Donnerstag, 7. Juli 2016

Mathilde Ludendorff im Künstlerportrait

Gleich nach der für Deutschland siegreichen Schlacht von Tannenberg im Herbst 1914 haben sich bedeutende deutsche Künstler darum bemüht, den militärischen Leiter dieser Schlacht, Erich Ludendorff, in persönlichen Sitzungen porträtieren zu dürfen (1). In den folgenden Jahren ist Erich Ludendorff von vielen bekannten deutschen Künstlern seiner Zeit porträtiert worden. Dass sich einzelne Künstler um solche Porträt-Sitzungen bemüht haben, ist gelegentlich in der Literatur erwähnt worden. Ob es aber einen Überblick gibt über alle zu Lebzeiten Erich Ludendorffs entstandenen Portraits von ihm, erscheint sehr zweifelhaft. Zu den Porträt-Künstlern gehörte gegen Ende seines Lebens auch die Künstlerin Lina Richter, eine Schwester Mathilde Ludendorffs (1).

Auch die Evolutionäre Philosophin Mathilde Ludendorff ist verschiedentlich von Künstlern porträtiert worden. Im folgenden sollen Kunstwerke zusammen gestellt werden, in denen sie in Einzelportraits dargestellt worden ist, wobei offen bleiben muss, wie vollständig oder unvollständig, bzw. wie repräsentativ die folgende Auswahl ist. Auch Fragen nach etwaiger höherer oder geringerer künstlerischer Qualität der einzelnen Portraits können im folgenden nicht im Vordergrund stehen. Der Schwerpunkt liegt schlicht in einer möglichst vollständigen Dokumentation aller überlieferten Portraits.
  1. Bading, Ingo: Künstler porträtieren Erich Ludendorff. Studiengruppe Naturalismus, 9. 1. 2012
1926 und 1927 - Wolfgang Willrich

Der betont völkische deutsche Zeichner Wolfgang Willrich (1897-1948) gehörte zu den frühesten Künstlern, von dem Portraits Mathilde Ludendorffs überliefert sind. Von ihm sind auch die zahlreichsten überliefert. Wolfgang Willrich war nach seinen eigenen Angaben gegenüber der Reichsschrifttumskammer von 1927 bis 1930 Mitglied des Tannenbergbundes Erich Ludendorffs, also Anhänger auch der politischen und zum Teil weltanschaulichen Zielsetzungen Erich Ludendorffs (1).

Abb. 1: Mathilde Ludendorff - Portraitzeichnung von Wolfang Willrich (1926)
(mit freundlicher Genehmigung des Willrich-Archivs in Toppenstedt)
Schon 1922 hatte Wolfgang Willrich mit 25 Jahren eine Portrait-Zeichnung Erich Ludendorffs angefertigt (Stud. Nat. 01/2012). Wolfgang Willrich hat sich schon in frühen Jahren für seine ersten Portraits bekannte Personen ausgesucht, die ihm wichtig waren. Dazu gehörten neben Erich Ludendorff General Lettow-Vorbeck, der Bauernführer Claus Heim, Elsa Brandström und nachfolgend eben auch Mathilde Ludendorff. Bei all diesen Arbeiten hat es sich - laut Auskunft des Willrich-Archives (1) - nie um Auftragsarbeiten gehandelt.

Als Erich Ludendorff im Herbst 1926 Mathilde von Kemnitz heiratete, war Wolfgang Willrich 29 Jahre alt. Noch im gleichen Jahr entstand eine erste Portrait-Zeichnung Mathilde Ludendorffs von seiner Hand. Man wird annehmen dürfen, dass diese entstanden ist wenige Wochen oder Monate nach der Hochzeit Erich und Mathilde Ludendorffs, die am 14. September 1926 in Tutzing stattfand. Aus Anlass der Hochzeit hatte Gottfried Feder einen Zeitungsartikel voller Hochachtung über die Philosophin Mathilde Ludendorff erscheinen lassen (Stud.gr., 03/2016), dessen Inhalt auch Wolfgang Willrich bekannt geworden sein wird.

Abb. 2: Portraitzeichnung Mathilde Ludendorffs (Kreide) von Wolfgang Willrich (1927)
(mit freundlicher Genehmigung des Willrich-Archives)
Das Verhältnis zwischen Mathilde Ludendorff und Wolfgang Willrich scheint während des Lebens beider Menschen immer von gegenseitigem großem Respekt getragen gewesen zu sein. Hatte sich Wolfgang Willrich doch offenbar das Urteil Mathilde Ludendorffs über sein Portrait Erich Ludendorffs aus dem Jahr 1922 schriftlich geben lassen und es auf die Rückseite geheftet. Es lautete - nach der fotografischen Wiedergabe des Willrich-Archives:
München, d. 18. III. 27
Dies ist das beste Bild meines Mannes, ohne zu idealisieren gibt es im Gegensatz zu den meisten das Wesen seines Geistes und Gemütes mit der Treue einer Urkunde wieder.
Mathilde Ludendorff
v. Kemnitz
Weiteres dazu siehe Stud. Nat. 01/2012, siehe dort im Anhang auch die fotografische Wiedergabe dieser handschriftlichen Zeilen in Abbildung 53. Aus dieser gegenseitigen Hochachtung werden dann auch die zahlreichen weiteren Portraits Mathilde Ludendorffs von der Hand Wolfgang Willrichs entstanden sein, so ein zweites noch im Jahr 1927.

Soweit übersehbar,  sind die beiden Portraits von Mathilde Ludendorff in Abbildung 1 und 2 zu Lebzeiten des Künstlers Willrich nicht veröffentlicht worden und werden erst in diesen Jahren durch die Tätigkeit des Willrich-Archives bekannt. 1930 veröffentlichte Willrich einen Aufsatz in "Ludendorffs Volkswarte" (2).
  1. Dies und fast alles weitere zumeist nach freundlicher Auskunft des Willrich-Archives in Toppenstedt per Email vom 21. Juni 2016
  2. Willrich, Wolfgang: Zeitgemäße Deutsche Kunst. In: Ludendorffs Volkswarte, Folge 5, 2.2.1930
  3. Lebensdaten Wolfgang Willrich. Willrich-Archiv, Toppenstedt 2014, http://wolfgang-willrich.de/

1928/29 - Hermann Eißfeldt 

Der Münchener Maler Hermann Eißfeldt (1875-1929) hat farbenfrohe Bilder gemalt (Beispiele: a, b, c). Auch sehr viele Porträts Erich Ludendorffs (1).

Abb. 4 Hermann Eißfeldt - Mathilde Ludendorff (zw. 1926 und 1929) (2, S. 207)
Erich und Mathilde Ludendorff berichten beide in ihren Lebenserinnerungen über diesen Maler, ihre Beziehung zu ihm und über dessen in ihren Augen merkwürdigen Selbstmord (2).
  1. Bading, Ingo: Künstler porträtieren Erich Ludendorff. Studiengruppe Naturalismus, 9. 1. 2012
  2. Duda, Gunther: Erich Ludendorff und der 9. November 1923. Der Freiheitskampf für unser Volk und deDurchbruch der Gotterkenntnis. Verlag Hohe Warte, Pähl 2004, S. IV und 207

1933 - Ada von Pagenhardt


Abb. 5: Ada von Pagenhardt: Mathilde Ludendorff (1933) (Postkarte, b)
Ada von Pagenhardt (1879-1941) (Hess. Biographie) war eine heute weitgehend vergessene Portraitmalerin und Buchillustratorin. Im Jahr 1912 malte sie den späteren Hitler-Attentäter Claus von Stauffenberg (1907-1944) als fünfjährigen Jungen mit seiner Mutter Karoline (1):
Karoline von Stauffenberg mit ihrem jüngsten Sohn Claus. (...) Das Gemälde von Ada von Pagenhardt entstand um 1912.
In der Welt der Bücher findet sie sich wieder als Illustatorin von zwei Bänden "Russischer Heldensagen" beim Diesterweg-Verlag in Frankfurt am Main im Jahr 1926 (2). Die Herausgeberin dieser Heldensagen, Lilli von Baumgarten, die auch eigene geschichtliche Erzählungen herausgebracht hat, hat Ada von Pagenhardt im gleichen Jahr 1926 eine 33-seitige Broschüre gewidmet. Diese ist ebenfalls bei Diesterweg erschienen (1).
  1. Konstanze von Schulthess: Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg. Ein Porträt. 2008, S. 64 (Google Bücher)
  2. von Baumgarten, Lili : Altrussische Heldengeschichten. Bilder von Ada von Pagenhardt. Diesterweg, Frankfurt am Main 1926 (33 S.) [Kranz Bücherei, Heft 83 und 84]

1933 - Luise Strey


Abb. 6: Porträtbüste von Luise Strey (1933)
Über die Bildhauerin Louise Strey (1893-1963), zumeist Luise Strey geschrieben, ist schon andernorts geschrieben worden (1), dies sei hier wiederholt. Sie "lebte und starb in deutscher Gotterkenntnis" wie es 1963 in ihrer Todesanzeige heißt (2). Sie war also Anhängerin der Philosophie Mathilde Ludendorffs. Zur gleichen Zeit, wie sie eine Büste Erich Ludendorffs schuf, schuf sie auch eine solche von Mathilde Ludendorff. Abbildungen von beiden Büsten sind in der Folge vom 13. 8. 1933 der Zeitschrift der Ludendorff-Bewegung "Quell" enthalten. Dort schrieb der Münchner Kunstmaler Paul Bender (3):
Die zahlreichen Anhänger des Hauses Ludendorff werden gern davon Kenntnis nehmen, daß die bedeutende Bildhauerin Fräulein Louise Strey Büsten des Feldherrn und seiner Gemahlin modelliert hat. Bei deren Anblick wird wohl jeder aufmerksame Beschauer das Gefühl haben, wie sehr doch eine Plastik gefangen zu nehmen vermag. Tritt uns schon im Ölbild, im Porträt, durch Zeichnung und Farbe die Persönlichkeit des Dargestellten lebendig entgegen, so ist die Büste die raumgebundene Form, die Erscheinung selbst, an die unsere Gedanken in leiser, vertraulicher Zwiesprache Fragen stellen mögen.
Wir stehen in stiller Ehrfurcht vor der Büste des Generals, deren Züge die stets edlen, schönen Formen des nordischen Menschen zeigen, deren straffe Modellierungen unbeugsamen Willen und Hingabe an ein großes, erhabenes Ziel ausdrücken. Der große Feldherr, der geniale Staatsmann, der gewaltige, geistige Freiheitkämpfer und der edle Mensch steht vor uns. Scharf, unbeirrt blickt das große Auge gerade aus, vorbei an den kleinen Geschehnissen der Gegenwart in die Zukunft - in die Zukunft des Deutschen Volkes. Abwendung vom Alltag der Welt liegt auf diesen Zügen. Es drängen sich uns die Worte auf, die Rudolf Herzog einst bei einem Besuche Sanssoucis niederschrieb:
"Alle Größe endet in der Einsamkeit, muss in der Einsamkeit enden, weil sie den Schritt vom Vergänglichen zum Ewigen getan, und die Menschheit tief unter sich gelassen hat."
In einem weiteren Absatz wendet sich Bender dann der "Büste der Philosophin" zu und schreibt im letzten Absatz:
Die beiden Bildwerke beweisen hohes, künstlerisches Schaffen, ein sicheres, technisches Können und die ernste Wahrheitliebe, mit der die Künstlerin an ihre Aufgabe herantrat. Dass sie oft Gelegenheit hatte, an den Büsten nach der Natur zu arbeiten, hat es ihr ermöglicht, dem spröden Material Natürlichkeit und Leben zu verleihen. Wir hoffen, dass die beiden Werke in dem großen Kreise der Mitkämpfer des Hauses Ludendorff, des Feldherrn sowie der Philosophin die wohlverdiente Anerkennung finden werden.
Abbildungen dieser beiden Büsten wurden auch im "Tannenberg-Jahrweiser 1934" gebracht, der vom Ludendorffs Verlag herausgegeben wurde. Louise Strey hat auch eine Büste der Mutter von Mathilde Ludendorff, von Johanna Spieß, geschaffen (vgl. "Quell", 5.5.1934, S. 96).
  1. Bading, Ingo: Künstler porträtieren Erich Ludendorff. Studiengruppe Naturalismus, 9. 1. 2012
  2. Todesanzeige für Louise Strey. In: Mensch & Maß, 3. Jg., Folge 5, Mai 1963, 4. Umschlagseite
  3. Bender, Paul: Zwei Bildwerke. In: Am Heiligen Quell Deutscher Kraft, 13.8.1933, S. 120f

1934 - Erich Heermann

Der Maler und Radierer Erich Heermann (1880-1947) hatte im gleichen Jahr 1922 wie Wolfgang Willrich ein Portrait von Erich Ludendorff geschaffen. Dieses wurde 1933 Ludendorffs Buch "Mein militärischer Werdegang" vorangestellt.

Abb 3: Erich Heermann - Mathilde Ludendorff, zunächst undatiert
1934 schuf Erich Heermann wohl zeitgleich sowohl ein weiteres Portrait Erich Ludendorffs wie auch ein Portrait von Mathilde Ludendorff (Abb. 3). Dieses Portrait Mathilde Ludendorffs nimmt sich im Original (45 x 34 cm), das eingesehen werden konnte, ein wenig natürlicher, weniger steif und damit eindrucksvoller aus als in der hier gebrachten fotografischen Wiedergabe. Der gute Eindruck mag damit zusammen hängen, dass es - womöglich und sei es nur von Ferne - der Stilrichtung der Neuen Sachlichkeit zugeordnet werden kann. Also eine gewisse Kühle von ihm ausgeht, aber vor allem ein großer Ernst. - Mit den beiden Einzelportraits des Ehepaares Ludendorff von Erich Heermann aus dem Jahr 1934 schmückte der Ludendorffs-Verlag 1937 einen seiner Bücher-Ausstellungsstände (siehe Abb. 3 in --> diesem Beitrag).

1937/38 - Paul Bender


Abb. 7: Paul Bender - Mathilde Ludendorff, 1937/38
Der Maler Paul Bender, der Erich Ludendorff porträtierte, hat auch ein Ölgemälde von Mathilde Ludendorff geschaffen. Eine Postkarte mit diesem wird in den Verlagsmitteilungen der Zeitschrift "Quell" vom 5. Februar 1938 erwähnt.

1941 - Wolfgang Willrich 

Abb. 8: Wolfgang Willrich: Mathilde Ludendorff (1941) (Quelle)
1941 entstand das unter der Anhängerschaft der Ludendorff-Bewegung sicherlich bekannteste Portrait Mathilde Ludendorffs von der Hand Wolfgang Willrichs. Es zeigt eine sehr ernste, würdevolle Frau.

1947 - Wolfgang Willrich

1947 folgten zwei weitere. Eines als Radierung, eines farbig in Kreide.

Abb. 9: Wolfgang Willrich - Portraitzeichnung von Mathilde Ludendorff, 1947 
1947 entstanden zwei weitere Portrait-Zeichnungen (Abb. 9-11).

Abb. 10: Wolfgang Willrich - Portraitzeichnung von Mathilde Ludendorff, 1947
(Abb. 8 in anderer fotografischer Wiedergabe)
Ob die Portraits auf Wunsch des Künstlers selbst oder als "Auftragsarbeiten" entstanden, muss an dieser Stelle zunächst offen bleiben. 1947 lebte Mathilde Ludendorff unter sehr schwierigen Wohnverhältnissen. Es waren in ihrem Haus zwei Flüchtlingsfamilien einquartiert.

Abb. 11: Wolfgang Willrich: Mathilde Ludendorff (1947) (Quelle
An der Häufigkeit der Portrait-Zeichnungen ist erkennbar, dass sich Wolfgang Willrich Mathilde Ludendorff ebenso verbunden gefühlt hat, wie sie - siehe Zitat oben - seine Kunst schätzte. Wolfgang Willrich ist schon ein Jahr später, 1948, mit 51 Jahren verstorben. Er war 1946 schwer erkrankt, aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft (Hungerlager) entlassen worden (2).

Allgemein wird man sagen können: Die politischen Ansichten eines Künstlers bestimmen seine Kunst sicherlich mit, allerdings kann wohl keine echte Kunst allein in politischen Ansichten aufgehen. Die Kunstwerke von Käthe Kollwitz sind mehr als der Ausdruck der kommunistischen Ideologie. Und ähnliches wird auch von den Kunstwerken von Wolfgang Willrich gesagt werden können.
  1. Dies und fast alles weitere zumeist nach freundlicher Auskunft des Willrich-Archives in Toppenstedt per Email vom 21. Juni 2016
  2. Willrich, Wolfgang: Zeitgemäße Deutsche Kunst. In: Ludendorffs Volkswarte, Folge 5, 2.2.1930
  3. Lebensdaten Wolfgang Willrich. Willrich-Archiv, Toppenstedt 2014, http://wolfgang-willrich.de/

1963 - Kurt Schmid-Ehmen

Im Jahr 1963 schuf der deutsche Bildhauer Professor Kurt Schmid-Ehmen (1901-1968) ein Reliefporträt von Mathilde Ludendorff (Abb. 12). 

Schmid-Ehmen war während des Dritten Reiches von Adolf Hitler gefördert worden und gilt als Schöpfer des Reichsadlers und des NS-Hoheitszeichens. Wie immer man diese Umstände beurteilt, wird man auch hier anerkennen können, dass seine Kunst Charakterzüge aufweist, die unabhängig von ihrer zeitgeschichtlichen Einbindung ihre Gültigkeit bewahren (s. Abb. 11).

Abb. 12: "Liebende" (1942) - von Kurt Schmid-Ehmen
Auf Wikipedia heißt es zu Schmidt-Ehmen unter anderem:
Trotz seiner NS-Belastung war Schmid-Ehmen seit 1948 an seinem neuen Wohnsitz Starnberg wieder künstlerisch tätig und schuf Portraits, Grabmäler und figürliche Werke. Zu seinen Spätwerken zählen eine Trauernde 1961, ein Mutterbrunnen als Auftragswerk für ein Altersheim in Schweinfurt, sowie ein monumentaler Phönix mit 3,50 m Flügelspannweite und einer Höhe von 2,10 m, den er als gussfertiges Gipsmodell zwei Monate vor seinem Tod im Jahr 1968 vollendete. Der Bronzeguss erfolgte 1990 unter Aufsicht seiner Witwe.
Zu dem Reliefporträt Mathilde Ludendorffs (Abb. 12) ist zu erfahren (Hermann Historica, 04/2010, Artfact.com):
"Plaster, at the collar with monogram and date "SCH-E 1963". At the lower rim signature of Mathilde Ludendorff. Dimensions 40 x 47 cm. (...) The portrait was made in 1963 on the occasion of the abrogation of the judgement against her as chief culprit."
Das hieße also, dass Schmid-Ehmen im Jahr 1963 dieses Gipsrelief-Porträt geschaffen hätte aus Anlass, wie es heißt, der Aufhebung ihrer Verurteilung als Hauptschuldige im Spruchkammerverfahren. 


Abb. 13: Reliefporträt Mathilde Ludendorff (1963) - von Kurt Schmid-Ehmen
Hier bestehen Unklarheiten. Mathilde Ludendorff war am 5. Januar 1950 im Spruchkammerverfahren zu einer "Hauptschuldigen" verurteilt worden. Dieses Urteil hat sie - auch nach nahe stehenden Zeitzeugenberichten - tief getroffen. Die automatische Aufhebung dieses Urteils als Hauptbeschuldigte ist im Jahr 1954 erfolgt. Vielleicht hat Schmidt-Ehmen mit dem Werk im Jahr 1954 begonnen, es aber erst 1963 abschließend selbst signiert und von Mathilde Ludendorff signieren lassen?

Zwar war 1961 der von ihr geleitete "Bund für Gotterkenntnis" verboten worden. Aber 1963 liefen die Anfechtungsklagen gegen dieses Verbot, es gab aber - soweit übersehbar - in diesem Jahr kein besonderes Ereignis, das als "Anlass" der Anfertigung dieses Porträts hätte dienen können. Das Verbot wurde erst im Jahr 1977 wieder aufgehoben.

Auch ob es sich um ein Auftragswerk handelt und wer der etwaige Auftraggeber war, wird nicht mitgeteilt. Das Lebensalter von Mathilde Ludendorff betrug 1954 74 Jahre, 1963 83 Jahre. Schriftstellerisch umfangreich tätig war sie etwa bis 1959. Im Jahr 1964 schuf (oder vollendete) Schmidt-Ehmen auch eine Portraitbüste des völkischen Historikers Prof. Adolf Helbok.

/Dieser Beitrag erschien zuerst in einer noch viel kürzeren Fassung am 23.12.2011. 
Nachdem er zwischenzeitlich häufig ergänzt und erweitert wurde, 
wird er unter aktuellem Datum neu eingestellt./

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