"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Samstag, 30. Mai 2015

Die "mißratene Tschandala"-Rasse ...

Ernsthaft behandelt in "Mensch & Maß" im Mai 2015

Es gab in den letzten Jahren und Monaten Anlässe, den folgenden, ursprünglich 2011 erschienen Aufsatz immer wieder neu zu aktualisieren und seine Feststellungen mit neu hinzukommendem Belegmaterial zu unterfüttern. Zuletzt am 30. Mai 2015. - - - Und man wird in der Überschau dieses Materials wohl allgemein sagen dürfen: Wenn eine politische Partei wie die "Grünen" unterwandert und umgedreht wird, dann werden aus Pazifisten gerne einmal Kriegsbefürworter, aus armen Schluckern reiche Vorstands-Bosse. Wenn eine weltanschauliche Bewegung wie die Ludendorff-Bewegung unterwandert und umgedreht wird, dann - - - beginnt sie (man glaubt es wiederum kaum), die "gottgewollte" und "natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" zu glorifizieren, in Martin Luther keinen Befreier mehr zu sehen und über die angeblich "mißratene Tschandala-Rasse" orientalischer und afrikanischer Zuwanderer zu schwadronieren, nein, besser: zu hetzen. So unglaublich das erscheinen mag - - - so geschehen in den Jahren 2014 und 2015 "nach Christi Geburt" im Deutschland der allgemeinen Vermerkel- und Vergauckelung. ... Doch im folgenden zunächst der Ausgangsartikel aus dem Jahr 2011, danach chronologisch "Aktualisierungen" bis vorläufig, wie gesagt: 30. Mai 2015.

Die Antiquiertheit der heutigen "Ludendorff"-Bewegung
Eine in Alkohol eingelegte Subkultur?

/ 2011 / Man könnte es aus mancherlei Gründen als wünschenswert empfinden, wenn es heute wirklich noch eine Ludendorff-Bewegung geben würde, an der man sich "reiben", und an der sich Öffentlichkeit und Wissenschaft "abarbeiten" können. Eine Ludendorff-Bewegung, die tatsächlich existiert, lebendig wäre, könnte heute ja nur eine sein, die Mathilde Ludendorff so behandelt, wie heute Friedrich Nietzsche, Immanuel Kant oder ein beliebiger anderer "Dichter oder Denker" behandelt wird. Wobei vor allem auch der Umgang mit antisemitischem Gedankengut ähnlich kritisch und distanziert geschehen müßte, wie dies heute etwa gegenüber Friedrich Nietzsche oder Richard Wagner geschieht. Oder die Geschichte der Ludendorff-Bewegung müßte von dieser selbst so behandelt werden, wie die Geschichte der Jugend-Bewegung vom "Archiv der deutschen Jugendbewegung" behandelt wird. Und das heißt, daß - natürlich! - nicht jedes Wort, das ein Dichter oder Denker oder ein jeweiliger Vertreter einer Bewegung jemals ausgesprochen hat, das in einer solchen Bewegung jemals Thema war, für 100 Prozent für wahr für sich selbst heute noch übernommen würde und man sich damit identifizieren würde.

Abb. 1: In Alkohol eingelegt

Also eine Bewegung, die nicht antiquiert daher käme und die nicht die Sprache von vorgestern sprechen und nicht in den Denkkategorien von vorgestern denken würde. Sondern die die Sprache von heute spricht und in den Denkkategorien von heute denkt. Eine Ludendorff-Bewegung, die Mathilde Ludendorff nicht wie eine "Heilige" behandelt, die ihre Bücher nicht wie eine Bibel abhandelt, die sich nicht wie eine Kirche organisiert (genannt "Weltanschauungsgemeinschaft"). Sondern schlicht wie eine der vielen sonstigen Philosophen-Gesellschaften und -Archive. Und die schlicht ebenso wissenschaftlich arbeitet wie diese. 

Und die insbesondere das naturalistische (also naturwissenschaftsnahe) Denken der Ludendorff-Bewegung einbetten würde in die übrige Geschichte des naturalistischen (naturwissenschaftsnahen) Denkens während des 20. Jahrhunderts. Eine Bewegung, die nicht hohle, bombastische - oder auch gerne dümmliche - Phrasen drischt, die nicht aufgeblasen daher kommt oder im allgemeinen "Weltschmerz" des heutigen typischen deutschen "Christ-Konservativen" versinkt ("Ach, man will auch hier schon wieder nicht so wie die Geistlichkeit ..."), in der nicht Vorträge wie Predigten, Sermone und christliche Abendandachten abgehalten werden.

Gewollt und beabsichtigt?

All dies gibt es heute nicht. So gut wie nicht. Die offizielle Ludendorff-Bewegung - sowieso nur noch ein kleines Grüppchen - ist in einer Antiquiertheit und Verquastetheit versunken und stecken geblieben, die nur noch ein Hohn ist auf die ursprünglichen Anliegen Erich und Mathilde Ludendorffs, wie man sie zumindest verstehen könnte. Sie ist also de facto eine Bewegung, die nur noch den Namen "Ludendorff" trägt. Die aber wenig von dem aufbegehrenden, widerständigen, kämpferischen Aufbruchgeist der früheren, sprich "originalen" Ludendorff-Bewegung verspüren läßt.

Es gibt viele Anzeichen dafür, daß genau diese genannte Antiquiertheit auch genau so "gewollt" und beabsichtigt gewesen ist und daß heute immer noch auf genau diese biedermeierliche, ja, oft geradezu dummblöde Antiquiertheit hingearbeitet wird. Daß Menschen, ja, ganze Familien innerhalb dieser Ludendorff-Bewegung Jahrzehnte lang auf ein solches Ziel hingearbeitet haben. Daß sie diese Antiquiertheit gefördert haben und fördern. Anders läßt sich das Verhalten derselben, das man Jahrzehnte lang beobachten konnte und mit dem man Jahrzehnte lang hat Erfahrungen sammeln können, heute nicht mehr erklären und einordnen.

Da alles Neue, Frische, Belebende, Zeitgemäße von der Naturwissenschaft ausgeht, war es gut, wenn diese Leute eine naturwissenschaftliche Bildung aufgewiesen haben oder aufweisen. Wenn sie etwa praktizierende Ärzte sind, Gymnasiallehrer für Biologie oder Chemiker. Dann fällt es nur ganz wenigen auf, daß sie Jahrzehnte lang alle Themen behandeln, nur keine naturwissenschaftlichen. Und daß sie deshalb auch so ganz hervorragend antiquiert daher kommen können. Denn würde man die ganze Breite der Philosophie Mathilde Ludendorffs mit der modernen Naturwissenschaft konfrontieren, was allein im Sinne dieser Philosophie wäre, wäre es ganz unmöglich, noch weiter so antiquiert daher kommen zu können.

Erst dann würde einem selbst und anderen die Brisanz des hier vorliegenden Gedankengutes bewußt werden.

Natürlich ist die Auseinandersetzung mit moderner Naturwissenschaft anspruchsvoller, "schwerer", abstrakter, weniger eingängig, als die Auseinandersetzung mit Politik und Hintergrundmächten. Dieser Umstand hat die eben skizzierten Entwicklungen erleichtert ganz unabhängig von ihrer etwaigen bewußten Förderung.

"Hijacking"?

Viele Menschen, die der Philosophie Mathilde Ludendorffs mit Interesse gegenüberstehen, möchten es sich bequem machen und sagen: Naja, das sind eben so Entwicklungen, wie sie Bewegungen erfahren, die in Alkohol eingelegt sind oder die wie vakuumverpackt agieren. Die geistig isoliert für sich weiter existieren. Typisch für eine degenerierende statt prosperierende Subkultur.

Daß eine so breit angelegte naturalistische Philosophie und Psychologie wie diejenige Mathilde Ludendorffs, daß ebenso ein so breit angelegtes Geheimpolitik-kritisches Anliegen wie das des Eheapaares Erich und Mathilde Ludendorff noch heute gefürchtet wird und Gegner hat, da in ihm viele gesellschaftlich gestaltende Kräfte beschlossen sind, wird von dem Kenner derselben nicht bestritten werden können. Wer solche Gegner sein müssen und wie sie arbeiten, ist im allgemeinen auch bekannt.

Wenn Jesuiten und Katholiken sich nicht zu schade sind, die amerikanischen Freikirchen und den deutschen Protestantismus zu unterwandern (jüngeres Beispiel: Klaus Berger), um sie "zurück" in die alleinseligmachende katholische Kirche zu führen - warum sollten sie einer ihnen womöglich noch viel gefährlicheren Ludendorff-Bewegung gegenüber zögern? Warum sollten sie zögern, eine originale Ludendorff-Bewegung nach dem Tod Mathilde Ludendorffs in das biedermeierliche, antiquierte "Imitat" einer solchen umzuwandeln? Wo doch gleichzeitig der Kardinal Schönborn in Wien viele philosophische Gedanken Mathilde Ludendorffs über Evolution übernimmt, ohne ihren Namen zu nennen (siehe seine "Katechesen" über Evolution und Schöpfung im Jahr 2006) (1)?

Wir wissen von Flugzeug-Entführungen. Englisch werden sie "Hijacking" genannt. Können auch ganze weltanschauliche Bewegungen "gehijackt" werden, "entführt" werden? Indem sich einfach unerkannt Piloten mit ganz anderen Zielen ins Cockpit setzen? Zu dieser Vermutung sind viele Menschen und auch Leser dieses Blogs, die damit in Berührung gekommen sind, ganz unabhängig voneinander bezüglich der heutigen offiziellen Ludendorff-Bewegung gekommen.

Erstarrung

/ Ergänzung 22. 9. 2012 / Erich Ludendorff warnte schon im November 1932 vor solchen, in diesem Beitrag beschriebenen Entwicklungen (2). Kräfte seien an der Arbeit, "den Freiheitdrang des Volkes zu erstarren":

Neue Kerkermauern sollen das Volk von den wissenschaftlichen Naturerkenntnissen und von der Deutschen Gotterkenntnis trennen, die sie frei macht und denken lehrt. Das Volk soll, suggeriert und gebunden, innerhalb der neuen Kerkermauern ein Zuchthausleben weiterführen und immer mehr für die Aufseher und deren "Geist" arbeiten, statt in Freiheit für sich selbst zu schaffen, wie das in Deutscher Gotterkenntnis begründet liegt.

Ein passendes Wort für die in diesem Beitrag erörterten Beobachtungen ... Erstarrung.

Jedenfalls: Der Blick auf in Alkohol eingelegte Tiere in Naturkundemuseen hat etwas Beklemmendes.

Und nun eine Ergänzung der bisherigen Ausführungen mit Beobachtungen, die auf den 14. Oktober 2014 datieren. Eine bislang beobachtbare gewisse Erstarrung scheint sich wieder gelöst zu haben. Man scheint wieder "fröhlicher" geworden zu sein ....

"Die natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" (September 2013)

Zu den bis hier geschilderten Entwicklungen paßt nahtlos, daß in einem Aufsatz des Jahrgangs 2014 der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Mensch & Maß", deren Schriftleiter Wilfried Duppel heißt, die geschichtliche Gestalt des Martin Luther gewürdigt wird (5) wie man das seit vielen Jahrhunderten gewiß von Seiten der "Soldaten Christi" gewohnt war, also von Seiten der Jesuiten und ihrer Freunde (heute öffentlich sicher seltener ...). Wie man das aber geschrieben von und für Menschen, die in der geistigen Tradition des Hauses Ludendorff stehen, bislang sicher kaum für möglich wird gehalten haben. Da wird Martin Luther persönliche Rachsucht als Hauptantrieb für seine Reformation unterstellt. Und ihm wird die Eigenschaft, ein geistiger Befreier der Deutschen, Europas und der Welt gewesen zu sein, rundweg abgesprochen. Was? In einer Zeitschrift der "Ludendorff-Bewegung"? Etwa ein - schlechter - Aprilscherz?

Wohl kaum. Es handelt sich um den Aufsatz eines Hartmut Heuermann, bei dem es sich offenbar um einen Braunschweiger Kulturwissenschaftler handelt. Er will in diesem die "dunkle Seite" der "Lichtgestalt" Martin Luther heraus arbeiten (5). Und in seinem Aufsatz ist dann ganz altbekannt jesuitisch von dem "soziopathischen Haß" des Martin Luther auf den römischen Pontifex die Rede und davon, daß sich Martin Luther einer vulgären Sprache bedient hätte, deren man sich heute schämen müsse. Na so was aber auch! Es finden sich in diesem Aufsatz Sätze über Luther wie:

Die rebellische Geste, gegen das Papsttum, die ihn zu einem religiösen "Gewissenshelden" machte, war ein Akt, der eher seiner persönlichen Rancune (Rachsucht) als seinem sozialpolitischen Engagement entsprang.
Kleiner Scherz am Rande: Wer hat wohl für die Leserschaft das Wort Rancune übersetzt? Doch wohl nicht der Schriftleiter? Nun, wäre nahe liegend ... ;) Herrje, Leute, nun habt Euch mal nicht so. Da hat die Ludendorff-Bewegung nun viele Jahrzehnte lang gegen den Papst und gegen den Jesuitenorden gewettert und sich über Luther gefreut - da wird man doch wohl auch einmal "andere Stimmen" zu Gehör bringen können? Der letzte Satz des Aufsatzes lautet:
Es gab etliche Vordenker für ein neues Menschenbild. Martin Luther gehörte nicht dazu.

Klar, jeder darf eine Meinung haben! :) Nun, man wird unter solchen Umständen wohl auch formulieren dürfen: Es gibt etliche Vordenker für ein neues Menschenbild. Der Schriftleiter Wilfried Duppel und sein Autor Hartmut Heuermann gehören nicht dazu.

"Es gab etliche Vordenker für ein neues Menschenbild - Martin Luther gehörte nicht dazu" (September 2014)

Eine besondere Note erhält der Abdruck dieses Aufsatzes jedoch weiterhin in dem Umstand, daß schon im Frühjahr in dieser Zeitschrift eine Kritik an zuvor zum Abdruck gekommene, kraß klerikale Ansichten geäußert worden war (4). Der verstorbene, zuvor viel schreibende Autor und ehemalige Richter Falko Gramse hatte seine kraß-klerikalen Ansichten in einem vielteiligen Gedenkaufsatz über den mittelalterlichen deutschen Kaiser Otto I. zum Ausdruck bringen können (3). Fritz Köhncke hatte nun Anlaß, von Falko Gramse benutzte Phrasen zu kritisieren und "richtigzustellen" wie:

Otto I. betrieb "eine Wiederaufnahme der Kaiserpolitik Karls des Großen in christlichem Verantwortungsbewußtsein für eine gottgewollte Ordnung."

Und für welche "gottgewollte Ordnung"? Gramse:

Es gibt keine natürlichere Verbindung als die zwischen Thron und Altar im altdeutschen Staat.

Wenn neuerdings solche klerikalen Ansichten fröhlich "zur Diskussion" stehen in einer Zeitschrift wie der der Ludendorff-Bewegung, dann wird man sich nach und nach wohl noch auf immer "tollere" Dinge einstellen und gefaßt machen dürfen. Man sage doch nicht, da wäre keine geistige "Innovationsfähigkeit" mehr vorhanden. Auf den ersten Blick will es fast so scheinen! Aber auf den zweiten Blick muß man sich sagen: Hey, das sind ja so krasse Uralt-Ansichten, wer will denn da von "Innovationsfähigkeit" sprechen. Vielmehr erinnert das an das alte Jesuitenwort von dem "Sie sollen sein, wie sie sind - oder sie sollen nicht sein", das ja offenbar unter dem derzeitigen Jesuitenpapst einmal erneut allerorten fröhliche Urständ feiert.

Von Interesse dürfte da dann nämlich auch sein, daß dieser Aufsatz zur Bejubelung der natürlichen Verbindung zwischen Thron und Altar unter Otto I. zuerst erschienen ist im Jahr 2012 - - - in der rechtskatholischen Zeitschrift "Neue Ordnung", die ihre kraß papistische Einstellung gleich in der Titelleiste mit einem Foto des Papstes Pacelli und ähnlicher geistiger "Befreier" Europas zum Ausdruck bringt (erscheint im Ares-Verlag des Wolfgang Dvorak-Stocker von Stocker-Verlag, wo als langjähriger Lektor tätig war auch Hans Becker von Sothen [1959-2014], s. GA-j!, 21.8.2014). Um diese "gottgewollte" (neu-uralte) "Ordnung" würde es also gehen? Dann wüßte man ja, aus welcher Ecke der Schriftleiter von "Mensch & Maß" offenbar so seine Gedanken und Aufsätze bezieht, anstatt genau solche Ecken so kritisch wie nur möglich auszuleuchten, so wie wir darum seit Jahren auf unseren Blogs bemüht sind.

Insgesamt ist hier jedenfalls im Grunde nichts anderes zu beobachten, als das, was erst kürzlich auf unserem Parallelblog einmal wieder zu Protokoll hatte gebracht werden müssen unter dem Titel "Veränderungen störend und unerheblich" (GA-j!, 21.8.2014).

Abb. 2: Eine DVD aus dem Jahr 2013

/ Ergänzung 12.11.2014 /

Gabriele Kuby - "Die Sehnsucht einer Konvertitin nach heiligen Priestern"

Auch unter den hier genannten Umständen wird es noch nicht tunlich sein, die Autorin Adelheid Duppel als die "Gabriele Kuby der Ludendorff-Bewegung" zu bezeichnen. Dennoch dürfte es sinnvoll sein, einmal zu untersuchen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen diesen beiden Autorinnen in ihrer Themenwahl und in der Behandlungsart ihrer Themen. Gemeinsamkeiten sind jedenfalls unübersehbar (s. Wiki, Amazon). Etwa was das Thema Gender-Mainstreaming betrifft. Und wo die "natürliche Verbindung zwischen Thron und Altar" bejubelt wird, dürfte man doch bald auch - wie Gabriele Kuby in einem ihrer Buchtitel - schmachten über die "Sehnsucht einer Konvertitin nach heiligen Priestern".

Schreibt ein neuer Johann von Leers für "Mensch & Maß"? (April 2015)

Im April 2015 erscheint in der Zeitschrift "Mensch & Maß" der Aufsatz eines Autoren (6), der offenbar auch für ein "Muslim-Forum" im Internet schreibt, und der in seinem Aufsatz "Ludendorffs fernöstlicher Freund" verschweigt, daß Erich Ludendorff jenen buddhistisch motivierten Imperialismus abgelehnt hat, für den der in dem Aufsatz behandelte angebliche "Freund" Ludendorffs stand. Auf dem Muslim-Forum fällt derselbe Autor mit einer wenig differenzierten, plakativen Wortwahl auf. In einem eigenen Blogbeitrag dazu schrieben wir (7): "Erinnerungen an Johann von Leers kommen auf ..."

Die "mißratene Tschandala-Rasse" - ernsthaft behandelt (Mai 2015)

/ Ergänzung 30.5.2015 / Die Unmöglichkeiten des Schriftleiters Wilfried Duppel reißen nicht ab. In der letzten Folge der von ihm herausgegebenen Zeitschrift erscheint auf zehn Seiten eine "zeitgemäße" Deutung einer Novelle von Heinrich von Kleist mit dem Titel "Der Findling" (8). Dieser Aufsatz läßt abstoßende Gefühle zurück. Sein Autor heißt Johannes Scharf. (Ob es sich dabei um ein Pseudonym handelt?)*) Der "Findling" der Novelle, also ein "Findelkind", ein "Waisenkind" wird in dieser "zeitgemäßen" Deutung mit den Migranten-Strömen gleichgesetzt, die heute in Europa und Nordamerika eine Rolle spielen. Gut und schön - oder nicht schön, sondern wohl schon für sich ziemlich verkorkst. Aber die Denkart und der abwertende Tonfall, die abwertenden Worte, mit denen hier einerseits über Sexualität und andererseits über Menschen aus anderen Ländern gesprochen wird, haben absolut keine Gemeinsamkeit mit der Geisteswelt Erich und Mathilde Ludendorffs. Keine. Und das sollte dem Schriftleiter Wilfried Duppel ganz entgangen sein? Über das mißratene Waisenkind der Novelle und über seine Sexualität, die ja doch in diesem Aufsatz mit der "Mißratenheit" und der Sexualität der derzeitig nach Europa strömenden Flüchtlingen gleichgesetzt werden, heißt es etwa:

Unseres Erachtens speisen sich jene Wollust (nämlich des "Findlings" der Novelle) nebst den Rachegefühlen aus ein und derselben Quelle: dem Haß auf die Herren und Besseren, denen man im Wissen um die eigene Unzulänglichkeit ablehnend gegenübersteht, die man vernichten möchte, zu denen sich der Sklave jedoch gleichwohl sexuell hingezogen fühlt. (...) Wir fühlen in der sexuellen Anziehung in Kleists Novelle recht deutlich den neidischen Instinkt der Tschandala.

Das sind so die "erbaulichen" Themen dieses Aufsatzes. Im nächsten Satz ist noch einmal vom

Bereich der Tschandala-Rache des Mißratenen
die Rede. Was für seltsame, fast an Blödheit streifende, zumindest verdummende Abartigkeiten. Wenn aus der Sicht der Philosophie von Mathilde Ludendorff das Verschieben ganzer Bevölkerungen und das Vermischen mit anderen abgelehnt wird, so nicht, weil die eine Bevölkerung für die "bessere" und die andere für die "mißratene" gehalten wird, sondern weil vielmehr jedem Volk für sich auf dieser Erde ein "einzigartiges, unersetzbares Gottlied" zugesprochen wird. Aber ein solcher Geist spricht natürlich ganz und gar nicht aus solchen, gerade zitierten Worten. Aber soll man die Abartigkeiten dieses Aufsatzes nicht viel mehr verräterische nennen? Sind es nicht die okkulten, "ariosophischen" Lanz-von-Liebenfels-Leute gewesen, die ständig von "Tschandala-Rassen" gesprochen haben, die wie Hunde zu behandeln seien (oder schlimmer)? Und die dabei doch niemals so ganz ihre katholischen, frauenverachtenden Prägungen haben verleugnen können? Und für die eine gerade Linie gezogen werden kann zum Denken und Handeln in den Kategorien von "Herrenrasse" der Nationalsozialisten, insbesondere in Osteuropa? Und schon im nächsten, logisch ganz verkorksten, verdrehten, verschwurbelten Satz dieses Aufsatzes heißt es weiter:
Übertragen wir die Eigenschaft der relativen Impotenz von Piachi,

der nach der Deutung dieses Aufsatzes zu den "Herren ", den "Besseren" zu zählen ist,

auf das unzählige und dabei hoch potente Flüchtlinge aufnehmende Gastland, sei dies nun Schweden, die Russische Föderation oder die Bundesrepublik Deutschland, so erhalten wir doch recht bald eine zumindest vage Vorstellung davon, in welchem Ausmaß und mit welchem Tempo sich der Bevölkerungsaustausch in diesen Aufnahmeländern vollzieht. Dabei ist die vielfach höhere Fruchtbarkeit der Orientalen und Schwarzafrikaner keine Fiktion, sondern eine vollendete Tatsache. Nicht anders verhält es sich mit der Fertilität der "Hispanics" in Nordamerika.

Von solchen Sätzen und Gedanken muß sich ein Mensch, der von dem Werk von Heinrich von Kleist begeistert ist, ganz abgestoßen fühlen. Es kommt eigentlich nur die Frage auf, ob der Autor in seinen Gedanken wirklich so dümmlich und primitiv ist, wie er sich hier gibt? Wie kann man überhaupt auf solche gedanklich primitiven Sprünge kommen von dem Inhalt einer Novelle des beginnenden 19. Jahrhunderts zu der völkervernichtenden Politik des 21. Jahrhunderts? In der Novelle kommt keine einzige kinderreiche Familie vor, die solche eben zitierten Sätze auch nur ansatzweise rechtfertigen würden. Es wird bestenfalls die polygame Sexualität eines Findelkindes behandelt.

Und das in einer eines Heinrich von Kleist würdigen Weise. Einer würdigen Weise, von der ein Johannes Scharf nicht den Ansatz eines Eindrucks zu vermitteln weiß. Hatte der Schriftleiter Wilfried Duppel bei der Auswahl dieses Aufsatzes etwa keine Sehnsucht nach Würde?

In Kleists Novelle wird auch sonst nicht ansatzweise "Demographie" behandelt. Daß sich dieser Johannes Scharf anmaßt, mit seinen schmutzigen Händen das Werk von Heinrich von Kleist auch nur von Ferne nur anzutasten, seine sehr "eigenen" Wertvorstellungen an dieses heranzutragen, ist das eine. Daß eine Zeitschrift, die vorgibt, die geistige Tradition der Ludendorff-Bewegung zu vertreten, das dann aber auch noch druckt, statt es scharf kritisch zu beleuchten, ist etwas ganz, ganz anderes.

All das liegt ganz auf der Linie dessen, was in diesem Beitrag schon ausgeführt wurde. Muß man angesichts all dieser Dinge noch aufmerksam machen darauf, daß in diesem Aufsatz ständig von dem "ruchlosen Klerus" (S. 234), dem "ruchlosen Kirchenstand" (S. 238) die Rede ist? Und daß das ja fast so klingt, als ob da jemand Selbsterkenntnisse hätte ... ? .... Auf dieser Linie wären dem Autor - und seinem Schriftleiter - jedenfalls noch allerhand weitere zu wünschen.

Johannes Scharf, der "aufrechte Christ" und Hetzer

Und so ist man geradezu gezwungen, Amazon-Rezensionen mit Zustimmung zu lesen zu einem früheren thematisch ähnlichen Buch (9) desselben Autors Johannes Scharf. Es ist dies übrigens auffallender - und stimmiger - Weise ein Buch, in dem von "aufrechten Christen" die Rede ist. Eine Amazon-Rezension dazu lautet jedenfalls (bege69 [Osnabrück], 4. März 2014):

Minderwertige rechte Hetze - nicht lesenswert
Europa wurde von Migranten "übernommen", einige wenige aufrechte Christen "fliehen" nach Neuseeland, wo noch fleißige, arbeitswillige Weiße aufgenommen werden. Der Autor zeichnet ein einfaches Schwarz-Weiß-Bild, wobei die "Migranten" allesamt faul und kriminell sind und eh nur im Sinn haben, auf Kosten der Gesellschaft zu leben und weiße Mädchen zu vergewaltigen. Höhepunkt der Hetze: "Ist das, frage ich euch, überhaupt noch unser Vaterland, in welchem ein Türke Bundeskanzler, eine Nigerianerin Familienministerin und eine Lesbe Außenministerin spielen?" Ansonsten treten die Migranten nur in Masse, sprich "kriminellen Banden" auf.
Dagegen sind die "weißen" Protagonisten allesamt fleißig, ehrlich, treu, aufrecht, rechtschaffen usw. Die Beschreibungen der Charaktere sind hölzern, die Dialoge und Beschreibungen zum Weglaufen. Weiße Frauen sprechen nicht, sie "flöten", wenn auch mit kratziger Stimme. Fazit: schlecht geschriebener, rechter Schrott auf Fünftklässlerniveau, absolut nicht lesenswert!

Genau das und nichts anderes kann auch nur von dem von uns oben behandelten Aufsatz dieses "aufrechten Christen", nämlich des Herrn Johannes Scharf gesagt werden. Dieser Aufsatz ist übrigens Teil eines weiteren, gerade erschienenen Buches des Autors (10), das erschienen ist - man soll es kaum glauben: im Klosterhaus-Verlag (sowie parallel im Libergraphix-Verlag). Hans Grimm kann sich angesichts solcher Verlagsprodukte eigentlich nur im Grabe herumdrehen. Wozu hat er sich von Goebbels anschreien und niedermachen lassen, wenn der von ihm gegründete Verlag heute solche Bücher herausbringt?


zuerst veröffentlicht 10.12.2011; 
ergänzt wie im Text angegeben, 
überarbeitet 4.6.15;
zurück auf "Entwurf" gestellt: 11.6.19; 
erneut veröffentlicht: 4.11.25  

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*) Bei "Johannes Scharf" scheint es sich um den Darmstädter Bademeister Jonathan Stumpf (geb. 1988) zu handeln, der gerne in Kriegsgebieten unterwegs ist (s. Antifa2025).
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  1. Schönborn, Christoph: Ziel oder Zufall?: Schöpfung und Evolution aus der Sicht eines vernünftigen Glaubens. Herder-Verlag, Freiburg 2007
  2. Ludendorff, Erich: Statt Tempel Salomos - Deutscher Dom - Germanischer Katholizismus. In: Ludendorffs Volkswarte, 6. November 1932
  3. Gramse, Falko: Otto der Große. Erster Kaiser des "Römisch-Deutschen Kaiserreichs." In: In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2013, S 417-430, Folge 10, 15.10.13, S. 493-500, Folge 11, 15.11.13, S. 534-541, Folge 12, 15.12.13, S. 590-594, Folge 1, 15.1.14, S. 18-29, Folge 2, 15.2.14, S. 62-76
  4. Köhncke, Fritz: Eine notwendige Richtigstellung. In: Mensch & Maß, Folge 5, 15.5.2014, S. 230-237
  5. Heuermann, Hartmut: Martin Luther - der Lichtgestalt dunkle Seite. In: Mensch & Maß, Folge 9, 15.9.2014, S. 452-454
  6. Haas, Josef: Ludendorffs fernöstlicher Freund. In: Mensch & Maß, Folge 4, April 2015, S. 202-206
  7. Bading, Ingo: "Ludendorffs fernöstlicher" - buddhistisch-imperialistischer - "Freund" - Schreibt ein Autor von "Mensch und Maß" auch für das Muslim-Forum? Auf: Studiengruppe Naturalismus, 1. Mai 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/05/ludendorffs-fernostlicher-buddhistisch.html
  8. Scharf, Johannes: Der Zorn des Odysseus - Wie Kleists Novelle "Der Findling" noch zu lesen ist ... In: Mensch & Maß, Folge 5, Mai 2015, S. 228-238
  9. Scharf, Johannes: Das Kreuz des Südens - Exodus aus Europa. Ein Zukunftsroman. Verlag Libergraphix, 2013
  10. Scharf, Johannes: Kassandrarufe - Fabeln wider den Zeitgeist. Klosterhaus-Verlag; Libergraphix-Verlag 2015

Montag, 25. Mai 2015

Fernsehbericht über die Ludendorff-Gedenkstätte in Tutzing

Am "Tag der Offenen Tür" vor geschlossenen Türen

Neuerdings werden Themen dieses Blogs auch im Fernsehn behandelt:


Interessanterweise bekommt man hier auch einmal die Historikerin Annika Spilker zu sehen, die vor zwei Jahren über Mathilde Ludendorff promoviert hat. Aber dies nur nebenbei. - Es ist sehr zu begrüßen, dass die Öffentlichkeit sich mit der Geheimniskrämerei des "Ludendorff-Gedenkstätte e.V." in Tutzing befasst. Er hält einmal erneut im Mai 2015 einen "Tag der Offenen Tür" ab. De facto aber erweist sich dieser dann als ein "Tag der Geschlossenen Tür" (!!!) (- "Freu!!!"):
Tag der Offenen Tür, aber die Öffentlichkeit bleibt ausgesperrt. Was steckt dahinter? (…) Niemand will mit uns reden. Auch er nicht, der ehemalige Leiter der Gedenkstätte, ein pensionierter Gymnasialdirektor vom Bodensee. (…) Der Vorsitzende hier leitete bis 2007 den privaten Verlag Hohe Warte.
Wir kritisieren die Geheimniskrämerei des "Ludendorff Gedenkstätte e.V." hier auf dem Blog schon seit Jahren. Er versucht, der Öffentlichkeit gegenüber so unsichtbar wie nur möglich zu sein. Er versucht, sich zehn Meter unter der Erde zu bewegen. So formulierten wir es schon vor bald zehn Jahren als Resümee unserer Erfahrungen mit diesem Verein. Er versucht, sich in irgendwelchen Katakomben zu bewegen.

Und das alles in aller deutlichstem Widerspruch zum ganzen Leben Erich und Mathilde Ludendorffs. Und das alles deshalb auch im Widerspruch zu dem von ihnen in ihren Testamenten und andernorts klar und deutlich ausgesprochenen Wünschen (Stud. Nat. Dez. 2012). Ihr Leben war bekanntermaßen und gegen alle nur denkbaren Widerstände, die bis zu Morddrohungen gingen, ein öffentliches. Es spielte sich nie in Katakomben ab. Sondern es war bestrebt, in die Öffentlichkeit, in die große Öffentlichkeit hineinzuwirken. 

Schon im Jahr 2001 hatte der Bloginhaber ein längeres Gespräch mit dem damaligen Vorsitzenden dieses "Ludendorff Gedenkstätte e.V.". Er hat ihm viele Vorschläge gemacht zu einer sinnvollen und den heutigen Zeiten angemessenen Öffentlichkeitsarbeit und zu einem in einem Kulturvolk üblichen Umgang mit Nachlässen und Archiven. Dieser Blog macht eigentlich - mit seinen geringen Mitteln - nur das, was nach Meinung des Bloginhabers dieses Ludendorff-Archiv in Tutzing machen müsste. Er betreibt also seinen "Tag der Offenen Tür" an 365 Tagen im Jahr. Auch andere haben den Verein bis 2007 in vielen solcher Fragen beraten. Aber all das hat dazu geführt, dass sich dieser Verein nach außen nur noch stärker abgeschottet hat. Dass er in noch tieferen Dornröschenschlaf gesunken ist als er sich zuvor schon befand. All diese Menschen einer zumeist jüngeren Generation sind von ihm hinausgeekelt worden durch gezielte Tritte gegen das Schienenbein und gerne auch gröblichste Beleidigungen. Oder sie sind in den Dornenhecken sprichwörtlich hängen geblieben.

"Harzig, warzig grau ..." - mit "System"

All das hatte und hat ganz klar "System". Der Inhaber dieses Blogs ist insbesondere hellhörig geworden, als ihm im Jahr 2006 in einem an viele Menschen versandten Schreiben vorgeworfen wurde, dass er mit Abschriften unveröffentlichter Briefe Mathilde Ludendorffs aus diesem Ludendorff-Archiv dieser Mathilde Ludendorff gegenüber den Vorwurf erheben wolle, sie habe die Aufsichtspflicht gegenüber ihren beiden Söhnen vernachlässigt dadurch, dass sie jene Pädokriminalität ihres Onkels Fritz Stahl an ihren Söhnen zugelassen habe, die ihr selbst Jahre lang geheim gehalten worden war. Was ja üblich ist, wenn Pädokriminelle tätig sind. (Mathilde Ludendorff deutet diese Umstände in ihren Lebenserinnerungen nur an im Zusammenhang mit ihrer Heirat im Jahr 1926, hat aber im Ludendorff-Archiv in ihrem Haus auch einen Brief für die Zukunft verwahrt, in dem diese Vorgänge genauer erörtert werden, um falschen Gerüchten vorzubauen.) Dieser Vorwurf sei hier nur in dieser Kürze angedeutet (ein Blogartikel könnte über diese Zusammenhänge veröffentlicht werden), um zu zeigen, mit was für Mitteln von Seiten dieses Vereins gearbeitet wird, und wovor man nicht zurückschreckt. Wer mit solchen Vorwürfen arbeitet, für den scheint wirklich viel auf dem Spiel zu stehen. So ganz klar ist eigentlich noch nicht geworden, was hier alles auf dem Spiel zu stehen scheint.

Als jedenfalls Anfang 2010 die Pädokriminalität im Jesuitenorden publik wurde, war der Autor dieser Zeilen aufgrund der hochgradig merkwürdigen, gegen ihn erhobenen Unterstellung des Jahres 2006 für dieses Thema mehr als sensibilisiert. Denn er hatte bis zum Jahr 2006 dieses Thema nie beachtet, hatte es auch unter den Briefen Mathilde Ludendorffs fast völlig überlesen. So dass ihm schon allein das Erheben eines solchen genannten Vorwurfs - wie vieles andere in diesem Zusammenhang - hochgradig jesuitisch vorkommen musste. Geradezu klassisch "jesuitisch". Man musste sich fragen: Was geht in dem Kopf desjenigen, der einen solchen Vorwurf erhebt, eigentlich vor? Wie kommt er zu einem solchen?

Nach solchartigem "Wegtreten" von angebotener Mitarbeit aus einer jüngeren Generation ist jedenfalls übrig geblieben ein Verein alter Männer, der vielleicht mit Reinhard Mey singen könnte:
Bevor ich mit den Wölfen heule,
Werd' ich lieber harzig, warzig grau,
Verwandele ich mich in eine Eule
Oder vielleicht in eine graue Sau.
Oder auch frei nach dem Zigeunerbaron:
Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh, ist Schweinespeck.
Nicht alle Vereinsmitglieder scheinen das "System", das hinter diesem Agieren steckt, zu durchschauen oder scheinen es durchschauen zu wollen. Man lernt im Alter ja auch nur noch ungern hinzu und blickt nur ungern auf das so ganz andere Wesen von schon in der Jugend entstandenen menschlichen Bindungen, Bekanntschaften und Freundschaften, das sich nun möglicherweise als ein ganz anderes herausstellen könnte als zuvor angenommen. Jedenfalls agiert der Verein so, dass er nicht geeignet erscheint, das Gedankengut der Ludendorff-Bewegung und seine Erinnerungsstätte der Öffentlichkeit gegenüber angemessen zu vertreten. Er tut so, als wäre eine Pflege der Vereinsaufgaben und ein Erfüllen der Testamente Mathilde Ludendorffs nicht möglich ohne die allgemein übliche historische Distanz zu vergangenem Geschehen und damit ohne das Einhalten weltanschaulicher und politischer Neutralität. Das ist aber lächerlich. Und über eine solche Einstellung können sich nur jene freuen, die immer schon zu den weltanschaulichen und politischen Gegnern der Ludendorff-Bewegung zählten und die ja offensichtlich mitten in diesem Verein drinsitzen und sich dort - und anderwärts - durch Wegtreten unliebsamer Interessenten sehr breit gemacht haben.

Aufschaukeln der Gegensätze

Abb.: A. Spilker hat über M. Ludendorff promoviert
Geheimdienste und -gesellschaften schieben sich bekanntlich in alle dem System opponierenden Kräfte hinein. Sie sitzen dann auf "beiden Seiten". Und sie schaukeln dann gerne die Gegensätze unbemerkt auf. In diesem Fall soll wohl die Abschottung und Überalterung bewirken, dass die Öffentlichkeit allmählich steigend aggressiv auf diese reagiert, um darauf dann wieder mit noch größerer Aggressivität und Abschottung reagieren zu können.

Erich und Mathilde Ludendorff sprachen übrigens immer über den Jahrhunderte alten "Nibelungenkampf" zwischen der katholischen und der jüdisch-orthodoxen Priesterschaft (der ja schon in der Antike nachweisbar ist - siehe etwa den katholischen Antisemitismus der Kirchenväter). Man könnte fast zu der Meinung kommen, dass ein solcher Nibelungenkampf gegenwärtig auch rund um diese Gedenkstätte tobt, die 2010 ausgerechnet von einer Charlotte Knobloch in einem Interview ein "Schrein" genannt worden ist, und wo womöglich die jüdisch-orthodoxe Priesterschaft ein paar Geschütze in Stellung bringt gegenüber jenen katholischen Kräften, die die Gedenkstätte derzeitig offenbar sehr fest in ihren alleinigen Händen halten. Für okkulte Priesterschaften haben ja solche Orte, die für "undisziplinierte" heidnische Religiosität stehen, "magische" Bedeutung ...

Man darf gespannt sein, wie diese fein abgestimmten "Spielchen" unter der Regie "derer, die dahinter stehen", weiter gehen.

Für die Hintergrundmächte steht nämlich auch jenseits solcher "Nibelungenkämpfe" viel auf dem Spiel. Sie betreiben gerne zum Beispiel Freimaurer-Museen und -Denkmäler. Die sie dann auch gerne auf Staatskosten renovieren lassen. Aber sie haben es natürlich ganz und gar nicht gern, wenn in "Gedenkstätten" von Freimaurer-Kritikern tatsächliche und echte Tage der Offenen Tür stattfinden würden und wenn diese eine größere Resonanz hätten als etwa Buchlogen in Leipzig. Ihnen kann nichts lieber sein als Katakombenluft. In dieser fühlen sie sich noch am wohlsten. Und somit ist wohl bezüglich des "Ludendorff Gedenkstätte e.V." bis auf Weiteres alles Nötige veranlasst.

// Ergänzung vom 14.5.2016: Dass der bayerische Rundfunk ausgerechnet den Journalisten Julian Feldmann dort hinschickte, der offenbar auch im Film zu sehen ist mit dem Mikrofon, und wie wir erst jetzt erfahren, gehört wahrscheinlich auch zu der zuletzt skizzierten - - - "Methode". Denn Julian Feldmann ist kein Journalist mit einem wenigstens "einigermaßen" neutralen Hintergrund. Er hat seinen Ruf weg. Mit ihm konnte man nur erreichen, dass die Gegensätze zwischen der Öffentlichkeit und dem Gedenkstätten-Verein weiter aufgeschaukelt werden. Mit gerade seinem Auftreten gab man diesem Verein weiteres Rechtfertigungsmaterial dafür, dass er richtig handeln würde. - - - Also auch hier wieder einmal: Gut gemacht, "Qualitätspresse". Gegensätze aufschaukeln könnt ihr. Was könnt ihr eigentlich noch? //

Freitag, 1. Mai 2015

"Ludendorffs fernöstlicher" - buddhistisch-imperialistischer - "Freund"

Schreibt ein Autor von "Mensch und Maß" auch für das Muslim-Forum?

In der Zeitschrift "Mensch & Maß" (der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung) erscheint in der April-Folge dieses Jahres der Aufsatz eines "Dr. Josef Haas" mit dem Titel "Ludendorffs fernöstlicher Freund" (1). In ihm wird der japanische General Ishiwara Kanji (1889-1949) (Wiki) vorgestellt. Und zwar hier als ein "Freund" - oder doch zumindest "Sympathisant" - Erich Ludendorffs. Allerdings wird an keiner Stelle genannt, womit denn diese Freundschaft oder Sympathie nun belegt werden soll, wodurch sie dem Autor bekannt geworden ist. Sie wird einfach nur rundweg behauptet und unterstellt. Es wird auch kein Literaturnachweis für sie gegeben. Sie wird nicht näher charakterisiert und es wird auch nicht auf etwaige mündliche Überlieferungen verwiesen.

Noch merkwürdiger aber ist, daß in dem Aufsatz mit keinem distanzierenden Wort darauf hingewiesen wird, daß auch vorgebliche "Freunde" Erich Ludendorffs diesen gerne einmal sehr falsch verstanden haben. Dafür könnten ja viele Beispiele angeführt werden. (Hier auf dem Blog etwa behandelt: Wilhelm Breucker.) Daß ein solcher Fall auch bei Ishiwara Kanji vorliegen würde - sofern denn Kanji überhaupt sich bis Lebensende als ein Sympathisant oder Freund Ludendorffs bezeichnet haben sollte - wäre doch wichtig herauszustellen.

Nach diesem Aufsatz (1) soll Kanji 1922 als japanischer Militärattaché in Berlin oft nach München gefahren sein, um Erich Ludendorff zu besuchen. Erich Ludendorff habe das in seinen Lebenserinnerungen aber nicht erwähnt (1, S. 203):

Auch nach seiner Rückkehr nach Japan war Ishiwara Kanji darauf bedacht, diese seine Verbindung zum Feldherren, der damals noch dem deutschen Reichstag angehörte, nicht abreißen zu lassen.
Erich Ludendorff war Reichstagsabgeordneter zwischen dem Mai 1924 und dem Mai 1928, hat sein Mandat aber in späterer Zeit nicht mehr wahrgenommen. Im Aufsatz heißt es weiter:
Erwiesenermaßen
- ja, aber wodurch erwiesen? -
bewahrte sich dieser japanische Militärstratege die Sympathie zu Erich Ludendorff dann bis zum Tode.
Abb.: Kanji Ishiwara

Aber welcher Natur sollte diese Sympathie dann gewesen sein? Es erfolgt im weiteren Aufsatz dann auffälliger Weise keinerlei Distanzierung zu dem buddhistisch unterlegten japanischen Imperialismus, für den Kanji stand (Wiki). Kanji war Anhänger des Nichiren-Buddhismus, dem übrigens noch heute japanische Regierungsmitglieder anhängen sollen.

Es wird vielmehr der Eindruck erweckt, als habe sogar die Wochenzeitung TAZ (20.11.2012) Kanji gegen den Vorwurf des Imperialismus in Schutz genommen. Allerdings hat die TAZ nur korrekt darauf hingewiesen, daß sich Kanji während des Zweiten Weltkrieges im vorzeitigen Ruhestand befand und deshalb nur schwer für den Imperialismus Japans seit 1939 verantwortlich gemacht werden kann - wohl aber für den vor 1939. Letzteren nennt sie dementsprechend auch "panasiatisch-faschistoid".

Auslöser dieser Erörterungen über die geschichtlichen Bedeutung von Kanji war eine sehenswerte französische Fernsehdokumentation aus dem Jahr 2012, die seit 2017 auf Youtube zugänglich ist (5).

Um in all diesen Dingen zu sachgerechten Berurteilungen zu kommen, wäre sicherlich noch einmal wertvoll zusammenzustellen, wie Erich Ludendorff selbst den japanischen Imperialismus genauer bewertet hat über sein Leben hinweg. Er war ja schon als junger Generalstabsoffizier mit ihm befaßt. Aber insbesondere seine Bewertungen ab Anfang der 1930er Jahre, als er die religiösen Hintergrundkräfte auch in der Politik Japans genauer in Augenschein nahm (6). Er ging davon aus, daß derartige buddhistische Kräfte in internationalen Verbindungen zur tibetischen Priesterkaste standen, die ebenso auch in der muslimischen Welt und in Westeuropa wirksam wären (s. seine Schrift "Europa den Asiatenpriestern?") (s. a.: 6). Schon in seiner Zeitschrift "Quell" vom 20. Mai 1934 schrieb Erich Ludendorff in seinem politischen Überblick „Völker Europas!“ über Japan (Hervorhebung nicht im Original) (zit. n. 6, S. 398f):

Immer wieder, auch vorstehend, habe ich vor den kriegerischen Gefahren gewarnt, die den Völkern Europas von Sowjetrußland und auch von Japan drohen können. (…) Japan ist weiter im Wachsen. Jetzt hat es das Protektorat über China erklärt. (…) Die meisten Völker buhlen um die Gunst Japans. Immer mehr richtet sich die Aufmerksamkeit der politischen Welt auf Tokio. So hat sich bereits die Weltlage verschoben! Verstehen die überstaatlichen Mächte nicht, was auch für sie solch eine Stärkung Japans bedeutet? Oder glauben sie durch Geheimorden und okkulte Verbindungen auch schon diesen Staat in der Hand zu haben, ihn immer schärfer auf imperialistische Wege zu drängen und sein Volkstum immer mehr unterhöhlen zu können? Hoffen sie, daß ihnen auf diesem Wege auch die ostasiatischen Völker in den Schoß fallen, wie es die europäischen getan haben?

Wenn hier Ludendorff schreibt von "auch" diesen Staat, dann unterstellt er natürlich stillschweigend, daß andere Staaten durch Geheimorden und okkulten Verbindungen längst in der Hand überstaatlicher Mächte sei. Deutlicher konnte er sich zur überstaatlichen Steuerung des Dritten Reiches natürlich damals öffentlich nicht aussprechen, wenn seine Zeitschrift nicht verboten hätte werden sollen. Aber wer Ohren hatte zu hören, der hörte es ja auch so.

In dem Band, aus dem hier zitiert wird (6) fällt das Stichwort Japan über hundert mal. Erich Ludendorff hat sich also sehr intensiv mit der damaligen Rolle Japans im Weltgeschehen befaßt. Und es ist nicht ausgeschlossen, daß seine Stellungnahmen zur japanischen Politik auch in Japan selbst gelesen worden sind, vielleicht sogar von Kanji selbst.

Um jedenfalls die "Freundschaft" des Kanji Ishiwara zu Ludendorff sachgerecht einzuordnen, wäre eine sehr differenzierte Sichtweise zunächst auf Ludendorff notwendig. Eine solche wird in dem Aufsatz des "Dr. Josef Haas" nicht gegeben, eines Autors, der äußerlich "den Feldherrn" zu verehren vorgibt, aber nichts darüber mitteilt, wie der hier angeblich verehrte Feldherr einen buddhistisch unterlegten japanischen Imperialismus beurteilt hat.*)

Der "deutschsprachige Gottesehrfürchtige" "Dr. Josef Haas"

Solche Umstände lassen nach dem Autor "Dr. Josef Haas" selbst fragen, der sich als einen Verehrer des "Feldherren" ausgibt. Im letzten Absatz dieses Aufsatzes bezeichnet er das Japan seit 1945 sehr kurz und bündig als "amerikanisches Protektorat". Das kann man ohne Frage tun. Man kann es aber gerne auch noch ein wenig differenzierter ausdrücken. Jedenfalls deutet sich in einer solchen kurzen und bündigen Wortwahl schon ein sehr charakteristisches und wohl wenig differenziertes, eher plakatives politisches Weltbild an.

Sucht man aber nun, hellhörig geworden, im Internet nach einem "Dr. Josef Haas" gemeinsam mit dem Suchwort "Amerika", wird man schneller fündig als gedacht, nämlich mittels vieler Suchergebnisse auf einer Internetseite, die sich folgendermaßen ankündigt:

Muslim-Forum
Willkommen im Forum der Muslime für deutschsprachige Gottesehrfürchtige
Alle Autoren des Forums zeichnen mit ihrem realen Namen

Der Ton auf dieser Internetseite ist ziemlich "radikal", nicht zuletzt auch der des Autors "Dr. Josef Haas". Ein kleiner Beitrag vom 4.11.2014 etwa ist betitelt "Neues von den Perversen". In ihm ist von dem "zionistischen Terrorregime" Israels über die Palästinenser die Rede. Auch dies ist von der Wortwahl her alles mehr als plakativ und viel zu wenig differenziert als daß da jemand wirklich scheint ernst genommen werden zu wollen.**) Vielmehr scheint es darum zu gehen, Emotionen aufzuputschen, zu polarisieren. Altbekannte Methoden.

Erinnerungen an Johann von Leers kommen auf ...

Ein deutschsprachiger Muslim als Autor der Ludendorff-Bewegung? Mit plakativer, wenig differenzierter, eher provozierender Ausdrucksweise? Kommt einem das nicht irgendwie bekannt vor?

Nun, solch ein radikaler Antizionismus vom Standpunkt eines Muslimen deutscher Herkunft in einem recht ähnlichen Tonfall wäre aus der Geschichte der Ludendorff-Bewegung sogar sehr gut bekannt. Ende der 1950er Jahre hatte der Verleger der Vorgänger-Zeitschrift von MuM, nämlich des "Quell", den von Argentinien nach Ägypten emigrierten ehemaligen Nationalsozialisten und Muslim Johann von Leers um Mitwirkung in der Zeitschrift "Quell" gebeten. Und diese Mitwirkung fiel dann so plakativ und undifferenziert, sprich hetzerisch aus, daß der Verleger Franz von Bebenburg 1960 vor Gericht dafür verurteilt wurde. Sozusagen als Steilvorlage für das Verbot der Zeitschrift und des "Bundes für Gotterkenntnis" ein Jahr später, im Mai 1961 ... (2-4) (aber zu dem Thema ist noch nicht alles bislang für diesen Blog Erarbeitete veröffentlicht).

Und "zufälligerweise" war der schlimmste dieser Hetzartikel in die Zeitschrift gekommen vorbei an dem damals verantwortlichen Schriftleiter (Walter Löhde), was zuvor noch niemals gesschehen war. Gewiß, "Zufälle" gibt's ...


/Ergänzt um 
Literaturangaben 
4 und 5 am 10.6.2018/
_____________________________________

*) Natürlich ist es sinnvoll zu fragen, wie sehr sich Kanji bei seiner Politik in der Mandschurei ein Vorbild genommen hat an Ludendorff und seiner Verwaltung von "Ober-Ost" 1914/15. Sollte er aber an den zeitgenössischen Stellungnahmen Ludendorffs dabei dann gar nicht mehr interessiert gewesen sein?
**) In der Nähe von Bamberg wohnt der Dozent und Politologe Dr. Josef Haas (SPD, geb. 1954) ("Hobby: Zeitgeschichte"), dessen Vortragsthemen ("Arabischer Frühling" etc.) gut zu den Themen des Dr. Josef Haas auf dem "Muslim-Forum" passen.  
________________________________________________
  1. Haas, Josef: Ludendorffs fernöstlicher Freund. In: Mensch und Maß, Folge 4, April 2015, S. 202-206
  2. Bading, Ingo: Die Regie hinter dem Dritten Reich mit Hilfe des deutschen Widerstandes. Auf: Scribd.com, 26.11.2013
  3. Bading, Ingo: Ein monströser Judenhasser - Tiefer Blick in die Geschichte des III. Reiches. Rezension zu:  Marco Sennholz' "Johann von Leers - Ein Propagandist des Nationalsozialismus" (2013). Auf Amazon.de, 4.12.2013 
  4. Bading, Ingo: "Wie der deutsche Geheimdienst den Alliierten half, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen" - Canaris benutzte einen leicht entzifferbaren Funkcode - absichtlich. Auf: GA-j!, 29. Juni 2014
  5. Birolli, Bruno; Jenkins, Paul und andere: Ishiwara Kanji - Ein General bricht den Zweiten Weltkrieg vom Zaun. Arte Frankreich 2012, https://youtu.be/kmkfE4Z2spw.
  6. Ludendorff, Erich und Mathilde: Satanistische Okkultlogen in der Weltpolitik. Völkische Hintergrundpolitik-Kritik der Jahre 1934 bis 1941. Zusammengestellt und erläutert von Ingo Bading. 2013, http://www.lulu.com/spotlight/studium_generale

Mittwoch, 9. Januar 2013

Erneut üble "Schmähungen der NSDAP und Adolf Hitlers"

Unerhört! Und durch wen? - "Wieder einmal" durch die Ludendorff-Bewegung! Zeter mordio!

Oder: Eigenartige Neuigkeiten aus der Wissenschaft. Die teilweise reichlich "merkwürdige" Begriffsverwendung der Bettina Amm und der "merkwürdige" Tenor in ihrer Anlayse der Ludendorff-Bewegung im Dritten Reich

Der neu erschienene Aufsatz der Historikerin Dr. Bettina Amm über "Die Ludendorff-Bewegung im Nationalsozialismus" (1) enthält mancherlei interessante Inhalte, die an anderer Stelle noch einmal erörtert werden sollen.

Abb. 1: Antiklerikale Karikatur - Wochenzeitung "Volkswarte", 14. 3. 1958 - Zeichner: Hans Günther Strick

Im vorliegenden Beitrag soll zunächst nur die reichlich zu Verwunderung Anlaß gebende Tatsache behandelt werden, daß in ihm ohne weitere Erörterung Ausdrücke verwendet werden wie "Schmähungen" (1, S. 129, 130, 131) oder "Hetzpropaganda" (1, S. 133, 136). Ein recht auffallender Befund! Hatte doch schon der evangelische Theologe Frank Schnorr in seiner Dissertation über Mathilde Ludendorff aus dem Jahr 2002 soweit übersehbar eine solche Sprache - man möchte sagen: natürlich - nicht benutzt. Er spricht durchgängig und wissenschaftlich angemessen zurückhaltend bis neutral von "polemischen Schriften" Erich und Mathilde Ludendorffs (7).

"Schmähkritik" ist ja auch von juristischer Bedeutung (s. Wikip.). Allerdings wird der Begriff der "Schmähung von Religionen" heute insbesondere in Bezug auf das Thema Islamkritik diskutiert. In der FAZ war vor einigen Monaten zu lesen (FAZ, 17.9.2012):

... Besondere Sprengkraft entfaltet die Schmähung von Religionen. Strenggenommen geht es dabei vor allem um eine einzige - den Islam. Denn das Verächtlichmachen des Christentums gehört auch im Westen zum Standardprogramm kritischer Aufklärung.  

"Standardprogramm kritischer Aufklärung". So möchte man es doch wohl auch meinen. Und angesichts dieses fast seit Jahrhunderten üblichen "Standards" fragt es sich nun, welches Selbstverständnis eigentlich die Historikerin Bettina Amm hinsichtlich desselben hat. In ihrem Aufsatz erörtert sie dies an keiner Stelle. Man kann dasselbe nur implizit ihren Worten und Ausführungen entnehmen, sowie dem Gesamttenor des Aufsatzes überhaupt. Denn ganz besondere Merkwürdigkeit entfaltet ihre Begriffsverwendung, wenn sie nicht nur von einer "Schmähung" der Religionen oder der Kirchen spricht. Sondern im gleichen Atemzug auch von einer "Schmähung" der NSDAP und ihres - offenbar gottgesandten (?) - Führers Adolf Hitler!

"Schmähung" ist ein anderes Wort für "Beleidigung", "Beschimpfung", "Erniedrigung", "Verunglimpfung", "Verlästerung", "Herabsetzung" etc.. Der offenbar gottgesandte Führer Adolf Hitler und seine glorreiche Partei sind also von der Ludendorff-Bewegung - - - "geschmäht", verunglimpft worden. Unglaublich, möchte man ausrufen! Wie konnte sie es nicht unterlassen, den gottgesandten Führer Adolf Hitler Jahre lang herabzusetzen und ihn der übelsten Pläne und Machenschaften zu verdächtigen. Einfach unglaublich das!

Nicht zuletzt in einer solchen "tendenziellen" Wortverwendung, wie sie eigentlich "tendenzieller" nicht gedacht werden kann, liegt es begründet, daß sich der Artikel von Bettina Amm über weite Strecken überraschenderweise so liest wie ein Artikel aus der Zeit des Kulturkampfes oder des Kirchenkampfes selbst - also aus längst vergangenen Jahrhunderten. Im ersten Augenblick möchte man sagen: Wird so heute katholische Lobbyarbeit betrieben? Aber bei genauerer Überlegung mutet ein solches Vorgehen zunächst viel zu plump und naiv an, um es als einer bewußten Lobbyarbeit entsprungen anzusehen. (Aber wer weiß, womit man heute alles rechnen muß ...? Vielleicht haben sich irgendwelche Kreise gesagt: Probieren wir's doch einfach mal so. Wird schon keiner merken ... - ?)

Nein, nicht wie ein abgewogener Artikel aus heutiger Sicht und in abgeklärter, rückschauender Betrachtung schreibt Bettina Amm über weite Strecken. Und sie macht sich und anderen in sehr verräterischer Weise offenbar auch gar nicht die Prämissen klar, aus denen heraus sie urteilt. Auch scheint das jenen Historikern, die diesen Aufsatz als einen Vortrag auf einer Tagung sich angehört haben und die denselben in ihren Sammelband aufgenommen haben, kaum aufgefallen zu sein. (- ?)

Klerikalfaschismus - in der heutigen Wissenschaft?

Sind die Prämissen dieses Aufsatzes wirklich die Prämissen offener, demokratischer Gesellschaften, in denen Meinungsfreiheit herrscht, und in denen - auch, natürlich: auch - die katholische Kirche "nach Herzenslust" kritisiert werden kann? (Vergleiche dazu auch die beiden Karikaturen aus der Ludendorff-Bewegung der 1950er Jahre in Abb. 1 und 2, die so treffend noch auf die heutige Zeit passen.) In der die strikte Trennung von Kirche und Staat gefordert werden kann? In der Schwarze Pädagogik (Wiki) ebenso kritisiert werden kann wie sexuelle und sonstige Gewalt gegen Kinder? Oder die Liguori-Moral (Wiki), bzw. überhaupt die Moral der katholischen Kirche und der Bibel? In der die Kirchengeschichte kritisch behandelt werden kann?

Steht die Autorin Bettina Amm über weite Strecken wirklich auf dem Boden des Grundgesetzes? Oder steht sie im Innersten ihres Herzens auf der Seite jener, die durch die Diktatur des Nationalsozialismus - und des Faschismus in anderen Ländern - alle Kritik am Christentum und an der katholischen Kirche geknebelt wissen wollten? (- Oder gar: wollen?) Genau so nämlich liest sich ihr Artikel in einem neuen wissenschaftlichen Sammelband (1).

Erich Ludendorff hat, wie Bettina Amm vielleicht wissen könnte, die letztgenannte Gruppierung, also jene, die durch die Diktatur des Nationalsozialismus die Kritik am Christentum und an der katholischen Kirche geknebelt wissen wollte, oder die begrüßte, daß der Antritt des Dritten Reiches damit verbunden sein würde, unter anderem in einem Leitartikel gegeißelt mit dem Titel "Nationalsozialisten als Würger" (in seiner Wochenzeitung vom 20. März 1933 als Leitartikel). Dieser Artikel behandelte die freudige Erwartung auch auf Seiten evangelischer (!) Kirchenkreise, nämlich des evangelischen Presseverbandes im Februar 1932, daß das kommende Dritte Reich auch die böse, böse und kirchenkritische Ludendorff-Bewegung abwürgen würde.

Und Bettina Amm ist nun eine späte (- oder frühe?) Sympathisantin dieser - letztlich typisch klerikalfaschistischen - Kreise - ? Oder macht sie sich - und machen sich ihre Kollegen - nicht klar, was ihre Worte implizieren? Sie implizieren eine Zustimmung zur Geistesknebelung durch den Nationalsozialismus.

Kritik an Hitler und der Kirche - wurde sie mit Recht unterdrückt?

An keiner Stelle verdeutlicht nämlich Bettina Amm, mit welchem äußeren oder inneren Recht die Nationalsozialisten der Meinungsfreiheit der Ludendorff-Bewegung Einschränkungen hätten auferlegen dürfen oder sollen. Stärker noch Einschränkungen auferlegen, als dies während der gesamten Weimarer Republik geschehen war. Und sie verdeutlicht nicht, mit wieviel etwaigem "Unrecht" Erich Ludendorff dagegen dann auch noch protestierte. Wie konnte er!? Sie erörtert etwa die ganze damalige Problematik der "Gotteslästerungs-Paragraphen" an keiner Stelle. Eine Problematik, die Erich und Mathilde Ludendorff Jahre lang kontinuierlich im Auge behielten, nachdem Mathilde Ludendorff um einer Buchrezension willen auf Anregung des bischöflichen Ordinariats München wegen Gotteslästerung angeklagt worden war (vgl. ihre Schrift "Angeklagt wegen Religionsvergehen").

Die damalige Ludendorff-Bewegung nahm gegenüber dem Nationalsozialismus und gegenüber der katholischen Kirche nur jene Meinungsfreiheit für sich in Anspruch, jenes "Standardprogramm kritischer Aufklärung", wie sie damals alle gesellschaftlichen Gruppen für sich in Anspruch nahmen, die sich nicht bigotter christlich und/oder klerikalfaschistisch gaben, als es unbedingt hätte sein müssen (siehe auch: 2).

Abb. 2: Karikatur - Wochenzeitung "Volkswarte", 31. 1. 1958 - Zeichner: Hans Günther Strick

Man erinnert sich nicht, jemals im wissenschaftlichen Schrifttum über die Geschichte der Ludendorff-Bewegung derartige Vorwürfe und einen solchen Tenor überhaupt gelesen zu haben. Aber vielleicht hat man das nur überlesen? Vielleicht hat man nur an der falschen Stelle gelesen? Vielleicht hätte man häufiger Kreuz.net oder Verlautbarungen der Pius-Bruderschaft lesen sollen? Und vielleicht hätte Bettina Amm dort publizieren sollen, anstatt mit einem solchen Tenor in wissenschaftlichen Sammelbänden zu publizieren?

Wer es mit Häme begrüßt, wenn Kirchen- und Christentumskritik schlechthin mit Hilfe von Diktatur unterdrückt wird, was soll man denn von einem solchen Menschen denken? Heutzutage - ? Was ist einem solchen Menschen sonst noch alles zuzutrauen? Und seinem - offenbar religiös motivierten - Denken?

"Écrasez l'infâme!" - "Zermalmt die Niederträchtige!"

Bettina Amm zeigt ja gar nicht auf, welche Komponenten der Kritik der Ludendorff-Bewegung an der katholischen Kirche (oder gar an Adolf Hitler!) etwa im heutigen Sinne oder im Sinne der Weimarer Verfassung verfassungsfeindlich gewesen sein könnten. Oder was etwa sogar ein "Standardprogramm kritischer Aufklärung" weit überschreiten würde. Diese Mühe gibt sie sich ja nirgendwo. Und dies aufzuzeigen, eine Grenze aufzuzeigen zwischen berechtigter Kirchenkritik und unberechtigter, wäre das erste Erfordernis, bevor man so freiweg und pauschal von "Schmähungen" und "Hetzpropaganda" schreibt.

Eine solche Unterscheidung dürfte auch gewiß nicht ganz einfach sein und ist wohl auch noch nirgendwo in der wissenschaftlichen oder juristischen Literatur umfangreicher versucht worden. Die Ludendorff-Bewegung wandte sich ja deshalb auch zu allen Zeiten gegen die Verschärfung von "Gotteslästerungs-Paragraphen". Denn sie wollte ebenso klar und deutlich wie Voltaire sagen dürfen: "Écrasez l'infâme!" "Zermalmt die Niederträchtige!"

Immer wieder sieht man Anlaß für die Vehemenz einer solchen Forderung. Zuletzt - und immer noch - der fortdauernde Umgang der katholischen Kirche weltweit mit der Mißbrauchs-Debatte. Und damit ist nur ein einziger Anlaß genannt. Bettina Amm hätte vielleicht einmal die Berliner Anti-Papst-Demo (GAj2011) im letzten Jahr besuchen sollen, wo ein als Bischof verkleideter Demonstrant mit der Klobürste das Weihwasser auf alle Mitdemonstranten verteilte (GAj2011)? Natürlich auch "Hetzpropaganda" und "Schmähungen" übelster Art. Klar! Aber was haben solche Beurteilungen in wissenschaftlichen Arbeiten zu suchen? Zumal in der heutigen Zeit in - - - nichtislamischen Ländern?

"Das Haus Ludendorff konnte sich nicht enthalten zu schmähen"

Wenn die Ludendorff-Bewegung in der Demokratie der Bundesrepublik verboten worden ist, so doch nicht wegen ihrer Kritik an der katholischen Kirche!? Oder ist einem da etwas völlig entgangen? Das ganze liest sich dann bei Bettina Amm jedenfalls so (1, S. 129):

Das Haus Ludendorff konnte sich nicht enthalten, zahlreiche Schmähschriften gegen die NSDAP und auch Hitler zu veröffentlichen ...
- Gemeint ist noch die Zeit vor 1933. "Schmähschriften"? Über die NSDAP und Hitler? Ist ja unerhört! (Die gleiche Wortwahl noch einmal auf S. 130.) Und dann weiter:
... natürlich hatte das unliebsame Folgen.

"Natürlich"! "Natürlich"! Allerdings. Außerordentlich nett! Faschismuskritik - nach den Worten von Bettina Amm "Schmähschriften" - hatten "unliebsame Folgen"!!!! Merkt denn Bettina Amm gar nicht, merken denn ihre Herausgeber gar nicht, was sie da niederschreibt? Leute landen im KZ. Leute kriegen von der SA die Hände gebrochen. Weil sie antikatholische und antiklerikale Karikaturen veröffentlicht hatten. Oder werden zusammengeschlagen. Nun, Bettina Amm sagt: "Natürlich hatte das unliebsame Folgen"!!!! So schreibt sie im Jahre 2012 nach Christi Geburt. Daß - schmähende - Mohammed-Karikaturen veröffentlicht wurden, hatte - "natürlich unliebsame Folgen". Was für ein Denken spricht sich aus in solchen Worten?

Nun. Ist ja "nur die Ludendorff-Bewegung", oder wie? Die Ludendorffs "konnten sich nicht enthalten", ihre Gegnerschaft publik zu machen! Was sollen denn all solche Redewendungen? Konnten sich auch die Sozialdemokraten - - - "nicht enthalten", ihre Gegnerschaft gegen die NSDAP publik zu machen? Und ... - - - - "natürlich hatte dies unliebsame Folgen"!? Sind wir schon wieder so weit? Daß in einer solchen Häme über Widerstand gegen den Nationalsozialismus geschrieben werden kann?

Unerhört, Erich Ludendorff änderte sein Verhalten nicht im Angesicht der Machtergreifung!

So lautet der Tenor der Bettina Amm über die Zeit der Heraufkunft der NS-Diktatur (1, S. 129):
Statt jedoch das Verhalten zu ändern, bereitete er (Ludendorff) sich auf ein solches Verbot vor.

Man hört es deutlich mit: Bettina Amm hätte es scheinbar lieber gesehen, wenn Erich Ludendorff sein Verhalten geändert hätte und die Nationalsozialisten und die katholische Kirche nicht kritisiert hätte - ? Insgesamt wirklich ein wenig absurd. Und keinem der beteiligten Historiker fällt das auch nur auf? Ist etwa alles allein durch die sehr offensichtlich prokatholischen Gefühle der Autorin entschuldigt? Ist denn Bettina Amm nicht geradezu ein klassisches Beispiel dafür, wie dicht katholisches Denken und geradezu das Herbeiwünschen von Diktatur noch heute sind? Wie aktuell klerikal-faschistisches Denken noch heute ist? Man entschuldige schon! "Statt jedoch das Verhalten zu ändern ..." steht da. Man entschuldige schon.

Bettina Amm führt dann weiter aus, daß viele Nationalsozialisten - wohlgemerkt: nach der Festigung ihrer Herrschaft! (was Bettina Amm nicht erwähnt!) - Kritik an der katholischen Kirche durchaus wieder duldeten oder gar gerne sahen. Natürlich nur, wenn dabei nicht mehr gleichzeitig auch die NSDAP kritisiert wurde. Natürlich! Einmal gebrochene Finger reicht ja wohl - oder? Und sie führt aus, daß der Tannenbergbund wegen seiner Kritik an der NSDAP, nicht wegen seiner antikatholischen Polemik verboten worden sei (1, S. 132). Das ist ihr also offenbar höchst wichtig. Warum bekommt man an dieser Stelle wieder das Gefühl, daß Bettina Amm es lieber gesehen hätte, wenn der Tannenbergbund wegen seiner antikatholischen Polemik schlechthin verboten worden wäre? Aber nein, so schreibt sie enttäuscht (1, S. 132):

... keineswegs sollte der "Kulturkampf" des Hauses Ludendorff davon betroffen sein!

Nämlich von dem Verbot des Tannenbergbundes. "Kulturkampf" soll heißen die Kritik der Ludendorff-Bewegung an der katholischen Kirche. Auch schon die "tendenziöse" Verwendung des Begriffes "Kulturkampf" ist kein wissenschaftlich neutraler Begriff in diesem Zusammenhang. Man spürt jedenfalls ein Bedauern in den Worten der Bettina Amm. Ein Bedauern, das ein wenig verräterisch ist bezüglich ihres Selbstverständnisses was - - - "Schmähungen der Religionen" betrifft. (Wobei die historische Richtigkeit des hier Behaupteten beileibe nicht bestätigt werden soll. Schließlich spricht Bettina Amm über die Zeit des Reichskonkordats und der "Gott segne unseren Führer Adolf Hitler!"-Euphorie in den christlichen Kirchen. Demgegenüber muß sich doch eine Bewegung und ihr Führer dankbar erweisen ...)

"Zügellose Hetzpropaganda gegen die katholische Kirche"

Und über die Zeit, nachdem sich auch der Ludendorffs Verlag den Bedingungen der - von vielen Beamten der evangelischen und katholischen Kirche begrüßten - Diktatur und Geistesknebelung untergeordnet hatte, um wenigstens noch insoweit zu wirken, wie es ihm möglich und sinnvoll erschien (unter, wie man unter Ludedorff-Anhängern und darüber hinaus sagte "Pfaffen- und Naziherrschaft") - über diese Zeit also schreibt Bettina Amm (1, S. 131):

Das Haus Ludendorff hatte innerhalb bestimmter Grenzen seine Lektion gelernt.

"Seine Lektion gelernt" - was spricht auch wieder aus diesen Worten!? In der Summe der Bewertungen und Redewendungen wird einfach deutlich, daß Bettina Amm diktatorischen Maßnahmen gegen Kirchenkritik keinesfalls abgeneigt gegenüber zu stehen scheint. Offensichtlich wäre Bettina Amm ganz damit einverstanden gewesen, wenn sich der Nationalsozialismus noch mehr als "Würger" antichristlicher und antikirchlicher Kritik betätigt hätte. Anders kann der Tenor ihrer Worte nicht verstanden werden. Sie schreibt dann schließlich sogar von einer (1, S. 133)

an Zügellosigkeit kaum zu überbietenden Hetzpropaganda gegen die katholische Kirche.

Natürlich wieder durch die Ludendorff-Bewegung. Ist ja wirklich unerhört so was! - Oder wie? Und so auch noch einmal an einer weiteren Stelle (1, S. 136). Womit wohl endgültig deutlich wird, daß solche Ausführungen auf Kreuz.net gehören, aber nicht in wissenschaftliche Publikationen.

Ist es "Hetzpropaganda" zu fragen, ob die Hölle ein Bestandteil der Kindererziehung sein sollte?

Wobei noch zu bemerken ist, daß die Kritik der Ludendorff-Bewegung an der katholischen Kirche gewiß nicht - wie Bettina Amm nahelegt - der Devisenschieber-Prozesse in jenen Jahren bedurft hätte, um ausreichend Anlaß zu Kritik zu finden. Die Devisenschieber- und Sittlichkeits-Prozesse waren innerhalb der Kirchenkritik der Ludendorff-Bewegung ein völlig untergeordnetes Thema. Aber natürlich ein auch behandeltes Thema.*) Das scheint Bettina Amm völlig entgangen zu sein. Warum auch hätte die Ludendorff-Bewegung dieses Thema nicht behandeln sollen? Aus heutiger Sicht hätte sie selbst - und jeder sonst - sich noch viel intensiver mit diesen Prozessen beschäftigen müssen, insbesondere die katholische Kirche selbst, ja, auch alle Kirchenkritiker (3-5)! Die Auswertung derselben stellt nämlich weiterhin - unter Kirchensympathisanten wie -kritikern - ein wissenschaftliches Desiderat dar (3-5).

Und ist es nicht - nur als Beispiel - auch heute noch zeitgemäß zu fragen, ob die Vorstellung von "der Hölle" ein "Bestandteil der Kindererziehung" sein sollte (1, S. 134)? Bettina Amm jedoch spricht stattdessen - einigermaßen süffisant - von "sensationelle(n) 'Enthüllungen'" (1, S. 134). Und reiht derartige Fragen offenbar ebenfalls ein unter die Kategorie "Schmähungen" und "Hetzpropaganda". In ähnlichen Zusammenhang scheint sie die von Mathilde Ludendorff kritisierte christliche Hexenverfolgung im Mittelalter einzuordnen (1, S. 134). Und kaum ein anderes inhaltliches Thema der Kirchen- und Christentumskritik der Ludendorffs wird in dem ganzen Aufsatz überhaupt nur benannt. Es wird auch nicht der Anflug einer Argumentation oder eines Beleges dafür geliefert, daß es sich bei der Kirchen- und Christentumskritik der Ludendorff-Bewegung um "Schmähungen" und "Hetzpropaganda" gehandelt habe. Das scheint für Bettina Amm so selbstverständlich wie wenig anderes zu sein.

Interessant ist es übrigens auch, daß Bettina Amm - aus ihrem offenbar katholischen Denken heraus - der Meinung ist, religiöse Schriften könnten die Macht eines (religiösen oder gar politischen) Führers "beschränken" (1, S. 128). Möchte sie damit sagen, daß die Bergpredigt die Macht eines religiösen oder politischen Führers "beschränkt" hätte? Aber bei genauerem Nachdenken wird klar: Religiöse Schriften stellen durchaus einen Machtfaktor dar, der andere Machtfaktoren einschränkt. Von solchen Machtfaktoren gibt es in der Geschichte natürlich viele. Von politischen, wissenschaftlichen, philosophischen oder Gesetzes-Schriften könnte das gleiche gesagt werden. Warum sind ihr gerade die religiösen so wichtig? Und vor allem käme es ja doch immer darauf an, in welchem Sinne Macht beschränkt - oder, was ja im Gegenteil auch ganz genauso der Fall ist - Macht erweitert wird durch einen bestimmten Machtfaktor, etwa "Schriften".

Wenn etwa die Macht der deutschen Kaiser im Investiturstreit "beschränkt" wurde, dann wurde sie beschränkt vornehmlich durch die Herrschgier der Priester, die sich auf religiöse Schriften berufen haben, nicht durch die Existenz religiöser Schriften an sich. Aber vielleicht meinte Ernst Troeltsch, auf den sich Bettina Amm bei dieser Behauptung beruft, vor allem auch ein eher protestantisches Prinzip. Die Buchstabengläubigkeit protestantischer Gruppierungen bis hin zur Bekenntniskirche, ihre Störrischkeit und Eigensinnigkeit haben natürlich auch einen für andere Gruppen machteinschränkenden Machtfaktor dargestellt, ohne Frage. Man wird das alles noch einmal bei Ernst Troeltsch nachlesen müssen, worauf Bettina Amm hier wirklich gezielt haben könnte.

Heute jedenfalls, so möchte man meinen, werden es doch vor allem Gesetzesschriften und juristische Schriften sein, sowie Meinungs- und Informationsfreiheit, eine freie Presse und aufgewachte und engagierte Bürger, die die Macht eines (religiösen oder gar politischen) Führers "beschränken" können. Nicht gerade und ausgerechnet - - - religiöse Schriften!

Vom Tenor jedenfalls über weite Strecken wirklich etwas sonderbare, merkwürdige - Neuigkeiten aus der Wissenschaft.

Nachtrag (Literaturhinweis)

*) (16. 1. 2013): Eine 2004 erschienene Dokumentation zur Thematik (6), auf die Bettina Amm womöglich noch gar nicht aufmerksam geworden ist, die sie jedenfalls in ihrem Aufsatz nicht zitiert, dokumentiert auf etwa 200 Seiten jeweils fast tagesaktuelle Stellungnahmen Erich und Mathilde Ludendorffs zum Kirchenkampf, bzw. allgemeiner zu allen Fragen rund um die "Glaubenskrise im Dritten Reich" und zur damit verbundenen ersten großen Kirchenaustrittswelle in Deutschland (ab 1935). Darin sind enthalten vor allem aktuell und nicht in Buchform behandelte Themen im Zusammenhang von Kirchen- und Christentumskritik. Der Fokus dieser Dokumentation liegt zwar nicht auf der Auseinandersetzung mit der katholische Kirche. Würde diese Auseinandersetzung jedoch zusätzlich vollständig dokumentiert, würde darin der Anteil der Stellungnahmen und Berichte über die Devisenschieber- und Sittlichkeitsprozesse noch mehr zu einer Nebensächlichkeit versinken, als er schon in diesem Band tut. In dem Band sind solche Stellungnahmen auf etwa drei von 200 Seiten dokumentiert (6, S. 186, 188, 198, 202f).

Im Anhang dieses Bandes (6, S. 317 - 320) werden unter "Nachweise zu in diesem Band nicht ausführlich behandelten Themen" fünf Aufsätze zum Themenbereich "Aufklärung über den christlichen Hexenglauben", 20 Aufsätze zum Themenbereich "Kampf gegen den Gotteslästerungs- bzw. Ketzer-Paragraph 166", acht Aufsätze zu "Kirchensteuer-Fragen", 14 Aufsätze zum Themenbereich "Kampf gegen die Teilnahme-Pflicht der Kinder am christlichen Religionsunterricht", vier Aufsätze zum Themenbereich "Skandal-Prozesse gegen die katholische Kirche: Devisenvergehen und § 175" (!), elf Aufsätze zum Themenbereich "Auseinandersetzung um die (bibelkritische Schrift) 'Das große Entsetzen - Die Bibel nicht Gottes Wort!" angeführt.

Wenn diese Studie also einigermaßen ordentlich sollte erarbeitet worden sein und damit diese Nachweise einigermaßen vollständig wären, würde sich ungefähr ein Überblick ergeben über den umfangmäßigen Anteil der Behandlung der jeweiligen Themen an der "Gesamtproduktion". Die Behandlung der Thematik der Devisenschieber- und Sittlichkeitsprozesse würde also keineswegs heraustechen, sondern würde sich vielmehr als durch und durch "randständig" erweisen. Zumeist viel grundlegendere Fragen würden weitaus umfangreicher behandelt. Womöglich wäre es also dienlich gewesen, wenn sich Bettina Amm zunächst einmal auch in diesem Band einen Überblick verschafft hätte, ihn womöglich kritisch überprüft und rezensiert hätte, bevor sie ihren eigenen Aufsatz verfaßte und darin - ohne jede schriftlich niedergelegte Argumentation, Reflexion oder Begründung - Begriffe verwendete wie "Hetzpropaganda".

- Wie konnte ihr dieser Band aus dem Jahr 2004 eigentlich entgehen, wo er schon seit mehreren Jahren beispielsweise auf dem Wikipedia-Artikel zu Mathilde Ludendorff verzeichnet ist und auch auf dem "Karlsruher Virtuellen Katalog" derzeit neun mal für den deutschsprachigen Raum katalogisiert ist? Nämlich für die Nationalbibliotheken von Leipzig und Frankfurt am Main, die Universitätsbibliothek Gießen, die Erzbischöfliche Dombibliothek Köln, die Bibliothek der Evangelischen theologischen Fakultät Tübingen, die Fachbereichsbibliothek Geschichte der Universität München, die Landesbibliothek Kiel, die Universitätsbibliothek Greifswald und die Bibliothek des Konservatismus Berlin.

Eine Durchsicht dieses Bandes jedenfalls ergibt auf den ersten Eindruck keineswegs, daß es sich hier in der Mehrheit der Texte um oberflächliche, argumentativ billige "Hetzpropaganda" handelt. Sondern um durch und durch rationale, nachvollziehbare Stellungnahmen zu den öffentlich breit erörterten Fragen jener Zeit. Und wenn Erich Ludendorff etwa im Dezember 1933 einen Leitartikel über die Vorgänge in der evangelischen Kirche unter der Überschrift "Es kracht!" erscheinen ließ, so konnte, wie man in diesem Band nachlesen kann (6, S. 81), auch noch ein Wilhelm Niemöller in einer kirchengeschichtlichen Darstellung des Jahres 1948 diese Worte aufgreifen, sie am Anfang seines eigenen diesbezüglichen Kapitels zitieren, um dann weiter ausführen: "Es krachte wirklich." Und auch für die Kapitelüberschrift selbst wählte er die Charakterisierung Erich Ludendorffs, wenn er es nannte: "Der große Krach". - "Hetzpropaganda", übernommen von einem der bedeutendsten Historiker des Kirchenkampfes? Dies nur als ein Zeugnis dafür, daß die Stellungnahmen des "Hauses Ludendorff" zum Kirchenkampf und der nachfolgenden Kirchenaustrittsbewegung durchaus auf zustimmenden Widerhall stoßen konnten selbst unter führenden Vertretern der evangelischen und der bekennenden Kirche. (Wilhelm Niemöller war ja der Bruder von Martin Niemöller.)

Ergänzung (20.5.2015)

Bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass Bettina Amm ihren Artikel auch sonst nicht sehr gründlich recherchiert hat. So finden sich folgende grotesken Falschbehauptungen (S. 146f):

Sie versucht, ihre durch "Ahnungen" und "überwache" Zustände gewonnenen "Erkenntnisse" wissenschaftlich zu unterlegen.

"Unterlegen" klingt mißverständlich. Wichtig war Mathilde Ludendorff vor allem - und bleibt entsprechend des Grundansatzes ihres philosophischen Denkens bis heute, daß die philosophischen Erkenntnisse nicht im Widerspruch zum naturwissenschaftlichen Kenntnisstand der Zeit stehen dürfen (wie die überkommenen religiösen Lehren). Außerdem können sich nach Mathilde Ludendorff philosophische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse sehr oft sinnvoll gegenseitig befruchten, ergänzen und erläuterndes Licht aufeinander werfen. Bettina Amm schreibt in den beiden Folgesätzen:

Sie (...) zieht auch die Astrophysik hinzu, wobei sie sich hier auf den Astrophysiker Hans Ludendorff, den Bruder Erich Ludendorffs, stützte.

Das ist eine Falschaussage, die zeigt, wie schlecht Amm recherchiert hat. Mathilde Ludendorff widmete dem Astronomen Hans Ludendorff zwar anläßlich seines Todes im Jahr 1941 ihr Buch "Siegeszug der Physik", bezog sich in ihm aber nirgendwo inhaltlich auf speziell seine Forschungen oder Veröffentlichungen. Denn diese waren nicht sehr grundlegender Art. - Aber noch eklatanter falsch recherchiert - und sozusagen gänzlich "neben der Spur" - ist der dann folgende Satz:

Zugleich scheute sie auch vor obskuren Lehren nicht zurück wie der Welteislehre Hanns Hörbigers, welche von Himmler innerhalb des Ahnenerbes gefördert wurde.

Genau das Gegenteil ist der Fall. Die Welteislehre wurde in der Halbmonatszeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Quell" in den 1930er Jahren vielmehr kritisiert wie viele ähnlich okkulte Lehren der damaligen Zeit.


/ Änderungen: 
9.2.12, 20.5.15, 29.7.25 /

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  1. Amm, Bettina: Die Ludendorff-Bewegung im Nationalsozialismus - Annäherung und Abgrenzungsversuche. In: Uwe Puschner und Clemens Vollnhals (Hg.): Die völkisch-religiöse Bewegung im Nationalsozialismus. Eine Beziehungs- und Konfliktgeschichte (Schriften Des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen (5. Dezember) 2012 (Google Bücher)
  2. Bading, Ingo: "Was Romherrschaft bedeutet" - Die antikatholische Stimmung in der Ludendorff-Bewegung - einige Zeugnisse. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 30. 9. 2011 
  3. Bading, Ingo: Ein Brief an Karlheinz Deschner. Auf: Wissen bloggt, 2. 5. 2012 
  4. Hockerts, Hans Günter: Die Sittlichkeitsprozesse gegen katholische Ordensangehörige und Priester 1936/1937. Eine Studie zur nationalsozialistischen Herrschaftstechnik und zum Kirchenkampf. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1971
  5. Bading, Ingo: Katholische Kirche - Kein Lernen aus der Vergangenheit? Schon 1936/37 ist Kindesmißbrauch in der römisch-katholischen Kirche breit und aufsehenerregend vor deutschen Gerichten behandelt worden. Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt! Teil 1, 1. 10. 2012, Teil 2, 2. 10. 2012 
  6. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Der Kampf um die geistige Führung zwischen dem Haus Ludendorff, dem Nationalsozialismus und den Kirchen. Zusammengestellt und erläutert von Erich Meinecke. Freiland-Verlag, Viöl 2004 
  7. Schnoor, Frank: Matilde Ludendorff und das Christentum. Eine radikale völkische Position in der Zeit der Weimarer Republik und des NS-Staates. Dr. Hänsel-Hohenhausen, Egelsbach u.a. 2002

Mittwoch, 11. April 2012

Eine WDR-Dokumentation über die Ludendorff-Bewegung (2011)

Eine ganz interessante Dokumentation eines Heiner Wember hat sich schon 2011 im WDR mit Erich und Mathilde Ludendorff und der Ludendorff-Bewegung beschäftigt (WDR, 25.5.11). Recht passend bebildert durch einen Youtube-Benutzer (Yt). Interessant ist diese Dokumentation insbesondere auch deshalb, weil sie sehr umfangreich die Historikerin Bettina Amm zu Wort kommen läßt, die 2006 eine Dissertation über die Geschichte der Ludendorff-Bewegung geschrieben hat (1).


Außerdem werden auch zwei originale Tonbeispiele von Erich Ludendorff selbst gebracht, zwei Sätze aus seiner Rede anläßlich seines 70. Geburtstages 1935 (etwa zwischen 8'15 und 9'30), die also in Rundfunk- und Filmarchiven vollständig vorzuliegen scheint (siehe auch früherer Beitrag).

Die Erfahrung zeigt, daß es bei diesem Thema nichts Ungewöhnliches ist, daß die Dokumentation auch vielerlei Irrtümliches enthält. So war - nur als Beispiel - Erich Ludendorff - natürlich - schon "völkisch", bevor er Mathilde Ludendorff kennenlernte, sonst hätte er schließlich nicht zusammen mit den "Völkischen" um Adolf Hitler 1923 den Hitler-Ludendorff-Putsch durchgeführt. Interessanterweise hatte er sich übrigens auch - laut seiner Lebenserinnerungen - schon lange vor dem näheren Kennenlernen seiner zweiten Frau mit den Werken von Charles Darwin beschäftigt.

Auch sind die Aussagen der Psychologie und Philosophie Mathilde Ludendorffs zur angeborenen seelischen Unterschiedlichkeit der Völker und ihres "Gotterlebens" differenzierter und weniger - sozusagen - "rassistisch", als dargestellt, weil darin nämlich ein großes Gewicht auf den philosophischen Nachweis des freien Willens des Menschen gelegt wird (siehe das Werk "Selbstschöpfung"), und weil deshalb notwendigerweise postuliert wird, daß jeder Mensch - egal welcher Rasse- und Volkszugehörigkeit - die Möglichkeit hat, gottnah und vollkommen oder das Gegenteilige zu werden.

Und weil ausgeführt wird, daß angeborene Anlagen auf diesem Weg ebenso entweder förderlich oder hinderlich sein können wie günstige oder ungünstige Umwelt- und Erziehungseinflüsse. Nicht zuletzt deshalb hat Mathilde Ludendorff ja auch eine Philosophie des Erziehung geschrieben ("Des Kindes Seele und der Eltern Amt").

Wesentlich allerdings ist, daß nach ihrer psychologischen Philosophie jedes - vor allem durch muttersprachliche Prägung - bestimmte Volk oder jede so bestimmte Volksgruppe seinen eigenen, individuellen Weg zu gehen hat, um sein eigenes Gottlied im "Gottlied der Völker" zu singen (so ein weiterer Buchtitel). Deshalb wird ja auch das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Notwendigkeit der genetischen und kulturellen "Volkserhaltung" so stark gegenüber allen früheren und heutigen Globalisierungstendenzen betont und in den Vordergrund gestellt.

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1. Bettina Amm: Die Ludendorff-Bewegung. Zwischen nationalistischem Kampfbund und völkischer Weltanschauungssekte, Diss., Hamburg 2006

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