"Deutsche, wühlt in der Geschichte!" (Erich Ludendorff)

Samstag, 4. April 2015

Ein Ludendorff-Archiv in Südhessen?

Fritz Donges (1899-1986) - Ein Bildhauer und Ludendorff-Sympathisant

Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung um den Verbleib der sterblichen Reste des deutschen Dichters Friedrich Schiller (1759-1805) wird seit vielen Jahrzehnten geführt. Friedrich Schiller wurde nur 46 Jahre alt. Bei den Auseinandersetzungen geht es insbesondere um den Schädel von Friedrich Schiller, bzw. um die Echtheit von behaupteten "Schiller-Schädeln". Der heutige, ziemlich endgültige Forschungsstand (s. Wiki) ist, daß keiner der vielen behaupteten "Schiller-Schädel" tatsächlich Schillers Schädel ist. Schon zahlreiche Forscher auf diesem Gebiet hatten das seit vielen Jahrzehnten behauptet. Der echte Schiller-Schädel und sein Verbleib sind hingegen bis heute unbekannt.

Abb. 1: Ausstellung "Schädel-Kult" (2011)

So abwegig ist die Frage nach dem Schädel von Friedrich Schiller schon deshalb nicht, weil schon einem der engsten Freunde von Friedrich Schiller, dem Dichter Johann Wolfgang von Goethe, der Besitz des Schädels seines Freundes Friedrich Schiller wichtig gewesen ist und er darüber sogar Gedichte geschrieben hat.

Schon 2011 fragte deshalb eine Ausstellung des Reiss-Engelhorn-Museum in Mannheim - sicherlich mit mancherlei Recht - nach einem etwaigen - zudem ziemlich archaischen? - "Schädel-Kult" rund um den Schädel von Friedrich Schiller (s. Abb. 1).

Vor dem Hintergrund des heute vorhandenen Wissens rund um elitären rituellen Satanismus und der recht häufigen Bezüge zu solchem Satanismus in den Werken von Goethe (in seinem "Faust" und anderwärts) darf dieses Thema sicherlich mancherlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Unbezweifelbar ist ja, daß es in Freimaurerlogen archaische Schädelkulte gibt.

Die völkische Hintergrundpolitik-Kritikerin Mathilde Ludendorff (1877-1966) (Wiki) ist schon zwischen den Jahren 1928 bis 1936 mit der ständig erweiterten und überarbeiteten Veröffentlichung ihres Buches "Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller" der Frage nachgegangen, ob an Friedrich Schiller ein archaischer, satanischer Okkultlogenmord verübt worden ist. 

1936 erreichte ihr Buch eine Auflage von 59.000 Exemplaren. Es stellte damit einen vielfach beachteten und auch vielfach verrufenen Beitrag zur Auseinandersetzung um diese Fragen dar (1). Angeregt durch dieses Buch haben Menschen im engeren Umfeld der Ludendorff-Bewegung - Anhänger und Sympathisanten derselben - sich an der Forschung rund um den Verbleib von Schillers Schädel beteiligt. So in den 1970er Jahren der norddeutsche Arzt Dr. Henning Fikentscher. So auch der vormalige Erschaffer einer Schiller-Büste, der südhessische Bildhauer und Ludendorff-Sympathisant Fritz Donges (1899-1986) (GB) (46).

Die Arbeiten von Fritz Donges zur Schiller-Forschung sind noch in den letzten Jahren immer einmal wieder in der wissenschaftlichen Literatur angeführt worden. Joachim-Hermann Scharf von der Universität Halle-Wittenberg, ordentliches Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse der "Sächsischen Akademie der Wissenschaften", sagte im Dezember 1993 in einem Vortrag zum Thema "Wo ist Schillers Schädel?" vor eben dieser Sächsischen Akademie zu Leipzig (SAW 1993) (2):

Obwohl allen potentiellen Kontrolluntersuchern von der Regierung der DDR der Zugang zu den Schädeln verboten wurde, gelang es dem Bildhauer Fritz Donges und dem Mediziner Henning Fikentscher - Enkel des Goethe-Freundes Friedrich Christian Fikentscher - durch minutiöse Vergleiche aller Totenmasken und Schädelabgüsse festzustellen, daß sowohl der Fürstengruft- als auch der Kassengewölbe-Schädel nicht Schiller zugeordnet werden können, sondern daß der echte Schädel in Goethes privater Schädelsammlung aufbewahrt worden ist, wo er freilich bisher vergeblich gesucht wurde.
2012 wird zu einem neu erschienenen Buch berichtet (GB):
Ralf G. Jahn, genealogischer und historischer Fachberater des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) und der Klassik Stiftung Weimar bei den Fernsehdokumentationen „Der Friedrich Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, außerdem Co-Moderator beim „Goethezeitportal“, ist überzeugt, dass der echte Schädel (Schillers) noch irgendwo existiert.
Auch er bezieht sich dabei auf die Forschungen von Fritz Donges (GB, S. 40):
Der Bildhauer Donges, der sich eingehend mit den Totenmasken Schillers befaßt hat, ist der Meinung, daß weder Charlotte von Schiller noch Caroline Freifrau von Wolzogen die Genehmigung zur Kopfabformung Schillers erteilt haben können.
Und (S. 154):
1969 - 1971 - Der Bildhauer Fritz Donges kommt zu dem Ergebnis: "Beide Schädel können ... nicht Schillers Schädel sein. ..."
(Unvollständig, weil nur ein Google-Bücher-Ausschnitt.) Als Literaturangabe wird angegeben (S. 299):
F. Donges: Der Streit um Schillers Schädel. In: Mitteilungen ...

Der Tübinger Privatdozent Dr. Sigurd Wannebach erwähnt Donges in einem Offenen Brief an das Schiller-Museum in Marbach. Auch dies sei zitiert, ohne daß an dieser Stelle die Details der Schiller-Forschung weiter erörtert werden sollen. Sie wären sicherlich einen eigenen Beitrag wert (5):

Fritz Donges behauptete noch 1971: "Sie waren nur einen Nachmittag im Kassengewölbe".
Und: 
Dem widersprach erst 1971 Fritz Donges in jener Berliner Anthropologen-Zeitschrift: "Daß das Protokoll Schröter-Färber insgesamt eine glatte Fälschung ist, ergibt sich u. a. daraus, daß kein Mensch (bis zum Jahre 1935) jemals davon Kenntnis erhielt."
Und:
Erst sehr viel später, erst 1971, begriff Fritz Donges: "Schröter-Färber bekamen einen geheim zu haltenden Auftrag von höchster Staatsstelle, bei dem das Ergebnis von vornherein feststand: Das Skelett Schillers m u s s t e gefunden werden."

In dem Beitrag vorliegenden Frage soll aber die weitergehende Frage interessieren: Wer war Fritz Donges überaupt? Es soll zusammengestellt werden, was über ihn zusammen getragen werden kann insbesondere in Form von Aufsätzen, die Fritz Donges in der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Mensch und Maß" zwischen 1966 und 1980 veröffentlicht hat (8-38). Die Aufmerksamkeit weckte dieser Autor deshalb, weil er in Veröffentlichungen des Jahres 1974 sehr ähnliche Anliegen verfolgte, die auch der vorliegende Blog - noch vierzig Jahre später - verfolgt, nämlich die wissenschaftliche Aufarbeitung der Geschichte der Ludendorff-Bewegung zu ermöglichen dadurch, daß entsprechende Archivalien sichergestellt sind in einer Art "Ludendorff-Archiv". Auf diese Anliegen von Fritz Donges soll deshalb zuerst hingewiesen werden.

Donges ruft zum Aufbau eines Ludendorff-Archivs auf (1974)

In der Folge der Zeitschrift "Mensch und Maß" vom 23. September 1974 veröffentlichte Fritz Donges die folgende Anzeige (3. Umschlagseite):

Bitte an die Leser - Zum Aufbau und zur Vervollständigung meines Archivs bitte ich die M.u.M.-Leser, die wegen hohen Alters ihre Buch- und Zeitschriften-Bestände abgeben möchte, diese mir zu überlassen. (...) Das Archiv geht geordnet nach meinem Tode in sichere Hände über. Nichts geht verloren. (...) Fritz Donges, 6123 Bad König (Odw.), Berggartenstraße 17.

Drei Monate später, in der Folge vom 23. Dezember 1974, berichtet er (S. 1151) von der "Unmenge von Paketen", die bei ihm eingegangen sind:

Den meisten Einsendern habe ich gleich gedankt und auch erklärt, wie das Archiv aufgebaut wird. Die anderen Einsender (...) bekommen meinen Brief auch noch.

Hier zeigt sich, daß im Jahr 1974 zumindest bei einzelnen Ludendorff-Anhängern eine Einsicht in die Notwendigkeit des Aufbaus und der Arbeit eines Ludendorff-Archivs bestand. Aus den zitierten Worten von Fritz Donges geht die große damalige Spendenbereitschaft unter der Leserschaft der Zeitschrift "Mensch & Maß" hervor für den Aufbau eines solchen Archivs. Fritz Donges suchte auffallenderweise schon damals völlig das gleiche, wonach auch noch in der vorliegenden "Studiengruppe" gesucht wird. Er schrieb nämlich weiter:

Was ich noch suche, sind vor allem Aufsätze von General Ludendorff und Mathilde Ludendorff, bzw. Frau v. Kemnitz aus den Jahren nach 1918, bis der eigene Ludendorff-Verlag gegründet wurde. Ferner suche ich alle Bücher in den verschiedenen Auflagen, besonders die jeweiligen Erst-Auflagen, die ja vielfach später erweitert oder - wegen der Verbote - abgeändert oder überdruckt werden mußten. Schließlich will ich alle Zeitungsaufsätze oder Berichte oder Meldungen über beide Ludendorff, über die Bewegung usw. sammeln, vor allem die Verunglimpfungen beider Ludendorffs. (...)
Ferner suche ich Fotos von Veranstaltungen, auf denen beide Ludendorffs sprachen. Genaue Notizen, wo und wann das war. Ebenso bin ich an guten Fotos von den wichtigsten Mitarbeitern im Quell und in M.u.M. interessiert. Die Nachwelt muß ja wissen, wie die Menschen ausgesehen haben, die ihr ganzes Leben sich für die Befreiung der Deutschen und damit der ganzen Welt eingesetzt haben. Jetzt ist es noch Zeit, alles zu sammeln, später wird vieles verloren gehen. (...) Ich bin im November/Dezember auf Heilkur (...) und kann erst im Januar 1975 weitermachen. Vorerst allen Freunden meinen herzlichen Dank für die prompte Zusendung und für ihr Vertrauen. Ich werde niemanden enttäuschen, ich muß nur noch ein Weilchen am Leben bleiben.

Bei diesen Worten stellt sich natürlich die Frage, wie Fritz Donges die Weiterarbeit seines Archivs absichern wollte für die Zeit nach seinem Tod. Dazu ist hier nichts zu erfahren.

Man fragt sich auch, was sich jene Menschen beim Lesen dieser Worte gedacht haben, die davon wußten, daß Mathilde Ludendorff selbst in ihrem Testament ausdrücklich ein Ludendorff-Archiv vorgesehen hatte. Ein Wissen, das lange Jahrzehnte nicht publik gemacht worden ist, und von dem eben auch Fritz Donges selbst gar nichts erfahren haben konnte. Oder was mögen Menschen gedacht haben, die - wie ein anderer Autor der Zeitschrift, Gunther Duda, erst wenige Monate zuvor - selbst derartige Archivalien sammelten?

Donges stirbt kinderlos

Vor allem konnte bislang der Verbleib dieses von Fritz Donges aufgebauten Ludendorff-Archiv nicht geklärt werden. Sollte es Menschen geben, die Hinweise darauf geben können, bitten wir um Zuschriften an den Bloginhaber.

Ergänzung 31.10.21: Das Haus in der Berggartenstraße 17 weist noch heute ein auffällig großes Atelierfenster auf. Aus dem weiteren Verwandtenkreis von Fritz Donges erfahren wir das folgende: Fritz Donges wohnte bis zu seinem Tod in einem Haus seines Neffen, nämlich in der Berggartenstraße 17 in Bad König. Davor wohnte er in einem anderen Haus in Bad König und davor lebte er in dem nahegelegenen Ort Höllerbach (dieser gehörte zu Brensbach). Wir erfahren:

"Fritz Donges lebte sehr, sehr, sehr zurückgezogen in der Berggartenstraße 17. Dennoch hatte ich als Kind und Jugendlicher (neben meinem Vater) ab und zu Kontakt zu ihm. Ich kann mich aber dennoch gut an seine Bibliothek erinnern, die das gesamte obere Stockwerk des Hauses einnahm. Als Kind hatte mich fasziniert, daß die Bücherregale nicht nur an der Wand, sondern auch mitten im Raum standen. Nach dem Tod von Fritz Donges (...) gab es keine Kinder und keine lebenden Geschwister von Fritz Donges. Das Haus, in dem Fritz Donges wohnte, wurde"

von dem Neffen von Fritz Donges

"erneut vermietet. Was mit den Möbel, Briefen, Büchern usw. geschehen ist, entzieht sich meiner Kenntnis."

Auch der Neffe von Fritz Donges ist vor mehr als zehn Jahren verstorben. Weiter entfernte Verwandte schreiben:

"Ich bin davon überzeugt, daß die von Ihnen gesuchten Dokumente nicht mehr existieren, zumal beide Häuser (Berggartenstraße 17 und Berggartenstraße 19) mittlerweile verkauft wurden."

Es war wohl kein Zufall, daß Donges den Aufruf zur Gründung eines Ludendorff-Archives veröffentlichte hatte ein Jahr nach dem Tod seiner Frau. Dieser wird ihm die Endlichkeit seiner Bemühungen bewußt gemacht haben. In der Folge der Zeitschrift "Mensch und Maß" vom 23. Mai 1973 veröffentlichte Donges die Todesanzeige für "meine Lebensgefährtin Anna Donges (1895-1973)". Er selbst war 1973 schon 74 Jahre alt, sollte aber noch 13 Jahre leben.

"Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder?" (1941 / 1958 / 2012) 

Abb. 2: 2012 erschienen

Es sollen nun noch weitere Lebensinhalte und -interessen des Bildhauers Fritz Donges zusammenzutragen werden, ebenso Angaben zu dem Freundeskreis und Personennetzwerk, in dem er sich bewegte. Die Frage, ob Goethe homosexuell war und - etwa in der Ballade "Erlkönig" - Pädokriminalität besungen hat - oder sogar selbst betrieben hat, wird heute wieder diskutiert. 

2012 fragte die Münchner "Abendzeitung" etwa "Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder?" (39). Dies ist die Überschrift zur Rezension eines Buches von W. Daniel Wilson mit dem Titel "Goethe Männer Knaben - Ansichten zur 'Homosexualität'".

Es ist nun zu erfahren, daß über dieses Thema zu arbeiten offenbar schon Erich Ludendorff noch im Oktober 1937 die Anregung gegeben hat. Im Jahr 1992 wandte sich der Bauer und Ludendorff-Anhänger Heinrich Petersen (aus Olpenitzfeld in Schleswig-Holstein) in einem (wohl Offenen Leser-) Brief an den Verleger Franz von Bebenburg (den Schwiegersohn Mathilde Ludendorffs), um gegen die "unheilvolle Verwirrung", die auch die von ihm herausgegebene Zeitschrift "Mensch & Maß" unterstützt hätte durch den Abdruck eines einmal erneut zu wohlwollenden Aufsatzes über J. W. von Goethe Stellung zu nehmen. Heinrich Petersen schrieb (40):

Im Oktober 1937 hatte stud. jur (Siegfried) Goetze General Ludendorff in Tutzing besucht. Bei einem Spaziergang im Garten äußerte der General, daß es doch nötig sei, dem allgemeinen "Goethekult" Einhalt zu tun. Dazu müsse aber erst eine gründliche Untersuchung des Falles Goethe aus völkischer Sicht erarbeitet werden.
Dieses ist s. Zt. geschehen. Noch acht Mitkämpfer des Feldherrn: Dr. J. Spelter, Stud.Rat Ernst Hauck, Ernst Westphal, Elisabeth Melcher, Fritz Donges, Kallenberg und Eickmeier haben aus 1022 Büchern, Schriften, Abhandlungen usw. ein Werk in Kurzform von 327 Seiten geschaffen, worin sie uns den "wahren" Goethe aufzeigen. Vielleicht besitzen Sie dieses Buch.

Bei diesem Buch handelt es sich offenbar um ein seltenes Manuskript (41), das aber doch zum Beispiel in der Staatsbibliothek Berlin vorhanden ist. (Nach von Petersen mitgesandten Kopien von vier Seiten dieses Buches scheint es aber auch in den 1970er Jahren noch einmal neu getippt worden zu sein.) Auf die Inhalte dieses Buches nahm 1958 der Freund von Fritz Donges, Ernst Hauck, einmal erneut Bezug in der Zeitschrift "Quell" in einem Artikel über Goethes Ballade "Der Erlkönig". Hauck bringt als Kernargument das folgende Zitat aus dem "vielgelesenen Buch des Arztes C. L. Schleich" (42):

Dehmel liebte die Musik über alles, und ich habe ihn oft erfreuen können mit dem Vortrag Loewescher Balladen, von denen der "Edward" ihn zu heller Begeisterung fortriß. Ansorge begleitete mich meisterhaft. Er stellte Loewes "Erlkönig", wie so viele, weit über den Schuberts und behauptete, Schubert habe den dämonischen Trieb zur Knabenliebe, den Goethe gestalten wollte, gar nicht verstanden; ihm fehlte das unheimlich Sadistische in der Musik, wie denn auch Schuberts Ganymed aus dem gleichen Grunde völlig mißverstanden sei.

Hauck fährt danach fort:

Ansorge, ein namhafter Pianist, macht aufhorchen mit seiner Behauptung (...). In seiner Handschrift „Goethe in völkischer Sicht" hat der 1945 an der Ostfront gefallene Dr. jur. Siegfried Goetze zu dem heiklen Kapitel „Goethe und die Knabenliebe" einiges zusammengetragen, ohne lange forschen zu müssen.

Auch bezüglich dieses Themas erweist sich einmal wieder, daß die Ludendorff-Bewegung schon 1937, 1941 und 1958, also vor 70 und 55 Jahren - und jedesmal belacht von den vielen, die damals glaubten, so viel "klüger" zu sein - Erkenntnisse vorweg genommen hat, die heute neu und ganz sachlich erörtert werden. Ernst Hauck hatte über die Freimaurerzugehörigkeit von Goethe schon 1937 eine Schrift veröffentlicht (44).

Schiller-Büste auf der "Großen Deutschen Kunstausstellung" (1942)

In den Jahren 1942 und 1943, also sicherlich auf der "Höhe" seines künstlerischen Schaffens, wurde im Saal 5 der "Großen Deutschen Kunstausstellung" in München eine Schiller-Büste ausgestellt, die Fritz Donges geschaffen hatte (6). Laut Ausstellungskatalog war Donges zu diesem Zeitpunkt in Höllerbach im Odenwald ansässig*) (GDK). Und die Abbildung zeigt eine Schiller-Büste mit eigenwilligen Zügen und nicht - sozusagen - einem "klasssisch" gewordenen Trend in der Darstellung Schillers folgend.

Um 1960 hat Fritz Donges eine Büste von Martin Luther geschaffen, die im Gemeindehaus in Bad König aufgestellt zu sein scheint (46, S. 46):

Die Büste wurde im August 2000 aus dem Nachlaß des Künstlers der Evangelischen Kirchengemeinde in Bad König ....

Donges war in Bad König im Odenwald ansässig, 11 Kilometer von Höllerbach entfernt. (Als dort wohnhaft war der "Bildhauer F. Donges" noch 2015 in verschiedenen Internetverzeichnissen angeführt mit den Adressdaten "Berggartenstr. 19, 64732 Bad König, Hessen, 06063/1599". Er war aber auch verzeichnet mit den Daten "Sudermannstr. 10, 21077 Hamburg, 040/7642928".) Vielleicht leben heute noch irgendwo seine Kinder oder Enkelkinder?

Der Schriftsteller und Ludendorff-Anhänger Ernst Hauck hat später eine seiner Erzählungen seinem Freund Fritz Donges gewidmet. Schon im Februar 1962 hat dieser Ernst Hauck einen Aufsatz veröffentlicht mit dem Titel "Der Streit um Schillers Schädel entschieden". In diesem berichtete er davon, daß der sowjetische Anthropologe Gerassimow erklärt hatte:

Bei dem Schwabeschen Schädel war es unmöglich, ein anderes Gesicht herzustellen als das bekannte des Dichters. Es stimmt mit der Totenmaske überein. (...) So wurde das Problem gelöst.

Daß dies jedoch keineswegs "die" Lösung war, davon wird sich Hauck wie Donges im weiteren Verlauf überzeugt haben. Fünf Jahre später, im Juni 1967 forderte Donges zu einer "gesamtdeutschen" Forschung an Schillers Schädel auf. Die originale Totenmaske in Marbach sollte genau vermessen werden, dies sollte auch mit den beiden Schädeln in Weimar geschehen, um schließlich die Meßdaten miteinander vergleichen zu können. Aber seine Forschungen auf diesen Gebieten sollen hier erst einmal nicht weiter verfolgt werden. Hier soll nun nur noch darauf hingewiesen werden, daß der wache Donges auch noch mit zahlreichen anderen Themengebieten beschäftigt war.

Zufalls-Propagandist Jacques Monod (Juli 1972)

So behandelt Donges in seinem Aufsatz "Große Reklame?" im Juli 1972 den Artikel "Der Mensch - ein Betriebsunfall der Natur?" über Jacques Monod in dem Wochenmagazin "Der Spiegel" vom 24. Mai 1971. Donges hat ein deutliches Gespür für vieles, wenn er unter anderem schreibt:

Die "Große Reklame" ist nicht von ungefähr. Es ist durchaus möglich, daß (...) getroffen werden (...) die von M. Ludendorff ausgehende (...) Sinn-Deutung der Schöpfung und des menschlichen Daseins, die ja genau das Gegenteil beweist: daß nämlich die Schöpfung und gerade der Mensch kein Zufall, oder, wie es herabsetzend von Monod gesagt wurde: "Betriebsunfall" ist.

Heute ist ja die Forschung mit dem Evolutionsbiologen Simon Conway Morris auf diesem Gebiet bedeutend weiter. In einem Aufsatz mit dem Titel "Das Scheuertuch brennt" ist Donges im Mai 1974 mit den den Forderungen der damaligen Frauenbwewegung um Simone de Beauvoir befaßt, die er den Forderungen Mathilde Ludendorffs aus dem Jahr 1920 gegenüber stellt.

Im Juli 1974 beschäftigt sich Donges in seinem Aufsatz "Wie bekomme ich einen gnädigen Nächsten?" vor allem mit Gedanken des damals bekannten evangelischen Pfarrers Martin Niemöllers aus dem Jahr 1956. Donges erinnert in Zusammenhang damit auch an die Vorherrschaft der sogenannten "Deutschen Christen" innerhalb der evangelischen Kirche im Jahr 1939.

1978 - "Die feierlich-brausende Melodie"

1978 veröffentlicht Donges einen Aufsatz über den noch heute bekannten und mehrfach verfilmten Fall der offiziell durch den Bischof von Würzburg genehmigten, wochenlangen Teufelsaustreibung an der Studentin Anneliese Michel (1952-1976) (Wiki). Diese wurde in Klingenberg am Main durch zwei katholische Priester durchgeführt. Das fand also ganz in der Nähe des Heimatortes von Fritz Donges statt und mag ihn schon deshalb stark bewegt haben. Am Schluß seines Aufsatzes schreibt er:

Gibt es noch mehr Beweise dafür, daß die Römische Kirche, wie immer, besessen ist von ihrer Aufgabe?

Im Mai 1979 befaßt sich Fritz Donges mit dem damals ausgestrahlten Fernsehfilm "Holocaust". Eine Todesanzeige von ihm scheint in der Zeitschrift "Mensch und Maß" nicht erschienen zu sein. Ob sich irgend jemand nach dem Tod von Fritz Donges um den Verbleib des von ihm aufgebauten Ludendorff-Archives gekümmert hat, ist unbekannt. Im Juli 1978 nahm Donges auf einen Leserbrief in der FAZ Bezug, der das Deutschlandlied verteidigte, und dessen Inhalt Donges folgendermaßen wiedergab:

Er (der Leserbriefschreiber) gehöre zum Jahrgang 1900. Als er als Schüler den Ausbruch des 1. Weltkrieges erlebte, sei damals eine helle Begeisterung in Deutschland gewesen und das Deutschlandlied - die Nationalhymne - sei bei jeder Gelegenheit gesungen worden. Der Lehrer habe den Sinn der ersten Strophe so erklärt: "Deutschland - 'geht mir' - über alles, über alles in der Welt."

Daran anknüpfend schrieb Donges:

Die Melodie gehört zu der herrlichensten Schöpfung von Joseph Haydn. (...) Mit dem Deutschlandlied muß es eine besondere Bewandtnis haben. Volksseele hängt mit der Ur-Vergangenheit zusammen, mit dem unvergänglichen Erbgut, mit der Zusammengehörigkeit durch die Sprache, all das ist in die feierlich-brausende Melodie eingegangen. (...) Ein Kunstwerk, das ein ganzes Volk begeistert. Die Worte entstehen in der Seele und gehen in die Seelen, schöner, tiefer und beglückender als jedes Gebet: Deutschland, Deutschland, über alles ...!

Das waren sicherlich Worte, die tiefere Triebfedern seines Handelns benannten.


/ erster Entwurf 20.10.2013; 
Ergänzungen - Anm. 39 bis 43: 24.5.15;
Ergänzungen entsprechend Anm. 45, 46, 30.10.21 /

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  1. Ludendorff, Mathilde: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing und Schiller im Dienste des allmächtigen Baumeisters aller Welten. Im Selbstverlag der Verfasserin, Fortschrittliche Buchhandlung, München 1928 (96 S.), erweiterte Auflage 1929 (98 S.) (11.-14. Tsd.); neu u.d.T.: Der ungesühnte Frevel an Luther, Lessing, Mozart und Schiller.  Ein Beitrag zur Deutschen Kulturgeschichte. Ludendorffs Verlag, München 1931 (154 S.) (26.-30. Tsd.); 1933; Ludendorffs Verlag, München 1934 (37.Tsd); Ludendorffs Verlag, München 1936 (211 S.) (52.-55. Tsd., 56.-59. Tsd.); Nachdruck: Archiv-Edition, Viöl 1998, 2003 
  2. Joachim-Hermann Scharf (Halle-Wittenberg), Ordentliches Mitglied der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse: Wo ist Schillers Schädel? Vortrag am 10.12.1993, Kurzfassung, vor der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Auf: SAW 1993
  3. Sykora, Katharina: Die Tode der Fotografie. Band 1. Wilhelm Fink, 2009 (603 S.) (Google Bücher)
  4. Jahn, Ralf G.: Schillers größtes Geheimnis - Der Friedrich Schiller-Code . GRIN Verlag 2012 (306 S.) (Google Bücher)
  5. Wannebach, Sigurd (Privatdozent): Offener Brief des Tübinger Privatdozenten Dr. Sigurd Wannebach an den Friedrich-von-Schiller-Gedächtnisstätten e. V. Marbach / Weimar. Zweite Fortsetzung. o.J. zit. in: Priol, Moritz: Sterngucker oder Das Idyll eines Obdachlosen. Trilogie auf den Spuren von Schelmenroman und Schillerlegende. Auf: Moritz Priol.de
  6. Große Deutsche Kunstausstellung München im Haus der Deutschen Kunst zu München Juli bis auf weiteres. 1942 (Google Bücher), 1943 (Google Bücher)
  7. Hauck, Ernst: Der Streit um Schillers Schädel entschieden. In: MuM, Folge 2, Februar 1962, S. 58-64
  8. Donges, Fritz: Der Anatomiestreit um Schillers Schädel. In: MuM, Folge 22, 23.11.1966, S. 1057-1064
  9. Donges, Fritz: Die Evakuierung der Sarkophage von Schiller und Goethe während des Krieges. In: MuM, Folge 1, 9.1.1967, S. 26-32
  10. Donges, Fritz: Wer wurde im Kassengewölbe beigesetzt? In: Mensch & Maß, Folge 7, 1967, S. 399-419
  11. Donges, Fritz: Ein seltsames Dokument. In: Mensch & Maß, Folge 7, 23.6.1967, S. 542-561 (s. Jb. d. Dt. Schillergesell.) [zu Schillers Schädel]
  12. Donges, Fritz: Was ist der Heilige Geist? In: MuM, Folge 14, 23.7.1967, S. 644-654 [zu einer gleichnamigen Fernsehdiskussion jenes Jahres zwischen Theologen und Philosophen] 
  13. Donges, Fritz: Zur Schiller-Schädel-Frage. In: MuM, Folge 6, 23.3.1968, S. 283f
  14. Donges, Fritz: Schillers letzter Wille. In: MuM, Folge 23, 9.12.1969, S. 1070-1072, 1086-1098 [es wurde behauptet, er hätte einen solchen betreffs seiner Beerdigung ausgesprochen]
  15. Donges, Fritz: Geheimnisse um Schiller - Die Totenmasken. In: MuM 5, 9.3.1970, S. 204-228
  16. Donges, Fritz: Auftakt für die 70er Jahre. In: MuM 5, 9.3.1970, S. 234-236 [Turiner Leichentuch]
  17. Donges, Fritz: "Pausenlos betrogen ..." In: MuM, Folge 10, 23.5.1970, S. 459-465 [Caspar Schrenck-Notzing über die Nachkriegsgeneration]
  18. Donges, Fritz: Der Anatomen-Streit um Schillers Schädel - Was soll die Gesichts-Rekonstruktion auf dem Fürstengruft-Schädel durch Prof. Gerassimov-Moskau? In: MuM, Folge 17, 9.9.1970, S. 769-783
  19. Donges, Fritz: Der Streit um Schillers Schädel. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Band 3. Berlin 1969 - 1971. [Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Gesellschaft 1869 - 1969]  Berlin: In Kommission bei Verlag Bruno Heßling, 1971 (ZVAB a), b)
  20. Donges, Fritz: Totenbücher und Fotos von Auschwitz. In: MuM, Folge 9, 9.5.1971, S. 407-409 
  21. Donges, Fritz: Seltsamkeiten um Beethovens Schädel. In: MuM, Folge 16, 23.8.1971, S. 725-744
  22. Donges, Fritz: Zusammenstellung verschollener, täuschender, fälschender oder gefälschter Dokumente in der Streitfrage um Schillers Ende. In: Mitteilungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Bd. 4 in 3 Heften. Berlin 1971 - 73 (Buchfreund)
  23. Donges, Fritz: Meinungen zu Gehlens Buch "Der Dienst". In: Mensch & Maß, Folge 4, 23.2.1972, S. 177-183; Fortsetzung in: Folge 9, 9.5.1972, S.429f
  24. Donges, Fritz: Große Reklame? In: Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1972, S. 613-624 [behandelt "Der Mensch - ein Betriebsunfall der Natur?" in "Der Spiegel", 24.5.1971 über Jacques Monod]
  25. Donges, Fritz: "Keine Spur von demokratischer Tendenz". In: Mensch & Maß, Folge 16, 23.8.1972, S. 737-744 [über Freimaurerei]
  26. Donges, Fritz: Verschnittene "Erinnerungen" In: Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1973, S. 583-598 [Prinz Max von Badens Erinnerungen neu herausgegeben von Golo Mann]
  27. Donges, Fritz: Christliche Erziehung. In: Mensch & Maß, Folge 18, 23.9.1973, S. 824-832 [Niemöller und andere]
  28. Donges, Fritz: Genau richtig! In: Mensch & Maß, Folge 5, 9.3.1974, S. 239 [T. Mann über das Genie]
  29. Donges, Fritz: Das Scheuertuch brennt. In: Mensch & Maß, Folge 9, 9.5.1974, S. 414-426 [Simone de Beauvoir]
  30. Donges, Fritz: "Wie bekomme ich einen gnädigen Nächsten?". In: Mensch & Maß, Folge 14, 23.7.1974, S.629-643 [über ein Zitat Martin Niemöllers aus dem Jahr 1956]
  31. Donges, Fritz: Suchaufruf. In: Mensch & Maß, Folge 24, 23.12.1974, S. 1151
  32. Donges, Fritz: "Spuk in Aschaffenburg". In: Mensch & Maß, Folge 10, 23.5.1978, S. 466-472 [über die offizielle Teufelsaustreibung an der Studentin Anneliese Michel (1952 - 1976) in Klingenberg am Main]
  33. Donges, Fritz: Von Teufeln und von Wundern. In:  Mensch & Maß, Folge 11, 9.6.1978, S. 518-523 [nochmals zum Fall der Studentin Anneliese Michel (1952 - 1976) und ähnlicher Fälle]
  34. Donges, Fritz: Deutschland über alles ... In:  Mensch & Maß, Folge 13, 9.7.1978, S. 623f
  35. Donges, Fritz: "Wie ich die Särge Goethes und Schillers wiederentdeckte". In: Mensch & Maß, Folge 2, 23.1.1979, S. 75 - 81 [Vorgänge rund um die Särge 1945 und folgende]
  36. Donges, Fritz: Das Phänomen. In: Mensch & Maß, Folge 10, 23.5.1979, S. 476f [zum Fernsehfilm "Holocaust"]
  37. Hauck, Ernst: Ein verschwundenes Schillerdenkmal. (Dem Bildhauer Fritz Donges als Anwalt gesamtdeutscher Schillerforschung) In: Mensch & Maß, Folge 4, 23.2.1980, S. 170-173
  38. Donges, Fritz: Historische Richtigstellungen - Zum 150. Todesjahr Friedrich Schillers. In: Mensch & Maß, Folgen 13, 14 und 16, 9., 23. 7. und 23. 8 1980, S. 580-591, 643-652, 738-746
  39. Braunmüller, Robert: Ist Goethes Erlkönig ein Knabenschänder? In: Abendzeitung (München), 27.08.2012
  40. Petersen, Heinrich: Brief an Franz von Bebenburg vom 14.7.1992 (zu dem Artikel von Frithjof Hallmann "War Goethe Sozialist?" in "Mensch & Maß", Folge 13, 9.7.1992, S. 619-622)
  41. Goetze, Siegfried: Goethe in völkischer Sicht. Ein Beitrag zur Freimaurer- und Judenfrage. Manuskript des Gefreiten Dr. Siegfried Goetze, 1941, 317 S. (maschinengeschr., gld.gepr. Hln., Einband besch.)
  42. Hauck, Ernst: Eine Betrachtung zu Goethes "Erlkönig". In: Der Quell, Folge 11, 9.6.1958, S. 501-506
  43. Ruppelt, Georg: Schillers Tod und die Ludendorff-Bewegung. In: Aus dem Antiquariat. Zeitschrift für Antiquare und Büchersammler. Heft 3, 2005, S. 197-199
  44. Hauck, Ernst: Br. Goethe. Eine ernste und notwendige Feststellung. 2. Auflage, Verlag Pfeiffer & Co., Landsberg an der Warthe 1938 (OA. 1937)
  45. Fritz Donges: Wer wurde im Kassengewölbe beigesetzt. [Schiller] 1967 (GB)
  46. Otto Kammer: Reformationsdenkmäler des 19. und 20. Jahrhunderts. Eine Bestandsaufnahme. Evangelische Verlagsanstalt, 2004 (GB), S. 46
  47. Christoph Schmälzle: Der Mann ist ja völlig kahl. Die Überreste von Goethe und Schiller, 22.11.2020, (FAZ)

Freitag, 3. April 2015

Erich Ludendorff lehnte früh die Schriftsteller des "Neuen Nationalismus" ab (1926)

Der Hauptmann Hans Tröbst und seine Tagebücher - Eine historische Quelle auch zur Lebensgeschichte Erich Ludendorffs

Ein Zeitzeuge für die deutsche Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist der kaiserliche Offizier, Freikorps-Soldat, Auslandskorrespondent und Journalist Hauptmann Hans Tröbst (1891-1939). Wie seine Tagebücher aufzeigen, war er vor 1914 begeisterter Berufssoldat. Er nahm dann am Ersten Weltkrieg teil. Über seine Erlebnisse hat er spätestens ab 1925 Bücher veröffentlicht (1-3). Eine Fülle von Tagebüchern sind aber bislang unveröffentlicht geblieben. In zehn Bänden (!) werden diese derzeit (2015) von seinem Enkelsohn herausgegeben, und zwar von Mario Troebst (s.a. Fb). Für eine wissenschaftliche Biographie über Erich Ludendorff scheinen diese zehn Bände den einen oder anderen neuen Aufschluß zu enthalten. Dafür wären sie noch einmal systematisch auszuwerten. Im vorliegenden Beitrag sollen erste Eindrücke zusammengestellt sein, die derzeit dazu schon im Internet verfügbar sind.   

Abb. 1: Die Tagebücher von Hans Tröbst (1891-1939) in zehn Bänden

Der Enkel Mario Troebst schreibt über seinen Großvater (Hervorhebungen im folgenden nie im Original):

Schon früh prägte sich bei ihm die Liebe zum Soldatenberuf aus. (...) Er ist wie Kameraden von ihm erzählen, ein glänzender Soldat gewesen, ein unerschrockener Kämpfer und ein treuer Sorger für die ihm Unterstellten. Aus den Schlachten des Weltkrieges kehrte Hans Tröbst in das Chaos des Zusammenbruchs heim. Solange es noch irgendwo Soldatenarbeit gab, ging er ihr nach. Er focht unter Awaloff-Bermondt gegen die Bolschewisten; er kämpfte in der Brigade Ehrhardt. Nach deren Auflösung schlug er auf abenteuerlicher Reise über Serbien, Bulgarien, Konstantinopel sich nach Anatolien zur Armee Kemal Paschas durch.

Die Brigade Erhardt (Wiki) wurde im April 1920, nach dem missglückten Kapp-Putsch aufgelöst.

Ludendorff regt Tröbst zu schriftstellerischer Tätigkeit an (1923)

Hans Tröbst beriet nach dieser Auflösung mit Erich Ludendorff, wohin er sich nun wenden sollte. Mario Troebst, der Enkelsohn von Hans Tröbst, der die Lebenserinnerungen seines Großvaters herausgibt, berichtet über seinen Großvater (6):

General Ludendorff, zu dem er seit dem Krieg Kontakt hatte, riet ihm, zu General Wrangel zu gehen, der in der Ukraine gegen die Bolschewiken kämpfte. Doch Wrangel wurde geschlagen.
Das geschah schon im Frühling 1920. Die letzten Einheiten der Armee von Wrangel verließen im November 1920 die Krim (Wiki). Weiter Mario Troebst (6):
So wurde die Türkei das nächste Ziel, weil dort unter Mustafa Kemal eine nationale Bewegung entstanden war (die „Jungtürken“) die sich vom Joch der Osmanen und den nach Anatolien eindringenden Griechen befreien wollten. Letztere wurden von den Kräften der Entente (Frankreich, England) unterstützt. Diesen Kampf gegen die von ihm verabscheuten Siegermächte mitzumachen, veranlasste Hans Tröbst, in die Türkei zu gehen und sich der Armee Kemals anzuschließen. Er behielt seinen Hauptmannsrang, aber nun in türkischer Uniform im Range eines „Üsbaschi“ (Hauptmann). Er war der einzige Deutsche im Dienst der Kemalisten. Aber er durfte nicht, wie von ihm gewünscht, an die Front, weil Kemal sich nicht nachsagen lassen wollte, er habe den Krieg gegen die Griechen nur mit ausländischer Hilfe gewonnen. So bekam Hans Tröbst als Pionieroffizier das Kommando über die Eisenbahn-Bataillone, mit dem Auftrag, einen Streckenabschnitt der Taurus-Bagdad-Bahn wieder instand zu setzen. Siehe seine Bücher „Die Reise nach Anatolien“ und „Mit den Kemalisten kreuz und quer durch Anatolien“ bei Amazon.

Ludendorffs Interesse für Kemal Pascha (1920 bis 1923)

Über sein Interesse an Kemal Pascha schreibt Erich Ludendorff in seinen Lebenserinnerungen hinsichtlich des Sommers 1920 (5, S. 133):

Noch eine andere außenpolitische Frage trat in jenen Tagen scharf hervor und beschäftigte mich. In der Türkei hatte (...) Kemal Pascha mit Unterstützung türkischer Generale und gefördert von Frankreich in Angora (Ankara) für Anatolien (Kleinasien) eine Regierung gebildet, die sich im schärfsten Gegensatz zu dem völlig in der Hand Englands befindlichen Sultan in Konstantinopel befand.
Daraufhin wurde von England eine griechische Armee gegen Kemal Pascha aufgeboten, die bis vor Ankara vordrang, dort dann aber nicht weiter kam. Ludendorff weiter:
Schon in den Septembertagen 1920 war klar (...), dass hier ein Staat in entschlossenem Handeln vor dem Willen der Entente nicht zurückgewichen war. Dieses Vorbild Kemal Paschas wirkte schon damals belebend auf Deutsches Wollen.
1923 kehrt Hans Tröbst nach Deutschland zurück (7):
Nach seiner Rückkehr aus Anatolien nimmt Hans Tröbst wieder Kontakt zu ehemaligen Kriegskameraden und zu Ex-General Erich Ludendorff auf. Dieser trägt sich schon seit längerem wegen der politischen und wirtschaftlichen Lage in Deutschland mit dem Gedanken an einen Staatsstreich. Er fordert Hans Tröbst auf, seine türkischen Erfahrungen schriftlich niederzulegen. Sie werden in der völkischen Wochenzeitung "Heimatland" in sechs Folgen veröffentlicht unter dem Titel: "Mustafa Kemal Pascha und sein Werk". 
Der Medienwissenschaftler und Historiker Professor Hartwig Gebhardt schreibt über Hans Tröbst (4, S. 22f):
Im Jahr 1927 vermerkt Hans Tröbst in seinem Tagebuch, Ludendorff sei mit der Aufforderung an ihn, die Türkei-Artikel für das völkische Blatt "Heimatland" zu schreiben, "gewissermaßen die Ursache und der Anstoß [gewesen], dass ich mich der journalistischen Laufbahn zugewandt habe". Im Rückblick und mit dem Wissen um die spätere berufliche Entwicklung ist diese Feststellung verständlich, sie gibt seine Situation im Jahr 1923 dennoch nicht richtig wieder.
Mario Troebst (6):
Im Sommer 1923 beginnt die völkische Zeitung „Heimatland“ mit der Veröffentlichung einer Artikelserie von Hans Tröbst, in der er über seine Erlebnisse in der Türkei und über Mustafa Kemal berichtet. Tenor: So wie Mustafa Kemal gegen die „Erfüllungspolitik“ in Konstantinopel eine Gegenbewegung in Anatolien (Ankara) organisiert hatte, solle in Deutschland der Sturz der Entente-Einflüsse von München ausgehen. Tröbst wird daraufhin von Adolf Hitler eingeladen, diesem und einigen höheren SA-Führern Vortrag über die Vorgänge in der Türkei zu halten.
Nach der Lektüre der Aufsatzreihe lud Hitler ihn also unter dem Datum des 7. September 1923 ein (7):
Herr Hitler würde sich sehr freuen, wenn Sie ihm am kommenden Dienstag über Ihre Erlebnisse berichten. Auch unsere S.A. Führer wünschen Ihre sicherlich interessanten Ausführungen zu hören. Was Sie in der Türkei miterlebt haben, ist das, was auch wir einmal tun müssen, um uns frei zu machen.

Das Treffen kam dann aber doch nicht zustande (9).

Die Teilnahme von Tröbst am Hitler-Ludendorff-Putsch (9. November 1923)

Hans Tröbst berichtet weiter (7):

Am 30.10. erhielt ich vom Hauptmann Weiß, dem Schriftleiter des "Heimatland" einen Eilbrief aus München, in welchem er mir mitteilte, dass bei der außerordentlich gespannten politischen Lage meine Anwesenheit in München dringend erwünscht sei. Ich sei für die Stelle eines Chefs des Stabes beim Bunde Oberland in Aussicht genommen. 
In der Wohnung des Hauptmanns von Müller, dem Kommandeur des 1. Bataillons von Bund Oberland, werden dann die Putschpläne besprochen, wonach die völkisch gesinnten Mannschaften, Unteroffiziere und jüngeren Offiziere des Bundes Oberland die zögernden Münchner Reichswehr-Teile im revolutionären Schwung mit sich reißen wollten und dann auch die Münchner Polizei auf ihre Seite ziehen wollten. Hans Tröbst (7):
Und zu dieser Ausführung hatte man mich extra aus Hannover kommen lassen. Ich war reichlich erstaunt darüber, aber man eröffnete mir, meine Artikel über die Türkei im Heimatlande hätten überall einen derartigen Anklang gefunden, dass man allgemein der Ansicht wäre, ich sei der richtige Mann dazu, um auf Grund meiner Erfahrungen die Sache in die Hand zu nehmen. Ich war natürlich mit Feuer und Flamme dabei.
Während des Putsches erhielt Hans Tröbst ein Schreiben "Hauptmann Tröbst spricht in meinem Auftrage. Ludendorff", mit Hilfe dessen er die zögernden bayerischen Amtsinhaber auf die Seite der Putschisten ziehen sollte. Mario Tröbst:
Am 9. November 1923 nahm er als Gefolgsmann Ludendorffs am Marsch zur Feldherrnhalle teil. 

Tröbst sendet Ludendorff sein erstes Buch (9. Dezember 1924)

Hans Tröbst ging wieder zurück in die Türkei. Am 27. November 1924 veröffentlicht er als dortiger Auslandskorrespondent einen Bericht in der "Deutschen Allgemeinen Zeitung" (Fb). In dieser Zeitung arbeiteten viele Redakteure, die in früheren Jahren in der Türkei gearbeitet hatte. Einstmals als "Norddeutsche Allgemeine Zeitung" das Sprachrohr der Politik Bismarcks, war sie 1920 von dem Ludendorff-Verehrer und Industriellen Hugo Stinnes aufgekauft worden und wurde Ende 1922 kurzzeitig sogar verboten, weil sie - angeblich - den Kapp-Putsch unterstützt hatte (Wiki). Neben dem Berliner Tageblatt, der Vossischen Zeitung und der Frankfurter Zeitung gehörte sie zu den international bekanntesten und renommiertesten Blättern. In ihrer Ausrichtung war sie aber konservativ-staatstragender als die anderen drei Zeitungen. In seinem Bericht nun führte Hans Tröbst den Gedanken aus, dass die Ausrottung der Armenier zum eigenen großen wirtschaftlichen Schaden der Türken geschehen sei (Fb).

Abb. 2: Brief Erich Ludendorffs an Hauptmann Tröbst, 9.12.1924

Am 9. Dezember 1924 bedankte sich Erich Ludendorff bei Hauptmann Tröbst für die Übersendung von dessen erstes Buch "Soldatenblut - Vom Baltikum zu Kemal Pascha". Als dessen offizielles Erscheinungsjahr war zwar 1925 angegeben, es wird aber schon im Dezember 1924 erschienen sein. Ludendorff antwortete:

München, den 9.12.24
Mein lieber Hauptmann Tröbst!
Heute trafen Brief u. Buch ein, nehmen Sie für beides herzlichen Dank. Wir haben Freiheitsschaffen mehr als nötig, denn wir vergessen mit jedem Tag mehr, was Freiheit ist. Der 7.12. hat es erschreckend gezeigt.
Mit Deutschem Gruß
Ihr Ludendorff 

An dem von Ludendorff erwähnten 7. Dezember 1924 hatten Reichstagswahlen stattgefunden (Wiki). Im Nachklang zum Hitler-Ludendorff-Putsch und zum darauf folgenden Hochverrats-Prozess hatten die völkischen Parteien in der Reichstagswahl vom 4. Mai 1924 - süddeutsche NSDAP und norddeutsche "Deutschvölkische Freiheitspartei" - zusammen 6,6 % der Stimmen erlangt. Sie hatten damit 32 Reichstagsabgeordnete gestellt. Erich Ludendorff war einer von ihnen und zugleich leitendes Mitglied ihrer Reichstagsfraktion geworden. Nun, im Dezember, stand Adolf Hitler kurz vor seiner Entlassung aus der Festungshaft und er hatte sich - mit anderen süddeutschen NSDAP-Mitgliedern - bis dahin schon merklich von Ludendorff und den norddeutschen Völkischen ("Deutschvölkische Freiheitspartei") distanziert. Die Spaltung zwischen beiden sollte gleich nach seiner Entlassung aus der Festungshaft manifest werden. Dies ist einer der Gründe dafür, dass die zusammengeschlossene "Nationalsozialistische Freiheitsbewegung" unter der Führung Ludendorff und von Gräfe, die eigentlich die nord- und süddeutschen Völkischen vereinigen sollten, in der Reichstagswahl vom 7. Dezember 1924 nur noch die Hälfte der Stimmen erhalten hatte und damit nur noch die Hälfte der vormaligen Zahl von Reichstagsabgeordneten stellen konnte. (All das ist in anderen Beiträge hier auf dem Blog und andernorts schon behandelt worden.)

Heute ist zum Beispiel besser bekannt als dies Ludendorff zu seinen Lebzeiten selbst bekannt gewesen sein konnte, wie sehr er in der genannten Reichstagsfraktion von Mitgliedern von völkisch-freimaurerischen Okkultlogen umgeben gewesen ist ("Thule-Orden", "Bund der Guten" und anderen mehr). Aber Ludendorff hat auch deutlich gemacht, dass er vieles davon ahnte. Jedenfalls ist sein 1927 begonnener Kampf gegen die Freimaurerei natürlich auch von seinen Erfahrungen in der Reichstagsfraktion bestimmt gewesen.

"Ludendorff war fabelhaft jung und frisch" - Tröbst auf Besuch in München (31. März 1926)

Die Verbindung zu Ludendorff hielt Tröbst auch weiterhin aufrecht. Erich Ludendorff schrieb an Hans Tröbst in diesem Zusammenhang:

München-Ludwigshöhe 23.III.1926 (?)
Sehr geehrter Herr Hauptmann!
Ich würde mich sehr freuen, Sie bei Ihrer Reise über München zu sehen.
Mit Deutschem Gruß
Ludendorff
Erich Ludendorff hatte sich im Jahr 1925 von seiner ersten Frau scheiden lassen und sollte ein halbes Jahr später, am 14. September 1926, seine zweite Frau Mathilde von Kemnitz heiraten. Tröbst nun berichtet (zit. n. Facebook, 2013, Hervorhebungen nicht im Original):
31.3.1926 - Um dem Monat März einen schönen Abschluß zu geben und mich quasi für meine neue Weltreise mit einer Reserve an geistiger Nahrung zu versehen und um in diesem Lande der Schieber wenigstens einmal etwas Höhenluft zu atmen, fragte ich bei General Ludendorff an, ob ich ihn wieder einmal besuchen dürfte. Er war sehr liebenswürdig am Telefon und lud mich auf 4:00 Uhr nachmittags in seine Wohnung im Prinz Ludwigshöhe, Heilmannstrasse 5 zum Tee ein. Da solche Besuche meist Höhepunkte zu sein pflegen und eines gewissen historischen Reizes später nicht zu entbehren pflegen, werde ich mich bemühen, den genussreichen Nachmittag mit der gleichen Genauigkeit zu schildern, wie es in ähnlichen Fällen der Evangelist Lukas zu tun pflegte. Also, nun geht es los:

Ich klingelte unten an der Pforte, der Diener erschien und geleitete mich ins Zimmer, wo Ludendorff bereits mit einem Herren am Teetisch saß. Ich machte ihm meine Verbeugung, der General stand auf, kam mir entgegen und gab mir die Hand, wobei er sagte: "Guten Tag mein lieber Tröbst, ich freue mich sehr, Sie mal wieder im Lande begrüßen zu können. Sie kommen aus Reval? Wollen wieder nach der Türkei? Bitte nehmen Sie doch Platz!"

Dieses geschah, man reichte mir Tee, Kuchen und der General stellte den anwesenden Zivilisten, einen Herrn von Kursell vor, den bekannten Maler und Zeichner, der sich aber schon nach 10 Minuten wieder erhob und sich verflüchtigte. In diesem Zeitraum bewegte sich das Gespräch in ganz allgemeinen Bahnen, Estland, Türkei usw. usw. Kaum war Kursell weg, so wurde eine stark persönliche Note aufgelegt. Ludendorff war fabelhaft jung und frisch und hatte vor allem das manchmal etwas abschreckende, imperatorenhafte Wesen nicht mehr so ausgeprägt an sich, wie früher. Er machte mehr den Eindruck eines Mannes, der mit etwas mehr abgeklärter Ruhe über dem Ganzen schwebt als früher. Er hatte in der Vaterländischen Bewegung wohl genug Enttäuschungen erlebt, so daß er jetzt die Sache an sich herankommen lassen konnte.

Mit einer gewissen Bitterkeit sprach er von Hitler, mit blutigem Hohn vom "Stahlhelm", mit Empörung von der Hetze, die Teile des alten Offizierskorps, vor allem die bayerische Generalität, gegen ihn in Szene gesetzt hatte. "Aber es liegt System darin", sagte Ludendorff, "überall arbeiten die Drahtzieher, um zu verhindern, daß ich gegebenenfalls wieder einmal eine Rolle spielen könnte."

Ludendorff lehnt Schriftsteller des "Neuen Nationalismus" ab

Besonders interessant mag man empfinden, was Hauptmann Tröbst dann weiter berichtet:

Wir sprachen über Schauweckers Buch "Der feurige Weg", der in besonders realistischer und krasser Form das "Schreckliche" im Krieg schildert. Ludendorff lehnte dieses und ähnliche Bücher ab, die Kost sei zu stark für das Volk, dadurch erzöge man erst recht Pazifisten. Einen charakteristischen Stil und Inhalt könne man der Menge höchstens nach einem gewonnenen Kriege bieten. Ich erwähne dies Urteil Ludendorffs hier, weil ich das Gleiche einige Wochen vorher dem Herausgeber dieser Bücher, Ernst Jünger, geschrieben hatte, er wollte sich aber von mir nicht überzeugen lassen.

Seit Ernst Jünger im Sommer 1939 sein Buch "Auf den Mamorklippen" veröffentlicht hatte, konnte jeder wissen, der es bis dahin noch nicht gewusst oder geahnt hatte, dass er und sein Bruder Freimaurer waren und eng mit Jesuiten zusammen arbeiteten (8). Da Ernst Jünger mit Erich Ludendorff etwa 1928 noch ein Gespräch über die Freimaurerei hatte, in dem er ihm seine eigene intime Kenntnis dieses Freimaurerbundes und die in seinem Buch "Mamorklippen" enthaltene, wenig glaubwürdige Kritik dieses Bundes nicht mitteilte, ist klar, dass auch er gegenüber Erich Ludendorff ein sehr doppeltes Spiel gespielt hat. Er spielte jenes doppelte Spiel, das auch alle, die in den Fußstapfen von Ernst Jünger heute im politischen Raum tätig sind, ganz offensichtlich spielen. Also Alain de Benoist, Karlheinz Weißmann, Dieter Stein, Götz Kubitschek und unzählige andere in den heutigen Reihen der identitären Reconquista-Katholiken und -Freimaurer. In diesen Reihen wird ja auch niemals und in keiner Weise über die geheimpolitischen Hintergründe von Ernst Jünger und seinen Freunden aufgeklärt oder das auch nur irgendwie kritisch behandelt. Man betreibt in diesen Kreisen eine unglaubliche Verdummung der Anhängerschaft. Übrigens ist auch der im Zusammenhang mit diesen Ausführungen stehende Brief von Ernst Jünger an Hans Tröbst vom 7. Januar 1926, in dem Jünger die Veröffentlichung von Schauweckers Buch rechtfertigt, zugänglich. - Aber nun wieder die Schilderung von Hans Tröbsts Ludendorff-Besuch:  

Wir sprachen weiter über die heute noch lebenden oder vegetierenden Reste der alten, aktiven Offizierskorps von 1914. Ich drückte meine Verwunderung darüber aus, daß so viele von diesen Leuten, die früher so tüchtig etc. gewesen seien, jetzt auf einmal zu einem guten Teil unter die Schieber gegangen seien. Bei diesen Worten sprang der General auf und war für einen kurzen Augenblick wieder das, was ich an ihm liebe und bewundere: Der Imperator! Der Ausdruck seiner Augen, seiner Stirn läßt sich in so einem Moment nicht beschreiben, beide scheinen zu wachsen und größer zu werden. "Sehen Sie," rief er, "das ist es, was ich immer gesagt habe! Es war die Erziehung der Könige von Preußen, die aus diesen Männern etwas einst gemacht hat, das hat Jahre lang vorgehalten, allmählich kommt aber der ursprüngliche Mensch wieder zum Durchbruch!" 

Am 9. November 1923 "liefen die Nationalsozialisten weg"

Und weiter berichtet Hauptmann Tröbst:

In dieser Art redeten wir noch zwei Stunden auf das Angeregteste miteinander, interessant war für mich, daß die Leute im Deutschen Herrenclub (früher angeblich Bristol) drauf und dran sind, das Reich mit einer neuen Verfassung oder einem neuen Putsch zu beglücken. Ludendorff steht allen diesen Dingen ablehnend gegenüber und auch ich glaube, daß man nicht auf Grund eines "Mobilmachungsplanes" einen Umschwung oder eine Besserung herbeiführen kann. Wir redeten dann noch vom "Reichsbanner" und dem "Rotfrontkämpferbund" und Ludendorff sagte, daß beide, wenn einmal scharf geschossen werden würde, genauso "laufen" würden, wie die Natiosozis in München am 9.11.23. Auch darin gebe ich ihm Recht, früher hat er und offen gestanden auch ich es nicht geglaubt. Da ich es aber selber erlebt habe, bin ich eines Besseren belehrt worden.
Ludendorff spielte hierbei wohl darauf an, daß Hitler nach dem gescheiterten Putsch nach Rosenheim ausweichen wollte, während Ludendorff den Propagandazug in die Innenstadt vorschlug und durchsetzte. Hauptmann Tröbst weiter:
Gegen 6:00 Uhr verabschiedete ich mich, Ludendorff brachte mich durch das Haus, die Vorhalle, den Garten bis an das Straßentor und sagte: "In Kleinasien empfehle ich Ihnen den Herrn von Prosch unter ihre spezielle Obhut zu nehmen, ein selten anständiger Mensch. Und wenn Sie wieder durch München kommen, melden Sie sich immer bei mir an, ich werde mich immer freuen, Sie bei mir zu sehen!" Ich bewegte diese Worte in meinem Herzen und trollte mich von dannen. Einen Trost habe ich von diesem Besuch mit nach Hause gebracht. Ludendorff wird am 9.4.1926 61 Jahre alt. Er sieht aus wie 40, Spannkraft besitzt er wie ein Dreißiger. Ich hoffe und glaube, daß seine Laufbahn noch nicht abgeschlossen ist ...

Tröbst entscheidet sich, Berufs-Journalist zu werden (Herbst 1926)

Hauptmann Tröbst wurde danach Auslandskorrespondent in der Türkei wurde aber schon im Herbst 1926 ausgewiesen. Der Historiker Gebhardt schreibt noch einmal zusammen fassend (4, S. 251f):

Seine Ausweisung im Herbst 1926 führte nicht nur zur Aufgabe des Lebensumfeldes in Anatolien und zur Übersiedlung nach Griechenland, sondern auch zu dem  Entschluss, künftig ausschließlich als Journalist zu arbeiten. Die Berufsentscheidung hatte Auswirkungen auf das Verhältnis zu seinem bisherigen Milieu. An seinen Kontakten zu Ludendorff lässt sich das ablesen. Wie geschildert, hatte Ludendorff ihm 1923 Zugang zur völkischen Bewegung Münchens verschafft. Der Staatsstreichversuch im November desselben Jahres war zwar gescheitert und damit auch Tröbsts Hoffnung auf eine Rückkehr in die Reichswehr, doch betrachtete und akzeptierte er Ludendorff auch weiterhin als eine führende Persönlichkeit der politischen Rechten in Deutschland. Als er ihn im September 1925 brieflich um einen politischen Rat bat, antwortete Ludendorff umgehend. „Ludendorff schrieb mir einen langen Brief, sehr interessant", teilte Tröbst sichtlich stolz einem seiner deutschen Bekannten in der Türkei mit. Auf der Rückreise von Reval in die Türkei besuchte Tröbst im März 1926 Ludendorff in München und hatte mit ihm ein zweistündiges Gespräch unter vier Augen, dessen Verlauf Tröbst, voll der Bewunderung für den Ex-General, in seinem Tagebuch aufgezeichnet hat.
Im Jahr 1927 verwandelte sich Tröbst's Ludendorff-Bewunderung in Skepsis. Der Historiker Gebhardt schreibt über das dem Jahr 1927 (4, S. 251f):
Im folgenden Jahr aber - er war inzwischen in Belgrad und Vertragsjournalist des Scherl-Verlags - hatte sich seine Bewunderung in skeptische Distanz verwandelt. Einen im Tagebuch eingeklebten Zeitungsausschnitt, in dem Ludendorff wegen seiner politisch-weltanschaulichen Ansichten kritisiert wurde, kommentierte Tröbst mit den im Vergleich zu seinen früheren Äußerungen über Ludendorff überraschend despektierlichen Worten „Si tacuisses" und „Mehr Reserve, lieber Erich!" 

"Die Deutsche Wochenschau" (Dezember 1927)

Im Herbst 1927 veröffentlichte er sein großes Aufsehen erregendes Buch "Vernichtung der Freimaurerei durch Enthüllung ihrer Geheimnisse".  Es löste die größte Austrittswelle aus den Freimaurerlogen in ihrer ganzen Geschichte aus. Alle Reaktionen auf dieses Buch in der deutschen Presse behandelte Erich Ludendorff in der Wochenzeitung "Deutsche Wochenschau", womit er zusammen mit seiner Frau Mathilde Ludendorff zu den Hauptautoren dieser Zeitung wurde, die zugleich Mitgliederzeitung des "Tannenbergbundes" war. Hans Tröbst scheint Ende 1927 noch kritische Worte über diese Zeitung an Erich Ludendorff geschrieben zu haben, denn dieser antwortete an an einem 29. Dezember - wohl eher des Jahres 1927 als des Jahres 1928 - wie dem nächsten Foto zu entnehmen ist:

Geehrter Herr Hauptmann!

Ich kann Ihnen nur empfehlen, die Deutsche Wochenschau zu studieren. Da werden Sie sehen, daß die Vergangenheit doch nicht umsonst war. Ohne die Deutsche Wochenschau zu kennen, kann sich heute niemand mehr ein Bild über Deutschland machen. 
Mit Deutschem Gruß
Ludendorff

Erich Ludendorff war inzwischen auch aus der Kirche ausgetreten und begann nach und nach auch kritische Artikel über das Christentum zu veröffentlichen. 

Abb. 3: Briefe Erich Ludendorffs an Hauptmann Hans Tröbst

Der Historiker Gebhardt schreibt (4, S. 251f):

Danach hat es nur noch einen kurzen und zudem unerfreulichen Kontakt zwischen den beiden gegeben. Tröbst schickte Ludendorff Ende 1929 einen seiner in der Politischen Wochenschrift veröffentlichten Artikel mit kritischen Bemerkungen über Politik und Zustand der rechtsstehenden Organisationen, auf den Ludendorff "äußerst empört" reagierte. Zunehmend distanziert gestaltete sich das Verhältnis Tröbsts auch zu anderen Personen aus seinem früheren, meist soldatischen Umfeld. ... Obwohl er sich noch lange bemühte, zumindest gelegentliche Briefkontakte aufrechtzuerhalten, empfand er schließlich selbst die Unterschiede. ...
Soweit die bislang zugänglichen Zeugnisse zum Verhältnis dieses Hauptmanns Hans Tröbst zu Erich Ludendorff. Man darf sehr gespannt sein auf eine vollständige Darstellung der Entwicklung des Verhältnisses zwischen beiden. Ein Briefumschlag ist adressiert "bei Hans von Wolzogen" in München. Somit steht zu vermuten, dass Tröbst auch in guten Beziehungen zu diesem vormaligen Sekretär von Richard Wagner stand und dem Herausgeber der Zeitung der Wagnerianer, der "Bayreuther Blätter" (wenn es sich nicht um den gleichzeitig lebenden Filmregisseur Hans von Wolzogen handelte). Über das Lebensende seines Großvaters im Jahr 1939 in Ostasien berichtet Mario Troebst:
Hans Tröbst ging 1934 nach Mandschuko, weil er den Fernen Osten als interessantes journalistisches Arbeitsgebiet ansah. Nach dem sogenannten Mukden-Zwischenfall hatte 1931 Japans Invasion der Mandschurei begonnen, und 1932 hatte Japan dort seinen Satellitenstaat Mandschuko errichtet. Dairen wurde für Hans Tröbst zur Basis für seine Berichterstattung aus Fernost. Die Umstände seines Todes im Alter von nur 48 Jahren sind ungeklärt. Der deutsch-jüdische (!) Familienhausharzt Dr. Zilz diagnostizierte Herzinfarkt nach starkem Alkoholgenuß. Gerüchte sprachen von Vergiftung durch Chiang Kai-Shek-Anhänger, weil Hans Tröbst sich in einem Bericht kritisch über Chiang geäußert hatte. Hans Tröbst starb, als sich seine Frau mit dem sechsjährigen Sohn auf Urlaub in Rumänien befand. (...) Der Sarg war mit einer Hakenkreuzfahne bedeckt. Hans Tröbst wurde eingeäschert und die Urne nach Deutschland übergeführt. Sie befindet sich auf dem Familiengrab in Heisede, Ortsteil Sarstedt bei Hannover.

(Erster Entwurf: 10.12.2013, 
veröffentlicht 3.4.2015,
zuletzt ergänzt: 7.8.16, 6.5.2017)
____________________________________
  1. Tröbst, Hans: Soldatenblut. Vom Baltikum zu Kemal Pascha. R.F. Koehler, Leipzig 1925 (330 S.) (GB)
  2. Tröbst, Hans: Stecowa. Phantastisches und Übersinnliches aus dem Weltkrieg. Mit 6 Federzeichnungen von A. Paul Weber. Tradition W.Kolk, Berlin 1932
  3. Tröbst, Hans; Leipold, Artur: Das Posensche Pionier-Bataillon Nr. 29 und seine Kriegsformationen Reserve-Pionier-Bataillon 33, Pionier-Kompagnie 107, 361 und 401, Pionier-Bel.-Tr. 10 und 29. o.O., o.D.
  4. Gebhardt, Hartwig: Mir fehlt eben ein anständiger Beruf. Leben und Arbeit des Auslandskorrespondenten Hans Tröbst (1891 - 1939). Materialien zur Sozial- und Kulturgeschichte des deutschen Journalismus im 20. Jahrhundert. Edition Lumière, 2007 (348 S.) (GB)
  5. Ludendorff, Erich: Vom Feldherrn zum Weltrevolutionär und Wegbereiter Deutscher Volksschöpfung. Meine Lebenserinnerungen von 1919 bis 1925. Ludendorffs Verlag, München 1940, 1941
  6. Strese, Ruedi: „Frei will ich leben und frei will ich sterben“ – Die Lebenserinnerungen des Hans Tröbst. Mario Troebst im Gespräch über seinen Großvater. Auf: NORTEXA, 3. August 2016, http://www.nortexa.de/frei-will-ich-leben-und-frei-will-ich-sterben-die-lebenserinnerungen-des-hans-troebst/
  7. Tröbst, Hans: Hitler-Putsch "Hauptmann Tröbst spricht in meinem Auftrage." Ludendorff. Herausgegeben von Mario Troebst. Selbstverlag Kindle Edition 2013 (88S.) [Band 10 von: "Ein Soldatenleben in 10 Bänden 1910 - 1923"]
  8. Bading, Ingo: Bolschewisierung Osteuropas - Ernst Jünger wusste schon 1939 um dieses freimaurerische Kriegsziel - Der Roman "Auf den Mamorklippen". Auf: Gesellschaftlicher Aufbruch - jetzt!, 25. Oktober 2016, http://studgenpol.blogspot.de/2016/10/bolschewisierung-osteuropas-ernst.html 
  9. Weber, Thomas: Wie Adolf Hitler zum Nazi wurde. Vom unpolitischen Soldaten zum Autor von "Mein Kampf". Ullstein Buchverlage, Berlin 2016 (GB)

      Mittwoch, 1. April 2015

      "Den Söhnen Mathilde Ludendorffs die weitere Mitarbeit verleiden"

      Der Ludendorff-Anhänger Herbert Frank fordert zu Spitzeldiensten auf (1942 bis 1949)

      Schon mehrmals ist - auf diesem Blog und anderwärts - von "Zersetzungsarbeit" von Geheimdiensten und -gesellschaften gegenüber oppositionellen Gruppen die Rede gewesen. Es war die Rede von "Zersetzungsarbeit", die ein daran anschließendes "Hijacking", ein Abbiegen in eine andere Richtung, erst ermöglichen sollte. 

      Abb. 1: Asko von Kemnitz, Mathilde Ludendorff, Hanno von Kemnitz in München am 21.12.1937 (aus: 8)

      Es wird ein solches hier auf dem Blog insbesondere gegenüber der Ludendorff-Bewegung im Auge behalten. Das bisher dazu gegebene Bild kann nun noch mit weiteren Beiträgen vervollständigt werden.

      In dem vorliegenden Beitrag geht es um den vormaligen Landesleiter des Tannenbergbundes im Rheinlandes und den zeitweilig sehr umtriebigen Mitarbeiter Erich und Mathilde Ludendorffs im Rheinland. Es war dies ein Dipl. Ing. Herbert Frank (1898-1972). Herbert Frank lebte zusammen mit seiner Familie lange Zeit in Duisburg (1-5).

      Frank war 1898 in Mainz geboren worden. Das ist jene Stadt, in der der vier Jahre jüngere, spätere Geheimdienst-Chef, das Skaldenordens-Mitglied Werner Best aufwachsen ist. Es ist auch jene Stadt, in der der einflußreiche "Alldeutsche" Heinrich Claß gelebt hat, der wohl Mitglied des freimaurerischen "Germanenordens" gewesen ist. Laut seines Lebenslaufes (2) ist Herbert Frank in dieser vorwiegend katholischen Stadt evangelisch getauft worden. Nach diesem Lebenslauf hat er sich 1914 bei Kriegsausbruch mit 16 Jahren als Kriegsfreiwilliger gemeldet und vier Jahre als Soldat am Ersten Weltkrieg teilgenommen. In diesem wurde er zum Leutnant befördert, ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz erster und zweiter Klasse.

      1920 nahm er am Kapp-Putsch teil, 1923 an Sabotageakten gegen die französische Besatzung in Aachen. Für diese wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

      Im Rheinland war er dann zunächst viele Jahre führend tätig im völkischen "Wiking-Bund" (2). Im November 1928 trat er aus dem Wiking-Bund aus und in den Tannenberg-Bund Ludendorffs ein. Frank wurde in letzterem sogleich Presseleiter der Landesleitung-West. Und im April 1929 wurde er sogar selbst "Landesleiter West" des Tannenbergbundes. Im Dezember 1929 trat er aus der Kirche aus.

      Beruflich war Frank als Diplomingenieur in verschiedenen Stahlwerken im Rheinland tätig. Von 1931 bis 1936 war er arbeitslos.

      Schriftleiter des Tecklenburger Landboten (1931/32)

      Vom 24. Juli 1931 bis 15. Januar 1932 war Herbert Frank Schriftleiter des im November 1931 gegründeten "Tecklenburger Landboten" in Lengerich in Westfalen (11). Diese Zeitung wurde vom Verlag Bischof & Klein heraus gegeben und sollte insbesondere die Interessen der Bauern des Kreises vertreten, die sich in der bislang vorherrschenden "Lengericher Zeitung" nicht mehr ausreichend vertreten sahen (12). Herbert Frank hatte für diese Zeitung schon seit Mai 1931 geschrieben. Der "Tecklenburger Landbote" vertrat mit seinen jeweiligen Schriftleitern zugleich auch die Lehren des Ehepaares Ludendorff. Dies war dann auch der Hauptangriffspunkt der konkurrierenden "Lengericher Zeitung". Ihr Hauptkritikpunkt war, daß das Ehepaar Ludendorff das Christentum ablehnte und die Meinung vertrat, jedes Volk solle seine eigene Religion haben. Das bewegte Wirken Frank's in dieser Funktion muß noch einmal anhand der neuen Veröffentlichung darüber (11) hier nachgetragen werden.

      Schon als Schriftleiter positionierte er sich - zusammen mit Hans-Georg von Waldow - als entschiedener Gegner der Jesuiten. 

      Frank engagierte sich in dieser Zeit als Mitarbeiter des Ludendorff-Verlages, als Buchvertreter, als Autor, sowie als Redner insbesondere in Nordwestdeutschland. In dieser Zeit verfaßte er mehrere Kampfschriften für den Ludendorffs-Verlag, so unter anderem über den "Deutschen Herrenclub" (Wiki) (4, 5). (Ob irgendein Zusammenhang damit besteht, daß es noch heute in Düsseldorf und anderen Städten rechtskonservativ orientierte "Herrenrunden" gibt, bleibe hier dahin gestellt.)

      "Der moderne Jesuit über Charles Darwin" (1932)

      Im schon früh gesicherten, zugänglichen und zum Teil auch wissenschaftlich ausgewerteten Nachlaß von Herbert Frank (2) zeugen vielfältige Dokumente von seiner sehr umfassenden Beschäftigung mit der Beeinflussung des deutschen und internationalen politischen und kulturellen Lebens durch den Katholizismus im allgemeinen und durch den Jesuitenorden im Besonderen.

      Er schrieb im September 1932 beispielsweise den Aufsatz "Der moderne Jesuit über Charles Darwin" (2, S. 29).

      "Rom - Jesuit - Arisches Christentum" (um 1934)

      An den religiösen Auseinandersetzungen in Deutschland während des "Dritten Reiches" beteiligten sich Erich und Mathilde Ludendorff sehr vielfältig - mit vielen Zeitschriftenbeiträgen, Kampfschriften und Büchern (1). In ihrem Fahrwasser bewegte sich nun auch Herbert Frank. Es gibt in seinem Nachlaß beispielsweise eine Mappe betitelt "Rom - Jesuit - Arisches Christentum". Sie enthält gesammelte Zeitungsausschnitte jener Zeit, unter anderem zum Thema "'Germanischer' Katholizismus".

      Dieser Umstand läßt einen auch unter der Anhängerschaft Ludendorffs womöglich nicht gar so weit verbreiteten, recht charakteristischen Interessen- und Erkenntnishorizont erkennen. Daß damals der "arische Jesus" in der evangelischen Kirche vertreten wurde, wurde von Erich und Mathilde Ludendorff - unter anderem - auf Bestrebungen des Jesuitenordens zurück geführt.

      Herbert Frank ging mit dieser Mappe genau dieser These weiter nach, wie aus ihrer Benennung hervorgeht.

      "Die Staatsfeindlichkeit der christlichen Religion" (1936)

      Eine Verschärfung der Tonlage im Rahmen des damaligen sogenannten "Kirchenkampfes" stellte sich ein, als Erich Ludendorff im Januar 1936 in seiner Zeitschrift "Quell" von der "Staatsfeindlichkeit der christlichen Religion" zu sprechen begann (1, S. 205). Ludendorff sprach davon in Abwehr des geplanten Gotteslästerungs-Paragraphen 166 im deutschen Strafgesetzbuch.

      Erich Ludendorff bezog sind in diesem Aufsatz ausführlich auf einen Briefwechsel, den nun wiederum Herbert Frank in diesen Fragen mit der "Akademie für deutsches Recht" geführt hatte. Womöglich war es erst dieser Briefwechsel, der Erich Ludendorff selbst dazu veranlaßte, die Tonlage zu verschärfen? Erich Ludendorff schrieb:

      Um auch anderen Deutschen das Wort zu geben und das von mir bereits Gesagte zu ergänzen

      bringe er ein langes Zitat von Herbert Frank aus dem genannten Briefwechsel. Erich Ludendorff schrieb dazu (1, S. 205-209):

      Das sind gute Worte, mit meinen gemeinsam reden sie noch im letzten Augenblick eine klare, deutsche Sprache.

      Daß es viel Anlaß gibt, die christliche Religion an sich als "staatsfeindlich" wahrzunehmen, steht außer Frage. Es darf aber immer auch nach den Beweggründen gefragt werden, warum dieser oder jener Mensch in genau diesem Augenblick eine solche - natürlich außergewöhnlich scharfe - These vertritt.

      Der umfangreiche Nachlaß von Herbert Frank wird heute im Institut für Zeitgeschichte in München aufbewahrt (2). Anhand dieses Nachlasses wurde 1967 auch eine (recht langweilige) Doktorarbeit zur Geschichte der Ludendorff-Bewegung veröffentlicht (3). Allein das erst vor einigen Jahren erarbeitete und veröffentlichte Findbuch dieses Nachlasses, das frei im Internet zugänglich ist (2), umfaßt 143 Seiten. Unter dem Blickwinkel der Erkenntnisse dieses Beitrages könnte die genannte Doktorarbeit und der Nachlaß selbst gut und gerne noch einmal einer genaueren Sichtung unterworfen werden.

      "Eine geheime Briefüberwachung" - Herbert Frank und die Gestapo

      Aus dem genannten Nachlaß geht auch hervor, daß Herbert Frank während des Dritten Reiches als Gegner des Nationalsozialismus mehrmals in Gestapo-Haft genommen worden ist. Sein Name taucht in Gestapo-Berichten neben den Namen anderer führender Ludendorff-Anhänger auf wie den Namen Hans Georg von Waldow, Rudolf Schmidt oder Bronsart von Schellendorff. Ihrer aller Briefwechsel wurde "mitgelesen", ein Umstand, den man auch noch einmal länger auf sich wirken lassen sollte. Im folgenden sollen dazu Google-Bücher-Eindrücke gegeben werden. Die gebrachten Zitate müssen alle noch einmal in einer Bibliothek aufgesucht und vervollständigt werden ("Gestapo Hannover meldet", 1986, S. 170, Hervorhebung nicht im Original):

      ... in Erscheinung der Generalvertreter des Ludendorff-Verlages, Dipl.-Ing. Herbert Frank in Nette, Kr. Marienburg, der einen umfangreichen Briefverkehr unterhält. Durch eine geheime Briefüberwachung konnte festgestellt werden, daß die Anhänger der Ludendorff-Idee ihre alten politischen Bestrebungen weiter verfolgen. In einem in Abschrift hier vorliegenden Briefe des bekannten Generals a. D. von Bronsart, Brunshaupten, Mecklenburg, an Herbert Frank in Nette, schreibt Bronsart wörtlich ... 
      Nette, Kreis Marienburg liegt im Rheinland. Und ("Gestapo Hannover meldet", 1986, S. 206):
      In der Stadt Hannover ist die Bewegung seit geraumer Zeit nicht in Erscheinung getreten, was darauf zurückzuführen sein dürfte, daß die bekannten früheren Führer, Major a. D. von Waldow und Oberst a. D. Goetze, von Ludendorff "kaltgestellt" sein sollen. Von dem Generalvertreter Frank-Nette sind Postkarten versandt worden, in denen er ...

      Oberst a.D. Goetze und Major a. D. von Waldow fühlen sich durch diese Vertrauensentziehung seitens ihres Führers Ludendorff sehr gekränkt, weil sie davon überzeugt sind, daß sie Ludendorff zu jeder Zeit und in jeder Weise Gefolgschaft  ...

      Erich Ludendorff hat ja früh geäußert, daß er die durch die Nationalsozialisten im Sommer 1933 verfügte Auflösung des Tannenbergbundes nicht rückgängig machen würde, auch wenn es ihm erlaubt wäre. Der Hauptgrund war, so Ludendorff, daß sich in die Reihen der Organisation zu viele "Maulwürfe" eingeschoben hatten, denen Ludendorff mit einer solchen durchstrukturierten Ortsgruppen-Organisation das Leben nicht mehr so leicht machen wollte. In diesen Zusammenhang mag auch die Kaltstellung der vormaligen Landesleiter von Waldow und Goetze gehören. Die Kaltstellung des vormaligen Landesleiters Herbert Frank sollte ja erst 1949 durch Mathilde Ludendorff erfolgen (siehe unten).

      Insgesamt zeigt sich, daß Herbert Frank während des Dritten Reiches sehr rührig war, um die Ludendorff-Bewegung im Rheinland zusammen zu halten.

      Abb. 2: Franz von Bebenburg, Erich Ludendorff, Karl von Unruh (von links nach rechts), undatiert (wohl 1937)

      Da von Herbert Frank einstweilen keine Fotografie vorliegt, wird hier eine Abbildung gebracht von Erich Ludendorff, umgeben von zwei seiner engeren Mitarbeiter, der linke davon Franz von Bebenburg, der im Jahr 1937 - wie Herbert Frank im Rheinland - Buchvertreter des Ludendorff-Verlages in Süddeutschland war. Wahrscheinlich wird es also auch über Franz von Bebenburg solche eben zitierten Gestapo-Berichte geben, wie natürlich auch über Erich und Mathilde Ludendorff in Tutzing selbst.

      "Überwachen, ob die Kinder Mathilde Ludendorffs abends in Bars gehen" (Mai 1942)

      Aber nicht nur von offiziellen staatlichen Stellen gab es Bespitzelung. Mathilde Ludendorff führte einen sehr regelmäßigen Briefwechsel mit dem Amtsgerichtsrat Dr. Rudolf Sand (1896-1992) in Bonn-Waldbröl (9,10), damals ein guter Freund von Herbert Frank.

      Der Amtsgerichtsrat Dr. Rudolf Sand führte bis zu seinem Lebensende umfangreiche Briefwechsel unter anderem mit dem Ludendorff-Biographen, dem General Franz Uhle-Wettler, und setzte sich auch sonst vielfältig für den Fortbestand der Ludendorff-Bewegung und des "Bundes für Gotterkenntnis" ein, dessen letzter Vorsitzender er vor dessen Neugründung im Jahr 1977 war.

      Seinen Briefwechsel mit Mathilde Ludendorff wollte Rudolf Sand ausdrücklich "zur künftigen Auswertung durch die Forschung" gesichert wissen. Dieser sonst ruhige Briefwechsel hat im Mai 1942 eine etwas dramatischere Wendung genommen. Und dabei ging es vor allem um Rudolf Sands guten Freund Herbert Frank. Von ihrer Berghütte in Klais aus schrieb Mathilde Ludendorff an Rudolf Sand (Hervorhebungen nicht im Original:

      Klais, den 21. 5. 42
      Sehr geehrter Herr Amtsgerichtsrat,
      Seit gestern bin ich hier in Klais und heute wurde mir Ihr Brief hierher nachgesandt. Ich danke Ihnen sehr, daß Sie trotz der Arbeitsüberlastung so ausführlich geschrieben haben. Es freut mich herzlich, daß Sie seit je eine so klare und ablehnende Haltung gegenüber der Hetze gegen meine Kinder (auch meine Tochter wird damit bedacht) eingenommen haben. Die Geschäftsschädigung unseres Verlages, die Herr Frank durch sein Herumsenden seines Briefes an mich getrieben hat, ist ja allerhand und seine Weigerung, mir die Namen der Urheber der Gerüchte zu nennen, kennzeichnet zur Genüge, wie gut er es mit dem Hause Ludendorff meint!
      Wenn ich jene beiden Sätze in Ihrem Schreiben auf jene Hetze zurückführte, so vor allem, weil Sie uns Frank als guten (das letzte Wort doppelt unterstrichen) Mitkämpfer nannten und weil ich gerade in der letzten Zeit besonders viele Anzeichen dafür habe, wie unglaublich fahrlässig, gewissenlos und treulos mir gegenüber an vielen Orten über meine Kinder gelogen wird. Nun freut mich natürlich herzlich, daß jene beiden Sätze Ihres Briefes eine so harmlose Ursache hatten. ---
      Mathilde Ludendorff kommt dann noch auf ihre damaligen Probleme, eine für ihre Entlastung wichtige Haushaltshilfe zu finden zu sprechen und schreibt als Nachschrift:
      P.S.: Schon als ich mein Werk Triumph geschrieben hatte, begann das immer währende planmäßige Türmen außergewöhnlicher Gefahren um meine Kinder. Nach meiner Ehe mit dem Feldherrn und seit unserem Beginn des Kampfes gegen die Geheimorden mehrte sich das noch und nahm geradezu unwahrscheinliche Grade an. Das gab dann Zeit der Sorge, die der Feldherr in den Worten festhielt, die Sie anführen, aber auch die größere Freude von uns beiden, wie unzerbrechbar der gute Charakter der Kinder sich hier erprobte. Jahre köstlicher gemeinsamer Arbeit folgten und des Feldherrn Testament gibt Zeugnis seiner Liebe und seines großen Vertrauens zu unseren Kindern, die "seine Kinder" geworden waren! Der letzte Versuch der Gegner, ganz zynisch unsere "Anhänger" zu verwerten, um meinen Kindern das Amt, das sie über unseren Tod hinaus haben, zu erschweren und, wie sie hoffen, so zu verleiden, daß sie es niederlegen, ist allerdings angesichts der unmoralischen Haltung der meisten Anhänger, die mir keine Meldung der Namen der Gerüchtemacher geben, zur Zeit noch sehr erfolgreich! Frank tut mit einer kleinen Zahl "guter" Mitkämpfer eifrige Arbeit! So wird uns denn in Zukunft nichts anderes übrig bleiben als noch zu meinen Lebzeiten die Mitkämpfer selbst gerichtlich zu belangen!

      Tatsächlich haben sich ja die beiden Söhne Mathilde Ludendorffs nach 1945 - im Gegensatz zu ihrer Tätigkeit bis 1945 - ganz aus der Arbeit für den Verlag der Ludendorff-Bewegung und für diese selbst zurück gezogen. Noch in dem Buch des ältesten Enkelsohnes von Mathilde Ludendorff, Walter Erich von Bebenburg-Richartz "Tod den Ärtzten!" könnte man gewissermaßen jene Stimmung gegenüber einer bigotten Anhängerschaft heraushören, wie sie sich auch bei den Söhnen Mathilde Ludendorff herausgebildet haben mag. Walter Erich stand ja mit seinen beiden Onkeln in guter Verbindung. Es mag also durchaus sein, daß solche hier erwähnten Aktivitäten letztlich nicht folgenlos geblieben sind. Um welche Art von Gerüchten es sich nun aber vor allem handelte, geht aus einem Brief hervor, den Mathilde Ludendorff im April 1949, nachdem auch Herbert Frank endlich hatte "kalt gestellt" werden können, weil Mathilde Ludendorff endlich auch viele ihrer Anhänger davon überzeugen konnte, daß das richt war, an Werner Preisinger schrieb. Dabei war der Anlaß eine gewisse "Frau Rode", die sich scheinbar sehr gut mit Herbert Frank verstand:

      Tutzing, den 3. 4. 49
      Sehr geehrter Herr Preisinger,

      (...) Sicherlich war Frau Rode jene Anhängerin, der die Entdeckung der Vollkommenheit Franks geglückt ist. Sie hat sich bald nach dem Tode meines Mannes sehr warm an den Gerüchten beteiligt, daß meine Söhne, die das ehrenvollste Testament für ihr Wirken an unserer Seite von ihrem Vater erhalten hatten, die Bewegung durch ihren Lebenswandel schwer schädigten!! Damals hielt Frank es für richtig, mir in der schwersten Zeit meines Lebens einen taktlosen Brief in gleicher Überzeugung zu schreiben und gleichzeitig die Münchner Anhänger insgeheim aufzufordern, meine Söhne zu überwachen und ihnen nachzugehen, ob sie abends in Bars gingen. Er erhielt von den Anhängern die Antwort, daß sie sich für diese Spitzeldienste bedankten! Wenn solches alles nicht die Vollkommenheit Franks bedeutet, dann wüßte ich nicht, wie er sie beweisen sollte! Da aber Frau Rode sich in derartig vollkommenem Tun auch beteiligte, so ist wohl ihre eigenen Vollkommenheit innig mit ihrem Glauben an Franks Vollkommenheit verbunden!!!!

      Durch diese Briefstelle wird also deutlich, daß sich der sehr ausgeprägte, fast überforsche Kritiker von Christentum und Jesuitenorden Herbert Frank mitunter dann plötzlich doch sehr christlich und jesuitisch verhalten konnte. Es wird hiermit immer deutlicher: Gerade die nächsten Angehörigen von Mathilde Ludendorff aus der jüngeren Generation - wie ihre beiden Söhne und ihr Enkelsohn Walter Erich (1927 bis 1980) - sind in besonderem Maße von Christen und von sich zumindest äußerlich als forsche Christentums- und Jesuitenkritiker Gebende "umkreist" gewesen (siehe auch: 6).

      Da kann zum gegenwärtigen Zeitpunkt eigentlich fast nur erahnt werden, in welchem Umfang dies auch von ihrer Tochter Ingeborg (1906-1970) zu sagen ist, die an einen ersten Ehemann geraten ist, bei dem es sich um einen "Lebemann" offenbar sehr niedriger Gesinnung handelte, von dem sie sich dann nur durch eine schwierige Scheidung wieder trennen konnte, deren gemeinsamer Sohn jedoch schließlich zwanzig Jahre später erneut unter den außerordentlich negativen Einfluß dieses ihres ersten Ehemannes geraten sollte (6), wodurch sicherlich dessen ganzer weiterer Lebensweg mitgeprägt worden ist, und was auch nicht wenig zu dem frühen Selbstmord von Walter Erich im Jahr 1980 beigetragen haben mag. Und auch seine Mutter Ingeborg hat in den letzten Jahrzehnten ihres Lebens, wie zu hören ist, immer wieder unter schweren Depressionen gelitten.

      Am 14. Juni 1942 schrieb Mathilde Ludendorff in dieser Sache noch einmal an Rudolf Sand:

      Klais, den 14. 6. 42
      Sehr geehrter Herr Amtsgerichtsrat,

      Machen Sie sich weiter keine Sorge um die Frage, die jetzt in der Zeit, in der meine Söhne an der Front fallen können, so ganz besonders widerwärtig ist für uns alle. Ich hoffe sehr, daß unser letztes Rundschreiben an sich dazu führen wird, daß jeder Empfänger desselben sich der Deutschen Pflicht bewußt wird, Häßliches, was von Abwesenden behauptet wird, nicht einfach nur mit den Worten, daß er es glaube oder nicht glaube, hinzunehmen, sondern zu verlangen, daß diese Menschen zu ihren Worten stehen und sie den Verlästerten gegenüber vertreten!! ...

      Lassen Sie sich in Ihrer Freundschaft nicht bestimmen von dem, was in meinen Briefen zur Sprache kam. Aber ich habe die Pflicht darauf hinzuweisen, daß von vorbildlichem Einklang mit meinen Werken bei ihrem Freunde nicht die Rede sein kann, wenn er, wie ich Ihnen schrieb, einen Mitkämpfer zu dem durch und durch undeutschen Handeln aufforderte, meine Söhne heimlich zu beobachten. Der betreffende Mitkämpfer hat dieses Ansinnen entrüstet zurückgewiesen und sich hierdurch recht viel näher jenem Einklang gezeigt! ...

      Und nun wollen wir in dieser furchtbar ernsten Zeit, die das tagtägliche Bangen um das Leben meiner Söhne in sich birgt das traurige Thema ihrer Verlästerung durch Menschen, die sich Anhänger nennen, ruhen lassen. Ich danke Ihnen für Ihren warmen Anteil und Ihr Nachdenken über Wege der Abhilfe.

      Die Person Herbert Frank findet in dem Briefwechsel zwischen Rudolf Sand und Mathilde Ludendorff dann ein weiteres mal Erwähnung im Februar 1946.

      Großer Gefallen für die Jesuiten (Februar 1946)

      Ausgangspunkt ist eine Auseinandersetzung über die Jesuiten. Rudolf Sand schrieb an Mathilde Ludendorff:

      Waldbröl, 3. 2. 46
      Hochverehrte Exzellenz!

      Ein tüchtiges Deutsches Mädel, Tochter von Herrn Herbert Frank, Duisburg, kämpft in ihrer Klasse einen tapferen Kampf. Sie hat bei ihren Mitschülern und Mitschülerinnen eine lebhafte Auseinandersetzung über den Jesuitenorden hervorgerufen und soll nun vor der Klasse einen Vortrag über den Jesuitenorden halten. ... Frl. Hilde Frank will sich gegen alle denkbaren Einwände anders eingestellter Mitschüler aus gutem Grunde wappnen, hat es doch der Vater eines katholischen Mitschülers schon fertiggebracht, über den Geist der Klasse nach Düsseldorf an die Jesuiten zu berichten. So wurde mir gesagt.
      Mathilde Ludendorff reagiert für Rudolf Sand sicherlich ganz unerwartet:
      Tutzing, 19. II. 1946

      Sehr geehrter Herr Amtsrichter anbei noch einmal die Mitteilung. Das Schulkind ahnt nicht, welch großen Gefallen (letzte beide Worte handschriftlich unterstrichen) es den Jesuiten tut, die eben allzugerne unsern religiösen Bund zu einem politischen Kampfbund umstempeln möchten, damit er verboten werden kann! Ich führe schwere Aufklärungskämpfe mit den Behörden. --- Solche Kämpfe gehören nicht in die Schule!

      Eine klare Stellungnahme. 

      Frank kritisiert Mathilde Ludendorff (Oktober 1948)

      Über Herbert Frank wird berichtet (2, S. 9):
      Nachdem sich Frank zunächst mit aller Energie für den Erfolg der Organisationen (Bund für Gotterkenntnis und andere) einsetzte (...) [s. NL Frank, Bd. 101: Frank an Beinhauer v. 18.7.1950], bahnte sich spätestens im Sommer/Herbst 1949 eine grundlegende persönliche Wende an. Frank begann sich allmählich von Mathilde Ludendorff und partiell auch von der Tannenbergbund-Ideologie zu lösen [s. NL Frank, Bd. 101: Frank an Gerstenberg v. 31.10.1949; ebd.: Frank an seinen Vater v. 28.11.1949; ebd.: Frank an Beinhauer v. 18.7.1950]. Diese Veränderung trug wesentlich dazu bei, daß er sich im Juli 1950 nach einem führungsinternen Streit von der Gesellschaft für Lebenskunde und allen Nebenorganisationen trennte.

      Für diesen Beitrag konnte die genannte Dissertation (3) noch nicht eingesehen werden. Vorbehaltlich dieser Einsichtnahme und dem Kennenlernen weiterer Dokumente muß gesagt werden, daß die inhaltlichen Gründe für die Trennung von Mathilde Ludendorff an dieser Stelle zunächst nicht geklärt werden können. Hier kann zunächst nur berichtet werden, was aus den im folgenden anzuführenden Dokumenten ersichtlich ist.

      Zum Eklat kam es schließlich, als Herbert Frank im Oktober 1948 an Gesinnungsfreunde einen Bericht über eine Unterredung sandte, die er zuvor in einem größeren Rahmen mit Mathilde Ludendorff in Düsseldorf gehabt hatte, und in der er ihr vor einer größeren Menge von Personen, die damit gar nichts zu tun haben wollten, Fehler vorgeworfen hat, offenbar philosophischer Art. (Welcher Art dieser Fehler genau gewesen sein sollen, kann aus den bislang zusammen gestellten Dokumenten nicht geklärt werden.) Es muß auch von seiner Seite aus ein Ultimatum an Mathilde Ludendorff gestellt worden sein.

      In der Folge kam es zur Trennung zwischen Herbert Frank und leitenden Persönlichkeiten in der Ludendorff-Bewegung wie Mathilde Ludendorff, Karl von Unruh, Dr. Rudolf Sand, Werner Preisinger und anderen. Sein Verhalten wurde als unverschämt, frech und respektlos, als ein "Unterschieben niedrigster Motive" gegenüber Mathilde Ludendorff empfunden, als "Ungeheuerlichkeit", als ein "Antasten ihrer Ehre".

      Rudolf Sand trennt sich von Frank (Februar 1949)

      Dr. Sand schrieb nämlich einige Monate später an Mathilde Ludendorff:

      Waldbröl, den 23.2.1949

      Hochverehrte Exzellenz!

      Der „Fall Frank“ hat meine Frau und mich stärkstens bewegt! Ich habe am 6. 2. 49 gleich nach dem Erhalt der Unterlagen Herrn (Karl) v. Unruh Folgendes geschrieben:

      ... Der Bericht Franks über die Unterredung mit Exz. ist erbärmlich! Dieses Unterschieben niedrigster Motive und, was meine Frau und mich am meisten entsetzte, die Bemerkung: „Wenn ich an Fehlern Kritik übe, so ist es Sorge um die Idee. Über uns beiden steht die Idee“. Da bleibt einem, wie man so sagt, die Spucke weg. Das der Schöpferin Deutscher Gotterkenntnis, der Philosophin zu sagen! Mit welchem Maßstab mißt Frank da?

      Es konnte für mich keine andere Folge geben, eine Freundschaft zu beenden, die unvereinbare Anschauungen und Handlungen in sich schloß. Es liegen sehr bittere Wochen hinter mir, die sich noch durch eine schwere Grippeerkrankung besonders erschwerten. Ich habe dann Frank Folgendes geschrieben:
      Waldbröl, 21.2.1949

      Schon eher hätte ich Dir geschrieben. Aber ich mußte das Ungeheuerliche erst innerlich verarbeiten. Darüber habe ich viele schlaflose Nächte verbracht und das alles ging hart an die Grenze meiner seelischen und körperlichen Leistungsfähigkeit.
      „Gylfaginning“, die gaffende Gähnung, hat sich zwischen uns aufgetan, über welche keine Brücke des Verständnisses führt.

      Wenn Dir selber die Einsicht in das fehlt, was Du getan hast durch die Art der Unterredung und des Berichtes vom 10. 10. 48, durch Versendung an verschiedene Freunde, zu denen ich nicht zählte, die dann in der Lage waren, natürlich unter dem Siegel der Vertraulichkeit, es einer unabsehbaren Zahl von Freunden weiterzureichen und Du offensichtlich kein Empfinden dafür hast, daß Frau Dr. Ludendorff sich dagegen wehren mußte, so kann ich Dir diese Einsicht auch nicht vermitteln. In welchem Ton schreibst Du über die Gattin des Feldherrn und Künderin Deutscher Gotterkenntnis? Und du wagst ihr jetzt ein Ultimatum zu stellen und ihr zu drohen, nachdem Du sie durch Deinen Bericht in ihrer Ehre angetastet hast? Das alles ist mir völlig unbegreiflich.

      Unsere Wege mögen sich trennen. Ich meinerseits gedenke dem heiligen Vermächtnis des Feldherrn: „Scharen Sie sich um meine Frau“ treu zu bleiben.

      Ich danke Dir für alles, was Du mir in langjähriger Freundschaft gegeben hast. Ich denke, daß ich das nicht unerwidert ließ und mit Rat und Tat nicht gekargt habe. Ich bitte Dich, Deine Frau und Töchter, vor allem Inge, von uns zu grüßen.

      Auch Dich grüßt

      Dein gez. Rudolf Sand

      Ich fühle mich verpflichtet, Ew. Exz. von Vorstehendem Kenntnis zu geben. ...
      Mathilde Ludendorff antwortete Rudolf Sand dankbar:
      Tutzing den 16.3.49
      Sehr geehrter Herr Dr Sand,

      Herrn von Unruh geht es weiter besser! -

      Sie sind ja nun wohl unser getreuer Eckhardt im Rheinland und so bitte ich Sie, den einliegenden Brief von Herrn Utzinger zu lesen und ihn mir gelegentlich wieder zurück zu senden! ....
      Um was für einen Briefinhalt es sich hier handelt, ist nicht bekannt. Rudolf Sand antwortete:
      Waldbröl, 22.3.49
      Hochverehrte Exzellenz!

      ... Exz. schreiben mir im Brief vom 16. 3. an mich, ich sei ja nun wohl „unser getreuer Eckhardt im Rheinland“. Diese Ehrung macht mich unendlich stolz und ich sage Ew. Exz. dafür meinen allerherzlichsten Dank!!! ...

      Der "getreue Eckart", auf den sich diese Worte beziehen, ist eine Märchen- und Sagenfigur (Wiki). Er ist vor allem für seine Treue bekannt und wird oft als Beschützer dargestellt. Er warnt Menschen vor Gefahren und steht ihnen bei. Man könnte aus diesen Worten heraus hören, daß Mathilde Ludendorff in Jahre langem Ringen mit diesem Herbert Frank gestanden war, daß es ihr Jahre lang schwer genug gefallen ist, ihre Anhänger im Rheinland davon zu überzeugen, daß hier ein schädliches Wirken vorliegt, und daß sie nun endlich bei Rudolf Sand Einsicht für ihre Sichtweise vorfindet - nach langen Jahren.

      "Ich konnte nicht in die Abgründe blicken ..." (März 1949)

      Auch in einem Brief an Werner Preisinger kam Mathilde Ludendorff dann noch einmal auf den Fall Herbert Frank zu sprechen:

      Tutzing, den 22.(28.?)3.49
      Sehr geehrter Herr Preisinger,

      Es ist sehr schön, daß Sie Herrn von Unruh in Bremen vertreten wollen (...). Hoffentlich überlasten Sie sich nun aber nicht allzusehr beim nahenden Examen! –

      Was Frank anbetrifft, so konnte ich nicht in die Abgründe blicken, die mir jetzt erkennbar wurden! Ich hatte geglaubt, so ein wenig Eitelkeit hätte ihn daran verhindert, mir zu schreiben, daß mein Brief Anlaß war, seine Behauptung zu revidieren und erfuhr erst kürzlich seine Briefe an Dr. Lebhahn und nun auch den Brief an Sie und damit, daß er mich tatsächlich noch weiter der Unwahrheit bezichtigt.

      Auch war die Unterredung in Düsseldorf vor allem für die Ordner gedacht, von denen er geschrieben hatte, sie seien tiefempört, ich ahnte ja nicht, daß er mir andere, ganz Unbeteiligte mit in den Raum gebracht hatte, die mir später schrieben, es sei ihnen sehr peinlich gewesen, ahnungslos mit hineingenommen worden zu sein! - - -

      Ja, Gerstenberg will exakt beweisen und das ist ja eben die große Gefahr, daß dabei die Erkenntnis viel zu sehr mit einzelnen, zur Zeit bestehenden naturwissenschaftlichen Überzeugungen verwoben wird! –

      Im übrigen habe ich aber Dr. Gerstenberg erst durch unseren Briefwechsel und sein letztes Rundschreiben, das mitteilen soll, was ich ihm alles angetan hätte, kennen gelernt. Ich hoffe, wenn er aus der Zwitterstellung, in die er sich begab, heraus ist und eines Tages meine Unwissenschaftlichkeit nachweisen wird, wird er sich erholen. Alles ist recht ernst, aber ein Segen ist es, daß nun Klarheit wird. Von Unruh geht es mit jedem Tage besser, hoffentlich wird er ganz gesund und kräftig werden! (...)

      Ihnen und Ihrer lieben Frau herzliche Grüße

      Bei dem "Fall Gerstenberg" geht es um das Verhältnis zwischen Naturwissenschaft und Philosophie, ein Thema, dem auch die katholische Kirche immer wieder viel Aufmerksamkeit widmet. Dieser Fall muß an anderer Stelle noch einmal aufgearbeitet werden.

      Vorarbeit für das "Hijacking" nach 1966

      Insgesamt wird auch an dem in diesem Beitrag geschilderten Geschehen wieder sehr viel "Zersetzungsarbeit" von Geheimdiensten und Geheimgesellschaften erahnbar. Und diese Zersetzungsarbeit mutet in diesem Fall - aufgrund vieler geschilderter Anhaltspunkte - durchaus sehr bigott christlich und jesuitisch an. Es kann diese Zersetzungs- und Wühlarbeit gut und gerne als "Vorarbeit" dafür angesehen werden, später, nach dem damals vorauszusehenden Tod von Mathilde Ludendorffs, die Ludendorff-Bewegung um so reibungsloser "hijacken" und übernehmen zu können.



      / letzte leichte Korrekturen, 
      Ergänzungen: 26.10.2015
      3.1.2025 /

      __________________________________
      1. Ludendorff, Erich und Mathilde: Die machtvolle Religiosität des Deutschen Volkes vor 1945. Dokumente zur deutschen Religions- und Geistesgeschichte 1933 - 1945. Zusammengestellt von Erich Meinecke, Verlag Freiland, Süderbrarup 2004
      2. Institut für Zeitgeschichte, München: Archiv - Findmittel online. Bestand ED 414. Frank, Herbert. (143 S., als pdf.-Datei --> frei zugänglich)
      3. Borst, Gert: Die Ludendorff-Bewegung 1919–1961. Eine Analyse monologer Kommunikationsformen in der sozialen Zeitkommunikation. (phil. Diss. 1967) München 1969 [Auswertung des Nachlasses des Tannenbergbund-Führers Herbert Frank]
      4. Frank, Herbert: Geheimnivolle Querverbindungen über Deutschland. Der Deutsche Herrenklub und andere Klubs. Ludendorffs Volkswarte Verlag, München 1932
      5. Frank, Herbert: Enthüllte Geheimnisse jüdischer Geschichte. Grundlagen jüdischer Weltherrschaft. Ludendorff-Verlag, München 1934
      6. Bading, Ingo: Der Schriftsteller Walter Erich von Bebenburg (1927-1980) - Die Geschichte eines "verlorenen Sohnes"? Auf: Studiengruppe Naturalismus, 7. August 2011, http://studiengruppe.blogspot.de/2011/08/der-schriftsteller-walter-erich-von.html
      7. Wagner, Hans: Die faktische Ordnung der sozialen Kommunikation. Versuch einer Systematisierung der Zeitungswissenschaft. (phil Diss. Uni. München 1965)  A. Schottenheim, 1965 (331 S.) (Google Bücher)
      8. von Kemnitz, Hanno: Der letzte Weg des Feldherrn Erich Ludendorff. Einziger geschlossener Text- und Bildbericht von den Trauerfeierlichkeiten und dem Staatsbegräbnis am 22. Julmonds 1937. Ludendorffs Verlag, München 1938
      9. Schlötzke, Kurt: Der Freispruch! In: Mensch und Maß, Folge 24, 23. 12. 1991, S. 1153 (Eine Erinnerung an den Richter Dr. Rudolf Sand)
      10. Duda, Gunther; v. Bebenburg, Franz: Dr. jur. Rudolf Sand (1896-1992). In: Mensch und Maß, Folge 12, 23. 6. 1992, S. 576
      11. Alfred Wesselmann: Der Tecklenburger Landbote: Eine völkische, rassistische und antidemokratische Tageszeitung in Lengerich von 1930 bis 1933. Unter Mitarbeit von Harald Klöpper. BoD – Books on Demand, 28.11.2024 (GB)
      12. Tecklenburger Landbote 1930 bis 1944 (Deutsche Digitale Bibliothek)

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