"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Mittwoch, 27. März 2013

Der Verleger Roland Bohlinger (1937-2013)

Er starb vor knapp zwei Wochen - am 15. März 2013

Am 15. März 2013 ist der Verleger Roland Bohlinger (1937-2013) (Wiki) in Schleswig-Holstein mit 76 Jahren gestorben (1). Wer sich mit der Geschichte der Ludendorff-Bewegung beschäftigt und nach diesbezüglicher Literatur sucht, stößt immer wieder auf seinen Namen. Vor allem auf die mit ihm verbundenen Verlage, also insbesondere den Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur (Justbooks), die Verlage "Archiv Edition", "Hutten-Verlag" oder "Freiland-Verlag".*)

Abb. 1: Roland Bohlinger, etwa 1978 (aus: Werbeschrift, Mai 1978)

Den eigenen Anschluß an das "Internet-Zeitalter" hat Roland Bohlinger, soweit übersehbar, während seines Lebens nicht mehr so richtig hingekriegt. Deshalb finden sich derzeit auch im Internet vergleichsweise wenige Auskünfte über ihn. Und derzeit, soweit übersehbar, auch kein Überblick über sein Leben und seine Verlegertätigkeit (so geschrieben 2013).

Grund genug, im folgenden Beitrag einmal zu versuchen, Einzelheiten über sein Leben und seine Verlegertätigkeit zu sammeln, um hier nach und nach zu einem Überblick zu gelangen. Dieser wäre dann in einem zweiten Schritt in ein Gesamtbild der Geschichte der Ludendorff-Bewegung in dieser Zeit einzuordnen. Dieser Überblick ist gar nicht so einfach (und ist künftig noch nach und nach zu ergänzen oder zu korrigieren). Denn im Leben von Roland Bohlinger sind viele unterschiedliche Themenbereiche behandelt worden. Zu diesen bestehen auch auf Seiten des Autors dieser Zeilen nicht gleichmäßig gute Vorkenntnisse oder auch nur Interessen.

Roland Bohlinger hat zum Beispiel während seines ganzen Lebens in seinen Schriften immer wieder auch sehr stark juristisch argumentiert. Diese Argumentations-Schiene kann im vorliegenden Beitrag nicht behandelt werden. Auch hat er eine zum Teil eigene, sehr ausführliche kritische Argumentationslinie gegenüber dem Handeln in Übereinstimmung mit den Inhalten und der Moral des Alten Testamentes entwickelt. Bezüglich dieses Themas gibt es ja auch zahlreiche Veröffentlichungen anderer Autoren. Dem Autor dieser Zeilen würden solche kritischen Bücher wie die von Richard Dawkins ("Gotteswahn") oder Kevin MacDonald ("Eine Kultur der Kritik") diesem Handeln gegenüber zunächst als zureichend erscheinen. Jedenfalls wird auch auf sie im vorliegenden Beitrag nicht näher eingegangen. - Eine erste Annäherung sei aber versucht insbesondere für noch verbliebene Interessen- und Tätigkeitsgebiete Roland Bohlingers.

Roland Bohlinger hat seit den 1980er Jahren die Bücher anderer Autoren als Neuerscheinungen herausgebracht (Beispiele: 2-7). 1982 etwa "Die Bankierverschwörung", 1983 ein Buch von Eberhard Beißwenger, 1987 ein Buch über den Demjanjuk-Prozeß, ab 1996 zwei Bücher von Helmut Schröcke, 2002 ein Buch von Reiner Bischoff, 2004 eine Dokumentation zum Verständnis der Biographien und des religiösen Ringens Erich und Mathilde Ludendorffs während des Dritten Reiches. Roland Bohlinger hat außerdem zahllose alte Bücher, Schriften und ganze Zeitschriftenbände im für die 1980er Jahre noch neuartigen, vereinfachten Faksimile-Druck in seinem Verlag erscheinen lassen (nur wenige Beispiele: 8-16). Davon insbesondere auch zahllose des vormaligen Ludendorff-Verlages (für Übersichten siehe etwa: 17) (siehe auch: Google-BücherFranken-Bücher, Amazon, b etc.). Und schließlich hat er auch selbst viele eigene Schriften und Aufsätze verfaßt (Beispiele: 17-24).

Zusammenarbeit mit anderen Verlagen

Dabei arbeitete er mit vielen Freunden, Autoren, Verlegern, deren Erben, Druckereien, Buchhändlern und Lesern zusammen. Ein "Freundeskreis Bohlinger" bildete sich um ihn (25). Seine Verlegertätigkeit zeigt, daß ein Verlag wie der seine zwischen 1980 und etwa dem Jahr 2000 durch die Unterstützung von sicherlich mehreren tausend "Stammkunden" und einem loseren Kundenkreis weit über diese Stammkundschaft hinaus erfolgreich existieren und arbeiten konnte. In den 1970er Jahren arbeitete Roland Bohlinger eng zusammen mit Walther Soyka (1926-2006) (Wiki), sowie einem seiner Söhne. Von daher erhielt Bohlinger einerseits viele Anregungen, aber man trennte sich schließlich im Streit.

Einen großen Teil des früheren Verlagsprogrammes des Ludendorff-Verlages, auch zahllose kleinere Schriften desselben, sowie sogar Periodika hat er im Nachdruck verfügbar gemacht aufgrund einer Absprache mit dem Verleger Franz von Bebenburg. Soweit zu hören ist, arbeitete Roland Bohlinger eine Weile auch zusammen mit dem Verleger Adrian Preißinger, der im Jahr 2013 die Trilogie des eben schon genannten kalifornischen Autors und Evolutionären Psychologen Kevin MacDonald auf Deutsch heraus brachte (in über weite Strecken sehr eigenwilliger Übersetzung). Schon in einem Verlags-Rundschreiben aus dem Jahr 2004 hatte Roland Bohlinger auf die Bedeutung des Autors Kevin MacDonald hingewiesen. Der Verleger Herbert Taege (1922-1998) übergab Roland Bohlinger die Nachfolge seines Askania-Verlages. Einem Verlagsrundbrief vom 9. Mai 2005 (26) lag auch ein Bücherverzeichnis des Lühe-Verlages von Harm Menkens (1937-2019) (Wiki) bei. Um hier nur Einiges zu nennen.

Das Verlagsprogramm in Eigendarstellung

Erst ab 2012 gab es auch einen Internetauftritt, wie man aus Google-Recherche für diesen Blogbeitrag erfährt: "Verlagsauslieferung Bohlinger. Aus dem dort eingestellten Text eines 2004 erschienenen, farbig gedruckten Verlagsverzeichnisses (17) ist zu erfahren, daß etwa ein Drittel der Verlagsproduktion Neudrucke sind. Weiter heißt es dort in einem Überblick über das Verlagsprogramm:

Wir haben eine ganze Reihe von Titeln zu den Themen Kriegsursachen und Kriegsschuld bezüglich des Ersten und Zweiten Weltkriegs, Versailles und die Folgen, Deutsche Ostgebiete und Vertreibung, Wehrmachtsausstellung, Geschichtsfälschung. Immer wieder behandeln unsere Titel Hintergrundmächte, Geheimbünde, Verschwörungen. Zahlreiche Titel befassen sich mit der sog. Judenfrage, mit Freimaurerei, Bolschewismus, Sozialismus und Kapitalismus, den Kirchen, dem Christentum und dem Mosaismus. Wir verlegen das gesamte revolutionäre Werk von Wilhelm Kammeier über die Verfälschung der deutschen und europäischen Geschichte durch die römisch-katholische Kirche des Mittelalters, ein Werk, das lange Zeit totgeschwiegen wurde, jetzt aber immer mehr Anerkennung findet. Der erste Band erlebte bisher 11 Auflagen!
Wir führen eine Reihe historischer Romane, die wichtigsten Werke Friedrichs des Großen, darunter ein Band mit Satiren und Streitschriften. Bei uns gibt es mehrere grundlegende Werke zu Wirtschaftsfragen, zahlreiche Titel über Geschichte, Kultur und Religion der heidnischen Germanen, über die gewaltsame Christianisierung in Europa sowie der Indianer und anderer Völker. Einige Titel befassen sich mit Mord in der Politik, insbesondere mit dem Mord an vielen unserer größten Dichter, Musikschöpfer und Denker, wie Luther, Lessing, Mozart, Schiller und Nietzsche.
Wir veröffentlichten mehrere Titel zum Thema Seelenmanipulation und Gehirnwäsche, behandelten sehr kritisch die Themen: frühere und heutige Kriegs- und Vernichtungsstrategien gegen Deutschland, die derzeitige Ausländerpolitik, die Themen Geburten- und Begabungsschwund, Abtreibung, Verfassungsschutz, Atompolitik, § 130 StGB. Wir führen schließlich mehrere rassenkundliche, kunst-, literatur- und weltanschauungskritische Bücher und vertreiben das philosophische Werk Mathilde Ludendorffs. Jedes Jahr kommen etwa 30 - 40 Titel dazu.

Man darf sagen: In der Tat ein umfangreiches Programm, wie es in dieser Vielfältigkeit nicht jeder Verlag zu bieten hat. Blättert man dasselbe im Internet oder in gedruckten Verlagsverzeichnissen durch (17), stößt man immer wieder auf Interesse weckende Titel, die auch im Umschlagbild so aufgemacht sind, daß sie Interesse wecken.

Was ist nun über das Leben von Roland Bohlinger in Erfahrung zu bringen? Hier helfen unter anderem über die Jahre hinweg gesammelte Verlagsrundbriefe Roland Bohlingers und seines Freundeskreises weiter (26).

1976 bis 1987 - Prozeßbevollmächtigter in Prozessen gegen Atomkraftwerke

In einem Rundbrief vom 9. Dezember 1997 heißt es über ihn - wenn auch in der dritten Person geschrieben sicherlich eine Eigendarstellung (26):

Er wurde 1937 in Schwäbisch Gmünd geboren als Sohn eines Graveurmeisters und Schmuckfabrikanten. Seine Mutter war Konzertmeisterin und Musiklehrerin. Sein Vater überlebte nur knapp ein französisches Vernichtungslager in Mulsanne.

Mulsanne liegt in Nordwestfrankreich (Wiki). Weiter heißt es (26):

Nach dem Abitur war er zunächst als Zeichner und Registrator bei archäologischen Ausgrabungen tätig. Er war einer der ersten Wehr- und Ersatzdienstverweigerer aus patriotischen Gründen, und er hatte damit Erfolg. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte, Philosophie, Pädagogik, Zeitungswissenschaft und des Verfassungsrechtes war er zunächst als Lehrer für Deutsch, Geschichte, Kunsterziehung und Musik tätig, danach als Bauarbeiter und seit 1965 als Verlagsmitarbeiter.

In einem Schulbuch-Verlag. Weiter:

Seit 1972 ist er Versandbuchhändler und Verleger. 1976 war er Mitbegründer des ersten privaten Umweltinstituts der Bundesrepublik, des "Instituts für biologische Sicherheit". In den Jahren 1976 bis 1987 führte er, zunächst zusammen mit Walther Soyka, über 40 Prozesse gegen Atomanlagen, und zwar als Kläger und als Prozeßbevollmächtigter für über 900 weitere Kläger. Diese Prozesse und die damit in Zusammenhang stehende Entwicklung von wissenschaftlichen und anderen Arbeitskreisen, öffentlichen Aktionen u.a.m. bewirkten einen wirkungsvollen Druck auf die herrschende Atompolitik und auf die Atomindustrie.
1982 gründete er den "Deutschen Rechts- und Lebensschutzverband"; seitdem ist er dessen Vorsitzender. 
Mit diesen Stationen ist Roland Bohlinger - ebenso wie der erwähnte Walther Soyka - zu einem Teil der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung (Wiki) geworden. Über den Anteil von Anhängern der Ludendorff-Bewegung an der Anti-Atomkraft-Bewegung und der grünen Bewegung in den 1980er Jahren sind noch weitere Beiträge für den vorliegenden Blog in Vorbereitung. Es werden dafür aussagekräftige Dokumente und Biographien gesammelt. Darunter auch über die zeitweise Zusammenarbeit Walther Soykas mit dem Konstanzer Biophysiker Gerold Adam (1933-1996). Falls es Leser geben sollte, die dazu noch Berichte, Dokumente, Erlebnisse einsenden können, wäre das hilfreich. Natürlich auch über den Anteil von Roland Bohlinger an dem damaligen Geschehen, zu dem vielleicht ebenfalls hier auf dem Blog eine knappere, zusammenfassende, separate Darstellung eingestellt werden kann.

November 1978 - Eberhard Engelhardt geht auf Abstand

Der Nürnberger Rechtsanwalt Eberhard Engelhardt (1905-1991), einer der vormaligen Verteidiger Matilde Ludendorffs im Spruchkammerverfahren, des Verlages Hohe Warte und des "Bundes für Gotterkenntnis" im Verbotsverfahren (1961 - 1976), veröffentlichte im April 1979 in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Mensch & Maß" folgende Erklärung (33):

Untersagung
der weiteren Benutzung meines Namens durch das Institut für biologische Sicherheit in Bremen, Inhaber: Walther Soyka und Roland Bohlinger.

Er wirft Roland Bohlinger "arglistige Täuschung" vor, da er ihm anläßlich der Unterzeichnung eines Spendenaufrufs für dieses Insitut nicht mitgeteilt habe, daß Walther Soyka schon einmal mit einem Sauna-Unternehmen in Wien Pleite gemacht habe und danach gegenüber Darlehensgebern aus dem Freundeskreis nichts mehr von sich habe hören lassen:

Hätte ich das gewußt, hätte ich die Unterzeichnung des Spendenaufrufs verweigert.

Er habe

zur Unterlassung der weiteren Verwendung meines Namens und zur Herausgabe noch vorhandener Werbeschreiben und "Danksagungen"

aufgefordert:

Jede Verwendung meines Namens durch das Institut seit meinem Widerruf vom 28. 11. 78 ist rechtswidrig, insbesondere auch die Benutzung meines Namens im "Dankschreiben", das gleichzeitig um neue Spenden wirbt.

Auch Roland Bohlinger sollte zu einem späteren Zeitpunkt auf Abstand zu Walther Soyka gehen.

1979/80 - Der Beginn als Verleger

Bohlinger hatte in den 1970er Jahren die "Versandbuchhandlung Bohlinger" gegründet. Es wurden Bücher anderer Verlage verkauft. Das Verzeichnis von 1979 (27) hatte noch andere Schwerpunkte, als sein späteres Verlagsprogramm. Seine Themen waren damals gegliedert in:

Kinder- und Jugendbücher (S. 3-10)
Romane - Erzählungen - Dichtungen (S. 11-16)
Vorgeschichte - Geschichte - Politik (S. 17-27)
Heimatkunde (S. 28f)
Kulturkritik - Umwelt- und Lebensschutz (S. 30-32)
Erziehung - Verschiedenes (S. 33-36)
Bildende Kunst (S. 37)
Naturkunde (S. 38)

Im Verzeichnis von 1980 sind dann schon eigene Verlagsproduktionen angezeigt (28). Davon sind - neben den Büchern von Wilhelm Kammeier (1889-1959) (Wiki) über mittelalterliche Urkundenfälschungen durch die katholische Kirche vor allem drei Bücher hervorzuheben: Das wichtige, bis heute schwer erhältliche Buch von Rudolf Cronau (Pseudonym: Randolph Charles Darwin) aus dem Jahr 1929 "Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche". Über dieses Buch erschien hier auf dem Blog schon ein Beitrag (StgNat2012). Wenig später brachte Bohlinger 1980 im aufwendigen, eindrucksvollen Nachdruck die wichtige Darstellung des Christentums- und Kirchenkritikers Johannes Scherr "Germania - Zwei Jahrtausende deutschen Lebens", reich illustriert unter anderem durch Friedrich August von Kaulbach (1850-1920) (Wiki) heraus. Später noch einmal im Nachdruck von im Jugendstil illustrierten Ausgaben dieses Buches. Und schließlich als drittes Buch "Die Bankier-Verschwörung". Über dieses Buch heißt es im Verlagsverzeichnis (28):

Dieses Buch stand bereits im November 1979 vor dem Druck. Sein Erscheinen wurde sabotiert. Bereits vor rund 25 Jahren, nach seinem ersten Erscheinen in deutscher Sprache, kam es zu Schwierigkeiten, dann zu einem Verbot. Der Verleger starb bald danach, angeblich eines unnatürlichen Todes. Die jetzige Ausgabe ist etwas überarbeitet und ergänzt. Mullins enthüllt, wie eine Reihe von nordamerikanischen Privatbanken vor rund 60 Jahren begann, die Herrschaft über das staatliche Geldwesen der USA und dann auch anderer Staaten an sich zu reißen, wie sie sich dabei maßgeblich an der Entfesselung des Ersten und des Zweiten Weltkrieges beteiligten, zeitweise im großen Stil Falschmünzerei betrieben und verschiedene Wirtschaftskrisen auslösten, insbesondere die so folgenreiche des Jahres 1929. Das Buch enthält in erheblichem Maße politischen Sprengstoff.

In einem Hilfeaufruf von Freunden Roland Bohlingers vom 25. Januar 1980 heißt es:

Roland Bohlinger ist mitten in der ersten Aufbauphase seines Verlages ein langjähriger Kredit in Höhe von 50.000 DM gekündigt worden. (...) Wir meinen, Roland Bohlinger darf in dieser Lage nicht allein gelassen werden. Er hat in den letzten Jahren nicht nur als Buchhändler, Verleger und Wissenschaftler, sondern auch im Rahmen des Gesundheits- und Lebensschutzes Erhebliches geleistet, das der Allgemeinheit diente, großen Mut und hohen finanziellen Einsatz verlangte.

Es wird unter anderem auf die erschienen drei Bücher verwiesen und es wird weiter ausgeführt:

Die Verbreitung dieser Bücher sollte auch ganz unabhängig von der finanziellen Lage ihres Verlegers für uns eine dringende und wichtige Aufgabe sein.

Dieser Aufruf ist neben vielen anderen auch von Gerold Adam unterzeichnet. Aus einem dem Verlagsverzeichnis beiliegenden Brief vom 26. Oktober 1980 geht die Situation Roland Bohlingers zur damaligen Zeit dann nochmals hervor. In ihm heißt es im Zusammenhang mit dem von ihm und anderen geführten Anti-Atom-Prozessen etwa:

Um jedoch weitere Fortschritte in dieser Richtung zu verhindern, werden in steigendem Maße gegen Roland Bohlinger und seine Mitkämpfer Intrigen, Hetze und finanzieller Druck angewandt. Unter anderem wurde Roland Bohlinger zum "Gesamtschuldner" für rund 140 Kläger aus zwei Plutoniumabwehrprozessen erklärt: Die Forderung lautet über rund 16 000 DM Gerichtskosten, dazu kommen die noch höheren Anwaltskosten der Gegenseite.
Abb. 2: 1982 erschienen

1981 und 1982 machte Roland Bohlinger auch so wichtige hintergrundpolitikkritische Schriften wieder verfügbar wie die von Friedrich Wichtl ("Weltfreimaurerei - Weltrevolution - Weltrepublik") oder Karl Heise ("Entente-Freimaurerei und Weltkrieg"). Auch machte er erneut verfügbar die Erinnerungen des russischen Sportlers Iwan Solonewitsch (1891-1953) (Wiki) an seine Zeit im sowjetischen Zwangsarbeitslager um 1933. Es handelt sich dabei um einen sehr eindrucksvollen Bericht.

Alfred Herrhausen und die chinesische Führung interessieren sich für das Buch "Die Bankier-Verschwörung" 

In Rundbriefen, etwa vom 16. September 2001 oder vom 4. Juli 2008 berichtet Roland Bohlinger darüber 20 Jahre später (26):

1981 übersetzte ich mit einem Freund zusammen das Buch von Eustace Mullins über die Geschichte des Federal Reserve-Systems der USA und die zunehmende Einflußnahme dieses Systems auf die Weltpolitik. Ich veröffentlichte das Buch unter dem Titel "Die Bankierverschwörung". In der 2. Auflage fügte ich verschiedene eigene und fremde Texte hinzu. Mein Verlag steckte damals noch in den Anfängen. Die erweiterte Ausgabe war recht erfolgreich. Die 3. Auflage wurde in einer Höhe von 20.000 Stück aufgelegt. Allein die "Vertraulichen Mitteilungen" vertrieben davon etwa 3.500 Stück. Dieser von Mißbach herausgegebene Informationsdienst hatte etwa 80.000 Abonnenten und wurde vor allem in konservativen Kreisen in Politik und Wirtschaft bis hinein in die Führungsspitzen gelesen. Das führte zu einer ganzen Reihe unvorhergesehener Kontakte. Selbst einige Vertreter der Hochfinanz lasen das Buch, darunter auch Herrhausen. Dieser las anschließend eine Reihe weiterer Bücher aus meinem Verlag, die er sich von einem Industriellen zusenden ließ, dem ich bei der Abfassung seiner Lebenserinnerungen ein wenig geholfen hatte. Auch im Bonner Finanzministerium saßen einige Leser. Bald darauf kam es wegen dieses Buches auch zu Gesprächen mit einer Person aus der chinesischen Führung. Sie sprach einwandfrei Deutsch. In historischen, kulturellen und politischen Fragen war sie äußerst sachkundig. Bei unseren Gesprächen gab sie klar zu verstehen, daß man in der chinesischen Führung über das Wesen der sogenannten überstaatlichen Mächte, insbesondere ihre imperialistischen Ziele und Grundlagen, recht gut Bescheid wüßte. Sie betonte, daß die Führung Chinas einen Weg jenseits von Kapitalismus und Sozialismus suche, einen "Dritten Weg", wie sie wörtlich sagte. Sie fragte diesbezüglich nach meiner Meinung. Sie wollte auch wissen, ob ich ihr Führungskräfte aus der deutschen Wirtschaft nennen könne, die, wie sie sagte, nach "preußisch-deutschem Führungsstil" und nicht nach amerikanischem Stil arbeiten würden. (...) Ich nehme an, (...) daß man den Kontakt mit mir weniger wegen des Inhalts des Buches "Die Bankierverschwörung" gesucht hatte, sondern wegen meiner Verbindung zur Freiheitsbewegung des Hauses Ludendorff, die in dem Buch und noch stärker in dem von mir veröffentlichten Werk von Eberhard Beißwenger "Freie, sittlich gestaltete Wirtschaft" sichtbar wird.

Im weiteren stellt Bohlinger diesen Besuch in Zusammenhang mit Kontakten zwischen Erich Ludendorff und mehreren Kräften in der chinesischen Führung (Tschang-Kai Tschek, der sich von ihm militärische Berater schicken ließ, Chou-En-Lai und andere).

Im Juni 1982 wird in einem Rundbrief von Freunden Roland Bohlingers (26) erneut um Spenden gebeten. Darin wird auch von den Erfolgen der Atomprozesse berichtet.

Beispielsweise hat Stoltenberg Anfang 1981 erklärt, daß die Massenverfahren gegen Atomanlagen - also fast ausschließlich die von Walther Soyka im Namen zahlreicher Kläger eingeleiteten und von Roland Bohlinger in Zusammenarbeit mit Wieland Soyka und der Rechtsanwaltssozietät Scheer fortgeführten Verwaltungsgerichtsverfahren - einen Investitionsstau von 40 Milliarden DM erzeugt hätten. (...) Die Atomindustrie befindet sich als auf dem Rückzug. In zunehmendem Maße führen die Atomprozesse aber auch zur Beschaffung von Beweismaterial über politische und sonstige Hintergründe z.B. zu den Themen Rechtsstaat, Kriegsgefahr, Lebensbedrohung durch Chemie und Pharmazie, Rolle von Ideologien, Geheimbünden und Banken.

Ein nachfolgender Rundbrief vom 29. Juni 1982 (26) enthält auf einer Din-A4-Seite kleingedruckt einen "Kurzbericht über das Prozeßgeschehen" von Roland Bohlinger. In dem Rundbrief selbst heißt es:

Leider ist es mit der bisher eingegangenen Summe noch nicht möglich, die laufenden Kosten der Atomprozesse und der damit verbundenen Aufklärungsarbeit zu decken. (...) Es ist zwar in der Prozeßführung insoweit ein gewisser Rückschlag eingetreten, daß einige hundert Kläger ihre Klagen zurückzogen (und zwar hauptsächlich deshalb, weil sie das Vertrauen in die bundesdeutsche Gerichtsbarkeit verloren hatten).

Dennoch soll der Rechtsweg weiter beschritten werden, aber auch die sonstige Aufklärung weiter verstärkt werden, wie ausgeführt wird.

Abb. 3: 1987 erschienen

1983 druckte Roland Bohlinger unter anderem das schöne Buch von Jörg Lechler nach "5000 Jahre Deutschland - Germanisches Leben in 700 Bildern". Jörg Lechler ist hier auf einem Parallelblog behandelt worden (Stg2019). So eindrucksvoll und anschaulich ist seither der archäologische Kenntnisstand zur Geschichte Mitteleuropas, der sich ja seither sehr bedeutend erweitert hat, nie wieder einer größeren Öffentlichkeit dargestellt worden. Heute könnte man etwa in der Nachfolge Lechlers formulieren: "8.000 Jahre Bauern". Wissenschaftlich dargestellt wurde der aktuelle Kenntnisstand 1997 sehr gründlich und ausführlich in dem Buch von Helmut Schröcke "Germanen - Slawen - Vor- und Frühgeschichte des ostgermanischen Raumes", das zuerst bei Bohlinger herauskam.

Auch weitere grundlegende wissenschaftliche Veröffentlichungen über die heidnischen Germanen brachte Bohlinger im Nachdruck heraus. Etwa Hans Reinerths "Vorgeschichte der deutschen Stämme" in drei Bänden. Oder die so bedeutende Schrift von Wilhelm Grönbech "Kultur und Religion der Germanen".

1987 - "Der Fall Demjanjuk" erscheint

1987 brachte Bohlinger in Zusammenarbeit mit Helmut Wild das Buch von Hans Peter Rullmann heraus "Der Fall Demjanjuk - Zur Beweislage und zu den Hintergründen des Prozesses in Jerusalem". Helmut Wild berichtet darüber in Zuschrift an den Blogautor aus den USA vom 26.3.13:

Ich habe mit Hans Peter Rullmann als Co-Author an diesem Buch gearbeitet. Ich habe neben der Einleitung mehrere Kapitel ueber die Geschichte der jüdisch-ukrainischen Beziehungen beigetragen. Rullmann hat mir die Verlagsrechte übertragen. Wie meine Vebindung zu Herrn Bohlinger zustande kam, erinnere ich nicht mehr. Er war jedoch an dem Buch, an dem ich mit Rullmann arbeitete, außerordentlich interessiert. Da ich als Verleger wenig Erfahrung hatte, aber vor allem an einer weiten Verbreitung des Buches interessiert war, gab ich ihm das Recht zur Veröffentlichung in seinem Verlag. Bohlinger machte mir gegenüber nie ein Geheimnis aus seinen extremen finanziellen Schwierigkeiten. Und Rullmann und ich tolerierten, daß er finanzielle Abmachungen nicht erfüllen konnte. Ich habe das Buch mehr oder minder gleichzeitig mit Bohlinger in der gleichen Woche herausgebracht, als das Todesurteil von Demjanjuk veroeffentlicht wurde. Kurz vor der Veröffentlichung erhielt ich um 3 Uhr morgens einen Anruf von Bohlinger. Er hatte gerade den Brandanschlag auf sein Haus und seinen Verlag abgewehrt und warnte mich. Von da an schliefen meine Frau und ich mit unseren Kindern in einem anderen Teil unseres Hauses in Sonnenbühl/Genkingen.

Es war zu dem Versuch eines lebensgefährlichen Brandanschlags auf das Wohnhaus von Roland Bohlinger, in dem er mit seinem Sohn schlief, gekommen. In Untergrund-Blättern linksradikaler Gruppen Schleswig-Holsteins, die auffällige Kontakte zur evangelischen Kirche und wohl auch zu Geheimdienst-Kreisen hatten, wurden solche Mordversuche sogar noch positiv behandelt. Solche "Stay behind"- und Attentäter-Gruppen gab es also auch in Schleswig-Holstein und wurden dort nicht nur auf Ministerpräsidenten (Wiki) angesetzt.

Da noch nicht einmal ein Ministerpräsident vor ihnen bis heute geschützt ist, wie hätte ein "einfacher" Verleger von Seiten der Strafverfolgung einen nachhaltigen Schutz erwarten können?

1989/90 - Die Wiedervereinigung West- und Mitteldeutschlands

1989/90 und danach erschienen zahlreiche Schriften und Nachdrucke zu Fragen rund um die Wiedervereinigung Deutschlands und zur Geschichte der ehemaligen deutschen Provinzen östlich von Oder und Bayerischem Wald, auf die die Bundesregierung unter Helmut Kohl bei diesem Anlaß sang- und klanglos "verzichtete". Darunter 1990 etwa auch - nur als Beispiel für zahlreiche, ähnlich bedeutsame andere - die so eindrucksvolle, wohl wissenschaftlich recht solide Studie von Kurt Lück (1900-1942) (Wiki), die man noch heute mit Spannung liest: "Deutsche Aufbaukräfte in der Entwicklung Polens - Forschungen zur deutsch-polnischen Nachbarschaft im ostmitteleuropäischen Raum". Mit dieser Schrift wird einem erst bewußt, daß fast alle polnische Städte - auch so "kernpolnische Städte" wie Krakau, Warschau oder Lemberg - ursprünglich von Deutschen gegründet worden waren, und daß diese auch noch oft bis in die Frühe Neuzeit als solche in diesen Städten einen wichtigen kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Faktor bildeten.

Abb. 4: 1997 erschienen

In der vielleicht noch wichtigeren, damals von Bohlinger - und auch von anderer Seite - neu aufgelegten Schrift von Hermann Rauschning über "Die Entdeutschung Westpreußens und Posens" zwischen 1919 und 1939 werden detailliert die bürokratischen und anderen Maßnahmen geschildert, mit denen der polnische Staat knapp eine Million Deutsche zur Abwanderung aus ihrer Heimat zwang. Auch dies ist natürlich ein wesentlicher Bestandteil der Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges, die bis heute nur allzu verkürzt und plakativ dargestellt wird.

Kurt Lück gab auch eine Untersuchung heraus über die Morde an volksdeutschen Soldaten in der polnischen Armee während des Septembers 1939. Auch dies ist ein wichtiger, fast vergessener Teil der Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Bohlinger machte 1991 im Nachdruck verfügbar eine wissenschaftliche Studie über die "Psychologie der Bekehrung", der "Seelenwäsche" und "Umerziehung" von Seiten des britischen Psychologen William Sargant (1907-1988) (Wiki). Diese Studie ist bis heute durch keine anderen Erscheinungen zur Thematik ersetzt worden. Sie ist darum unentbehrlich. In dem schon zitierten Rundbrief vom 9. Dezember 1997 heißt es über weitere Lebensstationen:

1987 ging er in Beugehaft. Er hatte insgesamt 17 Beugehaftbefehle gegen sich, weil er sich weigerte, die Gerichtskosten aus den Atomprozessen zu bezahlen. Die Begündung für seine Weigerung lautete: In einem Rechtsstaat gäbe es keine Atomprozesse, denn in einem Rechtsstaat träte der Staat selbst für den Schutz von Leben und Gesundheit seiner Bürger ein. Daher seien die Prozesse Ausdruck einer herrschenden Unrechtsstaatlichkeit. (...) Er setzte sich nach vielen Kämpfen schließlich durch.
1987 wurde er und einer seiner Söhne fast Opfer eines Sprengstoffattentats. Danach kam es zu weiteren Anschlägen.
Von 1976 bis 1997 kam es zu ungezählten strafrechtlichen Ermittlungsverfahren und mehr als 50 Haussuchungen, meist wegen irgendeiner Veröffentlichung. Es gelang aber keine einzige strafrechtliche Verurteilung. Ebenfalls schlug der 1988 begonnene Versuch fehl, ihn mittels des Finanzamtes in die Knie zu zwingen: Nach siebenjährigem Kampf obsiegte er vor dem Finanzgericht Kiel.
Seit der ersten eigenen Veröffentlichung im Jahre 1976 besteht eine rege Autorentätigkeit. Über 50 Bücher und Schriften und mehr als 200 Aufsätze (...). Zugleich ist er Inhaber dreier Verlage. Er wohnt in Nordfriesland und ist Vater von acht Kindern.
Abb. 5: 2004 erschienen

Das ist natürlich eine Eigendarstellung in Binnensicht. Sie wäre noch einmal - wie vieles hier in diesem Blogbeitrag - abzugleichen mit diversen, etwaig vorliegenden "Außendarstellungen". Von diesen finden sich aber derzeit im Internet vergleichsweise wenige (BNR, a, b).

1992/93 Herausgeber von "Nation Europa"

Auf Internetseiten ist zu lesen:

Mitte 1992 kauft Bohlinger die Zeitschrift Nation auf, die ab der Ausgabe 6/92 in seinem Verlag erscheint. Nach Auseinandersetzungen mit dem Chefredakteur Adrian Preißinger und aufgrund von finanziellen Schwierigkeiten erscheint das Blatt Ende 1993 zum letzten Mal.

Sie wird

Ende 1993 u.a. aufgrund juristischer Auseinandersetzungen zwischen Bohlinger und dem Redakteur Adrian Preißinger eingestellt.

Um welche womöglich inhaltliche Auseinandersetzungen es sich dabei gehandelt hat, ist vorerst nicht bekannt. Im Editorial der Folge 8/9-1992 stellt sich der Herausgeber Roland Bohlinger vor und schreibt (S. 3):

Im übrigen weisen Herr Preißinger und ich darauf hin, daß NATION auch weiterhin eine Zeitschrift sein wird, die für die verschiedensten Standpunkte offen ist.

Es werden

Auffassungen vorgetragen werden, denen unterschiedliche geistige und politische Positionen zugrunde liegen und die daher oft nicht der Meinung des Herausgebers oder des Chefredakteurs entsprechen.

Es wird erwartet,

daß Autoren und Leser uns dazu intelligente Gegenmeinungen zusenden, die wir dann in der gleichen Rubrik abdrucken können.

Im Impressum erscheint Roland Bohlinger als Herausgeber, Adrian Preißinger als Chefredakteur und ein Karl-Heinz Sendbühler als "Chef vom Dienst". Im Redaktionskollegium finden sich unter anderem die Namen der Buchautoren Nikolaus von Preradovic und Gustav Sichelschmidt. Beim Durchblättern der Zeitschrift erhält man den Eindruck, daß viele der Autoren dieser Zeitschrift der NPD zumindest nahe standen. Viele unterschiedliche Verlage und Zeitschriften haben in ihr Anzeigen geschaltet.

1994 - "Verfassungsschützer im Dienst verfassungsfeindlicher Umtriebe"

1994 brachte Bohlinger selbst eine Schrift heraus unter dem gegenwärtig noch viel aktueller als damals klingenden Titel "Verfassungshüter oder Tyrannenknechte? Verfassungsschützer im Dienst verfassungsfeindlicher Umtriebe".

Abb. 6: 2003 erschienen

1995 fragte er in einer Schrift "Ist die Freimaurerei eine nach Art. 9 II GG. verbotene Vereinigung?" Eine wohl nicht unberechtigte Fragestellung, angesichts etwa der zahlreichen Freimaurermorde, für die es inzwischen viele Indizien gibt, die durch entsprechende Ideologien motiviert werden, und zu denen wohl auch die bedeutendsten rechtsradikalen Morde der frühen Weimarer Republik an Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Matthias Erzberger und Walter Rathenau gehören. Auch brachte Bohlinger ein "Gutachten zur Eignung der Philosophie Mathilde Ludendorffs als weltanschauliche Grundlage für ein freiheitlich-demokratisch-rechtstaaatliches Gemeinschaftsleben" heraus. Auch dieses wäre eventuell hier auf dem Blog noch einmal zu behandeln. Deuten sich doch schon im Titel Kern-Fragestellungen dieses Blogs selbst an.

2004 - Erich und Mathilde Ludendorff im Dritten Reich

Im Oktober 2004 brachte Roland Bohlinger eine Dokumentation heraus, die einen wichtigen Beitrag leistet zum Verständnis der bis heute in der Wissenschaft noch wenig behandelten Biographien Erich und Mathilde Ludendorffs während des Dritten Reiches. Hier auf dem Blog wurde schon auf Inhalte dieser Dokumentation (StgNat2013) verwiesen (im verlinkten Blogbeitrag im dortigen "Nachtrag").

Letzte Lebensjahre und Tod

Im Juli 2005 berichtete Roland Bohlinger von einer erneuten Hausdurchsuchung. Verlagsrundbriefe erschienen, soweit übersehbar, bis Juli 2008. Über seinen Tod erhalten wir auf Anfrage aus dem Familienkreis die Auskunft:

Er hatte wohl einen Schlaganfall, und den sogar noch leicht verschleppt wie er halt war. Zwei Tage wußte er um seinen Zustand, hat nur mit seinen engsten Vertrauten gesprochen, dann seine Bettruhe nicht eingehalten. Meine Meinung und mein Gefühl sagt mir, er hätte leicht zehn Jahre mehr leben können.

Ein Manfred Heinemann schreibt in einem Nachruf (1):

Was mich ganz besonders schmerzt, ist, daß mit seinem vorzeitigen Weggang auch seine weitere geistige Einflußnahme durch direkte Kontakte zu führenden Kreisen in Rußland und China ein jähes Ende gefunden hat, die einsetzte, als dort das von ihm ab 1978 herausgegebene und durch einen zweiten Teil ergänzte Buch von Eustace Mullins aus dem Jahre 1954, "Die Bankierverschwörung - Die Machtergreifung der Hochfinanz und ihre Folgen", rezipiert wurde.
Insbesondere seine letzten Lebensjahre waren wohl auch von körperlichen und psychischen Erkrankungen seiner selbst und von Familienangehörigen mitbestimmt. Er war zum Beispiel der Meinung, daß mehrere Giftmordanschläge auf ihn ausgeübt worden seien, daß er diese nur mit knapper Not überlebt hätte und daß an ihren Folgen seine Lebensgefährtin und er selbst leiden würden.

Abb. 7: Roland Bohlinger, 1. Dezember 2012

Wenn man sich umhört, erfährt man schnell, daß Roland Bohlinger Zeit seines Lebens nicht "unumstritten" war innerhalb und außerhalb der Ludendorff-Bewegung. Dieser Umstand rührt schon allein daher, daß von demjenigen, der etwas öffentlich tut, leichter Fehler erkennbar und sichtbar werden, als von demjenigen, der weniger tut und auch weniger öffentlich tut. Hier zu einer abschließenden, einigermaßen gerechten Einordnung zu kommen, dürfte - wie in vielen vergleichbaren Fällen - sicherlich ein keineswegs leichtes Unterfangen sein. Dieser Beitrag vermißt sich nicht, zu einer solchen Einordnung überhaupt kommen zu wollen. An dieser Stelle seien diese Dinge deshalb auch nur angedeutet.

Soweit derzeit übersehbar und absehbar, wird es wohl eine so umfangreiche Verlagstätigkeit aus der Ludendorff-Bewegung heraus, wie sie spätestens seit 1927 einsetzte, nach dem Tod Roland Bohlingers nicht mehr geben. Auch aus diesem Umstand kann abgeleitet werden, wie das Wirken von Roland Bohlinger eingeordnet werden könnte.

Zwischen etwa 1980 und 2001 hatte ja auch Hintergrundpolitik-Kritik, wie sie von Roland Bohlinger vertreten worden ist, einen viel schwereren, sozusagen "einsameren" Stand, als heute, nachdem mit Internet, der 9/11-Wahrheitsbewegung, dem deutlich angewachsenen "investigativen Journalismus", der "Infokriegerbewegung", mit Kevin MacDonald, mit der Sarrazin-Debatte und so vielen anderen, ähnlichen und parallelen Entwicklungen der von Roland Bohlinger abgegebene Stab schon längst weit über die von ihm durchmessene Strecke hinaus getragen worden ist.

Die Zukunft baut auf der Vergangenheit auf. Letztere zu kennen, ist darum wichtig. Und deshalb dürfte auch die zusammenfassende Dokumentation eines solchen Lebens wie das von Roland Bohlinger und auch die weitergehende Beschäftigung sinnvoll sein.

Der Verfasser dieser Zeilen jedenfalls verdankt den Verlagsprodukten - wie wohl erkennbar geworden sein sollte - viele wertvolle Anregungen, die auf vorher unbeachtete Themen aufmerksam machen, und die zu weiterer geistiger Auseinandersetzung mit diesen herausfordern.

/ Entwurf: 27.3.2013 /

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*) Der vorliegende Beitrag ist 2013 erstmals veröffentlicht worden und ist für eine Neuveröffentlichung am 26.4.2026 leicht überarbeitet worden. 

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  1. Heinemann, Manfred: Nachruf auf Roland Bohlinger. Sonnenberg, 19.3.2013. Auf: Hinter den Kulissen, 23.3.2013 
  2. Mullins, Eustace: Die Bankierverschwörung. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Wobbenbüll 1980, 1987, 1990 (269 S.)
  3. Rullmann, Hans Peter: Der Fall Demjanjuk. Zur Beweislage und zu den Hintergründen des Prozesses in Jerusalem. Mit Beiträgen von Helmut Wild. Verlag Helmut Wild, Sonnenbühl; Lizenzausgabe: Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1987
  4. Schröcke, Helmut: Germanen - Slawen. Vor- und Frühgeschichte des ostgermanischen Raumes. Nordfriesische Verlagsanstalt, Viöl 1996; Panorama, Wiesbaden 1999, 2000 (2. Aufl.); Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1999 (2. erweiterte Aufl., 466 S.); u.d.T. "Indogermanen, Germanen, Slawen - Ihre Wurzeln im mittel-osteuropäischen Raum" Orion-Heimreiter-Verlag 2003; u.d.T. "Die Vorgeschichte des deutschen Volkes - Indogermanen, Germanen, Slawen" Grabert-Verlag, Tübingen 2009
  5. Eibicht, Rolf-Josef (Hg.): Unterdrückung und Verfolgung Deutscher Patrioten. Gesinnungsdiktatur in Deutschland? Hutten-Verlag, Viöl 1997
  6. Schröcke, Helmut: Kriegsursachen und Kriegsschuld des Zweiten Weltkrieges. Zusammenfassung des Wissensstandes. Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 2000 (2. überarbeitete Aufl., 3. Aufl.)
  7. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des Deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Zusammengestellt von E. Meinecke. Verlag Freiland, Süderbrarup 2004
  8. Darwin, Randolph Charles: Die Entwicklung des Priestertums und der Priesterreiche. Oder Schamanen, Wundertäter und Gottmenschen als Beherrscher der Welt. Ein Warnruf an alle freiheitliebenden Völker. Verlag für ganzheitliche Forschung, Husum/Wobbenbüll 1979 (416 S.) (Faksimiledruck der Ausgabe von 1929)
  9. Scherr, Johannes: Germania. Zwei Jahrtausende deutschen Lebens. Kulturgeschichtlich geschildert. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Husum 1980 (370 S.); Struckum 1987 (490 S.) (Nachdruck der Ausgabe von 1905)
  10. Wichtl, Friedrich; Schneider, Robert: Weltfreimaurerei - Weltrevolution - Weltrepublik. Verlag für ganzheitliche Forschung, 1981 (Reprint der 13. Aufl. von 1936)
  11. Heise, Karl: Entente-Freimaurerei und Weltkrieg. Ein Beitrag zur Geschichte des Weltkrieges und zum Verständnis der wahren Freimaurerei. (Nachdruck d. 3. Aufl. von 1920) Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Wobbenbüll 1982; Stuckum 1991 (2. Aufl.)
  12. Solonewitsch, Iwan: Im Feuerofen. Eine Chronik aus Sowjetrußland. Erster Teil: Im Zwangsarbeitslager 1933. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Wobbenbüll 1982 (Faksimile der 1937 unter dem Titel "Die Verlorenen" erschienenen Ausgabe)
  13. Lechler, Jörg: 5000 Jahre Deutschland. Germanisches Leben in 700 Bildern. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur. Struckum 1983 (Unveränderter Nachdruck der 1937 erschienenen 2. Auflage)
  14. Reinerth, Hans: Vorgeschichte der deutschen Stämme. Germanische Tat und Kultur auf deutschem Boden. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur. Struckum. Band 1: Ur- und Westgermanen, 1986; Band 2: Westgermanen, 1987; Band 3: Ostgermanen 
  15. Lück, Kurt: Deutsche Aufbaukräfte in der Entwicklung Polens. Forschungen zur deutsch-polnischen Nachbarschaft im ostmitteleuropäischen Raum. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1990 (Nachdruck der Ausgabe von 1934) 
  16. Sargant, William: Die Seelenwäscher. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl, 1991
  17. Kulturevolution. Titel-Liste der Verlagsauslieferung Bohlinger, Viöl o.J. [2004] (Scribd)
  18. Bohlinger, Roland; Soyka, Walther: Der Rechtsweg. Dokumentenreihe aus dem Archiv für biologische Sicherheit, Nr. 4 vom 22.11.1977, 1978, 1979
  19. Bohlinger, Roland: Der Mülheim-Kärlich-Prozeß. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Struckum 1982
  20. Bohlinger, Roland; Ney, Johannes P.: Gutachten zur Frage der Echtheit des sogenannten Wannsee-Protokolls und der dazugehörigen Schriftstücke. Verlag für ganzheitliche Forschung und Kultur, Viöl 1992; 1994 (2. erweiterte Auflage) 
  21. Bohlinger, Roland: Verfassungshüter oder Tyrannenknechte? Verfassungsschützer im Dienst verfassungsfeindlicher Umtriebe. Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1994
  22. Bohlinger, Roland: Ist die Freimaurerei eine nach Art. 9 II GG. verbotene Vereinigung? Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1995, 1996 (48 S.)
  23. Bohlinger, Roland: Gutachten zur Eignung der Philosophie Mathilde Ludendorffs als weltanschauliche Grundlage für ein freiheitlich-demokratisch-rechtstaaatliches Gemeinschaftsleben. o.J. o.O.
  24. Bohlinger, Roland: Der Prozeß gegen Roland und Dietrich Bohlinger wegen Nachdruck des Buches "Jüdischer Imperialismus". Institut für ganzheitliche Forschung, Viöl 2005 
  25. Scheiwein, Karl; Freundeskreis Roland Bohlinger: Der Freiheit eine Gasse. Ein Leben für Freiheit, Wahrheit und Recht. Freundeskreis Roland Bohlinger, Viöl 2003 (32 S.)
  26. Privates Ludendorff-Archiv des Verfassers
  27. Versandbuchhandlung Bohlinger: Verzeichnis 1979 (40 S.)
  28. Versandbuchhandlung Bohlinger: Verzeichnis 1980 (56 S.)  
  29. Bohlinger, Roland: Bericht über die Massenklagen gegen Atomkraftwerke vom 4. 10. 1977. In: Gerechtigkeit und Freiheit. Zeitschrift für völkische Fragen. Offizielles Organ "Weltbund der Völkischen". September 1977 (Hrsg. von Albrecht Müller, verantwortlicher Redakteur: Eberhard Engelhardt)
  30. Bohlinger, Roland: Kernpunkte 3/1979: Krebs aus dem Atomkraftwerk?
  31. Bohlinger, Roland; Soyka, Walther: Der Rechtsweg. Dokumentenreihe aus dem Archiv für biologische Sicherheit, Nr. 6 vom 17.4.1980
  32. Bohlinger, Roland; Soyka, Walther: Der Rechtsweg. Dokumentenreihe aus dem Archiv für biologische Sicherheit, Nr. 7 vom 20.9.1980
  33. Engelhardt, Eberhard: Untersagung. In: MuM, 23.4.1979, S. 382f [Aufkündigung seiner Unterstütztung von Walther Soyka und Roland Bohlinger] 
  34. Bohlinger, Roland: Schiller - der Dichter und Philosoph. In: Quell, 9.5.1959, S. 408 - 416
  35. Bohlinger, Roland:  Unser großer Führer. In: Mensch & Maß, Folge 3, 9.2.1971, S. 109 - 122 [ausführlich über Mao Tse-tung]
  36. Bohlinger, Roland: Jungsozialistische Edelmenschen. In: Mensch & Maß, Folge 5, 9.3.1971, S. 193 - 198 [Studentenbewegung und Gewalttätigkeit]
  37. Bohlinger, Roland; Engelhardt, Eberhard; Soyka, Walther: Werbeschrift und Spendenaufruf für den "Forum Humanum-Klägerverband" und das "Institut für biologische Sicherheit". Wobbenbüll, undatiert, etwa Mai 1978 (24 S.) (Titelseite: "Gespräch zwischen Rechtsanwalt Eberhard Engelhardt und Roland Bohlinger"; Beilage: 8-seitiger Werbebrief von Eberhard Engelhardt)

Sonntag, 10. März 2013

Ludendorff-Verehrung zwischen "Kunst, Kitsch und Krempel"

Eine Zusammenstellung sehr verschiedenartiger Geschichtszeugnisse

"Kunst, Kitsch oder Krempel", so heißt im Jahr 2013 eine beliebte Radio- und Fernsehserie des "Mitteldeutschen Rundfunks" (MDR). Produziert wird sie in Zusammenarbeit mit Kunsthistorikern. Wie bei Angehörigen regierender Herrscherhäuser oder bei Politikern wie Otto von Bismarck (6), Paul von Hindenburg, des "roten Barons" (von Richthofen) und so vieler anderer Größen und vermeintlicher Größen des politischen Lebens, des Kulturlebens oder auch von sogenannten "Stars und Sternchen" wurde der Verehrung Erich Ludendorffs ab 1914 in allen Bereichen der Sachkultur zwischen "Kunst, Kitsch und Krempel" Ausdruck verliehen. Im Forschungsbereich der Sachkulturforschung werden solche Geschichtszeugnisse nach Qualität und Quantität des Auftretens erforscht.

Als ein Maßstab des Erhaltenswürdigen mag gelten, daß im Jahr 1990 im "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" eine Übersicht gegeben wurde über die "Bestände des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe)". Es stellte noch 1945 für interessierte sowjetische Offiziere seine Fülle von "Kult und Kitsch um den Reichsgründer" aus. Und seine Bestände sind gleich nach der Wende noch im Jahr 1990 erneut der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden (6).

Abb. 1: Postkarte "Der Befreier des Ostens" (Herbst 1914)

Es gibt wohl keinen sachlichen Grund dafür, daß sich ein von Erich und Mathilde Ludendorff testamentarisch vorgesehenes Ludendorff-Archiv in Tutzing, das bis heute fortbesteht, und das im Sinne von Mathilde Ludendorff ganz genauso arbeiten sollte wie etwa das Schopenhauer-Archiv in Frankfurt am Main (dessen Arbeit sie ausdrücklich große Achtung entgegenbrachte), nicht ähnliche Aufgaben stellen könnte wie eine solche, die sich im Jahr 1990 der "Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR" stellte, um eine Dokumentation zusammenzustellen zu "Kult und Kitsch rund um den Reichsgründer".

In dem damaligen Band sind dokumentiert die hölzerne Wiege Bismarcks (6, S. 16), es sind Stühle, Schreibtische, Wohnschränke aus dem Besitz Otto von Bismarcks dokumentiert (6, S. 18, 64f, 98f), es ist sein Arbeitszimmer dokumentiert (6, S. 76), es ist seine Aktentasche dokumentiert (6, S. 27), seine Zigarrentasche (6, S. 33), seine Uniform aus der Schlacht von Königgrätz (6, S. 34), die Schreibfeder, mit der er 1871 den Friedensvertrag mit Frankreich unterzeichnete (6, S. 39). Es sind völkerkundliche Geschenke von Forschungsreisenden aus Afrika dokumentiert (6, S. 81-84), es sind sogar Hundehalsbänder und -freßnäpfchen dokumentiert (6, S. 118). Damit sollen nur einige wenige Beispiele herausgegriffen sind. Es sind auch unzählige zeitgenössische Postkarten dokumentiert mit Fotografien und Zeichnungen von Bismarck und seiner Welt oder mit huldigenden Gedichten auf Otto von Bismarck und seine Taten.

Abb. 2: Postkarte - Die Schlacht an den Masurischen Seen, September 1914

So mag es denn auch nicht ganz nutzlos sein - nachdem in einem früheren Beitrag hier auf dem Blog "Erich Ludendorff im Künstlerportrait" behandelt worden ist - Zeugnisse für die Behandlung Erich Ludendorffs in einem solchen angrenzenden Bereich zusammenzustellen, der eher im Bereich der Trivialkultur angesiedelt ist oder in dem die Übergänge vom einen Bereich zum anderen fließende sein können. Also Darstellungen, bei denen - unter anderem infolge nicht ganz so großer künstlerischer Begabung oder Anspruchshaltung - die Übergänge zum Bereich des Kitsches oder gar des Krempels fließende sind. Auch in diesen Geschichtsdokumenten spiegelt sich ein "Geist der Zeit" wieder. Auch diese Zeugnisse werden ja regelmäßig von Archiven gesammelt, dokumentiert und bearbeitet. Sie können dann auch von dem Historiker zu einer Gesamtbeurteilung mit herangezogen werden. Untersuchungen zum "Kult" rund um Otto von Bismarck oder um Paul von Hindenburg gibt es schon vergleichsweise zahlreiche (z.B.: 1, 6). Parallele über den diesbezüglich ein wenig im Hintergrund stehenden Erich Ludendorff stehen - wie in anderen Bereichen - aus.

Anlaß genug, einen Anfang mit der vorliegenden Zusammenstellung zu machen.

1914 - Ludendorff, der Befreier des Ostens

Die Abbildung 1 scheint schon im Herbst 1914 veröffentlicht worden zu sein. Es handelt sich um eine Postkarte, betitelt "Der Befreier des Ostens". Diese Postkarte wurde in mehreren Varianten heraus gebracht.

Abb. 3: "General v. Ludendorff - Generalstabschef in Hindenburgs Armee - Der Sieger von Lodz" (November/Dezember 1914)

Auf der wohl früheren Variante steht in der Mitte ein noch vergleichsweise junger "Hindenburg". Er ist umrahmt von dem deutschen Kaiser links und von dem österreichischen Kaiser rechts.

Im Vordergrund liegt der russische Bär, den es zu erlegen gilt. Rundherum sind östliche Grenzfestungen und Garnisonsstädte des Deutschen Reiches angedeutet: Königsberg, Posen, Breslau, Graudenz, Thorn. Der Künstler erwartete wohl, daß sie standhalten würden in Flut der russischen Armeen, die immer noch bedrohlich im östlichen Ostpreußen und an der Ostgrenzen Schlesiens standen. In einigen von ihnen war zeitweise auch das deutsche Armeeoberkommando stationiert, so in Breslau und in Posen.


Abb. 4: Kosaken - Mordbrenner in Ostpreußen (1914)

In späteren Varianten dieser Postkarte aus Abbildung 1 ist der russische Bär schon durch zahlreiche Lanzen blutig zur Strecke gebracht. Der in der Mitte stehende Hindenburg ähnelt nun auch schon deutlich mehr jenem alten Hindenburg, der er tatsächlich war. 

Die Postkarte in Abbildung 3 bezieht sich auf die "Schlacht um Lodz" (Wiki), die zwischen dem 11. November und dem 5. Dezember 1914 stattfand. Die Künstlersignatur unten rechts ist schwer entzifferbar.

In Abbildung 4 findet sich eine bunt bedruckte Blechdose. Die darauf abgebildeten russischen Kosaken sind jene "Mordbrenner", von denen Ludendorff Ostpreußen mit seiner Schlacht von Tannenberg wieder befreite.

In den frühen Produktionen zur Ludendorff-Verehrung Ende 1914, Anfang 1915 wird Erich Ludendorff häufig irrtümlich der Adelstitel zugesprochen. Seine Mutter stammte zwar aus der Berliner Familie von Tempelhoff. Aber sein Vater trug nur den bürgerlichen Namen Ludendorff.

1915 - "Nach der Großen Winterschlacht" 

Abb. 5: Hindenburg und Ludendorff nach der großen Winterschlacht, 1915

Die Postkarte der Abbildung 5 ist, wie der Rückseite zu entnehmen ist, Teil einer vierteiligen Serie mit dem Titel "Das Hindenburg-Geheimnis". Die hier vorliegende ist die vierte mit dem Titel: "Hindenburg und Ludendorff nach der großen Winterschlacht". Bei dem Schloß im Hintergrund handelt es sich wohl um das Schloß von Lötzen (?) in Ostpreußen.


Abb. 6: Herbert Rothgaengel - Nach der Winterschlacht in Masuren, Februar 1915

Abbildung 6 zeigt Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff im offenen Automobil sitzend nach der Winterschlacht in Masuren umjubelt von Soldaten. Künstler ist Herbert Rothgaengel, der 1919 noch das eindrucksvolle Werk "Ludendorff und Hindenburg vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß" schuf (Stud. Nat. 01/2012). Ein weiteres Beispiel ist eine Illustration von Alfred Liebing in "Leipzig Illustrirte Zeitung", 1915 vom Empfang von Friedrich II., dem Großherzog von Baden, durch Hindenburg und Ludendorff auf dem Bahnhof Lötzen (Alamy).

Sommer 1915 - "So stürmt bis Warschau man heran"

Abb. 7: Die Ostwacht (1916)

Auf einer Postkarte des Jahres 1915 (bzw. 1916) wurde folgendes Gedicht verbreitet (Abb. 7):

Die Ostwacht
Dem Hindenburg sein' rechte Hand
Ist Ludendorff, wie uns bekannt,
Dess' Kriegsführung als große Kunst
Erwarb die allerhöchste Gunst.

Der Ludendorffsche Feldzugsplan
Hat es den Russen angetan;
Er zwang sie immer dort zur Schlacht;
Wo Vorteil man für uns erdacht.

So stürmt bis Warschau man heran,
Zog langsam sich zurück alsdann;
Damit der Russ' bis dorthin ging,
Wo tausendweise man ihn fing.

Ein' bessern Chef des Stabs als er
Find' Hindenburg so leicht nicht mehr;
Drum sei ganz Deutschland jederzeit
Dem Ludendorff zu Dank bereit.

P. Rößler.

Der hier erwähnte Vorstoß bis Warschau bezog sich auf die Bug-Offensive (Wiki) des Sommers 1915. Die Postkarte stammt aus einer Serie mit dem Titel  "Erinnerung an große Zeit". Der Maler ist der in Slawonien geborenen Genre- und Porträtmaler Toni Áron (1859-1920) (a). Er ist offenbar jüdischer Herkunft. Eines seiner gelungeren Werke war "Die schöne Coletta" (a) von 1885.

1915 - Umjubelt von siegreichen Soldaten

Der Münchner Karikaturist und Illustrator Ernst Schlemo (1869-?) hat schon um die Jahrhundertwende heitere Karikaturen veröffentlicht im Stil des "Simplizissimus" und sich darin über den "preußischen Militarismus" lustig gemacht. Ansonsten hat er "lustige Szenen" aus dem bayerischen Volksleben illustriert, zum Teil äußerst flach und derbe, bzw. auch sehr anzüglich.

Abb. 8: von Mackensen, von Hindenburg und Erich Ludendorff zu Pferde, umjubelt von siegreichen Soldaten
Illustration von Ernst Schlemo, 1915
(gelaufen 1.1.1916)

Die wenigen derzeit im Internet erreichbaren Karikaturen und Illustrationen von Ernst Schlemo aus der Zeit des Ersten Weltkrieges machen im Vergleich zu seinem Vorkriegsschaffen den Eindruck des "Geläuterten", sie sind ernst und würdig. So etwa eine Illustration "Kavallerist hilft seinem verwundeten Kameraden vom Schlachtfeld", die sicher der von ihm illustrierten Schrift "Kameraden" von 1916 entnommen ist.

Schlemo stellte Hindenburg und Ludendorff zu Pferde dar. Daß Hindenburg während des Krieges aber nie geritten ist, daß deshalb also auch dieses Gemälde historisch falsch ist, darauf wies Erich Ludendorff 1919 den Schriftsteller Paul Lindenberg hin (siehe unten).

Am 19. August 1915 besichtigte Kaiser Wilhelm II. die kurz zuvor eroberte russische Festung Nowo-Georgiewsk. Bei diesem Frontbesuch anwesend zu sein, wurde auch Ludendorff und Hindenburg befohlen.

Abb. 9: Postkarte "General Ludendorff nach Originalaufnahme von N. Perscheid" (zu dem Fotografen Perscheid vergleiche einen anderen Blogartikel)

Auch gibt es eine scharfe politische Karikatur aus dem Jahr 1914 von Ernst Schlemo, in der ein dicker hässlicher englischer Gentleman, umgeben von Totenköpfen und Geldsäcken, gegürtet mit "Dumdum"-Geschossen, die Bibel in der Hand auf "Humanität!", "Völkerrechte!" und "Freiheit!" herum trampelt, während hinter ihm die "Wahrheit" an einen Pfahl gefesselt ist. So sah man damals in Deutschland die Heuchelei und Geldgier des Kriegsgegners England. 


Abb. 10: "Generalleutnant von Ludendorff", 1915

19. August 1915 - Die Einnahme von Nowo-Georgiewsk

Am 19. August 1915 wurde eine der letzten Gürtelfestungen der Weltgeschichte nördlich von Warschau von den Deutschen eingenommen nachdem sie mit schwerer Artillerie sturmreif geschossen war. Über die Belagerung von Nowo-Georgiewsk gibt es auch einen eigenen Wikipedia-Artikel (Wiki). Kaiser Wilhelm II. war nach der Einnahme gleich zur Stelle und befahlt auch Hindenburg und Ludendorff dorthin. Von diesem Geschehen hat der Kriegsmaler Ernst Zimmer ein Gemälde geschaffen.

Abb. 11: Ernst Zimmer: "Der Kaiser verleiht den Helden von Nowo-Georgiewsk das Eiserne Kreuz" (19. August 1915)

Der Kaiser telegrafierte damals an den Reichskanzler Bethmann-Hollweg:

Dank dem gnädigen Beistand Gottes und der bewährten Führung des Eroberers von Antwerpen, Generals v. Beseler, sowie der heldenhaften Tapferkeit unserer prächtigen Truppen und der vortrefflichen deutschen und österreichisch-ungarischen Belagerungsarmee ist die stärkste und modernste russische Festung, Nowo-Georgiewsk, unser. Tief ergriffen habe ich eben Meinen braven Truppen Meinen Dank ausgesprochen, sie waren in prachtvoller Stimmung. Eiserne Kreuze ausgeteilt. Alles Landwehr und Landsturm. Es ist eine der schönsten Waffentaten der Armee. Die Zitadelle brennt, lange Kolonnen Gefangener begegneten Mir auf Hin- und Rückfahrt. Dörfer meist von Russen auf Rückzug total zerstört. Es war ein erhabener Tag, für den ich in Demut Gott danke.

Erich Ludendorff dachte, wie in unserem Blogbeitrag über das Jahr 1915 dargestellt, über dieses zwar - äußerlich erfolgreiche - militärische "Wursteln" der zweiten Obersten Heeresleitung anders. Er sah nur, dass die russische Armee durch solche Erfolge eben immer noch nicht vernichtet und Russland immer noch nicht friedenswillig war. Und das angesichts des schweren Ringens mit Frankreich und England an der Westfront. Das Gemälde von Ernst Zimmer findet sich auch auf dem Wikipedia-Artikel "Liste von Gemälden und Grafiken zum Ersten Weltkrieg" (Wiki). Über Ernst Zimmer (1864-1924) ist zu erfahren (AntikBayreuth):

Ernst Zimmer erlangte als Deutscher Schlachtenmaler des 1. Weltkrieges große Berühmtheit.

Seine Bilder muten allerdings ziemlich kitschig an und gehören für uns daher eher in die Kategorie "Kunst, Kitsch und Krempel", eine Kategorie, die aber nichtsdestotrotz für die öffentliche Wahrnehmung Erich Ludendorffs von Seiten der Zeitgenossen nicht vernachlässigt werden darf. Zumal für historische Vorgänge, von denen es sonst nur wenig überlieferte Fotografien zu geben scheint.

Die Szene wurde außerdem von dem Münchner Militärmaler Anton Hoffmann (1863-1938) (WikiGermanArtGallery) festgehalten.


Abb. 12: Prof. Anton Hoffmann - "Der Kaiser in Nowo-Georgiewsk"

Da im Sommer 1915 nicht - wie Ludendorff geplant hatte - ein entscheidender Schlag gegen Russland geführt wurde, sondern die russischen Armeen nur auf breiter Front zurück gedrängt wurden, war für Ludendorff die Einnahme von Nowo-Georgiewsk nur von untergeordneter Bedeutung. In der Öffentlichkeit hingegen erregte sie großes Aufsehen.

September 1915 - Eroberung Wilnas

Abb. 13: "Wilna erobert am 19. September 1915", zeitgenössische Postkarte

In einer zeitgenössischen Postkarte wird der Eroberung Wilnas durch die deutschen Truppen am 19. September 1915 gedacht. Als verantwortliche Heerführer werden abgebildet, eingebettet in Eichlaub: Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg in der Mitte, umgeben von fünf Generälen: ???, von Scholtz, Litzmann, Hermann von Eichhorn, v. Gallwitz.


Abb. 14: Hindenburg und Ludendorff begrüßen einen Besucher ihres Hauptquartiers - wohl einen deutschen Landesfürsten - auf dem Bahnhof in Lötzen (Künstler: Liebing)

Von Begrüßungsszenen auf dem Bahnhof in Lötzen haben sich auch viele Fotografien erhalten.

Abb. 15: "Nach dem Originalgemälde des Hofmalers Artur Fischer, Berlin" ("Aus großer Zeit", Kunstblätter) (Postkarte)

Abbildung 15 ist die Postkarten-Reproduktion eines Gemäldes von Arthur Fischer (1872-1948) (Wiki). Zu sehen sind von rechts nach links Kaiser Wilhelm II., Hindenburg und Ludendorff zu Pferde, ganz links Mackensen. Daß Hindenburg während des Krieges nie geritten ist, dieses Gemälde also historisch falsch ist, darauf wies Erich Ludendorff 1919 den Schriftsteller Paul Lindenberg hin (siehe unten).


Abb. 16: H. Ulmer - Ludendorff ("Wir machen's.") Postkarte aus dem Jahr 1915

Von dem Künstler H. Ulmer gibt es ähnliche Postkarten von dem Kronprinzen Rupprecht von Bayern, von Tirpitz, Mackensen, Kluck, Bülow, Herzog Albrecht, Erzherzog Friedrich, Zeppelin.

Abb. 17: Künstler und Jahr unbekannt (wohl 1915)
Ab Mitte März 1915 - In Lötzen

Abb. 18: Tafelrunde in Lötzen - Arnold Busch - 1916

Die Zeichnung in Abbildung 18 stammt von dem niedersächsischen Maler und Zeichner Arnold Busch (1876-1951) (Wiki). Über ihn heißt es auf Wikipedia:

1901 erhielt er einen Lehrauftrag an der Königlichen Kunst- und Gewerbeschule in Breslau, die ihm 1912 den Professorentitel verlieh. Im Januar 1915 wurde er zum Armee-Oberkommando als Kriegsmaler abkommandiert. Die folgenden drei Jahre verbrachte er hauptsächlich an der Ostfront in verschiedenen Stabsquartieren. Die Briefe, die er in dieser Zeit an seine Frau in Breslau schrieb, werden in der Stuttgarter Bibliothek für Zeitgeschichte aufbewahrt. 1918 kaufte er ein Haus in Falkenhain in der Nähe von Altheide-Bad.

Das liegt im Grazer Ländchen in Schlesien. Weiter:

Dort lebte er mit seiner Familie bis 1946. Nach der Niederlage Deutschlands im Zweiten Weltkrieg mußte er das Haus in Falkenhain verlassen. Er zog nach Cismar, in der Nähe des Ostseebades Grömitz an der Küste der Lübecker Bucht, wo er 1951 starb.  Busch malte überwiegend Landschaften und Porträts (z. B. Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff (1916) und Joseph Goebbels (1937)) und er beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen in Breslau, Berlin, Hamburg, Dortmund und Wien. Er war außerdem Mitglied des Künstlerbundes Schlesien bis zu dessen Auflösung 1936.

In Abb. 18 ist rechts vorne - wohl - Erich Ludendorff dargestellt. Dahinter Max Hoffmann. Ganz links Hindenburg. Von dieser oder einer ähnlichen Szene gibt es auch mindestens eine Fotografie. Diese abendlichen Gesprächsrunden hatten sich schon im November 1914 im Königlichen Schloß in Posen herausgebildet. Erich Ludendorff berichtet darüber (7, S. 87):

Im Schloß zu Posen entwickelte sich beim Stab ein harmonisches Leben, wir waren zusammengeschweißt durch gemeinsam getragene Sorgen, wie durch gemeinsam erworbenen Ruhm. Es bildete sich die Gewohnheit heraus, daß wir nach dem Abendessen noch eine Zeitlang zusammenblieben. Wir saßen dann um einen runden Tisch, auf dem eine Fächerpalme stand, ein Geschenk Ihrer Majestät, unserer Kaiserin, einer wahrhaft deutschen Frau, deren ich stets in tiefster Verehrung gedenke. Für mich war die kurze Stunde eine Zeit der Ruhe in der fast erdrückenden Arbeit dieser vier Kriegsmonate.


Abb. 19: Die Wacht im Osten

Während des Ersten Weltkrieges war das "Dioskuren-Paar" Ludendorff und Hindenburg zunächst "Die Wacht im Osten". Also solche sind beide in vielen Abbildungen dargestellt worden.

Abb. 20: Hindenburg und Ludendorff, 1916

Die Zeichnung aus Abbildung 20 stammt von einem E. Fröhlich. Es gibt sie auch in kolorierter Fassung (Abb. 21).


Abb. 21: Hindenburg und Ludendorff


Abb. 22: Continental-Kautschuk-Werke Hannover

Angaben zu dem Künstler von Abbildung 22 sind nicht bekannt, ebenso wenig zum Zeitpunkt der Entstehung.

Nach dem 30. August 1916

Am 30. August 1916 wurden Hindenburg und Ludendorff in die Oberste Heeresleitung berufen, letzterer mit dem Titel "Erster Generalquartiermeister".


Abb.: Arnold Busch
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Abb. 23: "General der Infanterie Ludendorff, der neuernannte Erste Generalquartiermeister - Zeichnung von Prof. Arnold Busch, Hauptquartier Ost, April 1916

"Der neuernannte Erste Generalquartiermeister" wurde eine Portrait-Zeichnung Ludendorffs im Herbst 1916 untertitelt, die von Arnold Busch stammt. Darüber schreibt Johannes Ziganek-Gaviria (Dorotheum):

Vorliegende Komposition steht im Zusammenhang mit einem Ludendorff Portrait, welches unter dem Titel "Aus der Reihe Bildnisse aus dem Großen Kiege" im Verlag der Photographischen Gesellschaft, Berlin-Charlottenburg in der Zwischenkriegszeit erschien. Busch arbeitete 1916 im Hauptquartier Ost als Kriegsmaler und portraitierte alle wichtigen Kommandanten der Kaiserlichen Armee im 1. Weltkrieg.
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Abb. 24: A. Jarosy - Hindenburg, der Kaiser und Ludendorff in Pleß (Blatt aus einer Zeitschrift)
nach einer Fotografie vom 8.1.1917

J. Jarosy war ein Buchillustrator ("Der Bürgermeister von Lübeck", 1910) und Porträtmaler. Von ihm gibt es auch eine Illustration "Winterschlacht".


Abb. 25: "Hindenburg und Ludendorff im Großen Hauptquartier", Künstler unbekannt (Blatt aus einer Zeitschrift)
...

Abb. 26: Erich Ludendorff (Postkarte, gelaufen im Februar 1917)
...

Aus dem Kriegsjahr 1918

Abb. 27: Oscar Gehring - Erich Ludendorff, 1918

Von dem Zeichner Oscar Gehrig (1890-1948) (Wiki) gibt es ein Hindenburg-Portrait aus dem Jahr 1917 und ein ähnlich gestaltetes Ludendorff-Porträt aus dem Jahr 1918 (Abb. 27). Gehring ist in späteren Jahren mehr als Zeichenlehrer und Kunsthistoriker denn als Künstler tätig gewesen.


Werbemarken

Abb. 28: Reklamemarke

Während des Ersten Weltkrieges fand sich das Konterfei Ludendorffs auch auf Reklame- und Werbemarken (Abb. 28 und 29).


Abb. 29: Werbemarke
August 1918 - Ludendorff in der britischen Kriegspropaganda

Erich Ludendorff fand mitunter auch Behandlung in der britischen Kriegspropaganda.

Abb. 30: Karikatur im "Punch" vom 21. August 1918

Der 8. August 1918 war für ihn der "schwarze Tag des deutschen Heeres", seit dem er nicht mehr mit einem deutschen Sieg in diesem Krieg rechnete. Die Karikatur erschien am 21. August 1918 im britischen "Punch" unter dem Titel "Vergnüglichkeiten des Oberkommandos". Sie spielt auf die riesige volkstümliche Holzfigur an, die vor dem Deutschen Reichstag in Berlin aufgestellt worden war, und in die man für Geld Nägel einschlagen konnte. Sie ist im Blick aus dem Fenster zu sehen (und war ja tatsächlich aus dem Generalstabsgebäude heraus zu sehen, wenn auch aus einem spiegelverkehrten Blickwinkel). Ludendorff fragt:

Wie geht es dem "Eisernen Hindenburg"? Sind seit unserem letzten Sieg neue Nägel eingeschlagen worden?

Hindenburg antwortet:

Mein lieber Freund, das Verdienst dafür gebe ich gerne dir. Deine Freunde sagen immer, daß ich mein Gehirn von dir habe!

Gemeint ist also: Jetzt wo es mehr Niederlagen als Siege zu verzeichnen gibt, schiebt Hindenburg die Verantwortung dafür gerne auf Ludendorff. Natürlich war auch auf der Gegenseite den kundigeren Menschen bekannt, daß Hindenburg seit 1914 nur seinen Namen gegeben hatte für die militärischen Erfolge, die allein auf das Konto von Erich Ludendorff gingen. Eine solche Verschiebung der Verantwortlichkeit sollte tatsächlich knapp zweieinhalb Monate geschehen. Am 30. Oktober 1918 wurde Erich Ludendorff in Schloß Bellevue in Berlin von Kaiser entlassen. Hindenburg bat nicht um seinen Abschied wie es Ludendorff erwartet hatte. Der Kaiser sah in Ludendorff das Haupthindernis für den Friedensschluß.

29. April 1919 - "Historisch unrichtig" - Im Krieg nie geritten

Der Kriegsberichterstatter und Schriftsteller Paul Lindenberg (1859-1943) (Wiki) besuchte am 29. April 1919 Ludendorff in Berlin und berichtet darüber in seinen Lebenserinnerungen (8, S. 196f):

Ich gebe Ludendorff einige meiner Kriegsschriften und die in großer Auflage erschienene Erzählung "Unter Hindenburgs Fahnen". Ludendorff weist auf den farbigen Umschlag hin, der Hindenburg und ihn hoch zu Roß zeigt: "Das ist historisch unrichtig. Hindenburg ist während des ganzen Feldzuges nie aufs Pferd gestiegen, ich nur sehr selten, wir machten alle Fahrten mit dem Auto."

Von dem Militärmaler Carl Röchling (1855-1920) (Wiki), der dieses Bild gemalt hat (9), ist bis heute bekannt geblieben sein Gemälde "The Germans to the Front" aus dem Jahr 1900. 

Im Hitler-Ludendorff-Prozeß (Frühjahr 1924)

Das Bild, von dem hier die Rede ist, ist allerdings im Internet derzeit nicht zugänglich. Aber in diesem Beitrag finden sich ja mehrere Abbildungen, auf denen Hindenburg und Ludendorff zu Pferde dargestellt waren, etwa oben auch von Hofmaler Arthur Fischer (1872-1948). Wahrscheinlich waren die Hof- und Kriegsmaler es aus der Vorkriegszeit einfach so gewohnt, Soldaten zu Pferde darzustellen und malten in Kriegszeiten einfach so weiter.

Abb. 31: Erich Ludendorff vor dem Gerichtshof in München, Frühjahr 1924
(Herkunft: HLB [10])

Eine Bleistiftzeichnung, entstanden während einer Rede Erich Ludendorffs vor dem Gericht in München während des Hitler-Ludendorff-Prozesses im Frühjahr 1924 stammt von Otto D. Franz (1871-1963) (Würzburg-WikiArt-Net).

1924 - "Mein Herz schlägt in heißer Sehnsucht für die Freiheit des ganzen Volkes"

Nach dem Jahr 1918 ändert sich die Aussage der der Ludendorff-Verehrung gewidmeten künstlerischen und kunsthandwerklichen Produktionen natürlich beträchtlich.

 
Abb. 32: Spruchpostkarte, 1924/25, Verlag Gladsheim, Dresden

Auf einer in Dresden hergestellten Spruch-Postkarte aus den Jahren 1924/25 (Abbildung 31) wurden Worte Erich Ludendorffs aus seiner Verteidigungsrede vor dem Volksgerichtshof in München am 29. Februar 1924 zitiert (2, S. 111; 3, S. 270). Diese Spruch-Postkarte erschien in der Zeit, als Erich Ludendorff als Reichstagsabgeordneter tätig war.

1928 wurde das Ludendorff-Portrait eines A. Bollinger veröffentlicht (s. Fotoarchiv der Süddeutschen Zeitung):

German general Erich Ludendorff (1865-1937), important german figure of ww1, painting by A. Bollinger, 1928.

1934/35 - Harald Rother

Abb. 33: Harald Rother - Zeichnung, 8. Juni 1934

Aus den Jahren 1934 und 1935 finden sich Portrait-Zeichnungen eines Harald Rother (Herkunft: Ebay, Dezember 2014). Da die erste auf den Tag genau datiert ist, könnte zumindest sie nach dem Leben entstanden sein.

Abb. 34: Harald Rother - Zeichnung, 1935

Über die Person Harald Rother ist einstweilen im Internet nichts weiter zu erfahren, auch nicht auf Google Bücher.

Abb. 35: Portraitbüste Ludendorffs, Künstlersignatur: "Sorges 4.1942"

Eine Porträtbüste Erich Ludendorffs besitzt die Künstlersignatur "Sorges 4.1942". Weiter Angaben sind zunächst nicht zu erhalten. Beschreibung: Portraitkopf Erich Ludendorffs - Gipsmasse mit grün-grauer, bronzeartiger Farbfassung. Auf der Rückseite geritzte Künstlersignatur und Datierung "Sorges 4.1942". Auf rechteckigem Sockel. An der Plinthe kleine, restaurierte Absplitterung. Höhe mit Sockel 48, 5 cm. Interessante Kriegsarbeit für die keine Bronze mehr verwendet werden durfte."

Soweit man es versteht, stand diese Portraitbüste bei Hermann Historica zum Verkauf.

- - - Fortsetzungen dieses Beitrages finden sich in den Beiträgen:
und

Ergänzungen: 17.9.15, 
um den Abschnitt, der sich 
auf Literaturangabe 6 bezieht;
17.8.2021 /
_________________________
  1. von Hoegen, Jesko: Der Held von Tannenberg. Genese und Funktion des Hindenburg-Mythos (1914 - 1934). Böhlau, 2007 (Google Bücher)
  2. Ludendorff, General: Auf dem Weg zur Feldherrnhalle. Lebenserinnerungen an die Zeit des 9. 11. 1923 mit Dokumenten in 5 Anlagen. Ludendorffs Verlag, München 1937 (1. - 54. Tsd.) (156 S.); mit Dokumenten in 6 Anlagen. 1938 (55. - 64. Tsd.) (174 S.). Faksimile-Druck der Ausgabe von 1937 in: Archiv-Edition, Verlag für ganzheitliche Forschung, Viöl 1996
  3. Ludendorff, General: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1940 (12. - 16. Tausend)
  4. Pyta, Wolfram: Paul von Hindenburg als charismatischer Führer der deutschen Nation. In: Frank Möller (Hg.): Charismatische Führer der deutschen Nation, S. 109 - 147 (Google Bücher)
  5. xyz
  6. Breitenborn, Konrad: Bismarck. Kult und Kitsch um den Reichsgründer. Aus den Beständen des früheren Bismarck-Museums in Schönhausen (Elbe) und dem Archiv der ehemaligen Stendaler Bismarck-Gesellschaft. Reprintverlag im Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1990 
  7. Ludendorff, Erich: Meine Kriegserinnerungen 1914 - 1918. Verlag Mittler & Sohn, Berlin 1919
  8. Lindenberg, Paul: Es lohnte sich, gelebt zu haben. Erinnerungen. Vorhut-Verlag Otto Schlegel, Berlin 1941 (370 S.) (GB
  9. Lindenberg, Paul: Unter Hindenburgs siegreichen Fahnen. Erzählung aus dem Weltkrieg 1914/15. Mit mehrfarbigem Umschlagbild von C. Röchling und Innenbildern von Willy Werner und A. Roloff Person. Paul Schreiter Verlag, Berlin [1918] (269 S.)  
  10. Hans-Joachim Hecker, Hitler-Ludendorff-Prozess, 1924, publiziert am 12.04.2017, in: Historisches Lexikon Bayerns, URL: <http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Hitler-Ludendorff-Prozess,_1924> (29.01.2018)

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