"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Samstag, 27. Juni 2026

"Am Ende marschieren sie alle in dieselbe Richtung"

"Westdeutsche Historiker sind nicht sehr originell"

Im Jahr 2023 ist an der Universität Düsseldorf die fast 300 Seiten umfassende Doktorarbeit "Der 'Feldherr" als Publizist" von Matthias Fahrenwaldt erschienen (1).

Und unser holdseliges Jahr 2026 hat uns schon im Februar mit der Tatsache beglückt, daß dieses Werk nun auch in englischer Sprache erschienen ist (2). Allerdings sei frei eingestanden: wir sind ziemlich irritiert - ziemlich, wenn wir nach der Durchsicht der deutschsprachigen Ausgabe dieses Buches (die frei zugänglich ist) im Vorwort zur englischsprachigen Ausgabe die folgenden holdseligen Worte lesen (2):

... Jedoch: die Geschichtswissenschaft wäre gewiß bloß eine Ansammlung von Chronisten, gäbe es nicht jene Historiker, die sich - geleitet von intellektueller Neugier und auf der Basis transdisziplinärer Ansätze - dadurch auszeichnen, daß sie gegen die herrschende Lehrmeinung denken. Neben dem Trend zur Internationalisierung in den Geisteswissenschaften und der Offenheit für multiperspektivische Ansätze ist dies ein wichtiger Impuls, um sich von jener Fessel zu befreien, die Heinz Maier-Leibnitz, der damalige Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, 1979 gegenüber dem Magazin "Time" beschrieb: „In Amerika muß man anders sein, um akzeptiert zu werden. Westdeutsche Wissenschaftler sind nicht sehr originell. Sie gehen keine Risiken ein. Sie beobachten, was die anderen tun, und am Ende marschieren sie alle in dieselbe Richtung.
... But history would be a mere guild of chroniclers if it weren’t for historians who, pursuing transdisciplinary approaches and driven by intellectual curios ity, distinguish themselves by thinking against the received wisdom. Alongside a trend toward internationalization in the humanities and the embrace of approaches that incorporate multiple perspectives, this is an important stimulus for throwing off the constraint that Heinz Maier-Leibnitz, then the president of the German Research Foundation, described to Time magazine in 1979: “In America, you have to be different to be accepted. West German scientists are not very original. They don’t take risks. They watch what the others are doing, and in the end they all march in the same direction.” 

Wie gesagt, unsere Irritation kann nicht größer sein. Das wären doch alles Worte, die man nicht zur Lobpreisung dieses Buches vorbringen könnte, sondern vielmehr zu seiner Kritik. - "Gegen die herrschende Lehrmeinung"? Dieses Buch? Dieses Buch? Dieses Buch beobachtet nicht, "was die anderen tun"? Dieses Buch marschiert nicht - wie alle anderen - "in dieselbe Richtung"? Haben der Verfasser dieses Vorwortes und der Verfasser dieser Zeilen dasselbe Buch gelesen?   

Eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2023

Sollen hier unterschwellig Scherze gemacht werden mit der Leserschaft? 

Oder ist der Kompaß des Verfassers dieses Vorwortes um so viele Mikro-Grade genauer, daß er - doch noch - unterschiedliche Richtungen erkennen kann? Er muß wahrlich ein Wunderstück an Kompaß  besitzen, um hier eine andere Richtung feststellen zu können. Wir können nur unsere ganze Hochachtung zum Ausdruck bringen über ein solches Wunderstück an Kompaß.

Aber so groß auch immer unsere Irritation sein mag: Die von uns zitierten Worte dieses Vorwortes sind - soweit wir das erkennen können - die einzigen nennenswerten, zitierenswerten in diesem ganzen, fast 300-seitigen Buch, erschienen beim renommierten DeGruyter-Verlag. So erschreckend uns dieser Umstand auch erscheinen mag, so daß wir fast zögern, ihn niederzuschreiben.

"Die Quellenlage scheint eher dünn zu sein ..."

Dennoch eine - allerdings wirklich nur kleine - inhaltliche Anmerkung: Ab der Seite 194 der deutschsprachigen Ausgabe wird die Anti-Ludendorff-Schrift des Hitler-Anhängers Georg Ahlemann "Der Nationalsozialismus in Abwehr" aus dem Jahr 1930 auf fünf Seiten behandelt. Hier auf dem Blog war diese Schrift schon vor 15 Jahren Thema, weil wir damals eine neue Quelle entdeckt hatten, um sie historisch einzuordnen (Stgr2011). Deshalb müssen wir nun wirklich aufhorchen, wenn die genannten fünf Seiten eingeleitet werden mit den Worten (1, S. 195):

Die Quellenlage zu Georg Ahlemann scheint eher dünn zu sein.

Aha. Sollte da nicht lieber gesagt werden: "Die Recherchearbeiten des Autors Matthias Fahrenwaldt scheinen eher dünn zu sein" - ? 

Während der Recherchen zu einer so umfassenden Doktorarbeit ist Matthias Fahrenwaldt also offenbar kein einziges mal im Internet auf den vorliegenden Internetblog gestoßen - ? Wir finden jedenfalls in seiner Arbeit keinerlei Hinweise, daß er auf den vorliegenden Blog gestoßen sein könnte. (Und sei es auch nur, um ihn danach nicht zu nennen - so etwas gibt es ja auch ...)

Woran mag das liegen? Wenn wir am heutigen Tag im Inkognito-Modus "georg ahlemann ludendorff" googeln, erscheint unser Blogartikel aus dem Jahr 2011 an sechster Stelle unter den Google-Treffern. Wenn wir nur googeln "georg ahlemann", erscheint unser Blogartikel von 2011 an 23. Stelle.

Aber hätte der Autor Fahrenwaldt nicht trotzdem während seiner Recherchen wenigstens "irgendwann" einmal - vielleicht in ganz anderen Zusammenhängen - auf unsere Blogarbeit stoßen können? Sagen wir im Zusammenhang mit dem von ihm immerhin beachteten Osthilfe-Skandal (GAj2010)? Und hätte er dann diese Blogarbeit nicht wenigstens darauf durchsehen müssen, ob in dieser wichtige Geschichtsquellen ausgewertet worden sind, die andernorts noch nicht Berücksichtigung gefunden haben, die aber wesentliche Einsichten mit sich bringen, um einen bestimmten Zusammenhang einzuordnen?

Die vor fünfzehn Jahren hier auf dem Blog behandelte Tatsache, daß Georg Ahlemann noch im Jahr 1944 von Adolf Hitler ein Rittergut in Westpreußen geschenkt erhalten hat, wird von Fahrenwaldt jedenfalls mit keinem Wort erwähnt.

Daß der Doktorand den vorliegenden Blog nicht kennt, wird gewiß - gewiß!, gewiß! - zu seinen geringsten Fehlern zählen ...

Insgesamt finden wir in seiner Arbeit fast nichts, was wir nicht schon vorher wußten. Er referiert Bekanntes. Aber dieses "Bekannte" referiert er außerdem auch noch mit einer auffallenden Stumpfsinnigkeit, ja, wir möchten sagen Schlafmützenhaftigkeit. Da diese sehr weit verbreitet ist, möchte man ihm ja fast betulich auf die Schulter klopfen und sagen: "Nur weiter, guter Mann, nur weiter! Es kann nichts passieren. Dir kann nichts passieren. Du gehst kein Risiko ein." Mit schlafwandlerischer Sicherheit umgeht er alle Abgründe, die sich auftun könnten, wenn man fragen stellt wie:

  • Haben sich die Voraussagen von Erich Ludendorff in "Weltkrieg droht auf Deutschem Boden" erfüllt oder nicht?
  • Hatte die Freimaurerei einen Anteil am Freimaurer-Mord von Sarajewo oder nicht? Oder spielen die Forschungsergebnisse von Vladimir Dedjer zum Thema keine Rolle?
  • War der amerikanische Geheimdienst - unkontrolliert von einer demokratischen Öffentlichkeit - bei "regime changes" weltweit beteiligt oder nicht? Tat er das im Interesse der USA oder waren "überstaatliche" Interessen im Spiel?
  • Waren die dadurch ausgelösten Migrationskrisen "unbeabsichtig"? Gewiß, nicht wahr?
  • Gibt es elitäre Pädokriminalität weltweit - oder nicht? Und welche Schlußfolgerungen ziehen wir daraus? Ist die 2010 bekannt gewordene Pädokriminalität im Jesuitenorden weltweit vernachlässigbar?
  • ...

Wie viel Schlafmützenhaftigkeit gehört dazu, die Schriften des Ehepaares Ludendorff sehr, sehr gründlich zu lesen und auch inhaltlich sehr gründlich wiedergeben zu können, und solche Gedanken nicht einmal ansatzweise in sich zuzulassen? Geschweige denn, sie auf Papier zu bringen?

Sind es staatliche oder "überstaatliche" Mächte, die einen Jeffrey Epstein Jahrzehnte lang so unbehelligt haben agieren lassen, lieber Herr Fahrenwaldt. Vermutlich Hirngespinste, hier von "überstaatlichen Mächten" zu sprechen, die sich der demokratischen Kontrolle schon seit langem, seit sehr langen Zeiten entzogen haben. Oder ist auch nur einer von jenen Menschen, die Epstein innerhalb der Wallstreet einflußreich gemacht haben, vor die Kameras der Weltöffentlichkeit gezerrt worden, um derselben "Fragen" zu beantworten - ? ? ? Ach nein? Komisch.

Bitte weiter schlafen. Bitte Mikro-Grade "Richtungwechsel" einschlagen, um nicht bloß Chronist zu sein. Bitte weiter - - - "Risiken" eingehen.

Immerhin hält Fahrenwaldt am Ende dieses Abschnittes über Georg Ahlemann fest (1, S. 199):

Bemerkenswert ist, daß der im Vergleich zur NSDAP sehr viel kleinere Tannenberg-Bund hier als ernsthafte Bedrohung wahrgenommen wurde.

Das hätte ja mal ein Ausgangspunkt sein können für ... "kontrafaktische Geschichtsschreibung" ....

Ach ja, soll noch auf ein paar andere "Kleinigkeiten" eingegangen werden? Ist der "Drill" in der preußischen Armee vor 1914 dasselbe wie Jesuiten-Dressur? War der Verfasser bei der Bundeswehr? Hat er schon mal einmal ein Maschinengewehr oder ein MG3 auseinander und wieder zusammen setzen müssen, während der Feldwebel mit der Stoppuhr daneben stand? Sicherlich völlig dasselbe wie Jesuiten-Dressur. Gewiß. 

Und vermutlich alles viel zu impertinente Fragen. 

____________

  1. Fahrenwaldt, Matthias Albrecht: Der „Feldherr“ als Publizist. Erich Ludendorff 1919-1937. Dissertation, Düsseldorf, Heinrich-Heine-Universität, 2023; Online-Ressource Hochschulschrift (kostenfrei zugänglich) (UniDüsseldorf)
  2. Fahrenwaldt, Matthias: Merchant of Ideologies: Erich Ludendorff (1919-1937). De Gruyter Oldenbourg, 2. Februar 2026 (mit einem Vorwort von Julien Reitzenstein) (DeGruyter)
  3. MA Fahrenwaldt: Erich Ludendorff. Untouchable Völkisch Ideologist fighting National Socialism with Idiosyncratic Conspiracy Theories. In: Handbook Ideologies in National Socialism. Volume 1, 
  4. De Gruyter  2025, Pages 327-335 (DeGruyter)
  5. Fahrenwaldt, Matthias A.: The Reception of Erich Ludendorff’s Memoirs in the Context of the Dolchstoß Myth, 1919–1925. Gekürzte Fassung veröffentlicht auf dem Portal Militärgeschichte mit DOI https://doi.org/10.15500/akm.18.01. Veröffentlicht am 18. Januar 2021 (PortalMilit.gesch.2021). Magisterarb. University of Oxford, 2020.

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