"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Sonntag, 12. November 2017

"Diese völkischen Religionsdilettanten"

Ein angesehener katholischer Schriftsteller im Februar 1932 über die "Religionsknetereien" der "arischen Christen" der NSDAP und die "Ehrlichkeit" des Hauses Ludendorff diesen gegenüber

1932 erschien in der Wiener rechtskatholischen Zeitschrift "Das Neue Reich" der Aufsatz "Von Luther zu Ludendorff - Das Entweder-Oder der völkischen Religion" (2). Er beschäftigte sich auch mit den religionskritischen Stellungnahmen des Ehepaares Ludendorff.

Abb. 1: Spruchkarte der NSDAP zum Wählerfang innerhalb eines damals in nicht geringen Teilen noch ziemlich am Christentum hängenden Volkes

Der Aufsatz erschien unter einem sonst offenbar nie in der Zeitschrift benutzten Pseudonym, nämlich "Teutonicus". Dahinter verbarg sich einer der führenden katholischen Publizisten seiner Zeit, der auch die Achtung politischer und weltanschaulicher Gegner genossen habe - wie mit einem gewissen Respekt vermerkt wird (Wien-Wiki). Nämlich Joseph Eberle (Pseudonym Edgar Mühlen) (1884-1947) (Wiki). Er war der Schriftleiter selbst dieser Zeitschrift "Das Neue Reich - Christlichsoziale Wochenschrift für Kultur, Politik und Volkswirtschaft". Diese ist zwischen 1918 und 1938 in Wien erschienen. Und sie fand den größten Teil ihrer Leserschaft im katholischen Teil des Deutschen Reiches.

Eberle war katholischer Antisemit. Man darf dementsprechend auch annehmen: Freimaurer-Kritiker. Und er war konsequenter Unterstützer des Austrofaschismus. Und natürlich haben er und seine Zeitschrift sich - vom sicheren Hort des eigenen katholischen Glaubens aus - auch mit den religiösen Auseinandersetzungen ihrer Zeit beschäftigt. Eberle ist diesbezüglich gerade heraus, er scheint kein Intrigant gewesen zu sein, keiner, der mit doppeltem Boden argumentierte. Und er beobachtete - wie so viele Aufgewecktere - die starken zeitgeistigen Bewegungen weg vom Christentum, für die ja damals nicht nur die Sozialdemokraten und Kommunisten bekannt waren, sondern mehr noch im bürgerlichen Lager die völkische Bewegung. 

"Entjudaisierung des Christentums" im Dritten Reich

Als Antisemiten waren die Nationalsozialisten von vornherein dazu veranlagt, auf die "jüdische" Bibel scheel zu blicken. Und aus diesen Gefühlslagen heraus entstanden die starken Bestrebungen zur "Entjudaisierung des Christentums" innerhalb der evangelischen Kirche von Seiten der "deutschen Christen" bis hin zu Adolf Hitler, seinem Reichsbischof Müller und bis hin zu Alfred Rosenberg (Wiki). Diese Bewegung wurde auch von Seiten des Ehepaares Ludendorff immer wieder mit kritischen Aufsätzen begleitet und charakterisiert (zusammen gestellt in: 1).

Im folgenden wird davon ausgegangen, daß dieser Aufsatz vom Schriftleiter Joseph Eberle selbst stammte. Uns scheint zunächst nichts gegen, aber einiges für diese Annahme zu sprechen. Der Verfasser, Joseph Eberle also vermutlich, hatte, wie der Aufsatz zeigt, das im Vorjahr erschienene Buch "Erlösung von Jesu Christo" von Mathilde Ludendorff gelesen. Und das Lesen dieses Buches - sowie das Lesen der Kritik dieses Buches durch Alfred Rosenberg - mag ihn veranlaßt haben, einen Aufsatz zu schreiben darüber, daß die völkischen Religionsbestrebungen innerhalb des Protestantismus voller Halbheiten wären und daß sie deshalb für ehrliche Menschen ein "Entweder-Oder" fordern würden, ein "Entweder-Oder", vor das zumindest Erich und Mathilde Ludendorff ihre Leserschaft klar stellen würden. Eberle schreibt über Erich Ludendorff:

Man möge ihn bekämpfen, gut! Aber sein Werk ist danach angetan, ernst genommen zu werden. Was er und Mathilde Ludendorff zu der völkisch-religiösen Bewegung unserer Zeit zu sagen haben, ist zu schwerwiegend, um auf Dummejungenart damit fertig werden zu wollen. (...) Hier handelt es sich darum, daß bewiesen wird: eine völkisch-rassige Religion, und möge sich noch so viel vom Christentum an Anschauungen, Dogmen und Symbolen übernommen haben, kann nie und nimmer Christentum sein. (...) Wer sich der Logik Roms nicht beugen will, der muß sich dann als geistig gesunder und vor sich selbst ehrlicher Mensch der Ludendorffs unterwerfen.

Alfred Rosenberg und die mit ihm sympathisierenden Kreise waren von den katholischen Kräften schon im Jahr 1923 als Hauptgegner erkannt worden. (So äußert sich jedenfalls Putzi Hanfstaengel in seinen Erinnerungen über dieses Jahr.) Auch der "Preuße" Erich Ludendorff war schon in jenem Jahr und in den Folgejahren noch viel mehr von den Kräften des politischen Katholizismus in Bayern und anderwärts als ihr bewußter Gegner ausgemacht worden und als solcher innerhalb und außerhalb der völkischen Bewegung scharf bekämpft worden. Schon Ende 1924 hatten Versprechungen der Kräfte des politischen Katholizismus an Adolf Hitler über den bayerischen Ministerpräsidenten Held eine Trennung Hitlers von Ludendorffs Kurs gegen den politischen Katholizismus bewirkt.

Nach seiner Heirat mit Mathilde Ludendorff im Jahr 1926 und in Auseinandersetzung mit ihren philosophischen Werken hatte sich Erich Ludendorff dann entschiedener vom Christentum überhaupt abgewandt als die meisten völkischen Zeitgenossen seiner Zeit. 1929 hatte Ludendorff zusammen mit seiner Frau das Buch "Das Geheimnis der Jesuitenmacht und ihr Ende" heraus gebracht. Spätestens seit diesem Zeitpunkt scheint die völkische Bewegung in Deutschland von Seiten der Weltmacht Rom als die gefährlichste Gegnerin überhaupt ins Auge gefaßt worden zu sein. Karlheinz Weissmann, der "katholischste Protestant", den der Rechtskatholik Götz Kubitschek jedenfalls jemals in seinem Leben will kennen gelernt haben, erklärte in der Neubearbeitung des Buches "Konservative Revolution" von Armin Mohler, daß die völkische Bewegung ausgerechnet im Jahr 1929 ihre geistige Bedeutung verloren habe. Wie er ausgerechnet dieses Jahr 1929 ausgemacht hat, sagt er dabei nicht.

Während jedenfalls die elitären katholischen Strippenzieher längst die Ludendorff-Bewegung als den Hauptfeind ihrer Bestrebungen erkannt hatten Anfang der 1930er Jahre, war ihnen auch klar geworden, daß diesem Hauptfeind gegenüber die Kreise rund um Alfred Rosenberg vergleichsweise harmlos waren und man mit ihnen noch "taktieren" konnte, auch um die gefährliche Ludendorff-Bewegung dabei so weit als möglich ins Abseits stellen zu können. Wenn möglich sogar durch die NSDAP selbst.

Abb. 2: Ein Zeugnis für den Zeitgeist: Arischer Jesus - Karikatur im "Stürmer"

Von solchen elitär-katholischen Strippenziehereien scheint dem Autor des hier behandelten Aufsatzes wenig bewußt gewesen zu sein. Er freut sich beim Lesen von Mathilde Ludendorffs Buch "Erlösung von Jesu Christo" und der oberflächlichen Kritik Rosenbergs an diesem Buch nur, daß der einflußreich gewordenen Bewegung rund um Rosenberg mit dem Haus Ludendorff ein Gegner entstanden ist, den er selbst als den konsequenteren, weil nicht in Halbheiten steckenden bleibenden erkennen kann. Er sagt: Wenn schon nicht christlich, dann richtig nicht christlich. Er freut sich über Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Ein womöglich eher seltenes Geschehen in der damaligen katholischen Publizistik.

"Die Ehrlichkeit, zum Christentum ein glattes Nein zu sagen"

Eberle führt aus, daß alles "arische", "heldische" Christentum mit seinem "arischen", "heldischen" Jesus", um das sich in jenen Zeiten viele Nationalsozialisten und nationalsozialistische Pfarrer und - wie wir heute angesichts von Hitlers Bibliothek erahnen können - wohl auch Adolf Hitler selbst bemühten, unmöglichste, konfuseste "Halbheiten" seien:

Wir jedenfalls gestatten uns, demgegenüber die völkische Logik allein bei den Ludendorffs zu finden, die mit einer Klarheit, die wirklich nichts zu wünschen übrig läßt, im Gegensatz zu diesen völkischen Religionsdilettanten die völlige Einheit des alt- und neutestamentlichen Gottesbegriffs beweisen.
Als Beleg bringt er in einer Anmerkung an dieser Stelle:
Mathilde Ludendorff. Erlösung von Jesu Christo. München 1931. Seite 131 und öfter.
Die genannten "Religionsdilettanten" wollten ja damals ein angeblich "arisches", "heldisches" Geistesgut innerhalb der Bibel von dem übrigen jüdischen Geistesgut der Bibel aussondern, jeder wieder auf andere Weise, wozu eben gerne auch unterschiedliche Gottesbegriffe im Alten und Neuen Testament unterstellt wurden. Und Eberle ist nun froh, angesichts all dieses Halben und Konfusen in Mathilde Ludendorff jemanden gefunden zu haben, die wenigstens bei solchen Halbheiten nicht mitmachte. Er schreibt weiter - gegen Alfred Rosenbergs damalige Kritik an Mathilde Ludendorff:
Vollends sonderbar berührt es, wenn völkische Kritiker Mathilde Ludendorff, der Heidin, vorwerfen (...), sie schreibe ohne jede Berücksichtigung der protestantischen Bibelkritik.
Bekanntlich war für Rosenberg diese Bibelkritik die Grundlage, mit deren Hilfe er "wissenschaftlich" "aussortieren" wollte, was von den Bibelinhalten weiterhin als gültig anzusehen sei und was nicht. Solchen "Religionsknetereien" als welche Rosenbergs Hoffnungen und Erwartungen ganz richtig charakterisiert werden, schreibt Eberle ins Stammbuch:
Ludendorff jedoch erklärt mit einer Entschiedenheit und Überzeugtheit, die jedem Katholiken Ehre machen würde, die Einheit und Geschlossenheit des von der Kirche gelehrten Christentums, Mathilde Ludendorff weiß, daß die Schrift, so wie sie uns vorliegt und so wie die Kirche sie lehrt, das Christentum bedeutet. (...) Schon zu Anfang ihres Buches stellt sie den Grundsatz auf: "Da jedes Wort der Evangelisten als Wort Gottes den Völkern gelehrt wird und Vorbild für sie ist, so ist bei solcher Betrachtung jedes Wort der vier Evangelien gleich wichtig. Es müssen alle Worte beachtet werden. Keine kritische Behandlung des Christentums hat diese Grundforderung erfüllt und deshalb hat keine wirklich überzeugt." (Erlösung, S. 9)

Natürlich behandelt Eberle hier nicht, daß Mathilde Ludendorff zum "historischen" Wahrheitsgehalt des Inhalts der Bibel sowieso noch einen viel radikaleren Ansatz hat als die traditionelle protestantische Bibelkritik.  

Abb. 3: "Von Luther zu Ludendorff - Das Entweder-Oder der völkischen Religion" Sonderdruck aus "Das Neue Reich", 6., 13. und 20. Februar 1932

Sie unterstellt ja (was zwischenzeitlich auch zahlreiche andere Autoren getan haben), daß ein großer Teil der biblischen Jesus-Geschichte ursprünglich Buddha-Geschichten aus Indien gewesen wären, die von Juden in Alexandrien zu jüdischen Jesus-Geschichten umgeschrieben worden seien. 

"Das finstere Lachen des Heiden Ludendorff"

Und er behandelt hier nicht, daß Mathilde Ludendorff als Religionspsychologin und -philosophin die Wirkung der Bibelinhalte wichtig ist. Weil unabhängig von ihrem historischen Wahrheitsgehalt Menschen an diese Inhalte glauben, zumal buchstabengläubige. Und Eberle freut sich nun, daß Mathilde Ludendorff aus dieser Absicht ihres Buches her das Neue Testament als Ganzes nimmt und alle Teile gleichwertig behandelt. Er schreibt dann wieder zur politischen Ebene zurückkehrend:

Adolf Hitlers Halbheit, für ihn selbst so folgenschwer, liegt darin: ein völkischer, ein Rassestaat im Sinne der Nationalsozialisten ist als christliche Schöpfung, ja selbst als rein politische Schöpfung nur unter Duldung seitens des Christentums ein Unding.
Mit diesem Satz steht er völlig auf dem Standpunkt von Erich und Mathilde Ludendorff. Die elitären katholischen Strippenzieher, denen an dieser katholischen Duldung und Befürwortung des gerade entstehenden Dritten Reiches alles lag zu jenem Zeitpunkt, werden über solche Sätze entweder die Stirn gerunzelt oder gelächelt haben. Eberle weiter über den Christen und Katholiken Hitler:
Er ist nicht tief genug in den Geist des Christentums eingedrungen, um zu erkennen: dies Christentum ist ein Ganzes, bei ihm gibt es, seiner Natur nach, keine Privatsache, im Christentum ist der ganze Mensch, also auch der politische Mensch der Religion Gehorsam schuldig.

Und auch das ist ein Gedanke, den das Ehepaar Ludendorff wieder und wieder betont hat. Denn er enthält eine Fülle von Implikationen für den gesamten politischen und kulturellen Bereich, im Grunde für jeden Lebensbereich einer Gesellschaft. Diesen Gedanken erläutert denn Eberle noch weitergehend. Eberle führt dann Zeugnisse für all die Halbheiten der völkisch-christlichen "Religionskneter" an, die er offenbar bei Mathilde Ludendorff behandelt und in ihrem feierlichen Bombast schon als lächerlich kritisiert gefunden hat. Und auch er nennt sie "Schäferspiel mit geliehenen Masken und Fähnchen", nennt sie "Alfanzereien" und fährt dann nach dem Anführen solchen bombastischen Getöses und solcher arisch-christlicher Glaubensbekenntnisse fort:

"Mehr kann man nicht verlagen!" sagt Mathilde Ludendorff bissig dazu, aber ich wüßte außer den Ludendorffs niemanden zu nennen - ich spreche hier von den Völkischen -, der die gerade Ehrlichkeit aufgebracht hätte, zu dem Christentum ein glattes Nein zu sagen.
Und Eberle kennt - wie Mathilde Ludendorff - die psychologischen Ursachen für all die Halbheiten. Er wird quasi zum katholischen "Rosenberg"- und "Hitler-Versteher", wenn er schreibt:
Denn es gehört schon eine große Kraft, viel Überwindung dazu, mit liebgewordenen Anschauungen auf einmal ganz zu brechen. Die schönen Erinnerungen aus der gläubigen Jugendzeit sozusagen aus dem Gedächtnis zu streichen und mit umgekehrten Zeichen zu werten. Da ist es freilich viel bequemer, einfach zu sagen: früher haben wir das nur falsch verstanden und jetzt sind wir "im wahren Christentum". 
Eberle schreibt ganz auf konsequent-katholischer Linie:
Alle diese völkischen Christen vergessen, daß die christlichen Gebote, z. B. das der Feindesliebe, der Demut, der Missionierung des Erdkreises ("Gehet hin und lehret alle Völker") sich immer irgendwie geschichtlich-politisch, nicht nur rein religiös auswirken müssen. Mögen sie es sich, wenn nicht von einem Katholiken, so von Ludendorff, dem Antichristen, sagen lassen, daß das Christentum überpersönlich ist, also nicht und nie danach fragt, was dem einzelnen an der Lehre gefällt und was nicht; und noch etwas, was für die Völkischen wohl das Wesentlichste ist: nämlich daß selbst jedes Überbleibsel des Christentums, das man in die völkische Rassegemeinschaft übernimmt, sich früher oder später gegen den Rassestaat auswirken muß und ihm noch vor seinem endgültigen Gestaltwerden zu Fall bringen wird.
Daß sich solche Gedanken innerhalb Deutschlands ausbreiten könnten, daß war damals die große Sorge der elitär-katholischen Kreise. Und mit dieser Sorge sollten sie ja spätestens ab 1935 nur allzu deutlich recht behalten. Eberle führt dann zahlreiche Halbheiten insbesondere des damaligen "Geistchristentums" des Nationalsozialisten Artur Dinter (1876-1948) in diesem Sinne an und sagt dazu:
Mit diesem halben Christentum läßt sich weder eine "artgemäße Religion", noch "die Aufrichtung eines dritten Reiches, eines völkischen Großdeutschland" erreichen.
Und abschließend sagt er zu dieser Clownerie:
Klatscht Beifall, Freunde, die Komödie ist zu Ende. Und durch den öden Raum hallt nur noch das finstere Lachen des Heiden Ludendorff.
Dieser ganze Artikel ist womöglich ein eher ungewöhnliches Zeitzeugnis und ihm wurde deshalb hier ein ganzer eigener Beitrag gewidmet.

Abb. 4: Sonderdruck "Von Luther zu Ludendorff", Februar 1932, Seite 2 

Abb. 5: Sonderdruck "Von Luther zu Ludendorff", Februar 1932, Seite 3

Abb. 6: Sonderdruck "Von Luther zu Ludendorff", Februar 1932, Seite 4

Aber in vielem erinnert er natürlich auch an die Predigten des Münchner Kardinals Faulhaber, die ein Jahr später unter dem Titel "Judentum, Christentum, Germanentum" erschienen. Kardinal Faulhaber war ein Befürworter der Teilnahme Deutschlands am Spanischen Bürgerkrieg, das der Durchsetzung des klerikal-faschistischen Franco-Regimes diente (Wiki):

Im November 1936 sprach Faulhaber in einer Predigt über die Bereitschaft zum Leiden und heroischen Taten, die die christliche Weltanschauung fordere. Als Beispiele nannte er den von NS- und anderen rechten Kreisen zum Märtyrer erhobenen Albert Leo Schlageter, auf dessen katholische Konfession er sich bezog, und die „Helden“ des Alcázar im spanischen Bürgerkrieg.

Bei ihm haben wir es also schon wieder mit einem Taktierer erster Sorte zu tun. Da ist nichts mehr ehrlich. Er läßt von verdächtigen Neuheiden katholische Kriege, bzw. Kriege im katholischen Interesse führen und fordert von ihnen "Leiden und heroische Taten". Da ist man wieder im tiefsten Sumpf angelangt, den man mit dem Aufsatz des "Teutonicus" einmal für eine kurze Weile hatte verlassen können.


/In Teilen überarbeitet: 25.12.2017/

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  1. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Zusammengestellt und erläutert von Erich Meinecke. Freiland-Verlag, Viöl 2004
  2. Teutonicus (Pseud.): Von Luther zu Ludendorff. Das Entweder-Oder der völkischen Religion. In: Das Neue Reich. Jg. 14, 6., 13. und 20. Februar 1932, Folgen 19-21, S. 359-60, 379-80 und 401-02
  3. Bading, Ingo: Ludendorff regt die Veröffentlichung der Schrift "Protestantische Rompilger" an Tagebuch-Einträge von Alfred Rosenberg zwischen den Jahren 1936 bis 1938. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 19. September 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/09/ludendorff-regt-die-veroffentlichung.html

Samstag, 23. April 2016

Erich Ludendorffs militärwissenschaftliche Schriften über einen neuen Krieg (1930 bis 1937)

Ende der 1920er und in den 1930er Jahren machten sich viele Menschen auf der Nordhalbkugel Gedanken über einen neuen Weltkrieg. In vielen europäischen Staaten bündelten sich diese Gedanken zunächst in Hinblick auf das Jahr 1932, später auf das Jahr 1941. Einer der frühesten Hintergrundpolitik-Kritiker weltweit - und bis heute sicher der namhafteste - Erich Ludendorff, zugleich der bedeutendste Militär seiner Epoche, hat sehr frühzeitig in diese nur zum Teil öffentliche, zum größten Teil hinter verschlossenen Türen stattfindende Debatte eingegriffen. Und zwar  mit mehreren Veröffentlichungen. Zunächst mit seinem Buch "Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren",  das zuerst 1928 erschien und bis 1939 zahlreiche Folgeauflagen erlebte (1).

Sodann mit seinem Buch "Weltkrieg droht auf Deutschem Boden" aus den Jahren 1930 und 1931 (2).

Und schließlich mit seinem Buch "Der totale Krieg" aus dem Jahr 1935.

Abb. 1: Buch-Werbeblatt für Ludendorffs Schrift "Weltkrieg droht auf deutschem Boden", etwa 1930

In den Jahren 2008 und 2010 behandelte der polnische Historiker Bogdan Musial Präventivkriegspläne der Sowjetunion für das Jahr 1932 oder später (2, 3) und bestätigte dabei sehr deutlich die Sorgen, die Erich Ludendorff schon 1929/30 in seinen Aufsätzen und in seinem Buch sehr konkret geäußert hatte.

Der vorliegende Beitrag soll dazu dienen, nach und nach ein rundes Bild rund um diese Debatten nach heutigem Wissens- und Forschungsstand zu erarbeiten und dabei die Beiträge Erich Ludendorffs in diese sachgemäß einzuordnen.

Abb. 2: Werbeplakat von Hermann Rehwaldt, um 1930

So bietet es sich zum Beispiel an, einmal die Prognosen aus Ludendorffs Buch aus dem Jahr 1930 über den Verlauf eines künftigen Weltkrieges zu vergleichen mit dem tatsächlichen Verlauf zwischen 1939 und 1945. In groben Zügen hatte Erich Ludendorff diesen Verlauf schon im Jahr 1930 richtig vorausgesagt.

Er hatte nämlich unter anderem ausgeführt, daß der Krieg enden würde mit einer Eroberung Osteuropas durch die Sowjetunion bis zu einer Linie, die sich von der Ostsee bis zur Adria ziehen würde. Sodann daß er die Verwüstung ganzer Städte und Landstriche mit sich bringen würde, sowie die Umvolkung ganzer Provinzen und Landesteile. Eben: "Weltkrieg auf deutschem Boden".

Abb. 3: Werbeplakat von Lina Richter, um 1930

Franz von Papen - Kriegshetzer seit 1927

Der Katholik, das Herrenclub-Mitglied, der Reichskanzler, der jungkonservative, antibolschewistische Kreuzritter, Monarchist und Steigbügelhalter Adolf Hitlers Franz von Papen (Wikip.) - er ist im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher 1946 in allen Punkten freigesprochen worden. Es geschah dies unter anderem auf Fürsprache des sich in seinen Erinnerungsbüchern Satanismus-nah äußernden Hans Bernd Gisevius.

Und doch war von Papen einer derjenigen, die zwischen 1927 und 1932 den Interventionskrieg gegen Rußland forderten und zu diesem Zweck Adolf Hitler an die Macht verhalfen (Wikip.):

Papen war ein enger Freund des für seine antisowjetischen Pläne bekannten Industriellen Arnold Rechberg. Am 31. Juli 1927 schrieb Papen an den Zentrumspolitiker und Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank Hans Graf von Praschma:
„[Es] scheint mir eins das Vordringlichste der europäischen Politik: Die Beseitigung des bolschewistischen Brandherdes“.
In einem Antwortbrief vom 12. August 1927 stimmte Praschma dem ausdrücklich zu. Am 10. Juni 1932, zehn Tage nachdem Papen Reichskanzler geworden war, hielt er im Deutschen Herrenklub, dem unter anderem 100 führende Industrielle und Bankiers, 62 Großgrundbesitzer und 94 ehemalige Minister angehörten, im Beisein der Naziführer Göring, Röhm und Goebbels, eine Rede, in der er sein Projekt einer gegen die Sowjetunion gerichteten deutsch-französischen Koalition vorstellte und er rief dazu auf, daß sich alle Staaten unter der Parole „Tod dem Bolschewismus“ zusammentun sollten. In mehreren Gesprächen mit französischen Politikern unterbreitete Papen sein antisowjetisches Bündnisangebot. Seine Pläne scheiterten jedoch und die sowjetische Regierung wurde von französischer Seite über von Papens Aktivitäten informiert.

Diese Vorgänge sind selbsterklärend. Wichtig ist, daß von Papen über diese Pläne auch mit französischen Politikern zumindest hatte sprechen können.

Abb. 4: Ludendorffs Volkswarte, 10. Januar 1932

Starb Josef Pilsudski 1935 eines natürlichen Todes?

Mit diesen französischen Politikern sprachen in jener Zeit auch polnische Politiker über den bevorstehenden Ausbruch eines mitteleuropäischen Krieges (4, 5).

Der polnische Staatschef Josef Pilsudski (1867-12.5.1935) (Wiki) forderte ihnen gegenüber 1933 wiederholt einen Präventivkrieg gegen Deutschland (Wikip.). Zu diesem Zweck wurde 1932 ein polnisch-sowjetischer Nichtangriffspakt abgeschlossen.

Nachdem die Westmächte einen Präventivkrieg schlußendlich doch ablehnten, schloß Polen mit Deutschland 1934 einen Nichtangriffspakt ab. Dieser half dann dabei mit, daß sich Naziregime in Deutschland festigen konnte.

Abb. 5: "Der totale Krieg" von E. Ludendorff, 1936 (OA. 1935)

Als Pilsudski im Mai 1935 starb, wurden über die Todesursachen die unterschiedlichsten Angaben in den Zeitungen gebracht. Ein Ludendorff-Anhänger, der Amtsrichter Dr. Rudolf Sand aus Bonn-Bad Godesberg, hat diese damals gesammelt und an Ludendorff gesandt. Als Antwort schrieb Ludendorff am 26. Mai 1935 (7):

Auch über diesen Tod herrscht Dunkel - es ist ein eigenartiger "Zufall"- wir können nur immer wieder in unseren Kreisen aufklären. Das neue Buch meiner Frau ist für alle Deutschen, namentlich auf für unsere Rechtsgestaltung wichtig - es lebe die Freiheit
Ludendorff

Dieses neue Buch war wohl "Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller", dessen Neuauflage - das 40. bis 43. Tausend - am 20. Mai 1935 in der Halbmonatszeitschrift der Ludendorff-Bewegung ("Quell") angekündigt worden war. Ein halbes Jahr nach Erhalt dieser Berichte von Rudolf Sand hat Ludendorff dann seine Zweifel an den offiziell genannten Todesursachen von Josef Pilsudski öffentlich geäußert. Er schrieb in der Ausgabe vom 20. Februar 1936 seiner Halbmonatsschrift "Quell" (zit. n. 7):

Schon vorher waren in Polen Morde vorgekommen, die den Belangen (...) freimaurerischer Politik entsprachen, da "Deutschfreunde" die Opfer waren. Der auch für die "hohe" Politik "zur rechten Zeit" eintretende Tod Pilsudskis hat mich eigenartig berührt, nicht minder die getrennte Beisetzung von Herz, Kopf und Gebeinen Pilsudskis. Verbreitet wurde zwar, solche unerhörte Zerstückelung seines Leichnams entspräche - für mich überraschenderweise - seinen Wünschen, aber sie erinnert auch an die Schändung des Leichnams Schillers durch seine freimaurerischen Gegner. Außerdem erscheint es mir nicht ausgeschlossen - doch habe ich noch keine feststehenden Beweise dafür -, daß Pilsudski selbst Freimaurer war, der indes in seiner Politik mit Deutschland freimaurerischen Wünschen nicht mehr folgte.
Der Abbau der auf ein Zusammengehen mit Deutschland hinzielenden Politik Pilsudskis in Polen ist typisch freimaurerisch. (...) Das Kabinett wurde durch Polen ersetzt, deren Haltung gegen Deutschland eine ganz andere war, als sie Pilsudski tatsächlich (...) vertrat.

In den Folgemonaten beobachtete Ludendorff in seiner Zeitschrift immer wieder sehr genau das  Ringen deutschfreundlicher mit deutschfeindlichen Kräften in der Regierungsspitze Polens (ausführlich behandelt und dokumentiert in: 7). So schreibt er am 20. November 1936 (zit. n. 7; Hervorh. n. i. Orig.):

Marschall Rydz-Smigly, der als Deutschenfreund nicht anzusprechen ist, erhielt den Marschallstab und erhielt damit ganz ausgesprochen die Stellung, die Marschall Pilsudski innehatte, der indessen größten Wert auf gute Beziehungen zu Deutschland legte. Mein Werk "Weltkrieg droht auf deutschem Boden" hatte günstig auf ihn eingewirkt.

Bekannt ist ja heute, daß Pilsudski just in den Jahren 1932 und 1933 im Zusammenwirken mit dem französischen Generalstab sehr konkrete Präventivkriegsabsichten gegenüber Deutschland hegte. Womöglich wußte oder ahnte er aber auch von den gleichzeitigen Kriegsplänen Stalins (2). Da könnte es durchaus Anlaß gegeben haben, daß ihn das Buch des vormaligen bedeutendsten Generals des Ersten Weltkrieges, der bei einem kommenden Krieg nicht nur eine Vernichtung Deutschlands, sondern auch Polens durch die Sowjettruppen voraussagte, nachdenklich gemacht hat. Interessant ist jedenfalls auch folgende Angabe über Pilsudski auf Wikipedia (Wiki):

Verheiratet war er in erster Ehe mit Maria Juszkiewiczówna. Da diese geschieden war, trat er vor der Eheschließung (...) zur evangelisch-lutherischen Kirche über. Während des Ersten Weltkrieges kehrte er zur römisch-katholischen Kirche zurück. Mit seiner späteren Gefährtin Aleksandra Szczerbińska hatte er zwei Töchter, Wanda und Jadwiga. Er heiratete Aleksandra erst nach dem Tod der ersten Ehefrau.

Darin könnte sich ja doch zumindest eine gewisse kritische Distanz oder doch nur geringe Gebundenheit gegenüber der römisch-katholischen Kirche und ihren (politischen) Interessen widerspiegeln.

Auf welche sonstigen Morde an "Deutschenfreunden" in Polen sich Ludendorff in seinem Artikel bezogen hat, müßte noch einmal gesondert herausgesucht werden. 

Gut bekannt ist ja heute jedenfalls die Ermordung des polnischen Generals Sikorski (Wiki) durch die Churchill-Regierung im Jahr 1943. Welche Churchill danach dann in einer typischen zynischen Gaunersprache mit Roosevelt besprechen sollte. Und zwar weil sich Sikorski den Nachkriegsplänen der "demokratischen" Westmächte, nämlich der Sowjetisierung Europas bis an die Elbe, in den Weg gestellt hatte, unter anderem, indem er beharrlich auf die Täterschaft der Sowjetregierung an den Morden von Katyn hinwies. (Welche Verruchtheit der Westmächte übrigens aus diesen Vorgängen zu schließen ist, ist im Grunde gar nicht mit Worten zu kennzeichnen.) 

Auch hinsichtlich des Flugzeugabsturzes in Smolensk (Wiki) im Jahr 2010, bei dem der polnische Staatspräsident Lech Kaczyński und zahlreiche andere ums Leben gekommen sind, wird ja von vielen Seiten ein politisches Attentat angenommen.

Abb. 6: "Der totale Krieg" von Erich Ludendorff, 1937 (OA. 1935)

Wie sehr auch die sowjetische Regierung und der Marschall Tuchatschewski in jenen Jahren mit dem Ausbruch eines großen europäischen Krieges rechneten, geht aus den Veröffentlichungen des Historikers Bogdan Musial hervor (4, 5). 

Der ukrainische Hungerholocaust der Jahre 1931/32 wurde vor allem deshalb ausgelöst, weil die Sowjetunion fieberhaft aufrüstete und zu diesem Zweck Devisen brauchte, die sie sich durch Getreideverkäufe im Ausland besorgte.

Abb. 7: "Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren" von E. Ludendorff, 1937 (OA. 1928)

Ludendorff durchschaute die Kungeleien der politischen Gruppierungen um Franz von Papen und Adolf Hitler sehr früh. Er warnte deshalb seit 1929 vor dem Ausbruch eines neuen großen europäischen Krieges (2). Er schrieb (2, S. 7):

Die Machtsysteme lassen das Gewitter eines neuen Weltkrieges sich über der Erde zusammenballen. Die erzählende Kriegsliteratur über den letzten Weltkrieg und über den kommenden Weltkrieg nimmt bereits seit einigen Jahren an Umfang zu. "Sybillen" treten, wie vor 1914, auf, um ihn zu "prophezeien". Überall, an den Börsen sowohl wie in den ärmsten Hütten, wird mit erschreckender Wahrscheinlichkeit von dem kommenden Weltkrieg gesprochen. Die Militärmächte treffen ihre Vorbereitungen. Regierungen und Volksvertretungen erhalten die passende Zusammensetzung.
Nach den Reichstagswahlen vom September 1930 setzte er an dieser Stelle als Anmerkung hinzu (2, S. 7):
Vor dem Weltkriege erhielt der Deutsche Reichstag durch die Wahl von 110 Sozialdemokraten die Zusammensetzung, die für die Sabotierung des Sieges des Deutschen Heeres besonders günstig war. Heute senden die überstaatlichen Mächte in Ausnutzung des Deutschen Freiheitsdranges Nationalsozialisten in großer Zahl in den Reichstag, um das Hereinführen Deutschlands in den Krieg zu ermöglichen.
Wahrlich eine seherische Aussage. Und weiter im Haupttext (2, S. 7):
Die Deutsche Presse aller Richtungen bringt fortgesetzt Nachrichten über Kriegsvorbereitungen und Kriegshetze. Sie ergänzen mir die Mitteilungen, die ich hierüber unmittelbar erhalte.
Abb. 8: "Der totale Krieg" von E. Ludendorff auf Griechisch, 1938

Daß zu diesen überstaatlichen Mächten, die die NSDAP vom Ausland aus finanzierten, unter anderem die großen Bankhäuser der Wallstreet gehörten, ist schon früh vermutet worden (8-11).

Frankreich sollte durch den Aufstieg der Hitler-Bewegung in Deutschland veranlaßt werden, sich den Plänen der Wallstreet gefügiger zu zeigen, wie schon in einem Buch im Jahr 1933 geschrieben wurde, das vom Verlag bald zurückgezogen wurde und nur in wenigen Exemplaren zur Auslieferung gekommen war (10):

Im Tausch dafür sollte dann Frankreich für den Fall eines deutschen Angriffs amerikanischen und englische Unterstützung zugesagt werden.

Bis heute jedoch sind jene, die Deutschland schon seit 1930 mit Hilfe der Hitler-Bewegung in einen neuen Weltkrieg stürzen wollten, darunter die Kreise rund um den jungkonservativen Franz von Papen, nicht als die eigentlich Schuldigen am Zweiten Weltkrieg in den Vordergrund gestellt worden. Vielmehr wurde ein Franz von Papen in Nürnberg freigesprochen.

Vielmehr wurde die gesamte Schuld am Zweiten Weltkrieg "dem deutschen Volk" aufgelastet  - ein Vorgehen, das der heute gängigen Definition von "Rassismus" entspricht. Und es wurden nur nationalsozialistische "Vordergrund-Politiker", Symbol-Figuren in Nürnberg verurteilt. Ein so wichtiger Hintergrundpolitiker wie Werner Best konnte lebenslang in Deutschland leben, ohne verurteilt zu werden.

Abb. 9: "Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren" von E. Ludendorff, 1939 (OA 1928)

Diese Helfer Hitlers, die wenig oder nie verurteilt worden sind bis heute, ja, die den Blicken der Öffentlichkeit sogar bis heute zumeist sorgsam entzogen geblieben sind, weil sie nach 1945 ebenso fröhlich weiter politisch aktiv gewesen sind wie bis 1945, müssen von einer alternativen Öffentlichkeit und Geschichtsschreibung noch viel deutlicher herausgehoben werden, als das bis heute geschehen ist.

Als gutes Beispiel kann auch Ernst Achenbach dienen, der 1933 bei den deutschen Industriellen Spenden für die NSDAP sammelte, in den 1950er Jahren bei den deutschen Industriellen Spenden für die FDP sammelte, und der den Bundespräsidenten Walter Scheel begleitete zum Abschluß von was ....? Zum Abschluß der Ostverträge 1970. Was für ein Lebensgang. Solche Biographien waren über die Epochenjahre 1933 und 1945 und 1970 hinweg möglich.

"Der totale Krieg" (1935)

In diesen ganzen Zusammenhang ist dann auch das das Buch Erich Ludendorffs "Der totale Krieg" einzuordnen. Von der Geschichtswissenschaft wird dieses Buch heute zumeist noch ganz isoliert gesehen und nicht in das Gesamtwirken Erich Ludendorffs eingeordnet. Von daher werden heute in der Geschichtswissenschaft ganz lächerliche Thesen über Erich Ludendorff vertreten. In einer Ebay-Anzeige vom April 2016 wird über dieses Buch ausgeführt (von Anbieter "shrimp-box", eBay-Mitglied seit 24. Sep. 2000):

Verkaufe antiken Klassiker: 1. Auflage von "Der totale Krieg" von General Ludendorff von 1936 Theorie und Praxis 1943-1945. General Ludendorff ist als Held von Lüttich und als maßgeblicher Kopf der erfolgreichen Tannenberg- und Masurenschlacht im Jahre 1914 unzertrennlich mit der deutschen Militärgeschichte verbunden. Dem Nachdruck dieser Ludendorffschen Schrift aus dem Jahre 1935 sind im Anhang Dokumente aus den Jahren 1943 bis 1945 beigegeben, welche die tatsächliche, vom Verfasser prophezeite Metamorphose des Krieges illustrieren: Sie verdeutlichen, wie in der entscheidenden Phase des Zweiten Weltkrieges auf deutscher Seite Ludendorffs Diktum vom Totalen Krieg als dem kürzesten Krieg beschworen wurde. Nach der angelsächsischen Doktrin, den bewaffneten Kampf nicht nur gegen die feindliche Streitmacht, sondern auch gegen den feindlichen Staatsbürger zu führen, blieb es allerdings in der Folge der sich überstürzenden Ereignisse den US-Amerikanern überlassen, diese These in bis heute gültiger Art zu belegen: Mit den singulären US-Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 wurde der Krieg auf eine Stufe der Totalität gehoben, die selbst heute, nach fast 70 Jahren, unübertroffen ist.

Wenn man davon absieht, daß man dieses Zitat auch als eine Rechtfertigung von Goebbels'schem Maulheldentum lesen könnte, lesen sich diese Worte ansonsten sehr informiert. Es wäre sicherlich nicht uninteressant, den Anhang des hier erwähnten Nachdrucks einmal durchzusehen. 

Natürlich wäre das Buch "Der totale Krieg" im vorliegenden Beitrag noch viel umfangreicher zu erörtern und einzuordnen, als es allein durch dieses Zitat hier zunächst in einem ersten Zugriff geschehen soll.

________________

  1. Ludendorff, Erich: Kriegshetze und Völkermorden in den letzten 150 Jahren im Dienste des "allmächtigen Baumeisters aller Welten". Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse, Teil II. Selbstverlag (Fortschrittliche Buchhandlung) München 1928 (174 S.); Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1930 (51. - 60. Tsd., 160 S.); Ludendorffs Verlag, München 1931 (61. - 70. Tsd., 172 S.); 1934; Erg. u. neu bearb. 1935 (76.-80. Tsd., 188 S.); Ergänzt u. neu bearb.. 1936 (81.-85 Tsd., 191 S.); Erg. u. neubearb. vom Verf. 1939 (91. - 93. Tsd., 228 S.); 1940 (94. - 96 Tsd., 228 S.); Faksimile der im 76. - 80. Tsd. erschienenen Ausgabe. Archiv-Edition, Viöl/Nordfriesland 1999
  2. Ludendorff, Erich: Weltkrieg droht auf Deutschem Boden. Ludendorffs Volkswarte Verlag München 1930 (93 S.) (51.-80. Tsd., 101.-150. Tsd.); 1931 (151.-200. Tsd., 201.-250. Tsd.); Faksimile-Verlag, Bremen 1985 (93 S.) (Unveränderter Nachdruck der Ausgabe München, Ludendorffs Volkswarte-Verlag, 1931); Archiv Edition, Verl. für Ganzheitliche Forschung, Viöl 2004 (Faksimile der 1930 im 51. bis 80. Tausend im L. Volkswarte-V. erschienenen Aus. 93 S.)
  3. Ludendorff, Erich: Der totale Krieg. Ludendorffs Verlag, München 1935 (130 S.)
  4. Musial, Bogdan: Kampfplatz Deutschland. Stalins Kriegspläne gegen den Westen. Propyläen, Berlin 2008
  5. Musial, Bogdan: Stalins Beutezug. Die Plünderung Deutschlands und der Aufstieg der Sowjetunion zur Weltmacht. Berlin 2010
  6. Neue Archivfunde belegen: Polen plante 1932 Krieg gegen Deutschland. In: Junge Freiheit, 04/2007, zit. n.: Politik.de, 26.1.2007
  7. Werner, Walther (Pseudonym?): Erich Ludendorff über die polnisch-deutschen Beziehungen 1936/37. In: MuM, 9.4.1979, S. 289-294 [zitiert einen Brief Ludendorffs an Rudolf Sand aus dem Jahr 1935]
  8. Carmin, E.R.: Das schwarze Reich. Geheimgesellschaften. Templerorden, Thule-Gesellschaft, Das Dritte Reich, CIA. Nikol Verlagsgesellschaft, Hamburg 2002 (zuerst 1997)
  9. Bading, Ingo: Die Wallstreet kaufte Hitler - Allen Dulles, der CIA und seine Verbindungsleute in Deutschland erledigten alles weitere. GA-j!, 25.12.2010
  10. Warburg, Sidney: De geldbronnen van het National-Socialisme. Drie gesprekken met Hitler. Vertaald door J.G. Schoup. Amsterdam 1933; zit. nach Carmin (siehe 6.), S. 223f
  11. Deschner, Karlheinz: Der Moloch. „Sprecht sanft und tragt immer einen Knüppel bei euch!“ Zur Amerikanisierung der Welt. Weitbrecht, Stuttgart 1992

Samstag, 23. Januar 2016

"Nobodies Memories" - Ein Leben als Sohn von prügelnden Ludendorff-Eltern

Der Journalist und Übersetzer von "Geheimakte Mossad" Einar Schlereth

In der Erziehungslehre und in der Moral der Philosophie von Mathilde Ludendorff werden Körperstrafen und körperliche Züchtigung nur selten erörtert. An einer Stelle, an der Mathilde Ludendorff darauf zu sprechen kommt, schreibt sie1:
Es ist die gänzliche Hilf- und Rechtlosigkeit des Kindes seinem Erzieher gegenüber, die hier einen sittlich nicht gefestigten Menschen verlockt, die tatsächliche Macht voll auszunützen und in Tyrannei gegenüber dem Kinde zu entarten. Es könnte uns grausen vor des Kindes furchtbarer, hilfloser Lage, denn tatsächlich greift der Staat ja nur selten, in ganz außergewöhnlichen Fällen der körperlichen Mißhandlung der Kinder ein.
Und weiter heißt es:
Es gibt Kinder genug, deren ganze Kindheit ein Leid ohne Ende unter einem hemmungslosen Tyrannen ist. Er unterwirft sich des Kindes Willen auf Kosten alles kostbaren Seelengutes. Er scheut sich keineswegs, den Stolz des Kindes mit Füßen zu treten. Ja, er duldet in seiner Umgebung und vor allem bei seinem Kinde nur den krummen Rücken. Von ihm, dem gänzlich rechtlosen, ganz auf seine Fürsorge angewiesenen Menschen, erwartet er Sklavendienste!
Eine solche soeben beschriebene Erfahrung scheint der Altlinke, Journalist und Übersetzer Einar Schlereth (geb. 1937)2 mit seinen Eltern gemacht zu haben. So berichtet er es in seinen 1993 verfassten und 2013 veröffentlichten Erinnerungen3. Frappierend nur: Seine Eltern waren überzeugte Anhänger dieser Philosophie von Mathilde Ludendorff. Und sie setzten sich für ihre Verbreitung ein und hatten sogar schriftlich erklärt, ihre Kinder im Sinne dieser Philosophie zu erziehen.

Einig mit Mathilde Ludendorff bezüglich ihrer Religionskritik

Bevor darauf eingegangen wird und bevor auch dargestellt werden soll, dass sich Einar Schlereth aufgrund dieser Erfahrungen ganz von dem Gedankengut der Philosophie Mathilde Ludendorffs abgewandt hat, soll doch auch erwähnt werden, dass er die eine oder andere Gemeinsamkeit mit Mathilde Ludendorff bis heute beibehalten hat in der Beurteilung gesellschaftlicher Verhältnisse. Seine Familie lebte nach 1945 in Bad Neustadt an der Saale, wo Einar Schlereth ab dem achten Lebensjahr an aufgewachsen ist. Über den dortigen Beginn seines lebenslangen Nachdenkens und Schreibens berichtet er:
Wenn ich es recht überlege, dann sind es mindestens 40 Jahre. Damals, als ich begann zu schreiben oder vielmehr nachzudenken. Über all die Heuchelei und Verlogenheit. Die Eltern, die ihr Zusammenleben auf einer Lebenslüge aufbauten; die Nachbarn, die Bewohner der kleinen Stadt, der Dörfer drumherum, die alle so gut katholisch und fromm waren, dass sie uns Flüchtlinge in den tiefsten Grund der Hölle wünschten. Damals, als ich begann, an dieser Welt zu leiden, begann, mich nach einer besseren Welt zu sehnen. Als mir klar wurde, dass ein gut Teil der Schuld an der Verlogenheit der Welt die Religion trägt, damals, als ich mit einem komplizierten Beinbruch Monate im Bett zubrachte. Viel später gewann Marx allein schon deshalb meine Sympathie, weil er meine Gedanken schon 100 Jahre früher gedacht hatte. (…) Nirgends auf der Welt gibt es nur den Ansatz des Willens, die Religion zu bekämpfen. Ganz im Gegenteil.
Und:
Wenn ich dieses Pfaffengesindel in seinen Weiberröcken schon sehe, läuft mir die Galle über. Kürzlich standen wir vor der Kathedrale von Málaga, wo offenbar ein hoher kirchlicher Würdenträger zur Predigt erwartet wurde. (…) Mir machen diese Typen auch Angst. Es ist die Angst vor der potentiellen Macht, die sie u.U. ausüben könnten. (…) Aber die Menschen sehen das nicht. Sie werden offenbar von dem Schwarz des Pfaffenrocks geistig gelähmt, so dass sie gar nicht die Kanaille sehen können, die darinnen steckt, sondern nur den Vertreter der Kirche und Gottes. Diese These hat ja die Frau von Ludendorff vertreten.
Weiter schreibt er:
Sie war der Meinung, dass - genau wie für Hören, Sehen, Fühlen, Sprechen - im Gehirn ein bestimmter Part für religiöse, mystische, transzendentale Gefühle und Gedanken zuständig ist.
Das war nun keineswegs die Meinung von Mathilde Ludendorff. Vielmehr gibt es heute einige Evolutionäre Religionswissenschaftler, die in dieser Weise über den Aufbau des menschlichen Denkens spekulieren (etwa die Theorie von den „Modulen“ nach John Tooby und Cosmides). Mathilde Ludendorff aber hat das so nicht gesagt. Der wahre Kern dieser Ausführungen ist, dass sie gesagt hat, dass es „Inseln“ des „induzierten Irreseins“ im menschlichen Denken geben kann, die es erklären, dass ansonsten kluge und intelligente Menschen, wenn man auf religiöse oder okkulte Themen zu sprechen kommt, sich plötzlich als überzeugt von Wahnvorstellungen zu erkennen geben, was sehr merkwürdig abstechen kann von ihrem sonstigen klugen und nüchternen Denken.

Abb. 1: Die Eltern von Einar Schlereth: "Zum Deutschen Gotterkennen haben sich bekannt ..." (April 1937)

Dieses induzierte Irresein ist - wie der Name schon sagt – nach Mathilde Ludendorff und ihrem Lehrer Emil Kraepelin (von dem der Ausdruck stammt) nicht angeboren, sondern erworben, „induziert“, sprich übertragen. Die Vorstellungen, die da induziert sind, können archaische sein. Und sind es auch sehr oft, wenn nicht meist. So wie Religionen und ihre Vorstellungswelt ja aus früheren Jahrtausenden stammen. Aber das hat – zumindest nach Mathilde Ludendorff – zunächst nichts mit irgendeiner räumlich zu beschreibenden Region im Gehirn zu tun, in dem dieser Wahn verschaltet wäre mitten im übrigen menschlichen Denken und Vorstellen. Darüber war ja zu ihren Zeiten noch viel zu wenig bekannt. Und darüber ist auch heute noch nicht gar zu viel mehr gesichertes Wissen. Dies also sei zuvor richtig gestellt, bevor Einar Schlereth weiter zitiert wird:
Die archaische Dominanz dieses Gehirnteils schalte automatisch den Teil für Zweifel und kritisches Denken aus.
Nein, nicht archaische Dominanz eines Gehirnteils, sondern einfach die Dominanz einer induzierten Wahnvorstellung. Weiter Einar Schlereth über Mathilde Ludendorff:
Obwohl diese Dame sehr viel Unsinn von sich gegeben hat, erschien mir dieser Ansatz immerhin eine Erklärung dafür zu bieten, dass selbst kluge und intelligente Menschen in Sachen Religion mit absoluter Blindheit geschlagen sein können, unfähig eines normalen, vernünftigen Gedankens, so dass man tatsächlich von Gehirnamputierten sprechen kann bzw. von Gehirnwäsche (in keinem anderen Fall ist dieser Terminus des Kalten Krieges angebrachter). Und es wäre eine Erklärung dafür, dass mit Vernunft und Aufklärung dieser Gehirnlähmung nicht beizukommen ist. Und so lange sie über die Muttermilch eingesogen wird, auch nicht beizukommen sein wird.
Einar Schlereth lebt heute auf einem Dorf in Schweden. Er betreibt von dort aus einen vielgelesenen Journalismus-Blog4. Seine Berichterstattung und Kommentare sind angesiedelt im Bereich einer sehr kritischen und alternativen Öffentlichkeit. Er beschäftigt sich viel mit der Dritten Welt. In seinem Leben hat Einar Schlereth als Übersetzer vieler wertvoller Bücher aus dem Englischen ins Deutsche gearbeitet. Von den vielen sei nur das wichtige Buch „Der Mossad“ von Victor Ostrovsky genannt.

„Anerkennung für tatkräftige Bezieherwerbung“ (1937)

Wie die Eltern von Einar Schlereth so werden konnten, wie sie geworden sind, wird nicht so recht klar. Hat sie die Ehe selbst so verändert und verbittert oder gab es noch andere Gründe und Ursachen? Einar Schlereth beschreibt seinen Großvater Schlereth väterlicherseits eigentlich als einen sympathischen Menschen, den er auch selbst immer sympathisch gefunden hat. Dieser war Lokomitiv-Führer Bad Neustadt an der Saale, am Südrand der Rhön, wohin die Familie nach ihrer Vertreibung aus Westpreußen auch zurück kehrte. Dieser belesene Mann besaß nach Einar Schlereth 8000 Bücher. Schon er war kein Christ mehr gewesen und politisch liberal eingestellt.

Abb. 2: "Es werden im Sinne Deutschen Gotterkennens erzogen: Einar Thorsten Erich Schlereth" (4. April 1938)

Einar Schlereth berichtet dann über seinen Vater Fritz Max Schlereth (1909-1967). Dieser ist ebenfalls in Bad Neustadt an der Saale aufgewachsen, er hat in Leipzig studiert und ist Ludendorff-Anhänger geworden. Die Gründe und Umstände, aus denen heraus er es geworden ist, werden nicht genannt. Und dieser Vater - so fügen wir im folgenden aufgrund eigener Recherchen nachträglich im April 2016 ein, nachdem uns Einar Schlereth darauf angeschrieben hat - war spätestens seit 1933 (12) bis 1945 Mitarbeiter, bzw. Schriftleiter der damals bedeutendsten Provinz-Zeitung Westpreußens, nämlich der 1920 gegründeten "Weichsel-Zeitung" in Marienwerder (13). Sie erschien im Weichsel-Verlag GmbH, Marienburger Strasse 41-42, bzw. im Verlag Weichsel-Zeitung. 1930 hatte sie eine Auflage von 13.500 (20).

Chefredakteur dieser Zeitung war zwischen 1925 und 1931 ein Ernst Booz (20) (GB) und 1933 ein Erich Balla (21). Bei dem letzteren könnte es sich um jenen legendären ostpreußischen Offizier und Freikorpsführer der "Eisernen Division" von 1919 Erich Balla (1885-1943) handeln, der 1921 Zivilist wurde und militärgeschichtliche Schriften und Aufsätze veröffentlichte, der 1934 als Offizier reaktiviert wurde und 1943 als Regimentsführer im Kampf gegen Partisanen im Osten fiel (Wiki).

Herausgeber der Zeitung war 1937 ein Werner Hildebrandt (19) und 1939 der einstmalige nationalliberale Posener Stadtrat Dr. Max Krause (13). Krause lebte nach 1918 zeitweise in Königsberg und ab 1922 in Schneidemühl. Dort war er auch Oberbürgermeister (14, S. 185, 529, 535, 555, 558). Ab 1922 war Krause Direktor der Landwirtschaftskammer für die Grenzmark Posen-Westpreußen (15). 1929 wurde Krause Vorsitzender des Provinziallandtages der Grenzmark Posen-Westpreußen (Wiki). Es handelt sich hier also immer um jene kleinen Teile der einstigen deutschen Provinzen Westpreußen und Posen, die nach 1920 bei Deutschland verblieben waren und nicht an Polen abgetreten wurden, und die von dem sogenannten "polnischen Korridor" durchschnitten wurden. Marienwerder und Marienburg lagen auf der östlichen Seite des Korridors, Schneidemühl auf der westlichen Seite des Korridors, weil in diesen Landesteilen die Bevölkerung in der vom Versailler Vertrag vorgesehenen Volksabstimmung von 1920 zu über 90 Prozent für Deutschland gestimmt hatte (18).

Max Krause veröffentlichte noch im Westpreußen-Jahrbuch von 1950 (Westpreußen-Online) und in der "Ostpreußenwarte" von 1952 (GB) volkskundliche Beiträge. Die genannte Zeitung war am 1. Oktober 1920 gegründet worden als "Deutsche Weichsel-Zeitung - Anzeiger für Westpreußen - Westpreußische Handels-Zeitung". Sie gab auch Jubiläumsausgaben heraus, etwa im März 1928 ("50 Jahre Provinz Westpreußen 1878-1928") oder 1933 ("Festausgabe zur 700-Jahrfeier der Ordensstadt Marienwerder" )(16, 17).

In der Zeit des Dritten Reiches war die Zeitung benannt "Weichsel-Zeitung - Amtliches Verkündigungsblatt der NSDAP sowie aller staatlichen und kommunalen Behörden der Kreise Marienwerder, Graudenz, Rosenberg, Strasburg und Neumark" (lt. Dt. Nationalbibliothek). 1939 auch Weichsel-Zeitung - NS.-Weichsel-Wacht" (13). (Sie liegt - laut Zeitschriftendatenbank - in wechselnden Beständen vor in Leipzig, in der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, sowie in Bibliotheken in München, Berlin und Dortmund. Als Beilage wurde herausgegeben "Westpreußische Blätter - Wochenschrift der Vaterländischen Verbände Westpreußens einschließlich Freistaat Danzig".)

Einar Schlereth hat nun keinerlei gute Erinnerungen an seine Eltern und keinerlei gute Meinungen über sie. Man ist erschreckt, wie tief sein Hass noch heute auf sie ist, auch nachdem beide Eltern längst gestorben sind. Ein Teil seiner Familiengeschichte spiegelt sich in Urkunden wieder, die 2009 und 2010 auf Ebay verkauft worden sind, und die erst unsere Aufmerksamkeit auf Einar Schlereth und sein Lebensschicksal lenkten5. Nach einer solchen ist Fritz Max Schlereth im April 1932 Mitglied der von Erich und Mathilde Ludendorff gegründeten weltanschaulichen Vereinigung „Deutschvolk e.V.“ geworden6. 1933 ist diese weltanschauliche Vereinigung vom Dritten Reich verboten worden. Auf einer weiteren solchen Urkunde vom 9. April 1937 wird seine Mitgliedschaft in dem gerade neu gegründeten „Bund für Deutsche Gotterkenntnis (Ludendorff)“ bestätigt. Dieser war im März 1937 anstelle des verbotenen „Deutschvolk“ neu gegründet worden, und zwar nach einer persönlichen Aussprache zwischen Ludendorff und Hitler. Und in dieser weiteren Urkunde ist nun auch die Ehefrau Doris Schlereth, geborene Schmidt (geb. 1916), verzeichnet7. Dies ist die Mutter von Einar Schlereth.

Auf den 9. April 1937, den Geburtstag Erich Ludendorffs, ist weiterhin eine solche zum Verkauf gelangte Urkunde datiert und von Erich Ludendorff unterschrieben „als Anerkennung für besonders tatkräftige Bezieherwerbung und die damit verbundene Verbreitung der Halbmonatsschrift 'Am heiligen Quell deutscher Kraft'“8. Und ein Jahr später unterschreibt Mathilde Ludendorff unter dem 9. April eine Urkunde darüber, dass der im Dezember 1937 geborene Einar Thorsten Erich Schlereth – also eben jener, dessen Erinnerungen im vorliegenden Beitrag ausgewertet werden - „im Sinne der Deutschen Gotterkenntnis erzogen“ wird9.

Aus dem Jahr 1939 gibt es eine ähnliche Urkunde für die in diesem Jahr geborene Halgund Frauke Mathilde Schlereth10. Letztere, das sei gleich schon hier vorweg genommen, starb 1965 - wie ihr Bruder berichtet - mit 26 Jahren an einer Diabetes, die sie schon im zwölften Lebensjahr bekommen hatte.

Abb. 3: "Es werden im Sinne Deutschen Gotterkennens erzogen ..." - Die Schwester Einar Schlereths (1939) 

Ludendorff-Eltern als Prügeleltern

Bis zum achten Lebensjahr lebte Einar Schlereth in einem bürgerlichen, wohlhabenden Vorort von Marienwerder in Westpreußen. Seine Eltern haben ihre Kinder - so Einar Schlereth - oft und viel geschlagen. Das ist nun - soweit übersehbar - keine besonders typisch Verhaltensweise für durchschnittliche Ludendorff-Anhänger der 1940er und 1950er Jahre. (Zumindest ist einstweilen kein zweiter Fall bekannt.) Dieser Umstand kann auch nur schwer in Übereinstimmung gebracht werden mit der Erklärung, man würde seine Kinder „im Sinne der Deutschen Gotterkenntnis“ erziehen. Denn in den Werken dieser Gotterkenntnis war ja, wie einleitend schon zitiert, die Haltung gegenüber tyrannischen Körperstrafen schon deutlich genug gekennzeichnet worden. Einar Schlereth schreibt aber nun über seinen Vater, sicherlich in der typischen Sprechweise eines noch im Jahr 1993 zutiefst verbitterten Altlinken, dem es schwer fällt, an irgend etwas Gutes im Menschen, zumindest bei seinen Eltern zu glauben:
Bis zum bitteren Ende Chefredakteur der Provinzzeitung in Marienwerder, der ehemaligen Hauptstadt Westpreußens. Was das bedeutet, brauche ich nicht zu erläutern. Er war der typische Einpeitscher, der sich den Arsch in der Etappe wärmte, der in meinen Augen eine 1000-fach größere Verantwortung als ein einfacher Offizier oder irgendein beliebiges Frontschwein trug. (…) Aber das absolut Unverzeihliche war, dass mein Vater Faschist war und blieb, obwohl er 1945 erst 36 Jahre alt war, ihm also nicht die Lernunfähigkeit des Alters als Entschuldigung dienen konnte. Trotzdem konnte kaum eine meiner Freundinnen, auch kaum einer meiner Freunde verstehen, dass ich mich von diesem Menschen lossagte. In den ersten Jahren nach meinem Weggang gelang es ihnen sogar immer wieder, mir ein derart schlechtes Gewissen einzureden, dass ich des öfteren Versöhnungsversuche unternahm, die jedoch regelmäßig katastrophal endeten. Zwischen ihm und mir konnte es einfach keine Versöhnung geben, weil er von der Richtigkeit seines Denkens und Handelns absolut überzeugt war. Er kannte weder Selbstzweifel noch Toleranz. Deswegen hatte er auch keine Freunde. Selbst mit den zwei oder drei Leuten, die selten genug ins Haus kamen, verkrachte er sich regelmäßig und gründlich. Der Mann war ein Panzerschrank. Wenn er Gefühle gehabt haben sollte, dann müssen die dreifach gesichert im hintersten Fach versteckt gewesen sein. Ich bezweifle, ob seine Frau jemals an sie hat rühren können. Sie hat sich an ihm gerächt, genau so feige und hinterfotzig, wie sie ihr ganzes Leben lang gewesen ist. Indem sie ihm nach seinem Tod zum Gespött der ganzen Kleinstadt jede Menge Hörner aufgesetzt hat, sie, die immer die treue, anständige deutsche Frau herausgekehrt hat.
Natürlich ist sie im Grunde ein armes Luder gewesen, doch von wem kann man das nicht sagen und damit alles rechtfertigen? Mit 13 lernte sie ihn kennen
also 1929,
heiratete mit 17,
also 1933,
bekam zwei Kinder, die nach wenigen Monaten starben, und mit 21 Jahren
also 1937
wollte sie die Flatter machen. In dem Moment hatte mein Vater einen Unfall, bei dem er ein Bein verlor und sie merkte, dass sie schwanger war - mit mir.
Als ich diese Geschichte später von meiner Großmutter hörte, wurde mir manches klarer, vor allem ihr Hass auf mich
- gemeint: der Hass der Mutter auf ihren Sohn Einar -,
der schon von dem 5-jährigen nach Kräften erwidert wurde. Doch ihr Ausbruchversuch hätte sie mir beinahe etwas sympathisch machen können, wäre er nicht von ihr mit einer geradezu hündischen Unterwerfung kompensiert worden. In allem war sie wie er, nur zweihundertprozentig. Sie half, mich festzuhalten, damit er mit seinem Knüppel, den er als Behinderter immer bei sich trug, besser draufhauen konnte. Sie denunzierte und schwärzte an, machte aus einer Fliege einen Elefanten und verdrehte und giftete und, wenn es sein musste, log sie auch. Sie war obendrein faul im Denken und Handeln. Wenn Arbeit anlag, zog sie sich gewöhnlich auf ihre Migräne, Kreuzschmerzen und sonstigen diversen Krankheiten zurück. Politisch betete sie alles nach, was der Alte vorgekaut hatte, und am liebsten las sie Angélique, vor und rückwärts, während sie irgendwelche Eierwärmer oder Ärmelschützer häkelte. Das tat sie auch während des Kochens, so dass prinzipiell alles 4-fach anbrannte, an allen vier Seiten. (…) Wenn dieses Zuhause etwas Gutes für mich gehabt hat, dann das, dass ich nicht in einen ebensolchen geistigen, seelischen und emotionalen Abgrund gestürzt bin.
Einar Schlereth weiter:
In Hamburg hatte ich, wie gesagt, regelmäßig Freundinnen, die mir wegen des Bruchs mit meinen Eltern die größten Vorwürfe machten, so dass ich ebenso regelmäßig ein schlechtes Gewissen bekam. „Die Eltern sind nun einmal die Eltern. Und sicher hast du auch deinen Teil der Schuld. Das musst du unbedingt in Ordnung bringen.“ So ging immer die Litanei. Und ich Idiot bei der nächstbesten Gelegenheit nachhausegedüst, um mich mit den Eltern auszusöhnen! Es endete jedes Mal fatal. Mal ging es darum, dass man meinen Umgang in Zweifel zog, mal darum, dass meine Lektüre nicht die richtige sei - Villon ist Schmutz- und Schundliteratur - oder es ging um politische Fragen wie etwa das Verhalten der Deutschen in Russland, worüber ich gerade irgendetwas gelesen hatte. Manchmal dauerte mein Aufenthalt zuhause gerade eine halbe Stunde und ich schnappte meine Sachen und fuhr mit dem nächsten Zug wieder nach Hamburg zurück.
Irgendwann kam es dann zum showdown, zur klassischen Auseinandersetzung, direkt nach dem Freud'schen Lehrbuch. Den Grund des Streits kann ich nicht mehr erinnern. Ich stand im Flur im ersten Stock, mein Vater kam die Treppe hoch und auf der obersten Stufe hob er seinen Knüppel und wollte wieder einmal auf mich losgehen. Blind vor Wut und Hass schrie ich ihn an: Na los, hau doch zu. Dann schlag ich dich tot und werf' dich die Treppe hinunter. Er muss meinen Augen angesehen haben, dass es mir damit absoluter Ernst war. Er ließ den Knüppel sinken, machte auf dem Absatz kehrt und verschwand in sein Arbeitszimmer. Und ich verschwand auf der Stelle nach Hamburg. Seit jenem mentalen Vatermord hat mich niemals mehr jemand ungestraft geschlagen und niemals mehr habe ich Angst vor Autoritäten gehabt.
Das war kein billiger Sieg, denn ich habe teuer dafür bezahlt. Fast ein Jahrzehnt verfolgten mich die übelsten Alpträume, in denen die furchtbaren Fluchterlebnisse, mein knüppelnder Vater und meine rachsüchtige und nachtragende Mutter zu einem unentwirrbaren Knäuel verschmolzen. Plötzlich dann - ich war 28 Jahre alt - hörten sie auf und es war ein Gefühl, wie wenn eine Uhr plötzlich zu schlagen aufhört.
Weiter Einar Schlereth:
Die Angst vor dem Vater, vor der Gewalt des Vaters, vor seinem Terror. Als ich den showdown mit ihm hinter mir hatte, war es wirklich, als würden schwere Felsen von meinem Herzen gewälzt. Angst lähmt, Angst macht krank und unfrei, Angst macht Sklaven. Deswegen leben wir ja in einer Untertanen-Gesellschaft, weil die große Mehrheit in ständiger Angst lebt. (…)
Trotzdem war mit diesem Paukenschlag zuhause noch nicht alles vorbei. Noch zehn Jahre lang nach meinem Weggang plagten mich furchtbare Alpträume. In ihnen ging es immer um die zwei großen Themen meiner Kindheit: Die elterliche Gewalt und der Krieg. Es kamen die Bomben vor, die Tieffliegerangriffe, die Toten und die Sirenen vor den Luftangriffen, wildgewordene Pferde, die Schläge meiner Mutter oder meines Vaters, Stürze von den allerhöchsten Bäumen und in die allertiefsten Schächte. Es war ein Inferno. Aber je mehr ich mich mit dem Krieg und dem Elternhaus auseinandersetzte, umso mehr verlor dieses Inferno seinen Griff über mich, rückte es immer größere Ferne. Und als ich mit 28 Jahren meine große Liebe getroffen hatte und mit ihr in Schweden, meiner Wahlheimat, lebte, da verschwanden die Alpträume völlig.
Wieso Schweden meine Wahlheimat wurde? Durch einen der wenigen glücklichen Zufälle meiner Kindheit. Mein Vater war aus seiner Leipziger Studienzeit mit einem schwedischen Kunstmaler befreundet. Worin diese Freundschaft bestanden hat, ist mir immer ein Rätsel geblieben. Egal, jedenfalls beschlossen die beiden Väter gleichaltriger Söhne, diese in den Schulferien auszutauschen. 1952, die Währungsreform lag gerade 4 Jahre zurück und das Wirtschaftswunder steckte in der BRD noch in den Anfängen, fuhr ich also nach Linköping. (…) Die Belohnung war das Paradies. So und nicht anders habe ich das Land erlebt, eine Erfahrung, die sich mit der anderer junger Menschen deckt, die zu jener Zeit in schwedische Familien geschickt wurden, um aufgepäppelt zu werden. (…)
Und je mehr ich durch das Land gereist war mit seinen endlosen Wäldern, den unzähligen Seen, den ochsenblutfarbenen Häusern (dem Falun-Rot) aus Holz mit den weiß gestrichenen Fensterrahmen, umso mehr liebte ich es. Dabei spielt selbstverständlich eine Rolle, dass es so sehr meiner Heimat in Westpreußen ähnelt. Noch heute geht es mir so, dass ich, sobald ich schwedischen Boden betrete und diese Häuser erblicke, die schon von außen so wohnlich aussehen, ich verrückt vor Freude werde und am liebsten tanzen möchte. Viel später merkte ich, dass es nicht nur ein Paradies ist, sondern auch ein Land der Einsamkeiten, der Schwermut, der Trauer ist. Gleichwohl liebe ich es so intensiv, wie man eine Frau liebt.

Die Prügeleien

Einar schreibt:
Meines Vaters Terror war so groß, dass ich niemals an Widerstand auch nur dachte, obwohl ich spätestens mit 15 Jahren dafür stark genug gewesen wäre. Auch meine Mutter hat mich bis in die Abiturzeit hinein geschlagen. Als ich einmal zur Abwehr ihrer Schläge die Arme hob, machte sie ein Riesengeschrei. „Dein Sohn hat die Hand gegen seine Mutter erhoben.“ Worauf mein Vater herbeieilte und mir eine zusätzliche Ration zukommen ließ. Mir ist heute noch unklar, wie eine erwachsene Frau ihrem eigenen Kind gegenüber so bewusst und infam lügen kann. Nach Möglichkeit steckte ich die Prügel lautlos weg und hasste die beiden nach jedem Mal nur noch intensiver.
Er schreibt über seinen Vater:
Mein Alter, der maximal zwei Monate im Jahr von zuhause abwesend war und sein Büro im Haus hatte, daher stets alles unter Kontrolle hatte, versäumte nicht eine Gelegenheit, mir zu zeigen, welch elender Krüppel ich sei. Er hatte sich die Auffassung angeeignet, dass ich als Ältester gegenüber meinen jüngeren Schwestern (zwei und acht Jahre jünger) die Verantwortung trüge. Das wurde natürlich von meiner nur zwei Jahre jüngeren Schwester weidlich ausgenutzt. Passte ihr irgendetwas nicht, ließ sie sofort prophylaktisch einen Schrei los. Die Tür ging auf, ein Griff und ich bekam entweder eine saftige Backpfeife oder den Arsch versohlt. Es ist verdammt schwer für ein Kind, so viel Ungerechtigkeit zu ertragen. Mich machte es jedes mal rasend vor Wut. Ich sprach tagelang nicht mit den Eltern oder nur das Allernotwendigste.
Oder:
Ich bin immer aufs Neue überrascht, wenn ich gelobt werde. (…) Das muss damit zusammenhängen, dass ich zuhause immer der Versager, die Null gewesen bin, der Alles-anfängt-und-nichts-zu-Ende-bringt. Ich frage mich auch, ob mein hundsmiserables Gedächtnis nicht mit den vielen Schlägen, vor allem den Schlägen auf den Kopf zu tun hat.

„Gespaltenes Verhältnis zum Ludendorff-Verein“

In den 1950er Jahren hat sein Vater nicht nur die Zeitschrift „Der Quell“ gelesen, sondern auch den einen oder anderen Beitrag für die Jugendzeitschrift der Ludendorff-Bewegung „Füllhorn“ geschrieben. Aber nach seinem Abitur im Jahr 1956 verließ Einar sein Elternhaus in Neustadt an der Saale, um die davon am weitesten entfernte Universität zu besuchen, nämlich in Hamburg. An sehr viel späterer Stelle schreibt er weiter:
Ein Rätsel bleibt mir bis heute, wie meine politische Bildung zustande gekommen ist. Ich glaube, dass meine Opposition zum Elternhaus den größten Anteil daran hatte. Im Grunde wurde Politik zuhause nicht diskutiert, schon gar nicht die jüngste Geschichte. Beide Eltern waren Ludendorffianer und ich erinnere mich, dass von denen auch eine regelmäßig erscheinende Zeitschrift (Quelle?) herausgegeben wurde.
Er meint „Der Quell – Zeitschrift für Geistesfreiheit“.
Die propagierte hauptsächlich die „philosophischen“ Schriften von Ludendorffs Frau, die vom „Schönen, Guten und Wahren“ handelten. Politisch fuhren sie einen stramm deutschnationalen und antikommunistischen Kurs. Dieses Heft war quasi Pflichtlektüre und schon deshalb unbeliebt. Nichtsdestoweniger hielt ich einmal sogar einen Vortrag über die Zwangsumsiedlungen der zahlreichen Völker in der Sowjetunion mit ihren unermesslichen Opfern, der im wesentlichen auf einem Artikel aus jener Zeitschrift basierte, wofür ich von unserem Direktor außerordentlich gelobt wurde. (…) Ich hatte also ein gespaltenes Verhältnis zum Ludendorff-Verein. Das hinderte mich nicht, als 16 oder 17-jähriger auf einer Fahrradtour die Mathilde Ludendorff in Tutzing bei Starnberg aufzusuchen.

Einar Schlereth besucht Mathilde Ludendorff

Das war also 1953 oder 1954. Einar weiter:
An Einzelheiten kann ich mich absolut nicht entsinnen. Sie war damals schon eine alte Frau, der man aber ihre einstige Schönheit noch ansah. Trotzdem hat sie wohl keinen großen Eindruck auf mich gemacht. Und das einzige, was mich an ihrem Mann, Erich Ludendorff, jemals beeindruckt hat, war seine öffentliche Anklage Hitlers in Nürnberg: Herr Hitler, ich glaube Ihnen nicht. Sie wollen den Krieg. Allerdings habe ich nie und nirgends dafür eine Bestätigung gefunden.
Auch diese Zeilen zeigen, dass sich Einar Schlereth niemals besonders intensiv mit dem Schrifttum der Ludendorff-Bewegung beschäftigt haben kann. Diese Anklage hat Erich Ludendorff gegenüber Hitler nicht in Nürnberg erhoben, sondern in München. Und er hat das Wort „Ich glaube Ihnen nicht“ auch nicht öffentlich gesagt, sondern in jener Aussprache mit Hitler vom März 1937, auf die Ludendorff nur eingegangen war, nachdem Hitler zuvor zugesagt hatte, seine (also Ludendorffs) weltanschauliche Vereinigung wieder zuzulassen. Einar Schlereth bringt hier also mehrerlei Dinge durcheinander.

Dieses Wort „Ich glaube Ihnen nicht, Herr Hitler“ lag aber ganz auf der Linie jener Warnungen, die Erich Ludendorff zwischen 1929 und 1933 in seiner Wochenzeitung „Ludendorffs Volkswarte“ veröffentlicht hatte. In ihnen sprach er von „hirnverbrannter nationalsozialistischer Außenpolitik“ und warnte davor, sich leichtfertig auf einen neuen Weltkrieg einzulassen. Adolf Hitler belohnte noch 1944 jenen Georg Ahlemann mit einem Rittergut in Westpreußen, der deshalb bis 1933 das Ehepaar Ludendorff mit ähnlichen Ausstreuungen auf dem Gebiet des Geschlechtlichen bekämpfte, wie 1938 Blomberg und Fritsch bekämpft wurden und ihre Ämter verloren.

Der Großvater Schlereth in Neustadt an der Saale

Einar schreibt über seinen Großvater väterlicherseits, der an seinem Sterbebett zwar keinen Pfarrer haben wollte, der aber auch mit Hitler und Ludendorff nichts im Sinn gehabt hätte, weiter:
Wesentlich mehr als die Ludendorfferei interessierte mich die dritte Welt. (…) Die regelmäßigen, ganzseitigen Beiträge in der „Rhön - und Saalpost“ über ferne Länder hob ich sorgfältig auf. Und bei meinem Großvater besorgte ich mir die bessere Literatur über Afrika - mein Vater hatte wie gesagt nur die Kolonialliteratur - vor allem die Forschungsberichte von Nachtigall, Schweinfurth, Livingstone und dem größten von allen, von Heinrich Barth.
Heinrich Barth hat vor allem über das stolze Wüstenvolk der Tuareg geforscht, mit dem sich auch der Autor dieser Zeilen sehr intensiv beschäftigt hat, wobei er ebenfalls Heinrich Barth lieben und schätzen lernte. Einar Schlereth schreibt weiter:
Schon als 15-jähriger schätzte ich ihn am meisten, begründen konnte ich es erst 30 Jahre später in einem Feature. Barth war der einzige von allen, der kein Rassist war. Von umfassender humanistischer Bildung reiste er weltoffen und lernbegierig, mit jener geradezu kindlichen Neugier, die Verständnis erst möglich macht. Bezeichnend ist, dass sein großes vierbändiges Werk nur ein einziges Mal Mitte des vergangenen Jahrhunderts erschienen ist und nie wieder, während Barth in ganz Afrika noch heute als einer der ganz großen Forscher gefeiert wird. Alles, was seine Vaterstadt Hamburg je für ihn getan hat, ist eine winzige Gasse nach ihm zu benennen!
Überhaupt mein Großvater! Er war einer der faszinierendsten Männer, die ich je kennengelernt habe. Mit 10 Jahren verlor er beide Eltern und war mit seinen beiden jüngeren Geschwistern auf sich allein gestellt. Er musste die Volksschule nach zwei Jahren abbrechen und bei der Reichsbahn arbeiten.
Als Lokomotiv-Führer:
Trotzdem bildete er sich unaufhörlich weiter. Er kaufte Bücher, Bücher und nochmals Bücher und hatte schließlich 10000 Bände bei sich stehen. Und jedes einzelne liebte er. (…) Er war also ein großer Literaturkenner, ein hervorragender Mathematiker, der sich auch mit den großen Problemen der Mathematik herumschlug, und er war - so erzählte man sich in Bad Neustadt - der beste Schach- und der beste Skatspieler. In den letzten Kriegstagen wurde er in Schweinfurth ausgebombt. Seine Bibliothek hatte er aber rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Er zog schließlich nach Bad Neustadt, das ihm einigermaßen sicher erschien.
Dort gingen ihm 7000 Bände durch Einquartierung amerikanischer Soldaten verloren.
Trotzdem, brechen ließ sich der alte Mann nicht. Er wurde nach dem Krieg als Lehrer für Mathematik und Deutsch am städtischen Gymnasium angestellt - für die Abiturklassen! (…) Als er mit 74 Jahren in das Krankenhaus eingeliefert wurde, war uns allen klar, dass er es nur im Sarg verlassen würde. Sein letzter Kraftakt war, den Pfaffen rauszuschmeißen, den Großmutter in der letzten Minute angeschleift hatte. (…)
Ihm verdanke ich mit Sicherheit - und dafür bin ich sehr, sehr dankbar - meine Liebe zu den Büchern. Aus Trotz zu meinem Vater hatte ich mich lange Jahre stur geweigert, überhaupt ein Buch in die Hand zu nehmen. Was ich ebenfalls bis heute nicht verstehe, ist die Tatsache, dass bei so einem Vater ein solch egozentrischer, eingebildeter und zuweilen sadistischer Widerling wie mein Alter herausgekommen ist.

Der Vater von Einar Schlereth

Beim Lesen fragt man sich mitunter, was wohl die Schwester von Einar Schlereth zu solchen Worten sagt, und ob sie seine Berichte über die gemeinsamen Eltern bestätigen kann. Einar Schlereth weiter:
Das genaue Gegenteil auch von seinem älteren Bruder, an dessen Besuch in Westpreußen ich mich nur schwach entsinnen kann, und der in den allerletzten Kriegstagen gefallen ist. Vielleicht der typische Fall von einem Kind, das sich hintangesetzt fühlt? Das sich dann in studentischen Verbindungen und bei der Hitlerei hervortun musste? Mit Hitler und Ludendorff hatte mein Großvater jedenfalls nichts im Sinn. Er war ein liberaler und humanistischer Mann, der schon deswegen zu meinem Vater nie ein herzliches Verhältnis haben konnte.
Und weiter:
Ich sagte, dass Politik bei uns zuhause nicht diskutiert wurde. Das stimmt insofern, als mit meiner Mutter Diskussionen eh nicht zu führen waren und ich mich allen Diskussionen möglichst entzog. Und meine Schwestern waren zu jung. D.h. nicht, dass mein Vater nicht Politik diskutierte, wann immer sich ihm Gelegenheit dazu bot. Ich erinnere eine Situation, die mir im nachhinein gespenstisch vorkommt. Wir waren in Frühjahr `45 auf der Flucht, die kein Ende nahm, auf Schloss Bristow mitten in Mecklenburg bei einem Grafen Bassewitz einquartiert. Seine riesigen Ländereien wurden von polnischen Zwangsarbeitern bewirtschaftet. Nicht weit entfernt befand sich eine Abschussrampe für die V2. Wenn die Dinger, riesigen Särgen gleich, in Richtung England flogen, dann erbebte das ganze Schloss, offene Fenster flogen zu, geschlossene auf. Im Osten hörten wir bereits die russische Artillerie. Von Westen her flog ein Luftgeschwader nach dem anderen ein. Da kam die Nachricht von Roosevelts Tod. Und ich hörte ein Gespräch zwischen meinem Vater und dem Grafen mit. „Truman und Stalin können sich nicht ausstehen. Das geht nicht lange gut und die beiden bekommen sich in die Haare. Sie werden sehen, dann gewinnen wir den Krieg doch noch.“ Oft hörte ich später auch den Namen Ernst v. Salomon und sein „Der Fragebogen“ fallen. Von der Entnazifizierung als einem ungeheuren Unrecht war die Rede oder von den Schandtaten der amerikanischen Besatzer. Derlei Gespräche hat mein Vater wohl immer mit Gleichgesinnten geführt, denn Freunde hatte er nicht einen. Aber mich interessierten die Gespräche damals überhaupt nicht. Und ein Thema war absolut tabu: Die Verbrechen der Nazi. Das war genau so tabu wie alles Geschlechtliche. Beides gab es eigentlich nicht. (…)
Weshalb mein Vater, der immerhin bis zum bitteren Ende Chef einer Tageszeitung gewesen ist, nicht zur Entnazifizierung musste, das habe ich mich erst sehr viel später gefragt. Ich kann es mir nur so erklären, dass das Tabu, nicht an die Zeit „davor“ zu rühren, mein Gehirn partiell lähmte. Nicht allein mein Gehirn. (…) Er blieb bis zum Ende seines Lebens stolz darauf, dass ihm der Göring als jüngstem Chefredakteur die Hand gedrückt hatte. (…)

Die traumatische Flucht 1945

1943 besuchte Einar Schlereth als Sechsjähriger seine Mutter in Königsberg (Schlereth-Blog, 17.3.2016):
Dort habe ich als 6-jähriger meine Mutter besucht, die vollkommen gelähmt war und mit Elektroschocks geheilt wurde!
Über die Flucht von 1945 schreibt Einar Schlereth in Kurzfassung (Schlereth-Blog, 12.3.2016):
Den Weltkrieg hatte ich als gerade 8 Jahre alt gewordener Flüchtling von Marienwerder/Wpr. mitgemacht. Am 1. Januar '45 über die zugefrorene Weichsel, durch den Korridor, nördlich an Berlin vorüber, Schwerin, Lüneburg und Ankunft in Bischofsheim v. d. Rhön im Oktober '45. Für einen Jungen war das ein Abenteuer. Die Alpträume kamen später.
1. Januar 1945 kann eigentlich nicht stimmen. Die russische Großoffensive begann erst am 12. Januar. Vermutlich geschahen diese Ereignisse Ende Januar. Über die genannten Alpträume schreibt er in "Nobodies Memories":
Als wir im Januar 1945, einem der härtesten Winter seit 100 Jahren, im Wagen meines Vaters, den er als Versehrter behalten durfte, die Flucht antraten, war ich gerade acht Jahre alt geworden. Das war wohl das einzige Mal, daß er sich der Insubordination schuldig gemacht hatte. Hitler hatte alle Brücken sprengen lassen, damit die Leute nicht abhauen konnten. Aber der harte Winter durchkreuzte diese Pläne. Die Leute warfen Stroh in die Weichsel, damit sie schneller zufror, und ab ging es über das Eis. An das Gefühl im Bauch kann ich mich heute noch erinnern. Das Eis schwankte bei der Überfahrt des schweren PKW wie Wellengang, aber es hielt. Die Böschung auf der anderen Seite kamen wir jedoch nicht hoch; ein LKW mußte uns hochziehen. Und alles musste in absoluter Finsternis vonstatten gehen. Eine glimmende Zigarette konnte die sofortige standrechtliche Erschießung zur Folge haben. Weil mein Vater wegen der Dunkelheit und des Eises an den Scheiben kaum etwas sehen konnte, fuhr er Schritt. Außer ihm saßen in unserer Karre meine hochschwangere Mutter, meine Schwester, Großmutter und ich. Statt der Sitze gab es zusammengerollte Federbetten und auf dem Dach befand sich ein riesiges Paket, das mit Stricken festgezurrt war, die durch einen Spalt der Fenster liefen, weshalb es im Auto genauso eisig wie draußen war. Er fuhr also Schritt, mein Vater, während er und meine Mutter ständig die Scheibe rieben, um ein Guckloch freizuhalten. Er muß wohl irgendwann etwas schneller gefahren sein und einen Panzer übersehen haben. Auf jeden Fall krachte es plötzlich ganz fürchterlich und ich flog gegen einen dieser Stricke, die durch den Wagen liefen und brach mir das Nasenbein. Das Auto hatte sich auch einiges gebrochen, so daß es nicht mehr in der Lage war, aus eigener Kraft weiterzukommen.
Von dem Panzer oder einem LKW wurden wir durch den Korridor bis Stargard geschleppt, wo der Schaden behoben wurde. Von dort an bis zur Ankunft Ende März auf Schloß Bristow in Mecklenburg habe ich nur die unterschiedlichsten Bilder in Erinnerung. Schnee und Eis und die Leichen von Pferden und Menschen links und rechts der Straße. Die Pferdefuhrwerke der Flüchtlinge - sie waren das Haupttransportmittel - endlose Truppentransporte, Übernachtungen in Hotel- oder Bahnhofshallen, dampfende Gulaschkanonen. Vor allem aber die Bomben- und Tieffliegerangriffe auf die Flüchtlingskonvois, auf die sich die amerikanischen Flugzeuge spezialisiert hatten. Rausspringen aus dem Auto, in einem Graben, im Wald oder an einer Hauswand Zuflucht suchen, und nach der Entwarnung wieder rein in den Wagen. Oft mehrmals hintereinander in kurzen Abständen. Ich erinnere mich: Eine Hausfrau, die uns üble Schimpfworte nachschrie, weil wir das Gartentor nicht geschlossen hatten, nachdem wir an ihrer Hauswand Schutz gesucht hatten. Und in der Ferne war der Donner der russischen Artillerie zu hören.
Oder: Menschen, die versuchten, aus den zu Eis erstarrten Pferdeleichen mit der Axt ein Schnitzel heraus zu hacken. Oder: Wir alle in einem Graben, gegenüber auf freiem Feld ein Haus, die Straße verstopft mit Flüchtlingsfahrzeugen, und eine Frau, die mit ihrem Kinderwagen über ein verschneites Feld rannte, während ein amerikanischer Tiefflieger über uns hinweg raste und die Frau zu treffen versuchte. Oder ein LKW direkt vor uns, der von der SS zur Kontrolle angehalten wurde. Am Steuer saß eine Frau, die aussteigen und die Plane hinten lösen mußte. Sie hatte den Wagen voller Kriegsgefangener. Alle wurden sofort heruntergezerrt, die Frau wurde angebrüllt und gezwungen, auf der Stelle umzukehren und Flüchtlinge zu holen. Heute wundert es mich, daß sie nicht umstandslos erschossen wurde.
Bis auf wenige Ausnahmen habe ich aus jenen drei Monaten kaum Worte und Geräusche in Erinnerung, auch nicht von meinen Eltern, nicht von Großmutter, auch nicht von meiner Schwester. Doch, mir fällt ein, daß sie einmal im Wald, in dem wir bei einem Angriff Schutz gesucht hatten, ihr Püppchen verloren hatte und furchtbar heulte. Alle Menschen und Dinge sind wie Schatten hinter Glas. Ich weiß nicht, was wir redeten, was wir im einzelnen taten, was wir aßen. Ich weiß nicht, ob jemals blauer Himmel war. Ich habe nur Dunkelheit, Schnee und Eis in Erinnerung. Als hätte ich unter Schock gestanden. Oder eine Art Trance, was weiß ich. Jedenfalls müssen mich diese Ereignisse sehr aufgewühlt haben, sonst hätte ich nicht bis zum 28. Lebensjahr fürchterliche Alpträume gehabt.
Erst von der dreimonatigen Pause auf Schloß Bristow habe ich wieder mehr Erinnerungen. Landschaftlich war es eine Idylle, direkt am Teterower See gelegen, mitten in Mecklenburg. Der Frühling kam; Krokusse blühten und Schneeglöckchen und Veilchen und auch an Bärenkraut, das wir im Wald fanden, kann ich mich gut erinnern. Es ist wilder Schnittlauch und schmeckt auf Butterbrot wunderbar.
Und:
Das Fatale an dem Irrwahn meines Vaters war ja, daß er seine ganze Familie mit hineingerissen hat, d.h. alle krank gemacht hat. Nicht nur ich war ständig krank, sondern alle. Meine älteste Schwester starb mit 26 Jahren an einer schweren Zuckerkrankheit, die sie sich mit 12 zugezogen hatte. Der Vater selbst mit 58 Jahren an einem halben Dutzend unheilbarer Krankheiten. Meine Mutter, die ein Leben lang krank war, so krank, daß sie meist nicht arbeiten konnte und ich die Hauptlast tragen mußte, wurde fidel und gesund und steinalt, als ihr Alter erst einmal tot war. Ich wurde dank meiner Trennung von zuhause gesund, aber meine beiden jüngsten Schwestern konnten die Bande einfach nicht durchtrennen und zogen sich schwere chronische Erkrankungen zu.
Während man die Worte von Einar Schlereth liest, muß man an andere „verlorene Söhne“ denken. Ähnlichkeiten bemerkt man zu dem immer etwas gehetzt wirkenden Schreiben etwa von Walter Erich von Bebenburg-Richartz oder Bernward Vesper11. Ähnlich auch das streckenweise außerordentlich „schamlose“ Denken und Schreiben in Bezug auf die Geschlechtlichkeit des Menschen, in Bezug auf die Wahrnehmung der Frauenwelt. Es wird einem immer etwas unheimlich, wenn man das alles auf sich wirken lässt.

Damit soll das Zitieren aus den Erinnerungen von Einar Schlereth abgebrochen werden. Abschließend sei erwähnt, dass 1957 in der Jugend-Zeitschrift der damaligen Ludendorff-Bewegung mit dem Titel "Füllhorn" eine Geschichte von "M. Schlereth" über ein junges Mädchen erschien, das Nonne wird. In der Todesanzeige für Fritz Max Schlereth (in der Ludendorff-Zeitschrift "Mensch und Maß" vom 23.10.1968) heißt es von Seiten der Witwe Doris Schlereth und ihrer Kinder:
Ehemaliger Hauptschriftleiter im Osten, Buchhändler und Verlagsrepräsentant,
seine Liebe und Fürsorge habe gegolten
seiner Familie, seinem Volk, dem verfolgten Deutschtum in Südtirol und dem Tierschutz in aller Welt.
Die Erinnerungen in "Nobodies Memories" enthalten auch sonst viele aufschlussreiche Inhalte, natürlich auch aus seinem Leben als Erwachsener, was hier aber nur noch abschließend erwähnt werden soll.

/ergänzt am 10.4.16 um die Ausführungen mit den Anmerkungen 12 bis 18/ 
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1Ludendorff, Mathilde: Des Kindes Seele und der Eltern Amt. Eine Philosophie der Erziehung. Erstauflage 1930. Verlag Hohe Warte, Pähl 1954, S. 258; ein anderer Hinweis für ihr Denken über körperliche Züchtigung könnte sein, dass sie in ihrem Buch über Gottfried Ephraim Lessing den folgenden Bericht offenbar mit vollkommener Zustimmung zitiert, in dem es über Lessing als Vater heißt (zit. nach: Ludendorff, Mathilde: Lessings Geisteskampf und Lebensschicksal. Ludendorffs Verlag, München 1937, S. 231): „Körperliche Züchtigung lag nicht in seinem Erziehungsplane, und sein Sohn Fritz erinnerte sich nur zweier Ausnahmen davon. Beide Fälle betrafen aber auch Kapitalsünden. Für nichts suchte er nämlich das Gemüt der Kinder lebhafter anzuregen, als für Wahrheitsliebe und Mut. Er applizierte daher seinem Fritzchen eine ebenso derbe Maulschelle, als ihn dieser einmal mit Unwahrheit berichtete, wie eine solche erfolgte, als sich derselbe nicht gegen die Angriffe eines bösen Buben gewehrt hatte.“
2Autorenporträt: http://www.tlaxcala-int.org/biographie.asp?ref_aut=24&lg_pp=de
3Schlereth, Einar: Nobodys Memories. Verfasst 1993, veröffentlicht auf dem Blog „einartextlyrikmemoiren“, 8. Juli 2013,
http://einartextlyrikmemoiren.blogspot.se/2014/08/nobodys-memories.html
4Siehe unter anderem: https://plus.google.com/+EinarSchlereth, einarschlereth.blogspot.com
5Die Urkunden wurden bei Ebay angeboten (13.12.09, sowie 3.6.2010) für 90, bzw. 75 Euro.
6Zitat aus der Urkunde: „Das Deutschvolk ... ist der Kern des nun erst werdenden Deutschen Volkes. Zu ihm zählen wir: Fritz Max Schlereth, geb. 2.10.1909 (?). 16. im Ostermond 1932, Mathilde Ludendorff, Erich Ludendorff
7„Zum Deutschen Gotterkennen haben sich bekannt: Fritz Max Schlereth, geb. 2.10.1909, Doris Schlereth, geb. Schmidt, geb. 2.5.1916 - 9. im Ostermond 1937 - Mathilde Ludendorff, Erich Ludendorff“
8„Herrn Fritz Max Schlereth, Marienwerder - Als Anerkennung für besonders tatkräftige
Bezieherwerbung und die damit verbundene Verbreitung der Halbmonatsschrift "Am heiligen Quell deutscher Kraft" anlässlich meines Geburttages
Tutzing, den 9. Ostermonds 1937 - Ludendorff“
9„Es werden im Sinne Deutschen Gotterkennens erzogen
Einar Thorsten Erich Schlereth, geb. 18.12.1937 - 9. Ostermond 1938 - Mathilde Ludendorff“
10„Es werden im Sinne Deutschen Gotterkennens erzogen
Hallgard Frauke Mathilde Schlereth, geb. (…) 1939 - 27. Gilbhard 1939 - Mathilde Ludendorff“
11Bading, Ingo: Der Schriftsteller Walter Erich von Bebenburg/Richartz (1927-1980) - Ein bewegendes Lebensschicksal. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 7. August 2011, http://studiengruppe.blogspot.de/2011/08/der-schriftsteller-walter-erich-von.html
12. verzeichnet in "Deutsche Presse, Band 23, 1933" (GB) (mit den Angaben: "Max Schlereth, Marienwerder, Bergstraße 15")
13. Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. Handbuch der deutschen Presse, Band 61. H. O. Sperling 1939, S. 417 (GB)
14. Baumgart, Peter: Verwaltungsgeschichte Ostdeutschlands 1815-1945. Organisation, Aufgaben, Leistungen der Verwaltung. Kohlhammer, 1993 (1140 S.) (GB)
15. George Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer.  Hanseatische Verlagsanstalt, 1929, S. 119 (GB)
16. Weichsel-Zeitung - Festausgabe zur 700-Jahrfeier der Ordensstadt Marienwerder 1933 (72 S.) (GB)
17. Weichsel-Zeitung - Anzeiger für Westpreußen - Westpreußische Handels-Zeitung; 9. Jg. Nr 78; Marienwerder, 31. März 1928 - 50 Jahre Provinz Westpreußen; 1. April 1878-1. April 1928 (GB)
18. Rasmus, Hugo: Pommerellen-Westpreußen 1919 bis 1939. Herbig-Verlag, 1989 (415 S.)
19. Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. Handbuch der deutschen Presse, Band 60. H. O. Sperling 1937, S. 436  (GB)
20. Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. Handbuch der deutschen Presse. H. O. Sperling, Leipzig 1930, S. 502 (GB)
21. Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. Handbuch der deutschen Presse. Band 58. H. O. Sperling, Leipzig 1933, S. 498 (GB)  
22. Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adressbuch. Handbuch der deutschen Presse. H. O. Sperling, Leipzig 1931, S. 515 (GB) 

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