wiki) hat im Februar 1924 während der Verhandlungen vor dem Volksgerichtshof gegen die Führer des Hitler-Ludendorff-Putsches Skizzen angefertigt, die letztes Jahr Gegenstand einer Ausstellung im Staatsarchiv München waren (1).

Abb. 1: Erich Ludendorff bei seiner Verteidigungsansprache am 29. Februar 1924 - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz 

Otto D. Franz war im Jahr 1906 der Scheidungsanwalt des norwegischen Zeichners Olaf Gulbransson aus Anlaß der Scheidung von seiner ersten Frau.

1945 wurde eine Flüchtlingsfamilie bei Otto D. Franz einquartiert. Daraus entstand eine Freundschaft, die bis zum Tod des kinderlosen Franz anhielt. Nach mündlichen Berichten aus dieser Flüchtlingsfamilie war Franz im Jahr 1922 auch der Scheidungsanwalt der damaligen Mathilde von Kemnitz, spätere Ludendorff aus Anlaß der Scheidung von ihrem zweiten Ehemann Edmund Georg Kleine (1, S. 22).

Abb. 2: Erich Ludendorff während seiner Verteidigungsrede - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Auch wird aus dieser Flüchtlingsfamilie berichtet, daß er 1925 der Scheidungsanwalt Erich Ludendorffs gewesen sei. Beide Angaben können aus anderen, unabhängigen Dokumenten bislang weder bestätigt noch widerlegt werden (1).

Ab 1923 trug Otto Franz der den Titel "Justizrat". Er war nicht nur als Rechtsanwalt tätig, sondern wird auch als geselliger und humorvoller Künstler und Musiker beschrieben.

Abb. 3: Erich Ludendorff während seiner Verteidigungsrede - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Bei seinen Zeichnungen handelt es sich nur um Moment-Skizzen. Sie erheben wohl nicht den Anspruch, bedeutende Kunst zu sein.

Abb. 4: Erich Ludendorff am 27. April 1924 mit Unterschrift Ludendorffs - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Immerhin dürfen sie als Zeitzeugnisse gelten. Eine Skizze vom 27. April 1924 ließ sich Franz von Ludendorff unterschreiben (s. Abb. 4).

Abb. 5: Die Angeklagten Kriebel und Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Auf einer Zeichnung findet sich Ludendorff abgebildet zusammen mit seinem vormaligen Mitarbeiter in der Obersten Heeresleitung, Hermann Kriebel (1876-1941) (Wiki). Dieser ...

... war er im Stab Erich Ludendorffs, des Generalquartiermeisters der Obersten Heeresleitung (OHL), im Großen Hauptquartier in Bad Kreuznach (später nach Spa verlegt) tätig, u. a. von November 1917 bis Februar 1918 als Chef der militärischen Abteilung. Dort erlebte er mit, wie Ludendorff durch seine militärische Stellung und Verbindungen zu rechtskonservativen Kreisen politischen Einfluß auf die deutsche Regierungspolitik ausübte, ...

... nun, wohl eher versuchte auszuüben. Denn die Politiker in Berlin ließen sich ja - nach Einschätzung Ludendorffs - nur verzweifelt wenig von ihm sagen. In seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof erwähnte Ludendorff Kriebel auch als jemanden, mit dem zusammen er das schwere Jahr 1918 erlebt hätte und nun auch erneut eine schwere Zeit, nämlich die Zeit vom 9. November 1923.

Abb. 6: Ludendorffs Verteidiger Luetgebrune und Erich Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Wir lesen in diesem Zusammenhang ganz allgemein über den Hitler-Ludendorff-Putsch des Jahres 1923, daß ... (1)

... die verfügbaren Quellen noch immer nicht in ihrer ganzen Bandbreite ausgewertet wurden. Letzteres hat auch damit zu tun, daß - vor allem in privater Hand - nach wie vor neue Quellenbestände auftauchen, die der Forschung bisher nicht oder nur mit Einschränkungen zugänglich waren. So sind - um nur zwei Beispiele zu nennen - in jüngster Vergangenheit bis dato unbekannte Aufzeichnungen des damals in Bayern mit diktatorischen Vollmachten regierenden Generalstaatskommissars Gustav von Kahr aufgetaucht, die ein neues Licht auf die Ereignisse werfen. Auch konnte der Nachlaß des mit Kahr eng verbundenen Chefredakteurs der Münchner Neuesten Nachrichten, Fritz Gerlich, kurz zuvor in das Bayerische Hauptstaatsarchiv übernommen werden.

Zwar hätte in diesem Zusammenhang auch auf die neu bekannt gewordenen Nuntiatur-Berichte Pacelli's und die Aufzeichnungen des Kardinal Faulhabers verwiesen werden können, die wir hier auf dem Blog in einem ersten Zugang ausgewertet hatten. Aber über die hier erwähnten Aufzeichnungen von Kahr's sagt uns die KI auch das folgende:

Ein zentraler Aspekt der Niederschrift ist der Abend des 8. November 1923 im Bürgerbräukeller. Kahr rechtfertigt sein damaliges Vorgehen und behält die im Hitler-Prozeß vertretene Version bei: Er habe demnach Hitlers Putschversuch nur abgewendet, indem er zum Schein mitspielte, um den Aufstand im Keim zu ersticken.

Diese Erinnerungen von Kahrs sind noch nicht veröffentlicht worden. 

Abb. 7: Verteidiger Luetgebrune und Erich Ludendorff - Gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Aber es gibt auf Youtube zwei sehr inhaltsreiche Vorträge über die Inhalte dieser Erinnerungen (2, 3).

Wir wollen hier auf dem Blog auf diese beiden Vorträge zurück kommen. 

Abb. 8: Wohl täglicher Verhandlungsbeginn, wohl im Nachhinein gezeichnet von Justizrat Otto D. Franz

Sie bestätigen in vielen Details die Wahrnehmungen Erich Ludendorffs in den Jahren von 1922 bis 1923 und machen noch viele Aspekte rund um das damalige Geschehen sichtbar, die bis heute längst wieder in Vergessenheit geraten waren, auch unter Historikern. Die ganze Wahrnehmung der Zeitgenossen von der Person des Gustav von Kahr war im Grunde in Vergessenheit geraten. Sein großes politisches Ansehen hat am 9. November 1923 großen Schaden erfahren. Kahr selbst hat es so wahrgenommen als ob er als "Mohr seine Schuldigkeit getan" hatte und danach "gehen" konnte, mißachtet sowohl von vorherigen politischen Freunden - und von den vorherigen politischen Feinden sowieso. 

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  1. Ertl, Benedik Martin; Holzapfl, Julian: Nahaufnahmen - Unbekannte Skizzen vom Hitler-Ludendorff-Prozeß und ihr Zeichner Otto D. Franz. Eine Ausstellung des Staatsarchivs München 2025 (pdf)
  2. Kramer, Ferdinand: Gustav von Kahr im Spiegel seiner Lebenserinnerungen. Katholische Akademie in Bayern AUDIO-Kanal, 05.03.2018 (Yt2018)
  3. Kramer, Ferdinand: Generalstaatskommissar Gustav Ritter von Kahr. Staatliche Archive Bayerns, 18.09.2023 (Yt2023) [u.a. über den Separatismus von G. von Kahr]

Samstag, 27. Juni 2026

"Am Ende marschieren sie alle in dieselbe Richtung"

"Westdeutsche Historiker sind nicht sehr originell"

Im Jahr 2023 ist an der Universität Düsseldorf die fast 300 Seiten umfassende Doktorarbeit "Der 'Feldherr" als Publizist" erschienen. Verfasser war Matthias Fahrenwaldt (1).

Unser im Februar 2926 ist dieses Werk auch in englischer Sprache erschienen (2). Frei sei eingestanden: wir sind ziemlich irritiert - ziemlich, wenn wir nach der Durchsicht der deutschsprachigen Ausgabe dieses Buches (die frei zugänglich ist) im Vorwort zur englischsprachigen Ausgabe die Worte lesen (2):

... Jedoch: die Geschichtswissenschaft wäre gewiß bloß eine Ansammlung von Chronisten, gäbe es nicht jene Historiker, die sich - geleitet von intellektueller Neugier und auf der Basis transdisziplinärer Ansätze - dadurch auszeichnen, daß sie gegen die herrschende Lehrmeinung denken. Neben dem Trend zur Internationalisierung in den Geisteswissenschaften und der Offenheit für multiperspektivische Ansätze ist dies ein wichtiger Impuls, um sich von jener Fessel zu befreien, die Heinz Maier-Leibnitz, der damalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1979 gegenüber dem Magazin "Time" beschrieb: „In Amerika muß man anders sein, um akzeptiert zu werden. Westdeutsche Wissenschaftler sind nicht sehr originell. Sie gehen keine Risiken ein. Sie beobachten, was die anderen tun, und am Ende marschieren sie alle in dieselbe Richtung.
... But history would be a mere guild of chroniclers if it weren’t for historians who, pursuing transdisciplinary approaches and driven by intellectual curios ity, distinguish themselves by thinking against the received wisdom. Alongside a trend toward internationalization in the humanities and the embrace of approaches that incorporate multiple perspectives, this is an important stimulus for throwing off the constraint that Heinz Maier-Leibnitz, then the president of the German Research Foundation, described to Time magazine in 1979: “In America, you have to be different to be accepted. West German scientists are not very original. They don’t take risks. They watch what the others are doing, and in the end they all march in the same direction.” 

Wie gesagt, unsere Irritation kann nicht größer sein. Das wären doch alles Worte, die man nicht zur Lobpreisung dieses Buches vorbringen könnte, sondern vielmehr zu seiner Kritik. - "Gegen die herrschende Lehrmeinung"? Dieses Buch? Dieses Buch? Dieses Buch beobachtet nicht, "was die anderen tun"? Dieses Buch marschiert nicht - wie alle anderen - "in dieselbe Richtung"? Haben der Verfasser dieses Vorwortes und der Verfasser dieser Zeilen dasselbe Buch gelesen?   

Eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2023

Sollen hier unterschwellig Scherze gemacht werden mit der Leserschaft? 

Oder ist der Kompaß des Verfassers dieses Vorwortes um so viele Mikro-Grade genauer, daß er - doch noch - unterschiedliche Richtungen erkennen kann? Er muß wahrlich ein Wunderstück an Kompaß  besitzen, um hier eine andere Richtung feststellen zu können. Wir können nur unsere ganze Hochachtung zum Ausdruck bringen über ein solches Wunderstück an Kompaß.

Aber so groß auch immer unsere Irritation sein mag: Die von uns zitierten Worte dieses Vorwortes sind - soweit wir das erkennen können - die einzigen nennenswerten, zitierenswerten in diesem ganzen, fast 300-seitigen Buch, erschienen beim renommierten DeGruyter-Verlag. So erschreckend uns dieser Umstand auch erscheinen mag, so daß wir fast zögern, ihn niederzuschreiben.

"Die Quellenlage scheint eher dünn zu sein ..."

Dennoch eine - allerdings wirklich nur kleine - inhaltliche Anmerkung: Ab der Seite 194 der deutschsprachigen Ausgabe wird die Anti-Ludendorff-Schrift des Hitler-Anhängers Georg Ahlemann "Der Nationalsozialismus in Abwehr" aus dem Jahr 1930 auf fünf Seiten behandelt. Hier auf dem Blog war diese Schrift schon vor 15 Jahren Thema, weil wir damals eine neue Quelle entdeckt hatten, um sie historisch einzuordnen (Stgr2011). Deshalb müssen wir nun wirklich aufhorchen, wenn die genannten fünf Seiten eingeleitet werden mit den Worten (1, S. 195):

Die Quellenlage zu Georg Ahlemann scheint eher dünn zu sein.

Aha. Sollte da nicht lieber gesagt werden: "Die Recherchearbeiten des Autors Matthias Fahrenwaldt scheinen eher dünn zu sein" - ? 

Während der Recherchen zu einer so umfassenden Doktorarbeit ist Matthias Fahrenwaldt also offenbar kein einziges mal im Internet auf den vorliegenden Internetblog gestoßen - ? Wir finden jedenfalls in seiner Arbeit keinerlei Hinweise, daß er auf den vorliegenden Blog gestoßen sein könnte. (Und sei es auch nur, um ihn danach nicht zu nennen - so etwas gibt es ja auch ...)

Woran mag das liegen? Wenn wir am heutigen Tag im Inkognito-Modus "georg ahlemann ludendorff" googeln, erscheint unser Blogartikel aus dem Jahr 2011 an sechster Stelle unter den Google-Treffern. Wenn wir nur googeln "georg ahlemann", erscheint unser Blogartikel von 2011 an 23. Stelle.

Aber hätte der Autor Fahrenwaldt nicht trotzdem während seiner Recherchen wenigstens "irgendwann" einmal - vielleicht in ganz anderen Zusammenhängen - auf unsere Blogarbeit stoßen können? Sagen wir im Zusammenhang mit dem von ihm immerhin beachteten Osthilfe-Skandal (GAj2010)? Und hätte er dann diese Blogarbeit nicht wenigstens darauf durchsehen müssen, ob in dieser wichtige Geschichtsquellen ausgewertet worden sind, die andernorts noch nicht Berücksichtigung gefunden haben, die aber wesentliche Einsichten mit sich bringen, um einen bestimmten Zusammenhang einzuordnen?

Die vor fünfzehn Jahren hier auf dem Blog behandelte Tatsache, daß Georg Ahlemann noch im Jahr 1944 von Adolf Hitler ein Rittergut in Westpreußen geschenkt erhalten hat, wird von Fahrenwaldt jedenfalls mit keinem Wort erwähnt.

Daß der Doktorand den vorliegenden Blog nicht kennt, wird gewiß - gewiß!, gewiß! - zu seinen geringsten Fehlern zählen ...

Insgesamt finden wir in seiner Arbeit fast nichts, was wir nicht schon vorher wußten. Er referiert Bekanntes. Aber dieses "Bekannte" referiert er außerdem auch noch mit einer auffallenden Stumpfsinnigkeit, ja, wir möchten sagen Schlafmützenhaftigkeit. Da diese sehr weit verbreitet ist, möchte man ihm ja fast betulich auf die Schulter klopfen und sagen: "Nur weiter, guter Mann, nur weiter! Es kann nichts passieren. Dir kann nichts passieren. Du gehst kein Risiko ein." Mit schlafwandlerischer Sicherheit umgeht er alle Abgründe, die sich auftun könnten, würde man Fragen stellen wie etwa:

  • Haben sich die Voraussagen von Erich Ludendorff in seiner Schrift "Weltkrieg droht auf Deutschem Boden" von 1930 erfüllt oder nicht?
  • Hatte die Freimaurerei Anteil am Freimaurer-Mord von Sarajewo oder nicht? Oder spielen die Forschungsergebnisse von Vladimir Dedjer zum Thema eine Rolle oder nicht?
  • War der amerikanische Geheimdienst - unkontrolliert von einer demokratischen Öffentlichkeit - bei "regime changes" weltweit beteiligt oder nicht? Tat er das im Interesse der USA oder waren "überstaatliche" Interessen im Spiel?
  • Waren die dadurch ausgelösten Migrationskrisen "unbeabsichtig"? Gewiß, nicht wahr?
  • Gibt es elitäre Pädokriminalität weltweit - oder nicht? Und welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus? Ist die 2010 bekannt gewordene Pädokriminalität im Jesuitenorden weltweit vernachlässigbar?
  • ...

Wie viel Schlafmützenhaftigkeit gehört dazu, die Schriften des Ehepaares Ludendorff sehr, sehr gründlich zu lesen und auch inhaltlich sehr gründlich wiedergeben zu können, und solche Gedanken nicht einmal ansatzweise in sich zuzulassen? Nicht einmal ansatzweise.

Sind es staatliche oder "überstaatliche" Mächte, die einen Jeffrey Epstein Jahrzehnte lang so unbehelligt haben agieren lassen, lieber Herr Fahrenwaldt. Vermutlich Hirngespinste, hier von "überstaatlichen Mächten" zu sprechen, die sich der demokratischen Kontrolle schon seit langem, seit sehr langen Zeiten entzogen zu haben scheinen. Oder ist auch nur einer von jenen Menschen, die Epstein innerhalb der Wallstreet einflußreich gemacht haben, vor die Kameras der Weltöffentlichkeit gezerrt worden, um derselben "Fragen" zu beantworten - ? ? ? Ach nein? Komisch.

Ist die Wallstreet von staatlichen oder von überstaatlichen Interessen geleitet? Nein, aber auch, so impertinente Fragen.

Bitte weiter schlafen. Bitte Mikro-Grade "Richtungwechsel" einschlagen, um nicht bloß Chronist zu sein. Bitte weiter - - - "Risiken" eingehen.

Immerhin hält Fahrenwaldt am Ende dieses Abschnittes über Georg Ahlemann fest (1, S. 199):

Bemerkenswert ist, daß der im Vergleich zur NSDAP sehr viel kleinere Tannenberg-Bund hier als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen wurde.

Das hätte ja mal ein Ausgangspunkt sein können für ... "kontrafaktische Geschichtsschreibung" ....

Ach ja, soll noch auf ein paar andere "Kleinigkeiten" eingegangen werden? Ist der "Drill" in der preußischen Armee vor 1914 dasselbe wie Jesuiten-Dressur? War der Verfasser bei der Bundeswehr? Hat er schon einmal ein Maschinengewehr oder ein MG3 auseinander und wieder zusammen setzen müssen, während der Feldwebel mit der Stoppuhr daneben stand? Sicherlich alles völlig dasselbe wie Jesuiten-Dressur.

Ach, impertinente Fragen. 

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  1. Fahrenwaldt, Matthias Albrecht: Der „Feldherr“ als Publizist. Erich Ludendorff 1919-1937. Dissertation, Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität, 2023; Online-Ressource Hochschulschrift (kostenfrei zugänglich) (UniDüsseldorf)
  2. Fahrenwaldt, Matthias: Merchant of Ideologies: Erich Ludendorff (1919-1937). De Gruyter Oldenbourg, 2. Februar 2026 (mit einem Vorwort von Julien Reitzenstein) (DeGruyter)
  3. MA Fahrenwaldt: Erich Ludendorff. Untouchable Völkisch Ideologist fighting National Socialism with Idiosyncratic Conspiracy Theories. In: Handbook Ideologies in National Socialism. Volume 1, 
  4. De Gruyter  2025, Pages 327-335 (DeGruyter)
  5. Fahrenwaldt, Matthias A.: The Reception of Erich Ludendorff’s Memoirs in the Context of the Dolchstoß Myth, 1919–1925. Gekürzte Fassung veröffentlicht auf dem Portal Militärgeschichte mit DOI https://doi.org/10.15500/akm.18.01. Veröffentlicht am 18. Januar 2021 (PortalMilit.gesch.2021). Magisterarb. University of Oxford, 2020.

Samstag, 22. November 2025

Fritz Vater (1896-1969)

Seine historischen, völkischen Romane und Novellen

Der Schriftsteller Fritz Vater (1896-1969) wurde 1896 in Wiesbaden geboren (DNB). Er hat als junger Mann als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er Lehrer. In der Zwischenkriegszeit wurde er auch Mitglied des "Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes", sowie des "Jungdeutschen Ordens".

Abb. 1: Am Osterfeuer während einer Ludendorff-Tagung in Hasselborn im Taunus im Jahr 1956 - Von rechts: ein jugendlicher Teilnehmer, Oberst a. D. Walter Leon, (eine verdeckte Person), der Verleger Franz von Bebenburg, seine Ehefrau Ingeborg von Bebenburg (die älteste Tochter Mathilde Ludendorffs), der Schriftsteller Fritz Vater (hinter Ingeborg von Bebenburg), eine jugendliche Teilnehmerin

Anläßlich seiner Totenfeier wurde über Fritz Vater ausgeführt (1):

Nachdem er als Lehrer in seinem Beruf Fuß gefaßt hatte, hatte er 1921 mit Gertrud Würker die Ehe geschlossen. Seine Frau war vordem selbst Lehrerin gewesen. Der Ehe entwuchsen drei Kinder, ein Sohn und zwei Töchter.
Fritz Vater ist dann 1933 der NSDAP beigetreten und übernahm ab 1937 Schulungsaufträge im Rahmen der Hitlerjugend (1):
Als ihm 1937 die Möglichkeit geboten wurde, nach Frankfurt zu übersiedeln, ergriff er sie und übernahm dort auch eine Aufgabe, die ihm von seiten der Hitlerjugendführung angeboten wurde: ein Referat für Vorgeschichte innerhalb der Bannführung. "Die Aufgabe (...) schloß gleichzeitig die Möglichkeit in sich, mit führenden Männern der Museen und der praktischen Forschung Fühlung zu gewinnen und so meine eigenen Kenntnisse zu erweitern." Wegen dieser Tätigkeit und seiner (...) Mitgliedschaft bei der NSDAP entfernte man ihn 1945 aus dem Schuldienst. (...)

Schon unter dem Eindruck seiner Enttäuschungen über das nationalsozialistische Geschichtsbild, das ab 1933 plötzlich den Franken Karl zum Heros erhob, hatte Fritz Vater in den Jahren 1935 bis 1937 ein Werk über Karls Gegner Widukind verfaßt, eine "Saga vom Heldenkampf der Niedersachsen", das 1938 erschien. 1939/40 beendete er die Arbeit an "Herr Heinrich - Die Saga vom ersten Deutschen Reich". (...) Sein Referat in der HJ hatte ihn auch mit Prof. Bernhard Kummer in Verbindung gebracht, dessen Forschungen ihn in seinen Auffassungen bestärkten. Um so freudiger wandte er sich in der Zeit der erzwungenen Muße nach dem Zweiten Weltkrieg der Anregung Bernhard Kummers zu, die Sagaüberlieferung des Nordens über Siegfried mit den Berichten der römischen Geschichtsschreiber über Arminius zu verbinden und über Sigfried-Armin eine gleiche Saga zu schreiben wie über Weking-Widukind und Heinrich I.. Diese "Saga von Germaniens Befreiung" erschien 1953 im Verlag Hohe Warte. (...)

In den nun folgenden Jahren trat Fritz Vater in immer engere Verbindung zur Ludendorff-Bewegung und zum Verlag Hohe Warte. (...) Schließlich entsprach er der Bitte, Vorträge aus dem Gebiete seines großen Wissens zu halten und an Geschichtstagungen mitzuwirken. Die jungen Leute, die daran teilnahmen, und auch die Älteren, waren hingerissen und begeistert. So waren die nächsten Jahre ausgefüllt mit vielen Vortragsreisen und Tagungen. (...)

So verbrachte er noch vier Jahre als Lehrer an der Schule in Frankenberg, bis er sich vorzeitig pensionieren lassen konnte. Frische Kräfte erfüllten ihn, getreu einem Wort aus seinem "Herr Heinrich": "Es ist erst früh am Tage und die Sonne geht noch lange nicht unter."

Die historischen Romane und Novellen von Fritz Vater erfuhren auch innerhalb der Ludendorff-Bewegung und von Seiten Mathilde Ludendorffs selbst große Wertschätzung. Irgendwo erwähnt sie in ihren Briefen wohl, daß sie abendlich aus den Werken von Fritz Vater vorgelesen hat in ihrer kleinen Hausgemeinschaft mit ihrer Schwester Frieda Stahl und der Haushälterin Kruse.

Uns ist bislang nur eine Fotografie von Fritz Vater bekannt geworden (s. Abb. 1). Sie entstand auf einer Ostertagung der Ludendorff-Bewegung, die durch den Verlag Hohe Warte organisiert worden ist. Sie fand statt in Hasselborn (Wiki). Hasselborn liegt 20 Kilometer südlich von Wetzlar einsam inmitten der Wälder des Hintertaunus. Vielleicht war die Örtlichkeit von Fritz Vater ausgewählt und vorgeschlagen worden, der ja längere Zeit in Frankfurt am Main gelebt hatte.

In seinen letzten Lebensjahren entstanden auch noch die Novellenbände "Das Volk" und "Das Reich". Durch den Lehrer und Historiker Fritz Köhncke (1934-2023) sind noch in den 1980er und 1990er Jahren Lesungen aus diesen Novellenbänden zu echten Feierstunden geworden. Etwa die Lesung der Novelle über ein denkbares Gespräch zwischen der Gotenkönigin Amalaswintha und dem Gotenkönig Wittich. Wir erfahren außerdem (1):

Diesen beiden Bänden sollte noch der Band "Der Genius" folgen, in welchem Fritz Vater die entscheidenden Ereignisse im geistig-kulturellen Bereich in historischen Novellen gestalten wollte. Über diesem Vorhaben, das ihn bis zuletzt lebhaft beschäftigte, ist er gestorben.

Aus dem Nachlaß wurden in den Folgejahren noch einige Schriften und Aufsätze veröffentlicht, darunter der Aufsatz "Können wir das Tragische in der Geschichte unseres Volkes überwinden?", der Vortrag "Friedrich Schiller als Staatsmann", die Schrift "Hauptprobleme des Bismarck-Reiches (1871-1918)", sowie eine Besprechung des zweibändigen Werkes von Adolf Helbok "Deutsche Volksgeschichte" unter dem Titel "Der Weg des deutschen Volkes und die geschichtliche Wahrheit", sowie der Vortrag "Die Kulturkrisen der zwanziger und dreißiger Jahre" (mehr dazu siehe Literaturverzeichnis).

Zum Nachlaß Fritz Vaters

Wie schon vor Jahren zu erfahren war, lebte Fritz Vater gegen Ende seines Lebens im Zwist mit seiner Ehefrau. Er war auch krank. Deshalb lebte er bei Gunther Duda (1926-2010) in Dachau, dem nachmaligen langjährigen Vorsitzenden des "Bundes für Gotterkenntnis". Auf diese Weise ist der Nachlaß von Fritz Vater 1969 in den Besitz von Gunther Duda gelangt. Er befand sich zumindest vor zwölf Jahren noch im Besitz der Erben von Gunther Duda.

In diesem Nachlaß befanden sich auch unvollendete Buchmanuskripte. Obwohl nun diese Erben diesen Nachlaß von Gunther Duda vor zwölf Jahren gerne an das Ludendorff-Archiv in Tutzing abgegeben hätten, sah der Verein Ludendorff-Gedenkstätte es nicht als seine Aufgabe an, sich um solche Nachlässe zu kümmern. Wie weiterhin vor zwölf Jahren zu erfahren war, war zwischenzeitlich auch ein Teil des Nachlasses von Fritz Vater durch Wasserschaden vernichtet worden.

Warum Gunther Duda und seine Erben den Nachlaß von Fritz Vater seit 1969 der Auswertung insgesamt nicht breiter zugänglich gemacht haben, ist nicht nachvollziehbar. Kamen sie damit einem Wunsch von Fritz Vater nach? Jedenfalls ist der unwiderbringliche Verlust solcher unausgewerteten Nachlässe unverzeihlich.

1971 schrieb Duda einen Gedenkartikel auf Fritz Vater. Und offenbar aus dem Nachlaß veröffentlichte Gunther Duda noch 1974 eine Buchbesprechung von Fritz Vater in der Zeitschrift "Mensch & Maß".

/ Entwurf: 26.9.2013 /

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  1. Köhncke, Fritz; v. Bebenburg, Franz: Worte zur Totenfeier für Fritz Vater (1896-1969) In: Mensch und Maß, Folge 22, 23.11.1969, S. 1040-1052
  2. Vater, Fritz; Wehmeyer, Wolfgang (Musik): Parzivals Heimkehr. Ein tragisches Spiel in einem Aufzug. Eduard Bloch Verlag Berlin o.J. (Nachwort von Fritz Vater: Biedenkopf 1927) [Norddeutsche Laienspiele, hrsg. v. Erich Scharff, Heft 5]
  3. Vater, Fritz: Balzar von Flammersfeld : Heimatsp. in 5 Aufz. nach d. Roman von Dr. C. Spielmann. Bearb.. Kaesberger, Westerburg 1933 (88 S.) /vorhanden?/
  4. Vater, Fritz: Weking. Die Saga vom Heldenkampf um Niedersachsen. Verlag Franz Eher Nachf., Berlin 1938 (3. Aufl., 16. - 30. Taus.), 1944 (6. Aufl., 46. - 55. Tsd.); Verlag Hohe Warte, Pähl 1954
  5. Vater, Fritz: Herr Heinrich. Die Saga vom ersten Deutschen Reich. Verlag Franz Eher Nachf., Berlin 1941, 1942 (11. - 20. Tsd.), 1943 (21. - 30. Tsd.) (524 S.) /vorhanden?/; mit zahlr. Federzeichnungen von Hans-Günther Strick. Verlag Hohe Warte, Pähl 1955, 1963
  6. Vater, Fritz: Sigfried. Die Saga von Germaniens Befreiung. Verlag Hohe Warte, Pähl 1953, 1961, 1963
  7. Vater, Fritz: Die Zerstörung der Irminsul. Eine Studie zum Feldzug des Jahres 772. Verlag Hohe Warte, Pähl 1954 (31 S.)
  8. Vater, Fritz: Das Reich. Geschichtliche Novellen aus zwei Jahrtausenden. Franz von Bebenburg, Pähl 1961, 1963 (209 S.)
  9. Vater, Fritz: Das Volk - der geschichtlichen Novellen - Novellen aus zwei Jahrtausenden. Zweiter Band. Franz von Bebenburg, Pähl 1964
  10. Engelhardt, Eberhard: Beweisanträge vom 25. Januar 1965. In: Der Rechtsstreit. Dokumente der Gegenwart XIV, verlegt bei Franz von Bebenburg, Pähl 1965
  11. Seifert, Gerhard: Nachruf für den Saga-Erzähler Fritz Vater. In: Deutsche Wochenschau, 2. 1. 1970, nachgedruckt in MuM 9.3.1970, S. 233f
  12. Vater, Fritz: Können wir das Tragische in der Geschichte unseres Volkes überwinden? (aus dem Nachlaß hrsg. von Fritz Köhncke). Franz von Bebenburg, Pähl 1970 (64 S.)
  13. Freymark, Gertraude: Fritz Vater: Können wir das Tragische in der Geschichte unseres Volkes überwinden? In: Mensch & Maß, Folge 10, 23.5.1971, S. 456 - 462 
  14. Vater, Fritz: Friedrich Schiller als Staatsmann. Vortrag gehalten Ostern 1960 auf der Geschichtstagung des Verlages Hohe Warte in Österreich. In: MuM, Folge 15, 9.8.1971, S. 677-697
  15. Duda, Gunther: Ein Leben für sein Volk. Fritz Vater zum 75. Geburtstag. In: Mensch und Maß, Folge 24, 23. 12. 1971, S. 1110–1117 
  16. Vater, Fritz: Hauptprobleme des Bismarck-Reiches (1871-1918). Verlag Hohe Warte, Pähl 1972 (64 S.)
  17. Vater, Fritz: Der Weg des deutschen Volkes und die geschichtliche Wahrheit. Gedanken zu einem notwendigen und mutigen Buch. In: Mensch & Maß, Folge 5, 9.3.1974, S. 197-206 [zu Adolf Helbok "Deutsche Volksgeschichte", 2 Bände]
  18. Vater, Fritz: Die Kulturkrisen der zwanziger und dreißiger Jahre. Vortrag aus dem Jahre 1965. In: Mensch & Maß, Folge 9, 9.5.1974, S. 385-399
  19. Traueranzeige für Fritz Köhncke 1934-2023. Flensburger Tagblatt 21.1.2023 (FlsTgbl)

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