"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)
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Montag, 18. Dezember 2017

Studiengruppe Naturalismus - Zu den Anliegen dieses Blogs

Studiengruppe
"Naturwissenschaftsnahes Philosophieren und Hintergrundpolitik-Kritik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung"

Ein erster Beitrag zu den Anliegen dieses Blogs ist schon im Jahr 2010 erschienen (Stgr2010).

Abb. 1: Das Abzeichen der Ludendorff-Bewegung seit den 1930er Jahren: Ein auffliegender Adler, auch genannt "Deutschvolk-Adler", weil er ursprünglich Abzeichen war der 1933 verbotenen weltanschaulichen Vereinigung "Deutschvolk e.V."

Im folgenden sollen weitere Ausführungen dazu gegeben werden, insbesondere aus dem Blickwinkel des Jahres 2017 heraus, in dem eine sogenannte "alternative Öffentlichkeit" eine so viel größere Bedeutung erlangt hatte als sie diese zuvor besaß:

1.

Erich Ludendorff war einer der frühesten Hintergrundpolitikkritiker der Geschichte. Er ist bis heute der namhafteste, prominenteste und einflußreichste aller Hintergrundpolitikkritiker geblieben. Dies ist einer der Gründe dafür, daß es eine Perspektive gibt, aus der heraus gesagt werden könnte, daß Erich Ludendorff einer der geistig fortschrittlichsten Menschen seiner Zeit war, ja, daß ein Paul von Hindenburg und ein Adolf Hitler in Deutschland nur an die Macht gebracht worden sind, sowie daß andere, verquastetere, unklarere revolutionär-konservative Autoren nur deshalb bis heute in aufgeweckteren Kreisen gefördert worden sind und werden, um von seiner Person und von den Inhalten abzulenken, für die er stand.

Wissenschaftliche Veröffentlichungen zu fördern, die auf solche Umstände hinweisen, sollte eigentlich die Aufgabe des testamentarisch von Mathilde Ludendorff vorgesehenen Ludendorff-Archivs in Tutzing sein. Dieser Aufgabe kommt dieses Archiv seit seiner Gründung im Jahr 1967 nicht nach, womit es sich in Widerspruch zum Testament Mathilde Ludendorffs setzt. Dieser Blog versucht im Rahmen seiner Möglichkeiten, dieses Desiderat auszufüllen.

Ohne Zweifel besteht heute in der alternativen Öffentlichkeit ein kritisches Bewußtsein, das in seiner geistigen Tradition bei Erich und Mathilde Ludendorff begann, und von dem diese schon einen großen Teil vorweg genommen haben. Nur aus der Perspektive der alternativen Öffentlichkeit wird man einen angemessenen Blickwinkel auf das Leben und Werk von Erich und Mathilde Ludendorff gewinnen können.

2.

Einer der wesentlichsten Aspekte der Fortschrittlichkeit beider Denker besteht in ihrer Naturwissenschafts-Nähe, besteht darin, von der Darwinschen Evolutionstheorie und der modernen Physik auszugehen. Das findet sich ebenfalls sonst bei keinem revolutionär-konservativen Autor, ja, in der Breite, in der es hier vorliegt, stellt es sogar noch in der heutigen Universitäts-Philosophie ein Desiderat dar. (Ludendorffs Bruder Hans z. B. war Astronom und arbeitete zwei Jahrzehnte lang kollegial mit Albert Einstein zusammen. Er war deshalb auch niemals ein Anhänger der pseudowissenschaftlichen “Deutschen Physik”.)

Noch heute gibt es fortlaufend Neuerkenntnisse in der Naturwissenschaft, die nahtlos zu der philosophischen Weltdeutung Mathilde Ludendorffs zu passen scheinen, wodurch eine gegenseitige Ergänzung und Befruchtung möglich wird. Es seien nur stichwortartig genannt das Anthropische Prinzip oder Erkenntnisse, die auf den Punkt gebracht werden in Buchtiteln und -untertiteln wie “Naturgesetze steuern den Zufall” (M. Eigen), “Inevitable Humans in a Lonley Universe” (Conway Morris), “Gotteswahn” (R. Dawkins), “Deutschland schafft sich ab” (T. Sarrazin; genetische Begabungs- und Neigungsunterschiede zwischen Völkern), “Der Abbau des Menschlichen” (K. Lorenz), “Zorn und Zeit” (P. Sloterdijk), “Prinzip Verantwortung” (Hans Jonas) und viele andere mehr.

Die Konfrontation der Geisteswelt Erich und Mathilde Ludendorffs mit dem heutigen Wissensstand sehen wir als eine fruchtbare geistige Herausforderung an. Von dem Autor Hermin Leupold ist sie in umfassender Weise auf dem heutigen Wissensenstand geleistet worden (1).

Schon wer sich zum Beispiel einmal intensiver mit Biologie und Soziobiologie auseinandergesetzt hat, wird bei dem Studium des Werkes von Mathilde Ludendorff "Der Minne Genesung" (ursprünglich "Erotische Wiedergeburt", 1919) überrascht sein, wie fortschrittlich - noch für unsere Zeit - viele Gedanken darin sind. Bzw. wie konsequent darin evolutionäres Denken, insbesondere auf dem Gebiet der Sexualpsychologie, stattfindet. Man ist überrascht, in Mathilde Ludendorff so etwas wie eine frühe Soziobiologin bzw. Evolutionäre Psychologin zu entdecken. Und das gilt, wie bei weiterer Umschau in ihren psychologisch-philosophischen Büchern zeigt, nicht nur für dieses Buch, sondern zieht sich durch ihr ganzes Werk.

Umgekehrt stellt sich bei einer Lektüre der Trilogie von Kevin MacDonald über die gruppenevolutionären Strategien von Judentum und Antisemitismus (1994, 1998) sehr bald heraus, daß zwischen seiner evolutionspsychologischen Deutung dieser Phänomene und derjenigen Mathilde Ludendorffs eine große Zahl von Übereinstimmungen bestehen.

Solche Erfahrungen wecken Interesse an der Biographie von Mathilde Ludendorff - und damit auch an derjenigen von Erich Ludendorff.

3.

Für die am fortschrittlichsten denkenden Menschen von heute ist alternativlos der Evolutionäre Humanismus das Weltbild der Zukunft. Evolutionärer Humanismus schließt alle Weltbilder aus, die nicht mit dem modernen naturwissenschaftlichen Kenntnisstand zu vereinbaren sind. Er schließt deshalb zwangsläufig nicht nur Religions- und Ideologiekritik mit ein, sondern spätestens seit K.-H. Deschner und Colin Goldener, Robert Trivers, Richard Dawkins, Noam Chomsky, Kevin MacDonald, James Watson auch Hintergrundpolitik- und Lobbymächte-Kritik.

Viele zeitgeschichtliche Erscheinungen des Zwanzigsten Jahrhunderts, nicht zuletzt dann auch jene, die in der Kirchenaustrittsbewegung des Dritten Reiches zwischen 1935 und 1939 kulminieren, werden nicht vollgültig verständlich, wenn man nicht das Wirken und den Einfluß der Ludendorff-Bewegung für diese Zeit mit berücksichtigt. Das Anliegen der Studiengruppe ist es, hier zahlreiche Forschungslücken zu füllen, um zu einem besseren Verständnis, bzw. zu einer vollständigeren Kenntnis der deutschen Geschichte überhaupt beizutragen.

4.

Was die Biographien Erich und Mathilde Ludendorffs betrifft, muß zwangsläufig immer wieder ihr Verhältnis zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich behandelt werden. Der Historiker Manfred Nebelin schreibt in einer Rezension zu einer diesbezüglichen Neuerscheinung (FAZ2014):

"Leider bleibt es hier wieder bei spärlichen Hinweisen, etwa zur Rolle von Ludendorffs zweiter Ehefrau, der Nervenärztin und Religionsphilosophin Mathilde von Kemnitz ('die wirre Mathilde'). So lassen sich die ungeklärten Fragen nach dem Verhältnis Ludendorffs zu Hitler, der NS-Ideologie und dem 'Dritten Reich' nicht zufriedenstellend beantworten."

Zu diesen und zahlreichen anderen ungeklärten Fragen will die Studiengruppe im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beiträge leisten.   Eine der wichtigsten Antworten auf die soeben gestellten Fragen findet sich schon seit Jahrzehnten - und von der Wissenschaft fast gänzlich unbeachtet - in der Biographie über den Hitler-Gegner Ludwig Beck (Autor: Klaus-Jürgen Müller)(Stgr2012). An die Forschungsergebnisse dieser Biographie sollte künftig verstärkt angeknüpft werden in weiteren Forschungen und historischen Einordnungen.

Nachbemerkung: Dieser Blog hat seit seiner Gründung, also zwischen 2010 und 2017, mit dem Bemühen um Vollständigkeit alles zusammen getragen, was rund um seine Thematik - vor allem über das Internet (aber auch sonst) - bekannt geworden ist. Auf dieser Linie sollte weiter gearbeitet werden. Das wird aber vom Bloginhaber selbst mit dem bisherigen Anspruch an Vollständigkeit nicht mehr geleistet werden können. Aber es sollte doch noch andere Menschen geben, die in ähnlicher Weise eine solche Aufgabe für sich sehen. So schrieben wir am 18.12.2017, seither hat sich niemand gemeldet, aber der Aufruf ist weiter aktuell - auch noch im Mai 2023.

/ zuletzt durchgesehen: 
28.5.23 /

_________

  1. Leupold, Hermin (posthum): Philosophische Erkenntnis in ihrer Beziehung zur Naturwissenschaft. Aufsätze zur geschichtlichen Entwicklung der Erkenntnistheorie, zur Evolution des Weltalls und des Bewußtseins. Die Deutsche Volkshochschule, 23845 Bühnsdorf, 2001

Samstag, 13. Juli 2013

Unser "Ludendorff'scher Ansatz"

Unser "Ludendorffscher Ansatz" und die Evolutionäre Erkenntnistheorie aus der Sicht eines Anhängers des - - - "inflationären Satanismus"

Abb. 1: R. Dawkins - Okkulte mögen ihn nicht
Zu unserer Blogarbeit sind von Seiten eines satanismusnahen Blogkommentators unter den Namen "Leser" und "Mal wieder" zum Teil recht grundlegende Kommentare abgegeben worden. Sie sollen, da viele grundlegende Dinge in ihnen angesprochen worden sind, in einem eigenen Beitrag noch noch einmal in den wichtigsten Teilen dokumentiert werden.*) Erst bei der Zusammenstellung fallen uns einige wichtigere Dinge auf, die uns zuvor ganz entgangen waren.

Der Blogkommentator hatte sich erstmals kund getan am 22. Oktober 2012 in einem Kommentar zu unserem Blogbeitrag "Oswald Spengler - Mitglied der Fraternitas Saturni?". Und ein weiteres mal im Januar 2013 in einer Diskussion auf dem Internetblog von Guido Grandt. (Auf diese letztere Diskussion war in einem früheren Blogbeitrag hier bislang nur kurz hingewiesen worden [Stud. Natur., 1.2.2013]).

Was uns während der Zusammenstellung nun in die Augen fällt, und was wir bisher gar nicht beachtet hatten, ist die Tatsache, dass der Diskutant ("Leser/Mal wieder") die reale, durch Magie beeinflussbare Existenz eines Satans nicht per se und ganz selbstverständlich für ausgeschlossen und unmöglich hält. Diese Tatsache macht es deutlich, dass es Sinn machen könnte, die ganze folgende Diskussion noch einmal aus der - freilich sehr ungewohnten - Sicht eines Satanisten zu lesen. Sie erhält aus dieser Sicht noch einmal ein ganz anderes Aussehen, als wenn man unterstellt, dass es sich bei dem Mitdiskutanten "nur" um einen "harmlosen" Agnostiker handelt (als den er sich auch kennzeichnet) und nichts weiter.

Das Dritte Reich, eine Inszenierung?

Über den Beweggrund, überhaupt mit uns eine Erörterung zu beginnen, sagte der Diskutant (Hervorhebung nicht im Original):
Sollte das “Dritte Reich” eine Inszenierung gewesen sein, dann fragt sich natürlich auch, wie so etwas auf die Bühne gestellt werden konnte. Und gerade im denkerisch-kulturellen Sektor müssten sich vorher viele zwielichtige Personen getummelt haben. Und zu vielen der Personen, die dann als Agenten der Inszenierung in Frage kämen, haben Sie Artikel verfasst. Beim Suchen im Internet bin ich ein paar Mal auf Ihre Seite gestoßen und habe mich dann dort auch ein wenig umgesehen. Und zumindest die dort angeführten Tatsachen fand ich interessant.
Der Diskutant interessiert sich also - wie der Hochgradfreimuarer, der "bedeutende lebende Magier" und Satanist Ralph Tegtmeier als Erstverleger des Buches "Das schwarze Reich" - für die Inszenierung des Dritten Reiches durch satanistische Okkultlogen, für die "Zombifizierung der Politik durch Okkultlogen". Und dabei interessiert er sich vor allem für solche "denkerisch-kulturellen Agenten" einer solchen etwaigen Inszenierung wie Oswald Spengler, also für jene, die wir in unserer Dokumentation (1) und auf unserem Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" verallgemeinernd als "Logen-Ideologen" kennzeichnen, bzw. als okkultlogen- und satanismus-nahe Schriftsteller und Künstler. Diese Reihe der "Agenten der Inszenierung", zu denen wir ja etwa auch, kurz bevor der "Leser" kommentierte, einen Menschen wie Hans Zehrer zählten (GAj, 10.9.2012), diese Reihe also wird ja auch auf unserem genannten Parallelblog immer länger. Eine wirklich hübsche "Galerie"!

Und schon zuvor beschäftigte sich der "Leser" auch ein wenig mit "den Ludendorffs". Auch darüber stieß er auf unsere Seite, wie er schrieb. Da er seinen ersten, sehr informativen Kommentar zu Oswald Spengler abgab, zählt er diesen - wie dieser Blog - zu den von ihm so genannten "Agenten der Inszenierung". Ebenso dann sicherlich viele andere Logen-Ideologen, die wir auf unserem Blog und in unserer dreibändigen Satanismus-Dokumentation (1) behandeln. Für ihn sind das aber gar nicht etwa bloß verblödete Okkultgläubige, sondern - sozusagen - Anhänger des real existierenden Satans. Die in seinem Dienst das Dritte Reich "inszeniert" haben. (Wenn wir ihn recht verstehen.)

Und deshalb hält er zwar offenbar die grobe Einordnung dieser Autoren und Ideologen als "Agenten der Inszenierung" durch uns für richtig. Nicht aber die daraus gezogenen Schlussfolgerungen dieses Blogs, wie einer solchen Inszenierung künftig besser als damals begegnet werden könnte. Womöglich meint der "Leser", anstatt mit Aufklärung, einem naturwissenschaftsnahen Weltbild und daran anschließendem Philosophieren, einem solchen "Satanswerk" eher mit "weißer Magie" beikommen zu können. So also, wie es nach Trevor Ravenscroft schon Rudolf Steiner und seine Anhänger versucht haben sollen. Bekanntlich, wenn, dann erfolglos. Übrigens.

Jedenfalls hieße das, dass man eine künftige "Hitler-Inszenierung" nur dadurch verhindern könnte, dass man sich sehr intensiv mit "Magie" beschäftigen würde. So scheint uns jedenfalls die Schlussfolgerung aus dem vom "Leser" Gesagten zu sein.

Auch meint er, dass man seine Bestrebungen in Richtung eines politischen Aufbruchs nicht "verkomplizieren" sollte dadurch, dass man zu viele weltanschauliche, bzw. metaphysische Fragen aufwirft. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, dass der "Leser" in seinem Argumentieren noch am Üben ist. Nämlich dahingehend, wie man sich in Kreisen von Hintergrundpolitikkritikern wie uns bewegen kann, eine satanismusnahe Haltung bewahren kann und doch Einfluss auf diese Kreise nehmen kann. Nicht wahr? Das wird ja jetzt doch für alle Okkultlogen immer wichtiger. So wie es Ende der 1920er Jahre immer wichtiger wurde.

Doch wollen wir uns das im folgenden noch einmal im einzelnen ansehen. Von Leuten, die in ihrem innersten Herzen eigentlich dem Satanismus nahe stehen, die aber nach außen den "Agnostiker" hervorkehren, und die sich vergleichsweise breit mit Wissenschaft, Politik und Hintergrundpolitik beschäftigen, wird man durchaus einiges lernen können. Zum Beispiel die Tatsache, was für ein vielschichtiges Denken sie verinnerlicht haben müssen, um in der modernen Welt ihre im innersten Herzen Satanismus-nahe Haltung sich selbst und anderen gegenüber noch rechtfertigen zu können. Denn man braucht ja schließlich auch Nachwuchs für seine Satanismus-nahen Haltungen. Und irgendwie muss man die ja auch diesen gegenüber argumentativ rechtfertigen können.

Und natürlich muss man auch aus einer solchen Haltung heraus ganz "agnostisch" etwa einen Richard Dawkins und sein Buch "Gotteswahn" hassen wie die Pest. Und genau das finden wir auch bei diesem Diskutanten wieder. Er "übt" eben noch. Wenn er besser geschult ist, wird er seinen Hass gegenüber Leuten wie Richard Dawkins wohl nicht mehr so deutlich zu erkennen geben.

Auch möchte er die Anhängerschaft des von ihm für möglich gehaltenen real existierenden Satans vor allem mit der von ihm so genannten "jüdischen Verschwörung" identifiziert sehen. Und über diese redet er gerne und auffallend - natürlich unter Pseudonym! - in einem hetzerischen antisemitischen Tonfall. Statt einfach und nüchtern festzustellen, dass derjenige, der buchstabengläubig an das Alte Testament glaubt (also nicht nur Juden!), per se satansgläubig ist. Und dass ein solcher "Gotteswahn" eben von Richard Dawkins öffentlichkeitswirksam zurückgewiesen wird. Aber all das möchte der "Leser" so nicht. Damit kann man womöglich nicht in einem solchen Sinne "Stimmung" machen, wie es der "Leser" gerne hätte. Natürlich immer zum Besten unserer Gesellschaft. Natürlich.

Eine "inflationäre" "Metaphysik des Satanismus" ist "interessanter" (Oktober 2012)

Am 22. Oktober 2012 trat der "Leser" also mit einem Kommentar in Erscheinung zu unserem schon im April 2011 erschienenen Blogbeitrag "Oswald Spengler - Mitglied der Fraternitas Saturni?" Dort machte er zunächst - sozusagen als "Anbeißer" - folgende, durchaus mit Recht Interesse weckende Eingangsbemerkung. (Solch eine detaillierte Erkenntniserweiterung sollte es seither von seiner Seite aus nicht mehr geben. Ein "Anbeißer" reicht ja vielleicht auch ...) Er schrieb:
Ernst von Salomon hat in seinem Buch "Der Fragebogen" unfreiwillig (?) eine Anspielung Ernst Jüngers auf Spenglers Mitgliedschaft in der oben genannten Loge überliefert:

"Als ich ihn, nachdem ich ihm lange Jahre nicht mehr begegnet war, eines Tages im Jahre 1937 zur Zeit des Nürnbergers Parteitages in Berlin auf der Straße traf, geschah dies just vor einem Kino, aus dem die Scharen der Besucher strömten. (...) Ich fragte ihn, was er treibe, er sagte: "Ich habe mir einen erhöhten Standort ausgesucht, von dem ich beobachtete, wie sich die Wanzen gegenseitig auffressen." Ich sagte etwas gereizt, nun, er habe sich immer gern auf einen anderen Stern zurückgezogen, worauf er sofort erwiderte: "Ja, auf einen relativ anständigen, auf den Mars oder die Venus, nicht auf den Saturn, der hat Nebelstreifen und außerdem sitzt da schon Spengler."

Nachzulesen ist dieses Zitat in einem alten Artikel der "Jungen Freiheit", der im Netz aufbewahrt ist.

http://www.geocities.ws/films4/derdoppelteernst.htm

Grundsätzlich finde ich Ihren Blog interessant, wenn mir auch die metaphysischen Grundlagen zu kurz kommen, weshalb ich auch nicht so ganz verstehe, was denn eigentlich mit dem "Satanismus", der hier als Gefahr andauernd beschworen wird, eigentlich gemeint ist.
In der Antwort behandelten wir die Einordnung dieses interessanten Zitates (siehe dort) und schrieben dann weiter:
Metaphysische Grundlagen? Dieser Blog vertritt ein konsequent naturalistisches Weltbild wie die Giordano Bruno-Stiftung, wie Richard Dawkins, wie die Mehrheit der heutigen Naturwissenschaftler. Für alle übernatürlichen "Kräfte" und "Einflüsse", für Magie und jegliche Sorte Okkultismus ist im modernen Weltbild kein Platz mehr.

Den Okkultismus und seine Wirkung, insbesondere wie er bis zum Satanismus führen kann, habe ich am besten erklärt und erläutert gefunden in dem Buch der Psychiaterin Mathilde Ludendorff "Induziertes Irresein durch Okkultlehren". Ich arbeite gerade an zwei Dokumentationsbänden über alle nicht in Buchform veröffentlichten Äußerungen der beiden Ludendorffs zu Satanismus, Okkultismus und Logen. Dabei hab ich viel gelernt.

Dabei habe ich auch gelernt, dass das Phänomen des Satanismus eine psychiatrische Seite hat ("Irresein", Verblödung), aber auch schlicht eine moralische Seite. Die MORAL des Satanismus ist - nach Mathilde Ludendorff - noch eine viel niedrig stehendere als die des (alt- und neutestamentarischen) Christentums. Und das scheint mir sehr treffend zu sein.

Mathilde Ludendorff hinwiederum schlägt in ihrer eigenen Philosophie eine konsequent mit dem modernen naturwissenschaftlichen Weltbild vereinbare Metaphysik vor. Also auch einen "Gottesbegriff", der dem "Gott Albert Einsteins" nahe steht, und den z. B. Richard Dawkins mit seinem Buch "Gotteswahn" grundsätzlich nicht angegriffen sehen wollte. Grob gesagt ist das der Gottesbegriff des Pantheismus. 
Darauf der "Leser" (Hervorhebung nicht im Original):
Danke Herr Bading für Ihre Antwort auf meine implizite Frage, was denn eigentlich der metaphysische Standpunkt dieser Seite ist.

Sie vertreten also wie die Ludendorffs, mit denen ich mich in letzter Zeit etwas beschäftigt habe, weshalb ich auch auf Ihre Seite gestoßen bin, eine sozusagen "deflationäre" Metaphysik des Satanismus, wonach es keinen Satan gibt, sondern nur wahnhafte Anhänger einer eingebildeten metaphysischen Entität.

Allerdings stellt sich dann die Frage, warum der "Satanismus" eine so große Gefahr sein soll. Denn Wahnvorstellungen haben es doch an sich, an der Realität zu scheitern. Aber Sie gehen doch davon aus, dass die "Satanisten" die Realität meistern, da sie überaus mächtig sind, ja den Lauf der Weltgeschichte mitprägen,.

Die Ludendorffs versuchen diesen Widerspruch aufzulösen, indem sie von einer umfassenden jüdischen Verschwörung ausgehen, vor deren Hintergrund der "Satanismus" eine Suggestivlehre ist, mit der Nichtjuden für Hilfsdienste gewonnen werden. Sie aber, Herr Bading, scheinen von einer jüdischen Verschwörung nichts wissen zu wollen (ich habe allerdings auch nur einen kleinen Teil Ihrer Artikel gelesen, weshalb ich mich in meiner Einschätzung täuschen mag). Vor diesem Hintergrund ist es rätselhaft, wie der "Satanismus" so mächtig geworden ist.

Grundsätzlich finde ich Ihren Blog interessant, und ich habe mir auch schon viele Fragen bezüglich bestimmter Personen gestellt, die Sie zu beantworten suchen. Doch eine wirklich befriedigende Erklärung der Weltgeschichte scheint sich mir mit dem “Satanismus“-Postulat nicht zu ergeben. Fast fände ich es interessanter, wenn man eine „inflationäre“ Metaphysik des Satanismus postuliert (mit funktionierender schwarzen Magie, mit echten Teufelspakten etc.), obwohl ich eigentlich selbst zum Agnostizismus neige. Denn dann hätte man wenigstens eine Erklärung dafür, dass eine kleine Gruppe so mächtig werden konnte und den Rest der Menschheit in eine Art Hypnose zu versetzen vermag.
Was mir auch aufgefallen ist, dass zwielichtige Personen wie Guido Grant in den schlimmsten Massenmmedien (Pro 7) vor den Gefahren des "Satanismus" warnen dürfen, obwohl nach den Anhängern der „Satanismus“-Verschwörungstheorie die Medien von "Satanisten" beherrscht werden. Und gerade im englischsprachigen Raum, gibt es viele Netzseiten, hinter denen angeblich Juden stecken (so z.B. „vigilant citizen“), die behaupten, dass unsere Welt von „Satanisten“ regiert wird. Also die These einer jüdischen Verschwörung scheint mir insgesamt plausibler zu sein als die einer „satanistischen Verschwörung“. Es ist ja auch auffällig, dass Judenkritiker in der BRD verfolgt werden, während die staatlich gestützten Kirchen gerne vor einem Neo-Satanismus warnen.
Ein recht vielschichtiges Raisonnement, das hier ausgebreitet wird. Und das man eigentlich erst versteht, wenn man sich gut hineinversetzen kann in jemanden, der Satanismus nur dann für so weltgeschichtlich einflussreich halten kann, wenn der Teufel wirklich real existiert und durch magische Praktiken bekämpft werden kann ... Das wird mir erst jetzt beim nachträglichen Lesen bewusst, diese Vielschichtigkeit. Tja, wie will man als echter Satanist all das Kämpfen der Hintergrundpolitik-Kritiker gegen den Satanismus noch einordnen? Was sind das bloß für Leute?!! Sie bekämpfen den Satanismus und "glauben" gar nicht an ihn. Wirklich merkwürdige Welt! Wirklich! :-) (Ich könnte mir z.B. denken, dass viele Autoren des Kopp-Verlages so denken. Und auch viele Leute bei Nuoviso und ähnlichen Videoportalen.) Tja, wie könnte man hier auf dem Blog solchen Leuten die Welt erklären? Hm, vielleicht fällt uns im Laufe der Zeit dazu noch etwas ein. Hören wir erst einmal weiter zu:
Ich habe mir noch keine abschließende Meinung zu dem Komplex gebildet, weshalb ich hier ein echter Fragender bin, und im Gegensatz zu Guido Grant kommen Sie mir recht ehrlich vor, weshalb ich mal hier meine grundsätzlichen Fragen artikulieren wollte.
Na, zum Glück, werden wir als ehrlich empfunden. Guido Grandt hingegen scheint als ein echt-satanistischer Satanismus-Kritiker angesehen zu werden. Ach, du heilige Einfalt! Einen "echten Fragenden" also nennt er sich. Die These, dass es den Teufel wirklich gibt, und dass man durch "schwarze Magie" Dinge bewirken könne, findet dieser "Leser" dann aber "fast" "interessanter" und eine solche Erklärung plausibler. Diese Aussage fällt mir, wie gesagt, erst jetzt, beim erneuten Nachlesen erstmals wirklich in die Augen. Das ist eine für vernünftige Leute so schrille These, dass ich die bisher ganz überlesen hatte. Wäre sie mir gleich voll in die Augen gefallen, hätte ich wohl die ganze folgende Diskussion nicht ganz so ernsthaft fortgesetzt, wie ich sie fortgesetzt habe. Oder in ganz anderer Weise. Denn mit so einer Aussage fällt der proklamierte "Agnostizismus" natürlich mehr oder weniger in sich selbst, also ins Nichts zusammen.

Es wäre dann eben zu sagen, dass der Agnostizismus dieses "Lesers" de facto gar kein Agnostizismus ist, sondern Glaube an "Supernaturales", "Übernatürliches". Hierbei wird einem auch erneut bewusst: Hinter Agnostizismus scheinen sich neuerdings viele zu verbergen, die, wenn man ihnen auf den Zahn fühlt, sich dann gar nicht mehr als so tolle Agnostizisten herausstellen. Sondern z. B. als Okkult-Anhänger. (So womöglich auch auf dem Blog "Wissen bloggt", wo ich in den Kommentaren schon andeutungsweise auf ähnliche "Agnostizisten" traf.) Ich antwortete:
Was für eine Moral aus dem Alten Testament folgt, und wie Menschen nach dieser Moral handeln müssen, die buchstabengläubig daran glauben, das ist ja offensichtlich. Und es ist zuletzt von R. Dawkins ("Gotteswahn") oder Peter Sloterdijk ("Zorn und Zeit") behandelt worden (etwa die Feindvernichtungsgebete). Auch Wolfgang Eggert hat in seinem 3-bändigen Werk "Geheimvatikan" darüber ausreichend viel zusammengetragen. Und schließlich schätze ich den amerikanischen Psychologen Kevin MacDonald und sein Buch "A Culture of Critique" von 1998 sehr, weshalb für mich alttestamentarische Einflüsse auf die Weltgeschichte die noch am leichtesten zu erklärenden zu sein scheinen, weshalb ich diese hier auf dem Blog und auch sonst nicht noch großartig glaube, thematisieren zu müssen. Auch Juri Slezkine hat darüber ja ausreichend aufgeklärt ("Das jüdische Jahrhundert"). (...)

Für die alttestamentarische Weltsicht ist Jehova, die jüdische Stammesgottheit, "Gott" und alle anderen, nichtjüdischen Götter sind Satan. Dieser Glaube hat in der Weltgeschichte in der Tat "Berge" versetzt, auch wenn man nur allein die Geschichte christlicher Völker betrachtet.

Warum soll Gotteswahn nicht tiefgreifenden Einfluss auf die Geschichte haben? Vielmehr: Es ist ja offensichtlich. Und soll ein solch tiefgreifender Einfluss ein Hinweis darauf sein, dass es nun DOCH nicht Gotteswahn ist? Darüber sind wir, glaube ich, hinaus.

Ich muss noch einmal darauf hinweisen, dass ich es selbst schwer verständlich fand, anfangs, wie man eigentlich Satanist werden könnte, zumindest ein solcher, wie sie in "Vater unser im Himmel" und ähnlichen Büchern beschrieben sind.

Im Grunde finden sich dazu in der Literatur bisher nur ganz wenig wirklich gute Erklärungsansätze. Mir ist jedenfalls bis heute kein besserer bekannt geworden als der von Mathilde Ludendorff.

Erich Ludendorff hat im Anschluss daran einen Leitartikel geschrieben mit der Überschrift "Verblödung als Befähigungsnachweis für Staatsmänner" (und zwar Ende 1932!). Sollte man nicht allgegenwärtig das Gefühl haben, dass derartige Verblödung ein solcher Befähigungsnachweis ist heute?

Wesentlich ist halt, was Mathilde Ludendorff dazu ausführt, dass Verblödung, induziertes Irresein meistens INSELARTIG vorliegt. Das heißt, auch hochintelligente Leute mit IQ von 160 können induziert irre sein, aber jeweils nur innerhalb ihres Wahnsystems, was nicht ausschließt, dass sie etwa zugleich gute Mathematiker oder Genetiker etc. pp. sind. Max Planck war inselartig verblödet, wenn er an den christlichen Gott glaubte - aber dennoch verdientermaßen Nobelpreisträger. Und so viele christ- und bibelgläubige Wissenschaftler seit dem okkultgläubigen Johannes Kepler bis heute.

Ich kann hier nicht all das wiederholen, was in dem kleinen Büchlein "Induziertes Irresein durch Okkultlehren" drinsteht. Aber ich halte die Ausführungen darin für durch und durch überzeugend. Okkultlehren wirken auf ALLE Seelenfähigkeiten. Auf das Denken und auch auf den Willen. Beide sollen gelähmt werden. Auch auf das FÜHLEN. So versucht z.B. Mazdaznan oder Yoga Glücksgefühle herzustellen, die mit der tatsächlichen Lage des jeweiligen Menschen gar nichts zu tun haben.

Die Okkultlogen und Psychosekten hatten Jahrhunderte Zeit, um die diesbezüglichen Techniken zu verfeinern und an die jeweiligen neuen geistigen Entwicklungen anzupassen. Ich bin grade auf ein Bild des niederländischen Malers Hieronymus Bosch ("Der verlorenen Sohn") gestoßen, auf dem schon ein Freimaurer dargestellt ist. Und lesen Sie dann mal den Wikipedia-Beitrag zu Hieronoymus Bosch. Okkulte Geheimlogen gab es schon damals, Ende des 14. Jahrhunderts, nicht erst mit Gründung der Freimaurerei 1717 oder so ähnlich. Das waren dann eben Rosenkreuzer oder Templer oder schlicht "Proselyten" gegen die schon die römischen Kaiser in den ersten Jahrhunderten Front machten, und aus denen nicht nur Christentum und Islam entstanden sein werden, sondern eben auch die Vorläufer von Freimaurerei, Rosenkreuzern, Templern usw.. Überall ist der Grundmythos die Wiedererrichtung des jüdischen Tempels in Jerusalem, das Sinnbild der religiösen Weltherrschaft des Judentums.

Aber die jüdische Priesterkaste ist bei weitem nicht die einzige Priesterkaste, die schwer okkultgläubig ist. Auch der gegenwärtige Papst glaubt an Prophezeiungen, an den Teufel, etc. pp. Und ebenso auch die tibetische Priesterkaste, von der ja so viele, wie ich glaube, berechtigterweise, annehmen, daß sie ebenfalls großen Einfluß auf die Weltgeschichte und -politik nimmt. Warum ist sonst so vielen Politikern daran gelegen, auf gutem Fuß mit dem Dalai Lama zu stehen (Jörg Haider etwa oder Roland Koch usw.).

Paul Köthner, Friedrich Hielscher, Karl Strünckmann, Harry Dörfel ... unzählige Logen-Ideologen sagten den Sieg "des Ostens" über "den Westen" voraus und stellten sich mit Vertretern der tibetischen Priesterkaste, bzw. des Buddhismus gut.
Gerade diese zuletzt genannten Leute werden es sein, um deren Behandlung willen sich der Kommentator für unsere Blogartikel interessierte. Er sollte auch unsere dreibändige Dokumentation dazu (1) durchblättern. Da findet er noch viele weitere Hinweise auf solche Leute.

(Übrigens: Die Verdächtigungen des "Lesers" gegenüber dem außerordentlich verdienten Journalisten Guido Grandt wies ich an dieser Stelle - wie auch an anderen - zurück. Da das im vorliegenden Beitrag aber nicht Thema ist, soll es hier nicht noch einmal zitiert werden.)

"Sie sind ein einsamer Rufer in der Wüste" (Januar 2013)

Der gleiche Kommentator bezeichnete sich dann in der späteren Diskussion auf dem Internetblog von Guido Grandt mit der Bezeichnung "Mal wieder". Er meinte dort dann unter anderem am 8. Januar 2013 schon in erheblich flappsigerem, herabsetzenderem Ton äußern zu müssen:
Allerdings finde ich Ihren superludendorffschen Ansatz auch nicht toll. Und mit Dawkins kann man mich auch jagen.
Und:
Nur weil man den in den Systemmedien abgefeierten Dawkins, der mir intellektuell doch sehr beschränkt zu sein scheint (mit der Evolutionslehre kann man überhaupt keine metaphysische Position rechtfertigen, da eine solche keinen unmittelbaren Überlebensvorteil gewährt, weshalb jede evolutionär begründete Erkenntnistheorie auch absurd ist), nicht gut findet, und auch das Ludendorffsche Gedröhne von den “okkulten Suggestionen” als Wurzel allen Übels doch etwas naiv findet, muß man nicht Anhänger einer des Judentums oder seiner beiden Ableger sein (das meinen Sie doch mit “monotheistischen Okultlehren?).

Tatsächlich bin ich Agnostiker und bin deshalb auch nicht in einer Bringschuld, eine Alternative zu den von Ihnen genannten Autoren zu liefern.
Agnostiker ist wirklich eine tolle Maske. Ich wüsste vorderhand auch keine bessere für jemanden, der satanismusnah ist, sich aber dennoch an grundlegenderen  philosophischen und weltanschaulichen Debatten beteiligen will und dabei ernst genommen werden will. Weiter schreibt er (Hervorhebung nicht im Original):
Wir hatten schon einmal auf Ihrem Blog das Vergnügen. Ich hatte damals keine Zeit, die angefangene Debatte zu beenden. Deshalb nun hier ein gutgemeinter Rat an Sie, den ich damals schon schreiben wollte: Ich glaube, dass man religiöse und metaphysische Debatten nicht zu sehr betonen sollte, wenn man ein politisches Anliegen hat. Und ein solches scheinen Sie doch zu haben. Sonst würden Sie Ihren Blog nicht “Gesellschaftlicher Aufbruch” nennen. Doch trotz Ihrer Bemühungen scheinen Sie keine Sympathisanten zu finden. Was mich selbst ein wenig überrascht, da ich viele Artikel bei Ihnen recht interessant finde (...), auch wenn ich Ihre Interpretation der angeführten Tatsachen fast nie teile. Etwas machen Sie also falsch. Und ich denke Ihr Fehler ist es, dass Sie das politische Pferd mit Ihren metaphysischen Thesen von hinten aufzäumen.

Daneben finde ich nicht gut, dass Sie gerade das Beste des Ludendorffschen Ehepaares, nämlich die konkreten geschichtlichen Analyse der Machenschaften des Judentums, in Ihrem Blog ziemlich unter den Teppich kehren, obwohl Sie doch auch die neuere judenkritische Literatur zumindest teilweise kennen, wie aus unserer vorherigen Debatte hervorging. Und ohne dieses Herzstück der Ludendorffschen Lehre wirkt dieses einfach nur verschroben. Ich finde, dass die Ludendorffer die Jesuiten und auch die Tibeter in ihrem Einfluss auf die Weltpolitik maßlos überschätzen, und diese Strömungen werden von Ihnen auch noch zuungunsten des Judentums überbewertet, weshalb die konkrete weltpolitische Lage sich aus Ihrem Blog auch nicht ansatzweise erahnen lässt.
Tja, wir machen eben so gut wie alles falsch. Außer dass wir die richtigen "denkerisch-kulturellen Agenten der Inszenierung des Dritten Reiches" behandeln wie Oswald Spengler und die übrigen Logen-Ideologen auf seiner Linie. (Die nebenbei eben auch nicht verzichtet haben auf "metaphysische Debatten" und Deutungen. Freilich! Klugerweise blieben sie im Zweifelsfall auch Agnostiker und haben sich sehr wohl gehütet, sich gar zu sehr mit einem konsequenten naturwissenschaftlichen Weltbild zu identifizieren. Das ist ja auch ganz vernünftig. Und man sieht ja, wie erfolgreich man mit einem solchen Ansatz ist: Politik, Politik, Politik! Damit allein verändert man die Gesellschaft zu ihrem Besseren. Nicht mit metaphysischen Debatten. So die Meinung des Kommentators ...) "Mal wieder" fährt auf dieser Linie fort:
Der Ludendorffsche Ansatz kann statt einer politischen Bewegung nur eine Sekte ins Leben rufen (die Ludendorffer waren auch nie mehr als eine Sekte, auch wenn man in den Anfängen noch das Zeug zu mehr hatte), aber mit Ihren Verzerrungen der Ludendorffschen Lehre sind Sie zur Zeit nur ein einsamer Rufer in der Wüste.
Man beachte, dass auch der Kommentator  hier die Worte "zur Zeit" einfügt. ... Ja, ja! ... (Du weißt Bescheid, ich weiß Bescheid - und allen macht's Vergnügen ...) Weiter schreibt er:
Na ja, letztlich ist das Ihre Sache, und da wir alle nicht wissen, wie man einen “gesellschaftlichen Aufbruch” bewerkstelligen soll (ich bin zur Zeit ehrlich gesagt ziemlich verzweifelt), sollten wir unsere Gegensätze auch nicht zu aggressiv betonen. Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein Gutes Neues Jahr!
"Mal wieder" gibt sich also die "Legende", als wäre er "ziemlich verzweifelt". Darauf dass wir ihm das dann bald gar nicht mehr abnehmen konnten, haben wir im späteren Verlauf der Diskussion noch einmal ausdrücklich hingewiesen. Meine Antwort nun:
Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Ich frage mich nur gerade, ob es sinnvoll ist, die Debatte an diesem Ort fortzuführen. Aber Herr Grandt kann ja ein Zeichen geben, falls er diesen nicht für geeignet ansieht. (...) 

- Ob ich Fehler mache oder nicht, mache ich nicht in erster Linie von der Zahl meiner Leserschaft abhängig. Es KÖNNTE ein Kriterium sein. Aber in diesem Falle wohl eher nicht. Zumal mir Ihr Standpunkt noch nicht so recht verständlich wird. Denn ich kann mich gar nicht erinnern, dass ich auf meinen Blogs irgendwelche metaphysischen Standpunkte vertrete oder verteidigen würde. Allerdings ist mir – falls Sie das meinen – das Weltbild des Evolutionären Humanismus Selbstverständlichkeit. Wer sich dem gegenüber “agnostisch” verhalten will, der wird es vielleicht etwas mühsam haben auf meinem Blog. – Aber das muss ich hinnehmen. Das müssten dann ja auch alle sonstigen Evolutionären Humanisten hinnehmen. Irgendeinen Grundkonsens muss man immer voraussetzen. Und ich glaube, der Evolutionäre Humanismus ist diesbezüglich nicht der schlechteste. Mir ist er der fortschrittlichste heute. Mein erster begonnener Blog war und ist ein (Natur-)Wissenschaftsblog (Studium generale). Das war und wird immer mein wesentlichster Ausgangspunkt sein.

Auch wenn man das Ludendorff’schen Weltbild erörtern will, scheint mir der Evolutionäre Humanismus ein guter Ausgangspunkt und Rahmen zu sein. Überall jedenfalls, wo es durch christliche Brillen betrachtet wird, kommt oft recht Hanebüchenes heraus, wie man auch in der aktuellsten Literatur wieder feststellen kann. Und was – beispielsweise auch – das jüngst in der FAZ wieder erörterte Problem der Wehrmachtführung mit Erich Ludendorff während des Dritten Reiches betrifft. Das Militär des Dritten Reiches, auch der militärische Widerstand, standen dem Weltbild des Evolutionären Humanismus völlig verständnislos gegenüber.
All das hätte natürlich auch für "okkulte Brillen" gesagt werden können. Weiter:
Im übrigen: “Machenschaften des Judentums” lasse ich mir nicht vornehmlich durch die Ludendorffs erklären, sondern durch Wolfgang Eggert oder durch Kevin MacDonald oder durch sonstige Kritiker der Israel-Lobby. Das reicht auch völlig. Der Antisemitismus der Ludendorffs verdeckt viel zu viel die sonstigen gedanklichen Ansätze, die hier vorliegen. Das ist auch der Grund, weshalb ich ausgerechnet diese Analyse der Ludendorffs möglichst selten behandele. Am liebsten gar nicht. Das ist mir auch insgesamt geistig zu simpel geworden, nachdem es sogar von der Evolutionären Psychologie (Kevin MacDonald) gründlichst analysiert worden ist. Es gibt so viele andere spannende Themen.

Der Ludendorff’sche Ansatz verbindet insgesamt Hintergrundpolitik-Kritik mit etwas Positivem, im Bereich des Evolutionären Humanismus Liegenden. Vor allem auch mit einer völlig neu zu gebenden Moral. (Denn ohne die Erörterung einer neuen Moral wird alle Hintergrundpolitik-Kritik zum Ablaufen eines Hamsterrades, meiner Einschätzung nach.) Das ist es also, was mich an ihm interessiert. Und das ist es, was vergleichsweise selten sonst zu finden ist, so weit ich das überblicken kann.

Und ich glaube, mittelfristig werden das auch mehr Leute sehen außer mir selbst. Es erfordert halt die Überwindung zahlreicher psychischer Barrieren. Und das fällt nicht jedem leicht. Aber um so mehr sich das lächerliche Gefühl der Machtlosigkeit der großen Mehrheit ausbreitet gegenüber den Abstrusitäten der elitären Hintergrundpolitik, um so mehr werden die Leute doch danach fragen, was ihnen, der großen Mehrheit, wieder Macht geben könnte.
Darauf "Mal wieder":
Danke für die Antwort. Ich finde allerdings nicht, dass Sie auf alle meine Kritikpunkte eingegangen sind, so etwa nicht auf meine grundsätzliche Kritik einer evolutionären Erkenntnistheorie und einer evolutionär begründeten Metaphysik. Aber Sie haben natürlich Recht, dass dies vielleicht nicht der rechte Ort ist, die Debatte zu führen. Wahrscheinlich werde ich mich irgendwann mal wieder auf Ihrem Blog verewigen.

Durch Ihren Blog (soweit ich ihn kenne, zugegebenermaßen nur fragmentarisch) wird nicht genügend deutlich, dass Sie ein Anhänger der Thesen von Kevin MacDonald und Wolfgang (neuerdings wohl “Wolf”) Eggert zum Einfluss der Juden auf unsere Kultur sind, weshalb Sie vielleicht diese Unterbelichtung mal ändern sollten, um Verwirrung zu vermeiden. Tatsächlich könnte man meinen, irgendwelche obskuren “Satanisten”, vorzugsweise solche, die sie als “Nazis” bezeichnen, hätten die Zügel in der Hand. Damit spielen Sie den gegenwärtig Herrschenden in die Hände und einen gesellschaftlichen Aufbruch kann man so bestimmt nicht in die Wege leiten. Deshalb kann ich Ihren Optimismus, dass Sie irgendwann doch noch einmal die zunehmend unzufriedenen Massen erreichen, nicht teilen.
Auch hier wird deutlich: Der Kommentator will, dass man mit den einzigen und eigentlichen real existierenden Teufelsanhängern die von ihm so bezeichnete "jüdische Verschwörung" identifiziert. Da haben dann wohl Sympathisanten der tibetischen und jesuitischen Priesterkaste einen dicken Stein in seinem satanismusnahen Brett. Aber man könnte sich auch daran erinnern, dass er sich in einer ähnlichen hintergrundpolitischen Einbindung bewegen könnte, wie der von uns schon behandelte Harry Dörfel. Wie auch immer. Darauf jedenfalls wieder ich unter anderem:
Die Evolutionäre Erkenntnistheorie - sie bleibt einfach übrig, weil es keine sinnvollen Alternativen zu ihr gibt. Sie als Agnostiker sprechen sich ja offenbar frei von der Aufgabe, Alternativen zu Kritisiertem zu formulieren, dann können Sie sich auch hier schön rausmogeln. Aber mit moderner Wissenschaft ist heute nur noch die evolutionäre Erkenntnistheorie zu vereinbaren und jede Philosophie, die mit ihr im Einklang steht. Falls ich mich damit im Irrtum befinde, lassen Sie es mich wissen!
"Mal wieder" unter anderem:
Sie fragen, was ich angesichts der nun zu Tage tretenden Divergenzen überhaupt an Ihrem Blog interessant finde. Nun, ich interessiere mich für die Hintergründe des Nationalsozialismus. Sowohl die offizielle BRD Propaganda als auch die Geschichtserklärungen der sogenannten “Neonazis” erscheinen mir nicht sonderlich schlüssig. Viele Biographien der Protagonisten erscheinen mir seltsam, und auch die extreme Verräterei auf allen Ebenen im Laufe des Krieges erscheint mir angesichts dessen, was auf dem Spiele stand, rätselhaft. So frage ich mich schon länger, ob der ganze Zinnober nicht ganz anderen Zwecken diente, etwa der Gründung Israels. Der Blog “okkulte Nazis”, den Sie sicherlich kennen, weist auf viele Ungereimtheiten hin, wenn ich auch sein Interpretationsschema und seine Schlussfolgerungen für falsch halte:


Sollte das “Dritte Reich” eine Inszenierung gewesen sein, dann fragt sich natürlich auch, wie so etwas auf die Bühne gestellt werden konnte. Und gerade im denkerisch-kulturellen Sektor müsste sich vorher viele zwielichte Personen getummelt haben. Und zu vielen der Personen, die dann als Agenten der Inszenierung in Frage kämen, haben Sie Artikel verfasst. Beim Suchen im Internet bin ich ein paar Mal auf Ihre Seite gestoßen und habe mich dann dort auch ein wenig umgesehen. Und zuminderst die dort angeführten Tatsachen fand ich interessant. Ihr Interpretationsschema mit dem regelmäßigen “Satanismus”-Vorwurf als Endlösung waren jedoch weniger attraktiv. Wir hatten ja schon einmal darüber gesprochen, dass ich als Agnostiker nicht so recht weiß, ob der Satanismus nur ein Mummenschanz der Elite ist oder ob er sich auf reale okkulte Kräfte bezieht. Ich stimme Ihnen zu, dass mein Agnostizismus ein bequemes Sichherausmogeln ist, aber ich kann mich einfach nicht entscheiden. Ihre Postion, wonach Satanismus einerseits eine große Gefahr, andererseits ein ausgemachter Blödsinn ohne reale Grundlage ist, scheint mir jedoch auf jeden Fall nicht besonders durchdacht. Entweder oder!
Im Grunde eine ganz lächerliche Position. In welchen trüben Wassern der Kommentator mit solchen Argumenten fischen gehen will, kann man sich dann jedenfalls auch ausrechnen.

Das Gehirn des Urmenschen - nicht dazu evoluiert, um Philosophie und Wissenschaft zu betreiben

Dann schreibt "Mal wieder" weiter:
Meinen Einwand bezüglich der evolutionären Erkenntnistheorie haben Sie leider völlig missverstanden. Ich meinte, (...) dass es eine stimmige evolutionäre Erkenntnistheorie nicht geben kann. Eine solche postuliert vor dem Hintergrund der Darwinschen Grundprinzipien der Evolution, dass alle biologischen Entitäten, also auch das menschliche Gehirn, welches von diesen Theoretikern mit dem menschlichen Erkenntnisapparat gleichgesetzt wird, entstanden sind, weil sie einen Überlebensvorteil gewähren. Nun sind für den Urmenschen derartig abstrakte Theorien, wie sie Erkenntnistheorien oder Metaphysiken sind, aber nicht überlebenswichtig. Also scheint unser Gehirn nicht dafür geschaffen zu sein, Erkenntnistheorien oder Metaphysiken aufzustellen. Wie kann ein durch Zufall entstandener Apparat in solchen Fragen die Wahrheit erkennen? Die evolutionäre Erkenntnistheorie mündet also im Skeptizismus. Es liegt also eine reductio ad absurdum vor.
Das Gehirn des Urmenschen ist also nach Meinung von "Mal wieder" nicht dazu evoluiert, um Philosophie und Wissenschaft zu betreiben. Das ist ja sehr hübsch. Wenn dem so wäre, bliebe ja noch viel Platz für magisches Denken, Gottes- und Teufelswahn, nicht wahr? Herrlich!  Ist klar, dass sich satanismusnahe Leute gerne mit "Urmenschen" identifizieren. Völlig klar. Damals gab es Menschenopfer, damals gab es Kannibalismus. Damals gab es brutale Gewalt. Alles das, was heute, in der zivilisierten Welt - leider, leider! - nicht mehr erlaubt ist. Und was man deshalb nur bei Nacht und Nebel in abgelegenen Waldstücken, Fabrikhallen und ähnlichem praktizieren muss und bei höchsten Sicherheitsvorkehrungen durch weitreichenden, politisch-elitär vernetzten Täterschutz.

Trotzdem war es einmal ein wirklich saftigeres, naturwissenschaftliches und zugleich auch philosophisches Argument, das hier vorgebracht wurde. Und dieses allein erst rechtfertigt es, dass wir dieser ganzen Dikussion in einem eigenen Blogbeitrag so viel Raum geben. Das Argument zeigt, dass auch ein satanismusnaher Mensch nicht ganz vor dem Wissen, das wir heute über die Evolution des menschlichen Gehirns besitzen, intellektuell scheitern und vor die Wand fahren möchte. Er möchte seinen Okkultlglauben auf hohem argumentativem Niveau sich (und anderen, neu zu rekrutierenden) bewahren. Klar. Und: Sehr hübsch! Sehr, sehr hübsch. Nur macht er es sich damit beim heutigen Stand des Wissens viel zu einfach. Er fährt sogar mit hoher Geschwindigkeit gegen die Wand. Wir antworteten darauf jedenfalls, ohne darauf dann noch echte Gegenargumente auf dem heutigen Stand des Wissens zu hören:
1.
Kann sein, kann nicht. Aber warum soll das Argument eigentlich gegen die Evolutionäre Erkenntnistheorie sprechen? Es könnte höchstens sagen, dass die evolutionäre Erkenntnistheorie noch nicht vollständig genug ist oder Teilbereiche des Menschseins (sein Philosophieren) noch nicht ausreichend erklären kann. Das ist aber kein grundsätzlicher Einwand gegen diese Theorie. Zumal es ja nichts Besseres gibt.
Klar, für einen satanismusnahen "Agnostiker" gibt es durchaus ... "Besseres" ... Weiter:
2.
Auf den Einwand lässt sich auf vielen Ebenen und mit verschiedenen, neueren Forschungsentwicklungen antworten. So gibt es auch für “unnützliche” Eigenschaften in der Evolutionstheorie inzwischen Erklärungsansätze. So ist ja der Pfauenschwanz eine sehr “unnützliche” Eigenschaft. Oder das “Hirschgeweih”. Oder das übertriebene, “übermütige” Springen der Gazelle beim Fliehen vor dem Löwen. Und so noch Unzähliges mehr. (Das übertriebene, ganz “unnützliche” Aufdrängen von Freßgeschenken bei den in Gruppen lebenden Graudroßlingen in Israel, der Ausgangspunkt der ganzen folgenden Theorie.)

Und um auch solche Dinge erklären zu können, ist das Handicap-Prinzip entwickelt worden, das – unter anderem - Richard Dawkins in seiner Neuauflage von “Das egoistische Gen” sehr schön erklärt. Das aber auch von seinem Begründer Amoz Zahavi in dem Buch “Signale der Verständigung” (1998) breit ausgebreitet wird. Mein früherer Doktorvater Eckart Voland hat darüber geschrieben in dem Buch “Angeber haben mehr vom Leben”.

Dadurch dass ich mir ein Handicap gebe, und mit diesem DENNOCH überlebe, gebe ich meinen Fortpflanzungspartnern und meinen Feinden ein bestimmtes Signal zu meinem eigenen – und oft auch ihrem – Vorteil, auch wenn das Signal selbst unvorteilhaft ist. 

Ich nenne es für meinen Privatgebrauch das “Halbstarken-Prinzip der Evolution”. Oder “das Übermut-Prinzip” der Evolution. Viele Tiere machen aus Übermut mehr, als zweckmäßig wäre, vergessen ganz das Sparsamkeitsprinzip. Und zum Schluss stellt sich doch heraus, dass es Vorteile hatte.

Also könnte auch das menschlichen Gehirn zunächst einfach aus “Übermut” evoluiert sein. Und erst später hat sich seine Nützlichkeit herausgestellt für diverse Diskussionen auf hintergrundpolitikkritischen Blogs …

3.
In der Evolution ist so viel Überraschendes, Unvorhergesehenes geschehen. Da wäre es ja fast eine Ausnahme, wenn es mit dem menschlichen Gehirn anders wäre. Und gerade bezüglich all des Unvorhergesehenen gibt es ja seit Jahrzehnten noch mehr Erklärungsmodelle. Etwa das, wie Komplexität überhaupt evoluiert. Nämlich nach der Komplexitätstheorie, nach der in Ungleichgewichtssystemen ein Flügelschlag in Australien usw.. Der Wirbelsturm in Afrika (Gehirn) lässt sich auch nicht mit dem Flügelschlag des Schmetterlings in Australien erklären, sonst wäre die Wettervorhersage schon wesentlich weiter. Auch das wäre ein Erklärungsansatz. 

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. 

Durch das unvorhergesehene Zusammentreffen verschiedener Systemeigenschaften entstehen unvorhersehbare neue Systemeigenschaften. Fulguration, glaube ich, nennt das Konrad Lorenz in “Die Rückseite des Spiegels”, die Grundlagenschrift der Evolutionären Erkenntnistheorie.

Aber die Evolution von “unvorhersehbarer” Komplexität aus einfacheren Vorstufen geschieht auf allen Stufen der Weltall-Entwicklung und der biologischen Evolution, ja schon bei der Weltall-Entstehung selbst.
4.
Muss natürlich an einer der ersten Stellen die Social Brain Hypothese u.a. von Robin Dunbar erwähnt werden, wonach die Evolution der Größe des Gehirns über den gesamten Primatenstammbaum hinweg gut korreliert mit der Größe der Gruppe, in der die jeweilige Art lebt (wobei wie in diesen Forschungen üblich und notwendig die unterschiedlichen Körpergrößen, die auch die Gehirngröße beeinflussen, herausgerechnet sind).

Womit nahegelegt wird, dass das menschliche Großhirn evoluiert ist, um die Probleme des Zusammenlebens in Gruppen zu lösen. In diesem Zusammenhang hat sich der Begriff “Dunbars Number” eingebürgert, wonach das menschliche Großhirn gut angepasst ist an eine Gruppengröße von 150. Und diese Gruppengröße findet sich in vielen menschlichen Zusammenhängen wieder, wie verschiedene Forschungsgruppen aufgezeigt haben. Das alles ist schön dargelegt in Dunbars Buch “Klatsch und Tratsch”, weil damit in Zusammenhang auch die Evolution der menschlichen Sprache geklärt werden kann als ein Ersatz für das intensive Fellkraulen, das in den Gruppen höherer Primaten vorherrscht.

Und Dunbar konnte vor einigen Jahren auch zeigen, dass über den gesamten Säugetierstammbaum hinweg Gehirngröße zwar nicht mit Gruppengröße, aber mit monogamer Lebensweise korreliert. Was darauf aufmerksam macht, dass die psychisch-sozialen Herausforderungen des Zusammenlebens in Gruppen aus den Herausforderungen hervorgegangen sind und mit ihnen zu tun haben, die im Zusammenleben monogamer Paare bestehen.

So wie sich auch sprachlich aus Klatsch und Tratsch philosophische Systeme herausbilden konnten nach und nach, so wurde das menschliche Großhirn nach und nach dann auch sonst für die Bearbeitung philosophischer Systeme und der Einsteinschen Relativitätstheorie befähigt, denn die IQ-Evolution ging auch in den letzten fünftausend und tausend Jahren weiter und korreliert ja beispielsweise mit dem Bruttosozialprodukt eines Landes.
Und ich ergänzte (im folgenden leicht überarbeitet zur besseren Verständlichkeit):
5.
dass wir - nach den humangenetischen Erkenntnissen erst der letzten zehn Jahre - nicht genetisch identisch sind mit unseren Vorfahren vor 100.000, 50.000, noch nicht einmal vor 8.000 Jahren. Die frühesten Ackerbauern in Europa, die Bandkeramiker, sind laut ancient-DNA-Forschung ausgestorben. Wir stammen ab von den bronzezeitlichen bäuerlichen und städtischen Kulturen Mitteleuropas. Und diese stammen unter anderem ab von der Trichterbecherkultur, die sich – wohl – von Ostholstein aus ab 4.300 v. Ztr. rund um die Ostsee ausbreitete. Deshalb z.B. können wir im Gegensatz zu europäischen Vorgängerbevölkerungen angeborenermaßen als Erwachsene Rohmilch verdauen. Und wenn wir uns in der Eigenschaft Rohmilchverdauung von anderen Vorgängerbevölkerungen unterscheiden, dann natürlich auch in zahllosen anderen Eigenschaften. Jüngste Humanevolution nennt man das. Die Lehre, dass (genetische) “Steinzeitjäger Düsenjäger” fliegen würden, mit der Metro fahren würden oder evolutionäre Erkenntnistheorie entwickeln würden, ist – das ist etwa seit dem Jahr 2006 allgemeiner bekannt – durch die vollständige Sequenzierung des menschlichen Genoms widerlegt worden.

Und wenn diese Erkenntnis, die Sie auch bei dem von Ihnen nicht beliebten Richard Dawkins schon im Jahr 2004 in “Ancesteors Tale” nachlesen können (Kapitel “Die Geschichte der Grashüpfer”) – läuft auch unter dem Stichwort: “Lewontin’s Fallacy” –, noch nicht an ihr Ohr gedrungen sein sollte, machen Sie bitte nicht (etwa wieder) meinen Blog Studium generale dafür verantwortlich. Denn dort ist immer wieder über all das, was ich hier sage, berichtet worden. Aber vielleicht erkennen Sie dann darin ein Beispiel dafür, dass auch modernste Wissenschaft – mitunter – nur selten breit in der allgemeinen Presse behandelt wird, selbst wenn (oder weil?) sie einen Thilo Sarrazin in grundlegenderen wissenschaftlichen Aussagen rundum bestätigen würde.

Noch einmal: Die Humanevolution geht weiter. Das aschkenasische Judentum, das es genetisch und kulturell erst 1000 Jahre gibt, unterscheidet sich genetisch eklatant von seiner Vorgängerbevölkerung, dem geschichtlich älteren sephardischen Judentum. Und in dieser Eigenschaft sieht ja auch Thilo Sarrazin besondere Qualitäten. Aber natürlich gilt es nicht nur für ein Volk auf der Erde, dass die Evolution weitergeht.

Insofern: Ja, wir sind genetisch anpasst an die Fähigkeit, die evolutionäre Erkenntnistheorie entwickeln zu können, weil es seit Jahrmillionen eine Gen-Kultur-Koevolution gibt, das heißt, seit Tiere und Menschen lernen können, bildet die dadurch entwickelte Kultur einen Selektionsfaktor für Gene, was nach mancherlei humangenetischen Theorien, die Evolution und Gehirnevolution beschleunigt hat (noch ein weiteres sehr konkretes Argument).
Grob gesagt hätte man noch sagen können, dass die meisten Völker der Nordhalbkugel genetisch angepasst sind an mehrheitlich bäuerliche Lebensweise, während die aschkenasischen Juden vielleicht schon seit tausend Jahren genetisch angepasst sind an die Dienstleistungsgesellschaft. Beide Lebensweisen und die genetische Anpassung an diese ermöglichten bekanntlich die Entwicklung von Wissenschaft und Philosophie. "Mal wieder" antwortete darauf zwar noch. Aber nicht mehr so vergleichsweise kenntnisreich, wie er sich zu hintergrundpolitik-kritischen Thesen zu äußern wusste. So dass darauf einzugehen, hier nicht mehr von großem Interesse ist.

Vielleicht könnte ergänzend darauf hingewiesen werden, dass Naturgesetze den Zufall steuern (Manfred Eigen / Das Spiel), auch in der Evolution und Humanevolution. Dass sie den Zufall also weder außer Kraft setzen, noch auch von ihm außer Kraft gesetzt werden.

Immerhin interessant, wo der naturwissenschaftliche Kenntnisstand mancher satanismusnaher, auf dem Gebiet der Hintergrundpolitik vergleichsweise kenntnisreicher Leute, angekommen ist heute. Sie dürften, was diesen Kenntnisstand angeht, noch manches nachzuholen haben, was Leuten wie Steven Pinker, Nicholas Wade und vielen anderen Angehörigen des aschkenasischen Judentums schon seit 2005/06 mit der Veröffentlichung des Artikels "Natural History of Ashkenazy Intelligence" klar geworden ist. - "Mal wieder" kann ja "mal wieder" vorbei kommen, wenn er sich mit diesem Kenntnisstand etwas umfassender auseinandergesetzt hat. Womöglich erachtet er dann auch aus diesem Kenntnisstand heraus die Auseinandersetzung mit der Deutung der Evolution und Humanevolution, wie sie in der Philosophie von Mathilde Ludendorff vorgelegt worden ist, als keineswegs mehr so obsolet oder gar "kontraproduktiv", als wie er sie bislang zu erachten geneigt gewesen sein mag. Womöglich halt.

Darauf, als "einsamer Rufer in der Wüste" zu gelten, legen wir jedenfalls keinerlei gesteigerten Wert. Wer die Erörterungen auf ernsthaftem Niveau voranzutreiben gewillt ist, ist immer willkommen, wie erkennbar sein dürfte.

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*) Von seinen tagespolitischeren und zeitgeschichtlichen Bezügen würde dieser Beitrag eigentlich eher auf den Blog "Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!" gehören. Da in ihm aber auch die Evolutionäre Erkenntnistheorie erörtert und damit das naturalistische Weltbild überhaupt, und da das alles dann auch noch in Bezug gesetzt wird nicht nur zu dem politischen, sondern auch zu dem grundlegenderen "metaphysischen", bzw. philosophischen Ansatz von Erich und Mathilde Ludendorff, da in ihm also ein etwaiger breiterer, sogenannter "Ludendorff'scher Ansatz" überhaupt erörtert wird, soll er hier auf den Blog "Studiengruppe Naturalismus" eingestellt werden. Er erörtert also die Gegenwarts- und Zukunftsrelevanz der Themen dieses ja sonst eher thematisch "rückwärts" gewandten Blogs.
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  1. Erich Ludendorff, Mathilde Ludendorff und Mitarbeiter: Satanistische Okkultlogen in der Weltpolitik. Völkische Hintergrundpolitik-Kritik der Jahre 1927 bis 1972. 3 Bände. Zusammengestellt und erläutert von Ingo Bading. Berlin 2013 [Reihe "Quellen und Forschungen zur Geschichte des naturalistischen Denkens und der Hintergrundpolitik-Kritik  im 20. Jahrhundert", Bd. 1.1 - 3]; auf: http://www.lulu.com/spotlight/studium_generale; s.a.: GA-j!, 23.2.2013

Dienstag, 8. Juni 2010

Studiengruppe "Naturalismus, völkische Subkulturen, Ethik und Politik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung"

Das Studium einer völkischen Subkultur
A. Dörfler-Dierken

Im Jahr 1998 ist die Disseration des evangelischen Pfarrers Frank Schnoor "Mathilde Ludendorff und das Christentum" erschienen (1). Mathilde Ludendorff hat im Jahr 1930 ihr Buch herausgegeben "Erlösung von Jesu Christo". Durch diesses Buch hat sich die damalige evangelische Kirche angegriffen gefühlt. Spätestens seit diesem Zeitpunkt hat es von Seiten der Evangelischen Kirche emotionsgeladene "Kampfschriften" gegen das Gedankengut von Mathilde Ludendorff gegeben, um so mehr, als Mathilde Ludendorff selbst Tochter eines evangelischen Pfarrers gewesen ist. Mit der Dissertation aus dem Jahr 1998 war zum ersten mal aus den Reihen der evangelischen Theologen heraus der Versuch unternommen worden zu einer sachlicheren, ruhigeren, entspannteren, emotionsloseren Auseinandersetzung mit dem Gedankengut und den Bestrebungen von Mathilde Ludendorff. Die Absichten der Dissertation haben in Theologen-Kreisen wohlwollende Aufnahme gefunden. Die evangelische Theologin Prof. Angelika Dörfler-Dierken hat in einer Rezension auf das Wünschenswerte der weitergehenden Erforschung der in der Dissertation behandelten völkischen Subkultur aufmerksam gemacht. Sie schrieb (2):

Schnoors Untersuchung macht neugierig, weitere Details zu erfahren und eine Deutung in breiterer Perspektive anzuschließen. Mathilde Ludendorff scheint eine charismatisch begabte Führerpersönlichkeit gewesen zu sein, die es verstanden hat, sich im Stil einer ‚Prophetin’ mit divinatorischer Begabung zu inszenieren. Sie hat offenbar nicht nur ihren Mann, sondern auch breitere Kreise für ihre Ideen begeistert und diesen ihre Wirklichkeitssicht nahegebracht.

Dörfler-Dierken fragt (2):

Inwiefern, wodurch und warum konnte sie solche Wirksamkeit erlangen? Schnoor führt ihren unbeugsamen Willen als Begründung an - aber diese Erklärung reicht schwerlich aus, wenn man den Einfluß begreifen will, den diese Frau auf ihre Umgebung und breite Kreise ausübte.

Dörfler-Dierken vermutet (2):

Mathilde Ludendorff konnte wohl nur deshalb Anhänger überzeugen, weil sie dasjenige aussprach, was diese ihrerseits hören wollten. Das würde aber bedeuten, daß besonders im zweiten und dritten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts breite Kreise einer christlich-abendländischen Weltdeutung weitgehend entfremdet waren und nach einer neuen Religion hungerten.

Das sollte ja wohl vorkommen, zumindest außerhalb theologischer Kreise. Weiter schreibt Frau Dörfler-Dierken (2):

Interessant wäre es überdies, die sachlich-geistige Nähe beziehungsweise Ferne des Weltbildes der Mathilde Ludendorff zur nationalsozialistischen Ideologie einerseits, zu anderen Ideologien der völkischen Bewegung andererseits bestimmt zu sehen. Manchen Gedanken der Ludendorffer dürfte man auch bei Deutschen Christen wiederfinden können. Die Schriften der Ludendorffer wären also auch vor diesem Hintergrund in ihrer Struktur zu würdigen. Damit würde sich ein interessanter Einblick in die Mentalitätsgeschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ergeben.

Abschließend führt Dörfler-Dierken aus (2):

Frauen haben allerdings wohl in keiner dieser Gruppierungen eine vergleichbar herausgehobene Rolle gespielt. Diese Beobachtung spricht für die Einzigartigkeit der Mathilde Ludendorff. Die Beschäftigung mit ihr, dem ‚Haus Ludendorf’ und den Ludendorffern regt dazu an, sich mit dem Kampf konkurrierender Ideologien in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts neu zu beschäftigen - nicht nur in geistes- und ideengeschichtlicher sondern auch in religionspsychologischer und -soziologischer Hinsicht.

Neben diesen grundlegendere Fragestellungen kommen Dörfler-Dierken bei der Lektüre der Dissertation auch noch einige detailliertere Fragen in den Sinn (2):

Weiterhin fragt sich der Leser, inwiefern das Ehepaar Ludendorff ökonomisch von seinen Unternehmungen profitierte. Handelt es sich bei Verlag und Schriftenvertrieb um Betriebe, die Gewinn für ihren Besitzer abwarfen oder wurden alle Überschüsse wieder in den Ausbau der Bewegung investiert? Welche Anhängerscharen konnte man zum Bezug der Verlagspostillen mobilisieren? Wie viel brachte es ein, wenn Auflagen von über 100.000 Heftchen gedruckt wurden? Offen läßt Schnoor auch, wie die in der propagandistischen Arbeit tätigen Anhänger des ‚Hauses Ludendorff’, die Redner, Buchhändler und Verlagsmitarbeiter finanziert wurden. Offenbar gab die Selbstinszenierung einer Frau vielen Arbeit.

Und (2):

Über die Zahl der Anhänger des ‚Hauses Ludendorff’ zu verschiedenen Zeiten erhellt die Untersuchung nichts. Lassen die gelegentlich genannten Auflagenzahlen verschiedener Veröffentlichungen Rückschlüsse auf deren Zahl zu? Da Schnoor sich auf das literarische Werk der Mathilde Ludendorff konzentriert, sind ihm religionssoziologische Fragen fremd.

Solche und sehr viele ähnliche und auch noch ganz anderweitige Fragestellungen waren schließlich auch der Antrieb zur Gründung des vorliegenden Blogs, der Studiengruppe "Naturalismus, völkische Subkulturen, Ethik und Politik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung".

Ergänzung 21.2.2012: Dieser Blog ist vor zwei Jahren gegründet worden. Inzwischen ist das Thema Hintergrundpolitik-Kritik  - Stichwort 9/11-Wahrheitsbewegung, "Infokrieger", Geheimdienst-Kritik und anderes - nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern auch für die Autoren dieses Blogs deutlich stärker in den Vordergrund getreten, als dies zum Zeitpunkt der Gründung dieser Gruppe der Fall war. Und da wohl derzeit gerade auch auf diesem Gebiet ein großer Aktualitätsbezug vieler Schriften der Ludendorffs besteht - der in derzeit erarbeiteten Buchveröffentlichungen noch genauer dokumentiert werden soll (GA-j!2011) - wird diese Gruppe und der Blog umbenannt in: "Studiengruppe Naturalismus und Hintergrundpolitik-Kritik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung". Gerade über das Thema Hintergrundpolitik-Kritik sind wohl Ende der 1920er Jahren den Ludendorffs die meisten Anhänger zugeströmt. Bei Berücksichtigung dieser Thematik werden einige der genannten Fragen von Dörfler-Dierken leichtester zu beantworten sein.

Ergänzung 22.2.2026: Daß viele Auseinandersetzungen der Ludendorff-Bewegung mit dem Thema Hintergrundpolitik-Kritik einmal erneut mehr als aktuell anmuten, wenn man das Geschehen rund um das Stichwort "Jeffrey Epstein" in den Blick nimmt, wird sicherlich unmittelbar augenfällig: Wenn man eine jüdische Weltverschwörung unterstellen möchte, hätte man mit diesem Geschehen sicherlich die allerbesten und augenfälligsten Argumente. 

Ergänzung 7.5.2016: Zur besseren Verständlichkeit wird im Titel dieses Blogs anstelle des Begriffs "Naturalismus" die Bezeichnung "Naturwissenschaftsnahes Philosophieren" verwendet. Er wird also ab jetzt benannt: "Studiengruppe Naturalismus - Studiengruppe 'Naturwissenschaftsnahes Philosophieren und Hintergrundpolitik-Kritik seit 1900 / Ludendorff-Bewegung'". Der Anspruch der Philosophie Mathilde Ludendorffs ist es ja, mit dem naturwissenschaftlichen Kenntnisstand in Übereinstimmung zu stehen und mit dem künftigen Schritt halten zu können.

Die Arbeit der Studiengruppe

Die Studiengruppe stellt sich die Aufgabe, die bis hier schon angerissenen und vielerlei weitere Fragen zu bearbeiten. Dazu sollen veröffentlichte und unveröffentlichte Lebenszeugnisse Erich Ludendorffs (1865-1937) und Mathilde Ludendorffs (1874-1966), sowie der von diesen beiden Persönlichkeiten begründeten Ludendorff-Bewegung gesammelt, dokumentiert werden. Sie sollen seriösen Archiven überstellt werden. Und die neuen Quellen sollen jeweils wissenschaftlich-kritisch ausgewertet werden, das heißt, unter den verschiedensten wissenschaftlichen Perspektiven abgeklopft werden. Auf möglichste Vollständigkeit der Dokumentation wird dabei ebenso viel Wert gelegt wie auf Detail- und Tiefenschärfe. Die soziologische Erforschung einer Subkultur erfaßt auch viele Aspekte der Alltagsgeschichte. Aber auch die Überprüfung der Gültigkeit der philosophischen und psychologischen Aussagen - vor dem Hintergrund der Wissenschaftsgeschichte - ist bedeutsam. Über diese Tätigkeit kommt die Studiengruppe mit wissenschaftlich oder sonst an diesen Themen interessierten Menschen und  Institutionen ins Gespräch.

Die möglichst vollständige Dokumentation einer expemplarischen völkischen Subkultur des 20. Jahrhunderts und ihrer geistigen Grundlagen soll ganz allgemein die Auseinandersetzung mit dem kulturgeschichtlichen Phänomen  "Subkultur" und der in ihnen vertretenen Gedanken fördern. Durch eine solche Studiengruppe soll auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer solchen besser koordiniert und moderiert werden als dies  bisher geschehen ist.

Subkulturen haben nicht immer - aber sehr oft - die Eigenschaft, sich von einer Mehrheitsgesellschaft abzugrenzen, ihr mit Mißtrauen zu begegnen, da sie derselben gegenüber oft keine Anpassungsbereitschaft zeigen, und der gegenüber deshalb auch partielle Kommunikationsverweigerung auftreten kann. Auch diese Phänomene für sich können soziologisch analysiert werden.

Subkulturen stellen ganz allgemein gesellschaftliche "Experimentierfelder" dar, die gelingen oder scheitern können. Dabei werden Lebens(re)form-"Experimente" durchgeführt, die aus evolutionärer Sicht als kulturelle Selektionsprozesse auf individueller und auf Gruppenebene aufgefaßt werden können. Soziologisch gut erforschte, geradezu "paradigmatische" Beispiele für die Gesetzmäßigkeiten des Überlebens unangepaßter Subkulturen und der dabei ablaufenden Selektionsprozesse stellt etwa die 500-jährige Geschichte der protestantischen Wiedertäufer, der Amischen, Hutterer und Mennoniten in Nordamerika  dar (3).

Soziologische Analyse einer Subkultur

Zur Erforschung derartiger Fragen muß die Studiengruppe Gelder beantragen und einwerben, ein Mitteilungsblatt, bzw. Jahrbuch herausgeben. Sie wird, wenn möglich diverse, notwendige Archivaufenthalte finanzieren, historische Quellen und Nachlässe so vollständig wie möglich aufkaufen, sichern, dokumentieren und an Archive weiterleiten. Sie wird Tagungen und Ausstellungen veranstalten, Bücher herausgeben und einen Internet-Auftritt anbieten, zum Beispiel in Form eines Internetblogs (StgrNat).

Gemäß ihres rein wissenschaftlichen Ansatzes ist eine solche Studiengruppe für sich weltanschaulich und politisch neutral. Insbesondere soll es bei der kritischen Aufarbeitung eines solchen kulturgeschichtlichen Phänomens wie dem der "Ludendorff-Bewegung" im Rahmen des naturalistischen und völkischen Diskurses seit 1900 darum gehen, sich auf den Originalton der Lebenszeugnisse Erich und Mathilde Ludendorffs, bzw. der von ihnen geleiteten Bewegung einzulassen. Sekundärliteratur muß auch hier für den Historiker immer das bleiben, was sie auch sonst für ihn sein muß: sekundär.

"Seltsame Legenden" rund um Erich und Mathilde Ludendorff

Gerade in Bezug auf ein solches kulturgeschichtliches Phänomen wie das der "Ludendorff-Bewegung" ist es in der Wissenschaft an vielen Stellen üblich geworden, bloß auf Literatur zweiter oder dritter Hand zurückzugreifen. Dabei wird oft geradezu "alles" zu Rate gezogen, nur nicht die originalen Lebensäußerungen der behandelten Persönlichkeiten selbst und ihre eigene Sichtweise auf die Welt und ihr Leben. Ebensowenig werden die Sichtweisen von Familienangehörigen, Freunden, Mitarbeitern und Anhängern derselben in die engeren Erwägungen und Beurteilungen mit einbezogen. Solche Defizite treten selbst in ansonsten seriösen, quellenkritischen Studien auf.

Diese Tatsache kann beispielsweise illustriert werden anhand eines Aufsatzes in der renommierten "Zeitschrift für Geschichtswissenschaft" aus dem Jahr 2006 (4). Oder auch anhand eines einflußreichen Aufsatzes des Verfassungsschutz-Beamten Fritz Tobias über das berühmte, vormals selbst in Schulbüchern zitierte Telegramm Erich Ludendorffs an Paul von Hindenburg im Januar 1933 anläßlich der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler (5, 11). An die These von Fritz Tobias hat sich dann auch ein Aufsatz des Historikers Lothar Gruchmann angeschlossen. Der Historiker Henrik Eberle schreibt dazu in seiner Kritik noch einigermaßen zurückhaltend - aber völlig zutreffend (vgl. Henrik Eberle, Briefe an Hitler, 2007, S. 449, Anm. 165):

Ludendorffs Briefe werden an dieser Stelle wiedergegeben, da sich um sie seltsame Legenden ranken. Zunächst galten sie, obwohl nur von Hitlers Rechtsanwalt Hans Frank mündlich überliefert, als prophetische Warnung vor Hitlers Herrschaft. Dann wurde ihre Existenz überhaupt bestritten. In den 1990er Jahren erhielt Ian Kershaw offenbar Kenntnis von der Überlieferung dieser Briefe und benutzte sie in seiner Hitler-Biographie. Seine Zitation ist jedoch mißverständlich. (...) Ungenau argumentiert dazu auch Lothar Gruchmann "Ludendorffs 'prophetischer' Brief an Hindenburg vom Januar/Februar 1933". In: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Jg. 47, 1999, S. 559-562.

Hier ist nicht der Ort, auf die Tatsache einzugehen, daß der Hobbyhistoriker, Verfassungsschutzbeamte und Zuarbeiter des Magazins "Der Spiegel", Fritz Tobias auch sonst eine nicht gerade unumstrittene Rolle in der deutschen Zeitgeschichtsforschung nach 1945 gespielt hat. Und daß er dabei - z.B. - Seilschaften innerhalb der für ihn zuständigen Ministerien auf Landes- und Bundesebene in Schutz genommen hat. Solche Hintergründe sind bei der Aufarbeitung der Biographie eines solchen Hintergrundpolitik-Kritikers wie Erich Ludendorff immer sehr deutlich mit in Rechnung zu stellen. (Mehr zum Thema inzwischen u.a. hier: 11.)

Als ein positives Beispiel kann demgegenüber der Historiker Professor Manfred Nebelin genannt werden, dessen Studie aus dem Jahr 2000 die Lebenserinnerungen Erich Ludendorffs bei der Analyse gründlicher mit heranzieht (10, S. 251-253). // 3.5.2020: Überhaupt kann und soll in diesen einführenden Blogartikel, der als erster Artikel hier auf dem Blog vor zehn Jahren erschienen ist, zehn Jahre später kein Überblick eingearbeitet werden über die zahlreichen Aufsätze zu solchen Problemen, die inzwischen auf diesem Blog erschienen sind. Bitte dazu einfach das Inhaltsverzeichnis in der Randspalte durchsehen. //

Die fließenden Übergänge zwischen modernen naturalistischen und traditionellen völkischen Menschenbildern

Die Dringlichkeit der Arbeit einer solchen hier vorgestellten Studiengruppe ergibt sich zusätzlich jedoch auch noch aus ganz anderen Anlässen. Aus Anlässen, die weit über das bloße Bedürfnis der zeitgeschichtlichen Quellensicherung und der soziologischen Analyse einer Splittergruppe und Subkultur im völkischen Milieu Deutschlands während des 20. Jahrhunderts hinausgehen.

Die Übergänge eines konsequent naturalistischen (naturwissenschaftsnahen) Menschenbildes, das den Menschen unter evolutionären Aspekten als Gruppenwesen erfaßt, zu traditionelleren, völkischen Denkmustern des 20. Jahrhunderts sind in den letzten Jahren fließende geworden (6). Es handelt sich also um jenes naturalistische Menschenbild, das die evolutionär entstandene Gliederung des Menschen in kulturelle, soziale und religiöse Gruppen, sowie in Herkunfts- und Abstammungsgruppen unter evolutionären Aspekten berücksichtigt, sowie seit 2017 insbesondere auch aus der Blickrichtung der archäogenetischen Forschung heraus, in der besorgt auf Wiederbelebung völkischer Weltbilder aufmerksam gemacht wird (Stichwort: "Kossinna's Smile").

Solche eben genannten kulturell definierten Gruppen weisen eine jeweils unterschiedliche kulturelle Stabilität und Lebensdauer auf, auch unterschiedliche Demographien und Bevölkerungsweisen. Bei ihrer Erforschung geraten auch zunehmend populationsgenetische Häufigkeitsunterschiede in den Aufmerksamkeitsfokus der Wissenschaft. Häufigkeitsunterschiede, die sich dann auch bis in die genetische Kodierung motivationaler, emotionaler und Intelligenz-Merkmale erstrecken (6). Die Übergänge eines solchen modernen, naturalistischen Menschenbildes zu traditionelleren Denkmustern des 20. Jahrhunderts werden dann ohne Zweifel fließende.

Genetiker, Anthropologen, Historiker, Soziologen und Wissenschaftsjournalisten verfolgen derzeit noch jeweils unterschiedliche Strategien, ihre Aufmerksamkeit von dem Fließenden im Übergang von naturwissenschaftlichen, soziobiologischen Sichtweisen zu traditionelleren völkischen Denkstrukturen wegzulenken. Dieses Fließende wird mitunter mehr oder weniger barsch ignoriert, verleugnet oder kategorisch verneint. Man versucht, es vor sich selbst und Kollegen kleinzureden, bzw. durch sprachliche Umschreibungen und Neuformulierungen so zu verschleiern, daß es für eine uninformierte Öffentlichkeit gar nicht sichtbar ist. // 3.5.2020: So war der Diskussionsstand 2010, zehn Jahre später wäre er deutlich anders nuanciert darzustellen, es wäre etwa zu berücksichtigen, daß der Humangenetiker David Reich in seinem Buch ("Who we are ...") sich für die Wiederverwendung des Rasse-Begriffes in der Humanbiologie und -genetik ausspricht - und anderes mehr. //

Paradigmenwechsel der letzten zehn Jahre durch Humangenetik und Soziobiologie

Allerdings wissen wir, daß die Naturwissenschaft ihren  eigenen Gesetzmäßigkeiten folgt und es religiösen und geisteswissenschaftlichen Modeströmungen und Ideologien jeweils höchstens für Jahrzehnte gelang, die Fortschritte in der Naturwissenschaft unberücksichtigt zu lassen. Die Debatte rund um Thilo Sarrazin im Jahr 2010, die von Norbert Bolz als ein "Geschichtszeichen", von Frank Schirrmacher als ein "Paradigmenwechsel" bezeichnet wurde, gab von dem, was sich schon damals anbahnte, erste Ahnungen.

Ist man als einzelner Forscher aber an einen Punkt gelangt, wo sich solche "Ahnungen" geradezu aufdrängen - und das gilt auch für Mitglieder dieser Studiengruppe und auch lange vor der letztjährigen Sarrazin-Debatte (übrigens inzwischen zusammen mit so vielen anderen, auch bekannten Autoren und Forschern wie etwa: Richard Dawkins, Steven Pinker, Nicholas Wade, James Watson, Ernst Mayr, Edward O. Wilson, A.W.F. Edwards, David Sloan Wilson, Henry Harpending, Gregory Cochran, Samuel Bowles, Brian Ferguson, Armand Leroi, Sewall Wright, William D. Hamilton) -, ist der einzelne Forscher also an einen solchen Punkt gelangt, tritt ihm unabweislich die Dringlichkeit und Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit den traditionellen, völkischen Denkmustern und Diskursen, mit den naturalistischen Diskursen des 20. Jahrhunderts insgesamt vor Augen (6).

Wie groß ist die Gefahr neuer naturalistischer Fehlschlüsse?

Insbesondere stellt sich dann die Frage, inwieweit die Sorge vor neuen "naturalistischen Fehlschlüssen" berechtigt ist. Und inwieweit diese Sorge auch gebannt werden kann. Es stellt sich die Frage, ob naturalistisches Denken "in Gruppen", ob "völkisches" Denken mehr oder weniger zwangsläufig zu ethnischen Kriegen und Massenmord führen müsse. Ob völkisches Denken in inhärenter Weise dazu angelegt ist, mehr oder weniger zwangsläufig in Inhumanität zu enden. Es ist dann sehr dringlich zu fragen, ob die Möglichkeit besteht, wenn nicht sogar die Notwendigkeit, den sogenannten "völkischen Gedanken" in tieferem Sinne human zu vertreten. Also: Ob so etwas wie ein "völkischer Humanismus" - zumindest der Möglichkeit nach - gedacht werden könne. Und sei es nur versuchsweise. Ob er durchgespielt werden könne. Auch ganz unabhängig von den mehr oder weniger polemischen Zusammenhängen, in denen dieser Begriff heute - mitunter - gebraucht wird.

// Bis zum Jahr 2020 hat ein Begriff wie "völkisch" wieder eine ganz neue Wahrnehmung und ein neues "Framing" in der Öffentlichkeit erhalten. Es bleibt weiter schwierig, sachlich und emotionslos Fragen rund um solche Begrifflichkeiten zu erörtern. //

Das bislang in der Wissenschaft nur wenig berücksichtigten Denksystem der naturalistischen Denkerin Mathilde Ludendorff und damit der Ludendorff-Bewegung ganz allgemein, sowie der Diskurse, in die diese eingebettet waren, scheint jedenfalls einen solchen Grad von Differenziertheit aufzuweisen, daß es an ihm - wie vielleicht an wenig anderen Diskursen - ermöglicht wird, solche Fragestellungen theoretisch durchzuspielen und zu erproben.

Von verschiedenen Autoren ist darauf hingewiesen worden, daß sich in dem Denksystem einer Mathilde Ludendorff überraschend moderne mit archaischen oder auch auf den ersten Blick ganz abwegigen Inhalten und Wortgebräuchen vereinigt finden (vgl. etwa: 1).

Ist ein "völkischer Humanismus" möglich?

An dieser Stelle dafür nur ein erstes Beispiel als ein erster Zugang zu einem solchen Fragekreis. In dem ersten philosophischen Werk von Mathilde Ludendorff, erschienen 1921 unter dem Titel "Triumph des Unsterblichkeitwillens" (7), wird der Gedanke formuliert: "Aller Menschen Dasein ist heilig". Dies geschieht in folgendem Kontext:

... Dein eigenes Dasein ist heilig,
Der Sippen, des Volkes Dasein ist heilig,
Und aller Menschen Dasein ist heilig,
Weil alle Menschen auf Erden
Bewußtsein des Gottes werden könnten,
Solange ihre Seele das Göttliche noch erlebt.
So darfst du durch Töten
Nur dir und dem Volke in Todesnot
Jenseitserleben schützen. ...

Der Satz "Aller Menschen Dasein ist heilig" erscheint natürlich auf den ersten Blick als ein geeigneter Anknüpfungspunkt, um über die Möglichkeit eines etwaigen "völkischen Humanismus" nachzudenken.

Doch letztlich würde sich dann insgesamt ja früher oder später doch die Frage anschließen, wie sich denn diese Mathilde Ludendorff und die Ludendorff-Bewegung überhaupt während des Dritten Reiches und des Zweiten Weltkrieges gegenüber dem Nationalsozialismus, gegenüber seinen imperialistischen Kriegen und gegenüber seinen inhumanen Verbrechen positioniert haben. Welche Handlungsspielräume hat es hier gegeben? In welcher Weise sind sie genutzt worden? Ist es richtig, wenn die Ludendorff-Bewegung für sich in Anspruch nimmt, dem Widerstand gegen Adolf Hitler und gegen den Nationalsozialismus zugerechnet werden? Und falls dies bejaht werden müßte: inwiefern? Und inwiefern ganz sicherlich auch nicht? (8-10) (Zu diesen Fragen noch eine Ergänzung ganz am Ende dieses Artikels, siehe unten.)

Mit diesen Ausführungen sollen nur erste Andeutungen gegeben werden, welche Fragen hier zu behandeln wären. Es können noch viele weitere Gründe genannt werden - die in künftigen Veröffentlichungen der Studiengruppe auch genauer erläutert werden sollen, die es einem geraten erscheinen lassen können, gerade das kulturgeschichtliche Phänomen "Ludendorff-Bewegung" einer genaueren Analyse zu unterziehen, wenn man nach naturalistischen Diskursen des 20. Jahrhunderts fragt.

Ein exemplarischer Fall naturalistisch-völkischen Denkens und Handelns im Deutschland des 20. Jahrhunderts

Als weitere Gründe, warum zu diesem Zweck exemplarisch unter anderem gerade Mathilde Ludendorff behandelt werden soll, ist darauf zu verweisen, daß sie - das wird vielfach in der Literatur bestätigt - keineswegs eine unbegabte Frau gewesen ist. Als eine der ersten Frauen studierte sie Medizin und Psychiatrie bis zur Promotion. In den Jahren vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges arbeitete sie als Assistentin des Begründers der naturwissenschaftlichen Psychiatrie, nämlich Emil Kraepelins (Wiki) in München.

Zugleich war sie schon in jener Zeit aus der Kirche ausgetreten. Sie war Mitglied im Monistenbund Ernst Haeckels (Wiki) geworden. In nur allzu typischer Weise stammte sie zudem aus einer traditionsreichen protestantischen Pfarrerfamilie. In ihrem ersten philosophischen Werk "Triumph des Unsterblichkeitwillens" von 1921 (7) versuchte sie die Grundlegung einer neuen Philosophie, Religion und Weltdeutung in Anknüpfung an wissenschaftliche Kerneinsichten ihres Freiburger akademischen Lehrers, des frühen deutschen Darwinsten August Weismann (Wiki). Die von ihm gelehrte Trennung von Keimbahn und Körperzellen und die damit einhergehende, von ihm gelehrte "potentielle Unsterblichkeit der Einzeller" ist der naturwissenschaftliche Ausgangspunkt des naturalistisch-philosophischen Diskurses seiner Schülerin.

Kritische, sachliche Auseinandersetzung statt Pauschalurteile

Wie der einzelne Autor oder Kommentator, der im Rahmen dieser Studiengruppe Diskussionsbeiträge abgibt, zu dem Philosophieren von Mathilde Ludendorff selbst steht, ob er Teile darin - wie etwa der Autor Frank Schnoor (1) - zumindest als bedenkenswert ansieht oder ob er dieses Philosophieren schlankweg als verwerflich ansieht, ob er es als Gesamtprodukt dem "Abfallhaufen der Geschichte" für Wert erachtet, das ist dem einzelnen zu überlassen. Die Studiengruppe will ein Forum bieten, keine unfehlbaren Antworten geben. Aber auch oberflächlich pauschalisierende oder popularisierende "Propaganda" soll nicht betrieben werden, pauschalisierenden Gefühlsurteilen das Wort nicht überlassen bleiben.

Soweit es sich also um sachliche, kritische und selbstkritische Positionierungen handelt, die zunächst zu urteilen versuchen, bevor sie verurteilen, und die auch die Mühen des Studiums umfangreicherer Originalquellen nicht scheuen, sind sie als Diskussionstandpunkte im Rahmen der Studiengruppe willkommen. Beiträge, die eine aufrichtige, innere und kritische Distanz, die sich zu allen Aspekten dieses Quellenmaterials heute mehr oder weniger zwangsläufig und von selbst ergeben muß, nicht oder nur in Teilen erkennen lassen, sind nicht unbedingt die willkommensten. Es muß durchaus damit gerechnet werden, daß ihnen - zumindest im Rahmen dieser Studiengruppe - kein Forum gegeben wird.

Denn es ist zu offensichtlich, wieviel Mißbrauch in der Geschichte mit solchem, hier zu erörterndem Gedankengut getrieben worden ist, als daß einem erneuten Mißbrauch auch nur eine Spalt breit die Tür geöffnet werden darf.

Weitere Ergänzung: Ein zentraler Aspekt der Biographien von Erich und Mathilde Ludendorffs wird es - wie oben schon angesprochen - bleiben, ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus und zum Dritten Reich nachzugehen. Der Historiker Manfred Nebelin hat dazu in der Rezension zu einer Neuerscheinung in der geschrieben (FAZ, Juni 2014):

"Leider bleibt es hier wieder bei spärlichen Hinweisen, etwa zur Rolle von Ludendorffs zweiter Ehefrau, der Nervenärztin und Religionsphilosophin Mathilde von Kemnitz ('die wirre Mathilde'). So lassen sich die ungeklärten Fragen nach dem Verhältnis Ludendorffs zu Hitler, der NS-Ideologie und dem 'Dritten Reich' nicht zufriedenstellend beantworten."

Zu diesen und zahlreichen anderen ungeklärten Fragen will die Studiengruppe im Rahmen ihrer Möglichkeiten Beiträge leisten. Eine der wichtigsten Antworten auf die soeben gestellten Fragen findet sich schon seit Jahrzehnten - und von der Wissenschaft fast gänzlich unbeachtet - in der Biographie über den Hitler-Gegner Ludwig Beck (Autor: Klaus-Jürgen Müller) (StgrNat2012). An die Forschungsergebnisse dieser Biographie sollte künftig in weiteren Forschungen und historischen Einordnungen verstärkt angeknüpft werden.

/ Erstveröffentlichung: 14.10.2009, 
Ergänzung: 24.01.2013,
letzte Überarbeitung: 3.5.2020 /
_________________
  1. Schnoor, Frank: Mathilde Ludendorff und das Christentum. Eine radikale völkische Position in der Zeit der Weimarer Republik und des NS-Staates Deutsche Hochschulschriften, Kiel 1998 (und weitere bei Wikipedia genannte Literatur)
  2. Dörfler-Dierken, Angelika: Rezension von Frank Schnoor „Mathilde Ludendorff und das Christentum“ (2001). In: Theologische Literaturzeitung, Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Theologie und Religionswissenschaft, Bd. 129/2004, Nr. 7 und 8, S. 814 – 817
  3. Hostetler, John A.: Amish Society. The Johns Hopkins University Press, 4th Edition 1993
  4. Mildenberger, Florian: Erotik, Polygamie, Muttertum. Die Wandlungen der Mathilde Ludendorff. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 07-08/2006
  5. Fritz Tobias: Ludendorff, Hindenburg und Hitler. Das Phantasieprodukt des Ludendorff-Briefes. In: Uwe Backes; Eckhard Jesse; Rainer Zitelmann (Hrsg.): Die Schatten der Vergangenheit. Impulse zur Historisierung des Nationalsozialismus. Propyläen Verlag Frankfurt/Main und Berlin 1990
  6. Wiwjorra, Ingo: Ethnische Anthropologie. Zwischen scientistischer Innovation und völkischer Tradition. In: Puschner, Uwe; Großmann, G. Ulrich (Hg.): Völkisch und national. Zur Aktualität alter Denkmuster im 21. Jahrhundert. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009
    Sarrazin, Thilo: Deutschland schafft sich ab. Wie wir unser Land aufs Spiel setzen. Deutsche Verlags-Anstalt, München, 7. Auflage 2010
  7. Ludendorff, Mathilde: Triumph des Unsterblichkeitwillens. Verlag Hohe Warte, Franz von Bebenburg, Pähl/Obb. 1959 (1. Auflage 1921)
  8. Müller, Klaus-Jürgen: Generaloberst Ludwig Beck. Eine Biolgraphie. Ferdinand Schöningh, Paderborn u.a. 2008, 2009
  9. Lindner, August (Büsum): Ludendorff - Widerstandskämpfer im Dritten Reich? Unveröffentlichtes Manuskript in dem Nachlaß des Autors. Bundesarchiv Koblenz und Landesarchiv Schleswig (Mit Briefwechseln des Autors mit den Historikern Walter Hubatsch, S. Kaehler, Egmont Zechlin und W. Foerster.)
  10. Nebelin, Manfred: Erich Ludendorff - ein völkischer Prophet. In: Revue d'Allemagne et des Pays de langue Allemande. Themenheft "Religion, 'religiosités' et politique dans les extrêmes droites allemandes de 1870 à 1933". April/Juni 2000, S. 245-256
  11. Bading, Ingo: Ludendorffs empörte Telegramme an Hindenburg im Jahr 1933 Zur Frage der Echtheit von Ludendorffs Telegramm an Hindenburg vom 1. Februar 1933, 22. August 2013, https://studiengruppe.blogspot.com/2013/08/ludendorffs-emporte-telegramme.html

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