"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Sonntag, 28. Januar 2018

"Quelle aller Variation ist das Erlebnis"

Vor hundert Jahren 
- Die Gedanken des Schweizer Wissenschaftsjournalisten Adolf Koelsch (1917/1919) über Evolution und ihre Rezeption durch Schriftsteller wie Rainer Maria Rilke und Thomas Mann

Im weiteren Sinne ist Thema dieses Blogs die Geschichte des naturwissenschaftsnahen Philosophierens im 20. Jahrhundert. Die Psychiaterin Mathilde von Kemnitz, spätere verheiratete Ludendorff (1877-1966) (Wiki) setzte im Jahr 1921 mit ihrem Buch "Triumph des Unsterblichkeitwillens" das naturwissenschaftsnahe Philosophieren ihrer Zeit fort, indem sie sich mit Grundgedanken der Evolutionstheorie von Charles Darwin auseinander setzte (1). Die zentrale Frage in ihrem Buch war für sie - wie für viele Zeitgenossen: Wie sind neue Pflanzen- und Tier-Arten in der Evolution entstanden? Waren so nüchterne Vorgänge wie Zufallsmutation und nachherige Auslese nach dem Nützlichkeits-Prinzip, bzw. dem Überlebensvorteil wirklich die einzigen Antriebskräfte der Evolution und der Artbildung? In ihrem Buch wurde diese These von Charles Darwin grundlegend infrage gestellt. Dieser These wurde ein neuer philosophischer Entwurf gegenüber gestellt, der auch vielfältige Schlußfolgerungen in Richtung auf die naturwissenschaftliche Forschung enthält.


Abb. 1: Adolf Koelsch (1879-1948), Wissenschaftsjournalist der "Neuen Züricher Zeitung"

In letzter Instanz ging es auch in diesem philosophischen Entwurf darum, dem Seelischen, dem Erleben des Wahren, Guten und Schönen in der Menschenseele einen Platz zu geben in der Evolution. Und zwar - so wie im Kulturleben - auch im naturwissenschaftlichen Denken einen zentralen und nicht nur randständigen. Das Erlebnishafte, das Seelische ist nach der Deutung von Mathilde von Kemnitz die Hauptantriebskraft der Evolution, sowie Ziel der Evolution. Die Nützlichkeitsprinzipien und Überlebensvorteile im rauen, nüchternen "Kampf ums Dasein" des Charles Darwin (aus denen dann ja auch der folgenschwere Sozialdarwinismus folgte) spielen nach dieser Deutung nur noch Nebenrollen, nicht die Hauptrolle.

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Titelseite

Nun war Mathilde von Kemnitz mit solchen Anliegen zu ihrer Zeit - natürlich - nicht die einzige. Und im vorliegenden Blogbeitrag soll auf zeitlich parallele Auseinandersetzungen mit solchen Problemen hingewiesen werden. Auf Auseinandersetzungen, die offenbar auch aus ähnlichen Motiven gespeist gewesen waren, und die deshalb Aufmerksamkeit gefunden haben unter Schriftstellern jener Zeit.

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Inhaltsverzeichnis

Im verregneten August 1917 saß der deutsche Dichter Rainer Maria Rilke (1875-1926) (Wiki) im Rilke-Turm auf Gut Böckel in Westfalen. Er blätterte in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift "Die neue Rundschau". Dabei stieß er auf einen Aufsatz, der ihn begeisterte (2, S. 565). Er war betitelt "Der Einzelne und das Erlebnis" (3). Der Aufsatz war mit dem Problem der Artbildung in der Evolution befaßt und stammte von dem Deutsch-Schweizer Biologen und Wissenschafts-Journalisten Adolf Koelsch (1879-1948) (Wiki). Zu dem gleichen Thema hat Koelsch zwei Jahre später ein ganzes Buch herausgebracht unter dem Titel "Das Erlebnis" (7). Adolf Koelsch war seit 1915 verantwortlich für die Naturwissenschafts-Kolumne der "Neuen Züricher Zeitung". Er sollte dies 33 Jahre lang bleiben, nämlich bis zu seinem Tod im Jahr 1948 (4). Er gab zahlreiche Sachbücher über die Biologie der Pflanzen und Tiere heraus. Die Einleitung des genannten Aufsatzes von 1917, den Rainer Maria Rilke da im verregneten August 1917 auf Schloß Böckel las - während in Flandern und bei Verdun die Trommelfeuer auf tausende von Soldaten niedergingen - beginnt mit den Worten (zit. n. 5):
Es handelt sich um die Frage, wie ein Geschöpf in den Besitz einer Fähigkeit kommen kann, die es vorher nicht hatte. Wie es möglich ist, daß es in seiner Verhaltensweise gegenüber der Welt abweicht von dem, was es war, und sich verwandelt in etwas Neues. Das heißt: variiert. Und was als Grundlage dieser Variation, ja schließlich als Grundlage aller Hinausentwicklung über Bestehendes zu betrachten sei. Ich behaupte: die Quelle aller Variation ist das Erlebnis.
Rainer Maria Rilke durfte durchaus gepackt sein, wurde doch hier in der Biologie etwas in das Zentrum der Artbildung, Evolution und Höherentwicklung gestellt, das auch ihm als Dichter und Kulturschaffenden von der höchsten Bedeutung war, nämlich das Erlebnis. Und es wird sofort deutlich, daß sich hier bei Adolf Koelsch und Rainer Maria Rilke Parallelen in den Motiven zum Denken der genannten Mathilde von Kemnitz vorlagen, das sich nur wenige Jahre später mit den gleichen Problemen beschäftigen sollte.

Rainer Maria Rilke schreibt an Jacob von Uexküll (1917)


Nach der Lektüre dieses Aufsatzes setzte sich Rainer Maria Rilke hin und schrieb einen Brief an den damals berühmten deutschen Biologen Jakob von Uexküll. Bei ihm handelte es sich um eine Kapazität, mit der Rilke schon zuvor persönlich bekannt geworden sein muß. Der Brief datiert auf den 17. August 1917 und beginnt (5):
Lieber Freund, sagen Sie, hab ich Recht, über diesen neuen Aufsatz von Adolf Koelsch im Augustheft der Rundschau so herzlich entzückt zu sein? Er scheint mir neben Ihren Schriften, die ich doch viel zu wenig kenne, das ....
beste an lebenswissenschaftlicher Literatur zu sein, das ihm in letzter Zeit begegnete. Rilke trug sich in dieser Zeit mit dem Plan, sich als Student an einer Universität einzuschreiben. Und dieser Aufsatz regte ihn dazu an, Biologie zu studieren (5):
Hätten Sie einen Rat für mich, der mich zu einer tätigen Berührung und Befreundung mit den Gegenständen dieser köstlich jungen Biologie zuwiese ...? (...) Wo mag Adolf Koelsch sein? (...) anderen früheren Essay, auf den Koelsch selbst hinweist: Die Erschaffung ....
Rilke ist also Feuer und Flamme. Leider kann sin Brief hier einstweilen nur insoweit zitiert werden als er im Internet zugänglich ist. In der Antwort scheint von Uexküll von einem regulären Studium an einer Universität abgeraten zu haben (nach 6, S. 238 [Rückübersetzung]):
Daß Sie ein außergewöhnliches Talent für Biologie und besonders für vergleichende Psychologie haben, wird durch Ihr Gedicht "Der Panther" deutlich. Die Beobachtung, die Sie dort beschreiben, ist meisterhaft. Vielleicht könnten Sie einen Philosophen der psychologischen Schule hören, aber ich glaube, daß Sie schon zu sehr ein Meister sind, um noch Student sein zu können.
Rilke hat den Gedanken eines regulären Biologie-Studiums dann wohl auch nicht mehr weiter verfolgt. Im weiteren Verlauf konnte er dann eine persönliche Verbindung mit Adolf Koelsch aufnehmen. Und nachdem Rainer Maria Rilke am 11. Juni 1919 von dem revolutionär und gegenrevolutionär aufgewühlten München aus in die Schweiz abgereist war, wo der bis dahin viel Reisende nun bis an sein Lebensende bleiben sollte, konnte er am 18. Juli 1919 in Zürich auch Adolf Koelsch als Besucher empfangen (2, S. 640).

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Vorwort

Am 2. November 1919 konnte Rilke einen Gegenbesuch bei Adolf Koelsch in Rüschlikon machen. Rilke hat sich damals wiederholt mit seinem Gedanken von einem "Urgeräusch" beschäftigt. Bei diesem Besuch wurde davon gesprochen, ein "Ur-Geräusch-Experiment" durchzuführen (2, S. 653). (Ob dieses Thema im Zusammenhang mit dem allgemeineren Problem der Artbildung steht, wäre noch zu prüfen.) Am 13. Januar 1920 schreibt Rilke dann an eine ihm bekannte Frau Nölke von dem neuen Buch von Adolf Koelsch, "das sehr wichtig ist" (2, S. 667). Da der Inhalt dieses Buches heute noch nicht im Internet zugänglich ist, soll er in Auszügen in diesem Blogbeitrag durch Abfotografieren einiger der wichtigsten Seiten dokumentiert werden. Auf diesen Seiten gewinnt man einen ersten Eindruck von der Art des Denkens des Adolf Koelsch in diesen Fragen.

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Seiten 340f

Deutlich wird zum Beispiel, daß sich in jener Zeit zwar gerade die Chromosomen-Theorie der Vererbung (Wiki) durchzusetzen begann in der Wissenschaft, daß sie aber noch nicht die Grundlage zum Denken von Koelsch lieferte. Er spricht diesbezüglich nur ganz allgemein vom Protoplasma. Insgesamt wird aber womöglich durchaus gefragt werden können, ob dieser Gedanke vom Erlebnis als dem grundlegenden Moment der Artbildung nicht im Zusammenhang mit dem Plasticity-first-Modell der Evolution gewissermaßen eine Wiederbelebung erfahren hat (8).

In diesem Zusammenhang dürfte auch von Interesse sein, daß Rainer Maria Rilke nicht der einzige Schriftsteller gewesen ist, dem der Aufsatz von Koelsch des Jahres 1917 ins Auge gefallen war. Auch etwa Thomas Mann hatte diesen Aufsatz gelesen und hat ihn später in seinem Roman "Der Zauberberg" verarbeitet (9).

Einstweilen gibt es keinen Hinweis darauf, daß auch die damalige Mathilde von Kemnitz - oder die spätere Mathilde Ludendorff - den Aufsatz von Adolf Koelsch aus dem Jahr 1917 zur Kenntnis genommen hat. Das Literaturverzeichnis ihres während des Zweiten Weltkrieges erarbeiteten Buches "Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke" (10) ist unterteilt in "Fachwerke", "Laienbücher" und "Abhandlungen in Fachzeitschriften". Nirgendwo ist hier ein Aufsatz oder eine Schrift von Adolf Koelsch angeführt. Fachzeitschriften hat sie erst ab dem Jahrgang 1926 durchgesehen. Im übrigen ist die "Neue Rundschau" ja auch keine biologische Fachzeitschrift gewesen.

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Seiten 342f

"Die Ursprünge des Produktiven"


Den "Ursprüngen des Produktiven" sind Koelsch und Rilke in den Folgejahren auch noch in ganz anderen Zusammenhängen nachgegangen. Am 8. September 1921 sandte Rilke an Lou Andreas-Salome einen neuen Artikel von Koelsch aus der "Neuen Züricher Zeitung" zu über ein Buch des Psychiaters Walter Morgenthaler (1882-1965) (Wiki). Dies behandelte die Krankengeschichte seines langjährig künstlerisch tätigen Schizophrenie-Patienten Adolf Wölfli (1864-1930) (Wiki) (11, 12). Koelsch schrieb bald nach Erscheinen (13, zit. n. 12):
Wo ist nicht ein Irrenhaus, das nicht solche Kranke hätte? Kranke, die in der Einbildung leben, große Künstler zu sein, und auf irgend eine Weise "an ihrem Werk" sind? (...) [Wölfli] ist wirklich ein besonderer Fall und verdient seinem ergreifenden menschlichen Schicksal nach auch als pathologisches Vorkommnis und als bildender Künstler durchaus die Monographie, die ihm der Berner Privatdozent Dr. W. Morgenthaler soeben gestiftet hat.
Koelsch spricht von Bildwerken,
die man mit gutem Gewissen als vollendete Kunstwerke bezeichnen kann.
Koelschs zwei ausführliche Artikel machten das Buch und den Künstler Wölfli in weiteren Kreisen bekannt. Und auch Rilke schrieb an Lou Andreas-Salome (2, S. 740):
der Fall Wölfli's wird dazu helfen, einmal über die Ursprünge des Produktiven neue Aufschlüsse zu gewinnen.
Das Buch hat damals weltweites Aufsehen erregt, wobei die Besprechung durch Koelsch einen maßgeblichen Anteil hatte (12). Insgesamt hat jedenfalls der Grundgedanke vom Erlebnis als "Quelle aller Variation" gerade auch vor dem Hintergrund der neuesten Entwicklungen in der evolutionären Forschung (8) etwas Bestechendes.

Abb.: Adolf Koelsch - Das Erleben - 1919, Seiten 136f

________________________________________________
  1. Ludendorff, Mathilde: Triumph des Unsterblichkeitwillens. Erstauflage 1921
  2. Schnack, Ingeborg: Rainer Maria Rilke. Chronik seines Lebens und seines Werkes. Erweiterte Neuausgabe, hrsg. von Renate Scharffenberg. Insel, Frankfurt am Main/Leipzig 2009
  3. Koelsch, Adolf: Der Einzelne und das Erlebnis. In: Die neue Rundschau, Berlin 1917, S. 1077-1100 (auch als Einzelschrift im selben Jahr bei S. Fischer Verlag, Berlin erschienen)
  4. Adolf Koelsch. http://www.linsmayer.ch/autoren/K/KoelschAdolf.html
  5. Rilke, Rainer Maria: Briefe von Gut Böckel - 24. Juli- 2. Oktober 1917. Einleitung von Theo Neteler. Pendragon Verlag, Bielefeld 2011 (GB)
  6. Fischer, Luke: The Poet as Phenomenologist. Rilke and the New Poems. Bloomsbury 2017 (GB
  7. Koelsch, Adolf: Das Erlebnis. S. Fischer Verlag, Berlin 1919
  8. Bading, Ingo: Epigenetik und die Evolution der Instinkte - Die neu aufgeworfene Frage: Sind Instinkte wirklich durch Punktmutationen entstanden oder nicht doch eher durch "phänotypische Plastizität"? Studium generale, 7. Oktober 2017, http://studgendeutsch.blogspot.de/2017/10/sind-instinkte-durch-punktmutationen.html
  9. Heimendahl, Hans Dieter: Kritik und Verklärung. Studien zur Lebensphilosophie Thomas Manns in den "Betrachtungen eines Unpolitischen", "Der Zauberberg", "Goethe und Tolstoi" und "Joseph und seine Brüder". (Diss. Berlin 1995) Königshausen & Neumann, Würzburg 1998 (GB)
  10. Ludendorff, Mathilde: Wunder der Biologie im Lichte der Gotterkenntnis meiner Werke. 1. Band, Verlag Hohe Warte, Stuttgart 1950; 2. Band, Verlag Hohe Warte, Pähl 1954
  11. Morgenthaler, Walter: Ein Geisteskranker als Künstler (Adolf Wölfli). Bern 1921, Nachdruck: Wien 1985
  12. Pallmert, Sigrid: Adolf Wölfli und Walter Morgenthaler oder der Beginn der Rezeption der Kunst der Geisteskranken. In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 50, 1993, Heft 3, file:///C:/Users/User/Downloads/zak-003_1993_50__447_d.pdf
  13. Kölsch, Adolf: "Dämon I. und II.", in: Neue Zürcher Zeitung, Nr. 1243, 30.8.1921 u. Nr. 1249, 31.8.1921. Wiederabdruck in: Der Engel des Herrn im Küchenschurz. Über Adolf Wölfli, hg. Elka Spoerri, Frankfurt am Main 1987)

Dienstag, 11. Juli 2017

Ein kleiner Ausschnitt aus Erörterungen rund um naturwissenschaftliche Fragen in der Ludendorff-Bewegung der Jahre 1956 und 1957

Naturwissenschaftliche Fehlurteile von Mathilde Ludendorff werden richtig gestellt

Ab dem Jahr 1955 ist eine deutliche Intensivierung der geistigen Auseinandersetzungen innerhalb der Ludendorff-Bewegung zu verzeichnen*). Im Jahr 1955 erschien das schon seit Sommer 1942 ausgelieferte Buch "Siegeszug der Physik - Ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke" mit einem neuen Anhang. Auch erfuhr damals die öffentliche Erörterung und Kritik rund um die friedliche Nutzung von Atomkernspalt-Energie eine Intensivierung. Die Ludendorff-Bewegung und vor allem Mathilde Ludendorff selbst gehörten damals zur ersten Generation der Atomkraft-Gegner und zu Befürwortern alternativer Energien. 

In diesen Zusammenhängen wurden auch vielfältig Fragen im Übergangsfeld von moderner Physik und Philosophie erörtert. Junge begabte Menschen, die damals Physik studierten, beteiligten sich an diesen Erörterungen. Im folgenden soll nun nur ein kleiner, erster Ausschnitt aus diesen Auseinandersetzungen gegeben werden.

Abb. 1: Werner Heisenberg erhält am 10. Dezember 1933 mit 33 Jahren aus den Händen des schwedischen Königs den Physik-Nobelpreis für das Jahr 1932

Im Jahr 1955 erschien eine Folgeauflage des Werkes von Mathilde Ludendorff "Die Volksseele und ihre Machtgestalter", das erstmals 1933 erschienen war. Auf Seite 365 fand sich die Anmerkung (10) (Hervorhebung nicht im Original):

Seit die Naturwissenschaften ein zusammenhängendes Wissen über die Welt der Erscheinungen geschenkt haben und der Philosoph Kant nachgewiesen hat, daß sie Zeit, Raum und Ursächlichkeit unterworfen ist, konnte das Gottahnen zum Gotterkennen werden. Seit dieser Zeit setzt aber auch ein eifriges Bemühen ein, die Sicherheit dieser Tatsachen, denen wir überhaupt die Möglichkeit des Forschens in der Welt der Erscheinungen danken, zu erschüttern. So wurde die jetzt schon widerlegte Theorie Einsteins aufgestellt, daß Zeit und Raum relative Begriffe seien, und neuerdings werden Gelehrte mit Nobelpreisen ausgezeichnet, die nachweisen, daß innerhalb der Atome die Ionen nicht Zeit, Raum und Ursächlichkeit ausnahmslos unterworfen seien, sondern in seltenen Fällen, die sich kaum nachweisen ließen, sich auch einmal ungesetzmäßig verhalten. Der ganze Aufbau unserer Wissenschaft war nur möglich, weil frühere Forscher, wenn sie auf solche vermeintlichen Ausnahmen stießen, sich sehr richtig bewußt wurden, daß sie einen Vorgang noch nicht voll überblickten. Das führte sie dann zu neuen Entdeckungen. Heute hofft man wohl, daß man mit diesen Mitteilungen von Forschern den Gesamtbau der Wissenschaft umwerfen und die Menschen in Okkultaberglauben zurückführen könne! Näheres hierüber in meinem im Jahre 1941 erschienenen Werke: "Der Siegeszug der Physik ..."

Es wäre wohl eine nicht unwichtige Aufgabe zu klären, wann diese Anmerkung erstmals entstanden und veröffentlicht worden ist und wie sie - mit der Anfügung des letzten Satzes - auch noch in die Folgeauflage des Jahres 1955 hatte übernommen werden können. Man meint auf den ersten Augenblick dem Eindruck zu unterliegen, daß diese Anmerkung lange vor Erarbeitung des im letzten Satz erwähnten Buches "Siegeszug der Physik" geschrieben worden sein müsse, vermutlich schon für die Erstauflage im Jahr 1933, in dem im Dezember Werner Heisenberg den Physik-Nobelpreis für das Jahr 1932 erhalten hat (Abb. 1). Zum Beispiel werden in dem Zitat "Elektronen" mit "Ionen" verwechselt, ein so krasser Fehler, der doch der Verfasserin des Buches "Siegeszug der Physik" nicht mehr zuzutrauen ist. Ebenso konterkariert dieses Zitat ja fast alle Erkenntnisse über das Fließende des Übergangs vom Wesen der Erscheinung in die Erscheinungswelt, die in dem Buch "Siegeszug der Physik" im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Wie auch immer! Abträgliche Urteile über die wissenschaftliche Leistung von Albert Einstein finden sich bei Mathilde Ludendorff zwar auch noch Mitte der 1950er Jahre, insgesamt aber scheint diese Anmerkung nicht ihren Kenntnisstand des Jahres 1955 wiederzuspiegeln, auch wenn das der letzte Satz nahezulegen scheint.

Der Atomphysiker W. Rauscher über die Relativitätstheorie (März 1956)

In der Zeitschrift der damaligen Ludendorff-Bewegung mit dem Titel „Quell“, und zwar in den Folgen vom 9. und 23. März 1956 ein zweiteiliger Aufsatz des Atomphysikers Dr. W. Rauscher1.**) Er behandelte das Verhältnis zwischen der Relativitätstheorie von Albert Einstein und der Philosophie von Mathilde Ludendorff2. Mathilde Ludendorff begrüßte die Mitwirkung Rauschers, während der damalige Aachener Physik-Student Gerold Adam (1933-1996) (Wiki) zu einer ganz gegenteiligen Beurteilung kam. Hinsichtlich dieser Fragen sollte er dann einen Brief an Mathilde Ludendorff schreiben (der im Anhang dieses Beitrages wiedergegeben wird). Dem Aufsatz von Rauscher ist zu entnehmen, daß W. Rauscher damals in Verbindung stand mit dem Hamburger Theoretischen Physiker Pascual Jordan (1902-1980) (Wiki), einem der Mitbegründer der Quantenphysik. Jordan war unter anderem von Albert Einstein zum Nobelpreis vorgeschlagen worden. Dieser war ihm aber nicht zugesprochen worden, weil Jordan 1933 Mitglied der NSDAP geworden war. Jordan sollte sich nach dem Jahr 1956 noch deutlicher als vielleicht bis 1956 sichtbar als ein solcher streng rechtskonservativer Christ positionieren, als der er 1933 auch in die NSDAP eingetreten sein wird3.

Wie W. Rauscher in Verbindung mit diesem streng rechtskonservativen Christen gekommen ist, sagt er in seinem Aufsatz nicht. Der Aufsatz von W. Rauscher war erschienen in Vorbereitung auf die zweite sogenannte "Hochschultagung für Gotterkenntnis", die zu Ostern 1956 in Tutzing stattfand. Diese "Hochschule für Gotterkenntnis" war auf ausdrückliches Betreiben von Mathilde Ludendorff selbst ein Jahr zuvor begründet worden (s. Abb. 2). Mathilde Ludendorff bestimmte auch die Inhalte der jährlichen Tagungen derselben in den Folgejahren. Auf der zweiten "Hochschultagung" im Jahr 1956 hielt W. Rauscher nun - in Abstimmung mit Mathilde Ludendorff - einen zweiteiligen Vortrag.

Abb. 2: Bändchen, das die Vorträge von Mathilde Ludendorff auf der ersten "Hochschultagung für Gotterkenntnis" zu Ostern 1955 in Tutzing enthält

Auf der zweiten Hochschultagung für Gotterkenntnis (April 1956)

Der genannte Physik-Student Gerold Adam war unter den Zuhörern dieser Tagung. Die Inhalte dieser Tagung können sowohl dem Bericht über diese 2. Hochschultagung entnommen werden, der im „Quell“ vom 23. April 1955 erschienen ist4, als auch dem schon genannten nachfolgenden persönlichen Brief von Gerold Adam an Mathilde Ludendorff (siehe Anhang). In ihrer Eröffnungsansprache hatte Mathilde Ludendorff der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die Forschungen eines Viktor Schauberger (1885-1958)5 eine Energieform zutage bringen würden, die eine Alternative zur Atomenergie darstellen könnte. In einem Aufsatz6 sollte Gerold Adam wenig später darauf hinweisen, daß man es hier mit Scharlatanerie und obskurer Pseudowissenschaft zu tun habe. Mathilde Ludendorff kam dementsprechend später auch nicht mehr auf diesen Namen zu sprechen. Weiter sagte Mathilde Ludendorff dann:

Am zweiten Morgen wird der Atomphysiker Rauscher den ersten Teil, am dritten Abend den zweiten Teil seines Vortrages halten, indem er Ihnen zeigt, daß die jüngsten Forschungen der Atomphysik ganz ungewollt und ohne Kenntnis meiner Werke die Worte der „Schöpfungsgeschichte“ auf das wunderbarste bestätigen, wenn sie den Übergang aus der Vorerscheinung, dem Äther, in diese Erscheinungswelt und die Einordnung der Erscheinung in die drei Formen Raum, Zeit und Ursächlichkeit als eine fließende bezeichnet hat.

Es wurde auch die Veröffentlichung aller gehaltenen Vorträge angekündigt. Zu dieser Veröffentlichung kam es dann auch, allerdings kam dabei der Vortrag des Atomphysikers Rauscher - soweit übersehbar - dann doch nicht zur Veröffentlichung. Der Grund dafür wird sicher nicht zuletzt auch in dem genannten persönlichen Brief von Gerold Adam an Mathilde Ludendorff gelegen haben.

Ein Physik-Student schreibt an Mathilde Ludendorff (Juni 1956)

Am 24. Juni 1956 schrieb der damals 23-jährige Physikstudent Gerold Adam von Aachen aus einen dreiseitigen Brief an Mathilde Ludendorff, in dem er scharfe Kritik übte an den „Quell“-Aufsätzen von Dr. Rauscher, mehr aber noch an den Vorträgen desselben auf der Hochschultagung in Tutzing (siehe Anhang).

Die Äußerungen von Mathilde Ludendorff auf der dritten Hochschultagung im Folgejahr, sowie ihre künftige Nichterwähnung Viktor Schaubergers deuten daraufhin, daß sie diesen Brief mit Zustimmung gelesen hat. Um so verwunderlicher muß es erscheinen, daß sie dann - offenbar - nicht Gerold Adam selbst aufgefordert hat, über Übereinstimmungen zwischen Philosophie und moderner Physik auf einer folgenden Hochschultagung zu sprechen. Auch muß verwundern, daß sie ihm, wie Gerold Adam an anderer Stelle später angegeben hat, nur durch ihren Mitarbeiter Edmund Reinhard eine „nichtssagende Antwort“ auf seinen Brief hat zugehen lassen. Aus dem Nachhinein möchte es einem richtiger erscheinen, wenn sie auf so schwerwiegende Einwände gegen ihre eigenen Urteile auch selbst geantwortet hätte und das ausführlichere Gespräch mit Gerold Adam gesucht hätte. Eigentlich hätte man doch auch erwarten können, daß sie öffentlich etwas richtig stellt, was sie augenscheinlich nicht mehr für empfehlenswert halten konnte (nämlich Rauschers Ausführungen und Schaubergers „Erfindung“). Gerold Adam schrieb übrigens auch:

Die Vorträge von Herrn Knake, die sich ja auch mit den Beziehungen zwischen Philosophie und Physik befaßten, haben mir gut gefallen. Sie waren sachlich einwandfrei.

Das bezog sich auf den Autor Wilhelm Knake (1900-1979), über dessen Leben hier auf dem Blog schon ein Beitrag erschienen ist (7).

Mathilde Ludendorff nimmt noch einmal Stellung (April 1957)

Auf der dritten Hochschultagung für Gotterkenntnis kam Mathilde Ludendorff am 19. April 1957 in ihrem Vortrag noch einmal in der folgenden Weise auf die Themen des Vorjahres zu sprechen (Quell 10/57, S. 446-453):

Nach unseren Erfahrungen der beiden ersten Tagungen werden wir diesmal - und auch in Zukunft - deshalb von Diskussionen über die Vorträge absehen, weil dann das Absinken von dem Wesentlichen sich nicht vermeiden läßt.
Als im letzten Jahre Herr Rauscher in einem Vortrage zeigte, wie weitgehend jüngste Forschungen der Atomphysik mein Werk „Schöpfungsgeschichte“ insofern bestätigen, als ich darin bei dem Werden der Schöpfung von einem fließenden Eingehen Gottes in die Vorerscheinung, den Äther, und dann in die Formen der Erscheinung spreche, war damit für uns Wichtiges gegeben. Da aber die Fachwissenschaftler feststellen mußten, daß die Beweisführung in diesem Vortrage keineswegs die Wortgestaltung wählte, wie die Fachwissenschaft sie als exakt erklärt hat, wurde bei den Diskussionen über den Vortrag das eben genannte Wesentliche fast vergessen, oder zumindest auch für erschüttert gehalten. Mein Wunsch, schon auf dieser Tagung diese Frage, inwiefern die Atomphysik das fließende Eingehen in die Formen der Erscheinung heute bestätigt, von einem Atomphysiker heute behandeln zu lassen, der auch die Wortgestaltung fachwissenschaftlich exakt wählt, ist mir nicht gelungen. Hoffentlich wird dies aber auf der nächsten Hochschultagung doch wohl möglich sein.

Ob sie an Gerold Adam eine solche Bitte herangetragen hat, ist einstweilen nicht bekannt. Vielleicht hat sie Gerold Adam dafür noch als zu jung erachtet. Er war damals erst 24 Jahre alt. Allerdings hatte Edmund Reinhard im Vorjahr schon die Urteilsfähigkeit von Gerold Adam dadurch anerkannt, daß er Ausführungen seinerseits zu Fragen im Übergangsfeld zwischen Naturwissenschaft und Philosophie anerkennend zitierte (8). Auch hatte Mathilde Ludendorff physikalische Korrekturen von Gerold Adam im Vorjahr dem Anhang ihres Buches "Siegeszug der Physik" eingefügt.

Auch aus sonstigen damaligen Veröffentlichungen von Gerold Adam geht hervor, daß er sich in jener Zeit - ebenso wie später - durchaus in manchen Einzelheiten als Naturwissenschaftler behutsam kritisch über die eine oder andere Aussage von Mathilde Ludendorff äußern konnte. Ansonsten ging es ihm aber damals - wie auch später - vor allem darum, auf die vielfältigen Übereinstimmungen zwischen moderner Naturwissenschaft und der Philosophie von Mathilde Ludendorff hinzuweisen, bzw. darauf, daß sich die naturwissenschaftliche und die philosophische Aussage zu einem Gesamtbild gegenseitig ergänzen. 

Anhang

Der Brief Gerold Adams an Mathilde Ludenorff aus Aachen vom 24. Juni 1956 (das darin erwähnte mitgeschickte Manuskript liegt uns leider - noch - nicht vor):

Sehr verehrte Frau Dr. Ludendorff!
Trotzdem die Tagung der Hochschule für Gotterkenntnis schon einige Zeit zurückliegt, möchte ich Ihnen heute in einer Angelegenheit schreiben, zu deren Klärung in den Tagen in Tutzing keine Gelegenheit war.
Ich habe ernste Bedenken zu den Vorträgen, die von Herrn Dr. Rauscher im Rahmen der Hochschule gehalten wurden, sowie zu den Abhandlungen im Quell, Folge 5 und 6.
Es erscheint mir unmöglich, die Synthese zwischen naturwissenschaftlicher und philosophischer Erkenntnis in einer Vermischung der beiden Erkenntnisweisen bei der naturwissenschaftlichen Beschreibung der dem Äther nahestehenden Stufen der Erscheinung sehen zu wollen. Es ist wohl richtiger in den Fällen, wo dies naheliegen könnte, die Grenzen der kategorialen Beschreibung, also der Vernunfterkenntnis, festzustellen.
Wenn ich in meinen beigefügten Ausführungen der Tendenz bei Dr. Rauscher, die naturwissenschaftliche Erkenntnis mit der philosophischen zusammenfließend fortschreiten zu sehen, einige Bedenken entgegenstelle, so ist leider eng damit verknüpft, auf eine Anzahl unrichtiger Wiedergaben physikalischer Ergebnisse einzugehen. Da einerseits das Ausmaß der physikalischen Irrtümer beträchtlich ist und wir andererseits gerade in unserer Hochschule an die sachliche Unantastbarkeit und Wahrhaftigkeit besonders strenge Maßstäbe anlegen müssen, erscheint mir das Eingehen auf die sachlichen Fragen wichtiger, als es vielleicht aus meinen beigefügten Ausführungen hervorgeht. Aber leider habe ich mir während der Vorträge nur ganz wenige Aufzeichnungen machen können, sodaß ich in der unangenehmen Lage bin, mich auf nur sehr wenig Gedankengänge der Vorträge beziehen zu können, die ich nicht einmal wörtlich habe. Doch war ich nach den Vorträgen von Dr. Rauscher erschüttert von dem gebotenen Wust an Irrtum und Irreführung, vor allem auf physikalischem Gebiet, daß ich mich verpflichtet fühle, meine Bedenken zu äußern.
Ich glaube, daß es dem Sinne unserer Hochschule entgegensteht, die Gotterkenntnis durch Verbindung mit unrichtigen Anschauungen über physikalische Erscheinungen angreifbar zu machen. Genau das wird aber bewirkt, wenn man diese Anschauungen eine Ableitung eines Naturbildes aus „Schöpfungsgeschichte“ (1. Vortrag) oder „Ludendorffsche Physik“ (2. Vortrag) nennt. Neben der Verantwortung gegenüber der Gotterkenntnis wie gegenüber der Physik, steht diejenige gegenüber den Teilnehmern der Hochschule. Dieser wird aber nicht entsprochen, wenn Dr. Rauscher Zusammenhänge als Ergebnisse der Physik darbietet, die ihr nicht zugehören, oder Verknüpfungen solcher Zusammenhänge mit der Gotterkenntnis herstellt, ohne dies zu begründen.
Wenn Sie es als notwendig ansehen, würde ich mich gern anhand der Vortragsunterlagen noch einmal zu den Vorträgen genauer äußern. Meine Ausführungen zu den Quellabhandlungen von Dr. Rauscher habe ich als Anhang beigefügt. Weil ich hier die Ausführungen von Dr. Rauscher vollständig zur Verfügung hatte, könnten sie den Eindruck erwecken, als wären die Quellabhandlungen physikalisch und methodisch weit bedenklicher als die Vorträge. Da mir die Vorträge aber weit mehr einer Klarstellung bedürftig erscheinen, habe ich auch im wesentlichen auf die Beurteilung der Behandlungsweise der Quellabhandlungen verzichtet. Ich hoffe aber, daß die Unmöglichkeit eines solchen Vorgehens auch hier unmittelbar ersichtlich ist, zumal das Verfahren auch die Vorträge von Dr. Rauscher kennzeichnet. Ein Beispiel dafür sind etwa die im Punkt 27.) des Anhangs zitierten Ausführungen, wo die Begründung sich in einer vielfachen, suggerierenden Wiederholung einer Aussage erschöpft, wobei gerade die dort vorliegenden Zusammenhänge mit Worten nicht ausgedrückt werden können.
Die Vorträge von Herrn Knake, die sich ja auch mit den Beziehungen zwischen Philosophie und Physik befaßten, haben mir gut gefallen. Sie waren sachlich einwandfrei.
Ich möchte schließlich noch zu der Erfindung von W. Schauberger erwähnen, daß ich nach dem Studium der Schrift „Implosion statt Explosion“ von L. Brandstätter keinen Anlaß mehr zu der Meinung sehe, daß die Erfindung in der angegebenen Weise physikalisch möglich ist. Es ist eine altbekannte Tatsache in der Strömungslehre, daß im Wasser infolge der Verschiebungselastizität kein Sog ohne den zugehörigen Druck entstehen kann. Diamagnetismus ist eine magnetische Stoffeigenschaft, die nicht durch mechanische Bewegung erzeugt werden kann, sondern die immer in den diamagnetischen Stoffen vorhanden ist, sich aber erst bei Anlegen eines Magnetfeldes äußert. Im übrigen widerspricht die Neuerzeugung von Materie oder Energie, wie eigentlich fast jede einzelne Aussage in der genannten Broschüre den Gesetzen, denen die Erscheinungswelt eingeordnet ist, und deren ausnahmsweise Ungültigkeit anzunehmen kein Anlaß besteht. Durch die Einsicht, die mir freundlicherweise Herr Pahde aus Duisburg in seinen Schriftwechsel mit Herrn Brandstätter erlaubte, erfuhr ich, daß auch Herr Brandstätter angibt, er sei „von der Richtigkeit der Schaubergerschen Entdeckungen nicht durch schlagkräftige Beweise überzeugt worden“. Schaubergers Argumente und Ideen seien ihm nur durch sein esoterisches Wissen verständlich geworden. Weiterhin: „Die esoterischen Überlegungen bilden für mich und meine Freunde die Grundlage dafür, daß die Entdeckungen Schaubergers im Prinzip richtig sind.“
Soweit ich es übersehen kann, versucht man die Abneigung der Menschen gegen Atomenergie für okkulte Richtungen auszunutzen, indem man vorspiegelt, auf esoterischem Wege einen Ausweg aus den ernsten biologischen und technischen Problemen gefunden zu haben. Brandstätter ist Schriftleiter im Verlag für „Lebendige Ethik und Agni-Joga“.
Mit freundlichen Grüßen auch von meinen Eltern und dem Wunsche:
Es lebe die Freiheit!

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*) Dieser Beitrag gründet auf einer ausführlicheren Ausarbeitung (9) und stellt einen Auszug aus derselben dar.
**) Laut „Google Scholar“ gab es einen Atomphysiker Wolfgang Rauscher am „Institut für Physikalische Chemie der Universität Stuttgart“ (Veröffentlichungen: Reactivity of organic dye triplet states in electron transfer processes, 1976; Photochemische Untersuchungen zur Reaktivität organischer Farbstoffe in Elektronenübertragungsprozessen, 1978; Reactivity of acridine dye triplet states in electron transfer reactions, 1979; Singlet and Triplet Reactivity in Electron Transfer Reactions, 1981). (Schon 1675 hat übrigens ein Jesuitenpater Wolfgang Rauscher an der Universität Freiburg/Brsg. Physikvorlesungen gehalten; siehe Theodor Kurrus: Die Jesuiten an der Universität Freiburg i[m] Br[eisgau]: 1620-1773, Band 2, Alber, 1977, S. 100 [Google Bücher].)
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  1. Unwahrscheinlich wird sein, daß es sich um den amerikanische Chemie-Professor William H. Rauscher (1903-1972) (http://www.rpi.edu/dept/science/www/Research/Polymer/lecture_rauscher.html) gehandelt hat, der am „Department of Chemistry, Rensselaer Polytechnic Institute, Troy, New York“ in der Polymerchemie-Forschung tätig war und offenbar auch – zusammen mit deutschen Forschern – in deutschen chemischen Fachzeitschriften publizierte.
  2. Rauscher, W.: Einige Betrachtungen zu den Relativitätstheorien - Als Ergänzung zur Schöpfungsgeschichte Mathilde Ludendorffs. In: Der Quell, 9. und 23. März 1956, S. 222-230, 262-269
  3. Jordan war (s. Wikip.) nicht nur Christ, sondern wurde ab 1957 auch Bundestagsabgeordneter für die CDU und Befürworter der Atombewaffnung der Bundeswehr. Auch in diesem Punkt wich er also deutlich von der Haltung Mathilde Ludendorffs ab. 1966 war er auch Mitbegründer der rechtskonservativen Evangelischen Notgemeinschaft in Deutschland (EniD). Noch heute definiert sich diese laut Wikipedia folgendermaßen: Die ENiD ist ein Zusammenschluß von nationalgesinnten deutschen Protestanten, die der Innere Notstand der Kirche bewegt und die sich angesichts der Herausforderungen der Gegenwart an das biblische Zeugnis im reformatorischen Verständnis gebunden wissen. Kirche muss Kirche bleiben! Zweck des Vereins ist die Besinnung auf den Auftrag der Kirche, der in der rechten Verkündung des Evangeliums besteht. Daraus ergibt sich notwendig auch die Treue im Umkreis der irdischen Pflichten zur Familie, zum Nächsten, zu Volk und Vaterland. Mit Bezug auf Luther, die Bibel und der Evangelien berufen wir uns auf die nationale Identität, die Familie und das ungeborene Leben. Wir erkennen die Oder-Neiße-Linie nicht als natürliche Staatengrenze an. Wir verstehen es als Selbstverständlichkeit, dass die Natur von Gott gegeben anerkannt wird. Wir sind gegen homosexuelle Eheschließungen und verachten den von den Etablierten initiierten „Karriere-Geist“ der Frauen. Die Frau sollte beruflich nicht benachteiligt sein, dennoch ihre Rolle als Mutter ernst nehmen und ehren. Einen Sozialismus in der Form, wie er existierte, lehnen wir in jedem Fall ab, da er zwingend in eine Diktatur läuft. Somit werden wir uns niemals einem kommunistischen Staat beugen, der die Kultur des abendländischen Deutschlands in Frage stellt.“
  4. o.V.: Die 2. Hochschultagung in Tutzing. In: Der Quell, Folge 8, 23.4.1956, S. 360-367
  5. http://de.wikipedia.org/wiki/Viktor_Schauberger
  6. Adam, Gerold: Fragwürdiger Streit um die Atomenergie. In: Forschungsfragen unserer Zeit, Lieferung 1/2 1957 (ausgeliefert im Mai 1957) In einer Buchbesprechung werden die pseudowissenschaftlichen, in ein esoterisches Umfeld eingebetteten Ideen von Schauberger behandet. Gerold Adam führt aus, daß die diese Ideen bewerbende Schrift von einem Reklamefachmann nicht besser hätte verfaßt sein können. Einem solchen, dem es (nach einem von Adam zitierten Wort Bertrand Russell's) auch noch gelingen würde, die Menschen davon zu überzeugen, daß Schnee schwarz ist.
  7. Bading, Ingo: Von Sumatra bis Athen - Ein welterfahrener Autor der Ludendorff-Bewegung Das Leben von Wilhelm Knake, eines Autors naturwissenschaftlicher Aufsätze der 1950er Jahre. Auf: Studiengruppe Naturalismus, 1. November 2015, http://studiengruppe.blogspot.de/2015/11/von-sumatra-bis-athen-ein.html
  8. Reinhard, Edmund: Eine wesentliche Antwort. In: Der Quell, Folge 19, 9.10.1955, S. 891-893
  9. Bading, Ingo: Erörterungen rund um naturwissenschaftliche Fragen in der Ludendorff-Bewegung vor 1961. Unveröffentlichtes Manuskript, 2015
  10. Ludendorff, Mathilde: Die Volksseele und ihre Machtgestalter. Erstauflage 1933. Verlag Hohe Warte, Pähl 1955, https://archive.org/details/MathildeLudendorffDieVolksseeleUndIhreMachtgestalter/page/n5/mode/2up

Sonntag, 1. November 2015

Von Sumatra bis Athen - Ein welterfahrener Autor der Ludendorff-Bewegung

Das Leben von Wilhelm Knake, eines Autors naturwissenschaftlicher Aufsätze der 1950er Jahre

In der Halbmonatszeitschrift der Ludendorff-Bewegung „Der Quell - Zeitschrift für Geistesfreiheit“ erschienen zwischen 1955 und 1961 viele Aufsätze des Ludendorff-Anhängers und -Verehrers Wilhelm Knake (1900-1979) (siehe Bibliographie: 1-20). Diese behandelten in der Regel naturwissenschaftliche und damit verbundene philosophische Fragen im Sinne der Philosophie von Mathilde Ludendorff. Da Wilhelm Knake bezüglich dieser Themen im Wesentlichen Autodidakt war, ist es bedeutsam, dass sie auch von Menschen mit einem naturwissenschaftlichen Universitätsstudium geschätzt werden konnten. 

Abb. 1: Der Dampfer Elmshorn (Wiki)

Dies hatte mehrere Gründe: 1. Wilhelm Knake hatte ein sehr genaues Gespür dafür, was eine naturwissenschaftliche Aussage ist und was eine Aussage ist, die über die Grenzen der Naturwissenschaft hinausgeht. 2. Wilhelm Knake konnte auch philosophische Inhalte angemessen vermitteln, er besaß einen ausreichenden Überblick über die Philosophiegeschichte des Abendlandes hierfür. 3. Beide Gebiete wusste er jeder Zeit mit großer Hochachtung vor der Geistesleistung eines anderer Menschen zu behandeln. Und er wusste beim Leser für beide Gebiete deshalb Begeisterung zu wecken. 4. Er hatte sehr viele damals erschienene aktuelle populärwissenschaftliche Schriften und Bücher gelesen. Vor allem aus den Bereichen Atomphysik und Astronomie, aber auch aus dem Bereich Biologie. In seinen Aufsätzen weist er immer wieder auf diese Schriften hin und er bringt selbständig ausgewählte, begeisternde Gedanken und Erkenntnisse aus denselben.

All dies zeigt, dass Wilhelm Knake ein sehr selbständig denkender Autor war, der dennoch immer sachlich blieb und dem es nicht darum zu tun gewesen war, mit seinen Geistesgaben zu schillern, sondern sie dazu zu benutzen, sich für die Philosophie der von ihm verehrten Mathilde Ludendorff im Rahmen seiner Möglichkeiten und seiner Interessengebiete einzusetzen.

Ein Überblick über die Inhalte dieser Aufsätze wird in einem anderen Manuskript gegeben. Doch lassen diese Aufsätze auch die Frage nach dem Menschen aufkommen, der hinter diesen Aufsätzen stand. Welches Leben hatte er? Oder auch ganz schlicht: Wie sah er aus? Antworten auf diese Fragen sind gar nicht so leicht zu bekommen. Eine Photographie von ihm liegt nicht vor. Andeutungen zu seinem Leben finden sich aber in seinen Aufsätzen durchaus. Und was sich darüber findet, soll im folgenden zusammengestellt sein. Vielleicht kann auch die folgende Zusammenstellung künftig noch aufgrund weiterer Quellen vervollständigt werden. Vielleicht melden sich Verwandte oder Nachkommen von Wilhelm Knake, um hierbei behilflich zu sein. - - - Wilhelm Knake deutet im Jahr 1957 an einer Stelle einiges über seinen beruflichen Werdegang an1:

Ich möchte darauf hinweisen, dass meine 40-jährige berufliche Tätigkeit mir eine gewisse Berechtigung einräumen dürfte, das aus eigenem Antrieb gewählte Thema

nämlich die Naturwissenschaft

zu behandeln. Sechs Jahre Fahrenszeit als Funkoffizier auf deutschen Handelsschiffen in den 20er Jahren und der vieljährige Fernmeldedienst (Fernsprechtechnik) bei der Kaiserlichen, Reichs- und Bundes-Post gewährten dem Verfasser einen weitgehenden Einblick in die wunderbaren Gesetze der Ätherwellen und der Ausnutzung einer der Urkräfte des Universums, der Elektrizität.
Aus solchen beruflichen Zusammenhängen heraus entwickelte Wilhelm Knake also die bei ihm vorliegenden Interessen für grundlegendere naturwissenschaftliche und auch philosophische Fragen.
Wer aus irgendwelchen Gründen,
schreibt er 1957 ähnlich,
sei es beruflich oder aus persönlichem Interesse für naturwissenschaftliche Fragen den Weg der atomphysikalischen Forschung in den letzten 60 Jahren (…) verfolgt ...

Auch solche Worte deuten natürlich auf ihn selbst als Autor. Wilhelm Knake ist im Jahr 1900 geboren worden2. Im Jahr 1914 war er also 14 Jahre alt. Das Abitur scheint er nicht gemacht zu haben. Denn zunächst erhielt er - offenbar als 16-Jähriger - eine Ausbildung als Telegraphengehilfe bei der Kaiserlichen Post. Und mit 17 Jahren meldete er sich als Kriegsfreiwilliger.

1917/18 – Als Kriegsfreiwilliger an der Westfront

Über seine Zeit als Kriegsfreiwilliger hat er 1953 in einem Aufsatz berichtet, um die These Erich Ludendorffs vom sogenannten „Dolchstoß“ (dass das deutsche Heer des Westens von hinten erdolcht worden sei) mit eigenen Erlebnissen zu unterstützen. Aus diesen sollen einige jener Auszüge gebracht werden, die Aufschlüsse über ihn selbst und sein Leben erlauben3:

Die aufschlußreichen Erlebnisse eines einfachen Kriegsfreiwilligen aus den letzten Kriegsjahren 1917/18, die im folgenden wiedergegeben werden, dürften dazu beitragen, die Veröffentlichungen des Feldherrn Ludendorff mit ihren aufsehenerregenden Enthüllungen zu unterstreichen, und den Nachweis erbringen, dass die Verteidigungskraft des Westheeres Ende 1918 durchaus nicht gebrochen war. (…)
Im Frühjahr 1917 meldete ich mich als 17jähriger wie so viele andere freiwillig zum Wehrdienst. (…) Auf Grund meines Berufes als Telegraphengehilfe bei der Kaiserlichen Post wurde ich zur Nachrichtenersatzabteilung Berlin-Treptow versetzt. (…) Auf dem Bahnhof „Lehrter Straße“ spielten sich Abschiedsszenen zwischen Frontkämpfern und ihren Angehörigen in solch erschütternden Formen ab, dass der Entschluss, so schnell wie möglich zur Front zu kommen, ohne Schwanken gefasst wurde. Die Gelegenheit hierzu bot sich nach kurzen, schönen Urlaubstagen mit Eltern und Geschwistern in den geliebten Weserbergen um Rinteln schneller als gedacht.

Da er auf der Fahrt zur Front nicht rechtzeitig umsteigt, wird er für einen Deserteur gehalten und kommt in Untersuchungshaft. Hier

stieß ich zum ersten Male auf „Drückeberger“, deren Existenz ich bis dahin für unmöglich gehalten hatte. (…) In den langen Nächten grübelte ich über die Gründe nach, die zu einer so grundverschiedenen Auffassung über unsere Pflichten dem Vaterlande gegenüber geführt haben könnten. Ich vermochte das Rätsel nicht zu lösen, obgleich mir eine gewisse Einhelligkeit in den Überzeugungen der Deserteure (…) schon damals zu denken gab.

Erich Ludendorff schreibt in seinen "Kriegserinnerungen" zum Frühjahr 1918 diesen Verhältnissen große Bedeutung zu (1919, S. 470):

Der Ausfall an Deserteuren war ungemein hoch. (...) Noch viel mehr hielten sich sorglos in der Heimat auf, von ihren Mitbürgern stillschweigend geduldet, von den Behörden nach jeder Richtung hin unbelästigt. Sie und die Drückeberger an der Front, die sich ebenfalls auf viele Tausende beliefen, minderten die Gefechtsstärken der fechtenden Truppen und namentlich der Infanterie, aus der sie der großen Mehrzahl nach stammten, entscheidend. (...) Mehr Ersatz konnte aufgebracht werden, wenn der Kriegswille in der Heimat da war. Von diesem Kriegswillen hing Enscheidendes ab, aber er versagte.

Knake berichtet dann sehr lebendig von den verschiedenen Einsätzen seiner Division in der deutschen Frühjahrsoffensive des Jahres 1918 und in den darauf folgenden Rückzugskämpfen. Dann wird die Division plötzlich „über Nacht“ verladen und der Zug rollt zur Überraschung der Soldaten quer durch Süddeutschland nach München. Hier erfahren sie, dass dort eine Revolution droht, und dass sie dazu ausersehen seien, diese niederzuschlagen. Doch werden sie dann nicht eingesetzt. Dann ist plötzlich der Kaiser abgedankt und die Soldaten werden entwaffnet. Knake fast seine damalige endlose Überraschung und sein völliges Unverständnis das Plötzliche dieses Geschehens in die Worte:

Wie war es möglich, dass so etwas in Deutschland vorkommen konnte, wo man die Monarchie für eine unerschütterliche Einrichtung gehalten hatte.

Und er schreibt weiter:

Der dem Soldaten so unverständliche Ausgang des 1. Weltkrieges erhält eine klare Deutung durch das Werk „Kriegshetze und Völkermorden“

von Erich Ludendorff. So schreibt er als überzeugter Anhänger Erich Ludendorffs.

1923 – Auf Handelsschiffen rund um die Welt

Wie er dazu geworden ist, wird gleich noch deutlich werden.

Über seine „sechs Jahre Fahrenszeit als Funkoffizier auf deutschen Handelsschiffen in den 1920er Jahren“, von denen schon die Rede war, hat Wilhelm Knake 1954 in „Füllhorn“, der Jugendzeitschrift der Ludendorff-Bewegung, sehr ausführlich ein recht genaues und auch eindrucksvolles Bild gegeben4. Er berichtet vor allem über seine Reise auf dem Dampfer „Elmshorn“ im April 19235 über Bristol mit Kohlen durch das Mittelmeer nach Port Said in Ägypten, wo die Kohlen gelöscht wurden. Weiter ging es durch den Suez-Kanal ins Rote Meer und von dort weiter durch den Indischen Ozean nach dem Hafen Colombo auf der Insel Ceylon und von dort schließlich nach der Insel Java, wo die Häfen Batavia, Tjilatjap, Surabaya, Samarang angesteuert wurden, ebenso Makassar auf der Insel Celebes und Padang auf Sumatra. Dort wurde der unermessliche Laderaum mit tropischen Erzeugnissen angefüllt, insbesondere mit Kopra und braunem Zucker, bevor die Rückfahrt nach Hamburg begann. Auf der Rückfahrt wurde auch Griechenland angesteuert, wovon der letzte Teil seiner Erzählung handelt. Hier besuchte er mit einem Kollegen die Akropolis in Athen. Er schreibt:

Wir (…) ließen den „Odem der Geschichte“ tief auf uns einwirken, der uns hier wie nirgendwo sonst in der Welt umfing. Weit reichte unser Blick nach Osten in das attische Land, wo vor Zeiten die Griechen ihren großen Sieg in der Schlacht bei Marathon gegen die Perser errungen hatten. (…) Wandten wir unseren Blick zur anderen Seite gegen Westen, sahen wir hinten im blauen Mittelmeer die Insel Salamis liegen, bei der die griechische Flotte einstmals einen großen Sieg über die zahlenmäßig weit überlegenen Schiffe der Perser errungen hatte. (…) In unsere Bewunderung für die Größe eines versunkenen schönen Zeitalters mischte sich tiefe Trauer, das diese Schönheiten der Nachwelt nicht erhalten geblieben waren.
Abb. 2: Funkstation eines Schiffes
- aus der Frühzeit der Funktechnik



An einer Stelle erwähnt er6,
dass die deutschen Kolonisatoren überall in der Welt, wo deutsche Kolonien gegründet worden waren, nach kurzer Zeit die Zuneigung der Eingeborenen gewannen. Diesen Eindruck erlebte ich am stärksten, als wir auf einer Rundfahrt um Afrika mit dem schönen Passagier-Dampfer der Deutsch-Ostafrika-Linie „Usaramo“ den idyllischen, ehemals deutschen Hafen Daressalam an der Ostküste Afrikas anliefen und uns die Askaris an Bord besuchten. Immer wieder fragten sie uns, wann die Deutschen wiederkämen, um die unbeliebten neuen englischen „Herren“ abzulösen, mit denen man anscheinend gar nicht zufrieden war.

An einer anderen Stelle erwähnt er den „kalten Humboldtstrom an der Westküste Südamerikas“. Auch besuchte er in jenen Jahren7

Kyoto, das bedeutendste religiöse Kulturzentrum Japans.

Er kam also um die ganze Welt, nach Asien, nach Afrika und nach Amerika.

1928 – Ein „niemals zuvor in seiner Tiefe erlebter Eindruck“

Es folgte dann, wovon ebenso schon die Rede war, der „vieljährige Fernmeldedienst (Fernsprechtechnik) bei der Reichspost“. In dieser Zeit nun wurde Wilhelm Knake Ludendorff-Anhänger. Im Jahr 1976, nach dem Tod seiner Frau, veröffentlicht er einige persönliche Erinnerungen dazu8:

Nachdem wir uns (...) kennengelernt hatten (...), erlebten wir zur Sonnenwende 1928 in Walsrode gemeinsam die erste unmittelbare Begegnung mit dem Sieger von Tannenberg und seiner Gattin, der Philosophin unseres Jahrhunderts (!) Dr. M. Ludendorff. Der bis dahin in seiner Tiefe niemals zuvor erlebte Eindruck der beiden Großen unseres Volkes auf meine Braut und mich lässt sich mit wenigen Worten nicht wiedergeben. Mit dem unvergesslichen Erlebnis war uns beiden in gleichem Maße der Weg für unser politisches und weltanschauliches Handeln als Deutsche für die Zukunft gewiesen.

Dieser starke Eindruck durch das Erleben der persönliche Anwesenheit von Erich und Mathilde Ludendorff hat in jenen Jahren viele Menschen dazu veranlaßt, fortan überzeugungstreue Ludendorff-Anhänger zu werden.

1943 – Bombenangriff auf Hannover

Ob Wilhelm Knake und seine Frau Kinder hatten oder ob die Ehe kinderlos blieb, ist einstweilen nicht bekannt. Auch keine weiteren Einzelheiten aus seinem Leben. Er berichtet an einer Stelle von seiner oben schon erwähnten Reise nach Indonesien im Jahr 19239:
Die Briefe in die Heimat, die meine Mutter jahrelang gesammelt und mit großer Sorgfalt aufgehoben hatte, wurden beim Bombenangriff der Engländer auf Hannover ein Opfer der Flammen, wie so viele andere wertvolle Dokumente der Vergangenheit.

Über sein persönliches Erleben in der Endzeit des Zweiten Weltkrieges hat er auch einiges veröffentlicht. 

1945 – Aus dienstlichem Anlaß Zusammensein mit Offizieren einer Nachschub-Schule

Die Endzeit hat er womöglich unter anderem bei einer Nachschubeinheit der Wehrmacht verbracht. Schreibt er doch in einem Aufsatz über die deutsche Waffenentwicklung der Rakete „Rheintochter“ (auch „V 8“ genannt)10, nachdem er aus einem Bericht dazu zitiert hatte11:

Damit erhalten auch die vertraulichen Mitteilungen gegen Kriegsende Wahrheitsgehalt, die mir selbst mehrere Male bei dienstlichen Anlässen von höheren Offizieren einer Nachschub-Schule gemacht worden sind. Das große Rätsel des Nichteinsatzes einer so entscheidenden Waffe bleibt weiterhin ungelöst.

Zuvor hatte er schon geschrieben:

1944 lagerten viele Hunderte der inzwischen vervollkommneten „Rheintöchter“ einsatzbereit im Sennelager am Fuße des Teutoburger Waldes. Mit diesen Projektilen hätte die deutsche Luftwaffe die Tag und Nacht einfliegenden angloamerikanischen Bombergeschwader vernichten können.

Tatsächlich scheint diese Frage des Nichteinsatzes der „Rheintochter“ eine der vielen ungeklärten Fragen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg zu sein. Vielleicht gehört dieses Thema zu dem umfangreichen Thema der innerdeutschen Sabotage der deutschen Kriegsanstrengungen, das in Veröffentlichungen heute immer ausführlicher dokumentiert wird12, und das zeigt, wie wenig Schwierigkeiten Netzwerke wie die der Freimaurerei, des Jesuitenordens, westlicher und östlicher Geheimdienste es hatten, innerhalb des Dritten Reiches und seiner politischen wie militärischen Führung unerkannt wirksam zu bleiben.

1945 – Nach dem Kriegsende an der Niederelbe

Ebenfalls aus eigenem persönlichen Erleben berichtet Wilhelm Knake, wenn er schreibt13:

Wenige Wochen nach dem Abschluss der Endkämpfe des zweiten Weltkrieges taten sich einige aus einem englischen Gefangenenlager an der Niederelbe entlassenen Frontsoldaten zusammen. Es waren hervorragende Künstler des Leipziger Gewandhausorchesters (…) darunter. Da die Säle einer kleinen Stadt nahe der Zonengrenze durch die Besatzungsmacht beschlagnahmt waren, gaben die entlassenen Frontkämpfer, noch angetan mit ihren in Frontkämpfen zerschlissenen feldgrauen Uniformen, aus eigenem inneren Antrieb für die Stadtbevölkerung kostenlose Abendkonzerte in der Kirche des Ortes, die sich wegen ihrer guten Akustik hierzu besonders eignete.
Wenige Wochen zuvor waren Panzer durch die kleine Stadt gerollt, peitschen die Garben von MG's und Maschinenpistolen durch die sonst so stillen Gassen des Ortes. Nun war der Kampflärm verstummt; an seine Stelle trat jedoch die unsichere Zukunft eines hoffnungslos geschlagenen Volkes, mit Hunger, Kälte und Entbehrungen aller Art. - Wohin zog es die gequälten Deutschen jener Zeit mit unwiderstehlicher Kraft? - Aus Kriegslärm und Kampfgetöse kehrten die Deutschen damals zuerst zurück in die lang entbehrte, aber unentbehrliche Welt der geistigen, der kulturellen Werte! Die feldgrauen Künstler spielten in der überfüllten Kirche Bach und Händel, Haydn und Mozart, Beethoven und Schubert. Selten wohl gab es eine andächtigere Zuhörerschaft, die, trotz verzweifelter Daseinsbedingungen, als ersten Weg aus den Kriegsnöten die Heimkehr zu den unsterblichen Werken der Kulturschöpfer seines eigenen Volkes wählte! - „... Jenseits des Kampfes ums Dasein beginnt das Erleben der Seele! ...“

Mit diesen wenigen Worten schon macht Wilhelm Knake deutlich, wie viel er von den eigentlichen Gehalten der Philosophie von Mathilde Ludendorff begriffen hatte. Dass es nämlich nach ihr im Wesentlichen gar nicht auf „Politiktreiben“ ankommt, sondern auf das Leben der kulturellen Werte eines Volkes.

1955 bis 1961 – Naturwissenschafts-Autor des „Quell“

Nach 1945 arbeitete Wilhelm Knake – wie oben schon erwähnt - im Fernmeldedienst der deutschen Bundespost. Und zwischen 1955 und 1961, also zwischen seinem 55. und 61. Lebensjahr, hat er wie ebenfalls schon eingangs erwähnt, viele der wertvollsten Aufsätze in der Zeitschrift „Quell“ veröffentlicht, die damals überhaupt erschienen sind. Nämlich zum aller größten Teil zu naturwissenschaftlichen Themen und zum Verhältnis der Naturwissenschaft zur Philosophie von Mathilde Ludendorff.

Da dies bei einer so naturwissenschaftsnahen Philosophie wie derjenigen von Mathilde Ludendorff das für diese Philosophie zukunftsträchtigste Thema überhaupt war und ist, erhalten seine Aufsätze noch einmal größere Bedeutung. Aber wie gesagt, ist ihrer inhaltlichen Behandlung ein eigenes Manuskript vorbehalten, das seine naturwissenschaftlichen Aufsätze im Zusammenhang mit denen anderer zeitgleicher Aufsätze behandelt.

1958 veröffentlichte Wilhelm Knake auch zur Wiederkehr des Geburtstages von Erich Ludendorff einen Aufsatz14. In diesem zitiert er umfangreich aus der wenig bekannten Rede, die Erich Ludendorff im September 1932 im Salzburger Festspielhaus gehalten hat anlässlich einer Tagung gegen die Gründung einer katholischen Universität daselbst.

Es muß dann besonders auffallen, dass Wilhelm Knake nach 1961 als Autor der Ludendorff-Bewegung nicht mehr in Erscheinung tritt. Und zwar weder in der Zeitschrift „Mensch & Maß“, noch in der Zeitschrift „Mein Standpunkt“. Es stellt sich die Frage: Hat er Verwarnungen von seinem Arbeitgeber erhalten? Hat er unter Pseudonym veröffentlicht? Hat er in anderen Periodika veröffentlicht? War er krank? Diese Fragen können einstweilen nicht beantwortet werden.

Wilhelm Knake stirbt ein Jahr nach seiner Frau, im Jahr 1979. In der Todesanzeige für ihn heißt es15:

Schon vor fast drei Jahrzehnten hat er sich in den Dienst des Aufklärungskampfes gegen die Kernenergie gestellt und in Vorträgen und Abhandlung nachdrücklich davor gewarnt. Daneben schrieb er zahlreiche Beiträge über naturwissenschaftlich-philosophische Fragen. (...) Vielen Freunden hielt er die Totenrede.

Dies wäre das, was bislang zu dem Leben von Wilhelm Knake zusammengetragen werden kann.


/ Zuerst veröffentlicht 18.9.2015, um die Angaben 
in der Zeitschrift Füllhorn ergänzt 1.11.2015 /

Bibliographie der naturwissenschaftlich-philosophischen Aufsätze von Wilhelm Knake

  1. Knake, Wilhelm: Die Verantwortung der heutigen Wissenschaft. In: Der Quell, Folge 12, 23.6.1955, S. 554-560
  2. Knake, Wilhelm: Die Atomkriegsgefahr. In: Der Quell, Folge 15, 9.8.1955, S. 693-697
  3. Knake, Wilhelm: Die Wahrheit wird siegen! In: Der Quell, Folge 13, 9.7.1956, S. 588-601
  4. Knake, Wilhelm: Die Atombombe, ein Fanal menschlichen Niedergangs! In: Der Quell, Folge 16, 23.8.1956, S. 739-752
  5. Knake, Wilhelm: Die Philosophie - „Königin der Wissenschaften“. Zur Vollendung des 79. Lebensjahres der Philosophin Mathilde Ludendorff. In: Der Quell, Folge 19, 9.10.1956, S. 878-886
  6. Kn., W. (wohl Wilhelm Knake): Feierstunden. Eine Rückschau (auf die Feier von Mathilde Ludendorffs Geburtstag 1956). In: Der Quell, Folge 24/1956, S. 1118-1120
  7. Knake, Wilhelm: Hochwillkommene Sonnenexplosion. In: Der Quell, Folge 24, 23.12.1956, S. 1123-1130, Folge 1, 23.1.1957, S. 77-84, Folge 5, 9.3.1957, S. 204-215
  8. Knake, Wilhelm: Die gegenwärtige Krise der Naturwissenschaften und ihre Überwindung durch die Philosophie. In: Festschrift zum 80. Geburtstage Dr. Mathilde Ludendorffs. Verlag Hohe Warte, Pähl 1957, S. 88-146 [besprochen in: Der Quell, Folge 19, 9.10.1957, S. 881f]
  9. Knake, Wilhelm: Philosophie im Atomzeitalter. In: Der Quell, Folge 19, 9.10.1957, S. 887-900, Folge 20, 23.10.1957, S. 935-942
  10. Knake, Wilhelm: Deutschland vor Fertigstellung der Atombombe besiegt. In: Der Quell, Folge 22, 23.11.1957, S. 1012-1019
  11. Knake, Wilhelm: Die Lehren des Abwurfs von Atombomben auf Lebewesen. In: Der Quell, Folge 23, 9.12.1957, S. 1069-1075
  12. Knake, Wilhelm: Die Weite der Weltdeutung Mathilde Ludendorffs. Zum 81. Geburtstag der Philosophin am 4.10.1958. In: Der Quell, Folgen 19 und 20, 9. und 23.10.1958, S. 871-880, 916-927
  13. Knake, Wilhelm: Die Harmonie im Kosmos. In: Der Quell, Folge 24, 23.12.1958, S. 1136-1140
  14. Knake, Wilhelm: Wunderwaffen und Machtpolitik. In: Der Quell, Folge 7, 9.4.1959, S. 307-316
  15. Knake, Wilhelm: Ewigkeit des Universums? In: Der Quell, Folge 13, 9.7.1959, S. 587-597 [Fred Hoyle]
  16. Knake, Wilhelm: Die Philosophie als lebenswichtige Wissenschaft. Zum 82. Geburtstag der Philosophin Dr. Mathilde Ludendorff. In 4 Teilen. In: Quell, 1959/60, S. 888 – 896 (9.10.1959), 936, 1127, 22
  17. Knake, Wilhelm: Eine „große Maschine“ oder ein „großer Gedanke“? Vortrag, gehalten auf der Jahresversammlung des Ahnenstättenvereins „Hilligenloh“ am 16.8.1959. In: Quell, 9.12.1959, S. 1086-1093
  18. Knake, Wilhelm: Die Vorstellung über einen persönlichen Gott und ihre „Kopernikanische Wandlung“ in heutiger Zeit. Im Auftrage des „Bund für Gotterkenntnis (L)“ am 15. November 1959 auf der 3. Oldenburger Kulturtagung gehaltener Vortrag. 1. - 3. Teil. In: Der Quell, Folge 12-14, 23.6.-9.7.1960, S. 552-561, 607-612, 643-651. Als Sonderdruck hrsg. vom Bund für Gotterkenntnis, Tutzing 1959
  19. Knake, Wilhelm: Vom „Gott-Suchen“ zum „Gott-Erkennen“. Gedanken zum 83. Geburtstag der Philosophin Dr. Mathilde Ludendorff. In: Der Quell, 9.10.1960, S. 870-881
  20. Knake, Wilhelm: Ein neuer physikalischer Begriff und seine philosophische Bedeutung. 1.-3. Teil. In: Der Quell, Folge 2 bis 4, 23.1. bis 23.2.1961, S. 76-84, 103-112, 171-180
  21. Knake, Wilhelm: Erwin Schrödinger und die alten Griechen. 1. - 3. Teil. In: Der Quell, Folge 7-9, 9.4.-9.5.1961, S. 313-321, 344-356, 400-411
1Knake, Wilhelm: Die gegenwärtige Krise der Naturwissenschaften und ihre Überwindung durch die Philosophie. In: Festschrift zum 80. Geburtstage Dr. Mathilde Ludendorffs. Verlag Hohe Warte, Pähl 1957, S. 88-146, hier S. 94
2Todesanzeige für Wilhelm Knake. In: Mensch & Maß (Zeitschrift), 23.6.1979, S. 576
3Knake, Wilhelm: Der „Dolchstoß 1918“ - Legende oder Wirklichkeit. In: Der Quell, Folge 23, 9.12.1953, S. 1081-1090
4Knake, Wilhelm: Auf „Großer Fahrt“ nach Indonesien. In: Füllhorn – Zeitschrift für die Jugend. Folge 7, 15.7.1954, S. 193-199, Folge 5, 15.8.1954, S. 234-238. Folge 6, 15.9.1954, S. 267-275, Folge 10, 15.10.1954, S. 315-320, Folge 11, 15.11.1954, S. 334-343; Knake, Wilhelm: Reisebericht aus Griechenland. In: Füllhorn – Zeitschrift für die Jugend. Folge 5, 15.5.1955, S. 150-155
5Die Angaben zu den Fahrten dieses Dampfers auf https://de.wikipedia.org/wiki/Elmshorn_(Schiff,_1910) scheinen nicht ganz zu dieser Angabe April 1923 zu passen. Das müsste mit Hilfe eines kenntnisreicheren Marinehistorikers noch einmal abgeklärt werden.
6Knake, Wilhelm: Auf „Großer Fahrt“ nach Indonesien. In: Füllhorn – Zeitschrift für die Jugend. Folge 11, 15.11.1954, S. 338
7in: Der Quell, Folge 22, 23.11.1957, S. 1016
8Knake, Wilhelm: Danksagung und Nachruf. In: Mensch & Maß (Zeitschrift), Folge 10, 23.5.1976, S. 479
9Knake, Wilhelm: Auf „Großer Fahrt“ nach Indonesien. In: Füllhorn – Zeitschrift für die Jugend. Folge 11, 15.11.1954, S. 335
10https://de.wikipedia.org/wiki/Rheintochter_(Rakete) [1.9.15]
11Knake, Wilhelm: Wunderwaffen und Machtpolitik. In: Der Quell, Folge 7, 9.4.1959, S. 307-316
12Georg, Friedrich: Verrat an der Ostfront. Vergebliche Verteidigung Europas 1943-45. Grabert-Verlag, Tübingen 2014
13Knake, Wilhelm: Hochwillkommene Sonnenexplosion. 3. Teil In: Der Quell, Folge 5, 9.3.1957, S. 204-215. Da Knake zum Schluss in Uelzen lebte, das 45 Kilometer von der Zonengrenze bei Hitzacker an der Elbe entfernt war, könnte er im folgenden von einer Stadt wie Dannenberg erzählen.
14Knake, Wilhelm: Einheit von Erbgut und Glauben. Zum Geburtstag Erich Ludendorffs am 9.4.. In: Der Quell, Folge 7, 9.4.1958, S. 309-317
15Todesanzeige für Wilhelm Knake. In: MuM, 23.6.1979, S. 576

Montag, 25. Mai 2015

Das kollegiale Verhältnis zwischen Hans Ludendorff und Albert Einstein

- Über zwei Jahrzehnte hinweg (1914 bis 1933)

Einleitung / Zusammenfassung

Auf die erste Seite ihres Buches „Siegeszug der Physik – Ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke“ setzte die naturwissenschaftnah argumentierende philosophische Schriftstellerin Mathilde Ludendorff (1877-1966) die Worte:
Dem Andenken an den Astrophysiker
Professor Hans Ludendorff
am Tage seines Todes 26.6.1941
gewidmet.
Bei diesem Astronomen Hans Ludendorff (1873-1941)1 handelt es sich um ihren Schwager, um den jüngeren Bruder des Generals Erich Ludendorff (1865-1937). Beide waren sich zum Beispiel - vielleicht zum letzten mal - noch am 21. Mai 1939 anlässlich der Einweihung einer Büste Erich Ludendorffs im Feldherrnsaal des Zeughauses in Berlin durch den damaligen deutschen Generalstabschef Franz Halder begegnet2.

Abb. 1: Hans Ludendorff (1873-1941)
Man gewinnt trotz dieser Widmung den Eindruck, als ob sich Mathilde Ludendorff - ebenso wie ihr Ehemann Erich Ludendorff - der Bedeutung, die Hans Ludendorff im wissenschaftlichen Leben seiner Zeit eingenommen hat, gar nicht in vollem Umfang bekannt gewesen ist. Und tatsächlich ist diese Bedeutung ja noch nicht einmal in Gedenkartikeln hervorgehoben worden, die 1941 und 1942 aus Anlaß des Todes von Hans Ludendorff erschienen sind. Dies liegt vor allem in dem Umstand begründet, daß der bedeutendste langjährige Kollege von Hans Ludendorff in Berlin und Potsdam in den 1920er Jahren niemand geringerer gewesen ist als Albert Einstein (1879-1955), der Begründer der Relativitätstheorie. Da Albert Einstein zwischen 1933 und 1945 in Deutschland zutiefst verfemt war wurde auch in Gedenkartikeln auf Hans Ludendorff an seine enge Zusammenarbeit mit Albert Einstein mit keinem Wort erinnert. Dieser Umstand wirkte so sehr nach, daß diese Zusammenarbeit noch 1987 in einem Artikel über Hans Ludendorff in der "Neuen Deutschen Biographie" nicht erwähnt worden ist (15). Sie war auch bis zur Intervention des Autors dieser Zeilen, also bis 2015, nicht auf dem Wikipedia-Artikel zu Hans Ludendorff erwähnt worden. Auf dem englischsprachigen wird sie auch 2017 noch nicht erwähnt. Viel Anlaß also, in dem vorliegenden Aufsatz wenigstens einmal das zusammen zu tragen, was - mit Hilfe von Internetrecherche - über diese Zusammenarbeit zusammen getragen werden kann.

Der Astronom Hans Ludendorff ist im Jahr 1921 der Leiter des Astronomischen Observatoriums Potsdam geworden und hat damit eine Stelle eingenommen, die zuvor der ihm gleichaltrige, berühmte deutsche Astrophysiker Karl Schwarzschild (1873-1916) innegehabt hatte. Der schon mit 43 Jahren verstorbene geniale Schwarzschild hatte zu den ersten Wissenschaftlern weltweit gehört, die die Allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins auf theoretischem Gebiet ernst genommen und weiter ausgearbeitet hatten. Unter anderem wird nach ihm jener „Schwarschild-Radius“ benannt, der in der Theorie Schwarzer Löcher bis heute die zentrale Rolle spielt.

Karl Schwarzschild wurde nach seinem allzu frühen Tod (infolge seines Kriegseinsatzes) von seinen Kollegen durchgängig für „unersetzbar“ gehalten. Aufgrund seiner herausragenden Bedeutung wurde daran gedacht, dass theoretische Physiker wie Albert Einstein selbst oder Max von Laue seine Nachfolge als Leiter des Astronomischen Observatoriums in Potsdam antreten sollten. Doch verfügte niemand von ihnen über jene dafür notwendige Ausbildung und Berufserfahrung im Bereich der traditionellen Astronomie, wie sie Karl Schwarzschild mit Begabung für theoretische Physik in seiner Person verbunden hatte. Auch auf Seiten der traditionellen Astronomen gab es niemanden, der ähnlich wie Schwarzfeld astronomische Berufserfahrung mit Begabung auf dem Gebiet der theoretischen Physik verband. Deshalb entschied man sich 1916 für den Astronomen Erwin Müller und 1921 für dessen engen Mitarbeiter, den Astronomen Hans Ludendorff, als Nachfolger, obwohl die theoretischen Physiker jedes mal gerne einen der ihren auf diesen Posten gebracht hätten. 

Hans Ludendorff hat nicht nur 1921 an Stelle von Albert Einstein die Leitung des Astronomischen Observatoriums Potsdam übernommen. 1923 hat er in ähnlicher Konstellation auch die Leitung jener wissenschaftlichen Expedition übernommen, zu der die mexikanische Regierung eigentlich Albert Einstein eingeladen hatte, für die Einstein selbst dann aber Hans Ludendorff als seinen Ersatz vorgeschlagen hat. Auf diese Expedition ging dann das lebenslange Interesse von Hans Ludendorff an den astronomischen Kenntnissen der Hochkultur der Maya zurück.

Schon in diesen wenigen Tatsachen deutet sich das enge persönliche und kollegiale Verhältnis an, das zwischen Hans Ludendorff und Albert Einstein zwischen 1914 und 1933 bestand. Hans Ludendorff atmete aber auch keineswegs auf, als Albert Einstein 1933 Deutschland verlassen musste. Vielmehr bestellte er noch 1934 bei der Firma Zeiss in Jena Geräte zur empirischen Überprüfung der Einstein'schen Relativitätstheorie. Hans Ludendorff ließ sich also seine wissenschaftliche Tätigkeit nicht vom „Zeitgeist“ bestimmten.

Hans Ludendorff also gehörte zu jenem überschaubaren Kreis der Berliner Wissenschafts-Elite, die sich seit 1914 rund um Albert Einstein gruppiert hat. Den Umstand, dass er dabei vielleicht wissenschaftlich noch der am wenigsten innovative war, war er jeder Zeit bereit, freimütig einzugestehen und dieser wurde auch von seinen Kollegen so gesehen. Dennoch hat er die Entwicklung der theoretischen Physik in Deutschland in jenen Jahren, die zugleich die weltweit führende überhaupt war, aus einer persönlichen Nähe miterlebt und mitgestaltet, wie dies in jener Zeit kaum einem zweiten vergönnt war. Würde ein Hans Ludendorff über sein Leben Erinnerungen hinterlassen haben, müßten sie spannend zu lesen sein. Die vorliegende Abhandlung soll einen ersten Eindruck von den Inhalten solcher möglicher Erinnerungen geben.

Hans Ludendorff stand in mindestens alljährlichem persönlichen Zusammenwirken mit Albert Einstein, sei es, weil sie beide Kuratoren oder Mitglieder derselben wissenschaftlichen Stiftungen waren, die der empirischen Überprüfung der allgemeinen Relativitätstheorie Einsteins dienten, sei es weil schließlich auch Hans Ludendorff in mindestens zwei wissenschaftlichen Aufsätzen mit der Auswertung der Daten zur Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie befasst gewesen ist. Wobei zumindest der erstere der beiden Aufsätze Ludendorffs (von 1915) auch das Interesse von Albert Einstein weckte.

Angesichts all dieser Umstände ist es denn auch leicht zu verstehen, dass Hans Ludendorff keineswegs den Anti-Einstein-Propagandisten der sogenannten „Deutschen Physik“ auf den Leim gegangen ist. Er hat das Einfließen-Lassen außerwissenschaftlicher Motive - wie des Antisemitismus und des völkischen Denkens - in die innerwissenschaftlichen Debatten ganz wie auch seine Kollegen Max Planck, Arnold Sommerfeld oder Werner Heisenberg abgelehnt, wahrscheinlich sogar ähnlich angeekelt wie Werner Heisenberg3.

Zu sagen ist allerdings auch, dass für Hans Ludendorff seine Tätigkeit als Leiter des Observatoriums in Potsdam bis 1933 überschattet war von einem tiefgehenden, dauernden, und offenbar mehr im Persönlichen als im Sachlichen wurzelnden „Kleinkrieg“ seiner selbst mit jenem ihm unterstellten Astrophysiker Erwin Freundlich (1885-1965), dem Leiter des Einstein-Instituts im Einstein-Turm auf dem Potsdamer Telegrafenberg, der als persönlichster Schüler und Assistent Einsteins in diese Position gelangt war, der als der treueste und eifrigste damalige deutsche „Gefolgsmann“ Albert Einsteins auf dem Gebiet der astronomischen Wissenschaft galt. 

Die Wissenschaftshistoriker weisen aber darauf hin, dass Hans Ludendorff bei weitem nicht der einzige gewesen ist, der in schwere persönliche Auseinandersetzungen mit diesem wohl sehr eigenwilligen Erwin Freundlich geraten ist, dass Albert Einstein selbst sehr früh den Kontakt zu Freundlich ganz abgebrochen hat, weshalb sich die Wissenschaftshistoriker heute auch keineswegs mehr sicher sind, ob die persönliche Gegnerschaft von Hans Ludendorff gegenüber Erwin Freundlich wirklich verbunden gewesen sein könnte mit einer vornehmlich im außerwissenschaftlichen Bereich wurzelnden Skepsis oder Ablehnung der Relativitätstheorie überhaupt. Letzteres ist mitunter in der Literatur vermutet worden, womöglich aber auch nur aus der Tatsache abgeleitet worden, dass Hans Ludendorff eben der Bruder von Erich Ludendorff war, von dem man sich offenbar leicht vorstellen konnte, dass ihm die Unterscheidung zwischen wissenschaftlichen und außerwissenschaftlichen Beweggründen schwer fallen könne (was, soweit übersehbar, keineswegs der Fall war).

Es gibt jedoch bis auf weiteres keinen Hinweis, dass sich Erich und Mathilde Ludendorff jemals zu Lebzeiten von Hans Ludendorff über die moderne theoretische Physik, über sein Verhältnis zu Albert Einstein oder auch über seinen „Kleinkrieg“ mit Erwin Freundlich ausführlicher hätten unterrichten lassen. Mathilde Ludendorff sagte selbst, dass sie bis Anfang der 1940er Jahre nie Zeit gefunden hätte, sich mit solchen wissenschaftlichen Themen gründlicher zu befassen. 

Und noch ihre im Spätherbst 1940 verfasste und Anfang 1941 erschienene Schrift „Ein Blick in die Naturwissenschaft unserer Tage“ erweckt den Eindruck, als ob sie es auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht beabsichtigen würde, das in umfangreicher Weise zu tun. Erst nach Verfassen dieser Schrift - also irgendwann im Winter 1940/41 - scheint sich das Interesse Mathilde Ludendorffs diesem Thema so grundlegend zugewandt zu haben, dass daraus - innerhalb weniger Monate – ihr Buch „Siegeszug der Physik“ entstand.

Und da Hans Ludendorff in dieser Zeit schon schwer erkrankt war, wird auch ein gewisses Bedauern in den zitierten Worten ihrer Widmung darüber mitschwingen, dass sie sich aufgrund des Todes von Hans Ludendorff nicht mehr mit ihm über die Inhalte ihres Buches hat unterhalten und austauschen können.

Wenn allerdings Arnold Sommerfeld (1868-1951) schon kurz nach Erscheinen des Buches „Siegeszug der Physik“ sich mit einem anerkennenden Brief an Mathilde Ludendorff wandte, wie diese berichtete, so könnte dies auch daran liegen, dass ihr Verfassername an den allen Physikern bekannten des gerade erst verstorbenen Hans Ludendorff erinnerte und allein schon aufgrund dieses Umstandes Interesse und Vertrauen bei einem Menschen wie Arnold Sommerfeld geweckt haben könnte. Soweit zunächst eine Zusammenfassung der folgenden Ausführungen. Nun sei mehr auf die Details eingegangen.

Zunächst einiges zum familiären Leben von Hans Ludendorff. Er war mit Käthe Ludendorff, geb. Schallehn, verheiratet (geb. 1881). Sie scheinen drei Kinder gehabt zu haben:
  • Am 6. Juli 1908 wurde ihr Sohn Hans-Joachim Ludendorff geboren (Geni), der bis 2006 lebte, der nach 1945 den Biographen von Erich Ludendorff manche Auskünfte gegeben hat und der auch selbst Lebenserinnerungen hinterlassen hat, die womöglich noch einmal eingesehen und ausgewertet werden sollten, auch zum Leben seines Vaters Hans Ludendorff.
  • Eine Tochter von Hans Ludendorff hieß Margarethe (womöglich benannt nach der ersten Ehefrau von Erich Ludendorff, die ja auch Margarethe hieß, und die dieser 1908 heiratete?) Sie trug auch den Spitznamen Deti. Sie heiratete später den Reichswehroffizier Artur von Casimir (1908-2005) (Wiki), der 1939 und 1940 Oberst und Bomberpilot war, aber schon am 30. Mai 1940 durch Abschuß in englische Kriegsgefangenschaft geriet. Aus dieser wurde er erst 1948 entlassen. 1955 trat er in die Bundeswehr ein, in der er bis 1966 Dienst tat, zum Schluß als Militärattache in Ankara (Deutschlandjournal).
  • Ein weiterer Sohn scheint Erich geheißen zu haben.

1911/15 – Die Allgemeine Relativitätstheorie und ihre empirische Überprüfung

Albert Einstein veröffentlichte 1905 als unbekannter Schweizer Beamter die Spezielle Relativitätstheorie und wurde von Max Planck entdeckt, der sich zusammen mit Arnold Sommerfeld außerordentlich begeistert über sie äußerte. Beide stuften sie sehr bald als eine „Kopernikanische Tat“ ein. Geradezu noch mit einer größeren Begeisterung, als man sie aus Einsteins Mund selbst je gehört hätte (vgl. etwa die Einstein-Biographie von Armin Hermann). Nachdem gerade in den Kreisen der deutschsprachigen Wissenschaft die Bedeutung von Einstein erkannt worden war, erhielt Einstein zunächst einen Ruf an die Universität Zürich, dann an die Universität Prag und schließlich an die Universität Berlin. Seit 1907 arbeitete er an der Allgemeinen Relativitätstheorie und tauschte sich darüber mit Kollegen und Studenten aus, darunter mit Karl Schwarzschild in Potsdam und mit Erwin Freundlich, die sich beide auch früh Gedanken zur empirischen Überprüfung der allgemeinen Relativitätstheorie machten. In einer Untersuchung von 1994 heißt es einleitend4:
Zeitgenössische Physiker standen Einsteins Spezieller und Allgemeiner Relativitätstheorie äußerst skeptisch gegenüber. Noch bevor die allgemeine Relativitätstheorie durch Messung (Periheldrehung von Planeten, Ablenkung von Lichtstrahlen) bestätigt war, griffen Mathematiker die Erkenntnisse begeistert auf. Im folgenden wird gezeigt, warum Mathematiker den Ideen eher zu folgen vermochten.
Über die Allgemeine Relativitätstheorie heißt es auf Wikipedia5:
Zur Zeit ihrer Einführung im Jahre 1915, hatte die Allgemeine Relativitätstheorie keine solide empirische Grundlage. Sie war ursprünglich vielmehr aus philosophischen Gründen sehr befriedigend, da sie das Äquivalenzprinzip erfüllte und das Newtonsche Gravitationsgesetz und die spezielle Relativitätstheorie als Grenzfälle beinhaltete. In experimenteller Hinsicht war lediglich bekannt, dass sie die „anomale“ Perihelbewegung des Merkur erklären kann, und 1919 wurde nachgewiesen, dass Licht im Gravitationsfeld entsprechend der Allgemeinen Relativitätstheorie abgelenkt wird.
Die Schwierigkeiten der empirischen Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie wurden zu Anfang von allen damit befassten Physikern unterschätzt, auch von Einstein selbst. Wikipedia berichtet, wie lange die Wissenschaft damit befasst war:
Es dauerte allerdings bis 1959, dass es möglich war, die Voraussagen der Allgemeinen Relativitätstheorie im Bereich schwacher Gravitationsfelder zu testen, wodurch mögliche Abweichungen von der Theorie genau bestimmt werden konnten. Erst ab 1974 konnten mit dem Studium von Binärpulsaren sehr viel stärkere Gravitationsfelder erforscht werden, als es sie im Sonnensystem gibt. Schließlich erfolgte die Untersuchung von starken Gravitationsfeldern auch im Zusammenhang mit Schwarzen Löchern und Quasaren. Beobachtungen sind hier naturgemäß sehr schwierig, trotzdem stimmen die Ergebnisse mit den Voraussagen der Allgemeinen Relativitätstheorie bislang überein.
Doch behalten wir uns für das folgende im Hinterkopf: So weit war man 1915 noch keineswegs. Und für die weitere Lebenszeit von Hans Ludendorff ist eigentlich nur sehr viel zu berichten über Versuche der empirischen Überprüfung der allgemeinen Relativitätstheorie und über den Umstand, dass diese zu seinen Lebzeiten alle unbefriedigend geblieben sind. Darauf hat dann auch Hans Ludendorff in zwei gründlichen Arbeiten hingewiesen, jedoch noch 1934 die weitere empirische Überprüfung gefördert.

1914 – Leitung der abgebrochenen Expedition nach Russland

1914 leitete Hans Ludendorff eine wissenschaftliche Expedition, die nach Rußland führte (Grundmann, S. 132):
1914 wurden drei deutsche Expeditionen zur Beobachtung der Sonnenfinsternis nach Russland geschickt, und zwar von den Sternwarten Berlin, Potsdam und Hamburg. (…) Die offizielle Expedition der Akademie stand unter der Leitung des Astronomen Ludendorff. (…) Da mittlerweile der 1. Weltkrieg ausgebrochen war, konnten die deutschen Expeditionen die Sonnenfinsternis am 21. August 1914 nicht beobachten.
Auf Umwegen und unter zum Teil großen Schwierigkeiten konnten die deutschen Wissenschaftler nach dem Beginn des Krieges nach Deutschland zurückkehren.

1915/16 – Einstein: „Sehr interessant war mir der Ludendorff'sche Aufsatz“

Der schon erwähnte Astrophysiker Erwin Freundlich (1885-1964)6 hat sich schon sehr früh bemüht, empirische Daten aus dem Bereich der Astronomie zur Bestätigung der Allgemeinen Relativitätstheorie zusammenzutragen. In der langjährigen Zusammenarbeit mit Einstein bildete er Einsteins wichtigste, aber zugleich auch „schwierige“ Verbindung zu den Astronomen.
In einer tabellarischen Übersicht zu den wissenschaftlichen Unternehmungen Freundlichs bis 1933 heißt es über seine Versuche zum Nachweis der sogenannten „Gravitations-Rotverschiebung (GRV)“ (Hentschel, S. 37):
1915ff.: Statistische Untersuchungen zur GRV bei Fixsternen in Abhängigkeit von ihrer Spektralklasse; beobachtete Rotverschiebungen werden mit geschätzten mittleren Massen und Radien der Fixsterne korreliert. These: GRV vorhanden. Aber: v. Seeliger und Ludendorff weisen Freundlich noch im gleichen Jahr sachliche Fehler und „wishful thinking“ nach. (…) Wiederaufnahme dieser Untersuchungen: 1919, 1922, 1924, 1928, 1930.
Der hier genannte Artikel von Hans Ludendorffs erschien 1915 in den „Astronomischen Nachrichten“7. Albert Einstein konnte ihm viel abgewinnen. Am 13. Februar 1916 schrieb Einstein an Struve (Hentschel, S. 47):
Ich danke Ihnen bestens für die Nummer der Astronomischen Nachrichten (…). Der Seeliger'sche Artikel zeigte mir nichts Neues. Sehr interessant war mir der Ludendorff'sche, aus dem ich ersehe, wie unvollkommen das bisherige Beobachtungsmaterial noch ist. Das Erfreuliche aber ist, dass man den Eindruck gewinnt, dass sich nach und nach Material wird gewinnen lassen, welches eine sichere Entscheidung zulassen wird.
An den Artikel von Ludendorff läßt sich die Frage knüpfen:
Sind schwächere Sterne desselben Spektraltypus durchschnittlich auch von kleinerer Masse? Dies wäre bei Doppelsternen beantwortbar, bei denen man die Größe der Masse mitteln kann. Ergäbe sich eine bedeutende Abhängigkeit, so könnte die Ludendorff'sche Betrachtungsweise in der Zukunft (sich) als sehr wertvoll erweisen. Solange der mittlere Fehler die ermittelte Rotverschiebung übersteigt (…), ist das Resultat ganz unsicher (…).
Jedenfalls sehe ich, dass Freundlichs Ergebnis keineswegs gesichert ist (nicht einmal qualitativ). Dagegen muss man Freundlich zugute halten, dass er zuerst auf einen gangbaren Weg zur Prüfung der Frage aufmerksam gemacht hat.
Nachdem der berühmte US-amerikanische Astronom Edwin Hubble (1889-1953) Mitte der 1920er Jahre mit Hilfe der Rotverschiebung der Nachbargalaxien nachwies, dass wir nicht in einem statischen, sondern expandierenden Universum leben, wurde erkannt dass der Nachweis einer zusätzlichen Gravitations-Rotverschiebung noch bedeutend schwieriger ist, als es bis dahin angenommen worden war (Hentschel, S. 50). Noch heute heißt es über experimentelle Bestätigungen der Allgemeinen Relativitätstheorie auf Wikipedia sehr zurückhaltend8:
Im Folgenden werden einige physikalische Phänomene erklärt, deren genaue experimentelle Überprüfung bisher die Allgemeine Relativitätstheorie gut bestätigt und den Spielraum für Alternativtheorien sehr verkleinert hat.

1916 – Der Tod Karl Schwarzschild's

1916 war der schon genannte Leiter des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, der bedeutende deutsche Astrophysiker Karl Schwarzschild (1873-1916)9, gestorben. Karl Schwarzschild hatte zwar eine solide astronomische Ausbildung genossen, galt aber als theoretischer Physiker und damit als Idealbesetzung für diesen Posten. Er hatte eng mit Albert Einstein zusammen gearbeitet und einerseits die Relativitätstheorie selbst weiterentwickelt. Zum anderen entwickelte er jenes Programm zu ihrer empirischen Überprüfung mit Hilfe von astronomischer Daten und Sachverhalten, das dann ein jüngerer Mitarbeiter Albert Einsteins, Erwin Freundlich, weiterverfolgen sollte.
Die beiden Nachfolger Schwarzschild's – die Astronomen Gustav Müller (bis 1921) und Hans Ludendorff (ab 1921) – sollten eine so große wissenschaftliche Bedeutung nicht haben, wie sie Karl Schwarzschild hatte. Aber sie standen beide der Relativitätstheorie Albert Einsteins und seiner Person ähnlich wohlwollend gegenüber und befassten sich mit der empirischen Überprüfung dieser Theorie durch die Astronomie und förderten sie. Hans Ludendorff noch mindestens bis 1934.
Hans Ludendorff schrieb in seinem Nachruf auf Karl Schwarzschild, dass er einen Charme besessen hätte, dem sich niemand hätte entziehen können (Schwarzschild, Gesammelte Werke, S. 24):
All the obituaries stressed the breadth of Schwarzschild's scientific work. Sommerfeld spoke of the stroke of good fortune that combined skill in astronomy, astrophysics and physics in one individual. (…) His saying that he could not get on with people who held him in too great a respect, was frequently mentioned. All in all, as Ludendorff said, he had a charm that no one could escape.

Januar 1918 - Hochzeit der Tochter Erich Ludendorffs

Am 3. Januar 1918 heiratete die Stieftochter Erich Ludendorffs und es wurde in den Zeitungen eine Fotografie veröffentlicht, auf dem auch die Ehefrau von Hans Ludendorff einmal zu sehen ist.

Abb.: "Hochzeit im Hause Ludendorff am 3. Januar" 1918
Sie steht direkt hinter der Braut. Sie wurde bezeichnet als:
Stehend: (...) Fr. Prof. Ludendorff.
Ihr Ehemann konnte offenbar nicht zur Hochzeit kommen.  

November 1918 – In den Revolutionstagen weicht Erich Ludendorff nach Potsdam aus

Um den 9. November 1918 herum lebte Erich Ludendorff für wenige Tage in Potsdam bei seinem Bruder Hans, da man glaubte, dass die Anwesenheit seiner Person auch für seine unmittelbare Umgebung in Berlin eine Gefahr darstellte. Danach ging Erich Ludendorff nach Schweden.

November 1919 - Einstein wird berühmt


Es ist dann zu erfahren (24):
On 6 November 1919, British astronomers - led by Arthur Eddington, the Plumian Professor of Astronomy at the University of  Cambridge, and Frank Dyson, the Astronomer Royal - announced  that their observations of a solar eclipse on 29 May from Principe, an islandoff the coast of west Africa, and Sobral, a city in northeastern Brazil, had confirmed a key prediction of Albert Einstein’s  controversial theory of relativity. Suddenly, Einstein became famous on both sides of the Atlantic.

1920 – Die Gründung des Einstein-Instituts und der Bau des Einstein-Turms

Nachdem die Astronomen in England mit der Überprüfung von Einsteins Relativitätstheorie schneller vorangekommen waren und Ende November 1919 für ihre Zeit „spektakuläre“ Ergebnisse veröffentlicht hatten, wurde in Deutschland zu einer „Einstein-Spende“ aufgerufen, für die eine „Einstein-Stiftung“ gegründet wurde, der der Einstein-Schüler und Astronom Erwin Freundlich vorstand. Mit dem von dieser Stiftung gesammelten Geld und den Sachspenden (von Zeiss, Jena, etwa) wurde der Bau des „Einstein-Turmes“ auf dem Gelände des „Astrophysikalischen Observatoriums“ in Potsdam schließlich finanziert. Planungen zu diesem Turm machte der mit Erwin Freundlich befreundete junge Architekt Erich Mendelsohn schon seit 1917 und sollte durch dieses sein Erstlingswerk zum nachmaligen „Stararchitekten“ seiner Zeit werden.
Als Erich Mendelsohn allerdings Einstein eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1941 übersandte, in der Parallelen aufgezeigt werden sollten zwischen solcher Architektur wie sie durch den Einstein-Turm repräsentiert wurde einerseits und der Relativitätstheorie andererseits, antwortete Einstein dazu nur (zit. n. Hentschel, S. 87):
Es ist einfach Klug-Scheißerei ohne jede vernünftige Basis!
Was Einstein über den Turm selbst und seine Architektur gedacht hat, scheint nicht zuverlässig überliefert zu sein. Bei der ersten Besichtigung zusammen mit dem Architekten soll er sich lange ausgeschwiegen haben und dann irgendwann wie nebenbei das Wort „organisch“ gemurmelt haben. Aber niemand hat nachher sagen können oder wollen, ob diese Kennzeichnung in anerkennendem oder absprechendem Sinne ausgesprochen worden war.
Womöglich stand Einstein ebenso ratlos vor dieser bis heute befremdlich wirkenden Architektur, wie man noch heute davor stehen kann. Was Hans Ludendorff von der Architektur des Einstein-Turmes gedacht hat, der ihm da auf dem Potsdamer Telegrafenberg vor die Nase gesetzt wurde, ist einstweilen nicht bekannt. Als die Beschlüsse zum Bau dieses Turmes fielen, war er ja auch noch nicht selbst Leiter des Observatoriums.

Februar 1921 – Ludendorff wird zum Leiter des Astrophysikalischen Observatorium Potsdam ernannt

Als Gustav Müller 1921 pensioniert wurde, wollten die theoretischen Physiker um Albert Einstein erneut einen der ihren wie Max von Laue als seinen Nachfolger einsetzen. Doch Müller vertrat die Ansicht10 (einstweilen nur als Google-Bücher-Ausschnitt zitierbar):
… Direktors die höchsten Anforderungen stellt, würde bei Ludendorff in den besten Händen liegen. - Es könnte Bedenken erregen, dass ein Forscher wie v. Laue, welcher der Astronomie bisher ferner stand, zum Direktor des astrophysikalischen Observatoriums vorgeschlagen wird, zumal wir nach allgemeinem fachmännischen Urteil in Ludendorff wenn auch keine überragende Persönlichkeit, so doch einen tüchtigen Fachmann ...
Müller schlug also vor, seinen bisherigen (1979, Bd. 1, S. 56)
Mitarbeiter Hans Ludendorff als seinen Nachfolger zu benennen, von dem allerdings bekannt war, dass er zwar als tüchtiger Fachmann, aber nicht als überragende Persönlichkeit galt. Aber Müller vertrat die Ansicht, dass Ludendorff einen ordentlichen Dienstbetrieb im Astrophysikalischen Observatorium garantieren würde. Andere Astronomen ständen nicht zur Verfügung. - Darauf meldeten Einstein, Nernst und Planck einige Bedenken an und behielten sich vor ….
Am 17. Februar hielt Max Planck eigenhändig fest (1979, Bd. 2, S. 47):
Nr. 136 (104) Protokoll der 1. Sitzung der Kommission für die Besetzung der Direktorstelle des Astrophysikalischen Observatoriums vom 17. Febr. 1921: Die Kommission einigt sich, Hans Ludendorff als einzigen Kandidaten vorzuschlagen, Walther Nernst und Albert Einstein sollen jedoch noch andere Varianten ermitteln. egh. von Planck
In einer Stellungnahme schrieben die genannten Physiker (zit. n. Hentschel, S. 58f):
Die Entwicklung der modernen Astrophysik hat es mit sich gebracht, dass die Verbindung der Astronomie und der Physik immer enger geworden ist. Die Astronomen können an den theoretischen und experimentellen Untersuchungen von Männern wie Einstein, Eddington, Michelson u. a., die zu den bedeutendsten Erfolgen geführt haben, nicht stillschweigend vorübergehen, und andererseits haben die Physiker das allergrößte Interesse an den Fortschritten der Astronomie. Nur durch intimes Zusammenarbeiten der besten Kräfte auf beiden Gebieten ist etwas Vollkommenes zu erwarten.
Der Wissenschaftshistoriker Hentschel schreibt dazu weiter (S. 61):
Der anvisierte Kompromiss, Ludendorff als geschäftsführenden Direktor einzusetzen und ihm v. Laue als ranggleichen zweiten Direktor an die Seite zu setzen, wurde nun aber vom Preußischen Kultusministerium abgelehnt. Letztendlich wurde Ludendorff als Direktor eingesetzt, der regelmäßig einem neu eingesetzten Kuratorium Bericht zu erstatten hatte, in das sein Amtsvorgänger Müller ebenso wie v. Laue, Einstein und Planck als theoretische Physiker gewählt wurden. Die Aufgabe dieses Kuratoriums sollte (…) insbesondere die Beratung der Astronomen in physikalischen Fragen sein.
Damit waren die personalen Konstellationen festgelegt, in denen sich Hans Ludendorff über die nächsten zehn Jahre hinweg bewegte.

Mai 1921 – Ludendorff lobt Einstein-Mitarbeiter

Es scheint auch nicht so zu sein, als ob Hans Ludendorff von vornherein in persönlicher Gegnerschaft zu seinem Mitarbeiter Erwin Freundlich geraten wäre. In einem Brief vom 27. Mai 1921 an das Kultusministerium lobte Ludendorff vielmehr die Bemühungen seines Untergebenen Freundlich. Leider einstweilen nur in englischer Übersetzung zitierbar (Einstein-Dossiers, S. 83):
(…) During the elapsed year Dr. Freundlich expended much personal effort toward organizing the Einstein Donation Fund and managing the construction of the tower telescope. Since all the negotiations with the sponsors and the firms involved in the construction were in his hands, he was often compelled to take part in conferences in Berlin that took up the whole day. Because the design of the telescope is being carried out by the Zeiss Company in Jena according to his specifications, frequent trips there are necessary. (…) In the coming month an additional trip to England is necessary, since Dr. Freundlich has been invited by the Universities of Manchester and Oxford to accompany Professor Einstein on his visit, in order to facilitate with his command of the English language and expertise in the new theory discussions about relativity theory with the English physicists. (…)
Auch an diesem Bericht wird deutlich, wie nah Hans Ludendorff den damaligen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen rund um die Relativitätstheorie war.

August 1921 – Ludendorff und Einstein auf dem Astronomen-Tag in Potsdam

Dass das kollegiale Verhältnis zwischen Albert Einstein und Hans Ludendorff durch die Wahl des Letzteren zum Leiter des Astronomischen Observatoriums in Potsdam nur noch enger wurde, wurde auch für die Öffentlichkeit dokumentiert. So brachte die „Berliner Illustrierte Zeitung“ am 4. September 1921 ein Foto (Einstein-Akte, S. 146):
Prof. Einstein und Prof. Dr. Ludendorff beim Astronomentag in Potsdam.
Das Foto war auf der Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft in Potsdam vom 24. bis 27. August 1921 entstanden. Es zeigt Einstein und Ludendorff im Gespräch nebeneinander einherschreitend. Dabei ist das Gesicht von Ludendorff nicht besonders gut zu erkennen, da er von der Sonne geblendet ist. Im Abstand zu ihnen gruppieren sich andere Menschen, vielleicht Ehefrauen. Das Foto scheint während einer Tagungs-Pause entstanden zu sein.

Januar 1922 – Ludendorff wird Kuratoriumsmitglied in der Einstein-Stiftung

Über die weitere Entwicklung erfahren wir (Grundmann, S. 142):
Am 4. Januar 1922 wurde die Satzung der Einstein-Stiftung beschlossen. (…) § 2 nennt die Mitglieder des Kuratoriums.
Und zwar Einstein, Freundlich, Ludendorff, sowie drei weitere Personen, insbesondere auch aus der Industrie:
Im Sommer 1931 bestand das Kuratorium der Einstein-Spende aus den Herren: Einstein, v. Laue, Nernst, Schrödinger, Paschen, Franck
fünf weiteren Personen und
Ludendorff. § 3 Der Satzung bestimmte das Astrophysikalische Observatorium Potsdam zum Sitz der Stiftung.
Ludendorff hatte also die ganze Zeit über auch mit diesem Einstein-Institut im Einstein-Turm und seinem eigenwilligen Leiter Erwin Freundlich zu tun.

1922 – Ludendorff warnt vor dem Anti-Einstein-Propagandisten

Der anrüchtige Paul Weyland (1888-1972) ist der eigentliche Begründer der Bewegung der sogenannten „Deutschen Physik“ gewesen, von der sich Menschen wie Planck, Sommerfeld und Heisenberg angeekelt abwandten. Weyland hat auch in Hans Ludendorff keinen Fürsprecher gefunden. Über Weyland wird berichtet (Einstein-Akte, S. 173):
1920 Organisator der Anti-Einstein-Kampagne. (…) Im Herbst 1921 Reise in die Vereinigten Staaten. 1922 Planung einer Reise nach Norwegen. Weyland erwartet vom Deutschen Konsulat in Hammerfest finanzielle Unterstützung seiner angeblich astronomischen Zwecken dienenden Reise. (…) Die Deutsche Botschaft in Kristiana gab den Vorgang an das Innenministerium weiter, das Prof. Ludendorff, Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam, um Auskunft bat. Ludendorff antwortete: Weyland hat die Vorträge in der Philharmonie organisiert, „deren Zweck es war, weitere Kreise gegen die Einsteinsche Relativitätstheorie zu verhetzen“; er schickte Weylands Bettelbrief zurück „mit dem Bemerken, dass ich vor einer Unterstützung des Herrn Weyland dringend warne“.

Frühjahr 1922 – Ludendorff nimmt an Stelle von Einstein die Einladung nach Mexiko an

Zu einer Expedition zur Untersuchung der Sonnenfinsternis in Mexiko am 10. September 1923 hat die mexikanische Regierung Albert Einstein eingeladen.Aus einem Aktenvermerk des Kultusministeriums ist zu erfahren (zit. n. Einsteins Akte, S. 143f):
Professor Einstein teilt uns mit, dass er der Einladung der Mexikanischen Regierung nicht Folge leisten kann, da er beabsichtigt, vorerst in Deutschland zu bleiben. Er bittet der Mexikanischen Regierung seinen Dank zu sagen, und würde es sehr begrüßen, wenn die geplante Expedition doch zu Stande käme. Als Führer schlägt er Professor Ludendorff vor.
Das Einstein Hans Ludendorff und nicht seinen vormaligen Assistenten Erwin Freundlich als seinen Ersatz vorschlägt, wird von den Wissenschaftshistorikern besonders vermerkt (Siegfried Grundmann/Einsteins Akte, S. 143):
Als Einstein, dazu von der Mexikanischen Regierung eingeladen, 1923 nicht zur Beobachtung der Sonnenfinsternis nach Mexiko kommen kann, schlägt er vor, dass Ludendorff an seiner Stelle reist (Freundlich wird nicht erwähnt).
Am 25. Mai 1922 meldete dann „The Review of Popular Astronomy“:
Potsdam, May 25. - Dr. Hans Ludendorff, brother of the famous general, will head an expedition of German scientists to Mexico this year to observe the total eclipse of the sun on Sept. 10.
All expenses from the time the astronomers leave their homes until they return will be borne by the Mexican Government, at whose request the expedition is to be undertaken. One of the chief objects of the visit is to make a further test of the Einstein relativity theory.
Also als ein Hauptziel dieser Expedition werden genannt weitere Überprüfungen der Relativitätstheorie von Albert Einstein. Hans Ludendorff blieb weiter mit diesem Gegenstand beschäftigt.

April bis September 1923 – Ludendorff in Mexiko

Knapp ein Jahr später, am 27. April 1923, bringt die „Berliner Illustrierte Zeitung“ auf ihrer Titelseite eine Fotografie von Hans Ludendorff und seinen Mitarbeitern – alle bekleidet mit breitkrämpigen mexikanischen Sonnehüten - beim Aufbau eines großen Fernrohres in Mexiko (Hentschel, S. 135). Die Sonnenfinsternis selbst fand dann am 10. September 1923 statt, genug Zeit, um zwischendurch die archäologischen Stätten der Maya zu besichtigen. Zu der immer noch im Raum wabernde Vermutung, dass Hans Ludendorff ein Gegner der Relativitätstheorie gewesen sein könnte, wird von der Wissenschaftsgeschichte in diesem Zusammenhang noch einmal eindeutig festgestellt (Einstein-Akte, S. 144):
Tatsächlich jedoch gehörte die Prüfung des „Einstein-Effekts“ zum Programm der von Ludendorff geleiteten Sonnenfinsternisexpedition 1923 nach Mexiko.
Als der Hitler-Ludendorff-Putsch am 8. und 9. November 1923 in München stattfand, wird sich Hans Ludendorff entweder noch auf seiner Reise in Mexiko befunden haben oder gerade erst zurück gekommen sein. Wie er mit der Tatsache umgegangen ist, auf der einen Seite in Albert Einstein einen Kollegen zu haben, der sich politisch unter anderem als ausgesprochener Pazifist positionierte und mitunter sogar Sympathien mit der Sowjetunion erkennen ließ und diese durch die zeitgemäße rosa Brille sah - und auf der anderen Seite einen Bruder, der auf dem äußersten rechten Flügel der politischen Ansichten angesiedelt war, dazu ist einstweilen nichts bekannt. Es macht aber keinen Sinn, aus diesen Tatsachen voreilig auch nur irgendeinen Schluss zu ziehen.
Nach allem, was bislang erkennbar geworden ist, wird Hans Ludendorff auf ähnlicher politischer und weltanschaulicher Linie einzuordnen sein wie Max Planck, Arnold Sommerfeld oder Werner Heisenberg, die Albert Einstein zu jeder Zeit persönliche und wissenschaftlichen Sympathien und Hochachtung bewahrten, ohne damit auch dessen politische Ansichten zu teilen, und die offenbar zustimmende Briefe an Mathilde Ludendorff schreiben konnten (Arnold Sommerfeld 1942 oder später) oder aber sich positiv über das Mathilde Ludendorff nahestehende Werk von Sigrid Hunke aussprechen konnten (Werner Heisenberg 1960er Jahre).

September 1925 – Einstein teilt Ludendorffs Urteil über den Leiter des Einstein-Instituts

Am 15. September 1925 schreibt Albert Einstein an Hans Ludendorff (zit. n. Einsteins Akte, S. 143; ebenso 1979, Teil 1, S. 196):
Was Herrn Freundlich betrifft, so wissen Sie ja meine Meinung. Ich habe ja ebenfalls die persönlichen Beziehungen zu ihm abgebrochen und hätte dem von Ihnen verlesenen Sündenregister noch recht hübsche „Piecen“ hinzufügen können. Er gehört zu den ganz wenigen, bei denen ich eine so schroffe Haltung für nötig erachte. Ich achte aber sein organisatorisches Verdienst und handle demgemäß, wie Sie es in anerkennenswertester Weise bei Gelegenheit seiner Ernennung auch getan haben. So dienen wir beide der Sache, wenn wir auch den Menschen und Wissenschaftler gering einschätzen. Er ist es nicht wert, dass man sich über ihn ärgert.
An die im letzten Satz ausgesprochene Devise scheint sich Einstein auch in den nächsten Jahren gehalten zu haben. Ob es Hans Ludendorff immer gelungen ist, sich an diese Einstein'sche Devise zu halten, scheint nicht ganz so sicher. Der Wissenschaftshistoriker schreibt (Einsteins Akte, S. 143):
Wenn das Verhalten von Erwin Freundlich erneut zum Gegenstand der Untersuchung gemacht wird, dann vor allem, um zu zeigen, dass Einsteins Werturteil begründet war und die folgenreiche persönliche Gegnerschaft von Hans Ludendorff und Freundlich nicht oder nicht in erster Linie aus Ludendorffs politischer Position erklärt werden kann. (…) Wie zu sehen war, hatte Einstein zu Ludendorff ein durchaus kollegiales Verhältnis, trotz gegensätzlicher politischer Positionen.
Im Grunde ist zu den politischen Positionen von Hans Ludendorff – abgesehen von seinen ganz persönlich motivierten Sympathien für seinen Bruder, die gleich noch gut erkennbar werden – einstweilen nur wenig bekannt.

Winter 1925 – Ludendorff reagiert brüsk auf den Namen Delbrück

Das im folgenden zu schildernde Erlebnis des jungen Max Delbrück (1906-1981) mit Hans Ludendorff ist wohl nur verstehbar vor dem Hintergrund der damaligen schweren menschlichen Spannungen zwischen Hans Ludendorff und Erwin Freundlich auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Dass letzterer als Forschungsassistenten den jüngsten Sohn des Historikers Hans Delbrück (1848-1929) anstellte, der in den Jahren 1920 bis 1922 als „Todfeind“ von Erich Ludendorff galt aufgrund seiner äußerst polemischen Stellungnahmen gegen diesen (insbesondere die Schrift „Ludendorffs Selbstporträt“ von 1922, eine Art Besprechung von „Meine Kriegserinnerungen“ von Erich Ludendorff), dieser Umstand scheint bei Hans Ludendorff vor allem als ein erneuter, bewusster und sehr persönlicher, beabsichtigter Affront Erwin Freundlichs ihm gegenüber angekommen zu sein. Und wer weiß, ob sich Erwin Freundlich nicht wirklich dabei „ins Fäustchen lachte“.
Jedenfalls wird auch ein Hans Ludendorff – ohne die sonstige persönliche Gegnerschaft zu Erwin Freundlich – nicht einfach einen jungen Assistenten seines Institutes derart in „Sippenhaft“ genommen haben für die Taten seines Vaters wie es aus diesen Erinnerungen von Max Delbrück herausklingt. Der nachmalige Biophysiker und Nobelpreisträger Max Delbrück berichtete also in Kalifornien an seinem Lebensabend über diese Zeit (Peter Fischer, S. 31):
„Ich war Student an der Universität von Berlin und hatte daneben einen unbezahlten Job als Forschungsassistent an einem Teleskop übernommen, das der Einstein-Stiftung gehörte und auf dem Gelände des Potsdamer Observatoriums lag. Das Teleskop, das in einem Turm lag, war von Erwin Freundlich erdacht worden. Er war ein großer Enthusiast von Einstein und der Allgemeinen Relativitätstheorie. … Freundlich hatte auch Geld organisiert, um den Einstein-Turm mit dem Teleskop bauen zu können. … Am ersten Tag meines Jobs dachte Freundlich, es sei höflich, mich dem Direktor des Observatoriums vorzustellen, .... dies war damals Professor Hans Ludendorff“, ein Bruder des Generals Erich Ludendorff (...).
Als Hans Ludendorff den Namen Delbrück hörte, zog er sofort seine Hand zurück und fragte, ob Max der Sohn des Historikers sei. Als Max dies bejahte, drehte sich Ludendorff auf dem Absatz um und verschwand hinter der zuknallenden Tür des Arbeitszimmers. Später beschuldigte er Freundlich, ihn absichtlich beleidigt zu haben, indem er den Sohn eines Mannes eingestellt habe, der seinen Bruder in einer Weise beleidigt hatte, die nicht mehr zu tolerieren sei. (…) Es dauerte mehrere Wochen, bis sich der Bruder des Generals im Observatorium beruhigte.
Sicherlich spiegelt sich in diesen Erinnerungen etwas von dem schweren Spannungsverhältnis wieder, das damals zwischen Hans Ludendorff und Erwin Freundlich bestand. Weiteres wird man aus ihm schwerlich ableiten können.

Herbst 1926 – Die neue Schwägerin Mathilde Ludendorff

Im Herbst 1926 erhielt Hans Ludendorff in Potsdam Besuch von seinem Bruder Erich Ludendorff, der sich ein zweites mal verheiratet hatte. Mathilde Ludendorff berichtet von den damals üblichen Verwandtenbesuchen nach der Hochzeit (1967, S. 82f):
Von hier aus suchten wir Professor Hans Ludendorff, den Leiter der Sternwarte in Potsdam, den jüngeren Bruder Erich Ludendorffs, auf. Auch hier war ein Fest gerichtet, und es herrschte freudige Stimmung. (...)
Als ich den feinen durchgeistigten Kopf des Astronomen sah, der das gleiche edle und gewinnende Lächeln des Feldherrn zu eigen hatte, da war dennoch ein nahes, herzliches Band rasch geschlossen, und ich merkte es an jedem Wort und Blick, dass die starke Sympathie gegenseitig war. Wie hoffte ich damals auf ein nahes und reges geschwisterliches Zusammenhalten. Ein Bruder wurde mir also auf dieser Fahrt in Potsdam geschenkt, und es wurde ein neues Band zu Erich Ludendorffs Jugend geschlungen.

Womöglich gibt es noch weitere Ausführungen zu Hans Ludendorff in den Lebenserinnerungen von Mathilde Ludendorff. Diese wären dann noch herauszusuchen. Aber in diesen Worten spiegelt sich doch schon eine große gegenseitige Hochachtung wider.

Juni 1928 – Ludendorff beschwert sich bei Einstein

Zurück zu Ludendorffs Fehden und Kleinkriegen auf dem Telegrafenberg. Die Aufstellung des Etats der Einstein-Stiftung für das Haushaltsjahr 1929 erfolgte merkwürdigerweise ohne Rücksprache mit Ludendorff. Dieser beschwerte sich verständlicherweise Ende Juni, Anfang Juli 1928 bei Albert Einstein mit einem Brief darüber (Einstein-Akte, S. 144),
dass „das unter Ihrem Vorsitz stehende Kuratorium der Einstein-Stiftung, dessen Mitglied ich bin, mit mir (nicht) Fühlung genommen hat“, als der Etatsantrag des Kuratoriums verabschiedet wurde und empfindet dies als „große Unfreundlichkeit“. „Schmerzlich ist es mir“, schreibt Ludendorff weiter, „dass Sie zu dieser Unfreundlichkeit mir gegenüber die Hand geboten haben, und es erstaunt mich das umsomehr, als Sie doch vor nicht zu langer Zeit in einem mir noch vorliegenden Briefe meine volle Sachlichkeit anerkannt und gleichzeitig Ihre Meinung über Prof. Freundlich als Menschen und als Gelehrten in nicht misszuverstehender Weise zum Ausdruck gebracht haben.“
Der Wissenschaftshistoriker hält dann weiter fest:
Da war Einstein im Unrecht, nicht Ludendorff. Einstein musste büßen für die eigene Nachlässigkeit in Leitungsfragen und für die mitverschuldeten Eigenmächtigkeiten von Erwin Freundlich. Ludendorff war im Vergleich zu Freundlich für Einstein zwar der „wesentlich ungeschicktere, aber doch … der weitaus anständigere von Beiden.“
Am 2. Juli 1928 erstattte Hans Ludendorff über diesen Vorgang auch an das Kultusministerium Bericht. Er sandte ein Schreiben (1979, Bd. 2, S. 119)
an das Kultusministerium mit der Abschrift eines Briefes von Ludendorff an Albert Einstein über die ohne seine Mitwirkung erfolgte Aufstellung des Etats der Einstein-Stiftung für das Haushaltsjahr 1929.

Januar 1929 – Einstein äußert Verständnis für Zornesausbruch Ludendorffs

Im Januar 1929 gab es eine erneute Sitzung des Kuratoriums der Einstein-Stiftung, zu der Einstein Max von Laue einlud und hinzufügte (zit. n. Hentschel, S. 138):
Offiziös versichere ich Dir, dass Du auf Deine Kosten kommen wirst; denn es wird „hoch hergehen“. Ich freue mich auch darauf. Der Mensch kann nicht nur von der Logik leben. Er braucht auch etwas für sein schwarzes Herz.
Hier glaubt man bei Einstein ein wenig Spott über Hans Ludendorff und seine Schwierigkeiten mit Erwin Freundlich herauszuhören. Arnold Berliner, der Herausgeber der Zeitschrift „Die Naturwissenschaften“, versuchte nach der Sitzung sich Einstein gegenüber für Erwin Freundlich zu verwenden (zit. n. Hentschel, S. 138):
Einstein antwortete dem Vermittelnden, der Ludendorffs cholerischen Wutausbruch auf einer Kuratoriumssitzung gegen Freundlich immerhin als „ungehörig“ und „verletzend“ bezeichnete und die Form dieser Angriffe auf Freundlich verurteilte: „Einerseits freue ich mich, dass Sie eine so kräftige moralische Ader haben. Andererseits tut es mir leid, dass Sie Ihre Gefühle an so wenig würdige Objekte verschwenden. Immerhin muss ich sagen, dass mir L[udendorff] zwar als der wesentlich ungeschicktere, aber doch als der weitaus anständigere von Beiden erscheint. Ich meinerseits halte es nicht für erspriesslich, mich irgendwie in diese Streiterei einzumischen, nehme aber Ihren Brief respektvoll zu demjenigen, was bei mir dem entspricht, was Sie Akten nennen.“
Einstein erachtet Ludendorff also als wesentlich anständiger als Freundlich, springt ihm aber dennoch nicht tatkräftig bei. Man müßte sich wohl noch tiefer in die damals verhandelten Materien einarbeiten, um zu prüfen, ob dieses Verhalten aus heutiger Sicht wirklich gebilligt werden kann oder ob sich Einstein nicht auch hier wieder Ludendorff gegenüber ins Unrecht gesetzt hat.

1929 – Ludendorff im Interview

In einem Interview, das Hans Ludendorff (1928 oder) 1929 für eine Buchveröffentlichung zu einem psychologischen Thema gab, wird deutlich, dass er sich eher als ein Sammler und Ordner von Beobachtungsdaten sah, denn als ein Neuformulierer bedeutenderer wissenschaftlicher Weiterentwicklungen und Innovationen. Ganz offen spricht er zum Beispiel aus11:
Für Methodik habe ich wenig Interesse und betrachte das als einen Mangel meiner wissenschaftlichen Persönlichkeit. Wenn bei Lösung einer mir vorliegenden wissenschaftlichen Aufgabe methodisch Neues nötig ist, so betrachte ich die Entwicklung der Methode lediglich als eine nicht zu umgehende Notwendigkeit.
Vergnügen bereite ihm eher, so führte er weiter aus, die Diskussion von neu gesammeltem und geordnetem Tatsachenmaterial und das Finden bislang unbekannter Zusammenhänge zwischen ihnen. In diesen Ausführungen spiegelt sich immerhin jene redliche Selbsterkenntnis, wie sie auf Seiten von Hans Ludendorff vorgelegen hat.

April 1931 – Einstein einmal erneut als „Friedenstaube“ auf dem Telegrafenberg

Am 9. April 1931 fuhr Albert Einstein einmal erneut als „Friedenstaube“, wie er sich bezeichnete, nach Potsdam. Denn über Einsteins Tagebucheintrag vom 8. April 1931 wird berichtet (Eisinger, 6. Kapitel, S. 118):
In the diary, he reminded himself that the following day, he would travel to the astronomical observatory in Potsdam to help calm the latest squabble between the observatory's director, Hans Ludendorff, and the physicist Erwin Freundlich. He would be joined in this by Max von Laue und Erwin Schrödinger. Einstein referred to the trio as the three „peace doves“, and their mission throws light on Einstein's academic activities in Berlin.
Einstein scheint die Schwierigkeiten seines Kollegen Hans Ludendorff auf die leichte Schulter genommen zu haben. Und das mutet nicht gerade kollegial an.

1931 – Ludendorff über die neuesten Versuch der empirischen Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie

1931 veröffentlichte Hans Ludendorff in den „Astronomischen Nachrichten“ seinen Artikel „Über die Ablenkung des Lichtes im Schwerefelde der Sonne“. In ihm geht es um die jüngste empirische Überprüfung der allgemeinen Relativitätstheorie Albert Einsteins durch Erwin Freundlich und Mitarbeiter während der totalen Sonnenfinsternis am 9. Mai 1929:
Für die Lichtablenkung am Rande der Sonne hat sich der Wert E = 2.24 ergeben, während auf Grund der allgemeinen Relativitätstheorie der Wert E = 1.75 erwartet werden müsste.
Hans Ludendorff weist in diesem Artikel darauf hin, dass offenbar die erwartete empirische Bestätigung der Relativitätstheorie schwerer zu erreichen ist, als bis dahin gedacht.

Oktober 1933 – Ludendorff fordert aus persönlicher Animosität den Hitler-Gruß

Albert Einstein gehörte zu den ersten, die nach der Regierungsübernahme von Adolf Hitler Deutschland verließen, und die hier alle vormaligen Ämter verloren. Wie Hans Ludendorff darüber gedacht hat, ist einstweilen nicht bekannt. Das einstein-Institut auf dem Telegrafenberg wurde sehr bald danach umbenannt in „Institut für Sonnenphysik“. Erwin Freundlich behielt einstweilen noch die Leitung desselben.
Am 5. Oktober 1933 benutzte Hans Ludendorff aber die inzwischen eingeführte Pflicht aller Staatsbeamten zum Hitler-Gruß dazu, seinen langjährigen persönlichen Intimfeind Erwin Freundlich, der dieser Pflicht nicht nachkam, zu Fall zu bringen. - Ludendorff konnte sich dabei natürlich leicht bewusst sein, dass sein Bruder Erich Ludendorff und seine Schwägerin Mathilde Ludendorff solchen „Tell-Hüten“ wie dem Hitler-Gruß und anderem Partei-Gebaren und -Popanz ganz und gar ablehnend gegenüber standen, und dass sie für dieses Vorgehen des Bruders und Schwagers, von dem sie genaueres nicht erfahren haben werden, sicherlich kaum Verständnis gehabt haben. Als etwa Mathilde Ludendorff, ihre Schwester und ihre Kinder beim Staatsakt für Erich Ludendorff an der Feldherrnhalle in München vor der gesamten internationalen Presse die Beileidswünsche Adolf Hitlers entgegennahm und der gesamten Parteiprominenz, erhob niemand von Seiten der Familie den Arm zum Hitlergruß. -
Aber auch bei diesem Vorgehen gegen Erwin Freundlich wird auf Seiten von Hans Ludendorff nicht eine politische Überzeugung das treibende Motiv gewesen sein, sondern lediglich seine sehr persönliche Feindschaft gegenüber Freundlich, die zumindest auf seiner Seite viele persönliche Verletzungen mit sich gebracht hatte, denen gegenüber er sich zu rächen gesonnen war, wie er einem Kollegen gegenüber auch freimütig eingestand.

November 1933 – Ludendorff wird Leiter des „Instituts für Sonnenphysik“

Ludendorff übernahm die Position von Erwin Freundlich12:
Am 10. November 1933 machte Vahlen Ludendorff die Mitteilung: „Im Verfolg des Erlasses vom 2. Mai 1933 (...) wird die Leitung und Verwaltung des Instituts für Sonnenphysik mit sofortiger Wirkung Ihnen als Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums übertragen. (…) Ich ersuche, hiernach sogleich das Erforderliche zu veranlassen und den Hauptobservator Prof. Dr. Freundlich …
(Zitat bislang leider nur als Google-Bücher-Ausschnitt.)

Februar 1934 – Ludendorff weiterhin mit der empirischen Überprüfung der Allgemeinen Relativitätstheorie befaßt

Über die Vermutung, dass Ludendorff ein Gegner der Relativitätstheorie gewesen sei, heißt es in einer neueren Veröffentlichung (Einstein-Akte, S. 144):
Im Februar 1934, nach dem Machtantritt der Faschisten und nach dem Ausscheiden Freundlichs, wurden vom Astrophysikalischen Observatorium – dem jetzt das Institut für Sonnenphysik angeschlossen war – bei der Firma Zeiss in Jena Apparaturen zur Weiterführung der „bisherigen Untersuchungen über die Lichtablenkung im Gravitationsfeld der Sonne bei Sonnenfinsternissen“ bestellt. „Vom Einstein-Effekt“ war dann zwar nicht mehr die Rede, am Thema aber hatte sich nichts geändert. 1934 hatte sich nicht Ludendorff, sondern Freundlich von der Theorie getrennt.
Mit letzterem Satz war gemeint, dass Erwin Freundlich im Jahr 1934 nicht mehr an die Richtigkeit der Allgemeinen Relativitätstheorie glaubte, während Hans Ludendorff zur gleichen Zeit noch neue Geräte zu ihrer Überprüfung bestellte für das inzwischen zu „Institut für Sonnenphysik“ umbenannte „Einstein-Institut“.

Arbeiten über die Astronomie der Maya

In dem letzten Lebensjahrzehnt von Hans Ludendorff nahmen astronomiegeschichtliche Untersuchungen, insbesondere seine Auseinandersetzung mit den astronomischen Kenntnissen der Maya einen größeren Raum ein. In einer allgemeinen kulturgeschichtlichen Untersuchung aus dem Jahr 1969 heißt es darüber13:
No professional historian of culture is likely to understand better the intellectual frame of mind of the Maya than the astronomer Hans Ludendorff has done. It is not so much the enormous number of new facts established by scientists in the many centuries between antiquity and the 20th century which separates us from the outlook of our great scientific ancestors but the „detiorated“ expectations ruling our time.
Hans Ludendorff betonte in seinen Schriften, dass er in Auseinandersetzung mit dem Kenntnissen der Maya über Astronomie gelernt habe, nicht mehr von heutigen Erwartungen über diese Kenntnisse auszugehen, sondern sich ganz und gar auf die Quellen selbst einzulassen:
As Hans Ludendoff once pointed out, it is an unsound approach to Maya astronomy to start from preconceived convictions about what the Maya could have known and what they could not possibly have known: one should, instead, draw conclusions only from the data as given in the inscriptions and codices.
Sicherlich ein weiteres spannendes Thema, das an dieser Stelle eine breitere Darstellung verdienst hätte.

Mai 1939 – Ludendorff-Feier im Zeughaus in Berlin

Am 21. Mai 1939 wurde im Zeughaus in Berlin durch den Generalstabschef Franz Halder eine Büste Erich Ludendorffs enthüllt. In der ersten Reihe saßen Mathilde Ludendorff und ihr Schwager Hans Ludendorff. Es handelte sich um eine reine Feier der Wehrmacht, es scheinen keine höheren Parteifunktionäre anwesend gewesen zu sein. Halder wird – mit weniger Nachdruck als vormals Ludwig Beck – gerne an Erich Ludendorff gedacht haben als ein bremsendes Moment in der damaligen risikoreichen Außenpolitik Hitlers.

Abb. 2: Geh. Rat Prof. Dr. Hans Ludendorff, Generaloberst Fedor von Bock, Mathilde Ludendorff, General Franz Halder, 21.5.1939 (Quell, 16.6.1939)

30. Oktober 1939 - Über Ludendorffs Schwiegersohn weiß die Verwandtschaft von den deutschen Angriffsvorbereitungen im Westen

Welchen innerfamiliären Austausch es zwischen Hans Ludendorff und seiner Schwägerin Mathilde Ludendorff gegeben hat, darüber kann beim derzeitigen Wissensstand kaum etwas gesagt werden. Allerdings finden wir (im April 2019) (oben eingefügt), daß der Schwiegersohn von Hans Ludendorff der damalige Oberst und Bomberpilot Artur von Casimir (1908-2005) (Wiki) war. Dieses Wissen könnte Licht werfen auf eine Stelle im damaligen Briefwechsel zwischen Mathilde Ludendorff in Tutzing und ihrer Schwester Frieda Stahl, die damals Klavierlehrerin in Köln war. Aus den Briefen erhält man mancherlei Eindrücke, wie die Schwestern den Krieg erlebten, wobei auch viele Kriegsschicksale innerhalb der Verwandtschaft zur Sprache kommen. So schreibt Frieda Stahl am 30. Oktober 1939 an ihre Schwester Mathilde über ihren jüngsten Aufenthalt in ihrer beider Heimatstadt Wiesbaden auf der Rückfahrt von Tutzing:
Mein liebes, liebes Tilly,
Nun will ich Dir nacheinander berichten. (...) In Wiesbaden war es kalt und nasser Schnee. (...) Alles, alles hat das Gepräge des Kriegszustands. (...) Am Bahnhof erfuhr ich, daß mein Zug von Wien kommt und mindestens 80 Minuten Verspätung hat. (...) Der Zug hatte nur 50 Minuten Verspätung. Platz war keiner mehr da. Viel Militär, was von Polen auf Urlaub für acht Tage fuhr. Ich stand bis kurz vor Niederlahnstein. (...) Junge Soldaten, die bei Lemberg gekämft hatten und nun selig waren, Urlaub zu haben. Im Ganzen "halten sie sich sehr tapfer" aber sie sagten alle, für die Zivilbevölkerung sei der Krieg etwas Furchtbares. Von den Kämpfen selbst sprachen sie nicht viel aber sonst erzählten sie allerhand. Viele Polen hielten sie zuerst für Engländer und brachten Birnen und Äpfel aber dann die Überraschung, daß sie Deutsche waren. Sie sprachen alle von infamen Grausamkeiten der Polen an einzelnen Soldaten oder Sanitätskolonnen. Sie erzählten von sehr billigen Lebensmittelpreisen, 5 Pf. das Ei, 2,50 eine Gans, die Butter auch sehr billig. Sie waren gute Jungen, die sich furchtbar auf zu Hause freuten. In Köln halfen sie mir treu mit den Koffern. (...) Frau B. (wohl ihre Haushälterin in Köln) erzählte von mehreren Fällen, die wie Casimir "Bomben zur Front fahren". Viele wissen Bescheid aber sehr viele haben keine Ahnung. Nun muß man einfach durch den endlosen Tunnel wandern, einmal wird es wohl wieder hell werden. (...) Möchte es nur nicht zum ernsten Krieg kommen, hier wünscht man es noch intensiver und die Frage beschäftigt alle, wie lange es dauert und welches Ende es nimmt. Dein Manuskript von der herrlichen Schöpfungsgeschichte liegt wohlbehalten an Ort und Stelle. (...) Morgen gehst Du zum Verlag, hoffentlich hörst Du nicht nur Unerfreuliches. (...) Innigen Kuß, Dein Friedel.
Die Stelle "die wie Casimir Bomben zur Front fahren" war dem Autor dieser Zeilen bislang immer dunkel geblieben in ihrer Bedeutung. - Da die beiden Schwestern mit Erich Ludendorff wußten, wozu der neue Weltkrieg inszeniert worden war (Erich Ludendorff hatte schon 1930 die auflagenstarke Schrift veröffentlicht "Weltkrieg droht auf deutschem Boden"), hatte der Autor dieser Zeilen bislang vermutet, daß "Casimir" ein Deckname war und daß hier über irgendwelche diffusen Widerstandshandlungen gesprochen worden sein könnte, zumal "Bomben zur Front fahren" in Anführungszeichen gesetzt worden war, also offenbar nicht wörtlich zu nehmen war. -

Nun aber kann man vermuten, daß die Schwestern zuvor in Tuzing über Artur von Casimir gesprochen hatten, und daß hier einfach von den Angriffsvorbereitungen im Westen die Rede ist. Es war ja dies die Zeit des Sitzkrieges. Über diese Zeit heißt es auf Wikipedia (Wiki):
Als die französische Mobilmachung Mitte September 1939 abgeschlossen war, war Polen nahezu besiegt. Sowjetische Truppen hatten mit der Besetzung Ostpolens begonnen, was die politische Situation noch schwieriger gestaltete. Nicht wenige Politiker begannen nun auf eine politische Lösung des Konflikts zu setzen, insbesondere nach dem Friedensangebot Hitlers an die Westmächte am 6. Oktober. Ein Angebot der Niederlande und Belgiens zur Friedensvermittlung an die Staatsoberhäupter Englands, Frankreichs und Deutschlands vom November 1939 wurde von England und Frankreich zurückgewiesen; diese forderten als Grundlage für Friedensverhandlungen über die Wiederherstellung der Tschechoslowakei und Polens hinaus auch die Österreichs. Die Einsatzbereitschaft des anfangs lediglich vier Divisionen umfassenden britischen Expeditionskorps wurde sogar erst Mitte Oktober hergestellt.
Zu diesem Zeitpunkt hatte die Verlegung der Masse des deutschen Heeres nach Westen längst begonnen. Die Alliierten richteten sich daher an der Maginot-Linie zur Verteidigung ein. Die Entscheidung, Frankreich noch 1939 anzugreifen, war gefallen, noch ehe der „Fall Weiß“ vollständig beendet und Warschau gefallen war. Am 9. Oktober 1939 wurde „Weisung Nr. 6“ herausgegeben, welche die Grundzüge der Operationen im Westen festlegte, bevor die Alliierten am 10./12. Oktober 1939 das deutsche Friedensangebot vom 6. Oktober 1939 abgelehnt hatten. Der erste Angriffsplan wurde am 19. Oktober 1939 vom Generalstab des Heeres unter Generaloberst Franz Halder fertiggestellt und ähnelte stark dem „Schlieffenplan“ mit Schwerpunktbildung auf dem rechten Flügel. (...) Zum Entsetzen der Generalität des Oberkommandos des Heeres (OKH) unter Walther von Brauchitsch wurde aus der Vermutung mit Befehl vom 31. Oktober 1939 Gewißheit. Der Angriff wurde trotz massiver Bedenken des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) bezüglich Kampfstärke und Munitionsversorgung der Wehrmacht auf den 12. November 1939 eine Viertelstunde vor Sonnenaufgang festgesetzt.  Durch eine Auseinandersetzung zwischen Adolf Hitler und Walther von Brauchitsch über die Leistungsfähigkeit der Wehrmacht am 5. November 1939 vergaß „der Führer“ nach einem Wutanfall, den Angriffsbefehl zu bestätigen.
Die beiden Schwestern haben also in dieser Zeit - durch Auskünfte aus der Verwandtschaft, also über Hans Ludendorff (?) - sehr konkrete Anhaltspunkte dafür gehabt, daß der Krieg lange dauern wird, weil sehr bald von deutscher Seite aus im Westen angegriffen werden sollte. So machen die Worte dann einen Sinn:
Frau B. erzählte von mehreren Fällen, die wie Casimir "Bomben zur Front fahren". Viele wissen Bescheid aber sehr viele haben keine Ahnung. Nun muß man einfach durch den endlosen Tunnel wandern. (...) Möchte es nur nicht zum ernsten Krieg kommen, hier wünscht man es noch intensiver.
Es darf also gemutmaßt werden, daß Hans Ludendorff oder sein Schwiegersohn Artur von Casimir oder dessen Ehefrau Margarethe in persönlichen Gesprächen, per Telefon oder per Brief sich über diese Angriffsvorbereitungen ausgetauscht hatten.
 

26. Juni 1941 – Tod von Hans Ludendorff

In seiner „Gedächtnisrede auf Hans Ludendorff“, abgedruckt in den „Jahrbüchern der Preußischen Akademie der Wissenschaft“ sagte ein Kollege Kopff:
Vor wenigen Tagen erst, am 26. Juni 1941, ist Friedrich Wilhelm Hans Ludendorff unerwartet nach schwerer Krankheit gestorben. Die Akademie gedenkt heute seiner in aufrichtiger Trauer.

Juni 1950 – Ludendorff wird politisch als „unbelastet“ eingestuft

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg noch war die Spruchkammer mit Hans Ludendorff befaßt. Am 22. Juni 1950 wurde seine verwitwete Ehefrau, die Hausfrau Käthe Ludendorff, geb. Schallehn, geb. 1881, von der Spruchkammer in Urach als „unbelastet“ eingestuft mit der Begründung:
Käthe Ludendorff (...) hat lediglich der NSV und dem Reichkolonialbund angehört und ist somit politisch unbelastet. Ihr im Jahre 1941 verstorbener Ehemann Prof. Dr. Hans Ludendorff, war Direktor des Astrophysikalischen Observatoriums Potsdam. Er hat der NSDAP nicht angehört, sondern war nur einfaches Mitglied der NSV und des RLB. Da Tatsachen, die eine politische Belastung begründen können, nicht bekannt geworden sind, fällt der Verstorbene nicht unter die Gruppe der Hauptschuldigen oder die der Belasteten. Gegen die Gewährung der gesetzlichen Versorgungsbezüge an seine Witwe bestehen somit keine politischen Bedenken.
Damit würde sich das Bild runden von jenem Astrophysiker Hans Ludendorff, der zwei Jahrzehnte lang in wechselhaftem kollegialen Verhältnis zu Albert Einstein stand, und der noch mindestens bis 1934 die empirische Überprüfung der allgemeinen Relativitätstheorie förderte.


Ergänzung zu Artur von Casimir:
19.4.2019;
Ergänzung anhand Literaturangabe 24:
10.5.2019

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Literaturangaben im Text

1http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Ludendorff
2o.N. (wohl M. Ludendorff): Eine würdige Ludendorff-Feier am 21. 5. 1939. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, Folge 6, 16.6.1939, S. 231-234 [mit Fotografie von Hans Ludendorff]
3siehe seine diesbezügliche Schilderung in „Der Teil und das Ganze“
4Tobies, Renate: Albert Einstein und Felix Klein. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, 47 Jg., Heft 9/1994, S. 345-352
5http://de.wikipedia.org/wiki/Tests_der_allgemeinen_Relativit%C3%A4tstheorie
6http://de.wikipedia.org/wiki/Erwin_Freundlich
7Ludendorff, Hans: Bemerkungen über die Radialgeschwindigkeiten der Helium-Sterne. In: Astronomische Nachrichten, Band 202, Heft 5, 1915, S. 75–84, DOI: 10.1002/asna.19152020503 [= Replik auf Erwin Freundlich, 1915, s.a. Seeliger, 1916]
8http://de.wikipedia.org/wiki/Allgemeine_Relativit%C3%A4tstheorie
9http://de.wikipedia.org/wiki/Karl_Schwarzschild
10The collected papers of Albert Einstein. The Berlin years. Correspondence, January-December 1921, Princeton University Press, 2009 (720 S.), S. 148
  1. 11Plaut, Paul: Die Psychologie der produktiven Persönlichkeit. Enke, Stuttgart 1929 [zu H. Ludendorff S. 285f, zit. n. Hentschel, S. 136f]
12Albert Einstein, Erwin Freundlich, Erich Mendelsohn: Der Einsteinturm in Potsdam - Architektur und Astrophysik. Ars-Nicolai-Gmbh, 1995 (159 S.), S. 92
13Giorgio de Santillana, Hertha von Dechend: Hamlet's Mill. An Essay investigating the Origins of human Knowledge and its transmision through Myth. David R. Godine Publisher, Jaffrey, New Hampshire (4. Aufl.) 1998, S. 61, 67 (OA. 1969, weitere Ausgabe 1977)
14http://www.deutsche-biographie.de/sfz68661.html
15 Becker, Wilhelm Martin, "Ludendorff, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 292 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/gnd117280208.html#ndbcontent






Literaturverzeichnis (chronologisch)

  1. Eisinger, Josef: Einstein on the Road. Prometheus Books, Amherst, New York 2011 [Die Reisetagebücher Einsteins]
  2. Schröder, Wilfried; Treder, Hans-Jürgen: Einstein und die Potsdamer Astronomen. Vorgelegt in der Klasse für Naturwissenschaften am 9. Februar 2006, in: Sitzungsberichte der Leibniz-Sozietät 85(2006), 81-90, http://leibnizsozietaet.de/wp-content/uploads/2012/11/05_schroedereinst.pdf
  3. Grundmann, Siegfried: Einsteins Akte. Einsteins Jahre in Deutschland aus der Sicht der deutschen Politik. Springer Verlag, Berlin u.a. 1998 (Google Bücher), 2004 erneut mit dem Untertitel „Wissenschaft und Politik - Einsteins Berliner Zeit“, ebenso engl. Ausgabe 2004
  4. Hermann, Armin: Einstein – Der Weltweise und sein Jahrhundert. Eine Biographie. Piper-Verlag, München 1994
  5. Tobies, Renate: Albert Einstein und Felix Klein. In: Naturwissenschaftliche Rundschau, 47 Jg., Heft 9/1994, S. 345-352
  6. Hentschel, Klaus: Der Einstein-Turm. Erwin F. Freundlich und die Relativitätstheorie – Ansätze zu einer „dichten Beschreibung“ von institutionellen, biographischen und theoriegeschichtlichen Aspekten. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg u.a. 1992 (190 S.); engl. Ausgabe: The Einstein Tower. An Intertexture of Dynamic Construction, Relativity. Stanford University Press, Stanford, California 1997 (s. Google Bücher)
  7. Schwarzschild, Karl: Gesammelte Werke. Hrsg. von Hans-Heinrich Voigt. Springer Verlag, Berlin u.a., Bd. 1 bis 3. 1992
  8. Artikel über Hans Ludendorff und die Astronomie der Maya. In: Das Altertum, Bände 28-29, Akademie-Verlag, Berlin 1982, S. 244-246
  9. Albert Einstein in Berlin 1913 – 1933. Darstellung und Dokumente, Bd. 1 und 2. Akademie der Wissenschaften der DDR, Akademie-Verlag, Berlin 1979 (Google Bücher)
  10. Spruchkammerakten des Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Sigmaringen, Bestellsignatur: Wü 13 T 2 Nr. 2660/049, http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=6-450240 [8.4.2015]
  11. Ludendorff, Mathilde (Dr. med. v. Kemnitz): Der Siegeszug der Physik. Ein Triumph der Gotterkenntnis meiner Werke. Ludendorffs Verlag GmbH, München 1941 (263 S.) („7. und 8. Heft der 2. Schriftenreihe“)
  12. Ludendorff, Hans: Zur Frühgeschichte der Astronomie in Berlin. W. de Gruyter, Berlin 1942 (23 S.)
  13. Strömgren, Elis: Hans Ludendorff. In: Die Naturwissenschaften. 30. Jg., Heft 4, 23.1.1942, S. 5F
  14. Ludendorff, Mathilde: Ein Blick in die Werkstatt der Naturwissenschaft unserer Tage. Ludendorffs Verlag GmbH, München 1941 (73 S.) (Laufender Schriftenbezug 11, Heft 4)
  15. o.N. (wohl M. Ludendorff?): Eine würdige Ludendorff-Feier am 21. 5. 1939. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, Folge 6, 16.6.1939, S. 231-234 [mit Fotografie von Hans Ludendorff]
  16. Ludendorff, Hans: Zur astronomischen Deutung der Maya-Inschriften. Verlag der Akademie der Wissenschaften in Kommission bei W. de Gruyter, Berlin 1936 (26 S.) [Sitzungsberichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Physikalisch-Mathematische Klasse, Preußische Akademie der Wissenschaften Physikalisch-Mathematische Klasse]
  17. Ludendorff, Hans: Über die Ablenkung des Lichtes im Schwerefelde der Sonne. In: Astronomische Nachrichten, Volume 244, Issue 16, 1931, S. 321-330, DOI: 10.1002/asna.19312441602
  18. Bauschinger, J., H.; Ludendorff, R.; Schorr (u. a.): Astronomie und Astrophysik. Karl Siegismund Verlag / Verlag der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, Berlin 1930 [Deutsche Forschung. Aus der Arbeit der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft (Deutsche Forschungsgemeinschaft). Heft 12] (84 S.)
  19. Gustav Eberhard, Walter Grotrian, Arnold Kohlschütter, Hans Ludendorff: Handbuch der Astrophysik. Grundlagen der Astrophysik. Bände 1-3 Springer, 1929, 1930 (358 S.)
  20. Plaut, Paul: Die Psychologie der produktiven Persönlichkeit. Enke, Stuttgart 1929 [zu H. Ludendorff S. 285f, zit. n. Hentschel, S. 136ff]
  21. Ludendorff, Hans: Bemerkungen über die Radialgeschwindigkeiten der Helium-Sterne. In: Astronomische Nachrichten, Band 202, Heft 5, 1915, S. 75–84, DOI: 10.1002/asna.19152020503 [= Replik auf Erwin Freundlich, 1915, s.a. Seeliger, 1916] 
  22. Ludendorff, Hans: Die Jupiter-Störungen der kleinen Planeten vom Hecuba-Typus. Inaugural-Dissertation. Berlin 1897
  23. Hans-Joachim Ludendorff (6. Juli 1908-26.August 2006), https://www.geni.com/people/Hans-Joachim-Ludendorff/3150804   (das Profil wurde 2007 angelegt von seiner Tochter Karin Heuser und deren Sohn Christian Kurt Joachim Heuser)  
  24. Andrew Robinson: The eclipse that made Einstein famous. Rezension von "Einstein's War" by Matthew Stanley Dutton, 2019. 400 pp. und "No Shadow of a Doubt" by Daniel Kennefick Princeton University Press, 2019. 413 pp.  In: Science  Magazine, 10 May 2019: Vol. 364, Issue 6440, pp. 537 DOI: 10.1126/science.aax1447, https://science.sciencemag.org/content/364/6440/537?
  25. Schoenberg, Erich: Hans Ludendorff [Nekrolog]. München 1948. in: Jahrbuch der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. 1944-48. S.236-239. Z 3761-1944-48 

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